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Mittwoch
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1930
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Das neueste
— 3m Reichstag wurden gestern die Wißtrauens- anfrage gegen Dr. Curtius und Slegerwald ab- gelehnt.
— Die Reichsratsausschüsse haben am Dienstag die erste Lesung der neuen Deckungsvorlagen abgeschlossen. Zum Zwecke einer nochmaligen genaueren Ueberprüfung der gesamten Materie soll noch eine zweite Ausschuhlesung stattfinden.
— Der Geschäftsordnungsausschuß des Reichs- tags genehmigte die Strafverfolgung des Abg. Graf Westarp, der dem preußischen Innenminister wissentliche Verletzungen der Verfassung und arglistige Täuschung zum Vorwurf gemacht Hal, mit Beginn der Sommerpause. Ferner genehmigte der Ausschuß die Strafverfolgung einiger Kommunisten.
— Die Reichsregierung gibt die Verschuldung der Landwirtschaft mit 7,248 Milliarden RM an.
— Der neugewählte Sächsische Landtag ist für den 10. 3uli einberufen worden.
— In Kassel wurden gestren abend 72 Nationalsozialisten zwangsgeskellk.
Rach amtlichen Berichten über den Verlauf des Moskauer Parteikongresses am 29. Juni haben die Führer der Rechtsopposition, Tomski und Rykow, in dieser Sitzung Erklärungen abgegeben, die eine vollständige Unterwerfung unter die Richtlinien der Parteimehrheit bedeutet. Ihre Unterwerfung stellt einen vollkommenen Sieg Stalins, dar.
Die &MdM&mi3 deV LKUdMMOM
Berlin, 1. Juli. Die Reichsregierung teilt dem Reichstag das Ergebnis von Erhebungen der Finanzämter über die Verschuldung der deutschen Landwirtschaft mit. Aus der Statistik, die lediglich
,w!kèschailliü)L und teiut. lichen und gärtnerischen Betriebe berücksichtigt, ergibt sich, daß sich der Gesamtbetrag der festgestellten Schulden auf 7 248 049 000 RM beläuft. Hiervon entfallen auf Aufwertungsschulden 1406 984 000 Mark, auf Allenteile und ähnliche Lasten 733147 000 Mark, auf neue Hypothekenschulden 3 449 247 000 Mk. und auf sonstige Schulden 1658 671000 Mk. Zu den Ergebnissen der Verschuldungsstatistik wird darauf' hingewiesen, daß durch sie nur etwa 70,2 v. H. der Einheitswerte und 70,5 v. H. der Fläche der landwirtschaftlichen Betriebe berücksichtigt sind. Da also von den rein landwirtschaftlichen Betrieben eine ganze Reihe aus bestimmten Gründen nicht erfaßt worden ist, ist das Ergebnis der Ver- schuldungsstatistik mit den Schätzungen des Instituts für Konjunkturforschung, die für den 1. Jan. 1928 — der auch der Stichtag der Statistik der Finanzämter ist — eine Verschuldung von 9,7 bis 10 Milliarden Mark und für die Gegenwert von 11,1 bis 11,2 Milliarden Mark, ohne die Rentenbankgrundschuld von zwei Milliarden Mark ergeben, nicht vergleichbar. Im einzelnen ist aus der Statistik festzustellen, daß die Verschuldung am stärksten in Ostpreußen und Pommern ist, am geringsten dagegen in Süddeutschland und im Bezirk Köln. Sie beträgt in Hessen etwa 13 v. H., in Baden rund 12 v. H. des Gesamteinheitswerts.
GSOMchev LarsÄLas am la ZM
Dresden, 1. Juli. Der Landeswahlleiter verkündete heute mittag das amtliche Ergebnis der sächsischen Landtagswahlen vom 22. Juni 1930. Trotz den besonders im Wahlkreis Dresden-Ost- fachsen ziemlich erheblichen Abweichungen zwischen dem vorläufigen und dem amtlichen Ergebnis ändert sich an der Mandatsverteilung nichts.
Nach einem Beschluß des Gesamtministeriums wird der sächsische Landtag für Donnerstag, den 10. Juli 1930, nachmittags 1 Uhr, nach Dresden einberufen.
Die ReiKSbauMadt Wied »wansSetatMeet
Berlin, 2. Juli. In der gestrigen Sitzung des Berliner Stadtparlaments wurde die Deckung des Elatsdefizits abgelehnt. Keine einzige Partei hat sich entschließen können, den neuen Sleuervorschlä- gen des THagiffrats ihre Zustimmung zu geben. Die Folge dieser Abstimmung ist die Zwangsetatisierung des Reichshauptstadt durch den Oberpräsidenten der Mark Brandenburg.
