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Samstag bett

26. April

1930

Das netteste

Aus Anlaß der fünfjährigen Amtstätigkeit des Reichspräsidenten von Hindenburg wird durch die preußische Staatsmünze eine MedailleReichsprä­sident van Hindenburg. 1925/30 in Bronze, Silber und Gold geprägt, die demnächst zur Ausgabe ge­langen wird.

3n der gestrigen Sitzung des deulschnationalen Pärteivorstandes ist die Spaltung vermieden wor- den. Man einigte sich aus ein dehnbares Kom­promiß.

Die Danziger Mikkelparkeien. die der demo­kratischen Partei nahestehenden Deutschliberalen, die volksparteilichen Rationalliberalen, die Liberal- Deutsch-Danziger Dolkspartel und die Beamken- gruppe haben sich zu einer Arbeitsgemeinschaft im Volkstag zusammengeschlossen. Die neue volktslag- fraktion zählt über 20 Abgeordnete und bildet damit nach den Sozialdemokraten und dem Zentrum die dritkstärkste Fraktion des Bolkstages.

Die Zecht der Haupkunkerfkützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung ist zwischen dem 1. und 15. April 1930 um rund 195 000 Personen auf 1859 000 zurückgegangen, während sich in der Krisenunlerslützung die Unkerftühtenzahl um etwa 8700 auf 302 000 erhöht Hal, so daß insgesamt in beiden Unkerslützungseinrichtungen bis Mitte April 1930 rund 2 160 000 Haupkunkerfkützungsempfänger unterstützt worden sind.

Gvaf Ievverk«" auf der Ettglaudfahrrt

Irledrlchshafen, 26. April. 3n den len aer ersten Morgenjonne ist das Luftschiff

^ahrk nach England gestartet An Borb befinden sich 13 Passagiere, darunter Kapikönleulnank Dietrich aus Kassel, der vor Jahren als Luftschifführer tätig Spar, ferner Lady Drummond, die am Wellflug des .Graf Zeppelin" teilgenommen hat und Mrs. Elaeaver, die bekannte Fliegerin. Der Aufstieg ging lgut vonsiatlen. Das Luftschiff entfernte sich in Rich­tung Basel.

Friedrichhafen, 26. April. Wie aus einer Unter­redung mit Kapitän Lehmann hervorgeht, führt der Weg des Luftschiffes über Basel, Besancon nach Paris, wo Post ab geworfen wird. Sodann fliegt es in direkter Richtung über den Kanal nach London, wo es zwischen 15 und 16 Uhr erwartet wird. Nach einigen Schleifen über der Stadt wird es den Lust­schiffhafen Cardington anfliegen, der von London etwa 60 Kilometer enternt ist. Die Landung in Cardington dürfte zwischen 17 und 18 Uhr erfolgen. Der Ankermast wird dabei nicht benutzt werden. Das Luftschiff wird von der dortigen Haltemannschast während des Aufenthaltes, für den etwa zwei Stun­den vorgesehen sind, festgehalten werden. Der Rück­flug, für den bereits alle Plätze vergeben sind, wird vor Eintritt der Dunkelheit gegen 10 Uhr angetreten werden und wahrscheinlich auf derselben Strecke wie beim Hinflug vonstatten gehen. Die Landung in Friedrichshafen wird am Sonntag früh voraussicht­lich zwischen 7 und 8 Uhr vor sich gehen.

Basel, 26. April. Um 7.35 Uhr überflog das LuftschiffOraf Zeppelin" Basel und verschwand kurz darauf in der Richtung Mühlhausen (Elsaß). Um 8.50 Uhr überflog das Luftschiff Besancon.

Ette« zu EhM«

Dv. Gârrevs in Lorrds«

London, 25. April. Der Staatssekretär für das Luftfahrtwesen Lord Thompson gab heute abend zu Ehren Dr. Eckeners im Ritz-Hotel ein privates Essen, an dem der Unterstaatssekretär für Lust­fahrt Montague, der Chef der Luftstreitkrä-ste Sal­mond, der Chef des Stabes der Lrfftstreitkräfte Hig­gins, Airvizemarshal Webb Bowen, Commander Burney, der Direktor für Zivilluftfahrt Airvize- niarfhal Brancker und der Master of Sempill teil- uahmcn.

Ein zweiter AachtvaaS» bauShalt 1929 ?

