Samstas de«
12. Ave«
Nr. sz
1630
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Omrau Gisdt und Land
Keule SleuevannahMe oder Auflösung
Onkstms des Regèeruns mit der Bavvifchen SoSksvavier Mev die Mevfieuev - Die Deutichnationalett sesen das Deânssvrosvamm - Die Resievuns vevraust heute Annahme des DeMnnssvovlasen - Bei Abwhnnns fof-viLge SteßchstagsanblSsnns
Das Neueste
— 3m Reichstag wird heute die Entscheidung fallen ob das Steuergesetz angenommen oder das Parlament aufgelöst wird.
— 3m Auswärtigen Amt In Berlin wird heute der Handelsvertrag mit Oesterreich unterzeichnet.
- 3m Landtagsausfchuß zur Prüfung der Mißwirtschaft der Berliner Stadtverwaltung wurde gestern u. a. auch Oberbürgermeister Böß als Zeuge vernommen.
— Das Luftschiff „Graf Zeppelin" wird außer den schon bekannt gegebenen Fahrten am 22 oder 23. April eine Fahrt nach dem Mittelrhein bis Bonn unternehmen. Dark ist bei günstiger Witterung eine Zwischenlandung vorgesehen.
— Bei Befangen ist ein französischer Militärzug entgleist. Dabei wurden acht elsässische Reservisten getötet und 40 verletzt.
— Bei einem Autobusunglück in Amerika wurden 20 Personen getötet.
Berlin, 11. April, Die deutschnationale Reichstagsfraktion hat heute einen Ini- Siaiingefeßentmurf über den Zahlungsaufschub für gefährdete landwirtschaftliche Betriebe eingebracht. Der Entwurf sieht u. a. vor, daß bis zum Inkrafttreten der beabsichtigten reichsgesetzlichen Maß- nahmen zur Um- und Entschuldung der Landwirtschaft in Gebieten östlich der Elbe die öffentlichen Kassen aus ihren Forderungen weder in dem land- und forstwirtschaftlich genutzten Grundbesitz, noch in dessen Wirtschaftsinventar und Vorräte vollstrecken dürfen. Als öffentliche Kassen gelten alle öffentlich- rechtlichen Kredit- und Versicherungsanstalten und andere mittelbare Staatseinrichtungen. Aus Forderungen, die solche Kassen und Einrichtungen gegen landwirtschaftliche Genossenschaften' und dergleichen haben, darf nicht vollstreckt werden. Ueber Ausnahme» soll das örtliche zuständige landwirtschaftliche Neal-Kreditinstitut entscheiden.
Ein attsevUchev Vvief Dv. Luthers
Berlin, 11. April. Im Reichstag war heute abend das Gerücht verbreitet, Reichsbankpräsident Dr. Luther habe an den Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer einen Brief gerichtet, in dem er ihn Darauf hinweist, daß gewisse, am 15. April fällige UeberbrUckungskredite nicht verlängert werden könnten, weil die Finanzreform noch nicht durchgeführt worden sei. Hierzu erfahren wir von maßgebendster Seite, daß natürlich ein ständiger Briefwechsel zwischen der Reichsbank und dem Reichs- ßnanzministerium über die feftgetegte ferminm^ige Abwicklung dieser Krcditaktionen stattfinde. Es handele sich dabei aber um einen reinen geschäftlichen Verkehr zwischen den beiden Instanzen und w gar keiner Waise um irgend eine politische Aktion. Alle anderen Darstellungen seien vollkommen falsch und müßten ganz entschieden dementiert werden.
rwIkwenkaU km Thuvinger Landtag
Weimar, 11. April. Gegen Ende der heutigen Atzung des thüringischen Landtages, die der Beratung des Haushaltsplanes gewidmet war, kam es ou einem Zwischenfall. Der kommunistische Abge- aronete Eyermann rief im Verlaufe eines persön- Uchen Streites den Nationalsozialisten zu: „Ihr ^gen Hunde!" Er wurde vom Präsidenten zur Ordnung gerufen und aufgefordert, den Saal zu n x r ‘ ®a cr dieser Aufforderung nicht nachkam, und außerdem einige Tribünenbesucher an den Auseinandersetzungen durch Zwischenrufe beteiligen, wurde die Sitzung für kurze Zeit unterbrochen. ^".Zwischen wurden die Tribünen geräumt. Nach ^teberernffnung der Sitzung teilte Präsident Rummel mit, daß der Abgeordnete Eyermann sich Jcine Weigerung, den Saal zu verlassen, auf Tage von den Sitzungen ausgeschlossen habe.
