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Dieostas bett

22. Mai

1930

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. Sei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder aufRückzahlung des Bezugspreises. / Fürplatzvorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet. ^Geschäftsstelle: Hammerstr. 9 / Fernspr. 3956, 3957,3958

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben Monat RM.1.-, für den ganzen Monat RM. 2.- ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitag iS, Samstag 12 R-pfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 N-pfg., im Reklameteil von 68 mm Breite 25 R-Pfg. Offertengebühr 50 R-Pfg.

SESÄl-MZzÄMV Ur

OowisÄ-deutfcher Grenzzwischenfall

Das Aeueke

Das Reichskabinett wird heute über die Deckung des neu entstandenen Fehlbetrages im Hauchalk, der auf 737 Millionen bezisserl wird, be­raten.

Dex Reichstag beriet gestern den Gesetzent- Wurf über die Ermächtigung der Regierung zu steuerlichen Maßnahmen zur Erleichterung der ßre- ditverjorgung der deutschen Wirtschaft und den Ge- jchenlwurs über die Liquidierung der Bank für Deutsche 3nbuffrieobligalioiien. Beide Vorlagen wurden in zweiter und dritter Beratung mit ein- sacher Mehrheit angenommen.

polnische Grenzbeamke sind bei Münster- walde in ein deutsches Grenzpolizeiamt Ängedrun- gen und haben aus deutsche Beamte geschossen. Po­len kündigt bereits einen Schritt in Berlin an und »erlangt Genugtuung.

Die Angelegenheit der thüringischen Schul­gebete ist, wie wir von unterrichteter Seite er- sahren, von dem Reichsinnenminister bereits dem 5taalsgerichkshof unterbreitet worden.

-- Der Düsseldorfer Mörder Kürten ist nun­mehr endgültig für die Fälle der Maria Hahn und tot Gertrud Albermann überführt.

3in Osten Berlins wurden durch ein Riesen- fawr Millionenwerke vernichtet.

.Graf Zeppelin" ist gestern um 13.15

Uhr

Der DampferMünchen" des Borbbeu Lloyd, der feinerzmk Tm gasen Beratjorf einem schweren Bordbrand gesunken, dann

nach aber

wieder gehoben und flott gemacht worden war, ist gestern um 9 Uhr abends in Bremerhaven einge- troffen.

Die DeÄUM des DeMts

Berlin, 27. Mai. Das Reichskabinetl wird heute über die Deckung des neu entstandenen Fehlbetrags im Haushaltsplan beraten. Zu decken ist, wie gemeldet, nach den Berechnungen des Finanzministeriums insgesamt ein Betrag von 737 Millionen. 3m Vrodergrund stehen, so berichtet dieVoss. Ztg.", folgende Deckungsvor- jchläge: 210 Millionen als Dreivierleljahrserirag ?us einer iprozentigen Beitragserhöhung wder Arbeitslosenversicherung, 90 Millionen aus den in der Arbeitslosenversicherung geplanten Ersparnissen im Lause von % fahren, 90 Millionen durch die Verlängerung des Kontingents bei der Zigaretten st euer aus suns Iahre, etwa 100 Millionen durch die ^^- ° hung der Umsatz st euer um % v. H., fftba 100 Millionen durch ein Rokopser der Fe sk b e s o l d e t e n. Durch diese Vorschläge würde eine Betrag von etwa 590 Millionen ausgebracht werben können. Da man die Ausbringung des Beslbelrages kaum durch eine weitere Belastung °er Wirtschaft versuchen kann, soll eventuell ein Kerkaus von Vorzugsaktien der Reichs- bahngesellschasl im Betrage von etwa 150 Mil- Honen slattfinden. Das Rolopser der Fest- besvldclen ist geplant in Form eines 10prozentigen, Zuschlags zur Lohnsteuer unter Freilassung aller bohnskeuerpslichtigen, die der Arbeitslosenver- luherung unterliegen. Die Erhebung würde gleich- Mg mit dem Abzug der Lohnsteuer erfolgen. Bei

Steuerpflichtigen, die ein kombiniertes Ein­kommen aus Lohn und anderen Arbeitseinkommen stuben, würde nur der lohnsteuerpflichtige Teil des Einkommens dem Botopfer unterliegen. Ein Teil

Deckungsvorlagen soll die Form des Er- fstuchligungsgesehes erhalten, das der Regierung °>e Vollmacht gibt, Steuererhöhung in dem ihr zweckmäßig erscheinenden Zeitpunkt vorzunehmen. Sobald die Vorschläge des Reichsfinanzministers "um Kabinett genehmigt sind, wird eine Fühlung- uuhme mit den Regierungsparteien stallsinden. 3m Kabinett sollen die zur Deckung des Defizits cr- iurderlichen Gesetzentwürfe noch vor Pfingsten "erabichiedct werden. 3m Reichstag werden sie uuch der Psingstpause zur Beratung kommen.

