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de« 6. Mat
1030
Das KemeKs
— Der erweiterte Vorstand der Deutsch-demo- kralischen Partei hat die Haltung der Reichstags- fraklion zur Regierung Brüning gebilligt.
— Auf dem westfälischen Zentrumsparkeitag sprachen Dr. Skegerwald und Dr. Brüning über Sozialpolitik bzw. über die nächsten Aufgaben der deutschen Innenpolitik. _
— Der Haushaltsausschnß des Reichstages begann gestern mit der Beratung des Reichsetaks für 1930.
— Die bürgerlichen Parteien und die Altsozia- listen in Sachsen haben sich über die Bildung eines unpolitischen Beamkenkabinetts geeinigt, das heule gebildet werden soll.
— Die für heute geplante Fahrt des „Graf Zeppelin" in die Schweiz ist infolge ungünstiger Mkterungsberichte abgesagt worden.
— In Berlin begann der Prozeß gegen den Bankier Kunert wegen Betrug gegen den Staat.
— In Bombay sand gestern wegen der Verhaftung Gandhis eine Protestversammlung statt, an der über 100 000 Personen teilnahmen.
— An der Madrider Universität sind neue schwere Unruhen ausgebrochen. Die Universität wurde geschlossen.
SvaMsnsksnMt im ÄusMuH
des des
Berlin, 5. Mai. Der Haushaltsausschutz BelchsÄP trat am Montag zur Beratung ‘ Etats für iSZg zusammen. Die Ausschußverhand- I langen über den Etat sollen bis Pfingsten zu Ende ' gebradjt werben.
Vor n die sachlichen Beratungen bean- i-tragts DWWMWWrer-Wrl0.au von der Ehr '' ' Arbeitsgemeinschaft, so" -»stellen, datz seinem Fraktionskollegen t. Ho« tz s ch das Referat über den Etat des Auswärtigen 2lmts verbleibt.
Von der deutschnationalen Fraktion war ein Schreiben emgegangen, in welchem sie mitte rlte, daß an Stelle des ausgeschi«den«n Abgeordneten Prof. Dr. Hoetzsch das Referat über das Auswärtige Amt der Abgeordnete Dr. von Freytag-Loring- hoven übernimmt, an Stelle des ausgeschiedenen Abgeordneten Dr. Mumm das Referat über den inneren Etat Sie Frau Abgeordnete Lehmann und daß die Abgeordneten Dr.-Quaatz das Referat über das Verkehrsminifteriüm und Dr. Hergt das Referat über das Reichsfustizministerium behalten. Dagegen sei die deutschnationale Fraktion bereit, das Referat über den Etat für Derforgungs- und Ruhegehälter an die Christlich-Nationale Ar- deitsgememf chaft abzutveten.
In einer eingehenden Aussprache wurde auf Vorschlag des Vorsitzenden Abgeordneten Stück- . len (Soz.) beschlossen, den Vorsitzenden und die beiden stellvertretenden Vorsitzenden mit der Ueber- prüsung dieser Frage zu beauftragen, und die Verteilung der Referate in einer der nächsten Sitzungen endgültig zu regeln.
GtaaiMeSvet««! Schmid übe« Oie politische Lage
Essen, 5. Mai. In der heutigen Jahreshaupt- Beriammtung der Deutschen Volkspartei von Groß- Den berichtet Reichstagsabgeordneter Staatssekretär^ Schmid über die politische Loge. Nach einer Erdigung der bevorstehenden endgültigen Räumung des'besetzten Rheinlandes, die für die gesamte Putsche Außenpolitik erst dl« nötige Bewegungs- für die Probleme des Ostens, der deutschen Minderheiten und der Abrüstung sichere, wandte er ich der innerpolitischen Entwicklung zu. Er erklärte, nach den jüngsten Erfahrungen die großen in« Unpolitischen Aufgaben der nächsten Jahr« im âch nur ohne die Sozialdemokratie gelöst werden tonnten, deren dauernder Ausschaltung von der Re- gièvungsverontwortunq damit natürlich nicht das Wort geredet werden falte. Das Kabinett Brüning werde von der Deutschen Volkspartei einmütig un- «erstützt in dein Vertrauen, daß es neben Landwirt- chaft und Osthilfö die Reichsreform, die Gesundung «r Wirtschaft und die Bekämpfung der bolschewisti- chen Zersetzungserscheinuligen nachdrücklich betret« ”tn und auch vor unpopulären Maßnahmen, ,na- “«d) in der Drosselung der öffentlichen Aus- 9®en, nicht zuviickschrecken werde. An der Sammlung her staatsbefahenden Kräfte auf möglichst br«i- Basis, die in Mannheim von dem Führer der Deutschen Volkspartei öfsentlich proklamiert worden werde die Deutsche Bolt spart« Weiterarbeiten.