Einigkeit
bei bett lUaieettttflSvaeieiett
Berlin, 11. April. Während der heutigen Plenarverhandlungen wurde hinter den Kulissen eifrig weiter verhandelt, um eine Mehrheit für die Deckungsvorlagen und das Agrarprogramm zustandezubringen. Es gelang schließlich, mit der D a y e r i s ch e n V o l k s- partei zu einer Einigung über die Biersteuer zu kommen. Die Bayerische Volkspartei hatte offenbar angenommen, daß sie bei einer Auflösung des Reichstages noch schlechter stehen würde, da dann nämlich die Viersteuer mit dem Artikel 48 um 75 Prozent erhöht werden würde. Das neue Bicrsleuerkompromiß, das eine sehr weitgehende Staffelung vorsieht und im Durchschnitt eine Lrhöhnug von 50 Proz. bringt, wurde sofort im Reichstag eingebracht.
Das zwischen sämtlichen Regierungsparteien heute vereinbarte Kompromißüber die Biersteuererhöhung liegt jetzt vor. Nach diesem neuen Kompromiß beträgt die Biersteuer von den 2000 Hektolitern der Jahreserzeugung 9,50, von den folgenden 8000 Hektolitern 9,70 und von den folgenden 10 000 Hektolitern 9,90, von den folgenden 10 000 Hektolitern 10,20, von den folgenden 30 000 Hektolitern
dem Rest 12 Mark. Gegenüber dem ursprünglichen Kompromiß sind^ sämtliche Steuersätze um 50 Pfg. gesenkt worden. Für Brauereien, die innerhalb eines Rechnungsjahres aus selbstgewonnener Gerste nicht mehr als 20 Hektoliter Bier erzeugen, ermäßigt sich der Steuersatz auf 2 Mark für einen Hektoliter, so-
Die Ginigunssveeiuche mit den DentiOnationaten
Berlin, 11. April. Die Deutschnationalen haben heute beschlossen, in der zweiten Lesung die Steuervorlagen abzulehnen und nur die Einleitung und die Ueberschrift des Gesetzes, sowie die Benzin- und Benzol-Zollerhöhungen einschließlich der Agrnr- Zollerhöhungen anzunehmen. Damit wollen sie wenigstens die Vorlagen in die dritte Lesung herüberretten. Allerdings ist die Leutschnationale Fraktion in dieser Haltung keineswegs geschlossen. Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, sollen bei der Abstimmung in der Franktionssitzung 27 Abgeordnete für 'Annahme der Deckungsvorlagen und 25 Abgeordnete dagegen gewesen sein. Nach dieser Niederlage soll Hugenberg erklärt haben, daß er diesen 27 Abgeordneten gegenüber bei Neu-
Die Regierung fordert GutfOeiduns
Berlin, 12. April. Nach Bekannt werden der Stellungnahnie der Deutschnatioimlen trat das Kabinett gestern abend zu einer Sitzung zusammen. Zunächst tauchte wieder ein alter Plan auf, die Entsckhndung dadurch zu erzwingen, daß man ein umfassendes Ermächtigungsgesetz dem Reichstag vorlege in der ausgesprochenen Absicht, es über diesem Gesetz, für das niemals eine Zweidrittelmehrheit zu erlangen gewesen wäre, zur Auflösung zu treiben. Nach Rücksprache <nit den Führern der ihr nahestehenden Fraktionen, hat das Reichskabinett sich entschlossen, einen einfacheren, aber ebenso Klärung versprechenden Weg einzuschlagen.
Zu Beginn der heutigen Sitzung wird ohne Rücksicht ans die inzwischen von den Ausschüssen gefaßen Beschlüsse ein Antrag der Regierungsparteien eingebracht werden, der in bas Benzin- und Benzolgesetz einen Paragraphen la einfügt, durch den bestimmt wird, daß zwischen den Deckungsvorlagen und dem Agrarprogramm eine unbedingte Verbindung besteht, so daß das Agrarprogramm nicht in Kraft treten wird, sofern nickst die Deckungsvorlagen in einem Umfang angenommen werden, der die finanziellen Bedürfnisse des Reichs unbedingt sicherstellk. Falls diese Verbindung in dem neuen Paragraphen la abgelehnt wird oder auch falls wesentliche Teile der Deckungsvorlage herausgebrochen werden, behält sich das Kabinett die weitere Entscheidung vor, das heißt, es wird
fern sie bereits vor dem 1. April 1930 in Betrieb gewesen sind. Für Brauereien, die innerhalb eines Rechnungsjahres nicht mehr als 1000 Hektoliter er- S, ermäßigt sich her Steuersatz auf 9 RM. Die nftigungen erlöschen mit Ablauf de- neuen Rechnungsjahres, in dem in der Brauerei mehr als 20 bzw. 10 000 Hektoliter ^erzeugt werden.