Berlin, 25. April. Noch ehe sich der Reichstag niit dem Haushaltsplan des Jahres 1930 beschäfti­gen konnte, hat sich Herausgestellt, daß das end­gültige Gleichgewicht im Reichshaushaltsplan für das Rechnungsjahr 1929 auch durch den vor Ostern verabschiedeten Nachtragshaushalt nicht erreicht wor­den ist. Stach dem Ausweis für die Reichseinnahinen in den letzten Monaten des Rechnungsjahres 1929 d h- für die Zeit von Januar bis März 1930) sind Millionen Mark weniger eingegangen, als dem berichigten Voranschlag entsprach. Zu diesen Min­dereinnahmen kommen Mehrausgaben, die beson­ders durch das allzu langsame Abfinken der Arbeits- losenzahl hervorgerufen ist. Man wird sich daher "üt dem Gedanken vertraut machen müssen, daß die Reichsregierung den gesetzgebenden Organen einen

Gindeuvmrs fönt Lahre AeichspvWdent

Es lag doch eine tiefe Weisheit darin, daß ein Gemeinwesen des Altertums sich einen Rat der Alten schuf. Es war die Erkenntnis, daß im Alten, auch wenn Körperkraft und Geistesspannung ihren Höhepunkt überschritten haben, doch ein solcher Schatz von Erfahrungen dem Geiste- bewußt oder unbewußt zur Auswirkung kommt, daß niemand das uneigennützige, abgeklärte Urteil des Alters missen, daß keine jugendliche Schaffensfreude keine männliche Schaffenskraft diesem Schatz gleich­wertiges entgegensetzen kann.

Diese Erfahrung hat auch das deutsche Volk in den letzten fünf Jahren gemacht, seitdem der an Erfahrungen reiche Hindenburg als Reichspräsident

MM

wirkt. Heute vor fünf Jahren wurde Generalfeld- marschall von Hindenburg, nachdem er sich aus seiner Zurückgezogenheit, Muße und Beschaulichkeit, auf die hohes Alter ein natürliches Recht hat, dem deutschen Volke ein zweites Mal zur Verfügung gestellt hatte, zum Reichspräsidenten gewählt. Fünf Jahre sind seitdem ins Land gegangen und Hinden­burg hat während dieser Zeit bewiesen, daß er in hohem Maße die Eigenschaft hat, die den Greis besonders in Notzeiten vor vielen anderen befähigt, an der Spitze eines Volkes zu stehen: die Weisheit. Das deutsche Volk kann heute mit Genugtuung die Feststellung treffen, daß seinerzeit der Reichsblock richtig beraten war, als er an Hindenburg heran­trat und ihn als Kandidat für die Reichspräsidenten- schaft aufftellte. Die Zeit, in der das deutsche Volk die erste Präsidentenwahl vornahm, war ^ehr ernst. Das Volk war zerklüftet, fast jede Partei hatte ihren Kandidaten aufgestellt, die politische Hetze hatte Formen angenommen, wie wir sie uns heute gar­nicht mehr vorstellen können. Auch nachdem Hinden­burg sich zur Kandidatur bereit erklärt hatte, ließ diese Hetze nicht nach. Wir erinnern daran, daß eine große Berliner Bilderzeitung auf der Titelseite zwei 'Aufnahmen brachte, von denen die eine den Kan­didaten des Volksblockes, Marx, als den Typ des Zivilisten, als den deutschen bürgerlichen Mann schlechthin und die andere den Kandidaten des Reichsblockes, Hindenburg, in Uniform zeigte, die Brust mit Orden bedeckt, hinter ihm und rings um ihn her in Reih und Glied die Feldgrauen, als ob Deutschland wieder in Waffen starren würde, sobald der Feldmarschall gewählt werden sollte. Von links wurde der ganze Wahlkampf unter der ParoleRepublik oder Monarchie"Krieg oder Frieden" geführt. Kein Wunder, daß auch die Aus­landspresse, vor allem die französische, in das gleiche Horn blieb und die Kandidatur Hindenburgs, wie auch seine Wahl, mit Mißtrauen beurteilte. So schrieb derTemps":Die Lage ist jetzt wenigstens klar geworden. Am 26. April wird durch die Volks­abstimmung entschieden werden, zwischen der Re-

zweiten Nachtragshaushakt 1929 vor- so werden während des Rechnungsjahres 1930 diese legen wird, der sich auf 150 Millionen Mark 150 Millionen Mark auf der Reichskasse lasten.

und darüber hinaus belaufen wird.

