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AMwoch, den 30. April 1930

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Die Svfev

dev Sva« GOmerrns

Ueber das Schicksal der zwölf jungen Berline­rinnen die wie erinnerlich, vor einiger Zeit mit einer Frau Schmeling nach Südamerika aus­gereist sind, um dort angeblich als Tänzerinnen auf- zutreten, bringt eine deutsche Zeitung in Süd­amerika aufskhenerlegend« Mitteilungen. Diese Ver­öffentlichungen werden durch inzwischen in Berlin eingetroffene Briefe der Mädchen bestätigt. Mit dem Material, das über das traurige Schicksal der Mädchen weitgehendste Aufschlüsse gibt, beschäfti­gen sich sehr eingehend die Berliner Polizei und das nationale Komitee zur Bekämpfung des Mäd­chenhandels. Beide Stellen haben sich mit den zu­ständigen Behörden in Montevideo in Verbindung gesetzt" und in der Anlegenheit Schmeling inter­veniert.

In den Veröffentlichungen des deutschen Blattes heißt es u. a., daß sich der Transport wesentlich anders abgespielt habe, als die deutschen Belsijrdcn geglaubt hätten. Ein Berichterstatter habe nach der Unkunst in Rio de Janeiro die Truppe ausgesucht. Das Schiff durften die Mädchen nicht verlassen, da ihnen (wie gemeldet) die Einreiseerlaubnis versagt wurde. Der Versuch, mit den Mädchen zu sprechen, sei am Widerstand der Frau Schmeling gescheitert. Schließlich habe der Berichterstatter ein Mädchen doch fragen können, wo sie in Buenos Aires woh­nen würden. Die Unternehmerin habe hierüber jede Auskunft verweigert. Das Mädchen wußte es nicht und habe nur gebeten, an Bord gemachte Aufnah­men in die Pension Parisia zu schicken. Das Blatt stellt dann fest, daß

diese Pension der Treffpunkt der Wädchenhänd- ler aus ganz Argentinien ist.

Die Mädchen werden von da verschleppt unter dem Vorwand, daß man ihnen im Innern von Ar­gentinien ein günstiges Engagement besorgt habe. In Wirklichkeit, sind sie das Eigentum von Mäd­chenhändlern geworden, die für ihre Opfer minde­stens 30004000 Pesos zahlen müssen. Neun von den zwölf Mädchen leben in den dürftigsten Ver­hältnissen, weil die ihnen von Frau Schmeling be­sorgten Engagements kaum als solche bezeichnet werden können. Die Mädchen müssen in Animier­lokalen übelster Art arbeiten. Unter den Mädchen befindet sich auch eine conja Jacken, die mit einem in Berlin lebenden Amerikaner Wolk verlobt ist. Wolk hat seine Braut bis Le Havre auf den Dampfer begleitet. Er teilte jetzt mit, daß sich be­reits nach der Ausreise in Hamburg

an Bord furchtbare Szenen abgespielt hätten. Erst jetzt waren sich die Mädchen klar dar­über geworden, in welches Unternehmen sie von der Frau Schmeling geführt worden seien. Er Wolk sei auf das höchste überrascht gewesen, als er sich den mir seiner Braut abgeschlossenen Vertrag ge­nau durchgelesen habe. Der Vertrag habe nicht, wie .zuerst gesagt, auf Anstellung als Tänzerin, sondern auf Anstellung alsTischdame" gelautet. Aus den Briefen, die er inzwischen von seiner Braut erhal­ten habe, gehe hervor daß alle Mädchen wie in einem Gefängnis leben müssen. Am Montag habe er Wolk von seiner Braut einen Brief aus Montevideo erhalten, aus dem hervorginge, daß es ni Rio de Janeiro erneut zu furchtbaren Szenen gekommen sei. Die Hafenarbeiter hätten sich ge-

waltsam Zutritt zum Dampfer verschafft und von Frau Schmeling Aufklärung verlangt.

Die Arbeiter hatten durch die Zeitungen Kennt­nis von der Ankunft -dieses fragwürdigen Trans­ports erhalten. Nur dem Eingreifen der Schiffs- leitung fei es zu verdanken gewesen, daß man Frau Schmeling nicht tätlich angegriffen hat. Die Braut von Wolk sagt in ihren Briefen weiter, daß sie unmöglich schildern könne, wozu die Mädchen durch den Geiz und die Herzlosigkist der Frau Schmeling gezwungen würdest. Aus anderen Pvi- vatmeldungen aus Montevideo geht weiter her­vor, daß sich

eines der Mädchen aus Verzweiflung über ihre trostlose Cage bereits vergiften wollte.

Zwei andere Mädchen der Truppe, die, wie es heißt, vorübergehend in einem verrufenen Lokal beschäftigt worden waren, sollen jetztverschwun­den" sein.

Neues ÄLsbvttOsveââ im Gefängnis von Solnmbns

Columbus, 29. April. Eine Anzahl Sträf­linge versuchte einen gemeinsamen Ausbruch aus dem Staatsgefängnis. Die Wärter schaffen auf die Sträflinge, von denen mehrere verletzt wurden. An den Ausgängen des Gefängnisses wurden Maschinen­gewehre ausgestellt.

