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Montag, den 7. JuN 1930 ^»

Ar. 157

Huldiigungsfeier. Die Feier wurde einge­leitet mit BeethovensDie Himmel rühmen". Hier- ouE ergriff in Vertretung Les am Erscheinen ver­hinderten Reichsministers für die besetzten Gebiete Botschafter Freiherr Langwerth von Simmern das Wort zu einer Aussprache, kn der er zunächst dem Mainzer Automobilklub für die Einladung dankte, ferner allen denen, die aus Nah und Fern aus den verschiedensten deutschen Gauen zusammengeströmt waren zur Feier der Be­freiung des Rheinlandes. Er erinnerte daran, daß er bei der letzten Sternfahrt am 2. September vorigen Jahres gerade aus dem Haag von der Haager Konferenz gekommen sei und fuhr fort: Ich hatte wenige Stunden vor meiner Abreise zum letztenmal eine längere ernste Besprechung mit unserm verstorbenen Gustav Stresemann gehabt, an dessen Denkmal wir heute früh geweilt, und der so innig verknüpft ist mit dem heutigen Tag. Ich rief Ihnen damals zu: Neue Wege sind einge- schlagen, trotz aller Hemmungen, und Sie werden es erleben; am 30. Juni 1930 sind die besetzten Rheinlands frei. Ich weiß es wohl, daß damals meine Worte bei gar vielen auf Zweifel stießen. Was damals Stresemann uns verheißen hat, ist ein­getreten: Wir sind frei. Freilich gibt es noch viele Wünsche, die glicht erfüllt sind. Ich brauche nur den Namen Saar auszusprechen. Aber dennoch wir sind frei geworden. Wir haben heute hier am Rhein nur den eigenen deutschen Gesetzen zu ge­horchen. Das ist ein großes, großes Ding, die Frei­heit, wi^ererworben durch die treue Mitarbeit des deutschen Volkes und besonders des Volkes hier am Rhein, das sorgend, arbeitend und vor allem lei­dend es ermöglicht hat, daß wir die schwere Krise überdauerten. Würde des Volkes ist weiß Gott eines der ersten und notwendigsten Gebote. Aber wahre Würde setzt Achtung voraus vor der Würde anderer. Daneben Freiheit. Freheit ist kein minderes Ge­bot. Wir sind frei, aber seitdem mir frei sind, gilt es doppelt sich darauf zu besinnen, daß Freiheit nur erhalten werden kann, wenn all die Leute, die frei geworden sind, nun aus eigener freier Ent­schließung den göttlichen Sittengesetzen gemäß sich sich selbst fügen und die Freiheit nicht zur Zügel­losigkeit, zum Wahnsinn ausarten lassen. Mögen mehr und, mehr echte Würde und echte Freiheit unser deutsches Volk zu neuer Blüte emporführen, und möchte es unserm deutschen Volk in diesem Sinne beschieden sein, an den großen Aufgaben, die kein Volk vereinzelt lösen kann, zusammen mit den andern Völkern Europas zu arbeiten und Europa zu neuer Blüte emporzuführen. Unser heißgeliebtes Vaterland es lebe hoch!

Brausend hallten die Hochrufe über den Platz, und das begeistert gesungene Deutschlandlied be- mdeie die Huldigungsseier am freien deutschen

KsWswehv im Rheinland

Berlin, 6. Juli. Nachdem die französischen und belgischen Truppen das Rheinland geräumt haben, ist auch im Verhältnis der Reichswehr zu diesen Truppen eine gewisse Aenderung eingetreten. Bisher kamen Angehörige der Reichs­wehr mit solchen der französischen und belgischen Armee in sportlichen Wettkämpfen bei Turnieren und dergleichen nicht zusammen. DerDemokra- t'sche Zeitungsdienst" meint nun, daß in Zukunft die Dinge hier ebenso gehandhabt werden würden, wie nach Abzug der amerikanischen und englischen Besatzungstruppen.

Ruch derDemokratische Zeitungsdienst" bedau­ert übrigens, daß in der entmilitarisierten 3 o n e noch verschiedene Bestimmungen bestehen bleiben, die mit ihr eigentlich nichts zu tun haben. Wirklich ist nicht einzusehen, warum Urlauber nur einzeln in das Gebiet beurlaubt werden können und nicht truppenweise, zum Beispiel zur Be­sichtigung der Dome und Burgen Ge­linde gesagt, unverständlich ist auch die Bestim­mung, nach der das Konzertieren von Reichswehr­kapellen im entmilitarisierten Gebiet stets zwan­zig Tage vorher der Pariser Botschafter- konzerenz angezeigt werden muß.

