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Seife 8

Milkwoch, den 18. Juni 1930

Nr. 140

Dev Re!wsvevva«d Deniichev Hausfvaue« vereine

hat als Tagungsort für seine 10. ordentliche Generalversammlung vom 24. bis 26. Juni Danzig gewählt, um der Verbundenheit der deutschen Frauen im ganzen Reich mit dieser alten schönen Hansestadt und darüber hinaus mit dem Osten des Reiches Ausdruck zu geben. In dieser Zeit schwerer wirtschaftlicher Nöte, die niemand stärker als die Hausfrau spürt, finb wirtschaftliche Fragen in den Mittelpunkt der Tagesordnung gestellt: Frau Müh- sam-Werther, Vertreterin des RDH. im Reichs- wirrfchastsrat. wird über Derbraucherfragen in ihren volkswirtschaftlichen Zusammenhängen sprechen, Professor Dr. Heyde-Kiel, M. d. RWR. wird mir seinem Vortrag über „Geistige Strömun­gen in Wirtschaft und "Sozialpolitik" 'zurückführen auf die kulturellen und ethischen Grundlagen allen wirtschaftlichen Geschehens und aller wirtschaft­licher Arbeck. Berichte der Leiterinnen der einzel­nen Arbeitsgebiete des Verbandes über Bau- und Wohnungsfragen, über Hauswirtschastliche Berufs­ausbildung, über Hauswirtschaft und Volkswirt- schafr, über Gesetze aus dem Gebiet der Hauswirt­schaft, über die Versuchsstelle für Hauswirtschaft des RDH. in Leipz-g werden überleiten zu Aus­sprachen und Erarbeitung neuer Richtlinien für diese Gebiete, die im Augenblick im Vordergrund der Derbandsarbeit stehen. Em Empfang durch den Senat der freien Stadt Danzig, ein ' Begrü­ßungsabend des Verbandes deutscher Frauen­vereine in der Stadt Danzig, ein Nachmittag und Abend in Zoppot mit einer Festveranstaltung des Landesverbandes Danzig im RDH. werden die Teilnehmerinnen nach der reichen Arbeit der Der- fammlungstage zu geselligem Beisammensein ver­einen, Ausflüge im Anschluß an die Tagung wer­den tijnert Gelegenheit-geben, die Schönheiten die­ses abseits gelegenen Stücks deutscher Erde kennen zu lernen.

GW zwölkfachev Lebens- vettev bei Hittdenbuvg

Dieser Tage empfing der Reichspräsident den siebenundzwanzigjährigen Bergmann Edmund Kern aus Herten (Westfalen), um diesem braven Mann, der nicht weniger als zwölf Menschen vor dem Tode des Ertrinkens gerettet hat, das Ehrenzeichen des deutschen Roten Kreuzes zweiter Klaffe zu über­reichen. Zum erstenmal wird einem Arbeiter diese Auszeichnung zuteil; Kern, der als Bergmann sechs etunben unter Tag arbeitet, hat sie wohl verdient. Schon als dreizehnjähriger Junge konnte er, der stets ein vorzüglicher Schwimmer war und heute als Rettungsschwimmer im ganzen Ruhrgebiet be­kannt ist, einen zehnjährigen in Breslau aus der Oder holen. Zwei Jahre später rettete er, wieder aus der Oder, bei Morgenau einen Lehrling. Kerns Vater war 1919, kurze Zeit nach der Heimkehr, an den Folgen eines Kriegsleidens gestorben. Seine Mutter und seine einzige Schwester folgten 1922 infolge GasoerUftung ihrem Vater in den Tod. 1921

gelang es Lern, un:

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schlechte Schwimmer sehr gefährlichen Rhein-Herne- Kanal zu retten. Im Jahr darauf sah er bei einer Bootsfahrt auf der gleichen Wasserstraße einen Bergmann versinken, dem er in voller Kleidung nachsprang und das Leben rettete. Ein Glückstag sondergleichen kam für ihn im Juni 1928. Könnte Kern nicht seine amtlich beglaubigten Bescheini­gungen vorlegen, niemand würde glauben, daß er an "diesem Tag um drei Uhr, um vier Uhr und um sechs Uhr nachmittags je einen Menschen, unb zwar einen Bergmann, einen Schreiner und einen Schüler, aus dem Wasser ziehen konnte. Nun war der Fünfundzwanzigjährige siebenfacher Le­bensretter, der endlich die Rettungsmedaille erhielt. Im September rettete er abermals einem Berg­mann das Leben, im Sommer 1929 zog er ein vierundzwanzigjähriges Mädchen aus der Steve bei Haltern, wenige Wochen später einen Bergmann aus der Lippe; kurze Zeit darauf rettete Kern, der seine freien Stunden meist auf dem Wasser zu verbringen pflegt, einen Recklinghäuser Schneider bei Haltern aus der Steve. Seine zwölfte Tat galt dem vierundzwanzigjährigen Sohn eines Sanitäts­rats in Recklinghawen. Im vorigen Jahr erhielt Kern das Ehrenzeichen der Deutschen Lebensret- tungegeiellschoft, der nun die Auszeichnung durch den Reichspräsidenten folgt.

