Mtkwach, des S. Sv« rS30
Das Pu-Lkum macht sich vielfach ein falscher Bild von der TÄigk«t der Verkäuferin. Da ist es nicht ohne Ätterefje, was eine sehr fachkundige Perfon- t-rchkeit, nämlich die Vorfitzende des Verbandes der weiblichen Handels- urch Büroangeftettten, im sechsten Bande des Jahrbuchs der Frauenarbeit dar. über sagt. Aus der umfangreichen, eingehenden SchiLevung entnehmen wir folgendes: Wer verkauft, muß Derantwortunysbewußtssin gegenüber dem Säufer haben. zum Beruf des Verkaufens gehört geistige Regsamkeit, sittliche Festigkeit, aus denen Klughett, Umsicht, Zuverlässigkeit heroorgehen. Die Verkäuferin muß anpassungsfähig und stets freund, lich fein. Vor allen Dingen muß sie fich einer guten Gesundheit erfreuen, denn der Dienst ist nicht leicht. Der Knochenbau darf nicht zu schwach sein, ebensowenig die Lunge. Gutes Gehör und in den meisten FMen ein forbensicheres Auge find Voraussetzung für die Ausübung dieser Tätigkeit. Der Persönlichkeit der Verkäuferin ist von wesentlicher Bedeutung für den Erfolg des Geschäftes. Wie sorgfältig müßte also die Auslese der Berufsanwärterinnen erfolgen.
In keinem Geschäftszweige hat die Verkäuferin je ausgelernt, dauernde Weiterbildung ist notwendig. Die Waren selbst, der Geschmack der Kundschaft, die Mode, die Geschäftsgepflogenheiten ändern sich ziemstch rasch, und eine gute Verkäuferin, die den Kunden auch beraten M, muß stets auf der Höhe sein.
Uebrigens erschöpft fich die Arbeit der Verkäufern» nicht in der Bedienung der Kunden, sie »nuß ost das Lager verwalten, die richtige Lagerhaltung ist bekanntlich für jedes Geschäft von w^entlicher Bedeutung, muß bei der Abnahme der War«, der Aufzeichnung ufw. helfen, häufig auch beim Dekorieren. Das Hauptgebiet ist der Textilhandel, dann kommt der Lebensmittelhandel, der Handel mit Haus- und Küchengeräten, mit Gold- und Silberwaren. Doch finden wir natürlich die Frauen in allen anderen Geschäftszweigen.
Eine besondere Form des Warenverkehrs ergibt sich für das Filialgeschäft, die Filialleiterin hat einen besonders verantwortungsvollen Posten. Eine nicht geringe Zahl von Verkäuferinnen steigt auch $u höheren Stellungen auf: Abteilungsleiterinnen, Geschäftsführerinnen, Einkäuferinnen. Leider ist augenblicklich der Arbeitsmarkt für Verkäuferinnen nicht günstig, das hängt mit der allgemeinen Wirtschaftslage zusammen.
Wem Goit WM «wie Gunst erweisen ...
Früher sprach zum jungen Kaufmann der Vater etwa so: „#ör, mein Sohn! Soldatenlsben ist rauh, und will einer nach redlicher Müh nit verschlemmen, muß er mehr Han, denn jungen Mut und jungen Magen. Ich rate dir zu einem Kaufmann, denn du bist alt genug vor einen Lehrjungen. Du bist ein armer Kerl, hast nichts denn ein ping Wollen, und das mußt fürderft erstarken. Die Welt muß bitter Cimen sein. Doch sie harret dein. Nun geh mit mein lieber Sohn, und werd ein Mann". Und der junge Kausmann zog in die Welt hinaus, hatte viele harte und arbeitsreiche Jahre zu bestehen und lernte ein gutes Stück Welt kennen. Er wanderte von einem Volk zum anderen, sah ihre Sitten und Gebräuche, lernte ihre Sprachen und schafft« sich einen weiten. Blick und ein offenes Gemüt. So wakcherte der junge Mann des Mittelalters, Generation auf Generation, bis . . . die Städte immer größer und die Menschen seßhaft wurden, bis die engen Kontore sich zu gewaltigen Geschäftshäusern dehnten. So ist der Kaufman nsjugend von heute die Welt mit all ihren Schönheiten verloren gegangen. Ist sie das wirklich?
