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M. 181
DormerSta«
de« 24. Luli
1930
Lieber 1000 Tote in Gübttatien
Die GedvebenSatafir-phe in Stätten
«och Unklarheit über die Zahl »ec Cofer Smichtba« Verheerungen
Rom, 23. Iuli. Ganz Italien steht unter dem niederschmetternden Eindruck der Hiobsbotschaften aus dem Erdbebengebiet. Die Beunruhigung ist umso größer, als über die Zahl der Opfer noch immer quälende Ungewißheit herrscht. Gerüchte, die allerdings noch der Bestätigung bedürfen, wollen wissen, daß mehrere tausend Tote zu beklagen seien, was in merkwürdigem Gegensatz steht zu der amtlich bis jetzt bekanntgegebenen Ziffer von 300 Toten. Es ist zumindest damit zu rechnen, daß diese Ziffer zu niedrig gegriffen ist, und daß die endgültige Wahrheit zwischen den beiden erwähnten Angaben liegt.
I« Melfi allein sind bis jetzt 120 Tote sestgeslelll. Gerüchtweise verlautet ferner, daß die Gemeinde D i l l a n o v a vollständig zerstört wurde, und daß von den 6000 Einwohnern 80 bis 90 Prozent getötet worden seien. Die Gemeinde Montecaèvo-Jrpino soll zur Hälfte zerstört sein und die Zahl der Toten betrage hier an die 300. In Neapel ist die Zahl der Toten nicht so hoch, wie ursprünglich befürchtet wurde. Im ganzen sind es nur vier.
Das Epizentrum des Erdbebens befindet sich ^lttunllM" 'vlV-Plüvn^M"« > » . »»« l o , Avel- lino und Foggia. Von dort dehnte Ich das Sieben nach Bari, im Osten, Jtptrprt-tmfr-' hen «lO*»
:en unö' Rom im Norden aus. Das ,
âÄäjä^ dmckâ.M «M geblieben sind," sind rissig geworden und fürs erste unbewohnbar. Es handelt sich dabei um ein Gebiet, das an die 60000 Einwohner zählt.
Die SevfiSvuns«« «nevmeSUch
bände droht der Einsturz. Aus allen größeren Verkehrspunkten sind Hilfszüge und Autotransporte für die von dem Unglück betroffene Bevölkerung abgegangen. Der Papst hat an die Kirchenbehörden der am schwersten betroffenen Städte Beileidstelegramme gerichtet.
Idee oder mehr Tote
Rom, 24. Juli. Nach letzten Nachrichten der Morgenblätter sind im Haupterdbeben-Gebiel allein mindestens 700 Menschen ums Leben ge- jommen. Es ist zu besuchten, bab ble Zahl, unter der Todesopfer unter den weniger hrimgefnchten Pr<"-'nzen Süd-Italiens < < f c
ist dabei, daß diesem norditalinischen Erdbeben eine Katastrophe in Sizilien (Messina) vorausging. Dort fand zwanzig Tage vorher, mm 8. März 1928, ein Erdbeben statt, das die furchtbare Erinnerung an die gräßliche Katastrophe des 28. Dezember 1908 wachrief. Besonders wichtig erscheint in diesem Zusammenhang, daß diese beiden Erdbeben wahrscheinlich völlig verschiedene Ursachen hatten: während das Messina-Erdbeben auf die gesteigerte Tätigkeit des benachbarten Aetna zurückzuführen war, lag die Ursache des norditalienischen Erdbebens in tektonischen Verschiebungen, wie sie sich an fast allen Gebirgsspalten tertiärer, also verhältnismäßig jüngerer Herkunft bemerkbar machen.