Wechsel im Ssievverchlichen ^andelsmMsiesrum

Dr. Michael Hamisch, Handelsminister im Kabinett Schober, der frühere Bundespräsident Oesterreichs, hat seinen seit län­gerer Zeit erwarteten Rücktritt genommen.

GW KachwZel zu Lindberghs Ozeanflug

Als Charles Lindbergh zu feinem Flug über den Ozean starten wollte, kam zu ihm der Ver­treter einer großen Zigarettenfirma und schlug ihm ein Geschäft vor. Fünftausend Dollar sind ge­wiß ein Betrag, den man nicht ohne weiteres ous- chlagen soll. Diese Summe bot die Zigarettenfirma dem Ozeanbezwinger in „spe" an, wenn er sich da- ür verpflichtete, sogleich nach seiner Landung in sie Worte auszubrechen: „Have you a Soandso- cigarette?". Damals hatte Lindbergh unter einer Erscheinung zu leiden, die uns hier in Deutschland nichts Ungewöhnliches bedeutet. Er hatte kein Geld. Und da ihm die Zigarettenfirma sogleich die Hälfte des vereinbarten Honorars auf den Tisch legte, sagte er „All right". Dann fuhr er los. Flog in die weite Welt hinein, allein, vergnügt und siegessicher. Er schaffte es. Er kam nach Europa, er kam nach Le Bourget. Und er landete in elegantem Gleitflug. Als er feine Maschine ver­ließ, konnte er zunächst kein Wort sprechen. Die Aufregung der überstandenen Fahrt, der ungeheure Jubel, der ihn umbrauste, Hunger und Durst und die drängende Notdurft des Leibes verschlug ihm die Stimme.

Da sah er, wie sich durch die Menschenmenge der Vertreter jener Newyorker Zigarettenfirma durch­ruderte, mit der er den Fünftausend-Dollar-Vertrag geschloßen hatte. Und in diesem Augenblick packte ihn grenzenlose Wut darüber, daß jener nun m seinem Erfolg, für den er Leben und Gesundheit erNMetzt hakte, eine RekkaM mâcheh wollte: Er sprang auf den Mann zu und sprach seine ersten Worte nach der Landung. Nein, diese Worte standen nicht in dem Vertrag, den er mit der Zigarettenfirma abgeschlossen hatte. Er sagte viel­mehr: „Wenn Sie mir jetzt eine von Ihren stinkigen Zigaretten anbieten, dann haue ich Ihnen ein paar runter!" Lindbergh avancierte unter dem Namen Lindy alsbald zum Liebling des ameri­kanischen Volkes. Hätt« es damals jemand gewagt, Schlechtes von Lindy zu sprechen: er wäre ein Opfer des Richters Lynch geworden. Aber jetzt hat Lindbergh den Zenith seines Ruhms lange über­schritten. Und nun hielt die Zigarettenfirma ihre Zeit für gekommen. Sie hat jetzr eine Klage wegen Schadenersatzes gegen Lindbergh eingeleitet. Und keine Zeitung in den U. S. Ä. hat sich sonderlich darüber aufgeregt. Er hat den Ozean im Flugzeug bezwungen. Die Undankbarkeit der Masse gegen den vergötterten Liebling von gestern zu bezwingen: das war auch ihm nicht vergönnt.

