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Me PaMouSbLttme

Von Dr. Bruno Mench

Es war um die Mitte des sechzehnten Jahr­hunderts, als der reiche Kaufherr und Arzt Nikolaus Monardes in Sevilla eines Tages in feinem Garte» • lustwandelte, der nächst seiner Bibliothek das Liebste war, das er in dieser Welt sein Eigen « nannte. Mit Stolz beschaute er die reichen Pflan­zenschätze und die zum Teil schr seltenen Blume», die er aus dem spanischen Amerika bezogen. Monardes war nicht ein bloßer Blumenliebhaber ; wie so viele reiche Kaufherren der damaligen Zeit i in Spanien und den Niederlanden, sondern ein ge- « lehrter Botaniker, dem man die ersten Beschreibun­gen und Einführungen sehr vieler amerikanischer Gewächse und Blumen zu danken hatte. Damals i ergriff sogar den finsteren König Philipp II. die Leidenschaft für die Erforschung der Naturprodukte seiner überseeischen Kronländer. Er sandte seinen Leibarzt Franzesko Hernandez auf sechzehn Jahre nach Neu-Spanien, damit er Medizinal- und Zier- gewächse sammeln und in schönen Abblldungen dar­stellen lassen sollte. Konnte auch Monardes nicht die Hunderttausende anwenden, die Philipp II. dem Sammelwerk des Hernandez widmete, so schmückten doch seinen Garten einige damals höchst seltene Neuheiten, Da prangte z. B. jene riesige gelbe Blume aus Peru, die ihr Anüitz stets der Sonne zuwendet und dämm in ihrer Heimat als hellig verehrt wurde,

Monardes beschrieb auch zum ersten Male die sogenannte Kapuzinerkresse mit den sonderbar ge­formten feuergelben Blüten, von denen der große ■ Linn« nach einer Beobachtung seiner Tochter I glaubte, daß sie des Abends bläuliche Blitze aus» I senden. Vor allem aber interessierte den spanischen I Doktor eine fleischfarbene Blume, die man in Bra- I filien zum Beranken der Lauben verwendete und ■ Murukuja nannte. Längst hatte er dieses Schling- I gewächs, dem die Spanier wegen feiner säuer» I lichen, dem Geschmacke an Granaten erinnernden I Früchte den Namen Granadille beigelegt, mit be» I sonderer Teilnahme betrachtet. Unter den vielen I Hunderten verschiedener Blumen, die er kannte. I war ihm nie eine ähnliche Sonderbarkeit der I Blütenbildung vorgekommen. Es schien ihm ein I eigentümliches Geheimnis in der bizaren Blumen- I gestalt verborgen. Er pflückte einige Blüten und I stieg damit nach seinem Arbeitszimmer hinauf, um I sie einmal nach Anatomenart zu zerlegen. Kaum I aber lagen tue einzelnen Teile gesondert vor ihm, I als ihn ein Natursviel überraschte, das er nicht ohne F innere Bewegung anzuschvucn vermochte. Wie ein k Blitz kam ihm die Erkenntnis, daß die Blütenteile Meines Schlinggewächses getreue Abbilder der Mar- Mterwerkzeuge Christi seien. Wie man in den ein» ®M Knochèn des Kopfskelettes eines Hechtes

«reuz, Kelch, Lanze, Nägel usw. wahrzunehmen ■(aubt, so fand er in der Granadille alle jene Re- ■uifiten der Henkersknechte beisammen. Er beschrieb Mene wunderliche Entdeckung in einem Buche, das, Mvie es scheint, erst fünf Jahre nach seinem 1598 ■«folgten Tode gedruckt worden ist.