Diese Gebirgsspalten sind bekanntlich in seismischer Hinsicht Gebiete geringsten Widerstandes. Es ist bekannt, daß die höchsten Gebirge der Welt heute noch in Bildung begriffen sind, da der Prozeß der Schrumpfung der Erdkruste ununterbrochen seinen Fortgang nimmt. So bildet die überwiegende Mchrzahl der europäischen Gebirge ein einheitliches System, weil sie zu ein- und derselben geo» logischen Spalte gehören. Diese geologische Spalte geht von den Pyrenäen über die Alpen nach den Karpathen über, nachdem sie sich auf die Apenninen und das Valkangsbirge abgezweigt hat, und setzt sich über die Krim und über den Kaukasus
nach Hindukusch, been Himalaya und den sibirischen Gebirgen fort, um sich dann nördlich nach Kamtschatka und den Kuvillen, südlich nach Sora, Japan und weiter über Formasa auf die Sunda-Jnseln abzuzweigen (man denke an die neue Krakatau- Tätigkeit!). Es genügt, daß an einem der Punkte dieser riesenhaften geologischen Spalte Unruhe ent» stht, um alle übrigen Teile dieser geologischen Bildung in Mitleidenschaft zu ziehen. Es braucht dabei nicht unbedingt zu einer großen Katastrophe zu kommen. Bekanntlich gibt es durchschnittlich alle zwei Stunden irgendwo auf der Erde eine merkliche Bodenerschütterung. Die Zahl mehr oder minder großer Erdbeben beträgt pro Jahr durchschnittlich 100 bis 150. Aber es ist festzustellen, daß im Laufe ■ der letzten Zeit gerade die Zahl derjenigen Erdbeben, die Häusersinstürze und Menschenopfer verursachen, ^besonders zugenommen hat. Aber das Erdbeben von Neapel hat bezeichnender Weise feine Ursache nicht etwa in der Tätigkeit des Vesuvs. ViÄmhr liegt das Zentrum dieses Erdbebens in den Apenninen. Es besteht leider kein Anlaß anzunehmen, daß in der nächsten Zeit in tektonischer Hinsicht eine Beruhigung eintreten wird. Eher muß die Katastrophe von Neapel als ein böses Omen angesehen werden, das eine Ahnung kommender Erdbeben-Katastrophe gibt
âvlem
im Weitsten des Wauer
sind
Rom, 23. Juli. Aus allen Garnisonen Truppen zur Hilfeleistung in die betroffenen Ortschaften geschickt worden. Die Bergungsarbeiten dauern an. Ueberall spielen sich herzergreifende
Szenen ab. In Rionero, wo zahlreiche Kinder durch den Einsturz des dortigen Waisenhauses verletzt wurden, wurde eine Frau aus den Trümmern geborgen, die sich vergeblich schützend über drei Kinder gelegt hatte, dabei aber selbst den Tod sand. In der Provinz Potenza haben sich um 3.50 Uhr und 6.33 Uhr die Erdstöße wiederholt, glücklicherweise forderten sie jedoch keine neuen Opfer. Auch diese Stöße wurden am stärksten in der Um= gebuing des erloschenen Vulkans Bulture verspürt. In Melfi, das am stärksten gelitten hat, ist u. a. auch das historische Schloß Kaiser Friedrichs II. zu einem Teil eingestürzt. Außerdem sind in dem Erdbebengebiet zahlreiche Kirchen und Glockentürme vernichtet worden. Der Papst hat dem Bischof von Melfi telegraphisch sein Mitgefühl übermitteln lassen und Vorbereitungen für Hilfsmaßnahmen getroffen.
In Neapel stürzte bei der Casanova-Brücke ein Flügel eines Hauses ein. Dabei fand ein neunjähriges Kind den Tod. Drei Frauen wurden verletzt. In der Straße der fünf Heiligen ist ebenfalls ein Gebäude eingestürzt. Eine größere Anzahl von Häusern wurde außerdem beschädigt. In der Stadt versagte nach dem Beben das Licht, wodurch die Bestürzung der Bevölkerung gesteigert wurde. Alt und Jung sammelten sich auf den großen Plätzen und in den öffentlichen Gärten. Das Hin und Her von Autos und Feuerwehrwagen erhöhte das allgemeine Durcheinander, wobei es etwa.20 Verletzte gegeben hat.
Der Leiter des Pesuvobservatoriums nimmt an, daß das Zentrum des Bebens sehr nahe bei Neapel gelegen ist, kann aber keine genauen Berechnungen anstellen, da der Seismograph des Observatoriums zu stark ausgeschlagen habe.
Rom, 23. Juli. Aus weiteren Nachrichten aus dem Erdbebengebiet ergibt sich, daß die Zahl der Todesopfer ständig im Steigen begriffen ist. Aus den kleinen Ortschaften und aus dem flachen Lande treffen dauernd neue Unfallmeldungen ein. In Salerno ist der Oberteil des Domes samt dem Gesims eingestürzt, wobei eine Person ihr Leben einbüßte. In M e l f i, der am, schwersten betroffenen Stadt, sind unzählige Häuser eingestürzt. Die Zahl der nicht mehr bewohnbaren Gebäude ist noch größer. Das historische Kastell Friedrichs II. ist zum größten Teil zerstört, und dem Bahnhofsge-
murr uetRHOfiui uietè Süstb^v« zweifellos ganz erheblich größer. Ihre Bergung und ihr Abtransport im Lastkraftwagen und Privatwagen ist schon seit gestern im Gange.
