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Nr. 110

Montag, den 12. Mai 1930

Seite 3

Stadt Ka«a«

Svavsel

Botanisches und Gastronomisches., Sein Nähr­wert. verschiedene Zubereitungsarten.

Eine reizende Begleiterscheinung des Frühlings, von manchen materiell eingestellten Zeitgenossen vielleicht sogar als die reizendste überhaupt ange­sehen, ist der Spargel. Der Gourmand und Gastro- soph,' der sich den Winter hindurch nolens volens mit Konservenspargel begnügen mußte, begrüßt das Erscheinen der ersten Spargelbündelchen auf unseren Märkten oder Feinkosthandlungen mit un­verhohlener Freude.

Und das mit Recht. Schon die alten Römer konnten und schätzten den Spargel, im Mittelalter, das an derbere Kost gewöhnt war, kam er wieder ein wenig in Vergessenheit, um dann in der Rokoko­zeit in der Hauptsache durch französische Köche neu eingeführt, zu größter Beliebtheit zu gelangen, de­ren er sich auch heute noch erfreut. Der Spargel, der in ganz Europa bis nach Skandinavien hinauf gedeiht, wird heut in veredelter Form überall ge« zagen. Die sonst in punkto Essen recht verwöhnten Italiener lieben seltsamerweise den zwar zarten, aber auch etwas bitteren, grünen Spargel, während in Deutschland und Frankreich ausschließlich der weiß« und auch möglichst dicke Spargel Gnade vor den Zähnen der Feinschmecker findet. In der Zeit unserer modernen Sachlichkeit und Esserei nach Ka­lorien erfreut sich der Spargel noch aus einem an­deren Grunde großer Beliebtheit. Er ist nämlich sehr leicht verdaulich, ohne nennenswerte Nährstoffe zu enthalten. Er besteht aus über 92 Prozent Wasser, die restlichen 8 Prozent verteilen sich auf ei« weißartige Körper, Zellulose, Asche, und nur je A Prozent Zucker und Fett.

Die Zubereitung ist in allen Kulturzentren ziem­lich die gleiche, da sie gar keine-großen Variationen gestattet. Nur durch die dazu gereichten Soßen kann eine gewisse Abwechslung geboten werden. Der Spargel wird gereinigt, geschält, leicht gebün­delt und in mildem Salzwasser gekocht, darf aber nurgerade gar" werden, und verlangt daher im­merhin eine gewisse Aufmerksamkeit. Zu weicher Spargel schmeckt nicht, aber auch durch zu scharfe Soßen kann das feine Aroma stark beeinträchtigt werden. Am geeignetsten ist eine milde holländische oder Musselinesoße, wenn man nicht vorzieht, le« diglich reine zerlassene Butter zum warmen Spar­gel, zu reichen. Kalt schmeckt der Spargel gut mit einer einfachen Vinaigrette- oder Chantillysoße, worunter man, eine (mit Zitronensaft abgeschmeckte) Mayonnaise versteht, unter die geschlagener Rahm gezogen ist.

Franzosen und Italiener haben eine besondere Spezialität, die aber auch dem deutschen Gaumen munden dürfte und deshalb hier verraten werden soll. Eine Spargelplatte wird mit Butter ausge« strichen und mit geriebenem Parmesan- oder Schweizerkäse ausgestreut. Darauf legt man die ge= kochten und möglichst heißen Stangenspargel, die wieder mit geriebenem Käse bestreut werden. Kurz "vor dem Anrichten begießt man das ganze Gericht ; mit zerlassener heißer, brauner Butter. Ein apartes

Einweihung des Kananev Jugendheims

Jetzt Sonntag nachmittag, da ich diese Betrachtungen zu Papier bringe, gießt es, gießt es immer noch. Wuchtig! Und ich habe die Knie an den Bauch gezogen, einen Schal um den Hals und das mitten im Mai. Ich hatte mir diesen Ausslug nach dem neuen Hanauer Jugendheim in Rückersbach, das seine Weihe erhalten sollte, so

schön vargestellt

strahlender Sonnenschein,

Weiheakt, während dem der Regen von neuem â> gesetzt hatte, war beendet.

