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de« 30. Sani

Das Rheinland wieder ^r ei^

I Die Stunde der Befreiung

Der heiß ersehnte Tag der Befreiung der Rheinlands ist angebrochen. Zur Stunde, da diese Zeilen in Druck gehen, verläßt der letzte französische. Soldat die Stadt Mainz die I Besetzung hat aufgehört. Die Rheinlands sind I vom Druck fremder Besatzung erlöst, die Rheinlande sind nach zwölfjähriger Besetzung wieder frei! Der deutsche Staat hat seine volle | Souveränität wieder erhalten! Deutsche Volks­genossen reicht Euch die Hände, seid ein gebest dieses heiß herbsigesehnten Ereignisses einig, laßt und wenn auch nur auf Stunden allen Parteihader schwinden, findet Euch über alles Trennende und Verärgernde hinweg if aufrichtig zusammen und nehmt im Geiste ! an der Freude teil, die heute die jetzt t befreiten Brüder und Schwestern empfinden, die Brüder und Schwestern, die 12 Jahre lang I unsagbar Schweres ertragen haben, ertragen haben für ganz Deutschland. Wie die leben­dige Mauer der grauen Männer in den vier Jahren bewaffneten Widerstandes die Greuel Les Krieges von der Heimat abgehalten hat, so haben die Rheinländer in den zwölf Jahren dem Kriegs die Greuel der Besatzung Wb ^^ ' ^fe des oeutfchen Vaterlän­

das von den Franzosen gegebene KWprs- chen tatsächlich eingehalten werden würde. Erinnert sei nur an die Aussprüche verschie­dener französischer Generäle, Aussprüche, die besagten, daß die Garantie für eine Räumung nicht gegeben, die Sicherheit Frankreichs nicht gewährleistet sei. Die Kreise um die fran­zösische Generalität konnten es nicht begrei­fen, daß jener jahrhundertealte, nebelhafte Traum von einem großen französischen Reich bis an den Rhein ausgeträumt sein sollte, daß das, was General Foch mit seinen Waffen­stillstandsbedingungen bzw. der Besetzung des linksrheinischen Gebietes mit den Brücken­köpfen, Mainz, Koblenz, Köln wollte, nämlich die Vorbereitung der Annexion rheinischen Landes, nicht in Erfüllung gehen sollte- Des­halb Ausreden über Ausreden, deshalb bis in die letzte Zeit der hartnäckige Widerstand, den einmal besetzten Rhein wieder preiszu- geben. Wie gesagt, man mußte vor Monaten noch daran zweifeln, doch heute haben wir die Tatsache, daß kein Franzose mehr aus deut­schem Boden steht. Befreit vom fremden mili­tärischen Joch!

Ein glänzender Erfolg, den wir der rhei­nischen Bevölkerung und einem Mann ver­danken, dessen ganzes Sinnen und Trachten der Rheinlandbefreiung galt, dem es aber lei­der nicht mehr vergönnt war, sein Werk vollendet zu sehen. Der rheinischen Be­völkerung, die der Peitsche trotzte und das Zuckerbrot weit von sich wies. Die letzten zwölf Jahre haben den Franzosen bewiesen, daß sie das Volk der Rheinlands nie und nimmer ha­ben können. Hier steckt das Geheimnis der Kraft des rheinischen Volkes. Weil es sich seines Lebens, seiner Heimat und seines Va­terlandes freut wie kaum ein anderer Deut­scher, darum hat es zwölf Jahre lang ertragen können, was anderwärts ein Volk zerbrochen oder wenigstens innerlich zermürbt hätte. Allen fremden Einflüssen gegenüber haben die Rheinländer und Pfälzer ihr deutsches Wesen bewahrt. Sie haben es nicht als verschlossene oder versonnene Menschen getan, sondern offen, frei, laut und froh.' Wir erinnern nur an die ersten Jahre nach dem Kriege, wo im besetzten Gebiet französische Gewalt herrschte, schrankenlose Gewalt, die zu einer Tyrannei ausartete, wie man sie bei einem Volke, das auch nur entfernt mit westeuropäischer Kultur in Beziehung steht, niemals für möglid) ge= halten hätte. Damals machten die Franzosen der friedlichen Bevölkerung das Leben plan« mäßig zur Hölle, um sie seelisch zu zermür­ben, um so das Land für die Annexion reif zu machen. Damals unterstützte man von Paris aus nicht nur jede Bewegung, die, wie man dort hoffte, auf Abtrennung des linksrhei­nischen Gebietes vom großen deutschen Vater­

lande abzislte, sondern man trug auch durch landfremdes Gesindel solche Bewegungen in das Rheinland hinein, wo sie nichts zu suchen hatten. Damals blieb das rheinische Volk dem Vaterlands nicht nur in stummer Verhar­rung treu, sondern es bewies diese Treue in lauten, trutzigen Kundgebungen und ließ die-

