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Woâg. Le« L. Mai 1990
M. 00
Würmer und verschluckt ihn mitsamt der Angel. Ws später die beiden Angler das öofal verliehen,
Augel im Schnabel ihren Seift aufgab.
Die französische Besatzung läßt die FeppeKnhaüe in Trier versteigern und abreiheu
— Trier, 11. Mai. Wie aus einer öffentlich angeschlagenen Bekanntmachung der ftanzästschen Betatzung hervorgeht, lassen die Franzosen am 15. Mai die Zeppelin-Luftschifshalle und den daneben stehenden Flugzeugschuppen in Trier, bie beide aus deutscher Zeit stammen, versteigern. Die Versteige- rungsbebingungen sind sehr scharf. Beide Hallen müssen bis zum 15. Juni abgerissen und das Material abtransportiert fern, andernfalls fällt alles an die französische Besatzung zurück. Di« Hälfte des Bersteigerungspreises muß sofort, der Rest bis zum 5. Juni gezagt werden. Di« deutschen Be- börben erhalten aus dem Verkauf nichts. Nur bie üblichen Steuern müssen von dem Ansteigerer an die deutschen Behörden gezahft werden.
Der Tkamedyer Sprudel springt weiter
— Andernach 10. Mai. Der Namedyer Sprudel, einer der höchsten Geyser der Welt, der seit Jahren abgeschlossen war, wird nunmehr wieder der Oefieniichkeit gezeigt. Der Besitzer des Sprudels, der ihn für wirtschaftliche Zwecke ausbeutet, hat sich bereit erklärt, den Geyser jeden Sonntag springen zu lasten, um io den Fremden den Anblick dieses seltenen Nârschauspiels zu ermöglichen.
Verbot von Fliegerkunftstücken durch die Besatzungsbehördeu
Kehh g. Mai. Für kommenden Sonntag war hier ein Fluglage mit dem bekannten Flugakrobaten Fritz Schindler-^reitnirg i. Br. geplant. Die Be- sotzungsbehörde bat jedoch die Genehmigung nicht erteilt, so daß die Veranstaltung ausfallen muß. Sie soll zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden.
Dee wett berühmteste Annaliefe
Wfmi inieienieei weiter?
alters nur bann unterscheidet, daß er nicht ant einem Todesurteil, sondern einem großen Gelcich, ter enden wird.
VM.
Annaliese blieb lange und selig mit ihrem Briefe in der Hand auf dem Sofa sitzen und starrte glücklich auf die Zeilen ihres Liebsten. Plötzlich
Denn an dem Brief ist ja auch rein nichts echt. Wer zur Vers "■— “- “------" --- “ ' ^
sprang sie auf, griff nach dem Plätteisen und plättete damit eifrig die Falten des Schreibens. Dann las sie den Brief wieder und immer wieder.---
rgeltung für Ihre große Mühe will ich Ihnen ich etwas aus einem echten Briefe Leopolds vorlefen."