Der alte Steiermärker, Peter Rosegger, hatte schon ganz recht, wenn er damals, als Ranzel und Wanderstab verschwanden, sagte, daß die Menschen, wenn sie sich an all dem Sagen und Haften und Fahren und Reiten sott getummelt hätten, sie auch wieder anfangen würden. zu Fuß zu gehen. — Auch bei der deutschen Kaufmannsjugend haben diese Worte Erfüllung gefunden. Wenn am Wochenende das große Rad der Arbeit stillsteht, wenn die Schreibmaschinen nicht mehr klappern, die Büros von außen verschlossen sind, und die Ladentür das
itetztamÄ geSingelt hat, da«« ziehen auch die Kous- monnslehrtinge, die im Deiâschnativnalen Hand, lungsgehttsenverband zusannnengeschlossen find, hinaus in Wald und FeD. Bei diesen 1H Tagfahr» ten lernt der junge Mensch das Wandern und Schauen. Er ist auf sich selbst gestellt und muß sich darüber hinaus noch der Gemeinschaft angliedern.
Ja vielen Gruppen wandert diese Jugend nun durch alle Gaue Deutfchknchs, und jede »nacht es anders. Trifft man da tmauhen irgendwo so eine , Holdes so glaubt man nicht, junge Kaufleute vor sich zu haben, weil man sie nur in der Kleidung kennt, die chr Beruf erfordert. Schlips, Kragen, Aktentaschen und die langen Hosen sind im Hause geblieben. Hier wollen sich unsere Freunde ungehindert in der Natur, dem goldenen Ueberfluß der Welt, tummeln. Die kurzen Hosen, der Schillerkragen und di« derben Stiefeln sind hier zweckmäßiger als Modeschlips und eleganter Sakko. Frei und ungebunden wollen diese Wandersleute „ihren" Tag verbringen, wenngleich die Disziplin den Grundton angibt. Erfreulicherweise verfugen wir in Deutschland etwa über 2000 Jugendherbergen. Das sind einfache aber saubere Quartiere, wo die Jugend für wenig Gell» übernachten kann. Dadurch ist für jeden die Möglichkeit geschaffen, schon Samstags hinmiszuziehen. Andere wieder klopfen beim Bauern um ein Heu- oder Strohlager an, während die ganz „Zünftigen" ihr Zelt im Tournifter tragen. Vielleicht liegt gerade in einer Zeltnacht das größte Erlebnis für den jungen Kerl. Zur Abendstunde sitzen die Mannen dann um das Lagerfeuer und summen ein Lied. „Schramm, schrum", klingt die Laute dazu.
Der nächste Tag nimmt meist tn großer Fröhlichkeit feinen Lauf. Singen, Spielen und . . . Marschieren. Viele Mütter müßten einmal sehen, wie ihr Filius mit dem Kochtopf umgehen kann. Die köstlichsten Gerichte bereiten sich die Kauftnanns- lehrimge selbst auf einem Holzfeuer. Am Sonntag abend markiert die Gruppe im Gleichschritt wieder in die Stadt. Da leuchten die Augen, da erklingt ein fröhliches Wanderlied. Der frische Wind im freien FeD hat den Dürostaub aus der Lunge herausgeweht, und die Sonne hat die Gesichter braun gebrannt. Selbstbewußt und selbständig wird der junge Mensch dabei, neue Kraft und neuen Mut bringt er für eine neue Woche der Arbeit mit Er zwingt sie mit einem fröhlichen Herzen.
Und einmal im Jahr kommt auch die Urlaubszeit. Wie immer, so hat auch in diesem Jahre der Deutsch- notionole Handlungsgehilfen-Verband für seine jungen Anhänger „Lehr- und Wanderfahrten" vorbereitet. Die meisten Kaufmannslech rlinge bekommen von ihrer Lehrfirma 6—12 Tage Urlaub. Es wäre wünschenswert, wenn alle Lehrherren um eine ausreichende Freizeit ihrer Lehrlinge besorgt sein würden, denn in diesen Ferientagen wollen die jungen Kaufleute nicht nur wandern und Kraft für das neue Arbeitsjahr sammeln, sondern lernen, gleich jenen Kausmannsjüngern des Mittelalters.