Das Niederwalddenkmal, das Symbol des einigen, freien deutschen Reiches

ferhalb schwere Strafen über sich ergehen. Treu sind die Rheinländer und Pfälzer ge­blieben bis zum letzten Tage. Alle Leiden haben sie auf sich genommen, mit einem be­wundernswerten Heroismus getragen, in der zuversichtlichen Erwartung, . daß einst die Stunde der Befreiung schlagen werde. Und daß diese Stunde heute bereits, also drei Jahre vor dem vertraglich festgesetzten Termin, schlägt, ver­dankt das deutsche Volk zum weitaus größten Teil der Politik, die der verstorbene Reichs- außenminister Dr. Stresemann trotz aller An­feindungen zielbewußt getrieben hat. Als Stresemann im Spätherbst 1923 die Füh­rung der Regierungsgeschäft« übernahm, da hatte die Besetzung ihren Höhepunkt erreicht. Neben den drei Rheinlandzonen war auch das Ruhrgebiet besetzt, 34 000 Quadrat­kilometer deutschen Landes mit nahezu 10 Millionen Menschen standen unter Fremd­herrschaft. Stresemann erkannte damals, daß mit großen Worten, Drohungen und Fäuste­ballen ein wehrloses Volk einem in Waffen starrenden Feinde gegenüber nichts auszu­richten vermochte. Von solchen Gegnern, die nach dem Weltkriege, der auch ihnen uner­meßliche Opfer gekostet hatte und der sie in Furcht vor dem niedergebrochenen Deutschland in einheitlicher Front zusammenhielt, etwas herauszuholen, dazu gehörte etwas anderes, nämlich eine zähe, mühselige diplomatische Ar­beit, die geeignet war, den Gegnern die Vor­teile beizubringen, die ein Zusammengehen auch mit diesem zusammengebrochenen Volke immer noch bringen könnte, die ihnen vor Augen führte, daß ohne Wiederaufbau Deutschlands auch die Not im Auslande sich ins Unermeßliche steigern werde. Hart, stei­nig und steil war dieser Weg, aber Strese­mann ist ihn unter Aufbietung seiner ganzen Kraft gegangen. Deutschlands Eintritt in den Völkerbund, Gespräche von Thoiry, Rhein­landpakt, Locarno alles Stationen der

Stresemann ch-n Pcönk, von der er sich nicht abbringen ?-t und die uns zu dem freudigen Ereignis gefügt ' hat das wir heute begehen.

Dank, tarnen? Dank der rheinischen Bevöl­kerung, die 1 Mi vEossenen zwölf Jahren bewiesen hat, daß deutsch sein, freu fein bedeu­tet. Dank aber aud âen denen, die an der

Befreiung mitgearbeltet haben, unter denen Stresemann der erste Platz gebührt, denn ihm ist es auf dem Schlachtselde der Diplomatie ge­lungen, Frankreich dazu zu bewegen, _ den Raub des Rheins fahren zu lassen, auf ein Programm zu verzichten, das dahin ging, die Rheinlands Frankreich anzugliedern aber aus dem Rheinland einen unter französischer Ober­herrschaft stehenden Pufferstaat zu machen. Das gesamte deutsche Volk grüßt heute die tapferen rheinischn Volksgenossen, blickt mit Stolz zu ihnen empor und gelobt: Treue gegen Treue!

Die Rheinlands sind frei! Unentschieden ist noch das Schicksal des Saargebietes. Auch die Brüder und Schwestern an der Saar haben in den zwölf Jahren bis auf den heutigen Tag bewiesen, daß treu- und deutschsein noch immer gleichbedeutend ist. Auch ihrer geden­ken wir am heutigen Befreiungstage in der bestimmten Erwartung, daß ihnen der Wieder- anschluß an das große Vaterland recht bald gewährt wird. D:e Befreiung des Saargebietes ist eine der dringendsten Aufgabe der deut­schen Außenpolitik. Auch dieses Ziel wird er« xpicht werden, ebenso wird es uns gelingen, unseren Brüdern im Osten Hilfe zu bringen, die dortigen offenen Wunden zu schließen. Die Rheinlandbefreiung ist eine Etappe auf dem dornenvollen Wege, den wir seit 1918 gehen mußten die Erreichung dieser Etappe ist geeignet, Kraft und Hoffnung für den Rest jenes Weges zu sammeln, uns zur Fortsetzung des deutschen Befreiungswerkes zu ermuntern, damit wir einst die große Befreiungsfeier des gesamten deutschen Vaterlandes begehen

können!

R. H.

Zwölf Jahre Besetzung

Do unsere kurzlebige Zeit so schnell vergißt, hal­ten wir es für angebracht, die LesetzunMgefchich» noch einmal chronologisch wisderzugeben.