Wird dieser Mehrbedarf erst nach dem form

lichen WWutz der JgtzresreKmmg ausgewiesen, Augenblick, m fern der Steuerabbau «Meten M.

publik und der Monarchie, zwischen der Konsoli­dierung der Verfassung von Weimar und der Wie­deraufrichtung des Kaisertums zum Schutze der Hohenzollern". Und nach der Wahl Hindenburgs schrieb derPetit Parrsien":Die deutsche Re­publik hat aufgehört zu existieren I"

Nun ist alles anders gekommen. Die deutsche Re­publik existiert noch, im Gegenteil, sie ist heute ge­festigter denn je, denn mit der feierlichen Vereidi­gung Hindenburgs auf die republikanische Ver­fassung stellten sich auch weite Kreise des deutschen Volkes, die bis dahin der Republik noch abhold waren, auf chren Boden und arbeiteten für den Wiederaufbau unseres Vaterlandes. Mit Hinden­burgs Wahl trat in unserer innenpolitischen Atmosphäre eine bedeutende Entspannung ein, was wohl kaum der Fall gewesen wäre, wenn ein par­teipolitischer Kandidat zum obersten Beamten des Reiches gewählt worden wäre. Und außenpolitisch? Der außenpolitische Kurs der Verständigung ist auch unter Hindenburgs Reichspräsidentenschaft fortge­setzt worden und auch hier konnte man die Fest­stellung machen, daß weite Kreise des Volkes Hindenburgs Beispiel folgten und sich hinter die Verständigungspolitik stellten.

Reichspräsident von Hindenburg hat in den ver­flossenen fünf Jahren die deutschen Geschicke un­parteiisch und korrekt gelenkt und verwaltet, ohne

nach links und rechts zu schauen. Es ist in Er I Führers der Deutschen Volkspartei, Dr.

ier Um

ich Namens

mft, die Würde des

nach innen und außen wahrt und den konfessionellen und sozialen Frieden will, und bitte ihn: Hilf auch du mit zur Auferstehung unseres Vaterlandes!" Unter Opfern und Mühsalen ist Deutschlands Weg aufwärts gegangen, und an dieser Aufwärts­bewegung muß auch Hindenburg ein groß Teil des Verdienstes zugesprochen werden. Wir wissen, daß er wiederholt in das Spiel der Kräfte eingegriffen hat, und daß die Lösungen, die er befürwortete, immer die richtigen waren und aus den Wirrnissen herausführten. Sein ganzes Streben stand unter dem LeitmotivDas Vaterland über alles" und war dahin gerichtet, das deutsche Volk zu einigen, jene Einigkeit herbeizusühren, die er vor seiner Wahl in den Vordergrund einer kurzen Programm­

rede stellte:

. Der schönste Abschluß meines

Lebens wäre es, wenn ich noch sehen dürfte, daß wir uns wieder mit der gleichen Einigkeit in fried­licher Arbeit im Wiederaufbau des Volkes zu­sammenfinden, die uns einst beseelt hat. Der Wille zur Einigkeit hat nichts mit Parteipolitik zu tun, sondern entspricht dem gesunden Nationalgefühl des

deutschen Volkes .. .* Unter Hindenburg vor fünf Jahren Diese Parole zu verwirklichen ganzes Sinnen und Trachten.

dieser Parole ist gewählt worden, galt und gilt sein Aussöhnend stand

und steht diese Persönlichkeit hoch und erhaben da und so ist es gekommen, daß auch jene Kreise, die seinerzeit gegen die Wahl Hindenburgs waren, heute in Verehrung zu ihm emporschauen. So er­klärt derDemokr. Zeitungsdienst": . . . und ge­rade diejenigen, die in dem Kampf um die Wahl von Eberts Nachfolger Bedenken gegen die Kandi­datur des Feldmarschalls gehabt hatten, werden heute nicht anstehen, freimütig zu bekennen, daß diese Bedenken überflüssig waren und daß der zum - obersten Beamten der Republik gewählte oberste kaiserliche Heerführer an Pflichttreue und Pflichterfüllung gegenüber dem neuen Staate von niemandem übertroffen werden kann." Diese Wand­lung ist auch im Auslande allgemein wahrzuneh­men, das Hindenburg schätzt und verehrt. Wir zi­tieren nur ein Blatt, dieTimes", die am letzten Geburtstage Hindenburgs schnell,Die treue Amts­führung und Pflichterfüllung Hindenburgs erweckt die Bewunderung der ganzen Welt . . . Das deutsche Volk hat allen Grund zur Dankbarkeit für seine feste, unparteiische Leitung der Geschäfte."

Das gesamte deutsche Volk mit Ausnahme ver­hältnismäßig kleiner Kreise steht heute hinter Hin­denburg, bringt ihm am heutigen Gedenktage. Dank­barkeit und Verehrung entgegen und hofft, daß er uns noch viele Jahre erhalten bleibt. R. H.