Der diesjährige Fahrtenplan zeigt an: Wands- rangen zum Bodenfee, in den Harz, den Teutoburger Wald, durch das Weserbergland, auf die ostfriesischen Inseln, ins Riesengebirge, in die Pfalz, an die Ost- uich Nordsee, zum Rhein, durch die Mark Brandenburg die fränkische Schweiz, Taunus und Spessart und in das bayerffche Hochgebirge. Besondere Grenzlandsahrten, die man als Erfüllung einer national-politischen Aufgabe betrachten kann, gehen auf die mrische Nehrung, in das (Semef Eupen MalmÄy, in die Eifel und nach Schleswig. Sogar ins Ausland zieht die Iungmannschast: Oesterreich-Böhmen, Holland, Flandern, Tschechoslowakei und Dänemark. Auf den Studienfahrten zeigt der DHV. seinen Lehrlingsmitgliedern u. a. Berlin, Wien, das österreichische Industriegebiet und die Leipziger Herbstmesse. Eine Fülle von Möglichkei- ten bietet sich hier dem jungen Kaufmann zu seiner Erholung und Wissensbereicherung durch das Land zu wantiern.
Wir können uns freuen, daß man sich um diese jungen Menschen sorgt, daß hier eine (Generation heranwächst, die im Verantwortungsbewußtsein für Stand und Volk erzogen, gesund an Körper und Geist, mit dem Vaterland verbunden ist. Denn wer die deutsche Heimat einmal erwandert hat, der muß sie unendlich lieben, weil sie schön ist. — Und lernen die Jungkaufleute beizetten über die Grenzen ihrer Stadtmauer hinwegsehen, so werden sie auch später
eme» «eitere* Blick für alle Dinge im Beruf und im Leben hân. — Auf, auf chr Wandersleute
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Am Zuchthaus vorbei
In der gestrigen SchöffengerichtsverhandLung gab es eine Reihe Verfahren, die aOe eine gemeinsame Seite hatten. Auf die zur Verhandlung gekommenen Delikte ist Zuchthaus vorgesehen, aber es fanden sich bei allen Fällen doch noch Milderungsgründe genug, um die Angeklagten vor dieser strengen Strafe noch einmal zu bewahren. Das Gericht billigte ihnen mil- dernde Umstände zu, so daß sie noch einmal mit Ge- fängnisftrafen davon kamen.
Da war ein erheblich vorbestrafter Lithograph aus Vertin, der hier in Hanau im Hotel Riesen ab« stieg, obwohl er keinen Pfennig Geld in der Tasche hatte. »Die Leute waren so schrecklich nett zu mir", meinte er ganz naiv u. da bin ich zum Schlasen Lorr geblieben. Am Tag darauf, wo er wahrscheinlich im Riesen hätte bezahlen müssen, suchte er sich wieder so Wette Leute, bei denen er sich einmietete und blieb dort 3 Tage, wo ihn dann die Polizei schnappt«. Er war nämlich vorher in Frankfurt bei seiner Freundin gewesen und hatte von ihr Unterstützung erbeten, aber diese Freundin war gar nicht aus Siebe eingestellt, sondern erklärte rundweg, daß ihr nur noch Geld imponieren könne, das ärgerte den Angeklagte und er nahm chr einen Brillantving (angeblicher Wert 180 RM), ein Uhrenarmband (60 RM) und eine unechte Perlenkette mit. Das Gericht schickte ihn 10 Monate ins Gefängnis.
Der zweite Angeklagte hatte eine Spezialität, nämlich Fahrräder M stehlen. Wegen 18 gälten ist er angeklagt. Aber man kann ihm nur den Diebstahl von 12 Rädern und 2 Damenmänteln nach- metfen. Meist holte er bie Räder aus öffentlichen Gebäuden, wie Ortskrankenkasse, Wohlfahrtsamt, %ino, Krankenkasse Hanau-Land etc. Auch ist er schon rückfälliger Dieb, und ihn rettet nur feine Jugend vor dem Zuchthaus, benn er ist erst 22 Jahre alt. Er will zu den Diebstählen aus Not gekommen sein, weil seine Frau schwanger war und er nur 5 RM pro Woche zum Leben hatte. Das Gericht schickte den Angeklagten 1 Jahr 6 Monate ins Gefängnis.