Giröffnuus dev V. 3. I Anfang nöOftev Mache
, Vatis, 6. Mal. Wie „Havas" berichtet, verlau- U 'u Paris, daß England und Italien den MUngplan Ende dieser Wache ratifizieren wer- °L> daß die Eröffnung der B. I. Z. Anfang "°^ster Woche erfolgen könnte.
Die Demosraten und das Kabinett Vvünins
Dev Vavteworftand VMkst die Haltung der Reichstags fvaktkon
Berlin, 5. Mm. Vom frühen Morgen bis in den späten Abend tagte heute der demokratische Parteivorstand. Die Aussprache, die im Reichstage vor sich ging und an der etwa 50 Mitglieder des Vorstandes fast vollzählig teilnahmen, galt den krisenhaften Erscheinungen der letzten Wochen, von denen die demokratische Partei ebensowenig verschont geblieben ist wie die meisten anderen bürgerlichen Gruppen.
Ueber den Verlauf der Sitzung wird partei- offiziös folgendes mitgeteilt:
„Der Hauptvorstand der Deutschen Demokratischen Partei trat unter zahlreicher Beteiligung am Montag vormittag im Reichstag zu einer Erörterung der politischen Lage zusammen. Der Parteivorsitzende Koch- Weiser gab einleitend einem Uebèvblick über die Situation der Partei nach dem Ausamenbruch der Regierung Hermann Müller. Er schilderte die Notwendigkeit, eine Parlaments- und Staatskrise zu vermeiden, und legte die Gründe dar, die zur Beteiligung der Demokraten an der Regierung Brüning geführt haben. Die Haltung der Reichstagssraktion sei durch die Rede des Fraktionsvorsitzenden Meyer allen Wählern klargelegt worden. Besonders ausführlich behandelte Abg. Koch-Weser dis verschiedenen Bestrebungen zur Neugestaltung der Parte i k o n st e l la t i o n. Er stellte die Vorgänge der letzten Wochen nach allen Richtungen hin klar und zerstreute und mißbilligte unter der Zustimmung des Parteivorstandes die falschen Gerüchte, durch die in den letzten Wochen die Einigtet der Partei gefährdet worden sei. Abg. Koch-Weser bekannte sich zur Notwendigkeit einer Zusammenfassung der
die "als eine Mandatsoersicherung der heutigen Parlamentarier erscheine, sei unwirksam und aussichtslos. Auch in der kritischen parlamentarischen Lage vor Ostern fei von keinem verantwortlichen Führer über gemeinsame Listen verhandelt worden. Das Wichtigste fei, daß das demokratische Gedankengut gewahrt bleibe.
Die Aussprache ergab, daß die in der Öffentlichkeit aufgestellte Behauptung, die Reichstagsfraktion der Deutschen Demokratischen Partei habe sich in ihrer Stellungnahme zu dem Kabinett Brüning -durch Fusionsmögtichkeiten bestimmen lassen, völlig gegenstandslos ist und daß auch, wie bereits durch die Abg. Meyer und Dr. Fischer erklärt wurde, die Prèsseverlautbarungen über Verhandlungen wegen gemeinsamer Listen mit anderen Parteien jeder Begründung entbehren. Dieser Feststellung schloß sich'insbesondere auch der Abgeordneten Grzimek entgegen seinen früheren Informationen nach den Ergebnissen der Aussprache an.
Reichstagsabgeordneter Lemmer machte u. a. Mitteilung über den sozialrepublikonischen Kreis innerhalb' der Partei, der versuchen will, junge Menschen aus der deutschen Jugendbewegung und der aktven Jugendgeneration für die programm- matlsche Haltung und Zielsetzung der Demokratischen Partei aufzuschtießen.
Nach mehrstündiger Aussprache wurde einstimmig bei mehreren Stimmenthaltungen folgende Entschließung angenommen:
Zwei Minifievveden
Gtesevwaw und Bvüâg vor dem westfälischen Jenivum
Dortmund, 5. Mai. Auf dem westfälischen Provinzialparteitag des Zentrums wurden heute zwei beachtliche Reden gehalten. Einmal gab Reichsarbeitsminister Dr. Steger- wald einen wenig erfreulichen Ausblick auf die nächste Zukunft der deutschen Sozialversicherung. und ferner hielt Reichskanzler Dr. Brüning seine erwartete allgemeinpolitische Rede.
