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Montag, den 12. Mai 1930
Nr. 110
P.P.gefod)ten. Der sozialdemokratische Pressedienst ist bei der Gelegenheit sogar ausfallend geworden und hat von unmaßgeblichen Aeußerungen eines kleinen Zeitungsschreibers gesprochen.
Daraufhin läßt nun der geschâftsfüh- renbe Reichsparteivorstand der Zentrumspartei in der "Germania" erklären: „Wenn der Pressedienst der deutschen Zentrumspartei in der letzten Zeit verschiedentlich, und zwar nicht etwa unter irgend einem Vorwand, sondern auf Grund besonderer Vorfälle ernste und dringliche Mahnungen an die Leitung des Reichsbanners Hot ergehen lassen, so entsprach dieses Vorgehen den Jntensionen der Parteileitung. Auch sie stellt mit großem Bedauern fest, daß örtliche Reichsbannerorganisationen oder Redner in Reichsbannerversammlungen namentlich seit der Umbildung der Reichsregierung ein Verhalten an den Tag legen, das mit einem überparteilichen Charakter in schroffen Wider- spruch steht. Die Reichsparteileitung der deutschen 'Zentrumspartei hat bislang ihren Angehörigen die Zugehörigkeit zur Organisation des Reichsbanners freigestellt. Sie hat von sich aus weder den Beitritt empfohlen noch von ihm abgeraten. Bei einer weiteren Entwicklung des Reichsbanners im Sinne einer ausgesprochn sozialdemokratischen Organisation würden sie allerdings diejenigen Folgerungen ziehen müssen und es auch tun, die sich nach gewissenhafter Prüfung der Sachlage für sie ergeben."
Das ist eigentlich kaum noch mißverständlich.
VreuSentas des Jentvumspartei
Keue LVavtttttts an die Gor^aldemokvatke
Die Gut
mütksSeèt des JenivumS hat thve Gseme«^
Aber es geht hier wohl so wie bei den nach gestaltung ringenden Parteien: Man findet Mut zum Absprung nicht.
Die vjevvvozentkge LNkeisießssrutts
Reuden
Berlin, 10. Mai. Die interfraktionelle Sitzung ber Regierungsparteien im Preußischen Landtag am Samslagnachmiltag führte, wie bas Nachrichtenbüro des Vdz. erfährt, zu dem Ergebnis, Laß her Vorschlag des preußischen Fina-nzministers Zur Deckung des EtatsLeflzits grunMtzlich Annahme fand. Die Grundvermögenssteuer wird also wahrscheinlich vom 1. Juli an verdoppelt werden. Aus sozialen Gründen werden aber den Wünschen des
Zentrums entsprechend für den leistungsschwachen Hausbesitz Milderungen erngefügt werden. Diese zugute kommen, die i- oder gewerbliche
sollen denjenigen Hausbesitzern $ in ihrem eigenen Haus« Wohn-
Räume benutzen. Auch für Wohnungen, Li« obere Schuld des Hausbesitzers leer stehen, sollen diese Milderungen erntreien. Der Umfang ber Erleichterungen wird nach Ortsklassen gestaffelt. Die Regierungsparteien werden ein Jnitiativgesetz beantragen, das sofort nach WieLerzusammentrüt des Landtags am 19. Mai dem Hauptausschuß überwiesen werden soll. Bis Neuregelung wird sich in einer vierpro- zentigen Erhöhung der gesetzlichen Miete auswirken.
Tasutts des vveuMche« Saus- und GrunddsKtzes- veveZue
Stettin. 10. Mai. Am Freitag begann in Stet-
Berlin, 11. Mai. Das preußische Zentrum trat heute im ehemaligen Herrenhaus zum 4. preußischen Parteitag zusammen, zu dem nahezu 600 Delegierte aus dem ganzen Lande erschienen wo-, ren.' Der bisherige Borsitzende, Geheimrat D r. Porsch, der nunmehr im 78. Lebensjahre steht, teilte in seiner Begrüßungsansprache mit, daß er die Bürde dieses Amtes nunmehr niederlegen müsse. Im Einvernehmen mit dem Parteivorstand schlug unter stürmischem Beifall Dr. Porsch den Führer der Landtagsfraktion Dr. Heß zu seinem Nachfolger vor.