Mit dem Wo"«nst:Lstsnb am 1 Sooemner 1918 begann bc deutsch« Heer fernen Ruckzug Um dem Fuße folg en die französischen Truppen, bte » lange vorn deutschen Boden ierngehalre" waren. Sie begannen zunächst westliche Teile der PsâM zu besetzen. Im Waffensrillstandsoerrr.w wurde das Gebiet umschrieben, das von den ollnerten ML Truppen besetzt werden 'ollte. Schon am 1. De- zember 1918 ergossen sich 600 000 Mann -rember Truppen, Franzosen, Belgier, Engländer, Ameri­kaner über das Gebiet, das nunmehr Besetzung- gebiet wurde. Rücksichtslos übernahmen di« wem den Militärs bie Verwalrung des ^saar-zebiets.'ber Pfalz und des Rheinkrndes. Die oeunchen OrAM wurden abgelöst oder unter Kontrolle «iteät W strenge Zensur setzte ein, der Belagerung M-ent wurde proklamiert. Obwohl es sich um rnefried­liche" Besatzung handeln sollte »am re f'. D . Friedsnsstimrnung nicht auffomtnen Dafür ^rgte ' schon die Besatzung, r .o reiurber« bi- Franzose» Z unb Belgier.

Eine sch

setzte Land irren Anfang ^chon >- WastenstA-ä ftanbsDcrtray sah eine Besetzung für bieg Dauer von Jahren vor. Do

Gebiet wurs« -: drei Zonen ringeteilt, für bk eine bestürm'. Re arungr-frift vereinbart muri Die erste 3 ne, das Kölner Geb-et, sollte m fünf Jahren raieber geräumt werden, die zwei Zone HP*"" ""*

rag mâOtidi kt.

Zone, TO«, Mainz, die Wenn auch der Artikel

In der Besatzungsgeschichte war der 10.

1920 ein denkwürdiger Tag. Denn an diesem Tage trat

der Versailler Vertrag in Kraft und mit ihm das Rheinlandabkommen, das die im Waffenstillstandsvertrag festgelegte Besetzung und die Besetzungszonen bestätigte. Es ärgerte sich nichts. Die Besatzung war zur Sicherheit und Durchführung des Friedensvertrages bestimmt Lediglich eine Umorganisation der Truppen erfolgte. Ihre Zahl, die wie gesagt, zunächst 600 000 Mann betrug, war inzwischen bereits wesentlich herab­gesetzt.

Das Besatzungsheer zählte 163 000 Mann als es auf der Höhe war und zwar am 15. Sep­tember 1923. Aber es blieb nicht bei der Besetzung der feftgelegten Zonen. Als Deutschland ungerecht­fertigte Leistungen ablehnte, wurde im Frühjahr der französisch-belgische Einmarsch ins Ruhr­gebiet befohlen. Die amevikanischen und eng­lischen Truppen hielten sich von diesem Einmarsch fern. Sie taten aber auch nichts, um den Ein­marsch der Franzosen und Belgier zu verhindern. Obwohl man in England und Amerika mit diesen militärischen und wirtschaftlichen Sanktionen nicht einverstanden war, wurden zunächst die Städte rechts des Rheines, Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort und damit jene Zentren besetzt, die für die deutsche Wirtschaft und die deutsche In­dustrie von ausschlaggebendem Werte waren. Diese Besetzung stellte von französischer Seite einen glatten Vertragsbruch dar, da Deutschland sich den Zahlungsbedingungen des Londoner Ultimatums fügte. Die Franzosen verfolgten aber, wie später bekannt wurde, mit dieser Besetzung andere Ziele, und infolge der nun beginnenden Auseinander­setzungen mit Deutschland begann der Ruh reèn- bruch mit seiner ganzen Schärfe. Die wichtigen Städte und Jndustrieorte wurden besetzt, Wesel, Emmerich, die Zwischenräume zwischen den Brücken­köpfen Köln, Koblenz und Mainz. Selbst in dem Eisenbahnknotenpunkt Limburg wurde Militär stationiert.

6070 000 Mann waren im Ruhrgebiet und versuchten mit bewaffneter Hand den Tribut einzukassieren, den Derckschland angeblich freimütig nicht geben wollte. Ein Terror setzte ein, der zur deutschen Abwehr führte. Es kam jene deutsche Be­wegung, die teilweise einen heroischen Kampf kämpfte und mit passiver Resistenz der Militär­macht zu trotzen suchte. Freilich hatte dieser Ab- wehrkampf für das ganze deutsche Reich unheim­liche folgen. Er verschlang viele Gelder und half dazu bei, die deutsche Valuta ganz zu vernichten. Aber auch die Franzosen erreichten nicht ihr Ziel. Sie verstanden es nicht, die deutsche Industrie zur Arbeit zu bewegen. Ein Hochofen nach dem an« deren wurde still gelegt. Die Ausbeute war mir ge­ring. Ein enormer Schaben wurde durch diesen Militärakt verursacht. Die Berechnung nach der endlichen Räumung des Ruhrgebiets Ende 1925 ergab den

Oie heutige Nummer umfatzt 20 Seiten