I Zunächst natürlich mußte die heilige Blume, »welcher der Himmel so sichtbar seinen Stempel auf» I gedrückt zu haben schien, die Aufmerksamkeit der ' Priester und Mönche erregen. Ein bedeutsameres I Ziergewächs für die Klostergärten, die oft viele I solcher von Missionaren gesandten Seltenheiten bargen, konnte garnicht gefunden werden. Die Kirchenfürsten schickten den Samen des Wunder­gewächses als kostbare Novität einander zu, um die so oft prachtvollen Blumengärten ihrer Residenzen damit zu schmücken. So gelangte die Blume 1609 nach Bologna und 1625 nach Rom, wo sie Papst Paul V. mit Bewunderung in Augenschein nahm. Gleich nach dem ersten Bekanntwerden der Passionsblume in Italien (1609) veröffentlicht Simon Parlaria ein besonderes Buch darüber, und Donatus der Einsiedler lieferte 1622 die ersten Ab­bildungen der Blume, die später von Nierenberg in einem lateinischen Gedichte gefeiert wurde.

Wohl am meisten zur Verbreitung ihres Ruhmes dürfte der Jesuit Johann Baptist Ferrari aus Siena beigetragen haben, der sie in den be­rühmten Gärten des Kardinals Franz Barberini studierte und in einem 1633 erschienenen, von dem Maler Peter von Cortona illustierten Buche über Blumenpflege mit begeisterten Worten schilderte.

sei, sagte er, ein Mirakel für alle Zeiten, denn 'n ihrem Kelche habe Gott mit eigener Hand die Leiden des Heilands gezeichnet. Die äußeren Hüll­blätter verlängerten sich in Stacheln, um an die Dornenkrone zu erinnern. Die Unschuld des Er- losers glänze in der zarten Farbe der Blumen­blätter. Die in Fäden zerschlitzte Nektarkrone er« 'nnerte an seine zerrissenen Kleider, und die in der Mitte befindliche Säule deute auf den Pfeiler, an welchen Christus bei der Geißelung gebunden wurde. Der Fruchtknoten stellte den in Galle ge­dankten Schwamm vor. Die drei gestielten Narben endlich die drei Nägel, die durch Hände und Füße 8eschlagen wurden. Es wurden ferner durch die tuns Staubbeutel die fünf Wunden versinnbildlicht, wie man an ihren deutlich erkennbaren Narben lahe. Die zugespitzten Blätter glichen der Lanze die Wanken den Geißeln, nur das Kreuz selber fehle, well die milde und sanfte Pflanzennatur der Dar- I-ellung des Gipfels der Schmerzen widerstrebt habe. Später sähe man aus der Blume wie aus einer klaffend geöffneten Wunde das Bild eines augerundcten Herzens (die Frucht) süß von Ge- Smack und heilsam hervortreten, das schönste Symbol der göttlichen Liebe. Saum. schließt varrari, kennt die Kartenkunde sonst eine so durch­aus wunderliche Blume, in der die bittersten Gwerzen ausblühen und lächeln.

Manch« beschauliche Geister haben die Teile der «lume anders gedeutet. Die meisten vergleichen die uubfäden mit dem Hammer, der die Nägel ein» den gestielten Fruchtknoten mit dem Kelche, weißen rotgesprenkelten Fadenkranz mit der Dornenkrone. Natürlich ist dieser Deutung der | auch der Unglaube nahe getreten, und

Fadenkranze hervorzuheben-

Keine Blume, mit einziger Ausnahme von Rose und Lilie, ist in der älteren Kunst häufiger dar­gestellt worden als die Passionsblume. Namentlich geschah dies für Kirchendekorationen, als Arabeske, in Ziselierungen, als Deckelpressung für Bücher und in zierlicher Miniaturmalerei für Jnitialien. In der Tat besitzen Blume und Gewächs einen sehr stilvollen Charakter, der für. die darstellenden Künste beinahe ebenso verwendbar ist wie der Les Akanthusblattes. Der hin- und herschlingende Sten­gel mit seinen edel geformten Blättern und gekräu- selten Ranken ist an sich bereits der Efeu- oder Weinarabeske ebenbürtig. Dazu kommt nun eine Blume, so fremdartig schön, daß sie wie komponiert erscheint. Es ist merkwürdig, daß, lange bevor man diese Blume gekannt hat, ältere Maler ähnliche Blumen mit aus den Kelchen fortsprossenden Tei­len für die Arabesken konstruiert haben, wie man dies häufig auf den alten Basen und Wandgemäl­den beachten kann.