Das Säuglingssterben vor der Lübecker Bürger­s-Hast

Lübeck, 16. Juni. Die Lübecker Bürgerschaft nahm heute in zweiter und damit letzter Beratung mit den Stimmen der Sozialdemokraten, Kommu­nisten und Nationalsozialisten den sozialdemokrati-

Dr. Alexander Spitzmüller.

der ehemalige Finanz- und Handelsminister

und im

Gouverneur der Oesterr.-Ungarischen Bank alten Oesterreich, wird als Nachfolger Hainischs

genannt.

schen Antrag auf sofortige Suspendierung Ler Lei­ter des Lübecker Gesundheitsamtes Professor Dr. Deyckes und Dr. Mtstoedt an. Die Sozialdemokra­ten erhoben auch gegen den Oberstaatsanwalt schwere Angriffe. Dieser hätte ihrer Ansicht nach längst eingreifen müssen. Die Kommunisten ver­langten ebenso wie die Nationalsozialisten auch die Entfernung der leitenden Direktoren von ihren Aemtern. Der Senatsvertreter Senator Mehrlein rechtfertigte die Haltung des Oberstaatsanwalts und erwähnt, daß das Disziplinverfahren gegen Dr. Altstaedt bereits schwebe. Der Senatsvertreter gab zu, daß in zwei bis drei Fällen, obwohl die Fütte­rung offiziell eingestellt war, noch nach dem 26. April Calmette-Schutzstoff abgegeben und verfüttert worden sei. Diese Angelegenheit werde augenblick­lich noch untersucht.

Abermals ein Todesopfer in Lübeck

Lübeck 17 Suni. Nach einer Mitteilung des Gesundhutsomtes bot sich tu den mit dem Col- mette-Präparat gefütterten Säuglingen heute nacht abermals ein Todesfall ereignet. Die Zahl der dem Präparat zum Opfer gefallenen Säuglinge ist da­mit auf 40 gestiegen. 86 Kinder find noch krank; 48 werden als gebessert bezeichnet, 72 sind gesund bzw. befinden sich noch in ärztlicher Beobachtung.

Frau Neumann außer Verfolgung gesetzt.

Breslau, 17. Juni. In der Strafsache gegen Frau Magdalena Neumann wegen Mordes ist der Antrag des Verteidigers, über"den Geisteszustand der Angeklagten ein Obergutachten einzuholen, ab= gelohnt, und die Beschwerde gegen diesen Beschluß von der 6. Strarfammer als unbegründet mrück-

gewiesen worden. Ferner ist durch Beschluß der gleichen Kammer vom gestrigen Tage die Ange­schuldigte gemäß dem Anträge der Staatsanwalt­schaft außer Derfalgung gesetzt worden. Die aus dem Gutachten des Professors Dr. Reutter sich er­gebenden Bedenken gegen die Zurechnungsfähigkeit der Angeschuldigten im Zeitpunkt der Tat sind als so schwerwiegend erachtet worden, daß auch die etwa anders geartete Stellungnahme eines Obergutachters nicht die Ueberzeugung von der strafrechtlichen Ber-

antwortung der Neumann begründen könnte.

Wettrennen mit dem Tode

Das dreijährige Kind des Effektenmaklers

Elie

Caß in einer Gartenstadtvilla bei Kairo war plötz­lich schwer erkrankt. Die herbeigerufenen Aerzte schütteln bedenktlich die Köpfe und konstatieren Kinderlähmung. Keine Rettung scheint möglich, außer dem Versuch mit einem Serum, das Dr. Petit in Paris erfunden hat, das aber nur im dortigen Pasteurinstitut zu erhalten ist. Ein glück­licher Zufall will es, daß ein Bruder des Elte Caß in Paris lebt. Sofort läßt er die telegraphische Weisung an ihn ergehen, ihm den kostbaren Heil­stoff um jeden Preis auf schnellstem Wege zu sen­den. Um Mitternacht klopft der Bruder an den Pforten des Pasteurinstituts, und trotz der späten Stunde gelingt es ihm, sich das Serum zu beschaf­

fen. Ohne zu zaudern, mietet er ein Flugzeug, um in Wien den Anschluß an das Postflugzeug nach Uesküb zu erreichen. Vor der Nase saust ihm aber der Aeroplan davon. Rasch entschlossen, fliegt er ihm nach Budapest nach, wo er noch rechtzeitig an. kommt, um das Serum übergeben zu können. Durch das verspätete Eintreffen des Hydroäropläns in Saloniki verzögert sich die Ankunft in Alexandria um einige Stunden. Am Landungsplatz wartet der Vater des kranken Kindes schon mit Angst und Langen auf die Ankunft des heilbringenden Se­rums. Endlich hält er es spät am Abend in hei. ßen Händen, und glücklich passiert er auch die Zoll­behörde, die, vorher avisiert, keine Schwierigkeiten wegen der Einfuhrerlaubnis macht.