Der dritte Angeklagte hatte sich an einem Mädchen von 10 Jahren unsittlich vergangen, er legte ein Teilgeständnis ab, und da er bisher unbestraft war, blieb auch er vom Zuchchaus verschont. Unter Ausschluß der OeffenMchkeit wurde gegen ihn verhandelt. Er erhielt 10 Monate Gefängnis.
Den Schwur abgelehnt
In der oben erwähnten Verhandlung sollte eine Lehrerin ein Leumundszeugnis abgeben, sie verweigerte aus religiösen Motiven heraus die Ablegung des Eides. Das Gericht hatte für diese religiösen Empfindungen volles Verständnis, mußte aber, um dem Gesetz zu genügen, die Zeugin zu 3 RM Geldstrafe verurteilen.
Schlinge« gelegt
Ein Landwirt aus Schlierbach hatte in einer Schlinge ein Reh gefangen. Sein Wildern muß er nun mit 3 Monaten Gefängnis büßen.
auch für die Tierwelt mancherlei Beschwerden. Der Mensch kann vielerlei tun, um während der heißen Monate den Tieren das Dasein zu erleichtern. Da gibt es folgendes zu beachten. Setze Kanarien- und Käfigvögel nicht der grellen Mittagssonne aus. Stelle Pferde und andere Zugtiere, die warten müssen, an einen schattigen Ort und gib ihnen reichlich zu trinken. Zum Schutz vor quälenden Insekten, wie Bremsen, HW dem Pferde die Einreibung mit Bremsenöl. Verwehre den Tieren niemals den Durft zu stillen und sorge dafür, daß alle Tiere, auch Geflügel und Kaninchen, bei großer Hitze reines Trinkwasser zur Verfügung haben. — Lasse den Hund bei Radausflügen zuhaus. Den Kettenhund lasse man, besonders bei großer Hitze, einige Stunden frei. Die ständig eingesperrten oder an die Kette gelegten Tiere find für Krankheiten viel empfänglicher. Man sorge auch dafür, daß die Trankgeschirre der Hunde am Tage mit frischem
Wasser gefüllt und sauber gèWkën Serben. Schütze die nützlichen Vögel, sie sind die Festen Freunde de; Landmanns, des Obstzüchters und des Forstwirts wenn die jungen Vögel ausfliegen, dann hÄte bi Katzen im Haufe. Wich die Raubvögel, besonders b« Eulen, Turmfalke und Bussard, sind als Mäusejäger sehr nützlich. Alle Raubvögel (mit Ausnahme von Habicht und Sperber) find jetzt das ganze Jahr streng geschützt und dürfen nicht geschaffen weiche«,
* Die Feuerwehr als Vogelsteller. Gaster» - abend gegen 10 Uhr wurde die Feuerwehr benach. richtigt, daß in der Nußallee ein Papagei einen ' Fluchtversuch unternommen habe und es sich auf s einer Platane wohl sein ließ. 2 Steiger begaben sich an Ort und Stelle und es gelang ihnen auch, s trotz großer Schwierigkeiten den Vogel einzufongen. ■ Eine große Zuschauermenge hatte sich zu dem; Schauspiel eingefunden.
* Gefunden. In der Zeit vom 29. Juni bis | 5. Juli sind bei der Polizeidirektion als gesunden H angezeigt worden: 1 Paar weiße Fingerhandschuhe mit schwarzen Streifen, 1 Fahrrad Marke »Mifa" ! (Nr. 276 388), 1 braunlederne Handtasche (Inhalt jj 14 RPßg. und 1 Taschentuch, „S" gezeichnet), | 1 Geldbörse mit 30.60 RM, 1 Brille, 2 gleiche ’ Schlüssel in 8-Form, 1 Blechschachtel mit Uhr- | macherwerkzeugen. Die Eigentümer wollen sich int | Fundbüro der Polizeidirektion, Zimmer 196a, wäh- | rend der Zeit von 8—12 Uhr melden.
