Kv. 154
Sveltas
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1930
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Der Neichsrat für die Sieuergefetze
IW KerreKs
— 3m Reichsrak wurde die Reichshilfe und die Zuschläge zur Einkommensteuer mit 56 gegen neun, die Tabaksteuernovelle mit 33 gegen 31 Stimmen angenommen.
— Der Reichstag schloß die Beratung des Haushalts für Versorgung und Ruhegehälter ab. Der sozialdemokratische Pensionskürzungsankrag wurde dem Arbeitsausschuß überwiesen.
— Die preußische Regierung hat den Beamten die Wikgliedschaft und Betätigung in der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei und in der Kommuni- stischen Partei untersagt, und einen dementsprechende» Erlaß an alle staatlichen und kommunalen Dienststellen gerichtet.
— Die Strassergruppe der Nationalsozialisten hat ihren Bruch mit der Hitlergruppe vollzogen. Die Reichskagsfraktion stellt sich geschlossen hinter Hitler.
— In Wiesbaden ist es gestern abend zu Ausschreitungen gegen ehemalige Separatisten gekommen.
— In Bologna ereignete sich ein schweres Eisenbahnunglück. Die Zahl der Toten beträgt bisher 16 Stück, die der Verwundeten rund 30.
Gnikcheiduns des ReLchseass
Annahme dev DeBnnssvovrassn mH 56 gegen
6 Stimmen dek einev Snthatinng
Berlin, 3. Juli. 3m Reichsrat wurden am Donnerstag die Vorlage über die R e i ch s- Hilfe der Personen des öffentlichen Dienstes und die Zuschläge zur Einkommensteuer in der Fassung der Ausschußbeschlüsse mit 56 gegen 9 Ltimmenbei einer Enthaltung an- genommen. Dagegen stimmten nur die Länder Thüringen und Braunschweig und die preußischen Provinzen Ostpreußen, Brandenburg, Pommern, Sachsen, Schleswig-Holstein und Hannover. Enthalten hat sich Mecklenburg-Schwerin. Die Tabak st euer-Novelle wurde gleichfalls angenommen, ebenso mit 33 gegen 31 Stimmen bei zwei Enthaltungen der Antrag der Reichsregierung, in der Konkingentsfrage die Regierungsvorlage wieder herzustellen. Ebenso wurde dem Ergänzungshaushalt zugestimmt.
Gegen die BeverSiisnnss ÄM»Sio«
Verhandlungen zwischen Wirtschaft und Reichs-
Schul- und Arbeitsverwaltungen, SommunaL verbände und Wirtschaftsvertretungen hatten sich auf Einladung des Reichsministeriums des Innern unter dem Vorsitz von Reichsminister Dr. Wirth zu einer Aussprache über die Mißstände zusammengefunden, die durch die Ueberfüllung der höheren Schulen und Hochschulen und die Ueberspannung und Unzweckmäßigkeit der Vorbildungsanforderungen entstanden sind. Diese Mißstände sind in steigendem Maße Gegenstand der Beunruhigung des Publikums, der Berufsstände, der Unterrichtsverwaltungen geworden. Wie der Reichsinnenminister in seinen einleitenden Worten ausführt, haben die Unterrichtsverwaltungen innerhalb ihres Geschäftsbereichs und gemeinsam in dem beim Reichsministe- rium des Innern bestehenden Ausschuß für das Unterrichtswesen sich mit der Frage beschäftigt, ob und inwiefern durch Maßnahmen der Schulverwaltungen die Entwicklung der Bildungs- und Berufsauslese in gesundere Bahnen gelenkt werden kann. Sie sind dabei zu der Einsicht gekommen, daß den vorhandenen Mißständen nur in enger Fühlung mit den Wirtschaftskreisen gesteuert werden kann.
Die Verhandlungen wurden eingeleitet durch Referate von Frau Ministerialrat Dr. Bäumer und dem ersten geschäftsführenden Präsidialmitglied des Industrie- und Handelstages, Herrn Reichsminister a. D. Eduard Hamm. In dem ersten Referat wurden die vom Reichsministerium des Innern vorgelegten Richtlinien behandelt. Der gegenwärtige Zudrang zur höheren Schule und Hochschule bedeutet für einen sehr großen Teil der Schülerschaft zwecklose Ueberspannung oder falsche Verwertung ihrer Kräfte, eine Verschwendung von öffentlichem und privatem Erziehungskapital, den Zufluß halbgebildeter und in ihrer Schullaufbahn gescheiterten Kräfte in die Wirtschaft und die Schaffung eines überhaupt nicht unterzubringenden geistigen Proletariats. Die Mittel, die von der Unterrichtsoerwal- tung der Länder angewendet werden können, werden jedoch die Vorurteile der Bevölkerung zugunsten der höheren Schule nur dann überwinden, wenn die Bevölkerung davon überzeugt ist, daß auch auf diesen außerhalb der höheren Schule aufgebauten Bildungswegen sich angemessene, ja sogar bessere Berufsaussichten eröffnen. Unter diesem Gesichtspunkt hat das Reichsministerium des Innern den Unterrichtsverwaltungen eine Vereinbarung vorgelegt, nach der die Gleichwertigkeit einer auf 10 Jahre erweiterten Volksschule, einer preußischen Mittelschule, einer auf der Volksschule aufbauenden Fachschule mit der Obersekundareife der höheren Schule von den Unterrichtsverwal- tungen anerkannt wird.