RerchSavveitsmittistev
Dr. Stegevwald
wies nach einer Darlegung und Verteidigung der Agrar- und Steuerpolitik der jetzigen Reichsregierung darauf hin, daß vom deutschen Volkseinkommen, das sich gegenwärtig auf 70 Milliarden RM im Jahre beziffere, etwa 23 Milliarden RM oder rund 30 v. H. für die Bedürfnisse des Reiches, der Länder und Gemeinden, der Kirchen und der Sozialversicherung, also für öffentliche Zwecke, aus laufenden Mitteln aufgebracht werden müßten. Auf soziale Zwecke und Pensionen entfielen etwa 212 Milliarden RM. Er habe an dieser Aus- gabenwirtschaft vieles auszufetzen und habe die Ueberzeugung, daß sich bei rechtem Zupacken in absehbarer Zeit nahezu eine Milliarde und bei cmcr einfachen und klaren Staatsorganisation auf die Dauer l^ bis 2 Milliarden einspnren ließen.
In den nächsten Wochen werde eine Kernfrage der deutschen Innenpolitik die fein, wieviel
„Der Parteivorstand der Deutschen Demokratischen Partei billigt das Verhallen der Reichs- kagsfraklion bei den Abstimmungen im April. Der Parteivorstand hat zu der Reichslagsfraklion und zu dem demokratischen Reichswirkschaftsmini- ster das Vertrauen, daß sie in der jetzigen Kombination die Grundsätze der Partei wahren und aus deren etwaiger Verlegung mit Entschiedenheit die Folge- rungen ziehen werden."
"Der Parteiausschuß der Deutschen Demokratischen Partei wird am 25. Mai in Halle zu einer Tagung zusammentreten.
heitre unmöglichen Iumutuugeu^
tm
Berlin, 5. Mai. Zu den Behandlungen .... demokratischen Parteivorstand schreibt der parteiamtliche Demokratische Zeitungsdienst
u. a. folgendes:
Es hat keinen Zweck, krisenhafte Erscheinungen, die einen realen Urgrund haben, hinwegleugnen zu wollen oder sie hinwegzudisputieren. Aber ec.KNw notwendig ist es, künststchs. Parteitpisen so schnell wie möglich zu beseitigen. Der Vorstand der Demokratischen Partei ging dann auch bei seinen Beratungen der großgeredeten Krise energisch zu Leibe und hat ihr endgültig den Garaus gemacht. Und bei diesen Verhandlungen, die sehr offen und — wie gar nicht verschwiegen zu werden braucht — oft auch recht temperamentvoll geführt wurden, zeigte sich denn auch sehr bald, daß vielfach aus Gerüchten Tatsachen gemacht wurden, daß Behauptungen, die nicht bewiesen werden konnten, in der demokratischen Wählerschaft an einer Anzahl von Orten Beunruhigung heroorgerufen haben. Die Erklärungen des Parteivorstandes sind durchaus geeignete Mittel, um diese Beunruhigung wieder zu beseitigen: Niemand in der Demokratischen Partei denkt daran, demokratisches Erbgut preiszugeben. Bei der Beurteilung der gegenwärtigen Reichspolitik gab und gibt es innerhalb der Demokratischen Partei unterschiedliche Meinungen. Diese Stufenunterschiede aber sind keine prinzipiellen Unterschiede. Die Reichsregierung und die Regierungsparteien wissen auch, daß die Demokraten, falls ihnen Unmögliches zugemutet wird, diesem Kabinett keine Unterstützung mehr leiben werden.
Zu den „unmöglichen Zumutungen" rechnet der Demokratische Zeitungsdienst z. B. einen Versuch der Reichsregierung, aus dem Panzer fchiffL schließlich doch noch eine Kabinettsfrage zu machen, und im Schulgesetz im Sinne Keudells. Einstweilen jedoch, so bemerkt der Aufsatz zum Schluß, könne mit solchen Plänen nicht gerechnet werden.
Arbeitslose Deutschland im Jahresdurchschnitt 1930 zu versorgen haben wird.
Während wir 1929 durchschnittlich 1,275 Millionen Arbeitslose monatlich hatten, rechne das Institut für Konjunkturforschung für 1930 mit einer durchschnittlichen Zahl von 1,5 bis 1,7 Millionen Unterstützten, während in der Arbeitslosenversicherung nur für 1,2 Millionen Mittel zur Verfügung stünden und in der Krisenunterstützung für rund 200 000. Treffe die Annahme des Instituts für Konjunkturforschung zu, dann fehlten für 1930 noch einige 100 Millionen RM. Es könne aber auch noch schlimmer kommen. Nach seiner Auffassung werde das Jahr 1930 neben dem Jahr 1926 das schlimmste Arbeilslosenjahr. das Deutschland ,e gehabt habe.