nun am
âsrâL bei ben Gaasssttbe«
Saarbrücken, 9. Mai. Heute vormittag fand auf der Bergwerksdirektion eine Besprechung zwischen Ler Bergwerksdirektion und den Vertretern der Bertrogsorganisationen statt. Der Vertreter der Bergwerksdirektion erklärte dabei, daß sich die Lage im Saarbergbau meiter verschlechtert habe und im Juni und Juli sich noch weiter verschlechtern werde. Es lägen bereits jetzt etwa 300 000 Tonnen Kohle auf den Halden und es fei nicht möglich, noch weitere Vorräte unterzubringen, so daß man dazu übergehen müsse, zunächst im Mai noch zwei Feierschichten einzulegen, dann aber am 1. Juni 1400 Bergarbeiter zu entlassen. Obwohl sich die Vertreter der Organisationen mit aller Ent- schiedenhest gegen diese Maßnahmen wandten und Vorschlägen, lieber alle 40 Tage eine weitere Feierschicht einzurichten und sofort mit den Urlauben zu beginnen, blieb die Bergwerksverwaltung bei ihrem Entschluß. Die Vertreter der Organisationen beschloßen darauf, bei der Re- gierungskommision und beim französischen Arbeits-
Ms GiStEs dsv GozZal- dsmokvaMEerr Kassel
Berlin, 9. Mai. Nach Mitteilungen des neuesten Jahrbuchs der sozialdemokratsschen Partei Deutschlands für 1929 zählte die Partei am Schluß des letzten Jahres 1 021 777 zahlende Mitglieder. Das bedeutet gegenüber derselben Zeit des Jahres 1928 einen Gewinn von 84 416 Mitgliedern. Die Gesamtzahl setzte sich aus 803 442 Männern und 218 335 Frauen zusammen, die sich auf 9544 Ortsvereine verteilen. In den letzten vier Jahren ist ein Zuwachs von 1577 Ortsgruppen und 215 509 Mitgliedern zu verzeichnen. Aus regelmäßigen Wochsnbeiträgen vereinnahmte die Partei im Jahre 1929: 7 261 604.55 Mark. Dazu kommen Sanderbeiträgs wohlhabender Parteigenossen, Sammlungen bei Wahlen usw. Neben 152 Vertretern im Reichstag zählt die Partei in den verschiedenen Landtagen insgesamt 532 Vertreter. Sie zählt außerdem in 1372 Städten 9057 Stadtverordnete, in 9416 Landsgemsinden 37 709 Gemeindevertreter, ferner 947 Bürgermeister, 353 hauptamtliche ■Stabträte, 1109 Gememdevorsteher, 4373 Kreis- togsabgeordnet« und in den Provinziallandtagen 445 Vertreter.
Da tat sich vorsichtig die Tür auf und Sr. Exzellenz, der Herr Hoffnarschall von Salberg, stand auf der Schwelle. Kaum hatte er die Betroffene begrüßt, als Annalies« an ihm vorüber zum Ausgang huschte und dabei sagte: „Sie suchen gewiß meinen Vater, Herr von Salberg?" Der aber hielt sie zurück und meinte: „Laß Sie das nur. Ich komme lediglich, um Ihnen und Ihrem Vater Glück zu wünschen, weil Ihrer anderweitigen Verheiratung von jetzt ab nichts im Wege steht!"
Annaliese begriff schnell und begann laut zu lachen. Sie wußte, daß alles, was ihr der listige Hofmann jetzt sagen würde, Schwindel war. Sie erzielte auch noch durch chr Gelächter, daß Solberg ein wenig stutzig wurde und eingeschüchtert fortfuhr:
^Das scheint der Jungfer lächerlich?! Sie irrt sich. Der junge Herr hat sich verlobt!"
Aufs neue brach Annaliese in ein herzhaftes Lachen aus und jgrübelte dabei prustend hervor: „Wo hat er denn das getan?"
Und Salberg log tapfer weiter: „Am Hofe M Modena!" Zur Bekräftigung biejer Aussage holte ber Marschall ein Schreiben heraus, von dem er behauptet«, Leopold hätte es gestern erst an seine gnädige Frau Mutter geschrieben. Mit diesem Märchen kam er aber bei dem Mädel schlecht an, berat sie rief: „Wenn der Brief echt ist, dann gehen wir beide zu Wechnachten Brombeeren pflücken!"
Aber Salberg ließ sich nicht beirren und begann seinen Brief vorzulesen:
„Höre Sie erst, ehe Sie .zweifelt! „Siebe, gnäbige Frcm Mutter, schon seit 14 Tagen wären wir von hier wieder obgereist, um uns nach Florenz und Rom zu begaben, wenn ich nicht von einer Zauberin zurückgehalten würde, die mich ganz und gar gefesselt hätt in ihren Banden."
Annaliese lachte nur still in sich hinein. Sie kannte ja den Briefstil ihres Leopold. Der da klang so glatt und nett wie die französischen Liebesgeschichten, die man zu Leipzig auf der Messe kaufte. Sie ließ sich aber noch nichts merken, sondern hörte dem Vorleser weiter zu.