Das Koiovfev
Zum Notopfer führte preußischer Ministerialdirektor Dr. Ho g aus: Erleichtert wuvde dem Reichsrat die Zustimmung durch eine Reihe von Verbesserungen gegenüber der alten Vorlage. Die Reichshilfe der Personen des öffentlichen Dienstes soll 135 Millionen, der allgemeine Zuschlag zur Einkommensteuer 58 Millionen und Zuschlag zur Einkommensteuer der Ledigen 109 Millionen erbringen. Allen diesen Maßnahmen, die bis 31. März 1931 befristet sind, glaubten die Ausschüsse als Not- und Zwischenlösungen zustimmen zu sollen.
Die Form der Sonderabgube anstelle einer echten Gehaltskürz wurde als nicht sehr klar und
MMnder Lander Gemeinden, der Reichsbahn und Reichspost und der sonstigen öffentlichen Körpenchaften heran- zichen können. Die Länder wollen sich auch hinsichtlich ihrer eigenen Beamten mit dieser Form als einer einmaligen außerordentlichen Maßnahme abfinden. Sie empfinden allerdings es als sehr schwer tragbar, daß das Reich diese Einsparungsmöglichkeit für sich ausschöpft. Die Ausschüsse haben aber aus dieser Auffassung nicht etwa die Folgerungen gezogen, aus bieifer außerordentlichen Beihilfe eine womöglich dauernde Gehaltskürzung zu machen. Eine Unbilligkeit, daß die dem Lohnabzug unterliegenden Ledigen nur für acht Monate, die veranlagten dagegen für ein ganzes Jahr herangezogen werden sollten, haben Ausschüsse beseitigt. Dadurch wird ein Ausfall von etwa 10 Millionen entstehen. Diesen Ausfall wieder einzubringen, wird dadurch zu erreichen gesucht, daß den Ledigen, die Verwitweten und Geschiedenen, denen keine Unterhaltungspflicht gegenüber Kindern oder der geschiedenen Ehefrau obliegt, gleichgestellt werden.
. Die Ausschüsse haben ferner folgende Entschließung vorgsschlagen. Die Reichsregierung wird ersucht, sobald wie möglich die notwendigen Gesetz
entwürfe vorzulegen, um der übermäßigen Belastung der Gemeinden durch die Wohlfahrtserwerbs- losen abzuhelfen.
Dev ^mf um Ns TabaMeuev
Zur Ta b a k st e u e r n o o e l l e erklärte Kempff (Ministerialdirektor), daß es sich einmal darum handele, eine Einnahme von rund 48 Millionen durch Verkürzung der Zahlungsfristen auf einen Monat zu gewinnen. Gegen diesen Vorschlag wurden Bedenken nicht schoben. Dann soll eine
Recht der politischen Betätigung für jeden Staatsbürger in den allgemeinen Gesetzen seine Grenzen, für den Beamten aber besonders in den Pflichten, die das Amt ihm aufertegt in der Treue- und Gehormsamspflicht gegenüber dem Staat, die es ihm verbieten, von diesem Recht einen Gebrauch zu machen, der den Lebensinteressen des Staates zu- widerläuft.
Giu wrAvaueusanivas dev Deurschuatkoualeu?
Berlin, 3. Juli. Wie verlautet, beabsichtigt die deutschnationale Landtagsfraktion wegen der Verordnung, die den preußischen Beamte' die Zugehörigkett zur Nationalsozialistischen un^ ommunistischen Partei verbietet, gegen den M:..ulerpräsidenten Dr. Braun einen Mißtrau e n s a n t ra g im Landtag einzubringen. Sollte diese Absicht tatsächlich verwirklicht werden, so hätte das zunächst eine baldige Einberufung des Landtags zur Folge. Nach Artikel 57 der preußischen Verfassung muß ein derartiger Mißtrauensantrag, der von mindestens 30 Abgeordneten zu stellen ist, binnen 14 Tagen nach seiner Einbringung zur Erledigung kommen. Da die Sammlung von 30 Unterschriften in wenigen Tagen zu bewerkstelligen ist, wäre daher noch im I u l i mit einer kurzen Landtagstagung zu rechnen.