Nach dem Weiheakt ginge zum Mittagessen ist den Gasträumen des Hauses. Für 30 Psg bekam

backen« Spargel dar. Hierzu benötigt man möglichst starke Spargelstangen, die in Stücke von 1012 Zentimeter geschnitten werden und nicht vollkom­men weichgekocht werden sollen. Nach gutem Ab- iropfen zieht man die Spargelstllcke durch einen gewöhnlichen Ausbackteig und bäckt sie in der Pfanne in heißer Butter. Der gebackene Spargel wird mit Chantilly- oder Musselinesoße zu Tisch ge­geben.

* An übertragbaren Krankheiten wurden in der Woche vom 4.10. Mai amtlich gemeldet: Tuber­kulose 2 Fälle aus Hanau und je 1 Todesfall aus Hanau und Mittelbuchen; Scharlach je ein Fall aus Kilianstädten, Langenselbold, Windecken, Mittel­buchen und Diphtherie je 1 Fall aus Großkrotzen­burg, Rückingen und Bischofsheim.

blauer Himmel und endlich hatte ich mich dar­auf gefreut, so einige Stunden im Vorspessart zu lustwandeln. Ja Schnecken! Und Regenwürmer! Schon als ich zur Haustür heraustrat um zum Marktplatz zu schreiten, von wo aus der Autobus eine beschränkte Teilnehmerzahl" nach Rückers­bach bringen sollte, da regnete es Bindfaden. Und dennoch mußte ich zur Einweihung unsere Leser haben einfach ein Recht darauf, daß wir sie über diesen Weiheakt unterrichten. Also los und wenns Bindfaden regnet.

Auf dem Marktplatz angekommen war mir das Glück hold ein Privatauto hatte noch ein Plätzchen frei für mich und so gings in rascher Fahrt über Kahl, Dettingen nach Hörstein. Von hier aus kletterte das Auto mit seiner Fracht auf einer in vortrefflichem Zustande befindlichen Straße in zahlreichen Windungen empor zu un= serm Jugendheim (Unserm? Ja, das Heim gehört jetzt allen Hanauern die Vertreter der Behör­den haben das gestern klipp und klar zum Ausdruck gebracht.) Hinter Hörstein begegneten wir wieder­holt kleinen und größeren Trupps Hanauer Ju­gend, die trotz des niederströmende» Regens frohen Muts die Straße emporstiegen und sich trotz der ungünstigen Witterung an dem frischen Grün der Bäume, an den Ausblicken in das Maintal, die, wie mir meine Fahrtgenossen erzählten, bei schö­nem Wetter jeden Touristen bezaubern sollen, er« freuten. Ja, unsere Jugend ist abgehärtet. Als al« ter Optimist hatte ich gehasst, daß der Regen wäh­rend der Fahrt vorüberregnen würde, doch ich hatte mich getäuscht. Als wir am Ziel waren, goß es noch wie zuvor. Trotzdem herrschte hier oben be­reits ein reges Leben. Ein Teil der Jugend hatte Zelte aufgeschlagen, in denen auch verschiedene wetterfeste Jünglinge übernachtet' hatten o jeckerl, mich überläuft jetzt noch ein Schauer wenn ich nur daran denke ein anderer Teil war in dem mit frischem Grün und Blumen geschmückten Heim. Schnell wurde das Heim einer Besichtigung unterzogen. Wir sahen schöne kleine und größere Zimmer, vor allem in sauberem Zustand, ge« räumige Schlafsäle und Tagesaufenthaltsräume. Recht nett empfanden wir die Ausschmückung der Räume mit Blumen. Hier stand ein kleiner Vergiß­meinnichtstrauß, dort ein Fliederstrauß überall war man darauf bedacht, Freude bei ben Besuchern zu erwecken. Dann nahmen wir eine Probe des hier oben zum Ausschank kommenden alkoholfreien Tropfens zu uns, die uns ganz vortrefflich mun­dete. Alkoholische Getränke gibt es nicht, auch ist das Rauchen verboten. Der Regen hatte inzwischen etwas nachgelassen und man hatte jetzt einen ganz . .herrlichen J&Jjrt.auj bas jttäitoÄ^&jier jabeticbei »kla­rem Wetter noch prachtvoller sein und jeden in seinen Bann schlagen muß, der mit empfänglichen Herzen in dieses Revier kommt. Dann ging es zum Gottesdien st der evangelischen Jugendvcreine, der im Walde von Herrn Kreispfarrer Kranepuhl abgehalten wurde. Die katholischen Jugendvereine beteiligten sich am Gottesdienst in den umliegenden Dörfern. Die sozialistische Arbeiter-Jugend hatte vorher ein neues Zelt geweiht, in dem es gar bald luftig zuging.

