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M. 141
DouuerStas
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den 19. S«nt
1930
RüMvittsgesuch Moldenhauers
Das NerseKe
— Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer hat, nachdem der Reichsratsausschutz das Rokopfer ab- gelehnk hak, auf Drängen feiner Fraktion seine Demission angeboten.
— Das Reichskabinetl Hal Moldenhauer gebeten, im Amte zu bleiben. Die Entscheidung liegt jetzt beim Reichspräsidenten.
— Die Reichstagssraktion der Mrtschaflsparkei hat einen Gesetzentwurf zur Durchführung der Ar- beitsdienslpflichk eingebrachk.
— Auf der Meltkraskkonferenz ereignete sich ein Zwischenfall, als sich mehrere amerikanische In- duskrielle gegen die Rede des Botschafters Sackett wandten.
— Die Koalikionsverhandlungen in Bagern sind gescheitert.
— Die von der Besatzung versteigerten Flugzeughallen aus dem Griesheimer Sand sind in- zwischen durch französische Pioniere sinnlos zerstört worden.
— 3m Danziger Volkstag kam es gestern zu einer schweren Schlägerei zwischen kommunistischen Abgeordneten.
ârm et dsv MeMNaMkMfLVenz
den Kulissen der Welt- schafter der Bereinigten Staaten Sackett abge» spielt. Mitglieder der amerikanischen Delegation hatten von der Rede erfahren, die der Botschafter heute in der „amerikanischen Stunde" halten wollte. gBei der amerikanischer Delegation, besonders beim »Großindustriellen Samuel Insult, der fast ein [Drittel der gesamten Krüftversorgungs-Industvien MM den Bereinigten Staaten kontrolliert, bestanden
starke Bedenken gegen den Teil der Rede, der sich mit den hohen Strompreisen in Amerika befaßte. 3n der Rede wurde nämlich daraus hingewiesen, daß die Verkaufspreise etwa das Fünfzehnsache der Erzeugungskosten betragen.
Diese Tatsache ist bei keiner anderen Industrie zu verzeichnen. Im Einverständnis mit seinen Freunden wandte sich Insult an Len Botschafter mit der Bitte, Liesen Teil der Rede zu streichen. Das lehnte Ler Botschafter indessen ab und war lediglich bereit, gänzlich auf seine Rede zu verzichten. Die amerikanischen Pressevertreter erfuhren von dem Konflikt und telgraphierten den vollen Wortlaut der Rede unter Hinweis auf den Zwischenfall an ihre Blätter. Angesichts Lieser Lage sah sich Jnsull zu einer Besprechung mit dem Botschafter genötigt, in Ler er in aller Form seine Einwendungen gegen die Rede zurückzog. Damit war der Konflikt beigelegt. Sackett hat heute feine Rede gehalten.
Botschafter Sackett führte u. a. aus: Als einer von denen, die die Verantwortung trugen, als^ die Entwicklung des Kraftwesens noch in den Anfangsstadien war, erlaube ist mir, einen Bor» Wag zu machen in der Hoffnung, zur Förderung dieser Industrie beizutragen. Um mich kurz zu fassen —
ich kenne keine andere Industrie, wo der Ver- " kausspreis der Erzeugnisse an die Verbraucher- massen das 15fache des katsächlichen Herstellungspreises beträgt.
Mein Zweck ist der, einen Mangel scharf heroor- öuheben, der gründlichster Erwägung in Ihren Beratungen bedarf. Ehe nicht das Verhältnis zwischen Herstellungs- und Kleinverkaufspreis in Kraftwirtschaft demjenigen in anderen Inhu- srrièn gleichgemacht wird, kann kaum berechtigter- Mèlse die Rede davon sein, daß diese bedeutende Industrie sich rasch dem höchsten Grade ihrer Vollendung nähert. (Beifall.) Ein derartiger traffer Unterschied zwischen Herstellungskosten und Vieferpreisen bietet dem Verteilungsingenieur ein weites Studienfeld. Es gibt in Amerika eine stets wachsende öffentliche Meinung, die eine staatliche Preiskonkurrenz gegenüber privaten Krastunter- Nehmungen verlangt. So praktisch ist diese For- oerung, daß sie dem Gedanken Ausdruck gibt, daß alle Wasserkrastquellen verstaatlicht werden müssen. Die Gefahr, daß das Verlangen in Amerika — unb vielleicht auch anderswo — immer mehr um sich greift, verleiht dem Vorschlag Wichtigkeit,
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sich greift, verleiht dem Vorschlag Wichtigkeit, M die Führer der Industrie, unterstützt von der «chenschast, sich mit erneuten Straften bemühen, Verhältnis von 15:1 zu überwinden.
m .^rgftfjafter Sackett verlas sodann eine Botschaft des Vraftdeuten Hoover an die Weltkraftkonfcrenz, die me Versammlung stehend anhörte. Präsident Hoo- .°^ enti»etet der Konferenz seine Grüße und unter» 1 reicht die Bedeutung der Aufgaben der Konferenz.