Dev Palmsonntag und die pasmesS'-prozeifton

Don Richard Thasfilo Graf oon Schlieben.

Wenn wir auch die ersten authentischen Nach­richten über die Feier des Palmsonntages und Ler sogenannten Palmesel-Prozession erst aus dem fünften Jahrhundert nach Christo durch den Kir­chenvater Chryspstomus hören, so ist doch die Sitte, im Frühling ein Fest zu feiern und einen Festzug zu veranstalten, schon uralt. Die Palme gilt den Völkern Les Orients seit grauer Vorzeit als das Zeichen des Sieges und der Freude. Und schon bei den Phöniziern,' Syrern und Persern der antiken Welt war es üblich, in dieser Jahreszeit feierlich Umzüge zu veranstalten: Der Weg der Priester, die auf einem Esel reitend die Felder segneten, wurde von der jubelnden 'Bortsmenge mit Palmen und Blumen bestreut. Damit war der Sieg des Früh­lings, der die keimende Saat erweckt, der Sieg des Lebens über die Todesstarre des Winters symboli­siert. Es ist deshalb begreistich, daß die in Jerusa­lem zusammengeströmte Volksmenge dem sehnsuchts­voll erhofften Messias den Weg mit Patinen be­streute. Sah sie Loch in Christus den Erlöser aus «der römischen Knechtschaft, den Retter ihres natio­nalen Staates. Ihre begeisterten Zurufe „Hosianna, dem Sohn« Davids: gelobt sei, der da kommet im Namen des Herrn, Hosianna in der Höhe!" zeigen die Glut ihrer Empfindungen. Eine geistige Er­hebung jedoch, wie sie der Messias in den Worten ausdrückt« „Mein Reich ist nicht von dieser Welt", mußte diesen breiten Dolkskreisen damals noch völ­lig unbegreiflich lein.

Aher, welch ein wundervolles Bild, dieser'

wenn Rochefort in seins« Hlstoire 8es AntiCes schüchtern bemerkt, es gehöre viel Pietät dazu, alle jene Gegenstände ht der schönen Blume zu er­kennen, so protestierte Thomas Aldinus (Gastelli) mit aller Entschiedenheit gegen eine derartige Deutung der Blume.

Die Passionsblume verbreitete sich mit außer- ordentlicher Schnelligkeit über ganz Europa. 3m Jahre 1629 zog man sie bereits in England. Zu­erst jedoch wurde die gelbe Passionsblume, aus

Triumphzuq durch das Tse van Jervfcklem in der ganzen Pracht und Herrlichkeit des südlichen Früh­lings, umstrahlt von der goldenen Sonne des Orients Wie viele Künstler haben versucht, dieses herzbezwingende Bild zu gestalten!

Aus dem Wunsche heraus, dies köstlich« Ereignis wieder auf (eben zu lassen, sind auch die Palmesel- Prozessionen der christlichen Kirche entstanden, die sich an die antiken Flurprozessionen anlehnten. Von besonderem Reiz war der von den Franziskanern

Abendmahl

Im Saale glomm ein Hauch vom Abendrot, Da nahm der Herr und segnete das Brot Die Zwölfe saßen stumm, erwartungsvoll. Als ob ein neues Wunder werden soll.

Und wie das Schweigen unter ihnen ging, Erklang verräterisch ein Silberling.

Aus hartem Auge fuhr ein kurzer Blitz: Drang dieses Klingen zu des Herren Sitz? Der Jüngste, hauptgeneigt an Meisters Brust Erlauschte hingegeben Gottes Lust

Ernst ging ein Wort von Meintat und Verrat Und hoch ein Wort von einer Liebestat

Im Saal verglomm der letzte Abendschein, Die heiligen Hände hielten Brot und Wein. In heiligen Augen glomm des Wunders Glut: „Das ist mein Fleisch, das ist mein Blut ° . ."