Einstimmig wurde Dr. Heß zum Vorsitzenden der preußischen Zentrumspartei gewählt.
Dr. Porsch und Herold wurden zu Ehrenvorsitzenden ernannt.
Der neue Vorsitzende Dr. Heß gelobte unter dem Beifall des Parteitages, gute Zentrumspolitik zu treiben. Dann erstattete Dr. Heß in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Landtags- fraktion den Bericht über die politische Lage in Preußen. Die sogenannte Länderkonferenz habe Klarheit darüber geschaffen, daß für eine Neuaufteilung des Reiches und Zerschlagung Preußens eine parlamentarische Mehrheit nirgends zu haben ist. .
Die Zenkrulnsfraktion des Landtages bleibe bei ihrer Ueberzeugung, daß es für Deutschland kein Segen wäre, wenn man versuchen wollte, an seiner Struktur etwas wesentliches zu ändern.
Der Redner bespricht bann zunächst die Entwicklung der preußischen Politik seit 1920. Der staats- politische Aufbau der jungen preußischen Republik habe sich ruhig und stetig vollzogen. Den Begriff der politischen Krise habe es seit langen Jahren nicht mehr gegeben. Bei der ewigen Unruhe im Reich sei es von unberechenbarer politischer Tragweite gewesen, daß die Kurve der politisen Linienführung in Preußen von Fieberschwankungen so gut wie freigeblieben sei. Wenn die preußische Zem trumsfroktion die Verantwortung für ihre Politik tragen soll, so muß sie auch ihre politische Linie selbst bestimmen. Sie orientiert sich grundsätzlich natürlich zunächst an den Verhältnissen in Preu- ßen selbst. Andererseits möchte ich allerdings auch keinen Zweifel darüber lassen, daß die Orientierung unserer Politik in Preußen ebensogut durch andere Umstände beeinflußt werden kann, in weiten Kreisen der Zentrumspartei wird z. B. augenblicklich die Frage erörtert,
wie die preußische Zentrumssraktion sich zu der Opposition der Sozialdemokratie im Reich gegen das Kabinett Brüning zu stellen ge- denke.
ein Sozialdemokrat wohl ebnjo wenig zur Tagesordnung übergehen wie ein Demokrat oder ein Mitglied der Deutschen Volkspartei. Die Volkspartei habe es sich übrigens selbst zuzuschreiben, wenn die bestehende Koalition immer von neuem zusammengeschweißt werde durch den Kampf gegen eine fast gleich starke Opposition.
Die felsige RegierungEmeinschafk sei nicht zu stürzen, wenn nicht durch sich selbst.
^sgemeinschask sei md; icht durch sich selbst.
Allerdings wäre die Form der Großen Koalition unter dèn heutigen Verhältnissen an sich wohl das vernünftigste. Jedoch bleibt die Deutsche Volkspartei bei ihren Ansätzen zum Eintritt in die Regierung aus rätselhaften und nur ihr selbst erkennbaren Gründen jedesmal im Anlauf stecken.
Scharfe Wendungen gab es bann noch gegenüber dem „liberal-materialistischen Zeitgeist". Sozialismus und Liberalisenus seien überhaupt nur graduell verschieden und entsprängen letzten Endes derselben Wurzel der „Feindschaft gegen das positive Christentum". Daran schlossen sich einige heftige Sätze gegen das FreiLenkertum und den „Kulturboljchewismus", gegenüber dem der Redner die Unterstützung der gesamten preußischen Regierung forderte. Der Schluß der Ausführungen, denen starker Beifall folgte, gipfelte in einem Bekenntnis zur Demokratie und'zur Republik.
Megsewa?- und A^Eeksv
Im weiteren Verlauf des Parteitages nahmen auch die Minister Stegerwalü und Hirt- fieser das Wort. Minister Stegerwald trat einigen irrtümlichen Auffassungen entgegen, die in der Versammlung entstanden waren. Er betonte u. a., daß
die Steuerpolitik in den nächsten Jahren nicht sozial sein könne, weil wir durch den verlorenen Krieg und die Reparationslasten eine vollständige Umstellung in Deutschland erfahren hätten.
Die Ausgaben müßten vor allem beschränkt werden und man könne erst baun an einen Abbau ber unliebsamen Steuern herantreten. Im übrigen bleibe die Hoffnung nach wie vor, Laß wir im Laufe der Jahre, wenn Politik und Wirtschaft wieder die Stabilität erreicht hätten, auch auf anderen Gebieten Deutschlands vorwärts kamen.