D^lt^tt

und die evavgel. Wiethe

Die Abgeordneten Stendel, Schwarz- h a u p t, D. Dr. v. Campe und die übrigen Mit­glieder der Fraktion der Deutschen Volks- Partei des Preußischen Landtags haben nach- stehende Kleins Anfrage an die Regierung ge­richtet:

Aus Anlaß der Wiederkehr des geschichtlichen Tages, an dem vor 400 Jahren in der Augustana die Grundlagen der evangelischen Kirchen Deutsch­lands geschaffen wurden, hat unter Teilnahme der gesamten evangelischen Christenheit in Augsburg eine bedeutsame Feier stattgefunden. Der Größe des geschichtlichen Tages entsprechend haben der Herr Reichspräsident sowie der Herr Reichsminister Wirth den Vertretern der evangelischen Christenheit nach Augsburg ihre Grüße entboten. Die Reichs­regierung hat auch einen besonderen Vertreter entsandt.

Im Gegensatz dazu hat die Preußische Stoaks- regterung als solche von diesem feierlichen Gedenk­tag keinerlei Notiz genommen Lediglich seitens des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und VolkÄiildung ist angeordnet wurden, daß in den evangelischen Religionsstunden des geschichtlichen Aktes von Augsburg gedacht werden sollte. Die Gedenkfeier in Augsburg ist aber eine Angelegen­heit des gesamten evangelischen Volkes. Ausgabe der Preußischen Regierung wäre es gewesen, ihr Interesse an dieser Verianstaltung in angemessener Weise zu bekunden. Die Unterlassung jeder Be- grüßung durch die Preußische Regierung steht auch m befremdendem Gegensatz zu dem Verhalten der­selben Regierung an katholischen Gedenktagen, wie z. B. dem Papstjubiläum.

Di« evangelische Bevölkerung erblickt in diesem unparitätischen Verhalten der Preußischen Staats- regierung einen tief bedauerlichen Mangel an In­teresse für die evangelischen Kirchen. Sie sieht da­rin einen erneuten Beweis für die Zurücksetzung der Evangelischen.

Mr fragen:

1. Welche Gründe veranlaßten bas Preußische StaatsmiNisterium, von einer Bsgrüßung der Augsburger Tagung abzusehen?

^? m5 '", Sutunft bei ähnlichen Gelegen- der evangelischen Kir­chen gegenüber die Beachtung zum Ausdruck brin­gen, auf die die evangelische Bevölkerung Anspruch

Mainz, 5. Juli. Ein schwerer Hagelschlag, verbunden mit einem wolkenbruchartigen Regen ging heute nachmittag in einhalbstündiger Dauer in Groß-Mainz und in der Umgebung bis zum Nieder-Ingelheimer Grund nieder. Nach den vor­liegenden Nachrichten ist besonders Budenheim, Frei-Weinheim, Heidesheim, Nieder-Ingelheim, Mainz-Mombach, Mainz-Kastel, Erbenheim, sowie der Rheingau und der Taunus von dem Unwetter in schwerster Weise heimgesucht worden. Der in der Größe bis zu Hühnereiern niedergegangene Hagel hat die vorhandene Obst- und Gemüseernte, sowie die Weinernte fast vollständig vernichtet. Der Eishagel lag in Fußhöhe in Wäldern und Wein­bergen und Aeste bis zur Dicke von 3 Zentimetern wurden von den Obstbäumen abgeschlagen. Obst- und Gemüsefelder, wie die Weinberge bieten ein trauriges Bild der Verwüstung und die so schwer um ihre Existenz ringende Landwirtschaft hat einen Schaden erlitten, der bis jetzt auf 90 Prozent geschätzt wird. Allein die Vernichtung der Ernte von Tomaten und Aprikosen stellt einen Schaden von 900 000 RM dar. Auch an den Dächern der Häuser hat der Hagelschlag empfindlichen Schaden angerichtet. Die Glashäuser der Gärtnereien von Schulz und. Schmidt in Mainz-Kastell sind voll- tändig vernichtet worden. Das hessische Ministe­rium für Arbeit und Wirtschaft hat den Referen­ten für Landwirtschaft, Regierungsrat Oppenheim^ und den Direktor des Landwirtschaftsamtes in Mainz, Dr. Kissel, gebeten, sofort telegraphisch über die Schäden Bericht zu erstatten.