Die GntMeidung ließt bei Kindenduvg
VevsebSèchev Seviutb des ^abineLts. LNoldenhanev zn hatten
Berlin, 18. 3uni. Die Aussprache in den Ausschüssen des Reichsrats, die sich in den letzten Tagen mit den Deckungsvorlagen der Reichsregierung beschäftigte, ließ erkennen, daß sich für den Vorschlag der Reichsregierung wie den der preußischen Regierung keine Mehrheit finden würde. Reichsfinanzminister Moldenhauer hat sich heute zum Reichskanzler Brüning begeben und um seinen Rücktritt gebeten. Der Reichskanzler berief daraufhin eine Kabinettssitzung.
Das Reichskabinetl trat heute um 18 Uhr zu einer Beratung über das Rücktritksgefuch zusammen. Rach zweistündiger Sitzung wurde folgender amtlicher Bericht ausgegeben:
Das Reichskabinett beschäftigte sich in seiner heutigen Sitzung mit dem angebotenen Rück- krittsgesuch des Reichssinanzministers Dr. Moldenhauer und bat ihn einmütig, von seinem Gesuch Abstand zu nehmen. Da der Reichsfinanzminister demgegenüber auf seinem Rücktritksgefuch beharrte, wird der Reichskanzler hierüber dem Reichspräsidenten Vortrag halten.
Das Ergebnis der heutigen Abendsitzung des Reichskabinetts wird in parlamentarischen Kreisen dahin beurteilt, daß die Reichsfinanzminister-Krise weiter in der Schwebe bleibt und die Entscheidung nun beim Reichspräsidenten liegt, dem verfassungsmäßig die Entlassung und Ernennung von Ministern zusteht. Der Kanzler wir baun sobald wie dem Präsidenten Vorschlägen wind, das Rücktrittsgesuch abgulchnen, ist offen, weil der Reichsfinanzminister selbst ihn dringend gebeten haben dürft«, hiervon Abstand zu nehmen. Dr. Moldenhauer ist für diesen Wunsch maßgebend, daß er bei einem weiteren Verbleiben in einen auch persönlichen Gegensatz zu seiner Partei und damit in einen schweren inneren Koflikt gezogen würde. Der Kanzler selbst legt großes Gewicht daraus, Dr. Moldenhauer im Amte zu halten, und dieser Wunsch ist auch von allen anderen Reichsministern in der heutigen zweistündigen Kabinettssitzung sehr eindringlich zum Ausdruck gebracht worden.
Ein Verbleiben Dr. Moldenhauers könnte aber für die weitere Entwicklung der Perspektive des Artikels 48 und der Reichstagsauflösung eröffnen.
Diese Entwicklung möchte Dr. Moldenhauer offenbar vermeiden, soweit seine Benson den Anlaß dazu geben kann. Auf der anderen Seite ist man in den Kreisen der Reichsregierung Ler Auffassung, daß das Kabinett, im großen gesehen, nicht eine andere Finanzpolitik verfolgen, sondern nur die Dr. Moldenhauersweiterführen kann.
Die angedeutete Möglichkeit des Konfliktes mit den Parteien ergibt sich daraus, aber auch ohne einen Wechsel im Reichsstnanzministerium. Darauf geht zweifellos der Vorbehalt des Reichskanzlers zurück, daß er sich noch einmal überlegen will, welchen Vorschlag er dem Reichspräsidenten unterbreitet. Bleibt somit die Finanzministerkrise weiter
Wie es
rum RütkivittsgekuO Sam
Das Kotovkev im Ke chsvat gefallen
Berlin, 18. Juni. Die Ausschüsse des Reichs- rats beschäftigten sich am Montag und am Mittwoch mit den Deckungsvorlagen der Reichsregierung. In der Aussprache ergab sich, wie das VDZ.- Büro hört, daß sowohl für den Vorschlag der Reichsregierung zum Natopfer wie auch für den preußischen Abänderungsantrag keine Mehrheit im Reichsrat zu finden sein würde. Daher erklärte Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer am Mittwoch. er stehe vor einer neuen Situation, zu der das Kabinett zunächst Stellung nehmen müsse. Die Ausschüsse des Reichsrates vertagten daher die Be» Handlung der Deckungsvorlage auf unbestimmte Zeit.
