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Mittwoch
den 18. M
meiger
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Vedensen gegen -re AdKttdeBnnsBdsvfchSÄge
Die preußische Regierung hat sich gestern über ihre Haltung zu den Deckungsvorschlägen der Reichsregierung bei den Beratungen im Reichsrat entschieden. Sie hat beschlossen, der Sondersteuer für Festbesoldete nicht zuzustlmmen und hat Abänderungsvorschläge eingebracht die unsere Leser nebenstehend finden. Trotz gewisser Erleichterungen, die diese Vorschläge bringen, bleiben in grundsätzlicher Hinsicht die Bedenken in voller Schwere b e st e h e n.
Diese Bedenken gehen denn auch bereits aus den heute morgen vorliegenden Aeußerungen hervor. So teilt der Demokratische Zeitungsdienst als Ausfassung der demokratischen Reichs- tagssrakèion mit: „Innerhalb der Demokratischen Reichstagsfraktion bestehen die Bedenken fort, trotz gewisser Erleichterungen, die die preußischen Vorschläge bringen. Auch die Vorschläge der Preußischen Staatsregierung stellen in der neuen Form eine Auferlegung von Sonder- l a st e n zur Deckung des Fehlbetrages auf einzelne Volksschichten vor und gerade solche Sonderlasten hat die Demokratische Reichstagsfraktion ausdrücklich abgelehnt. Auch die preußischen Vorschläge entbehren jeder inneren Begründung. So kann z. B. nicht eingesehen werden, warum die Privatangestellten mit dem Arbeit- WWWMSMMWiM ietilgt werden sollen; an den Versicherungslerstun- gen sollen sie jedoch nicht teilnehmen. Das ist eine außergewöhnliche Härte gerade bei den Angestellten, deren Gehalt sich um die 700 Mark-Grenze bewegt. Eine solche Beitragsleistung hätte wenigstens dann einen inneren Sinn gehabt, wenn man den Angestellten eine Gegenleistung in Aussicht gestellt hätte, wobei zugegeben werden soll, daß die Gefahr besteht, daß durch das Ueberschreiten der versicherungsfreien Grenze ein gefährliches Präjudiz geschaffen werden könnte.
Der Vorschlag der Preußischen Staatsregierung, die Ledigensteuer noch zu steigern, wird ebenfalls keine Gegenliebe finden, da das geistlose System der Ledigensteuer grundsätzlich aufrecht erhalten wird. Kinderlose Witwer und Säuglinge mit Einkommen werden zu dieser Steuer herange- zogen, zwei Beispiele, aus denen der Widersinn dieser Steuer allein schon hervorgeht. Zustimmen kann man selbstverständlich den preußischen Anregungen auf verstärkte Einsparungen beim Reichs- Haushalt. Zu begrüßen ist auch, daß die Preußische Staatsregierung sich nicht an dem Kuhhandel be= teiligt, der in diesen Tagen schon erörtert wurde und der dahin gehen sollte, daß die Einnahmen aus der Reichshilfe für dieses Jahr dem Reiche zufließen sollten, für die Zeit nach dem 1. April 1931 aber den Ländern und Gemeinden überwiesen werden sollten."
Die volksparteiliche „D. A. Z." erklärt zu den preußischen Vorschlägen: „Diese Vorschläge sind, namentlich soweit sie sich aus das Notopfer be- zichen, noch bedenklicher als die ursprünglichen Moldenhauerschen Pläne. Es ist ein absurder Gedanke, daß Beamte und Angestellte für eine Versicherung zahlen sollen — und zwar aus unabsehbare Zeit — ohne daß sie irgendwelche Aussichten haben, an den Leistungen dieser Versicherung teilzunehmen Diese neue, ebenfalls nur schlecht gelungene Verkleidung des alten Gedankens einer Sonderbelastung der Beamten und Angestellten. Hat keine Aussicht, von den Parteien angenommen zu werden, die das bisherige Rotopser ab gelehnt haben. Infolgedessen werden auch bie parlamentarischen Schwierigkeiten durch diesen „Kompromiß» Versuch" in keiner Weise verringert."