Dresden, 6. Juli. Ein schweres Unwetter hat gestern nachmittag sehr beträchtlichen Schaden an­gerichtet. Eine große Anzahl von Personen wurde verletzt, und soweit bisher festgestellt wurde, ist eine Person zu Tode gekommen. Einzelne Häuser wurden vom Sturm abgedeckt, so zum Beispiel am Hochhaus, am Albert-Platz, am Straßenbahnhos Milden und am Finanzamt in der Wassertor­traße. Auch in ber^ Hygiene-Ausstellung ist teil­weise erheblicher Ärchschaden angerichtet worden. Besonders schlimm hat das Unwetter auf der am Sonntagmittag eröffneten Dresdener Vogelwiese gehaust. Hier ist eine große Anzahl Buden einge­stürzt, Fahnenmasten wurden umgebrochen und

will Stanieeit# sich einmischen?

Bvland übev die Sepavatistenvevsoisunsen

IVaskev ans die Mühle

Baris, 6. Juli. Die Agentur havOs teilt mit, Außenminister Briand habe mit dem deutschen Botschafter v. Hoesch über die von der Presse be­richteten Zwischenfälle und Störungen der Ordnung gesprochen, die noch dem Abzug der Lelatzungs- lruppen in gewissen Städten des Rheinlandes vor­gekommen feien. Sie stünden im Gegensatz zu den Vereinbarungen, die die alliierten und deutschen Behörden getroffen hätten, um allen Repressalien gegen die Personen vorzubeugen, die zum Be- sahungskorps in Beziehungen gestanden hätten. Briand habe andererseits die Konsularbehörden an­gewiesen, ihn sehr genau über die von der deut­schen und französischen Presse gemeldeten Tatsachen zu unterrichten.

Wie der Pariser Berichterstatter des W.T.B. hierzu erfährt, ist in der Tat im Laufe der Unter­redung Zwilchen dem deutschen Botschafter und Außenminister Briand auch über die Uebergriffe im geräumten Gebiet gesprochen worden, und zwar in der Weise, daß Außenminister Briand sein Be­dauern darüber zum Ausdruck brachte, daß nach der reibungslosen und korrekten Abwicklung der Räumung nunmehr unliebsame Zwifchensälle statt- gefunben hätten, die geeignet feien, die öffentliche Meinung zu erregen.

Wie aber die Pariser Presie nachträglich noch zu berichten weiß, soll Briand dem deutschen Bot­schafter angekündigt haben, daß Frankreich nicht nur die strenge Bestrafung aller Schuldigen, son­dern auch die materielle Entschädigung aller Opfer der Gewalttaten verlangen werde.

Paris, 6. Juli. Die Separatistenverfolgungen im Rheinland haben in der französischen Oefsent- lichkeit eine Erregung und Hochspannung hervor­gerufen, die kaum überboten werden kann. Die Leitartikel aller Zeitungen sind diesem Thema ge­widmet, und führende Politiker haben die Vor­gänge im Rheinland in den Mittelpunkt ihrer üb­lichen Sonntagsreden gestellt. So nahm auch der Justizminister Peret auf einer Versammlung ehe­maliger Kriegsteilnehmer in Lencloitre zu den Er­eignissen folgendermaßen Stellung:

Man hätte annehmen können, daß der frühere Feind die französische Loyalität durch eine wür­dige Haltung geehrt hätte. Statt dessen haben die deutschen Nationalisten, die allerdings nicht mit der Gesamtheit des deutschen Volkes zu verwechseln sind, gegen Frankreich manifestiert. Wir wollen diese Singe zur Kenntnis nehmen und daraus den Schluß ziehen, daß die moralische Abrüstung noch nicht überall eine vollendete Tatsache ist. Die Liqui­dation der Vergangenheit ist nach zwölf Jahren noch nicht vollständig durchgeführt, und die kom­menden Geschlechter werden schwere Pflichten zu erfüllen haben, um die Früchte des Sieges zu er- halten. Als wichtigste dieser Pflichten bezeichnete Peret den Schutz der französischen Sicherheit, die, abgesehen von dem Völkerbund und dem Schieds­gerichtsvertrag, durch eine genügend starke Armee und wohlbewachte Grenzen gewährleistet werden müsse