Er stehe nicht auf dem Standpunkt, daß die deutsche Arbeitslosenversicherung in ihrem arganrsotorisc^n Aufbau ein Kräuterlein „Rührmichnichtan" sei. Er sei jedoch der Meinung, daß in der gegenwärtigen (Fortsetzung auf Seite 2)
Älesvvtetts Keeihettskamvs
Die Augen der Welt sind auf die indische Freiheitsbewegung gerichtet, auf die dramatischen Borgänge in diesem Lande, wo die englische Regierung mit immer wachsenden Schwierigkeiten den Feldzug Ghandis und die Kampfparolen der indischen Nationalisten einzudämmen versucht. Wird bet, Brand, der durch Ghandis Feldzug entfacht wurde, durch das Vorgehen der Machthaber u. a. durch die Verhaftung des Freiheitsführers gelöscht oder zu einer nicht mehr aufzuhaltenden Katastrophe gesteigert, das ist das große ungelöste Problem der Vorgänge in Indien. Zweifellos ist es ein ernstes und gefährliches Spiel, welches von der britischen Macht jetzt in Indien gespielt wird. Genau dasselbe Spiel kostete England vor ca. 150- Jahren den Verlust seiner nordamerikanischen Kolonien. Dieser Unnachgiebigkeit Englands verdankt die Well die Entstehung der Vereinigten Staaten von Amerika.
Im Schatten dieses weltgeschichtlichen Vorganges in Indien verblassen die Ereignisse, welche sich zur Zeit in anderen Teilen des britischen Imperiums abspielen. Diese Ereignisse, die gleich dem indischen Freiheitskampfe ihre tiefere Ursache in dem Erwachen des nationalen Bewußtseins der breiten Bolksmassen der Völker des Orients haben, verdienen aber tm weitesten Ausmaße die Aufmerksamkeit der europäischen Oeffentlichkeit. Denn es handelt sich dabei im Grunde keineswegs um eine rein britische Angelegenheit. Das Problem ist in seinen weiteren Auswirkungen für die zukünftige Entwicklung der ganzen europäischen fötüijdüKit bestimmend: die Völker Asiens in s Afrikas, diese Millionen farbiger Menschen wollen das Joch des weißen Mannes — heute ist es der Engländer, morgen wird es vielleicht der Franzose oder Holländer sein — nicht länger tragen.
Unter diesem Gesichtspunkt sind die neuesten Forderungen der national-ägyptischen Regierung, die auf die volle Unabhängigkeit Aegyptens hinauslaufen, von großer Bedeutung. Seine geographische Lage macht Aegypten zu einer Brücke zwischen Afrika und Asien. Strategisch betrachtet, bildet Aegypten ein Glacis, das die Zugänge aus dem europäischen Mittelmeer nach den Gewässern des Persischen Golfs und des Indischen Ozeans beherrscht. So lange England seine Truppen an der ägyptischen Seite des Suez-Kanals unterhalten kann, besitzt es den Schlüssel zu dieser wichtigsten Verbindungsroute zwischen Europa und Asien, zwischen dem Mutterlande und seinen asiatischen Besitztümern.
Es genügt, sich für einen Moment vorzustellen, daß nach der Entfernung der britischen Truppen aus Aegypten die ägyptische Regierung jederzeit in der Lage sein würde, den Durchgang britischer Schiffe unb den Transport britischer Militärkräfte durch den isuez- kanal nach Indien zu unterbinden, um die Tragweite der Unabhängigkeitsbestrebungen der in Aegypten regierenden nationalen „Wafd"-Partei zu ermessen. Aegypten ist keine britische Kolonie, auch kein englisches Dominion. Formell und völkerrechtlich ist Aegypten ein freier Staat, dessen Unabhängigkeit auch von England anerkannt wurde. In Wirklichkeit aber wird das Land von England beherrscht, von dem englischen Kommissar überwacht, von der britischen Besatzung in Gehorsam gehalten.
Außerdem haben es die Engländer gut ver- standen, die eigenartige geographische Lag- Aegyptens zur Stärkung ihrer Machtposttion auszunutzen. Wie bekannt, verdankt das Land feine Exfstenzmöglichkeit dem Nilstrom, der im Gebiete des oberen Sudan feinen Lauf nimmt. Dort, in dem von den Engländern beherrschten Sudan, liegen die Voraussetzungen allen ägyptischen Lebens. Mit dem Moment, wo die Engländer den Zustrom der Gewässer aus dem Sudan zum mittleren Lauf des ewigen Flusses sperren würden, wäre Aegypttn auf Gnade und Ungnade den englischen Machthabern ausgeliefert. „ ,, .
Die ägyptische Regierung Nahov-Pascha.' begnügt sich nicht mit dem vom Kabinett Macdonald gemachten Vorschlag, die britisme^Be- satzung auf dem ägyptischen ^lfer^des^Suez-
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