„Reffen gibt Tournure, Elegance, Welt! Darum ist auch bie Prinzessin Adelgunde mein Ideal ber Schönheit, der Güte und der Liebenswürdigkeit. Ich bin so glücklich gewesen, allen Bewerbern vorge- zogen zu werden, die sie umbrängem, und wenn Sie, gnädige Frau Mutter, meinem Glück die Krone aufsetzen wollen, so gestatten Sie, «durch Ihre Einwilligung, daß bas Verlöbnis, welches wir schon heimlich eingegangen, je eher, je lieber Sf-fentlich gefeiert werden. Nur mit doppelter Beschämung denk« ich jetzt an meine — wie soll ich es nennen? — Torheit in | t Daß ich so blind fein
weiter daran und verzeihen Sie, gnädige Ihrem bereuend«» und nunmehr so MüMchen Sohne Leopold."
Salberg hörte auf und sah der Jungfer triumphierend in das Gesicht. Aber der erste Blick aus ihren schelmischen Augen ließ ihn seinen Kopf schleunigst wieder senken. Trotzdem fand er den Mut zu fragen: „Haben Sie nun gehört?" „O ja", antwortete Annaliese, und schlug ihm mit einem Schürzenband vertraulich und neckend um bie große Hakennase, „daß Sie ein kleiner Schwindler sind!
Salberg fühlte sich sehr ungemütlich, als Anna- kies« vorzulesen begann, und sein Gesicht wurde immer länger, als er den Schlußteii Les eben erst angekommenen Schreibens zu hören bekam. Schließlich sagte sie noch: „Es steht übrigens noch ein Geheimnis barin!"
Der genarrte Marschall, neugierig gemacht, schwor bei aller Diskretion, nichts davon zu erzählen, wenn sie ihm das mitteilte. Nun zog Anua- liese den Gespannten in eine Ecke des Zimmers und flüsterte: „Denken Sie, Exzellenz, der Großtürke —"
Salbergs Neugier stieg zum Zerplatzen, machte sich aber in einem wütenden Fluche Luft, als Annaliese fortfuhr: „— will sich auf dem Blocksberge ansiedeln 1" Schleunigst griff der Genasführte nach seinem Hut und verschwand schimpfend. _
Annaliese setzte sich lachend in einen Sessel. Aber ihr Lachen wandelte sich bald in tiefen Ernst. Immer aufs neue sah sie die Widerstände, die ihr oben vom Schlöffe bereitet wurden. Sie sah, daß es ein Kampf ohne Ende geben werde, wenn sie ihre Traue zu Leopold halten und ihn beim Worte nehmen wollte.
Sie brütete still vor sich hin, als wiederum die Tür ausging und — die Fürstin selbst in ihr Zim- merchen trat. Sie bot ihr die Hand zum Kusse und ließ sich dann neben der erschrocken Aufgesprungenen nieder.
„Du bist wohl sehr erstaunt, nun auch mich hier zu sehen, Annaliese?" begann sie mit einer weichen Stimme. „Aber wir müssen doch einmal, da nun Leopold bald heimkehrt, über Wichtiges reden. Sieh einmal, auf Leopold, da er mein Einziger ist, beruht die ganze Zukunft meines Hauses. Und wenn er, bei einer Heirat zwischen euch beiden, einmal stürbe, wäre kein ebenbürtiger Erbe da. Und wenn ihr zwanzig Kinder hättet! Keines von ihnen dürfte Leopold auf dem Throne seiner Väter Nachfolgen. Das jetzige Herrscherhaus des Landes Dessau würde untergehen, wenn du ihn heiratetest. — Ich habe dir bis heute davon geschwiegen, weil ich nicht glaubte, baff es einmal notwendig wäre, 'davon zu sprechen. Aber da ich sehe, daß ihr beide nicht voneinander taffen wollt, mußte ich bir diese Mitteilung machen."
Annaliefe hatte aufmerksam zugehört, was die Landesfürstin da sprach. Daß sie nicht log, wußte ~te. Und daß es mm an ihr war, zu handeln, wußte ie auch. Sie ging ein paar Mal im Zimmer auf inb ab, dann aber rang sie sich zu einem Entschluß durch:
„Um diesen Preis, Durchlaucht, will ich nicht glücklich sein!" sagte sie fest. „Ich entsage hiermit allen Ansprüchen auf Ihren Sohn!"