^^iplinarvcrfahrcn gegen Ltadlf chulrak Rydahl.

, Berlin, 26. Mai. Bürgermeister Scholz hat nad) Uebernahme der Geschäfte mit seinem Stellver­treter, Stadtrat Wutzky, die Beschuldigungen gegen Stadtschulrat Nydahl besprochen und dahin ent­luden, daß sofort ein Antrag auf Einleitung des lemlich«n Disziplinarverfahrens gegen den Stadt- wrat Nydahl zur Klärung der gesamten Ange- «egenhcit beim Oberpräsidenten eingereicht werden ML

GOèeSersi

an der polnischen Grenze Mn deutscher Beamter verwundet - Gin Pole nach ^M^nt gestorben - Römischer Schritt in Berlin Berlin, 26. INai. An der deutsch-polnischen Grenze in der Nähe von Münster- walde ereignete sich ein schwerer Grenzzwischenfall. Zwei polnische Beamte kamen über die deutsche Grenze und drängen in das dort stehende Wachthäuschen, das zu dieser Zeit unbesetzt war, ein. Als ein deutscher Grenzbramter die Tür das Häuschens öffnete, wurde er mit Revolverfchüffen empfangen. Eine Kugel durchschlug seine Hand. Der Be­amte griff nun ebenfalls zur Schußwaffe und traf einen der Polen in den Bauch. Der andere Pole schoß indessen weiter und verletzte den deutschen Beamten noch dreimal. Erst den zu Hilfe geeilten deutschen Grenzbeamken gelang es, die beiden Polen zu über­wältigen. Der verletzte polnische Beamte ist seinen Verletzungen erlegen.

Einem heute vormittag in Berlin eingegangenen amtlichen Bericht zufolge hat die bisherige Unter­suchung des Gren,zwischensalles in Reuhösen ein- wandfrei ergeben, daß das Verschulden gänzlich auf polnischer Seite liegt. Was die Polen zur Grenz­verletzung bzw. zum unbefugten Eindringen in das deutsche Polizeigebäude veranlaßt hat, ist noch Gegenstand der Untersuchung.

Berlin, 26. Mai. Wie man hört, wird Reichs- außenmintster Dr. Curtius sich heute nach Ab­schluß der Beratungen über den deutsch-polnischen Grenzzwischensall Bericht erstatten lassen. Im üb­rigen steht das Auswärtige Amt in dauernder üruhlungnahrne mit. der

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die Hand nehmen. Der amtliche preußische Preff«- btenff teilt noch mit, daß die von Preußen geführ- ten Vernehmungen zur völligen Klärung der An-

getegenheit noch im Gange find. Im übrigen dürfte es heute schon feststehen, daß die polnische Dar­stellung keineswegs den Tatsachen entspricht. Schon der Umstand, daß der Zusammenstoß zwischen pol­nischen und deutschen Grenzbea-mten sich auf deut­schem Gebiet abspielte, spricht dafür, daß di« Polen Lie Angreifer gewesen sind. Ganz unwahrscheinlich und reichlich romantisch trag egen ist die polnische Lesart, wonach die deutschen Beamten auf polnisches Gebiet vorgedrungen sind und darr den Zusammen­stoß provoziert und den polnischen Beamten er­schossen hätten, um ihn dann erst mit einem Kame­raden auf deutsches Gebiet zu entführen. Der Zwischsnsall hat sich bei Münsterwalde ereignet, wo bekanntlich seinerzeit d'e Münsterwalder Brücke über die Weichsel von den Polen in völlig sinn­loser Weise zerstört worden ist. Wie verlautet, hat das Verhalten der dortigen polnischen Grenz- beamten schon oft Anlaß zu Beschwerden gegeben und eine Stimmung erzeugt, aus der heraus es leicht zu Zwischenfällen kommen kann, was sich leider diesmal voll bestätigt hat.