Minister Hirtjiefer erörterte in kurzen treffenden Worten bas wichtige Problem der richtigen Verteilung der Bevölkerung auf Stadt und Land und wies bei dieser Gelegenheit nach, daß es gelungen sei, mit den Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge 44 000 Landarbeiterwohnungen zu errichten. Weiter äußerte sich ’ " .....-
3ojef Danis im Stadtteil Altendorf an der Oder von einem Unbekannten durch einen handbreiten Messerstich in die linke Brustseite getötet. Passanten fanden den Ermordeten am Sonntagmorgen gegen 5 Uhr auf. Die Mordkommission und die Kriminalbeamten stellten fest, daß es sich bei der Wunde um einen gleiche» Stich wie bei dem am Montag den 5. Mai vormittags hinter dem Schützenhaus ermordeten Schüler Bruno Zeller handelt.
3n der Nacht zum Sonnlag gegen 11 Uhr wurde in der Kolonie Niedane der Kaufmann Alfred Ruske auf dem Hof seines Haufes von einem An- betanken durch einen Stich in den Unterleib verletzt. Der Täter konnte unerkannt entkommen. Ruske wurde mit einer lebensgefährlichen Darmverletzung ins Krankenhaus eingeliefert. 3n allen Fällen dürfte es sich um den gleichen Täter handeln, dem auch der Mord an dem Schüler Zeller zugeschrieben wird. Ratibor befindet sich in begreiflicher Erregung.
Eine spätere Meldung besagt: Der Kriminalpolizei scheint die Verhaftung des Ratiborer Massenmörders überraschend schnell geglückt zu ein. Am Sonntag abend wurde die Polizei von ünem Gastwirt alarmiert, der anaab, in dem Wald« von Paulau ein verdächtiges Jndividium bemerkt zu haben. Das Ueberfallkommando umzingelte den Wald. Schließlich fand man schlafend einen etwa 40jährigen Mann, den man verhaftete. Er trug einen Dolch und einen geladenen Revolver bei sich. Der Dolch scheint seinen Konturen nach in die Wunden der drei Opfer zu passen. Ueber die Person des Täters steht noch nichts fest. Die Der- nehmung gestaltet sich sehr schwierig, da es scheint, als ob der Mann der deutschen Sprache nicht mächtig ist. Man vermutet, daß es sich um einen Tschechen handelt, der über die Grenze nach Ratibor gekommen ist.
Die Kaution für Willy Sklarek erlegt.
Berlin. 10. Mai. Willy Stlarsk hat heute mittag die 50 000 RM Kautionssumme bei seinen Freunden aufgebracht und ber Betrag ist sofort von seinem Rechtsanwalt bei der Gerichtskass« hinterlegt worden, so daß der Haftentlassung kein Hindernis mehr «utgsgensteht.
Schüsse bei einer Festnahme.
Hamm, 11. Mai. 3n der vergangenen Nacht wurde ein Polizeibeamter von zwei Brüdern, Theodor und Wilhelm Gerling, die er zweck, Fest- stellung ihrer Personalien wegen nächtlicher Ruhestörung zur Wache führen wollte, an einer dunklen Stelle überfallen, zu Boden gerissen und durch Tritte und Schläge mißhandelt. 3n der Notwehr machte der Beamte von seiner Schußwaffe Gebrauch. Ein Schuß traf Wilhelm Gerling in die Brust. Als Theodor Gerling dem Beamten die Waffe entreißen wollte, entlud sie sich zum zweiten Mal und er erhielt einen tödlichen Schuß in den Unterleib.
3m Verfolgungswahn zum Fenster hinaus- gesprungen.
vereine. Es wurde nach lebhafter Diskussion eine Reihe von Entschließungen angenommen. In der ersten Entschließung wurde die sofortige Aushebung der Beamtenwohnungsverordnung in den Gemeinden ohne Wohnungsmangel gefordert. In einer weiteren Entschließung wird ein weiterer Ausbau der Betriebskostenverordnungen, insbesondere zu dem Zwecke verlangt, eine wirksame Abgeltungsmöglichkeit neu eingeführter Gebühren zu ermöglichen. Eine dritte Entschließung verlangt die Beseitigung der Ersatzraumklausel in den Gemeinden ohne Wohnungsmangel, da die jetzige Regelung in diesen Gemeinden praktisch zu einer Verschärfung des Mieterschutzgesetzes führt.