Doch kaum ist er atemlos am Bahnhofperron angelangt, als sich der Expreßzug, der ihn noch Kairo bringen soll, in Bewegung setzt. Durch das besondere Entgegenkommen der Bahnverwaltung erreicht es der verzweifelte Vater, daß Ler Zug in Sidi Gaber, etwa vier Meilen von Alexandria ent­fernt, auf ihn wartet. Mit einem von der Direktion .der Fluggesellschaft zur Verfügung gestellten Mo­torwagen jagen der Vater und ein Zollbeamter mit den ausgefüllten Dokumenten auf der eigens von der Polizei freigemachten Chaussee dem Zuge nach. Glücklich erreicht Elie Caß den Anschluß in Sidi Gaber, und schon am nächsten Morgen kön­nen die Aerzte dem todkranken Kind das wundsr- wirkende Serum injizieren. Bald darauf stellt sich

eine wesentliche Besserung ein Patient ist gerettet.

der kleine

Rundiunk-Vvosvamme

Mittwoch den 18. Sunt

6: Don Stuttgart: Morgengymnastik. 8.15 bis 9.15: Don Bad Münster âm Stein: Konzert der Kurkapelle. 10.20—10.50: Schulfunk. 11.45: Wer­bekonzert 12: Zeitangabe und Wirtschaftsmeldun­gen. 12.20: Vom Schloßplatz Stuttgart: Promene- den-Konzert. 13: Schallplattenkonzert: Bravour. 14—14.15: Werbekonzert. 14.40: Nachrichtendienst. 14.50: Zeitangabe und Wirtschaftsmeldungen. 15: Nach Stuttgart: Stunde der Jugend. 15.50: Wirt­schaftsmeldüngen. 16—17 45: Von Stuttgart: Kon­zert des Rundfunkorchesters. 17.45: Wirtschafts­meldungen. 18.05: „Tanz und Kultur", Vortrog. 18.30: Zeitangabe und Bekanntgabe etw. Pro­grammänderungen. 18 35: Von Stuttgart: Espe­ranto-Unterricht. 19: Zeitangabe und Wirtschafts- Meldungen. 19.05: Von Stuttgart: „Von Mexiko bis Chile" II. 19.30: Von Stuttgart: Moritat und Bänkelsang. 20.30: Nach Stuttgart: Blaskonzert. 21: Von Berl'n: Anläßlich der Weltkraftkonferenz Berlin 1930: Funkentelegraphische Verbindung des Sportpalastes Berlin mit der Hauptversammlung der National Electric Light Association, San Fran­zisko. 22: Aus der Staâtl. Akadem. Hochschule für Musik, Berlin (nach Stuttgart): Orpheus, Urauf­führung. 22.30: Nachrichten, Sportbericht und Wettermeldungen.

Aevewe, Vevsammwuse«.

Kath. Kasino „Eintracht". An der morgigen Prozession wollen wir uns, möglichst yA^WG be-

Gesangverein der Marienkirche. Morgen abend pünktlich 8.30 Uhr Chorstunde und Hauptprobg in der Marienkirche wegen der Einführungsfeiey des Pfarrers Knell am kommerrden Sonntag. Jnl Anschluß an die Chorstunde gemeinsame Probe m dem Johanneskirchenchor wegen Mitwirkung bei bk 400-Jahrfeier der Augsburgischen Konfession e® kommenden Sonntag abend in der Johaniics- kirche. Mitwirkung aller Chorsänger an beiden Der- anstaltungen Ehrensache, daher Erscheinen zu der Proben dringend nötig.

1. Hanauer Rauchklub 25. (Mitglied des Süd­deutschen Raucherbundes. Heute abend 8.30 Uhr Probe-Rauchen. Gäste können mitrauchen. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. 9597

Deutsche Volkspartei (Frauengruppe). Die monat­liche Zusammenkunft findet heute nachmittag 4 Uhr im Bürgerverei" statt. Um zahlreiches Er­scheinen aller Damen wird gebeten. 9(m

Mittelrheinisches Kreisturnfest. (Musik- und ®c" songsausschuh). Die für Freitag, den 20. d. Mt^, in Aussicht genommene Ausschuß-Sitzung findet erst nächste Woche statt. Einladungen erfolgen noch. 962 Kirchenchor Kesselstodl. 8.30 Uhr Singstunde. Liederbücher mitbringen. 996

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