In der heutigen Sitzung des Reichsratsaus- ichusses hat Moldenhauer die Deckungsvorlagen nochmals begründet. Er wies darauf hin, daß die Durchführung einer geordneten Finanzpolitik die Abdeckung des erkennbaren Deficites unbedingt verlange. Eine Erhöhung der indirekten Steuern oder eine Reueinführung solcher sei nur in beschei
in der Schwebe, so steht doch jedenfalls fest, daß der Bestand des Reichskabinetts im ganzen durch sie nicht tangiert wird.
Wie ungeklärt die augenblickliche Lage ist, geht auch aus der in politischen Kreisen vertretenen Ansicht hervor, daß die Parteien in der nächsten ^Woch? ..un. er. l,1u.âÄL.ft dLhr Ml leichter mit üm aseösmèften werden, wenn etwa das Ergebnis der ^MMsn WaUen ihnen lehr sichere Aussichten für den Fall einer Reichstagsauflösung stellen sollte.
Die heutige Stellungnahme des Unteraus- fchuffes des Reichsrales wird ebenfalls noch keineswegs als endgültig bezeichnet,
weil die Entscheidung des Reichsrales ja erst in seiner Vollsitzung fallen wird. Jedenfalls gehen alle Darstellungen, die die Krise heute bereits als enffchieden bezeichnen, weit über den augenblicklichen Stand der Dinge hinaus. Auch
die Frage der Rachfolge des Reichssinanzministers
wird deshalb erst Ende der Woche akut werden. Im Reichstag nannte man heute bereit6 eine Reihe von Kandidaten, von denen bisher aber nur als ziemlich sicher gelten kann, daß sie nicht in Frage kommen. So hat z. B. Reichs- wirtschaftsminister Dietrich, dessen Kadidatur am lebhaftesten erörtert wurde kein Hehl, daraus gemacht, daß er den Posten des Reichsfinanzministers ablehnen würde, weil er sehr wichtige Pläne für die Ankurbelung der Wirtschaft von der Seite des Wirtschaftsministeriums hege. Die Kandidatur eines Abgeordneten der Deutschen Volkspartei dürste bei der eigenen Fraktion aus grundsätzlichen Erwägungen auf starken Widerstand stoßen, so daß, wenn die Krise durch einen Wechsel im Reichsfinanzministerium gelöst wird, in erster Linie eine außerhalb des Parlaments stehende Persönlichkeit, deren Name noch nicht genannt wird, in Frage kommen dürfte.
denem Rahmen möglich. Eine neue Belastung der Wirtschaft durch direkte Steuern sei wegen der schon bestehenden Belastung der Wirtschaft ohne sachlichen Ausgleich unmöglich. So sei der Gedanke entstanden, die Festbesöldeten zu einer „Reichs- Hilfe" heranzuziehen, nachdem man den Etat, soweit es noch möglich sei, verkürzt habe. Nur sehr schweren Herzens habe er sich zu diesem Entschluß, da er keinen anderen Ausweg sehe, durchgerungen. Dieser Entschluß sei für ihn schließlich nur tragbar gewesen, weil diese Reichshilse nur ein Teil eines großen Programms sei, dessen Endziel die Ueberwindung der schweren Depression bilde, unter der die deutsche Wirtschaft leide und die sich in der riesenhaften Ziffer von Arbeitslosen äußere. Dieses Gesamtprogramm müsse darauf hinauslaufen,^ auf der ganzen Linie zu einer sparsameren Wirtschaft zu gelangen. Daher auch die Notwendigkeit, das L o h n p r o b l e m als solches anzugreisen. Es bandle sich bei der „Reichsbilfe" nicht um ein einseitiges Rotopfer, das von einer bestimmten Gruppe verlangt werde, sondern um einen Versuch, in Wirtschaft und Verwaltung die Ausgaben zu senken. und damit auch zu einer Senkung des Preis
niveaus zu gelangen. Lehne man den Vorschlag ab, so bleibe nur die Möglichkeit, entweder den Etat ungedeckt zu lassen oder zu Steuern zu greifen, die produktionshemmend seien.