, Der „Sozialdemokratische Pressedienst" schreibt zu den preußischen Bonchlagen u. a.: „Solange die Absichten der preußischen Regierung nur in diesen groben Umrissen bekannt sind, wird man Zweifel daran haben müssen, ob der Gedanke steuerlicher Gerechtigkeit ausreichend durch ihn gewahrt wird. Eine Sondevbelastung deriemgen Volksschichten, die sich in gesicherter Lebensstellung befinden, kann doch immer nur dann als oertret» bar angesehen werden, wenn zuvor und daneben alle Leistungsfähigen ausreichend herangezogen worden [inb/
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Berlin, 17. Juni. Die Reichstagsfraktion der Direfchaftspartei hat an den Reichskanzler Dr. Vrüning ein Schreiben gerichtet, in dem der Stand- Punkt der Wirtschajtspartei zu aktuellen politischen
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Berlin, Der Reichskanzler ist bestrebt, sich vorerst wenigstens im Reichsrak, dessen Plenum voraussichtlich am Samstag die Beratung der Deckungsvorlage beginnen wird, eine Mehrheit Zu sichern. Infolgedessen stehen die Verhandlungen, die bereits gestern mit den Ländervertretern, vornehmlich Preußens, eingeleitet wurden, im Vordergrund des Interesses. Die preußische Regierung hat einen Gegenvorschlag ausgearbeitet, der eine gewisse Milderung des Rotopsers bringt, aber in feinen Einzelheiten sehr anfechtbar bleibt.
Der Amkl. Preuß. Pressedienst verösfenklichl den preußischen Gegenvorschlag in folgender Form: Die preußische Staatsregierung befaßte sich am Dienstag mit der Vorlage der Reichsregierung zur Deckung der Fehlbeträge im Reichshaushalk und im haushalt der Reichsanstalt für Erwerbslosenfürsorge. Die preußische Staatsregierung beschloß, der Sonder st euer für Fe st besoldete nicht zuzu stimmen, vielmehr bei den Beratungen im Reichsrak vorzuschlagen, die Beamten und diejenigen Angestellten, die ein gesichertes Einkommen von mehr als 8400 Reichsmark beziehen,
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sind 2% Prozent, zu zahlen haben, den nach der Erhöhung der Be i t r ä g e die Arbeitnehmer zahlen müssen. Die Staatsregierung ließ sich bei ihrer Beschlußfassung von dem Gedanken leiten, daß es bei der außerordentlichen Notlage und Erwerbslosigkeit weiter Gruppen des Volkes nicht unbillig sei, auch den in gesicherter Lage befindlichen Beamten und Angestellten ein Opfer für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zuzumuten. Die Vorschläge der preußischen Staatsregierung ergeben gegenüber den Vorschlägen der Reichsregierung eine Mindereinnahme von 123 Millionen.
Die Staatsregierung beschloß, der Reichsregie- rung einen Ausbau des Ledigenopfers vorzuschlagen, durch den eine Mehreinnahme von 50 Millionen erzielt werden könnte. Der dann noch verbleibende Unterschied muß durch Einsparungen oder schärfere Besteuerung des Tabaks ge- wonnen werden.
Die Verkürzung der Besoldungen nimmt den Ländern und Gemeinden die letzte Reserve für einen etwa notwendigen Ausgleich von Fehlbeträgen. Befonders bedenklich ist dies für die Gemeinden, die durch die steigenden Lasten der Wohlsahris-
Fragen zum Ausdruck gebracht wird. Die Wirt- schaftspartei fordert darin, daß Neuanforderungen für Lie Erwerbslosenversicherung neben einer grundlegenden Reform durch Abstriche an anderen Stellen Les Etats, nicht aber durch Erhöhung der steuerlichen Belastung aufgebracht werden müssen. Weiter wird ein Antrag auf eine fünfprozentige Senkung Ler Gesamtausgaben angekündigt. Einer Erhöhung Ler Beiträge zur Arbeitslosenversicherung könne die Wirtschaftspartei nur zustimmen, wenn Lurch Reduzierung Ler Beiträge zur Krankenkasse die Gesamtsoziallast nicht erhöht würde. Die Belastung Ler Angestelltenschaft wird als außerorden- lich bedenklich bezeichnet; dagegen hält die Wirtschaftspartei eine Aenderung der Besoldungsord- nung in Reich, Ländern und Gemeinden grundsätzlich 'für notwendig, wobei jedoch die Familien und Kinderzulagen aus sozialen Gründen unangetastet bleiben sollen. Die Zuschüsse zur Arbeitslosenversicherung sollen in Naturalien, im besonderen in Gutscheinen auf Roggenbrot, gegeben werden. Ueber die Frage der Arbeitsdienstpflicht wird die Partei demnächst eine besondere Vorlage einreichen. Schließlich wendet fiel) das Schreiben dagegen, daß ein eventuell abzudeckendes Defizit durch neue, die Wirtschaft schädigende Steuern oder durch die Erhöhung bestehender Steuern beseitigt wird.