DesNsftantz dsrReèchswetzv
hu Vergleich mit der Armee vor dem Kriege
Berlin, 10 Mai. Die Seiamtftärfe des Heeres beträgt, wie wir von unterrichteter Seite erfahren, gegenüber 797 716 Köpfen im Jahr« 1914 gegenwärtig 100 000 Mann. Für Lie Marin« sind die «nriprechenden Affern 79 000 gegenüber jetzt 14 000. Die Kosten für das Heer betrugen 1914 1 327 148 000 Mark, 1930 503 Millionen RM, für die Marine 1914 454 420 000 Mark, 1930 194 334 000 RM. Bei diesen Zahlen ist noch daraus hinzuweisen, daß die Erhöhung des Wehrelats in Frankreich in den Jahren 1929/30 rund 600 Millionen RM betrug, also etwa genau soviel wie der gesamte deutsche Wehretat.
Valihsv von des Sose> weMe-Feiev
Würzburg, 10. Mai. Die Stadt Würzburg steht heute und morgen im Zeichen her 700 Jahrfeier Walchers von der Vogelweide. Auf dem Residenzplatz vor dem mit dem Denkmal Walthers geschmückten Frankonia-Drunnen fand heute vormittag eine groß« öffentliche Feier statt, zu der sich außer einer tausendköpfigen Menschenmenge zahleriche Ehrengäste eingefunden hatten. Reichsinnenminister Dr. Wirth, der bayerische Kultusminister Dr. Goidenberger, der österreichische Bundeskanzler a. D. Etreeruwitz, Reichstagspräsident Löbe und Landtogspräsident Stang legten Kränze nieder.
Anschließend fand im Kaisersaal der Residenz die Morgenfeier statt. In seiner Begrüßungsansprache führte Oberbürgermeister Dr. L ö f s l e r aus, haß die Stadt Würzburg es für ihre Ehrenpflicht gehalten habe, im Jahre 1930 am 700. Tag seit dem Hinscheiden des Sängers nicht achtlos vor- über.Plgehen. An Walther von der Vogelweide zu erinnern, sei eine Ehrenpflicht, denn er sei der deutsche Mann, der das Deutschtum über Stammeszugehörigkeit und über jegliche zeitbedingte Politik gestellt habe. Universitätsprofessor Dr. S ch r ö - der-Würzburg zeichnete lobann in seinem Festvortrag ein Bild von Walcher von der Dogelweide.
der Sozialdemokratie im R«ich, wie auch die rücksichtslose Form der Opposition, die seit Wochen in Xr ganzen sozialdemokratischen Presse getrieben wird, für das staatspolitische Zusammenarbeiten der jetzigen Koalition in Preußen zum mindesten nicht förderlich ist. Es muß durchaus anerkannt werden, daß der preußische Ministerpräsident für die von uns erhobenen Beschwerden alsbald volles Verständnis bekundet hat. Ob feine Einflußnahme nach dem Reich hin von Erfolg begleitet sein wird, bleibt abzuwarten. In feinem Schlußwort unterstrich der Redner später nochmals das Entgegenkommen des Ministerpräsidenten, meinte aber zugleich, daß dessen Appell in der sozialdemokratischen Presse ein Echo gesunden habe, mit dem Herr -Braun selbst kaum zufrieden fein könne.
Die Gutmütigkeit des Zentrum» habe ihre Grenzen.
Wenn die sozialdemokratische Presse so fortfahre, werde es an den Punkt geraten, wo es nicht mehr mitmachen könne. .Und es scheine fast, als wolle die soxaidemokratische fresse Las Zentrum geradezu auf diesen kritischen Punkt drängen. Die preußische Zentrumssraktion stehe übrigens mit dem Reichskanzler dauernd in engster politischer Fühlung.
Die Tatsache, daß ein Sozialdemokrat Unterrichtsmini st er fei —, die „Germania" hatte es heute eine .Dauernde Belastung ber Koalitionsgemeinschaft" genannt — bezeichnete der Redner axls „unbequemes Minus". Aber der große Wandel der Zeit bestehe eben in der Emanzipation des katholischen Volksieiles, den die deutsche Demokratie gebracht habe, und über die Ansprüche der katholischen Kirche könne
Produktion im nde.