F, Schrönghamer-Heimdal

Virginien und Jamaika stammend, in Padua ge­zogen. Die Blume dagegen, auf die sich die ältesten Angaben von Mynardes beziehen, isr die slei rote Passionsblume, während in späteres Deutung meist auf die blaue Passionsblume ange­wandt wurde. Diese letztere schöne, aus Brasilien stammende und 1625 nach Europa gebrachte Art ist am meisten verbreitet. Unter den sonstigen zahl­reichen Arten dieser Gattung wären noch die beiden westindischen Passifloren mit großer Blume und weißgeflecktem Kranze sowie die prachtvolle Passi­flora kermesina aus der Umgegend von Rio de Janeiro mit karmesinroter Blume und Mauern

veranstaltete Festzug: Man versuchte eine möglichst getreue Nachbildung des Einzugs Christi in d" durch ihn^Neheiligte «ladt darzustellem, Darum ließ

chst Flotte so überraschend schnell in Sicht, daß die zwölf die I Geusen schiffe nicht einmal mehr Zeit fanden, sich zu riefe ^av^

formieren. Ein ernsthafter Widerstand gegen diese

früh am Morgen aus Bethphage holen. Auf diesem Tiere ritt er 'dann in feierlichem Zuge durch die Stadt bis zur Erlöserkirche, wo er abstieg, um am Altar die Messe zu zelebrieren. Das Volk und bie Mönche, die zu beiden Seilten Les Weges dicht ge­drängt standen, bestreuten den Weg mit Palmen und Blumen und riefen: „Hosianna in excelsis. Hosianna Fil io Daoidi!" Natürlich fand dieses Vor­gehen der Franziskaner sowohl in der morgenlän- dischsn als auch in der abendländischen Kirche eifrige Nachahmungen. Bald begnügte man sich nicht mehr mit dem einfachen grauen Esel, sondern schmückte ibn mit purpurnen, gestickten Decken, ^mit Gold unL Edelsteinen. So bestanden z. B. in Salzburg sogar die Zügel des Tieres aus «Schnüren echter Perlen und Diamanten. Der Harnisch des Reiters und das Sattelzeug blitzten und funkelten von kostbaren Edelsteinen. In Antwerpen schritten die zwölf Apostel dein Zuge voraus. Und der Heiland durfte nur von einem eben aus Jerusalem zurückgekehrten Pilger dar gestellt werden.

Der Wunsch, das allzeit schaulustige Volk beson­ders zu erfreuen, führte in Heidelberg sogar Lazu, in dem Festzuge die ganze biblssche Geschichte von Adam und Eva an darzustellen. Die Schluß­

a potheos« bildete der Einzug Christi in Jerusalem. Wie bei solchen Veranstaltungen leicht aus dem Heiligtum etwas sehr Profanes werden kann, zeigt die Tatsache, daß man schließlich, nach Beendigung der Prozession, Kinder auf dem Esel reiten ließ, was als besonders heilsam für ihre geistige und körperliche Entwicklung betrachtet wurde, was aber doch zu manchen Mißhelligkeiten Anlaß gab.

Während in L«r römisch-kathÄischen Kirche schon Gregor der Große den Geistlichen verbot, die Rolle des Messias darzustellen und wünschte, daß der Palmesel nickst einen Menschen, sondern eine Höl­zern« Christusfigur oder ein Chvistusbild tragen sollte, hielt die griechisch-katholische an de ; Darstellung des Heilands durch einen Priester fest. Es war in Moskau üblich, daß der Zar mit seinem ganzen Verwaudtenkreis und alle hohen Würdenträger des Hofes hinter dein Reiter in feirrlichem Zuge einher schritten. Erst Peter der Große hat dieser Sitte ein Ende bereitet, vermutlich aus politischen Gründen. Er sah, wohl nicht mit Unrecht, in der enthusiastischen Begrüßung des reitenden Priesters, dem das Volk begeistert zujubeite, eine Schwächung feiner poli­tischen Macht. Er verbot deshalb di« Palmesel- Prozession und vereinigte später in feiner Person die höchste geistliche und weltliche Macht.