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Im Berliner Rathaus kam es gelegentlich der Beratungen des städtischen Haushalts zu wüsten Tumultszenen. Schon während der Debatte im Saal war es zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen den Kommunisten und Nationalsozialisten gekommen. Als der nationalsozialistische Etatsredner Dr. Lippert den Saal verließ, folgten ihm 8 bis 10 kommunistische Stadtverordnete. Diese fielen im Vorraum des Beratungssaales über ihn her, war
Die DeEtmssvovlagen im Aeâchsvai
Girre seotze Lahr Slerrdevungerr vsessrsemmerr - Koch keirr VeichLrrß dee Solksoaeteß - Die DerrtfchttaLkorraierr füv Ablehrrrrttg?
Berlin, L Juli. Die Vereinigten Ausschüsse des Reichsrales beschäftigten sich am Dienstag unter Vorsitz des Reichsfinanzministers Dietrich mit den neuen Deckungsvorlagen der Reichsregierung. In der ersten Lesung sind eine große Anzahl Aenderungen an den Einzelheiten der Vorlage vorgenommen worden. Infolgedessen wollen die Ausschüsse zur Nachprüfung des Ganzen unmittelbar vor der am Donnerstag 5 Ahr beginnenden Vollsitzung des Reichsrates noch eine kurze Sitzung abhalken, in welcher die Vorlagen einer zweiten Lesung unterzogen werden.
Gnviins und die SEspaetei
Berlin, 1. Juli. Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei beschäftigte sich nach Schluß der heutigen Vollsitzung mit dem Verhalten des Ministers Dr. Curtius gegenüber den Brüningschen Deckungsvorschlägen und "mit dem Verhältnis der Fraktion zu dem Minister. Dr. Curtius hielt eine ausführliche Rede, worin er die Gründe darlegte, aus denen er den Brüningschen zugestimmt habe. Er machte vor allem geltend, daß die neuen Vorlagen wesentliche Aenderungen und Verbesserungen gegenüber den Moldenhauerschen Entwürfen darstellten, daß er dementsprechend auch den neuen Vorlagen habe zustimmen müssen, und betonte schließlich, daß nach seiner Ansicht bereits Lohn- und Preisrückgänge eingetreten seien, mit deren Ausmaß man wöhlzufrieden fein könne. Mit der Begründung, daß die Fraktion zunächst einmal die Beschlüsse des Reichsrats zu
e WeMAKs genehmigt
Die MMvanensanivKge gegen SLeseewaM und Lnetius ahgelehni - AE Ne ABbeßtsdisnstKWcht abseiehnt Berlin, 1. Juli. Im Reichstage wurde heute zunächst mit allen gegen die Stimmen der Kommunisten der gestern mitgekeilke Antrag angenommen, der die gesetzliche Sicherung der Westhilfe fordert.
Die zweite Beratung des Haushalts des Reichsarbeitsministeriums wurde dann zu Ende geführt. Noch einmal nahm Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald das Wort, um die in der Debatte gegen die Novelle zur Krankenversicherung erhobenen Einwendungen zurückzuweisen. Der Minister wies auf die außerordentlich große Summe hin, die alljährlich von den Krankenkassen an Aerzte und Apotheker gezahlt werden muß. Sie betrage im Jahre 600 Millionen Mark, während nur 225 bis 250 Millionen erforderlich wären, wenn man jedem Kassenarzt das sehr hohe Gehalt von 15 000 Mark geben wollte. Der Minister sprach die Erwartung aus, daß sich diese Summe vermindern werde, wenn die Versicherten zu den Kosten mit Herange- zogen werden. Die Forderung der Vorlegung eines Kleinrentnerversorgungsgesetzes beantwortet der Minister mit dem Ausdruck des Bedauerns darüber,. daß angesichts der schlechten Finanzlage eine solche Zusage nicht gemacht werden könnte. Er teilte weiter mit, daß gegenwärtig Verhandlungen über die Aufnahme einer Ausländsanleihe für die produktive Erwerbslosenfürsorge schweben. Im Gegensatz zu der Kritik eines volksparteilichen Redners betonte Dr. Stegerwald, daß Deutschland ein wesentliches Interesse an der Tätigkeit des Internationalen Arbeitsamts habe.