Dann nahm der Parteivorsitzende Abgeordneter Heß das Wort zu einer Schlußansprache. Redner stellte fest, daß die Deutsche Zentrumspartei heute wieder in innerer Geschlossenheit dastehe und jeder politischen Zukunft ruhig entgegensetzen könne. Jedenfalls sei sie gerüstet für alle kommenden politischen Eventualitäten.
Dev ttsue Dsvftatt- dev vveuh. ZLttivumsvavist
Berlin, 11. Mai. Der Parteitag des preußischen Zentrums wählte heute nach den Vorschlägen der Kommission den neuen Vorstand. Dieser setzt sich zusammen aus 12 Arbeitervertretern einschließlich der aus dem Arbeiterstand hervorgegangenen Staatsbeamten, neun Frauen, neun Landwirten, acht Mittelständlern, fünf Angehörigen der freien Berufe, vier Vertretern der Jugendlichen, zehn Beamten ausschließlich der bei den Vertretern der Arbeiterschaft Genannten, ferner drei geistlichen Mitgliedern und Zwei Parteibeamten. In dieser Liste sind alle Provinzen und alle Zentrums- wahlerkrei.se vertreten.
Zu stellvertretenden Vorsitzenden ber Partei wurden gewählt Justizrat Mönnig-Köln, Oberpräsident Gronowski-Münster Frau Abgeordnete Heß- berger-Berlin und Kanonikus Dr. Otte-Lisgnitz.
In vier Wochen wird dieser neue Vorstand zu- sammenireten, um auftragsgemäß aus seinen Reihen den geschäftssührenden Parteivorstand zu wählen, der na cf; den Saßungsänberungen neben dem Vorsitzenden noch zehn Mtglieder zählen soll, von denen mindestens fünf nichtparlamentarische Mitglieder sind.
PS erhevvfthâftSn Ghevmau
Ork immer bedrohlicher wird. Die Straßen werden von den tobenden Pöbelmassen beherrscht, die mit der Einäscherung der ganzen Stadt drohen. Als Vorspiel wurde heute das Geschäft eines Negers in Brand gesteckt, um als Scheiterhaufen für den gestern Ermordeten zu dienen, während der Nacht ist es zu verschiedenen Zusammenstößen zwischen der Nationalgarde und der Masse gekommen. Die Truppen gaben schließlich Feuer, wobei zwei Personen verwundet wurden.
wie ergänzend bekannt wird, haben die Gefängnisbeamten, als der Sturm auf das Gefängnis ein- setzte, de» verhafteten Neger vor die Wahl gestellt, ob er versuchen wolle, zu flüchten oder sich lieber zu seinem Schutz in den Dokumententrefor des Gerichts einschließen lassen wolle. Der Neger zog es vor, sich hinter die Stahltnr des Tresors zurückzuziehen, wo er dann während des Brandes, vermut- lich infolge Erstickung ums Leben gekommen ist.
Gitt BevUttev Älttwatt vevsiAet M
Berlin, 11. Mai. Der sehr bekannte und geschätzte Berliner Rechtsanwalt und Notar Hartwig N e u -
itortorfwnnrfornna Mond, der einer angesehenen Familie aus
»an sKmfrcW^ Lynch Frankfurt a. M. entstammt, Hat gestern abend sich
»ord spielte, besinnt zu fliehen, da tue Lage im I in einem bekannten Berliner Luxushotel vergiftet.
Rechtsanwalt Neumond, der 56 Jahre alt geworden ist, hatte sich auf urheberrechtliche und sonstige auf dem Gebiet der Bühne, des Films, der Literatur und Musik erwachsende rechtliche Streitfragen spezialisiert und galt hier als Autorität. Das Motiv zur Tat bildeten große Unterschlagungen, über die bereits gestern Gerüchte im Umlauf waren, ohne daß allerdings der Name des angesehenen Anwalts damit in Verbindung gebracht wurde. Neumond hat ihm anvertraut« Gelder im Betrage von mehreren Hunderttausend Stars für sich verwendet. Wie der „Berl. Lokalanz." feststellt, war der Anwalt in Berlin als Spieler bekannt. Vor einigen Jahren, so schreibt das Blatt weiter, als er schon einmal in bedrängter Lage war, erbte er von zwei Brüdern, die im Auto tätlich verunglückt waren, IS Million Mark, mit deren Hilfe er seine sinan- ziellen Verhältnisse wieder in Ordnung brachte. Neu« Spielverluste nahmen ihm jetzt jede Möglich- keit, sich erneut zu sanieren.