Mit diesen Worten brach aber auch ihre ganze Kraft zusammen. Weinend sank sie zu der Fürstin Füßen nieder. Wer diese suchte die Fassungslose zu beruhigen: „Beruhige dich, mein Kind, tröstete sie, „vieles trägt der Mensch, wovon er anfangs glaubt, daß ers nicht tragen kann. Es wird eine eit kommen, wo du alles mit anderen Augen än
wohin ftenevn wrv?
Neues über die Wanderung unseres Sonne», systems.
Von Dr. Ing. Arturo Accelli-Mailand.
Heute, nach so vielen Jahrhunderten der For. schung, besitzen mir vielleicht eine präzise Antwort auf die Frage, ab und wohin sich unser Sonnen, system bewegt. Die Nachricht kommt zwar «u? ^Amerika, von Doktor Dayton C. Miller aus Eleve, 'lanb, ist aber nicht als eine jener amerikanischen Mitteilungen anzusehen, die mit Vorbehalt außu« Smen sind. Die Person des Autors und die Vision, bie in einer der wichtigsten wissenschaftlichen Versammlungen der 23ereinigten Staaten .stattgefunden hat, lassen barüber keinen Zweifel.
Im grauesten Altertum glaubten bie Beobachter und bie Philosophen, daß bie Erde unbeweglich sei und daß alle Körper bes Weltalls sich in ewiger Bewegung um uns befänden. Man hatte das Empfinden, als wäre bie Erde, auf ber wir lebten, etwas Festes, Statistisches, Ewiges und Unwandelbares.
Aber schon während des goldenen Zeitalters der griechischen Philosophie, als man die ebene Form der Erde in Zweifel zog, und später, -als man die Erddrehung um bie Sonne föststellte, fand man, daß vor allem der physischen Ordnung her Dinge roie auch unserm Geiste eine Tatsache ober «n Ding fehlte, das imstande wäre, uns den Eindruck bes Musischen, Unbeweglichen, des absoluten Stillstehens zu vermitteln.
Nachdem man bemerkt hatte, daß bie Erde sich um chre eigene Achse droht, überzeugte man sich, daß wir alle, als Bewohner der Oberfläche dieses Planeten, mit allen lebenden und ^leblosen Ding«, mit Bergen und Meeren, nicht unbeweglich blieben. Man meinte daher, daß wenigstens die Erdachse, um welche bie Erde rotierte, als fest, unbeweglich, angesehen werden müsste.
Als man jedoch in einer späteren Epoche außer der Rotation ber Erde um sich selbst noch eine Bewegung um das Zagesgeftirn feststellte, mußt« man ich überzeugen, daß auch die Erdachse nicht als unbeweglich angenommen werden konnte. Und man war nun -ber Ansicht, daß wenigstens die Sonne sich in unveränderlicher Lage befinde.
Es zeigten uns jedoch Untersuchungen ber Sonnenoberfläche, wie das Tagesgöstim eine eigene Bewegung um eine Achse besitzt, da bie berühmten SonnenfJecte an einer Seite der leuchtenden Scheibe erscheinen, um an der entgegengesetzten Sorte wie- 3er zu verschwinden. In Anbetracht dieser Tat- 'achen konnte man also den Begriff der Unbeweg- lichkeit, der Statik und des Feststohens nicht «M- mal mehr auf bie Sonne beziehen.
Nach den ehernen Gesetzen der Mechanik der Himmelserscheinungen, derzufolge alles sich nach dem von Newton entdeckten Gesetz der Schwere, richtet, schien es wenig wahrscheinlich, daß sich im: Weltall ein statischer Punkt befände. > Ä
Ist die Sonne wirklich ein im Weltmraum W^ tehendes Gestirn? Oder besitzt sie außer der eigenen Ro-tierungsbewègung nach eine
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Und so redÄe sie weiter. Aber es «Ätzte alles nichts. Annaliese lag wie tot auf dem dunklen Teppich. Die Fürstin stand endlich auf und rief nach den Mädchen, die die Gemarterte aufhuben und auf Las Bett legten.