Bei den dann folgenden Abstimmungen wurde der kommunistische Mißtrauensantrag gegen den Reichsarbeitsminister mit 209 gegen 61 Stimmen abgelehnt. Die 133 Sozialdemokraten enthielten sich dabei der Abstimmung. Gegen die Stimmen der Rechten und der Wirtischaiftspartei wurde
fen ihn zu Boden und schlugen auf ihn ein. Stadtverordnete anderer Fraktionen und ein herbeigeeiltes Polizeiaufgebot machten der Schlägerei ein Ende. Kurz darauf gingen im Saal neue Lärmszenen vor sich, als der aus der Kommunistischen Partei ausgetretene Stadtverordnete Rosenthal das Wort zum Haushalt ergriff und die gesamte kommunistische Fraktion in lautes Toben ausbrach.
Giveremann-Büfte
Im ArsswSvtisett Ami
Berlin. 1. Juli. Im Auswärtigen Amt ist heute vormittag aus Anlaß der RheinlanLbefreiung eine von der Hand Professor Seegers geschaffene Büste des verswigt^en Reichsmimstres des Aeußern Dr.
den Verhandlungen mit dem Reichskanzler a b warten müsse, sah sie von Beschlüssen in der
heutigen Sitzung ab.
Bei den Deutschnationalen ist die Lage noch ired)t undurchsichtig.
Im allgemeinen überwiegt Ablehnung der Deckungsvorlagen, zumal auch Graf Westarp, Ler
jedoch die Stimmung zur
Führer der gemäßigten Richtung, gegen Lie Gesetzentwürfe sich ausgesprochen hat.
Svotest
-SV Höheven Beamten
Berlin, 1. Juli. Der geschälftsführende Vorstand >Les ReichSbundes der höheren Beamten hat eine Eingabe an die Reichsregierung gerichtet, in der er sich gegen die Sondersteuer dèr 'Beamten wendet. Eine solche Steuer müsse von der Beamtenschaft als ungerecht und verfassungswidrig ab gelernt werden.
der Antrag auf Einführung eines Artz ei tsd ie n stj ah r s s ab gelehnt. Ange- gmommen wurden Ausschußentschließungen, in denen Material zur Frage des Ausbaues der Jn- valiLenversicherung verlangt und die Forderung ausgesprochen wird, daß mit Preußen verhandelt werde, um die Stillegung des Mansfelder Berg? Laues zu verhindern. — Die Novelle zur Krankenversicherung wurde dem Sozialpolitischen Ausschuß überwiesen, ebenso verschiedene Anträge und Entschließungen, die Ausbau und Reform der einzelnen Zweige der Sozialversicherung fordern.
In der heutigen Sitzung wurden auch die in der vorigen Woche zurückgestelllen Abstimmungen zum Haushalt des Auswärtigen Amts nach- geholt. Der Haushalt wurde im wesentlichen in der Ausschußfassung angenommen.
Die Mißlrauensanträge der Deutschnationalen und Kommunisten gegen den Reichsaußenminister Dr. Curtius
wurden mit 283 gegen 121 der Deutschnationalen, Kommunisten und Nationalsozialisten bei drei Stimmenthaltungen a b g e l e h n t. Angenommen wurde eine Entschließung, die sich gegen die bildliche Darstellung angeblicher deutscher Kriegsgreuel im Seebrügger Kriegsmuseum wendet, ebenso eine demokratische Entschließung, die die Ratifikation der Genfer Handelskonvention verlangt.
Auf der Tagesordnung der Mittwochsitzung, die um 3 Uhr nachmittags beginnt, steht neben kleineren Etats und Vorlagen die dritte Beratung des A m n est ieg e s e tz e s.
Stresemann enthüllt worden. Das durch Spenden iber Ausländsdeutschen ermöglichte Bildwerk hat in unmittelbarer Nähe des Arbeitszimmers des verstorbenen Staatsmannes Aufstellung gefunden. Bei dem feierlichen Akt sprach Reichsminister des Aeußern Dr. Curtius Worte ehrenden Gedenkens an Dr. Stresemann.
Sechs Opfer einer Familientragödie in England
London, 1. Juli. 3n Weftharllepool wurden in der Wohnung eines Arbeiters der Familienvater und fünf feiner sechs Kinder tot aufgefunden. Die Gasrohre waren durchschnitten. Das jüngste Kind im Aller von zwölf Monaten lebte noch. Die Tragödie hatte sich in Abwesenheit der Frau des Arbeiters abgespielt.