WeitsvbevkM
Der Vorüberzug von Tiefdruckwirbeln über I Nordeuropa' setzt sich fort. Mit ihm hält auch die « Zufuhr ozeanischer Lustmassen auf den Kontinent | an und verleiht unserer Witterung einen unbestän- | digeren Charakter. Infolge des kräftig entwickelten | Hochdruckgebiets ist jedoch eine stärkere Beeinflussung unserer Witterung durch Tiefausläufer nicht zu er. | warten. Vorhersage bis Mittwoch abend: Zeitweise i aufheiternd, doch meist wolkig, Neigung zu leichten und schnell vorübergehenden Niederschlägen bei nördlichen und westlichen Winden, auch tagsüber nur mäßig warm. Witterungsaussichten für Donnerstag: Bei westlichen Winden Fortdauer des unbeständigen Witterungscharakters mit Neigung zu einzelnen Regenfällen.
Laudkesrs Kamm.
âvers-e«evwehvvevba«dS-eir
Niederrodenbach, 8. Juli. Fast schien es, als ob das mit so viel Mühe und Hingabe der gesamten Einwohnerschaft vorbereitete Fest verregnen sollte, doch die Optimisten hatten recht, der Himmel klärt« sich, und als die Teilnehmer am Kommers den Festplatz betraten, schien der Mond vom wolkenlosen Himmel. Herr Bürgermeister Schäfer begrüßt« als Mitglied der Niederrodenbacher Wehr und als Vertreter der Gemeinde die Teilnehmer. Ein herzliches Willkommen rief er den Wehrleuten zu, gen dachte der hohen Aufgabe, welche den Feuerwehren^ obliegt. Mit einem „Gut Wehr" schloß der Redner (eine Ausführungen. Hierauf sprach ein junges u Mädchen einen Prolog und bann entwickelt^ sich da- y übliche Treiben bis in die späten Nachtstunden hm? u — Schon sehr früh am Sonntag herrschte reges ■ Leben in den Ortsstraßen und auf dem Festvlatze. J Zu Fuß und per Wagen trafen die Fsuerwehrsn^M des Kreisverbandes ein, unter Musik klängen er* ■ folgte der Anmarsch. In schmucken Uniformen sah man die Mannen vom Main- und Kinzigtal und der Wetterau, mit Fahnen und Standarten, freudig begrüßt vom Empfangskomitee. Wie tief die Kameradschaft zwischen den Wehrleuten des gefam«
âkneHevrschmevzen mehv?
®n bedeutender Fortschritt in der Medizin. — Herz- schmerzen in der Schulter. — warum der Zahnarzt oft den falschen Zahn zieht. — Die (Erfindung eines französischen Forschers
Von Dr. med. Kurt Heymann.
Dar gesunde Herz empfindet leinen Schmerz. Erst wenn krankhafte Storungen eintreten, wenn das Nervensystem, das Herz oder die großen Gefäße verändert werden, wird über Schmerzen in der Herzgegend geklagt. Die Leiden dieser Kranken sind oft außerordentlich quälend: sie empf.nden Druck, fürchten, ersticken zu müssen und schmerzhaftes beschleunigtes Herzklopfen raubt ihnen den Schlaf. Körperlich und geistig können sie durch diese Beschwerden manchmal in nicht wieder gutzumachender Weise geschädigt werden. Die Medizin hat viele Mittel versucht, um dieser Leiden Herr zu werden. Ein sehr lehrreicher, neuer Weg wurde nun in Paris beschritten. Es handelt sich um eine örtliche Betäubung der über dem Herzen liegenden Hautstellen, die durch medicamentöse pflanzliche Oele hervorgerufen wird.