Marienwerder, 26. Mai. Zu dem Zwischenfall an der deutsch-polnischen Grenze wird

Der Düsseldorsev Mörder üdersüdvt

rKüvteu hat die Mdvdevdvlese geschrieben - Ln zwei Satten überführt

Düsseldorf, 26. Mai. Da dem verhasleten Kürten bisher lediglich drei Ueber- fälle nachgewiesen waren, galt es, ihn auch des Mordes zu überführen. Dieser Beweis ist heute gelungen. Obwohl die umfangreichen Schriftvergleichungen, die der von Berlin nach hier beorderte Schrissachverständige der preußischen Landespolizei, Dr. Schneickert, gestern und heule vorgenommen hat, noch nicht abgeschlossen sind, hat seine bisherige Arbeit den Beweis geliefert, daß Kürten der Mörder der 20jährigen Hausangestellten Maria Hahn und der kleinen fünfjährigen Gertrud Aldermann ist.

VSe MovdZNzze von Wapendett

Düsseldorf, 26. Mai. Um sich an der Aufregung Ler Stadt zu weiden und um, wie er bei seiner heutigen Vernehmung zynisch bemerkte, große Be­unruhigung in Las Publikum hineinzutragen, hat der Verbrecher eine Anzahl Briefe geschrieben, in denen er frech auf feine Taten aufmerksam machte. Die hiesige Kriminalpolizei schenkte der ersten Lage- skizze, in' der er mitteilte, wo die Maria Hahn be­graben liege, nicht die nötige Aufmerksamkeit. Daraus schickte der Btörder einige Wochen später, im Oktober, ungefähr dieselbe Skizze an die kom­munistische Freiheit diesmal ergänzt durch die Mit­teilung, daß die Leiche der vermißten Gertrud Albermann an der Mauer Haniel liege. Kürten,

weiter gemeldet, daß aus deutschem Boden polnisch« Patronenhülsen gesunden worden sind.

VowßMev <$Mft Zn Berlin

Warschau, 26. Mai. Dem vernehmen nach hak die polnische Regierung ihren Berliner Ge­sandten angewiesen, wegen des Zusammenstoßes zwischen deutschen und polnischen Grenzwächlern bei Münsterwalde bei der deutschen Regierung zu intervenieren. Lin gemischter deutsch-polnischer Aus­schuß soll eingesetzt werden, um die Vorfälle zu un­tersuchen. Weiter verlangt die polnische Regierung

Man hat bei der 21 rt, rolie der beabsichtigte polnische Schritt in Berlin angekündigt wird, den Eindruck, daß man polnischerseits nach dem Motto: Haltet den Dieb" Stimmung machen will, ehe der unkontrollierbaren Berichterstattung das Material einer authentischen Untersuchung' entgegengestellt werden kann. Doch man darf sich wohl darauf verlassen, daß die Reichsregierung mit aller Ent­schiedenheit für völlige Aufklärung des Zwischen­falles für Widerlegung der polnischen Alarm­meldungen sorgt. Die Polen haben in den letzten Jahren immer wieder durch ihre Grenzübergriffe Grund zu berechtigter Beschwerde gegeben. Es ist bekannt, daß das tieberfliegen der deutschen Grenze durch polnische Flieger zeitweise zu den Alltäglich­keiten gehörte und zu wiederholten Beschwerde­schritten in Warschau Veranlassung gab. Was immer die Beranlassung des neuesten polnischen Grenzübergriffes auch gewesen sein mag es wird nicht zu leugnen sein, daß alle polnischen Uebergriffc in einem inneren Zusammenhänge stehen und auf die deutschfeindliche Stimmung in Polen zurückzuführen sind, die non einem Teil der polnischen Behörden ganz offen und unzwei­deutig geweckt und genährt wird.