Scheinbar mitleidig, aber innerlich triumphierend, verließ die Fürstin bas Haus des Apothekers, der ihr innerlich hinterdrein fluchte, während sich feine Annaliese auf ihrem Bette in Herzkrämpfen wand.
unserer Be-"»
Pachtung entgeht? Wenn dem so wäre, würde " Tagesgestirn, um Las sich in ewigem Kreislauf Welten und alle Kometen unseres Systems wegen, in seinem tollen Laufe nach der Unen seit den ganzen Troß seiner Welten und Satelliten mitreißen. 0
wie die Dsuischsu Varis -sschoMn
Ein Amerikaner verteidigt bie deutsche Lriegssüh- tung. — Das Riesengeschütz im Wald von St. Go- bain. — Krupps Wunderkanone als Mustergeschütz der modernen Kriegsrüsiung. — 367 Granaten und ihre Opfer.
Die Kriegsliteratur ist um ein lesenswertes Buch bereichert worden: es heißt: „The Paris Gun", hat den Colonel H. W. Miller zum Verfasser und ist soeben bei Cape und Harrison in Newyork erschienen. Es behandelt eine der spannendsten Episoden des. Weltkriegs: die Beschießung der französischen Hauptstadt durch deutsche Langrohrgeschütze Es ist nicht nur der Stoff, der dies Buch wertvoll macht, sondern auch die Objektivität des Berfaffers. Am Montag, dem 23. März 1918, 7 Uhr morgens, schlug vor dem Hause Quai de Seine Nr. 6 eine Granate ein. Als sich die Bewohner dès Stadtviertels von ihrem Schrecken über die furchtbare Detonation erholt hatten, konnten sie feststellen, daß Menschenleben nicht zu beklagen waren. Jedermann glaubte an einen Luftangriff. Der Morgen war jedoch von strahlender Klarheit, nirgends waren Flieger zu sehen. Zwanzig Minuten später explodierte eine zweite Granate mitten auf dem Boulevard be Straßbourg, in der Nähe des Ostbahnhofs; diesmal wurden acht Personen getötet und dreizehn ver- wundet. Fünf schwere Einschläge folgten am selben Tag in kurzen Abständen aufeinander. Ganz Paris Kilometer von der Hauptstadt entfernt; deren Be- war in der größten Erregung. Die Front lag 129 schießung durch Geschütze galt als völlig unmöglich. Man glaubte an Bomben aus Flugzeugen, die sich hinter Nebelwolken verbargen. Sachverständige stellten jedoch fest, daß es sich um richtige Artillerie- aelchoffe schwersten Kalibers handelte. Nun war len Gerüchten Tür und T« geöffnet. Man er°
zählte, der Feind befinde sich ganz in der Nähe von Paris. Andere wollten wissen, daß es eigene Kanonen waren, die aus Versehen ihr Ziel verfehlt hätten.
Flugzeuge stiegen in Schwärmen zu Erkundungen auf. Die Front lag tatsächlich 120 Kilometer entfernt. Die Granaten mußten also von weittragenden deutschen Geschützen stammen. Im Schallmeßverfahren stellte man fest, daß sich die Riesenkanonen irgendwo im Bois de St. Gobain befinden mußten. Fliegerphotographien deckten ganz deutlich erkennbare Spuren von Eisenbahnlinien im Walde auf. So gewann man allmählich Klarheit. Wieder stiegen Flieger auf, die das Fèuer der französischen schweren Artillerie auf das Bois de St. Gobain dirigierten. Trotzdem regnete es tage- unb wochenlang Granaten über Paris. Die erste Beschießung, die am 23. März begonnen hatte, dauerte bis zum 1. Mai. Die zweite fiel in bie Zett vom 27. Mai bis 11. Juni und erfolgte aus einer neuen Stellung, hie Paris etwas näher lag. Die dritte dauerte nur zwei Tage, vom 15. bis 17. Juli, während die vierte am 5. August anfing und am 9. aufhörte. Im ganzen wurden in Paris 367 Einschläge gezählt. Der Verlust an Menschenleben war ttotzdnn verhältnismäßig gering. 250 Menschen kamen ums Leben, 640 wurden schwer verwundet. Umso größer war der materielle Schaden, der sich auf mehrere hundert Millionen Francs belief. Jedenfalls hatte die deutsche Oberste Heeresleitung ihr Ziel erreicht, den Feind zu demoralisieren. Ueber eine Million Pariser verließen damals die Hauptstadt. Die Prsffepropaganda der Entente nutzte die Tatsgche, daß eine Granate während des Gottesdienstes in die Kirche von St. Gervais eingeschlagen hatte, weiblich aus. Colonel Miller jedoch läßt den deutschen Arttlleristen Genugtuung widerfahren: sie haben, sagt er, so gehandelt, wie jeder andere Artillerist an ihrer Stelle gehandelt haben würde. Sie haben das Geschütz gegen eine befestigte Stabt gerichtet und keineswegs die Kirche aufs Korn genommen.