Verlängerung der Zigarettenkontingentierung um Jahr bis zum 31. März 1932 erfolgen. Die sschüpe haben mit 19 gegen 9 «stimmen befchlaj- , die Konkingentsabstimmung aus der Vorlage entfernen. Zugestimmt haben sie dagegen dem ach der Steuer- Mark ermäßigt
sen,
W z. „ . , ,w ■■!■■■ dritten Punkt der Vorlage, mono.
satz für Zigarettenpapier auf 2.30 werden soll.
Ministerialdirektor Dr. Ernst beantragte namens der Reichsregierung, die Verlängerung des Kontingents wiederherzuftellen. Generalberichterstatter Ministerialdirektor Dr. Brecht führte u. a. aus: Zur Deckung des Fehlbetrages von rund 485 Millionen sollen 134 Millionen bei den Ausgaben gestrichen werden. Die entscheidende politische Frage ist, ob nicht durch Erhöhung der Abstriche die neuen Abgaben ganz oder teilweise entbehrlich werden können. Preußen »ertritt den Standpunkt, daß beim Reichswehrministerium größere Streichungen als anscheinend beabsichtigt, möglich seien, und daß sich dadurch die Summe verbessere, hiervon abgesehen halten die Ausschüsse eine wesentliche Erhöhung der sofort zu verwirklichenden realen Abstriche nicht für möglich. Weitere größere Abstriche sollen durch das zugesagte Ausgaben- senkungsgisetz aus längere Sicht vorbereitet werden.
(Fortsetzung auf Seite 2)
OveuGen vevvietei den Veamten
Tettnahme an den esetvemen VavteZen
Berljn, 3. Juli. Die preußische Regierung hat den Beschluß gefaßt, den unmittelbaren und mittelbaren Staatsbeamten die Zugehörigkeit zu den Parteien der Nationalsozialisten und Kommunisten, sowie die Betätigung in diesen politischen Organisationen zu untersagen und Zuwiderhandlungen disziplinarisch zu verfolgen.
Der Amtliche Preußische Pressedienst meldet: „Das preußische Staatsministerium hat in seiner letzten Sitzung den folgenden Beschluß gefaßt, der nunmehr den Nachgeordneten Behörde« aller Zweige der Staatsverwaltung und den Gemeindebehörden zugeht:
Nach der Entwicklung, die die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei und die kommunistische Partei Deutschlands genommen haben, sind beide Parteien als Organisationen anzusehen, deren Ziel der gewaltsame Umsturz dec bestehenden Staatsordnung ist. Ein Beamter, der an einer solchen Organisation leilnimmt, sich für sie betätigt, oder sie sonst unterstützt, verletzt dadurch die aus seinem Beamlenverhällms sich ergebende besondere Treueverpflichtung gegenüber dem Staate und 1 ■---- ' " ' " "
Vom Blitz erschlagen
Renten, 3. Juli. Der Blitz schlug in Ulmen in der Eisel in eme Gruppe von Landleüten und tötete pvel Personen. Eine Frau wurde gelähmt, ein
ere Treueverpflrchtung gegenüber dem macht sich eines Dienstvergehens schuldig. 3 nten ist demnach die Teilnahme an diesen Csationen, die Betätigung für sie, oder ihre fon-
Unterstützung verboten. Das Staatsmini-
Beamten ist
Allen
Or-
sterium bringt diese Auffassung der Beamtenschaft hiermit besonders zur Kenntnis und weist sie daraus hin, daß künftig gegen jeden unmittelbaren oder . ■ - v,-— —,„» v... mittelbaren Staatsbeamten, der dem zuwiderhan-
Bursche schwer verletzt. Die Leute waren im Be- delt, disziplinarisch eingeschritten wird, gri-ff, rhr Vieh von der Weide nach Hause zu treiben. Das Staatsministerium ordnet gleichzeitig an, daß
die Nachgeordneten Behörden über jeden Fall der Zuwiderhandlung dem zuständigen Fachminister zu berichten haben/
hierzu bemerkt der Amtliche Preußische Pressedienst: Die preußische Staatsregierung richtet mit diesem Erlaß an die gesamte Beamtenschaft Preußens eine Warnung vor einer Betätigung und Unterstützung der oben genannten Parteien, deren Ziel, den Staat und seine heutige Verfassung umzustürzen und die Beamtenschaft (Reichswehr und I Schutzpolizei) zu zersetzen, in der letzten Zeit immer klarer zutage getreten ist. Die preußische Staats- regierung macht nachdrücklchst darauf aufmerksam, daß jeder Beamte, der sich im Rahmen einer dieser beiden Parteien betätigt, sie in chren Zielen unterstützt und fördert, sich der Gefahr einer disziplinarischen Bestrafung aussetzt.