,6cr im Vorort Gerresheim groß geworden ist, kannte die ganze Gegend um (Berresheim und Erk­rath sehr genau. Diese Ortskenntnis kam ihm wohl auch bet der Anfertigung seiner skizzeMord bei Pappendelle" zustatten. DieserMörderbries", den die Polizei schon immer Ms echt anerkannt hat, be= schnstigte die Oefsentlichkeit lange wegen des dabei verwandten Zeitungspapiers, dessen Ursprung die Polize' unter allen Umständen seststell-en wollte, um dadurch auf den Täter Schlüsse ziehen zu kön­nen. Ob der Ursprung des Papiers bei der Ver­nehmung geklärt wurde, ist bis jetzt nicht bekannt­gegeben worden. Auf der Skizze deutete Kürten mit einer Schlangenlinie den Wald an, indem er sechsmal neben- und untereinander mit lateinischer Druckschrift das WortWild" dazu schrieb. Mitten durch die Skizze läuft zum .Hof Pa pendelt ein Feld­weg, zu dessen beiden Zeiten er einmalFeld" und

breimalWiese" schrieb, diesmal gemischt in latei­nischer Druck- und Schreibichrist. In den ersten Waldeinschnitt, in den Das Feld läuft, hatte er ein Kreuz gemacht, und, getrennt durch einen ungeraden Strich über der Mitteilung, wo die Leiche der Alber­mann lag, den Hinweis gesetzt:An der ange- kreuzten Stelle liegt die Leiche (gemeint war Maria

Hahn) begraben."

Peter kürten

Das SvsevttLB dev &$*#- probe

Düsseldorf, 26. Mai. Ehe in die eigentliche Schristvergleichung eingetreten wurde, legte heute der Schriftsachverständige Dr. Schneickert ausgrund seines genauen Studiums der Briese Lem Peter Kürten' ganz bestimmte Fragen vor über beson­dere Merkmale dieser Briese, die nur dem Schrei­ber der Briese bekannt jein konnten. Diese Fragen hat Kürten in einer Weise beantwortet, die feine Urheberschaft an den Briefen zweifelsfrei erscheinen läßt. Kürten wurde dann durch den Sachverstän­digen veranlaße, den Text feiner Briefe unter glei­chen Bedingungen, d. h. aus ähnlichem Einwickel­papier mit Blaustift niederzuschreiben. Die _ dann oorgenommene Vergleichung der Originalbrief« mit den von Kürten neu hergèstellten Briefproben er­gab völlige Uebereinstimmung und bestätigt in jeder Hinsichl den vorerwähnten objektiven Befund.

Da der Schreiber der bekannten Mörderbriefe nach dem Inhalt der Briefe nur der wirkliche Mör­der im Falle der Macia Hahn und der Gertrud Halbermann fein kann, so erscheint er auch durch das Ergebnis der Arbeiten des Schriftsachverstän­digen Dr. Schneickert neben sonstigen durch die Ver­nehmung geführten Beweisen als Täter in diesen beiden Fällen einwandfrei überführt.

VeveUs als IZiäbeisee ei#MeeH6t>ee6ee»ee

Düsseldorf, 26. Mai. Wie jetzt weiter besannt wird, hat man bei der Haussuchung in der Matratze von Kürten ein Sparkassenbuch gesunden, in dem angeblich ein Betrag non 5600 Mark als Guthaben eingetragen sein soll. Eine Bestätigung über die Höhe dieser Summe konnte man jedoch nicht erhalten.

Die weiteren Ermittelungen über die Jugend- jahre Kürtens haben ergeben, daß er schon ehr früh mit nichtsnutzigen «streichen begann. Un­zählige Male hat ihn die Polizei zwangsweise der Schule zuführen müssen. Nach der Schulentlassung am Kürten als Formerlehrling zur Lokomotiv- abrit Hphenzollcrn. Zur Beendigung der Lehrzeit kam es jedoch nicht, da er aus seiner Lehrstelle ent­lassen wurde, weil er einem Mitarbeiter die Uhr gestohlen hatte. Im Gegensatz zu den bisherigen amtlichen Polizeiberichten ' wird von Angehörigen mitgeteilt, daß Kürten bereits i m Alter von 17 Jahren ein Sexualverbrechen an einem jungen Mädchen begangen habe. In Düsseldorf'hat sich Kürten in jungen Jahren ausgiebig als Einbrecher betätigt. Er äußerte ein­mal, daß er nicht zu arbeiten brauche, denn im Frack und Zylinder könne er mehr Geld verdienen als durch seiner Hände Arbeit. Interessant ist fer­ner, daß der im gleichen Alter wie Kürten stehende Raubmörder Stankewitz aus Gerresheim, der wegen Raubmordes an einem 65jährigen Arbeiter im Alter von 19 Jahren zum Tode verurteilt und in Düsseldorf hingerichtet wurde, Kürtens Schul­kamerad mar. Auch Kürtens Vater hat einen wider-

Die benifee Nummer umfaßt 15 Setten