Der Verfasser gibt dann noch ein Bild der Vorgänge, die sich gleichzeittg hinter der Front abspielten. Bereits gegen Ende des Jahres 1915 hatten leitende Ingenieure der Kruppwerke errechnet, daß ein Geschütz mit 100 Klm. Reichweite konstruierbar sei, seine Rohrlänge sollte 35 Meter, das Kaliber 21 Ztm. betragen. Die deutsche Heeresleitung verlangte aber ein Geschütz mit 120 Klm. Reichweite. Zuerst erklärte man bei Krupp diese Forderung für phantasttsch, ging jedoch an bie Arbeit und war tatsäclsiich zu Anfang 1918 am Ziel. Im Januar 1918 fand das erste Probeschießen statt. Am 23. März 7 Uhr früh, stiegen im Wald von St. Go- bam deutsche Flugzeuge auf und nebelten die Stef«
lung ein. Am Geschütz befanden sich die Konstrukteure Dr. v. Eberhard und Dr. Rausenberg, zahlreiche Generalstabsoffiziere, an ihrer Spitze der Kaiser, und Admiral Rogge, der die Bedienung kommandierte. Das Geschoß wog 120 Kilogramm. Seine Anfangsgeschwindigkeit sollte 1600 Meter in der Sekunde betragen. Das Geschoß bestaub aus drei verschiedenen Sprengstoffladungen. Zwei andere schwere Geschütze waren m der Nähe aufgestellt, sie hatten die Aufmersamkeit des Feindes abzulenken und begannen einige Sekunden vor dem ersten Schuß des Riesengeschützes das Feuer. End-
lich ertönte das Kommando: „Feuer!" Nach fünfzig Schüssen wurde Feuerpause kommandiert. Bei den Stellungen im Bois de St. Gobain befanden sich fünf Geschütze dieser Art, von denen eines später durch Rohrkrepierer außer Gefecht gesetzt und vier vollständig verbraucht wurden. Insgesamt wurden, einschließlich der Modelle, sieben Geschütze hergestellt. Wie Oberst Miller in seinem aufschlußreichen Buch behauptet, steht die Herstellung von ähnlichen Geschützen auf dem Wehrprogramm aller Großnichte. In der Oeffentlichkeit redet man wohlweislich nicht davon.
»OsRSttMozeH" in FBatZSsekG
freilich
Daris, 10. Mai. Die övjährig« Witwe Wallard und ihre Tochter Maria ans-der kleinen Gemeinde Rittes bei Boulogne-sur-Mer haben gegen bie Dorfbewohner Wage wegen Verleumdung erhoben, weil sie vom ganzen Dorf als Hexen betrachtet und verfolgt würden. Der Prozeß kommt demnächst in Boulogne zur Verhandlung.
Die ^beiden Frauen sollen vor allem das Vieh „behext" haben. Als einem Landwirt bie beste Kuh Stall starb, und der ländliche Quacksaloer das Tier nicht reiten konnte, behauptete et, daß die Kuh verhext worden sei. Nach dem Tode des Tieres werde die Hexe als erste Person das Haus betreten. Zufällig war es die Witwe Wallard, bie bald darauf erschien und nach Arbeit fragte.