Schwere LSnwetierßchaden

Zeltbahnen teilweise große Strecken entführt. Auch die Zahl der Verletzten ist ziemlich groß. In Roß­thal bei Dresden wurde ein Mann durch einen herabstürzenden Ziegelstein getötet.

heiligenstadt, 6. Juli. Ein schweres Unwetter ging gestern über dem Eichsfeld nieder. Mehrere Gewitter, die sich zusammengeballt hatten, tobten fast eine Stunde über Heiligenstadt und Umgebung. Der wolkenbruchartige Regen verwandelte die Stra­ßen und Gräben in reißende Ströme. Besonders stark wütete das Unwetter in Niederorschel und den Nachbarorten. Eine Viertelstunde lang passeste Hagel in Größe von Hühnereiern hernieder und zerstörte die gesamte Ernte. Die Felder liegen wie gewalzt. Das Obst ist von den Bäumen geschlagen, hunderte von Fensterscheiben wurden zertrümmert. An der Kirche von Niederorschel wurde eine wertvolle Blei­verglasung vernichtet. Der Nachbarort Rüdigers- hagen wurde am Nachmittag durch Hagel heim­gesucht und Feld. und Wald verwüstet. Da nur wenige Landwirte gegen Hagelschlag versichert sind, bedeutet das Unwetter für die betroffenen Ort- schasten eine Katastrophe.

Auch m Svaâu und NovtusaL

Madrid, 6. Juli. Furchtbare Unwetter haben die Provinzen Segovia, Guipuzcoa, Burgos und Soria heimgesucht. Zehn Personen sind ums Leben gekommen, 15 haben Verletzungen da­vongetragen. Der Sachschaden ist ungeheuer. In 40 Gemeinden der Prov. Segovia ist die Ernte voll­kommen vernichtet. In der Nähe von San Sebastian trat der Oria-Fluß über die Ufer, und zwar mit einer derartigen Schnelligkeit, daß ein Autobus von den Fluten fortgerissen wurde und sechs In­sassen dabei ertranken. Zwei Bauern wurden bei Burgos durch den Blitz getötet, während bei Vi­toria (Provinz Alava) zwei Landwirte durch Hagel­schlag so schwere Belegungen erlitten, daß sie noch kurzer Zeit starben. Die Zahl der Verletzten in diesem Städtchen beträgt zwanzig. Auch in Langa in der Provinz Soria wurden zwölf Einwohner durch Hagelschlag verletzt.

Beamiettbund

Segen VventzenLegZevttng

Berlin, 5. Juli. Die Zeitschrift des Deutschen Beamtenbundes nimmt zu dem preußischen Erlaß über die Unzulässigkeit der Bstüiligung von Be­amten an Ler Nationalsozialistischen und Kom­munistischen Partei Stellung. Der Beamtenbund ist der Meinung, daß der Erlaß des preußischen Staatsministeriums soweit er die bloße Mitglied­schaft in bestimmten Parteien verbietet, der Reichs­verfassung widerspreche. Dem wichtigsten Staats­bürgerrecht der Beamten, sich zu einer bestimmten politischen Auffassung zu bekennen, dürste seltne Schranken gezogen werden. Die Reichsregierung hat nach Auffassung Les Beamtenbundes die Pflicht, alle Maßnahmen zu treffen, um die staatsbürger­liche Freiheit der Beamten sicherzustellen. Im übrigen wendet sich die Erklärung gegen die zu­nehmende Verrohung der politischen Sitten.

Me Avbeiislokig««» in Seelitt

77 Prozent mehr als im Vorjahre.

Berlin, 6. Juli. Die Arbeitslosigkeit in Berlin hat sich auch noch im Laufe des Juni auf einer Höhe gehalten, die den Stand des Vorjahres zur gleichen Zeit um 77 v. H. übertrifft. Insgesamt gab es rund 225 000 unterstützte Personen gegen 183 000 im Juni 1929. Davon waren 173 000 (ge­gen 95 000) Arbeitslosenunterstützte, 47 000 (gegen

23 000) Krisenunterstützte und 104 000 (gegen 64 000) Unterstützte, die den städtischen Erwerbs­losen- oder Wohlsahrtseinrichtungen zur Last fielen.

Die Lage dee Deutschen in Bolivien

General Kundts Wohnung geplündert.