Rom, 24. Juli. Die Nachrichten über das Erdbeben laufen immer beängstigender. Der Umfang der Katastrophe ist auch jetzt noch nicht zu übersehen. Die Zahl der Toten allein von Melfi wird heute früh mit 200 angegeben. 400 Personen sollen verletzt fein. Auch m Ladedonia sollen mehrere hundert Menschen umgekommen sein. Eine Anzahl kleiner Dörfer ist ebenso wie Melfi fast völlig zerstört, mit anderen Dörfern konnte überhaupt noch keine Verbindung hergestellt werden. Die Hilfsaktion aus Rom, Neapel, Potenza, Sog- gia und Overlino ist in vollem Gange. Nahrung Kleidung, Medikamente und Instrumente aller Art, Aerzte und Sanitätspersonal sind mit Bah> und Auto in die am meisten heimgesuchten Gebiete entsandt worden. Aus dem Erdbebengebiet werden die ersten Schreckensszenen berichtet. Die Wucht des Bebens war von Anfang an so stark, daß die Flucht der Bewohner aus ihren kleinen Häusern gar nickst möglich war.
Das Keavek-Ev-Sebett im £itöte modevnev Sovschuns (Von einem wissenschaftlichen Mitarbeiter)
Das Neapeler Erdbeben vergrößert zugleich die an sich nicht geringe Zahl von Erdbeben-Katastrophen, die sich im Laufe verhältnismäßig kurzer Zeit ereignet haben. Das große japanische Erdbeben des Jahres 1923 bildete den Anfang einer bedrohlichen Serie weiterer ähnlicher Unglücke. Es ist unmöglich, einen einzelnen Herd dieser Erdbeben auf» zuzeigen. Man muß vielmehr von Erdbebenwellen prechen, die über die gesamte Erdoberfläche in be- timmten Richtungen verlaufen. Es scheint, daß un-
Planet neuerdings eine erhöhte seismische Tätig
er
keit entwickelt. Hiermit findet eine schon vor einigen Jahren von namhaften französischen Geologen aufgestellte Katastrophen-Theorie ihre Bestätigung. Diese Theorie besagt, daß es Anzeichen für eine nahe bevorstehende riesige Erdbebenkatastrophe, gibt, und zwar in Europa. Die Meeresbodengestaltung des Atlantischen Ozeans hat sich in hen letzten Jahrzehnten so auffallend verändert, daß die schlimmsten Rückwirkungen in Europa zu befürchten seien: Europa geht einer Erd- und Meereskatastrophe entgegen, die bereits für die allernächsten Jahre erwartet werden kann. Die ersten kontinentalen Ansätze der Katastrophe wurden von den Verfassern dieser Theorie für die Jahre 1927 und 1928.in Aussicht gestellt. Diese schon vor einigen Tagen vorausgesagten Anzeichen trafen ein. Man hat in der Tat selbst in solchen Gebieten Erdbeben verspüren können! die bisher von ähnlichen Erscheinungen so gut wie völlig verschont waren. Während in Süditalien die Erdbeben gewisiermaßen zur „Tagesordnung" gehören, bereitete das Erdbeben in der Provinz Venedig, im Norden Italiens, am 28? März 1928 große und unangenehme Uèbepräschung. Dieses Erdbeben hatte eine ziemlich breite Basis: Erdstöße wurden nicht nur südlich der Alpen, sondern auch in Kärnten, ja sogar in Prag verspürt. Interessant,
Koblenz, 23, Juli. Die Zahl der aus dem Wasser geborgenen Toten beträgt nunmehr 35. Die Strombaubirektion ist der Auffassung, daß nur noch wenige Leichen im Bodenschlamm an der Unglücksstelle liegen oder abgeschwemmt sein mühten. Vermißt werden noch zwei 16jährige Zöglinge des Schwesternhauses Rheinwaldheim. Bei der Polizei find seit der Katastrophe 18 Vermißten anzeigen eingegangen, doch dürften in dieser Zahl die üblichen Vermihlenanzeigen enthalten sein, wie sie täglich einlaufen.