Durch eine Reihe ähnlicher „Fälle" setzte sich bei den Dorfbewohnern der Glaub« fest, daß Frau Wallard und ihre Tochter Hexen seien. Z Unglück erklärte die Wahrsagerin einer ;
Lande, di« um Rat gefragt wurde, daß Maria heiße. Nur mit Mühe gelang es t. ^t bie beiden Frauen vor den tätlichen Verfolgungen Ler Dorfbewohner in Sicherheit zu bringen.
Da die beiden die Verleumdungen nicht auf sich beruhen lassen wollen, wird es also tatsächlich im 20. Jahrhundert in Frankreich einen regelrechten Hexenprazeß geben, der sich von dem des M-rtte!-
iu allem jigeunet’
Es waren vertiefte Erfahrungen, avergenausste Beobachtungen nötig, um zu erforschen, welchem Ziele die Sonne zueilt, nach dem sie mit unserer Erde alle unsere Leidenschaften und all unsere Schmerzen .mitrsißt, zugleich mit allen unseren ert- len Hoffnungen, die uns zu Zeiten trügerisch M' lächeln und uns — ach so oft vergeblich — anfpot« nen.
Man mußte beobachten, ob die so sehr entfern« , ten Gestirn«, auf die wir bie betreffenden Bewegungen beziehen, in ihrer scheinbaren Stellung innerhalb der Himmelssphäre irgend eine Veränderung _ aufwiesen.
In Anbetracht der unermeßlichen Entfernung, die uns auch vom nächsten Sterne trennt, und wegen der kurzen Dauer unseres Erdenlebens war es gewiß nicht leicht, auch die kleinsten Berände- Engen wahrzunehmen. Aus Gründen der Analogie konnten wir voraussetzen, daß die Sonne ebenso wie alle anderen Gestirne des Weltalls nicht unbeweglich ist, sondern sich nach einer unbekannten Richtung des Firmaments bewegt.
Aber nach welcher? Wohin folgen wir dem 'Gestirne, bas alle Welten unseres' Planetensystems regiert?
In den letzten Jahren.-des verstossen«» Jah^ hunderts glaubten Einige, daß sich bie Sonne dem Sterne Alpha im Sternbild des Centaur näherte. Direkte oder ausschlaggebende Verweise mürben nicht erbracht.
Nach den Forschungen des eingangs erwähnten amerikanischen Gelehrten bewegen sich bie Welten unseres Sonnensystems mit einer Sekunden-G«' schwindigksit von 96 Kilometer nach jener Region des Firmaments, in bet sich das Sternbild des Drachens befindet.
Derselben Meinung wie Dr. Dayton C. Miller scheint auch Esclagon, der Direktor der Pariser Sternwarte, zu sein, der durch seine Untersuchen- gen über die optischen Asymmetrien in erheblichem Maße zur Durchführung der Forschungen des amerikanischen Astronomen beigetragen hat. .
Heute können wir also auf die Frage, die jam' hundertelang die Gedanken der Gelehrten und der Philosophen belästigte, eine Antwort geben, du nicht nur der Wahrscheinlichkeit entspricht, sondern fast eine Gewißheit darstellt.
Nun erhebt sich bie Frage: Beschreibt die «vH"! in ihrem tollen Lauf eine geradlinige Bahn? wir durchaus sicher, daß ber Punkt unseres so K nen Ziels gerade im Sternbild bes Drachens li«chr Vielleicht werden uns bie Forschungen der nächste" Jahre darüber Aufschluß geben können, welch Bahn bie Sonne einschlägt. Er erscheint uns wem4 wahrscheinlich, daß die Bewe.gung geradlinig Es wäre dies der einzige bekannte Fall. Um aber nicht ein Urteil vorweg zu nehmen und uns M Vermutungen zu verstricken, bie jeher Wahrfchm"' lichkeit entbehren würden, müssen wir uns für Augenblick damit begnügen, das Weltall als Ganzes zu betrachten, in dem nichts feststeht als bie Bewegung.