Inzwischen hatte sich hier oben immer mehr Jugend eingefunden auch zahlreiche unentwegte ältere Herrschaften waren erschienen und pünkt­lich 11 Uhr begann

der Weiheakt

mit dem Gesang einer Jugendabteilung. Dann begrüßt« Magistratsrat »Dr. Rehm die Vertreter

der Behörden, die Mitglieder des Landjugendheim- Vereins, die Jugend, die Handwerker und Firmen­vertreter, die bei dem Umbau des Heimes mit Hand angelegt haben und dankte allen, die zum Entstehen des Heimes beigetragen haben. Beson­deren Dank zollte er der Staatsregierung bezw. deren Vertreter, Herrn Regierungspräsident Dr. Friedensburg, dem Bezirksverband Kassel, dem Landeshauptmann und den Mitgliedern des Kom­munallandtages, der Arbeitsgemeinschaft für So­zialversicherung und Wohlfahrtspflege und den städtischen Körperschaften der Stadt Hanau. Red­ner erinnerte dann an das ehemalige Jugend- Landhaus auf dem Sternberg, das seinerzeit von Herrn Stadtschulrat Dr. Beerensmann geschaffen worden sei und bat diesem das Wohlwollen, das er dem Sternberghaus entgegengebracht habe, auch dem neuen Heim entgegenzubringen. Die gleiche Bitt? richtete er an die städtischen Körperschaften, die die' ses neue Haus als ein Kleinod betrachten möchten, was gehütet und gefördert werden müsse. Weiter dankte er allen Spendern aus der Bürgerschaft, mit Herrn Dr. Heraeus an der Spitze, durch dessen namhafte Spende der Erwerb und Ausbau des Heimes erst möglich geworden sei. Dann wandte Redner sich an die Jugend, forderte diese auf, da­für zu sorgen, daß das neue Heim ein Bolkshaus im tiefsten Sinne des Wortes werde, ein Haus, in dem sich Jung und Alt begegne, ein Haus, das seine Aufgabe erfülle als Landheim für di« Schul­jugend in Stadt und Land, als Erholungsstätte für die genesungsbedürftige Jugend und als Frei- zeithèim für die erwerbstätige Jugend. Der Ge­meinschaftsgedanke soll« in diesem Hause herrschen, er solle getragen sein von der ganzen Hanauer BürgerscAft und jeder solle sagen: Unser Ju­gendheim. Wenn dieser Geist cinziehe und jeder darnach handle, dann werde sich die Hoffnung er­füllen, die man an den Erwerb des Hauses ge­knüpft habe.

Herr Pungs sprach namens des Ortsaus­schusses für Jugendpflege über Zweck und Ziele des Landjugendheims. Die Jugend aller Richtungen ergreife Besitz von dem Heim, das als äußeres Bollwerk der Jugendbestrebungen zu betrachten sei und weihte das Haus mit einem dreifachen Heil. Begeistert stimmte die Jugend in das Heil auf ihr und unser Haus ein.

Herr Landrat Kaiser übermittelte die Grüße und Glückwünsche des Herrn Regierungspräsiden­ten Dr. Friedensburg, weiter beste Wünsche des Landkreises Hanau. Ausgehend von der Tat­sache, daß heute die jugendlichen Arbeiter von Stadt und Land durch die wirtschaftlichen Bezie­hungen und Bedingungen aufs engste miteinander verbunden seien, begrüßte Redner die Möglichkeit des gemeinsamen Treffens dieser Jugend in Hei­men. Auf diese Weise würden die Beziehungen zwischen Stadt und Land immer enger geknüpft, was nicht nur im Interests unserer Jugend liege, sondern auch im Interesse unseres Vaterlandes

überhaupt, .Red: die deutsche Jug

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Roman von Cisbet Dill

$4- Fortsetzung

(Nachdruck verboten.)