SevviMsiev Rosse« «nd Mars
Die Heffen-Rafsauifchxn Handeskammern verlangen Hinzuziehung des Gekreidehandels.
Frankfurt a. M.. 17. Juni. Der Verband der Hessen-Nassauischen I n d u st r i e' und Handelskammern mit dem Vorort Frankfur t a. M. - H a n a u hat an den Reichs- crnährungsminister zwei Briefe gerichtet, von denen
fürsorge immer stärker bedroht werden. Die preußische Staatsregierung beschloß daher weiter, der Reichsregierung die Einführung einer allgemeinen Gemeindegelränkesteuer in der Form einer Schankverkehrssteuer vorzuschlagen.
Sins SnikGlieSnna des ZreiKsKSdtoSnndes
Leipzig. 17. Juni. Auf der Tagung des Hauptausschusses und des GefamtvorstanLes des Reichsstädiebundes murbe_ eine Entschließung an» nimmt mit Genugtuung Kenntnis von den Ent- lastungsmaßnahmen, die die Verlängerung des preußischen Finanzausgleichs zugunsten der Gemeinden besonders durch die endliche Durchführung des Volksschullastenausgleichs vorsieht. Besonders wird die Gewährung von Mitteln zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit durch das Reichskabinett begrüßt. Zugleich wird aber mit Nachdruck auf die noch immer steigende Belastung der Gemeinden durch die Wohlfahrtserwerbslosen verwiesen. Als Folge der allgemeinen Wirtschaftsdepression sind diese Lasten überörtlicher Natur, und ihre unverzinsliche Uebernahme auf das Reich ist unerläßlich, wenn der finanzielle Zusammenbruch der meisten Gemeinden vermieden werden soll. In Erkenntnis der gemeinsamen großen Not von Reich, Ländern und Gemeinden ist der ReichsstadiebunL zur tatkräftigen und opferbereiten Mitarbeit an einer vianmäßigen Ausgabensenkung der öffentlichen Körperschaften bereit, soweit eine solche die Erfüllung Ler im Interesse von Volk und Staat unentbehrlichen gemeindlichen Aufgaben nicht gefähr- det. Die Mitarbeit an der Ausgestaltung des kommunalen Revisionswesens als Aufgabe der Selbstverwaltung hat der Reichsstädtebund bereits in Angriff genommen.
der erste dagegen protestiert, daß die Deutsche Getreidehandels-Gesellschaft den durch Eosinierung vergällten, verbilligten Futterroggen ausschließlich der Getreide-Industrie- und Kommissions-A.-G. zum Verkauf übertragen und dieser hierdurch eine Monopolstellung eingeräumt habe. Der freie Handel, der durch das Maismonopol bereits erheblichen Schaden leide, sei dadurch von einer einzigen Firma und ihrem Wohlwollen abhängig. Ein beschleunigter Absatz des Roggen könne aber nur mit Unterstützung des Handels erreicht werden. Die Einschaltung der Getreide-Industrie- und Kom- missions-A.-G. sei außerdem eine Verteuerung und unnötige Mehrbelastung der Reichskasse.
In dem zweiten Brief wird dagegen protestiert, daß der Verwaltungsrat der Reichsmaisstelle, der beschlossen hat, 50 OÖO Tonnen Mais zu einem bevorzugten Preis an Geflügelhalter abzugeben, diese Abgabe an die Bedingung geknüpft hat, daß die Geflügelhalter, die davon Gebrauch machen wollen, die von ihnen gewonnenen Eier an Genossenschaften abliefern. Dadurch würden die Geflügelhalter, die die Eier selbst verbrauchen oder an den Handel abgeben, von dieser Vergünstigung ausgeschlossen und dem freien Handel ein altes Be- tütigungsgebiet verschlossen. Da ferner bisher nur ein geringer Teil der inländischen Geflllgelöier- erzeugung von den Geoffenschaften erfaßt werde, komme die beschlossene Preisvergünstigung nur einem ganz beschränkten Kreise der Geflügelhalter zustatten, während die überwiegende Zahl von der Preisvergünstigung ausgeschlossen werde.