Man erzählt zwar, daß innerhalb Les Sretitf noch m späterer Zest Palmesel-Prozessionen stattge- unden haben. Doch blieb für die große, Oefscntlich- keit dies «Schauspiel unsichtbar. In Deutschland fand in Schwäbisch-Gmüüd im Jahre 1802 die letzte Palmesel-Prozession statt. Sie war schon damals zu einer Art Volksfest herab gesunken, obwohl noch der gesamt« Magistrat und die Geistlichkest an dem Zuge teilnahmen und Len mit Gold und Silber reid) behängten Esel, der das kostbar geschmückte Christusbild trug, bis zur Spitalkirche begleiteten. Dieser übermäßig gewordene Schmuck des beschei- dennen Grautierchens ist wohl die Veranlassung zu der bekannten süddeutschen Redensart geworden: „Geputzt wie ein Palmcsèl acht Tage vor Ostern", eine Redewendung, die auch wieder beweist, daß vom Erhabene« zum Lächerlichen nur ein Schritt

Während die Prozessionen sechst seit Anfang des vorigen Jahrhunderts völlig verschwunden sind, Har sich die Palmweihe, d. h. die feierliche Einsegnung der Palmen in Kirchen und Kapellen, noch bis zum heutigen Tage erhalten. Don wie berauschender Schönheit ist dieses Fest in der Sixtinischen Kapelle zu Rom, in welcher der Papst selbst die Pal­men zu weihen pflegt. Sie werden zu diesem Zwecke aus Sizilien und Nordafrika bezogen, Un­zählige Wachskerzen umstrahlen die malerischen Gewänder der hohen Geistlichkeit. Herrlicher Ge­sang umrahmt die Feier. Die Palmzweig« werden an die Anwesenden verteilt und bilden das ganze Jahr über ein kostbares Erinnerungszeichen.

In nördlichen Gegenden nahm man statt der echten Palmenzweige Zypressen, Wacholder, Buchs- bawn oder Stechpalme (Hex), während vielfach, wie in England, Weidenzweige mit ihren silber­grauen Kätzchen die Stelle der Palme vertreten. Natürlich ist mit den Palmen — und ebenso mit dem Palmenersatz — auch mancher Werglaube verbunden, der auf dem flachen Lande noch m vol­ler Blüte steht.

In der neueren Zeit verblassen und verschwinden allmählich solch alte Bolkssitten und Gebräuche nur zu schnell. Aber es bleibt in vielen Gegenden ge- heiLigie Tradition, die geweihten Palmen zu ver­brennen, die Aiche sorgfältig aufzubewahren und damit am Aschermittwoch ein Kreuz auf die Stirne zu zeichnen.

Auch die modern« Weltanschauung konnte dem Palmsonntag mit seiner herben Schönheit des Vor- frühlings noch eine tiefere seelische Bedeutung geben. In einer Rede des berühmten Beda Vene- mbilis (gest. 725) heißt es: „Die geweihten Palmen zweige, die auf den Weg der Prozession gestreut werden, sind ein heiliges Symbol dafür, daß die Menschen sich unter einander den Lebensweg durch Werke wahrer NächstenliÄre, durch Treu«, Güte und Barmherzigkeit schmücken sollten." Damit ist gewiß die stärkste sittliche Bedeutung der Palmsonntag- feier ausgedrückt.