Er spielte die Flötenicht wie ein Prinz, sondern wie ein Künstler ersten Ranges". Er glänzte in allen physischen und moralischen Eigen­schaften.Stark wie seine Willenskraft", sagt Mi- kabeau,schön wie das Genie, tätig bis zur Selbst­produktion zur Ungezwungenheit und Leichtigkeit geboren, gab er sich ernst und fest, absolut bis zum awang. Er war tolerant, heftig und lebhaft. Doch ^r zwang sich zur Mäßigung und zum Nachdenken, khe er handelte. Er hatte nur eine Leidenschaft den Ruhm."

, Die Größe seiner Regentschaft, die Einfachheit lewes Lebens und feines Todes waren ergreifend dargestcUt. Seinen Tod beschreibt Mirabeau mit Viwundsruna. Das Schauspiel, welches Berlin damals gab, fetzte mich in Erstaunen.

Dieser Tod, welcher die ganze Welt vor Ehr- Rrcht jchweigen ließ, machte in der Hauptstadt Mm einen Eindruck.' Alles war ruhig; jedermann beschäftigt. Man hörte kein Bedauern, keinen veufzer und keine Klage und kein Lob.

,. Man war der Kriege und der Regentschaft inüde M zum Haß. Der einzige war der General Mael- jcnoors, welcher beim Schwur der Truppen meinte. M sage, cs zu seinem Ruhm. Er war der einzige, 11 dem ich Schmerz bemerkte."

. Ein Jahr lang blieb es so zwischen uns; dann gaun sich Egon wieder einem anderen Leben zu- jM^oden. Ich bemerkte eine gewisse Unruhe an in x-e Spannung und Nervosität, den Wunsch, me Welt zurück,zukehren. Mir hätten diese °i und die musikalischen Zusammenkünste ge« aber Egan genügten die Referendare nicht.

t, ,s zog ihn zu den Festlichkeiten hin, mit denen itu ®.cW°ifen hatte. Die Abentcurerlust, die Hofs- w "Pcndwo eine neue Frau anzutresfen, waren mm lebendig geworden.

li^, brauchte die Menschen, den Lichterglanz, fest- cr^ , oseln, den Salon, die Oeffentlichkeit, die auen, Und mich kannte er nun,

Die Natur hat Männern wie Frauen die Macht gegeben, begehrenswert zu sein. Diese Waffe zu gebrauchen, begann auch ihn wieder zu verlocken. Mein Mann hatte sich bis in die weitesten Kreise beliebt zu machen verstanden, ohne daß er sich Mühe zu geben brauchte. Er wußte gar nicht ein« mal, daß er liebenswürdiger war wie gewöhnliche Sterbliche. Er war einfach immer guter Laune, wußte jedem etwas Angenehmes zu sagen; er hatte das Bedürfnis, angenehm zu sein und war es in­folgedessen auch jedem, der keine höheren Ansprüche stellte.

Die Verwandten achteten ihn wegen seines Ver­ständnisses, mit dem er sich in die Bewirtschaftung seiner Güter gefunden hatte; die Backfische schwärm­ten ihn an, den schönen Mann, den kühnen Reiter, den eleganten Lenker seiner rassigen Apfelschimmel.