Mit der Treupflicht eines Beamten und mit dem von ihm geschworenen Eid auf die Verfassung ist es unvereinbar, Parteien zu dienen, die diesen Staat zugegebenermaßen auch mit ungesetzlichen Mitteln bekämpfen.
Die in Artikel 130 der Verfassung den Beamten gewährleistete politische und bürgerliche Freiheit ist durch die Gesetze beschränkt . Nach der Rechtsprechung aller obersten Disziplinargerichte findet das
Die Vevlkuev Nveffe zu dem Nveud. KabrneitstzeßMutz
Berlin, 4. Juli.. Der Beschluß des preußischen Kabinetts über das Verbot der Zugehörigkeit von Beamten zur Nationalsoziallstischen und Kommunistischen Partsi findet in der Berliner Presse große Beachtung. Die Blätter der hinter der Regierung stehenden Parteien sprechen ihre Genugtuung über den Beschluß aus. In der „Voss. Ztg." heißt es: Der Notstand von Staat und Wirtschaft erfordert außerordentliche Maßnahmen. Die Staatsregierung läßt nicht mit der Staatsautorität spielen. Sie setzt für die oevfassungsmäßige Gewalt ihre ganzen Mittel ein und gibt damit ein Beispiel der Stärke, das beruhigend und aufrichtend wirkt.
Das „B. T." fragt: Ist.es nötig, zum soundsovielten Male hervorzuheben, daß die beiden Parteien, auf die sich das Verbot bezieht, durch ihre Arbeit und ihre Ziele die neue Verfügung der preußischen Staatsregierung schon längst nötig gemacht hätten? Ueberflüffig das zu betonen, wenn man sich erinnert, daß die nationalsoziaiistnfchen Führer immer wieder erklärt haben, nattonalsozialistische Wettanschauung verpflichtet dazu, den Umsturz mit allen Mitteln vorzubereiten. Die Diktatur gegen die Mehrheit des deutschen Volkes ist oft und oft als nationalsozialistische Aufgabe hingestellt worden. Für die Kominunistische Partei gilt dasselbe.
Unter der Ueberschriist: „Eine notwendige Verordnung sagt die „Germania": Der Beamte ist dem Staat durch sein Treuverhältnis nach jeder Richtung hin verpflichtet. Wenn Parteien es sich zu ihrer Aufgabe gemacht haben, die Grundlagen des Staates zu erschüttern, dann muß dem Staat «das Recht zugebilligt werden, sich dagegen zu verwahren, daß Beamte, also seine ihm verpflichteten Diener, sich mit solchen Parteien den gleichen Bestrebungen hingeben und diese Tendenzen in solchen Parteien praktisch verfolgen.
Ganz anders sind die Stimmen aus dem gegnerischen Lager. Der „Lokalanzeiger" schreibt: Viel Sympathien wird sich Ministerpräsident Braun mit dieser Druck- und Zwangspolitik auch in denjenigen Kreisen der preußischen Beamtenschaft, die weder zu den Nationalsozialisten noch zu den Kommunisten gehören, nicht erwerben. Im Gegenteil: Je mehr sein Regime sich zu einem reinen Polizeistaat auswächst, desto geringer wird der Respekt werden, der diesem seinem Regime auch innerhalb der Beamtenschaft entgegengebracht wird.
Die „Deutsche Ze i t u n g" erklärt: Der preußische Ministerpräsident wird sich darauf gefaßt machen müssen, daß ihm bei einer entsprechenden Klage der Staatsgerichtshof die Unwir^amkeit seines neuen Erlasses ebenso bescheinigen wird, wie er seiner Zeit die disziplinarische Bedrohung der Beamten, die sich für das Volksbegehren eingetragen hatten, für rechtswidrig erklärt hat.
Die „Rote Fahne" spricht von einem Schandstreich der Otto Braun-Regierung gegen die Beamten.
Bis jetzt 3302 Gandhi-Anhänger verhaftet
London, 4. Just. Der Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten teilte mit, daß die Zahl der Personen, die im Zusammenhang mit der Gandhi-Äffäre verhaftet wurden, 3302 beträgt.
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