Nach der Haushaltsordnung muß dieser Betrag im

Rechnungsjahr 1931 gedeckt werden, also in dem

Die Woche

Nach den harten Kämpfen vor Ostern ist in der Innenpolitik eine Ruhepause einge» treten. Die Minister sind in Osterurlaub ge­gangen und kehren erst in diesen Tagen nach Berlin zurück. Trotz dieser Ruhepause mangelt es natürlich nicht an Stoff zu innerpolitischen Betrachtungen. Einen Teil desselben liefern die zahlreichen Aeußerungen von Partei­führern in Osterartikeln, die sich fast sämtlich mit der Notwendigkeit einer Reform unseres Parteiwesens beschäftigten. Nun ist die Fest­stellung dieser Notwendigkeit ja nichts Neues auch wir haben uns in den letzten Wochen wiederholt mit ihr beschäftigt, haben auch darauf hingewiesen, daß mit der Verwirk­lichung dieser Bestrebungen nicht mehr nid Zeit zu verlieren ist, wenn die alten Parteien nicht unter den Schlitten kommen wollen< und die Vorgänge in den letzten Wochen vor dem Feste haben ja die Unhaltbarkeit dec jetzigen Verhältnisse deutlich bewiesen. Immer­hin ist es interessant, daß sich jetzt auch Partei­führer zu dieser brennenden Frage äußern, wenn sie sich auch über das Wie der Reform noch in Schweigen hüllen. Letzteres ist ja verständlich, denn eine solche Reform erfordert zunächst vertrauliche Arbeit, Kulissenarbeit, aber die Osterbetrachtungen lassen doch er* kennen, daß diese Arbeit bereits im Gange ist. Man spürt das' Kommende, ohne es genas umschreiben zu können und man kann sich heute nur der Hoffnung hingeben, daß diese Arbeit von Erfolg gekrönt sein möge.

Bemerkenswert sind die Ausführungen ds.

â

Weite Kreise des deutschen Bürgertums sind seit längerer Zeit, das muß offen ausge­sprochen werden, des bisherigen Par­te i w e f e n s und des Streites innerhalb des gesamtbürgerlichen Lagers herzlich satt. Es hieße die Zeichen der Zeit nicht verstehen, wenn man nicht versuchen wollte, hier auch ohne Bindung an alte Parteischranken gr ö^ ßeren Zusammenschlüssen die Wege zu e b n e n. Es muß gelingen, diejenigen Par­teien und Gruppen des deutschen Volkes, die sich auf den Boden aktiver Mitarbeit am Staat stellen, zu stärkerer Zusammenarbeit mit dem Ziel engerer Bindungen zu vereinigen. Eine Zusammenfassung dieser aktiven bürgerlichen Kräfte bei einer künftigen Wahl wird auch, davon darf man überzeugt sein, ein gutes Mittel zur Bekämpfung der im bürgerlichen Lager leider weit verbreiteten Wahlmüdigkeit bilden".

Diese Ausführungen decken sich mit unserer wiederholt zum Ausdruck gebrachten Ansicht über den Weg, der zu beschreiten ist. Wir haben nach erfolgter Bildung der neuen Re, gierung darauf hingewiessn. daß man ver­suchen "muß, die jetzigen Regierungsparteien zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammenzu, schmieden, aus der dann jene große bürger­liche Partei hervorgehen kann, deren Bildung bereits Stresemann vorschwebte. Auch Schötz will der Gründung jener Partei die Wege ebnen, indem er zunächst diejenigen Parteien und Gruppen des deutschen Volkes, die sich auf den Boden aktiver Mitarbeit am Staat stellen, enger zusammengeschloffen wissen will, um aus diesem Zusammenschluß zu der großen Partei zu kommen, zu einer großen deutsckzcn Staatspartei, über die Deutschland nur ein­mal und in einer sehr kurzen Epoche seines staatlichen Daseins im ersten Jahrzehnt nach der Reichsgründung verfügt hat, die dann an den Fehfern des Kulturkampfes und an dem Zorn des Titanen Bismarck zerbrach, der sie in den Tagen seines Alters gerne wieder er­neuert hätte, als es zu spät war. Gewiß ohne Schwierigkeiten wird es dabei nicht abgeheri, aber bei einigermaßen gutem Willen uni) vor allem bei Ausschaltung der Parteibureaukra- . tie diese sind ohne Zweifel die grundsätz­lichen Gegner jedweder Erneuerung des Par­teilebens muß dieser Zusammenschluß und der folgende Schritt möglich sein. Man sehe sich doch einmal die Ziele an, die sich die bürgerlichen Mittelparteien gesteckt haben und man wird eine geradezu überraschende Ueber­einstimmung finden. Trennungslinien, die noch vorJahren bestanden, sind beseitigt so derStrert über die beste der Staatâformen, über Schutz­zölle und Freihandel, über die beste Organi-

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