Die Loienttsie
Koblenz, 23. Juli. Die Namen der 35 Personen, die bei dem Brückeneinsturz den Tod gefunden haben und bis jetzt geborgen werden konnten, sind folgende:
1. Susi Mittnacht, Schwesternhaus Rheinwaldheim bei Rheinbrohl: 2. Hermann Bach, Boppard;
3. Karl Specht, Koblenz; 4. Peter Konrad, Koblenz; 5. Frau Puch el, Buchholz (Sachsen); 6. Peter Bach, Salzig; 7. Auguste Litzenberger, Schwesternhaus Rheinwaldheim; 8. Frau Will, Koblenz; 9. Barbara Dötsch, Metternich: 10. Thekla Michel, Lützel; 11. Maria Dunkel, Metternich; 12. Frau Hoffmann, Koblenz; 13. Frau van Nahl, Koblenz; 14. Heinrich Will, Koblenz (8 Jahre); 15. Josef Föckler, Koblenz (Kind); 16. Elise Hofmann, Koblenz (12 Jahre): 17. Raimund Pacoler, aus Akron (Ohio), der in Koblenz zu Besuch weilte: 18. Maria Schumann, Rübenach; 19. Katharina Höfèr, Weißenturm; 20. Franz Fordan, Koblenz; 21. Jakob Albertz, Koblenz; 22. Andreas Muders, Koblenz; 21. Thekla Pauli, Ochtendung; 24. Otto Albertz, Wichlinghaust" bei Barmen; 25. Ernst Luckenheimer, Rhein'wald- 27. Katharina
t, Koblenz (12 Jahre): Akron (Ohio), der in
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25. Ernst Luckenheil heim; 26. Robert Schmidt, Höhr; Baetges, Koblenz; 28. Bernhard Albertz, Koblenz; 29. Frau Roth, Wei^
ißenturm; 30. Hanni Enk, Höhr; 32. Wilhelm Krämer,
Wesel: 31. Karl Jost, ______
Koblenz: 33. Helene Mänße,. Schwesternheim Rheinwaldheim: 34. Gretel Franzmann, Koblenz: 35. Else Thiel, Schwesternheim Rheinwaldheim.
Die Tvauevkuudsebtttts
Koblenz, 23. Juli. Im Stadtverordnetensitzungssaal fand heute mittag die Trauerkundgebung für die Opfer des furchtbaren Koblenzer Unglücks statt Der Saal war schwarz verhängt, die Feustervor- Hänge zugezogen, und nur dis 'umflorten Leuchter verbreiteten ein schwaches, gedämpftes Licht. Schwarz umflort war ein großes Kruzifix, das auf beiden Seiten von Kandelabern umgeben war, im Saal
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aufgehängt. Als der Reichspräsident am Stadthaus vorfuhr, verharrte die Menge, J)ie ihm gestern zu- gejubett hatte, in ernstem Schweigen. An der Trauevkundgebung nahmen auch die in Koblenz anwesenden' Minister des Reichs und von Preußen und bie übrigen Herren der Begleitung des Reichspräsidenten teil. Zu Beginn der Trauerfeier berichtete Ob er b.ü r ge rm e i ft e r Russell über das entsetzliche Unglück, das etwa 40 Menschenleben gefordert hat. Mit tiefernster Miene nahm Reichs- präfident von Hindenburg als Ehrenbürger der Stadt Koblenz dann selbst das Wort. Er führte aus:
„lief bewegt siehe ich als ehemaliger Bürger von Koblenz und Ehrenbürger in Ihrer Mitte, um Ihnen mein innigstes Mitgefühl auszusprechen über das große Unglück, das in so jäher Weise die gestrige Festesfreude abgeschlossen hat. Ich gedenke mit Wehmut • der Verstorbenen und warmer Teil-
tune
EHREN- ^BRE/T- Mitein
Karte der Unglücksstelle (Pfeil), an der die Pontonbrücke über den Flotz-Sicher- Heitshafen einstürzte.
nähme ihrer Hinterbliebenen. Wo es nötig ist. werde ich in der Not helfen. Ich habe gestern Freude mit Ihnen geteilt, heule empfinde ich mit Ihnen den tiefen Schmerz, der Sie und das Land betroffen hat. Gott segne die armen trauernden Hinterbliebenen in ihrem Leide und segne die teueren Entschlafenen."
Oberbürgermeister Russell dankte dem Reichspräsidenten für diese aus ganzem Herzen kommenden Worte. Sie sollen uns, fügte er hinzu, Trost sein. Diesen Trost werde ich den Hinterbliebenen übermitteln. Auf die Bitte des Oberbürgermeisters erhob sich die Trauerversammlung zum Andenken der Verstorbenen und weiht« ihnen ein stilles Gedenke«.
Als der Reichspräsident nach der Feier seinen Wagen bestieg, verharrte die Menge wieder in ehrfürchtigem Schweigen. Der Reichspräsident fuhr zum Bahnhof und verließ Koblenz mit feiner Begleitung mit dem fahrplanmäßigen Zug 12.24 Uhr, um nach Berlin zurückzukehren. — Als erste Hilfe hat der Reichspräsident 10 000 Mk. gespendet.
Die Vevsttttssavbette«
Koblenz, 23. Juli. Mit größter Aufmerksamt- keit unb-mit Aufbietung aller Kräfte setzten heute nachmittag Feuerwehr, Polizei und 'Strombaupolizei die Bergungsarbeiten fort. Von den Booten aus wurden mehrere Schirme, Hüte und Kleidungsstücke herausgefischt, auch Fähnchen, mit denen gestern abènd noch begeistert den Fest-
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