Um die Wirksamkeit dieses Verfahrens zu verstehen, muß man sich klar machen, wie die Herzschmerzen zustande kommen. Meist treten sie auf, wenn sich mehr oder minder plötzlich die Wände des Herzens oder der großen Gefäße ausdehnen. All« im Innern des Körpers befindlichen Hohlorgane, etwa die Gallenblase oder die Harnblase, verursachen bei einer plötzlichen Dehnung Schmerzen, beispielsweise bei dem Versuch, sich ihres Inhalts zu entledigen. In diese Lage kommt besonders das linke Herz bei verschiedenen Herzaffektionen sehr häufig. Die schmerzhafte Erregung wird aus das Gebiet des Nervus Sympathicus und weiter zu den Rückenmarkswurzeln geleitet, um dann in das Rückenmark selbst einzutreten und von hier schließlich auf die Großhirnrinde überzugehen. Das Großhirn verlegt mehr oder minder unbewußt den Schmerz in die Gegend des Organs, von dem die Reizung ausgegangen ist. Während nun bei allen oberflächlichen, banalen Schmerzen des täglichen Lebens das Großhirn ohn« weiteres richtig angibt, woher die Reize stammen, ist das bei inneren Or
ganen nicht der Fall. Vielmehr wird der Schmerz in die Hautgsgend verlegt, die in der Nähe des kranken inneren Organs liegt. Die Erscheinung, daß der Ort des Schmerzes ungenau angegeben wird, ist niemandem besser bekannt als dem Zahnarzt, -er oft in di« Verlegenheit kommt, einen Zahn zu entfernen, der vom Kranken mit größter Sicherheit als Uebeltäter bezeichnet wird, der aber in Wirklichkeit ganz gesund ist. Natürlich nützt die Entfernung des irrtümlich ongeschuldigten Zahnes auch nicht das Geringste, und der Schmerz vergeht erst, wenn der »richtige" Zahn gezogen ist.
Für den Arzt, der die genannten HerKeschwer- den zu lindern bestrebt ist, ergibt sich nun die Aufgabe, den peripheren Schmerz zu betäuben, um damit den eigentlichen, echten, tiefen Schmerz am Herzen und seinen Gefäßen aus der Welt zu schaffen. Schon vor einigen Jahren machte man den Versuch, Luft unter die Haut in der Herzgegend zu spritzen, um damit eine Unterbrechung der schmerzenden Leitung im Nervensystem zu erzielen. Die Ergebnisse sollen nicht ungünstig gewesen sein, doch hat sich das Verfahren nicht eingebürgert. Glücklicher war man mit Novocain, das zur Betäubung der tiefliegenden Schmerzen mancher Eingeweideorgane weniger unter als in die 'Haut gespritzt wurde. Die Pleuraschmerzen (am Lungenfell) vergingen sehr rasch bei der Anwendung dieser Methode, dagegen blieben Herzangft und verwandte Erscheinungen unbeeinflußt.
Vor zwei Jähren begannen nun ftanzösische Mediziner, den Gedanken weiter zu verfolgen, daß zur Bekämpfung von EingEeideschmerzen -i« darüberliegende Hautgegend schmerzfrei gemacht werden müßte. Manche halben Erfolge beruhen auf der noch ungenügenden Erfahrung tn diesen Fragen. Heute weiß man, daß zum vollen Erfolg der Methode eine langdauernde Betäubung der schmerzhaften Zone erforderlich ist, und daß sich die Betäubung vor allem auf die Gebiete zu konzentrieren hat, wo die maximalen Schmerzpunkte liegen; schließlich müssen die betäubenden Arzneimittel frei von jeder reizenden Wirkung sein. Der zuletzt genannten Bedingung entsprechen Medikamente in öliger Lösung. Mineralische Oele scheiden von vornherein wegen ihrer gefährlichen Nachwirkungen aus, pflanzliche Oele, die unter Um« stärken monatelang an der Ginspritzungsstelle Ke
bleiben, sind besonders geeignet. Das Novocain jetzt ein französischer Arzt durch ein anderes Betäubungsmittel, das Salicylsasz des Benzyls, ersetzt, und er berichtet nun in der französischen medizinischen Presse über s«hr günstige Erfahrungen. Dieser Forscher, Dr. Godel aus Paris, läßt den Kranken möglichst genau die Stelle des Schmerzes bezeichnen, spritzt dann 5 Kubikzentimeter der öligen Lösung, die noch einen Zusatz von Kampfer erhalt, in das Zellgewebe der Unterbaut und verteilt die «ingespritzte Masse durch Reiben. Eine zweite Injektion wird in die Schulter gemacht, wenn die Schmerzen, wie so oft, bis dorthin aus« strahlen. In zwei Fällen war noch eine Spritze er« forderlich, um die Resultate dauerhafter zu gestalten und die Leitungsunterbrechung zu vervollständigen. Di« weitaus meisten Kranken teilten aber schon nach der ersten Spritze mit, daß sie eine wesentliche Erleichterung oder gar Schmerzfrei^hekt «verspürten. Natürlich muß man obwarten, ob diese Erfolge auch bestehen bleiben werden. Bei der chronischen Natur vieler Herzbeschwerden ist das sehr fraglich. Immerhin wäre selbst eine vorübergehende Linderung ein Fortschritt, der begrüßt werden darf, auch wenn der Eingriff wiederholt werden «müßte.