GGokz bei MoZderr^auss
Da es im allgemeinen nicht üblich ist, aus den Ausschüssen des Reichsrates zu berichten, hat es großes Auffehen erregt, als in den späten Vormittagsstunden die Erklärung des Reichsfinanz- minftiers bekannt gegeben wurde. Es handelt sich also um einen Vorgang, der von der Reichsregierung beabsichtigt war und den Charakter eine Demonstration annahm. Im Reichstag selbst wurde die Erklärung außerordentlich erregt ausgenommen, well sie zeigte, daß. das Kabinett fest entschlossen war, trotz aller Proteste in seiner bisherigen Haltung zu verharren und es
auf den entscheidenden Kampf ankommen zu lassen. Besonders verstimmt war die Deutsche
Volkspartei,
die ja erst vor wenigen Tagen ihrem Mitglied Moldenhauer erklärt hatte, daß sie das Notopfer unter keiner Bedingung annehmen würde. Infolgedessen begab sich Dr. Scholz zu dem Finanzminister, um ihn dringend im Namen seiner Parteifreunde zu ersuchen, sein Rücktrittsgesuch einzureichen. Scholz selbst konnte keine Fraktionssitzung mehr anberaumen, da mit Rücksicht auf den morgigen sitzungsfreien Fronleichnamstag das hohe Haus sich schon sehr früh geleert hatte. Moldenhauer ist Scholz gegnüber noch fest geblieben, als aber im Reichsrat die Dinge anders liefen als er vermutet hatte, als klar wurde, daß weder für das Nwopser in der von der Regierung vorgefchlaâenen Form noch für Preußens Vermittlungsvorichlag mit feiner Z^prozentigen Abgabe für die Arbeits- losenoersicherungsanstalt seitens aller Beamten und Festbesöldeten, eine Mehrheit zu finden war, sah, er ein, daß feines Bleibens nicht länger sei. Denn nach Ablehnung im Reichsrak könnten die Vorlagen nur dann Gesetz werden, wenn der Reichstag sie mit Zweidrittelmehrheit annimmt. Diese Möglichkeit ist jedoch im Reichstage nicht vorhanden.
Nach den Vorgängen der letzten Tage ist das Rücktrittsgesuch des Reichsfinanzministers nicht überraschend gekommen. Daß die Mehrhest der Fraktion der Deutschen Volkspartei die Steuerpläne Moldenhauers ablehnte, war letzterem ja be» sannt. Da er selbst fest entschlossen war, seine Steuervorlagen aufrecht zu erhalten, so ergab sich ein scharfer Gegensatz, der nicht mehr ausgeglichen werden konnte. Aus der Unterredung mit dem Fraktionsvorsitzenden Scholz muß Dr. Moldenhauer die Ueberzeugung gewonnen haben, daß es in jedem Sinne besser fei, rasch die Konsequenzen zu ziehen, als den Gegensatz zu einem Konflikt heranreifen zu lassen. Der Rücktritt des Reichsfinanzministers kann nur dâs Eingeständnis be» deuten, daß die von ihm vertretenen Steuerpläne nicht durchzuführen sind. Es erhebt sich deshalb die Frage, ob das Kabinett nach dem Rücktritt des Reichsfinanzministers noch in der Lage fein wird, an den zurzeit dem Reichsrat unterbreiteten Steeurvorlagen feftzuhalten. Das Kabinett Brüning hat bisher noch nicht die Absicht kundgegeben, der Ablehnung der Steuervorlagen im eigenen parlamentarischen Lager Rechnung zu tragen. Vor dem Zusammentritt des Reichstages hat das Kabinett die Vorlagen des Reichsfinanzministers gebilligt und Dr. Moldenhauer hat dann nach den Entschließungen der deutsch-volksparteilichen und der demokratischen Fraktion die Vorlagen im Reichsrat ausschuß namens der Regierung vertreten Es ist sogar davon die Rede gewesen, das Kabinett werde gegebenenfalls die Steuervorlagen gegen den Willen des Reichstages auf Grund des Artikels 48 der Reichsverfassung durchziehen versuchen. Mit solchen Plänen wird man die Öffentlichkeit jetzt nicht mehr beunruhigen können. Wenn der Reichs- fianzminister selbst die Undurchführbarkeit seiner Pläne mit seinem Rücktritt quittiert, so wird das Kabinett nicht mehr in der Lage [ein, die Erbschaft des Reichsfinanzministers auf biegen oder brechen gegen eine Mehrheit des Reichstages zu verteidigen. Es wird sich höchstens die Frage vorlegen können, ob in einem solchen Falle der Reichs- finanzminister allein die Konsequenzen zu ziehen hat oder ob die übrigen Mnister verpflichtet sind, sich mit ihm solidarisch zu erklären.
Der Rücktritt des Reichsfinanzministers stellt den Reichskanzler vor folgenschwere Entscheidun-
Die heuttse Kummer umfaßt 12 Sette-