KaO dem Abmarsch See Seemofen
Im ganzen Reich hat man den Augenblick, in dem das ganze ehemals besetzte Gebiet endlich auch von dem letzten französischen Soldaten frei war, mit Jubel willkommen geheißen. Man hat die Stunden, die darauf folgten festlich und feierlich begangen und ganz Deutschland hat die Freude der rheinischen Bevölkerung als die eigene empfunden. War doch die Anwesenheit der fremdländischen Soldaten auf deutschem Gebite eine überaus drückende Fessel unserer Souveränität, die man zwar im unbesetzten Gebiet nicht als eine unmittelbare Last empfand, die aber doch das nationale Bewußtsein eines jeden Deutschen schwer bedrückte. Wir haben alle aufgeatmet, als wir an dem Tag erwachten, an dem nirgends mehr in Deutschland die Oberhoheit des Reiches durch eine fremde Befehlsgewalt eingeschränkt war, an dem der Deutsche sich wieder als Herr im eigenen Hause fühlen konnte. Ganz Deutschland hatte ein Recht, den Abmarsch der Franzosen als ein befreiendes Erlebnis zu empfinden und zu feiern.
Auch nachdem die Feiern verrauscht sind, bleibt bei kühler Ueberlegung von den festlichen Eindrücken vieles zurück, was wir als einen dauernden nationalen Gewinn und als einen großen Fortschritt auf dem Wege zur völligen Befreiung betrachten können. Nach den vielen Kontrollkommissionen, die in Berlin als Beauftragte unserer Gläubigerstaaten unsere innere Verwaltung und namentlich unsere Finanzgebarung überwachten, ist nun auch die Rheinlandkommission abgezogen. Mit ihr haben die Besatzungsbehörden, die zum Teil bis in die letzten Tage ihrer Herrlichkeit noch richterliche Befugnisse ausübten, Deutschland verlassen. Der rheinischen Bevölkerung ist fortan der Anblick fremdländischer Uniformen erspart, wir alle sind von dem drückenden Bewußtsein befreit, daß ausländische Machthaber auf deutschem Boden richterliche und behördliche Befugnisse ausüben konnten, wie manche unserer Landsleute zu ihrem Leidwesen erfahren mußten. Dies ist ein Wendepunkt in der Leidensgeschichte des deutschen Volkes nach dem Abschluß des Krieges, und es scheint angebracht zu sein, daß wir an diesem Wendepunkte über die Lage Rechenschaft geben, in der wir uns jetzt befinden.
Da scheint vor allen Dingen eins wichtig zu sein. Lassen wir die Befreiungsfeier nicht vorübergehen, ohne daß wir einen nachhaltigen Gewinn zurückbehalten. Wir durchleben gegenwärtig Tage, in denen das ganze deutsche Volk von einem Gefühl nationaler Hochstimmung beseelt ist. Wir fühlen uns alle wieder einmal als Deutsche, als die Angehörigen eines einzigen, großen Reiches, das seine Handlungsfreiheit im eigenen Hause zurückgewinnt. Von dieser freudigen und erhobenen Stimmung wollen wir die Erkenntnis zurückbehalten, daß wir alle nationale Schicksalsgenossen sind, und den festen Willen, in dieser Schicksalsgemeinschaft weiter zusammenzuhalten und weiter den Kampf um die Befreiung Deutschlands zu führen. In der innerpolitischen Zerrissenheit, in der wir uns gegenwärtig befinden, kann uns dieser Blick auf das Ganze nur von Nutzen sein und uns über manches Trennende hinwegsehen lassen. Was hilft uns der Abzug der Franzosen, wenn wir uns im inneren Kampfe schwächen und wenn wir uns in erbittertem Parteikampfe gegenseitig als Feinde behandeln, anstatt im Kampfe um Deutschlands Zukunft zusammenzuhalten?
Denn auch nach dieser Richtung hin müssen wir uns über unsere Lage klar sein: Die völlige Räumung des Rheinlandes bedeutet keineswegs die Krönung der deutschen Freiheitsbewegung, sondern nur eine Etappe. Gewiß sind wir Herr im eigenen Hause geworden, aber unserer Bewegungsfreiheit sind durch den Versailler Vertrag doch noch recht enge Schranken auferlegt. Wir sind in vieler Beziehung noch unfrei und an den Willen anderer Mächte gebunden. Gewiß kann kein Volk und kein Land von sich behaupten, daß es in jeder Beziehung unabhängig sei und tun und lassen könne was es wolle. Aber es gibt doch nationale Angelegenheiten, in denen ein voll-
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