Berlin, 6. Juli.Das Berliner Tageblatt" meldet aus Duenos-Aires: Die Lage der in Bolivien lebenden Deutschen ist infolge der Volkswut gegen General Kundt heikel geworden. Die Mitglieder der deutschen Kolonie begaben sich ins Außen­ministerium und suchten um Schutz für ihre Privat- und Geschäftshäuser nach, da sie Plünderungen be­fürchteten. Das Ministerium forderte eine Er­klärung, daß die deutsche Kolonie von Kundt ab­rücke und sich nicht in bolivianische Verhältnisse ein- mische. Die Erklärung wurde zugeslandcn. Die Wohnung Kundts wurde von der Volksmenge ge­plündert. Kundt hält sich weiterhin in der deutschen Gesandtschaft aus, man nimmt an, daß ihm freie Ausreise zugestanden wird.

General Kundt ist als junger deutscher Offizier lange vor item Kriege nach Bolivien ge­gangen und hat dort die Armee reorganisiert. Während des Weltkrieges kämpft« er auf deutscher Seite, nach dem Kriege rief ihn eine Bitte der bolivianischen Regierung mieber hinüber. Daß vor l^ Jahren im Verlaufe des Streites zwischen Bolivien und Paraguay die bolivianische Mobil­machung reibungslos klappte, ist sein Verdienst. Jetzt hat ihn eine Revolution gestürzt.

cKüvte« widevvuK feine Geständnisse

Berlin, 7. Juli. Wie derMontag Morgen" ' aus Düsseldorf meldet, soll der angebliche Düssel- dorfer Massenmörder Peker Körken einen Teil sei­ner früheren Geständnisse widerrufen haben. Kür- ten will nicht mehr derDüsseldorfer Massen- i Mörder" sein und auch nicht der Urheber der Ver- | brechen, die er zunächst nach seiner Verhaftung auf & sich genommen hatte. Die Untersuchung gegen Kürten ist infolgedessen aus erhebliche Schwierigkeiten ge- stoßen. Ihr Ergebnis ist noch völlig ungewiß, da i dem Blatt zufolge, für die Täterschaft Peler Kür- tens in den einzelnen Düsseldorfer Verbrechen über seine eigenen Geständnisse hinaus bisher weitere D Beweise noch nicht erbracht werden konnten.

Dee SeMebsv ^annffen als tftiäeee

Berlin, 4. Juli. Der Hellseher Hanussen gab ein P kleines Gastspiel im Strafgericht. Er hatte der Schriftleiter der WochenschriftBerliner Herold", L 6er ihn in zwei Aufsätzen einen Schwindler genannt U hatte, wegen Beleidigung verklagt. Die Rechts- M anwälte hatten mehrere Zeugen und Sachverftän- dige für den Angeklagten geladen, um zu beweisen, W daß Hanussen kein Hellseher sei, sondern höchstens W ein Hellseher mit Trick. In dieses Gebiet gehöre W die von Hanussen angewandte telepathische Poi!. s Auf den Vorwurf der Verteidigung, daß Hanussen S sich ausgerechnet nur eine Wochenschrift für sein W Vorgehen ausgesucht habe, während sämtliche 4 großen deutschen Zeitungen sich ebenso scharf gegen ihn ausgesprochen hätten, erwiderte Hanussen, daß; er jeden wegen Beleidigung verklage, der ihn einen Schwindler nenne. Gestern habe er Privatklage I gegen Landgerichtsdirektor Hellwig in Potsdam an- i gestrengt. In dem beanstandeten Aufsatz sei behaup- tet worden, daß Hanussen Hochstapeleien begangen und mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt gekommen > sei. Dafür sei nicht der Schatten eines Beweises vorhanden. Der Angeklagte verlangte die Verneh- s mung mehrerer Zeugen darüber, daß Hanussen bei k seinem Auftreten im Varieté mit sehr bedenklichen « Tricks gearbeitet habe und deshalb auch in Wien g mit Schimpf und Schande weggejagt worden sei. W Hanussen antwortete darauf, daß er seine Experi- mente vor Wissenschaftlern und anerkannten Na- A men und kürzlich im Gerichtssaal in Lestmeritz ge- U macht habe. Wie wolle man da behaupten, daß er W bei diesen Gelegenheiten mit Helfershelfern gearbei- I tet habe. Seine hellseherischen Kräfte seien geprüft N und anerkannt worden. Der Vorsitzende lehnte den B Wahrheitsbeweis ab und sprach den angeklagten M Redakteur auf Kosten des Privatklägers frei, da ihm die Wahrnehmung berechtigter Interessen zu- « gebilligt werde. Der Privatkläger Hanussen habe selbst zugegeben, daß er sich vom Varietèkünstler zum Wissenschaftler entwickelt habe. Seine Wissen- E schaft sei aber von ernsthaften Persönlichkeiten stark bezweifelt worden. Dazu komme, daß er feine L Wissenschaft in einer Art in der Oeffentlichkeit vor- geführt habe, die mit Wissenschaft nichts zu tun » habe, sondern als Schaustück zu betrachten sei. I