DaS tffe Recht

SMzze aus der Zeit der Befreiung der Niederlande

Don Aiko Janssen

Man schrieb das Jahr 1571. • ,

Mit Len Geusen, den verwegenen Vorkämpfern zur Befreiung der Niederländer vom spanischen Joche, schien es nun endgültig vorbei zu sein. In der Emsmündung kam eines Tages die spanische

zu. Dort aber hatte otii von Friesland feine Burg mit Kanonen versehen lassen, die 'jetzt auf ine an­

. wischen der Graf Edzard und die ganze Emsmauer

kommenden flüchtigen Geusenschiffe das Feuer er­öffneten. Diese gerieten so zwischen zwei Feuer und wurden fast vollständig aufgerieben. Nur vier klei­neren Schiffen gelang der Durchbruch.

Am Emder Ufer standen dicht geb rängt die Bür­ger der Stadt: sie mußten von hier untätig diesem furchtbaren Gemetzel .zusehen, denn der gräflichc Landesherr hatte jede Unterstützung der Geusen untersagt. Er wußte es wohl, daß die Emder wie auch ihr Bürgermeister Peter Medmann mit ihrem Herzen ganz auf der Seite der Geusen stand.

Dem Geusenführer Treslong war es nach furcht­barem Kampfe gelungen, sich mit einigen Leuten bis zum Beiboot durchzuschlagen. Aus mehreren Wunden blutend, wurde er soeben dicht unterhalb der gräflichen Burg ans Ufer geschafft. Immer noch hatte man gehofft, der Graf würde menigftens hier die Neutralität wahren, aber der gräfliche Drost (Sachwalter) Occo Frees« ließ alle fesseln, ob ver­wundet ober nicht. Der Unwille der Bürger wuchs noch, als bekannt wurde, daß bereits am anderen Tage Treslong und einer feiner Unterführer mit dem Beil Hingerichtei werden sollten.

Im Hanie Menso Minas, des derzeit berührn» ten ersten Predigers der Emser reformierten Gc-

meindo, beratschlagte man schon seit einigen Stun­den. wie dem allen sympathischen jungen Geusen sichrer noch zu helfen sei. Man fand indessen keinen Ausweg. Da klopfte es, und herein trat Frau Ger- trube, Memo Altings Gattin. An der Hand hielt sie ein junges Mädchen, das anscheinend recht erregt war. „Vergebung, Ihr Herren, wegen der Stö­rung, aber hier ist eben eine Jungfrau angekommen von foeit außerhalb der Stadt: sie möchte fragen.

es, und herein trat Frau Ger-

was heute hier schon so mancher gefragt hat: ob denn Treslong nicht noch zu retten lei?"

„Gibt «s denn wirklich keine Rettung mehr für ihn, Hochedier Herr?" Mchr vermochte das Mädchen nicht hervorzubrmgen, dabei hatte es beide Hände zu Alting erhoben.

„Es ist keine Hoffnung mehr, mein Kind; erst heute in der Frühe war ich wieder beim Grafen, es war alles vergeblich, denn gerade Treslong will er nicht freigeben. Er beschuldigt ihn des mehr­fachen Seeraubes und will nun durchaus ein Exem­pel statuieren."

Da sprang Gerd Bolardus, der Dürgerworffüh- rer der Stadt, von seinem Platze auf: „Wenn @nr Edzard unseren jungen Freund wegen Seeraubes hinrichten lassen will, dann wüßte ich wohl noch einen Ausweg: es ist nämlid) ein altes Geietz in pefifeben Lande», das heißt: ,So ein Mann des Seeraubes schuldig und das Richffchwert seiner harret und es tritt vor allem Volke eine elternlose, unbescholtene Jungfrau zum Richter, die sich den Räuber Atm Ehegemahl erbittet, so sei ihm bas Le­ben geschenkt und er ferner Strafe ledig.' — Allo, mein Kind, das Schicksal Treslongs liegt m Eurer Handl"

Das junge Mädchen, Las über und über errötet war, erwiderte bebend vor Aufregung: „Wer edier Herr, wie kann ich jemand zum Mann« beg-bren. von dem ich gar nicht weiß, ob er mich will?" Damit flüchtete st« aus dem Gemach«.

Fragend 'ab Men'o Alting ie He $fWu <m