Den grünen Jagdhut halb zur Seite geschoben, die Zigarette im Mundwinkel, seine Pferde lenkend, grüßte er jede Dame mit einem durchdringenden Blick, in dem er sie einen Augenblick festhielt, um sich dann im Fluge noch einmal halb umzuwenden. In den Gesellschaften wußte er selbst der mürrisch­sten, vcrsteincrtsten Matrone ein Lächeln zu ent­locke», ihr eine Liebenswürdigkeit zu sagen, worüber er sich dann zu Hause selbst lustig machte. Er war ein brillanter Tischherr, erfinderisch, genial, ein un­ermüdlicher Causseur, der einen Gedanken aufgriff, ihn balanzierte, um.ihn im Licht glänzen zu lassen wie eine Seifenblase. Tüchtig in seinem Fach, ge­achtet von seinen Untergebenen, die er gerecht und vornehm behandelte, streng gegen Verfehlungen und leicht versöhnt; wenn man ihn um etwas bat, kannte er kaum jemand etwas abschlagen. Kurz, er hatte sich einen Kreis von Bewunderern gebildet, die, wenn er auf Gesellschaften im Frack erschien, verstummten und zur Seite traten, um ihn vorbei- zulassen wie einen regierenden Fürsten

Sie haben einen reizenden Mann" sagte man mir immer wieder.Scharmant ist er!"

Er wußte es garnicht einmal. Er empfand diese Bewunderung als etwas Selbstverständliches. Sie war ihm gefolgt vom Gymnasium auf die Unioerfi« tät, in fein Regiment nach Düsseldorf, an den Rhein und nach Trier und wieder hierher in den Norden. Er brauchte Bewunderung; er lebte von ihr; er mußte sich immer für jemand interessieren. Eine neue Erscheinung zog ihn immer an, wer es auch mar.

man einen tiefen Teller mit Erbsensuppe bis an den Rand gefüllt, und wer etwas mehr anlegte, er­hielt Suppe, Kalbsbraten, Kartoffeln und Gemüse alles vortrefflich zubereitet. Nach dem Essen unter­nahmen wir trotz des Regens schnell noch eine kleine Wanderung in die nächste Umgebung, die von land­schaftlichen Reizen erfüllt ist Und dann ging es mit dem Auto zurück nach Hanau.

Die Hanauer sind schon immer gern in den Vor­spessart gewandert, aber jetzt, nachdem sie ein eigenes Heim dort oben stehen haben, jetzt muß in jedem Hanauer das Gefühl unlöslicher Verbundenheit mit diesem Fleckchen Erde aufkommen und anhalten. Sobald mein Schnupfen vorüber ist, den ich erwarte, gehts wieder hinauf ju unserem Jugendheim in Rückersbach, aber nicht nur zu kurzem Aufenthalt, sondern zu längerem behaglichen Verweilen. Es lohnt sich! R. H

Laudesvat Kebsl t

Am Samstag morgen ist plötzlich Landesrat des BeZirksoerbcmdes für den gierungsbezirk Kassel Wilhelm Hebet Alter von 44 Jahren gestorben.

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Landesrat Hebel ist am 23. Nove^nber 1885 in Gladenbach (Kreis Biedenkopf) als Sohn des Forst­meisters Karl Hebel geboren. Nach Besuch der Volksschule in Salmünster und des Gymnasiums in Hersfeld studierte er Rechtswissenschaft und Volks­wirtschaft an den Universitäten Freiburg i. B., Leip­zig und Berlin und Marburg. Nach dem Staats­examen war er einige Monate am Gericht be­schäftigt, dann vom 1. 1. 14 bis zum Kriegsaus­bruch in einem Unternehmen der Textilbranche. Bei Kriegsausbruch zog er als Reserveoffizier mit dem RJR. 71 hinaus und geriet am 13. Sept. 14 in der Marineschlacht verwundet in französische Gefangen­schaft. Am 13. 7. 18 wurde er in der Schweiz als alter" Gefangener interniert. Dom 1. 10. 18 an war Hebel an der deutschen Gesandtschaft in Bern tätig. Seine Freizeit benutzte er, um in Bern bei der Berufsvormundschaft die dortigen Jugendfür- sorgeverhältnisse kennenzulernen. Nach der Rückkehr aus der Internierung war er von Mitte April 1919 an als Justititar und später als Abteilungsoorstand bei der Kasseler Intendantur des 11. AK. tätig. Mit Rücksicht auf die in Kürze bevorstehende völlige Auf­lösung der alten Heeresverwaltung übernahm er eine juristische Hilfsarbeiterstelle beim Magistrat der Stadt Kassel, um gleichzeitig die Kommunalverwal- waltung kennen zu lernen.