Des BâttdMe Mem ' | nur durch eine Verständigung zwischen Frankreich | und Deutschland realisierbar

Paris, 7. Juli. Der Außenpolitiker des I Matin" Sauerwein, den feine Enquete über die Aufnahme des Briandschen Memorandums nach I Mitteldeutschland und Skandinavien geführt hat, kommt W dem Ergebnis, daß nur durch eine ver- ständigung zwischen Frankreich und Deutschland dieser Plan realisierbar sei, und daß er realisiert werden müsse, welches Hindernis ihm auch ent- gegengesiellt werden möge. Er habe während seines Aufenthaltes in Deutschland nirgends einen kriege- I rischen Gedanken gehört, freilich hofften gewisse Leute aus Rußland und Italien, aber diese Hoff- M nungen könnten sich nicht erfüllen. 3m Gegenteil, » die Fortsetzung der Politik Stresemanns bedeute bk | Zusammenarbeit Deutschlands und Frankreichs, da von allen Staaten gegenwärtig Frankreich der ein- | zige sei, der Deutschland finanziell helfen könne, was die deutsche Industrie und Landwirtschaft auch ganz | genau wußten. Frankreich ist auch der einzige Staat | der Deutschland helfen könne eine bessere Regelung 8 der Reparationen durch ein friedliches Abkommen I mit Amerika zu erlangen. Frankreich | ist auch der einzige Staat, der | eine Rückkehr zu einem vernünftig ausgefallen und der Größe des Landes entsprechenden Militär- I ft a t u t ermöglichen könne und der einzige Staat, dec Deutschland einen Verbindungsweg mit Ost- | Preußen wieder verschaffen könne. Deshalb glaube er, daß Deutschland trotz aller Zwischenfälle und g Ausschreitungen an Frankreichs Seite stehen tverbe, g um Europa neu zu schaffen. Augenblicklich gebe es g in Deutschland 2 600 000 Arbeitslose, das feien g keine chronischen deprimierten Arbeitslose wie in g England, sondern arbeitswillige Menschen, die un- | ter ihrer Notlage litten. Wenn die Aussichten für I die Zukunft sich bessern, werde seiner Ansicht nach I der gesunde Menschenverstand in Deutschland den | Sieg davon tragen.

ZMarnmensiStze in LittÄZett I

Bombay, 7. Juli. In Puna, 75 Meilen südöst- | lich von Bombay kam es am Samstag zu schweren | Ausschreitungen, als die Polizei einen Demon- | strationszug auf de mWege zum Perawda Gesang- | nis, wo Gandhi in Gewahrsam gehalten wird, an- g hielt. Die Polizei wurde mit allerlei Gegenständen | beworfen. Europäern gehörige Kraftwagen wurden V angegriffen, ein Offizier wurde verwundet. Um 23 | Uhr sammelte sich in den Straßen eine mehr- I tausendköpfige Menge. Um Mitternacht kam es zu | ernsten Zusammenstößen, bei denen zwei Polizei« I sergeanten und mehrere Polizisten verwundet wur- 8 den. r00 Demonstranten erreichten Gandhis Ge- | fangnts mürben aber von der Gefängniswache da- | ran gehindert, sich dem Hauptportal des Gefäng« 8 nifies zu nähern. Die allindische-mohammedonifäst § Konferenz in Simla hat eine Entschließung ange- 8 nommen, in der es heißt: Der Bericht der Simon- | Kommission als Ganzes ist unannehmbar für i Mohammedaner, da er die mohammedanischen For- I u'chl erfüllt und in mancher Hinsicht rück- | ständig und reaktionär ist.