Columbus, 29. April. Als die Milizsoldaten im hiesigen Gefängnis mit der Errichtung eines Stachel­drahtes zur Einpfählung des Gefängnishofes be­gannen, um die meuternden Sträflinge dort feft- zuhalten, bis die Hunderte von beschädigten ZeUen- schlössern wieder ausgebessert waren, unternahmen die Sträflinge eines Gefängnisteiles, wie bereits kurz gemeldet, einen Ausbruchsversuch. Die Wär­ter eröffneten darauf hin ein Gewehrfeuer und trie­ben die Sträflinge von den zum Haupteingang füh­renden ttiiren zurück. Etwa 200 Schüsse wurden abgegeben, die mehrere Sträflinge verwundeten und zahlreiche Fensterscheiben zertrümmerten. Die Sträf­ling« sielten eine zeitlang mehrer« Wärter fest, gaben sie aber frei, als die Milizoffiziere mit deren cswalrsamen Befreiung drohten. Fast alle Sträf­linge sind in ihre Zellen zurückgekehrt, woraus wie­der Ruhe eintrat. Die herbeigerufene Feuerwehr wurde angewiesen, Löcher ins Zellendach zu bohren, um bei erneutem Aufruhr Tränengasbomben durch­zu werfen.

Die Plädoyer im Falke-Prozeß

Hamburg, 29. April. Im Falke-Prozeß began­nen heute die Plädoyer der Verteidiger mit einer mehrstündigen Rede von Rechtsanwalt Alsberg, der die Anklage der Staatsanwaltschaft, die auf Men­schenraub lautete, als unhaltbar bezeichnete. Dr. Alsberg wird fein Plädoyer morgen fortfetzen. Es folgen dann die übrigen Verteidiger, so daß das Urteil voraussichtlich erst am Samstag gefällt wer­den kann.

Weiße gegen farbige Matrosen in England

London, 29. April. Der seit langem herr­schende Streit der Einstellung farbiger Matrosen auf britischen Schiffen im Zeichen der Arbeitslosig­keit unter den weißen Seeleuten führte heute in Rorlh Shields (Vor mbèrlän d) zu bluligen Ju- jammenstößen zwischen farbigen und weißen Watro-

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Boxkampsschiedsrichter und Mädchenhändler

Paris, 29. April. In Mllefranchesur-Mer sind gestern von der Kriminalpolizei drei Individuen und zwei Frauen verhaftet worden, die Spezialisten des Mädchenhandels sind. Sie waren im Begriff, sich nach Buenos Aires einzuschiffen. Der Fall erweckt deshalb ganz besonderes Interesse, weil zwei der Verhafteten in den französischen Voxerkreisen eine große Rolle spielen. Der eine, Neury di Nicola, der in seinem Koffer "für 350 000 Franken Wertsachen mit sich führte, ist offizieller. Schiedsrichter der fran­zösischen Boxsportbehörde, und der zweite, mit Namen Pascal, ist Boxmanager und Trainer des bekannten französischen Boxmeisters Kid Francis.

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Gesangverein der Marienkirche. Die morgige Chorstunde um 8.15 Uhr abends im Evgl. Vercins- Hause muß von allen Mitgliedern besucht werden, da wichtige Vorbereitungen.

Deutscher Beamtenbund, Ortskartell Hanau. Wir verweisen nochmals auf die heute abend 8 Uhr im RestaurantZur Sonne", Diarktstrahi stattfindende Hauptausschußsitzung.

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Evang. Kasino, Gesaugrableilung. Morgen abend Singstunde im RestaurantKrieg", Sandeldamm Pünktliches und vollzähliges Erscheinen unbedingt erforderlich.

Turn- und Jachtklub. Freitag um 9 Uhr Ver­einsabend. Besprechung des Stasfellaufs, Bekannt­gabe der Mannschaftsaufstellung usw. Es hat alles zu erscheinen. 745

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Mittwoch, den 30. April.

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Die Wahlen zuin Elternbeirat finden am Sonn­tag den 1. Juni von 813 Uhr im Anstaltsgebänie statt. Die Liste der Wahlberechtigten liegt vom Montag den 5. Mai bis Samstag den 17. Mai im Amtszimmer des Hausmeisters zur öffentlichen Ein­sicht aus. Montag den 5. Mai, 20 Uhr, werden alle Eltern der Schüler, die die Hohe Landesschvlk besuchen, zu einer Elternversammlung in die An­staltsaula gebeten.

Der Direktor. Grießbach.

Polizei ver»rdung betreffend Aufhebung einer Polizeiverordnung.

Auf Grund der §§ 5 und 6 der Verordnung über die Polizeiverwaltung in den neuerworbenen Lan­desteilen vom 20. September 1867 (G. S. S 1529) und des § 143 des Gesetzes über die allgemeine Lan­desverwaltung vom 30. Juli 1883 (G. S. S. 195) wird nach Zustimmung des Gemeindevorstandes für den Bereich der Gemeinde Mittelbuchen folgende Polizeiverordnung erlassen:

§ 1.

Die Polizeiverordnung vom 17. April 1907 be­treffend Straßenanlegung wird aufgehoben.

§ 2.

Diese Polizeiverordnung tritt mit dem Tage ihrer Veröffentlichung in Kraft. uJ

Mittelbuchen den 28. April 1930. -M

Die Ortspolizeibehörde. Köppel. D mmmmmmimmmmmmV

Verlags Direktion: Paul N a e k.

fiaaptscIirjWeitnng: Richard H ti 11 s e >r Verantwortlich für Politik and allgemeinen Teil B Halise, h_, für Lokales und Feuilleton? Werner , R m a B B . für Sport end Provinz: HansiOtH^ B ^h l ä g r a für Anzeigen und Reklamen: F.^

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