Der Kommunallandtag wählte in seiner Sitztmp vom 30. 4. 20 den Gerichts» ssessvr Wilhelm Hebel zum Landesrat des Bezirksoerbarrdes des Re­gierungsbezirks Kassel. Der Dienstantritt erfolgte am 1. Juni 1920. Landesrat Hebel war bei der Landesverwaltung als Pressedezernent tätig; in die­ser Eigenschaft hat er es stets verstanden, di« Wünsche der Verwaltung und der Presse im Re­gierungsbezirk in einer Weise auszugleichen, die ihm auch (in der Oeffentlichkeit ein bleibendes An­denken sichert.

1 Daten für 13.

Kaiserin Marm

Herr Stadtschulrat Dr. Berensmann sprach den Wunsch aus, daß das neue Heim nicht nur ein Stützpunkt für das Wandern, sondern auch eine Stätte ernster inneren auf die Erreichung der Volks­gemeinschaft gerichteten Arbeit werden möge. Wenn dieser Geist in dem Jugendheim einziehe, dann helfe die Jugend am Aufbau unseres neuen Deutschland, dann werde das Heim auch das Jugendheim wer­den.

Nachdem noch der Vertreter des Bezirksamts­vorstandes Grüße und Glückwünsche der bayerischen Staatsbehörden übermittelt hatte, brachte die Jugend auf Aufforderung des Herrn Geiß hin als Gelöbnis allen erwähnten Zielen nachzustreben, ein dreifaches Hetil auf das neue Heim aus. Eine ®e= fang saht et ümg fang wieder ein Lied, am Fahnen­mast stieg die röt-gelbe Flagge empor der

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Seine Unterhaltung wirkte belebend; er brachte die wunderlichsten, kühnsten Ideen zutage. Man unterwarf sich seinen Ansichten, seinen Stimmun­gen; er machte sich ein Vergnügen daraus, diese steife Geselligkeit aufzuheitern, zu verändern, durch­einanderzubringen, zu erschrecken und wieder zu versöhnen.

Er konnte hinreißend sein, wenn er wollte; er bezauberte jeden. Unkonsequent und dabei zielbe­wußt, anarchistisch und konservativ zugleich, in einem Augenblick der edelsten und gemeinsten Tat fähig, hart bis zur Grausamkeit, gewissenhaft in Dingen, die ihn interessierten, gewissenlos und treu« los gegen die, denen er Gleichgültigkeit oder Anti­pathie entgegenbrachte, glutvoll und falsch in der Liebe, reizbar, von jeder Stimmung in eine neue Laune versetzt, entschlossen, wo es zu handeln galt, vernünftig in der Unvernunft: das war er, mein Mann, den ich erst in Reep kennen lernte, im siebenten Jahre unserer Ehe. Wie hatte ich ihn trotzdem geliebt, wie war ich abhängig gewesen von diesen tausend Stimmungen, diesen unberechenbaren Launen, die ihn anfielen! Er versuchte alles; er ging stets so weit man es ihm gestattete. Vor Män­nern, wie dem Grafen Schwerin, "ber ihn lächelnd durchschaute, senkte er gleichsam den Degen; anderen setzte er den Fuß auf den Nacken.

Nur einen Menschen gab es, der Egon gegen­über sich offen als Feind bekannte: Fritz Rislo. Die beiden Männer durchschauten einander. Wenn sic geschäftlich mifeinanber zu tun hatten, schickte Rislo seinen Ingenieur auf Egons Büro, und dieser ließ durch den Inspektor mit ihm verhandeln Sie mosch­ten sich nicht. Antipathie.

Wozu Philosophie studieren?" sagte Rislo. wer gesunden Menschenverstand hat, ist Philo­soph . . . Gesunder Menschenverstand ist etwas sehr Seltenes .... Ich komme mir immer vor wie einer, dessen Uhr richtig geht in einer Stadt, in der alle Uhren vorgehen,nachlaufen oder eingerostet sind . . ."Er hatte die Oberilächlichkeit Egons langst erkannt.