Man soll dabei nicht vergessen, daß ohne die segensreiche Entdeckung der Hokalanaestheste durch Carl Schleich auch dieser Fortschritt unmöglich ge» wesen wäre. In Moskau hat Prof. Pletnew die Lei- tungsunteobrechung an einer anderen Stelle versucht, er macht die schmevzbefreiende Einspritzung nach dem Vorbild Siemens unmittelbar neben die Wirbelsäule, wie aus seiner Deröfsentlschung in der Medizinischen Welt hervorgeht. Seine Absichten gehen über die bloße Betäubung «hinaus, er verfolgt das Ziel, eine tiefe Degeneration der Nervenelement« herbeizuführen, die «die Schmerzleitung aus den verschiedensten inneren Organen besorgen. Gelingt dies, so ist die von anderen Autoren vor- g eschlagen« Ausschneidung des Sympathicus-Ner- ven unnötig. Immerhin sind die Einspritzungen nur dann von Erfolg, wenn sie systematisch «wiederholt und immer an der gleichen Stelle angeiwendet werden; es wird erst Novocain, dann Alkohol be« nutzt, dem die Aufgabe der Degeneration der Nerven zufällt. 18 Kranke erhielten im ganzen 73 Spritzen. Beachtenswert ist, daß die Kranken die Empfindung gehabt haben, die Nadel sei ins Herz selbst eingedrungen, zuweilen behaupten sie auch,
daß 'das Herz verschwinde. Dies kennzeichnet treffend, wie wenig sich der Patient über den Ort des Schmerzes im Maren ist.
Singst
Aeußerungen des Unterbewußtseins
Bon 2L Diez-Langhammer
Augustus nannten sie ihn, den „Majestätischen", und bauten ihm Tempel. Er war der unumschränkte Herrscher, dessen Wink den Tod Hunderter bedeuten konnte. Alle Macht der damals bekannten Well hielt er in seiner Hand. Und doch verkroch er sich in den tiefsten Keller feines Palastes und deckte die Toga schützend über die Augen, wenn der Donner über dein siebenhügeligen Rom grollte. Der Mächtigste auf Erden sürchtete sich wie ein Kind.
Seinen Zeitgenossen erschien dieses Benehmen unverständlich und wert, der Nachwelt überliefert S werden. Wir müssen dem schwatzhaften Ge- ichtsschreibe-r dankbar fein, der solch« Symptome berichtete, half er doch der Wissenschaft, ein Problem zu lösen, das Jahrtausende lang als das Wirken einer geheimnisvollen höheren Gewalt betrachtet ^^.;~ bis Angst einzelner Individuen vor ganz natürlichen Erscheinungen des täglichen Lebens.
Warum fürchten sich viele Menschen vor der Dunkelheit, auch wenn ihnen als Kindern niemals von unvernünftigen Erwachsenen erzählt wurde, Schreckgespenster lauerten in der Verborgenheit der Nacht auf sie? Wie kam es, daß kürzlich ein Ge- schworen« dem Gerlichtsarft erklärt«, er fürchte wahnsinnig zu werden, wenn man ihn zwinge, im abgeschlossenen Raum der Jury zu sitzen, so daß ein Ersatzmann gerufen werden mußte? Woraus ist die uns unverständlich erscheinende Angst einer jungen ü~’en£n« Por Schlangen zurückzusühren, über wel-
Fall der österreichisch« Mediziner Dr. Steckel berichtet? Nur wenigen Menschen find Schlangen sympathisch, doch wohl selten sürchtet sich jemand so oor 'hurn wie diese junge Frau. Sie konnte in kernem Hotelzimmer schlasen, wenn sie sich nicht narbet davon überzeugt hatte, daß weder unter den iDlobeln noch im Bett eine Schlange auf sie lauerte. Und wenn sie Bekannte besuchte, so mußte ihr vor- her versichert werden, jeder Raum im ganzen Hause fet pemltih genau auf die entsetzlichen Reptile unter« lucht worden. Wies man ihr einen Raum zum