Gitte G-hveEensttacht in KaMov
. a V 6 o r, 11- Wai. Am Samstag gegen 0 Uhr abends wurde bet 30 Jahre alte Zuschneider
Berlin, 11. Mai. Der 88jährige Kaufmann Karl Bethge hat sich heute aus dem Fenster seiner Wohnung im vierten Stock auf den Hof hinabge-. stürzt. Er blieb tot liegen. Die polizeilichen Er-
stürzt. Er blieb tot hegen.
Mittelungen ergaben, baß Bet!
it geistesgestört war und ________....
jetnerjerf berichteten Mord in Ruhleben, begangM. zu haben. Obwohl er sich zu der Zeit ber Tat nachweislich zuhause in ber Obhut seiner Angehörigen befunden hatte, lebte er in ständiger Furcht, daß die Polizei ihn verhaften wolle. Als nun heute morgen; der Briefträger an der Wohnungstür klingelte, Niß: Bethge das Fenster auf und sprang hinaus. '
Freitod des Leiters der Essener Wetterwarte g
Essen, 11. Mai. Der langjährig« Leiter der ? Essener Wetterwarte, Dr. Eckhardt, hat heute durch , Ertrinken in der Ruhr seinem Leben ein Ende gemacht. Die Leiche wurde bisher noch nicht gebor- gen. Die Beweggründe, di« Dr. Eckhardt in den Tod getrieben haben, stehen noch nicht fest. Seine wirtschaftlichen und Familienverhältnisse waren nach zuverlässigen Informationen durchaus geordnet. Kleidungsstücke und Brieftasche Dr. Eckhardt- würden nachmitags auf einer Ruhrwiese Kettwig gefunden; im Mantel befand sich ein Abschiedsbrief an seine Frau. Bekannte Dr. Eckhardts führen den Selbstmord auf Krankheit zurück.
Schülerkragödie
Bautzen i. $a., 10. Mai. Der Obersekundaner Gerhard Dils hat sich in der letzten Nacht erschossen. Wie aus einem hinterlassenen Brief heroorgeht, haben ihn innere Konflikte in den Tod getrieben. Der Schüler war Primus und erfreute sich der allgemeinen Achtung und Förderung seiner Lehrer. .
Eine Eifersuchiskragödie.
Paris, 12. Mai. In ber kleinen Stadt Dino« hat sich gestern eine Eifersuchtstragödie abgespielt. Ein Uhrniacher kam vor einiger Zeit mit seiner Freundin in eine Pension Dort hatte ihn seine Freundin mit dem Sohn ber 2Birt«Teilte verlassen. Sestern kam -der Uhrmacher in die Pension zurück und fand die Familie des Wirtes mit seiner Freundin beisammen. Er gab 7 Schüsse auf die Gruppe ab. Er tötete den Wirt und dessen Tochter und verwundete die Wirtin lebensgefährlich. Die beiden Söhne und feine ehemalige Freundin konnten flüchten. Einer der Söhne griff zum Gewehr und choß auf den Uhrmacher, ber schwer verletzt -«' ammonbrach.
Bei einem Automobilrennen verunglückt
Paris, 12. Mai. Bei dem Automobilrennen um den großen Preis von Algerien suhr die Rennfahrerin Baronin Elleou mit ihrem 2000 ccM- Bugatti-Wagen in eine sandige Stelle. Die Fah' rerin verlor die Herrschaft über den Wagen und raste gegen einen Telegraphenmaist. Die Fahrerin wurde aus dem Wagen geschleudert und war sofort tot.
Letzte Lekeseamme.
Gandhis KaGkolsev vevhaKet
Bombay, 10. Mai. Gandhis Nachfolger, der Sofâhrige Tyabji und seine 59 Freunde wurde« in Naosari verhaftet, al» sie ihren Marsch nach Dharfana angelreten Hallen, wo sie das unter Slaalskonlrolle arbeitende Salzwerk in „friedlicher Welfe" stürmen wollten.