Es gibt nichts Ungesunderes mie das Denken, und die Menschen gehen daran zugrunde wie an der Lungenschwindsucht!" sagte er.Leben soll man.' Das ist das Beste!"

Als ich hing war, hörte ich auf der Münchener Universität einen Philosophen; der leitete alle, orn der Seele ab.Der Körper i st nichts, vermag

Theresia in Wien geb. 1792: Papst Pius IX. in Sinigaglia geb. 1832: Der französische Natur- sorscher Baren Georges de Cuvier in Paris gest. 1840: Der französische Schriftsteller Alfonse Daudet in Nimes geb. 1842: Der Komponist Sir Arthur Sullivan in London geb. 1862: Der Parapsychologe Albert Freiherr von Schrenck-Notzing in Oldenburg geb. 1871: Der französische Komponist Daniel Francois Esprit Aubert in Paris gest.

* Das Fest der goldenen Hochzeit feiern morgen Herr Carl Berger und Frau Auguste, geb. Kohlenbusch, Schäferstraße 2.

* Bevölkerungsvorgang im April. Es wurden 45 Kinder (7 unehel.) lebend und 3 eheliche Kinder tot geboren. Es starben 34 Personen, und zwar an Tuberkulose 1, Krebs 5, Gehirnschlag 4, Lungen­entzündung 3, Altersschwäche 5, durch Unglücks­fall 2. Unter 1 Jahr starben 4 eheliche Kinder.

nichts und lebt nur durch die Seele. Wenn Re stirbt, so muß auch er absterben; die Sache erhält ihn." Eine Stunde später sprach in dem Nebensaal ein berühmter Anatom; er bestritt das Vorhanden­sein einer Seele und leitete alle Gemütsbewegun­gen von den inneren Organen ab, von der Galle, der Leber, der Milz, dem Hirn, dem Rückenmark. Was also sollten wir noch glauben9 So ist es mit allem. Wer nachzudenken beginnt, versinkt wie im Moor..... Nur nicht denken, predigte er. Die Seele abschrffen und das Herz töten. Dann lebt sichs noch einmal f > leicht" Ich muhte wchl. auf wen sich seine Worte bezogen.

Egon verbot mir vlötz - h den Verkehr mit Fritz Rislo.Das ist kein Mann, mit dem ich wünsche, daß meine Frau einen Verkehr unterhält Du kannst nicht hier als sein ethisches Verhältnis her« umgehen", fügte er streng hinzu. Ich erlaubte mir zu fragen, wer etwas dagegen haben könne, daß ich mit Rislo zuweilen am Strand spazieren ginge.

Aber es wurde mir zur Antwort: Ich wünsche es nicht, und damit basta!"

_ Eine solche Antwort ist kein gutes Mittel, eine Frau gefügig zu machen, und ich lehnte mich da­gegen auf. Es konnte niemand auf den lächerlichen Gedanken kommen, daß Rislo mir gefährlich wer­den könne. Er bekümmerte sich um niemand, und niemand schien sich um seine Existenz zu flimmern. Die jungen Damen Reeps hatten es aufgegeben, Rislo als Heiratskandidat zu betrachten; für die Gesellschaft kam er nicht in Frage. Also wem nahm ich etwas, wenn ich mit ihm zusammen war?

Die Frauen langweilten mich. Sie gaben nichts und waren nicht gewillt, sich etwas geben zu lassen, sondern saßen selbstzufrieden mit ihren Handarbei­ten im Kreis um die Kaffeetische, um sich alltägliche Begebenheiten zu erzählen, die man ebensogut mit seiner Köchin oder dem Gärtner besprechen konnte. Jedenfalls wurde bei solchen Zusammenkünften nichts Wissenswertes zutage gefördert. Sie hatten dagegen eine unüberwindliche, fast ängstliche Ad- neigung vor jedem Thema, das sich über Hauswirt­schaft erhob. Ich nahm ihnen das nicht übel. Ich lernte allmählich begreifen, daß der Mensch für das Kleine geboren ist und nur das versteht und ihm nur das Freude macht, was ihm bekannt ist.

(Fortsetzung folgt.)