Vevtasuns des vornkMe« Genais
Warschau, 18. Juni. Der Staatspräsident unterzeichnete heute ein Dekret, daß die außerordentliche Session des Senats- um einen Monat vertagt ist.
Am Schatte« dev SeMM#»liät
Nirgends find die parlamentarischen Verhältnisse so schwierig wie in Sachsen: hier stehen sich die bürgerlichen und die sozialistischen Parteien ungfähr in gleicher Stärke gegenüber, das Zentrum fehlt, das im Reiche und in anderen Ländern eine Mehrheitsbildung mit der Rechten oder mit der Linken ermöglicht. Die Parteien, die man sonst — ohne das Zentrum — zur großen Koalition rechnet, hatten im alten Landtage nur eine sehr knappe Mehrheit; 50 von insgesamt 96 Landtagsabgeordneten stehen hinter hnen, und praktisch war auch diese Mehrheit deutungslos, weil die sächsischen Sozialdemo *ten so sehr dem Radikalismus huldigen, daß nan sich eine Zusammenarbeit zwischen SoZ.alde- mokraten und bürgerlichen Parteien, vor allem der Deutschen Volkspartei, gar nicht vorstellen kann. Und als 1924 doch einmal der Versuch gemacht werden sollte, da brach an ihm die Sozialdemokratie auseinander; die koalitions- freudigen Sozialdemokraten, die sogenannten Altsozialisten, spalteten sich von der Partei ab. Aber sie hatten keinen großen Anhang. Waren sie im letzten Landtag noch mit zwei Abgeordneten vertreten, jo werden sie bei der Wahl am 22. Juni wahrscheinlich ganz leer ausgehen.
Erst am 12. Mai 1929, also vor nur Jahresfrist, wurde dieser letzte Landtag gewählt. Nach langem Bemühen kam das Kabinett des Volksparteilers Dr. Bünger zustande, und schwieriger noch war dieses Mal die Lage, weil nun auch die Nationalsozialisten in einer Fraktionsstärke von fünf Mann ein Wörtchen mitzureden hatten. Sie selbst waren in der Regierung Bünger nicht vertreten, aber nur durch ihre Unterstützung, ebenso wie durch die stille Unterstützung der Demokraten auf der anderen Seite, konnte das Kabinett leben. Am 18. Februar ist es gestürzt worden, weil es im Reichsrat für den Doungplan gestimmt hatte. Nationalsozialisten, Deutschnationale und Landvolk stimmten für den Mißtrauensantrag, und hatten sie damit auch im Ernste gar nicht den Sturz der Regierung beabsichtigt, so erreichten sie doch diesen „Erfolg", weil auch die Sozialdemokraten — obwohl sie ja wärmste Befürworter des Poungplanes find — und natürlich die Kommunisten dafür stimmten. Wieder hat man dann Monate hindurch verhandelt, ohne die Möglichkeit einer neuen Regierungsbildung zu finden. Man mußte schließlich die rein parlamentarischen Wege verlassen und eine Beamtenregierung bilden. Der Präsident des Staatsrechnungshofes Schieck wurde Ministerpräsident. Man war heilfroh über diese Lösung, — acht Tage später wurde aber trotzdem der Landtag aufgelöst: mit den Stimmen der Sozialdemokraten, der Kommunisten und der Nationalsozialisten. Die Nationalsozialisten gaben den Ausschlag, und sie begründeten ihre Haltung damit, daß der neue Ministerpräsident, der die Zahl der Minister von 7 auf 4 herabgesetzt hatte, es ablehnte, dem Arbkitsministerium wieder einen eigenen Minister zu geben.
Die wirklichen Ursachen aber sind anderswo zu suchen. Man weiß, daß über die Nationalsozialisten in den einzelnen Parlamenten die Münchener Zentrale Hitlers gebietet, und diese sah Wahlen in Sachsen notwendig als Propagandamittel an, und schließlich gaben noch die Verhältnisse in Thüringen den Ausschlag. Dr. Frick hat das am Sonntag in Dresden ausgesprochen, und er gab als Ziel der Wahl zugleich an: so kräftige Stärkung der Nationalsozialisten, daß der nationalsozialistische Block Mitteldeutschland errichtet werden kann. Und deshalb und weil die Neuwahlen aus sachlichen politischen Gründen überhaupt nicht zu verstehen wären, stehen die Nationalsozialisten auck im Mittelpunkt des ganzen Wahlkampfes.
Noch bei der letzten Landtagswahl kämpf-
Die beutise Nummer umfaßt 12 Setten