<t*MWU»|^ und das Agrarprogramm vorhanden. Die Ent scheid ung liegt bei den Deutsch- nationalen, die aber wie aus den unten folgenden Meldungen hervorgeht, beschlossen haben, in der zweiten Lesung die vteuervorlagen abzu- lehnen.
wählen die Konsequenzen ziehen, also ihre Wieder- aufftellung verhindern werde. Daraufhin soll ein Teil dieser 27 Abgeordneten wieder umgefallen fein, so daß nur 12 dem sogenannten 2lgrarflügel der Fraktion angehörenüe Abgeordnete bei ihrer Stellungnahme geblieben sind. Hugenberg hatte nun in der Fraktionssitzung seine Mehrheit für die 216= lehung der Vorlagen.
Dieser Beschluß der deutschationalen Fraktion hat die Situation wieder wesentlich »erschürft. Das Kabinett trat am Abend mit den Parteiführern zu einer Beratung über die politische Lage zusammen. In dieser Parteiführerbesprechung wurde beschlossen, auf jeden Fall morgen in der zweiten Lesung die Entscheidung herbeizuführen.
dann nicht mehr umhin können, das Auf- lösungsdckret onzuwenden. Zur Begründung des Paragraphen la wird der Kanzler in der heutigen Plenarsitzung des Reichstags das Wort nehmen, um mit aller Entschiedenheit sestzustellen, daß der Reichstag aufgelöst wird, wenn die Deckungsvorlagen nicht bei der zelten Lesung angenommen werden. Die zweite Lesung muß Heuke zu Ende geführt werden. Der Kanzler wird in seiner Rede außerdem herausarbeiken, daß das Kabinett als die Kernfrage der Situation ansiehk: ob nämlich dem Staate in seiner jetzige» schwierigen Rotlage die Mittel verweigert werden dürfen, die nach Auffassung der Regierung notwendig sind, wenn der Staat und die deutsche Wirtschaft über die gegenwärtige Krise hinweggebracht werden sollen.
Die Reichstagsfraktion der Deutschnattonalen Volksparlei wird Heuke vormittag zusammenkreten. Dem Ergebnis dieser Sitzung sieht man mit begreiflicher Spannung entgegen; denn von ihm hängt cs ab, ob der Reichstag aufgelöst wird oder nicht. Zedenfalls steht diesmal fest, daß die Regierung heute die endgültige Entscheidung suchen wird. Die Stimmung, die in Kreisen der deukschnatioualen Fraktion gestern abend herrschte, war eindeutig aus Ablehnung der Steuervorlagen eingestellt. M«n wird abivarlen müssen, ob heute mittag eine Wandlung eintritt.
Die Moshe
Als die Mißtrauensaniräge gegen das Kabinett Brüning der Ablehnung verfallen waren, wiesen wir an dieser Stelle daraus hin, daß dieser parlamentarische Erfolg des neuen Kabinetts noch nicht das Ende aller Schwierigkeiten bedeute, sondern daß noch mehrere Klippen zu überwinden seien, bevor das neue Re- gierungsschifslein glattes Fahrwasser bekommen werde. Gleichzeitig gaben wir aber auch der Zuversicht Ausdruck, daß es Brünings Steuerkunst doch gelingen werde, an diesen Klippen glücklich vorbeizukommen. Wir waren uns dabei der Schwierigkeiten einer solchen Fahrt vollkommen bewußt, wird doch selbst das Minderheits-Regierungsschifflein zum Teil aus Gruppen gebildet, die an der Führung der Regierungsgeschäfte noch niemals Anteil hatten, aus Gruppen, die bis vor kurzem noch in der Opposition faßen und die alle ihre Sonderwünsche mnbrachten. Dazu kam noch, daß die neue Regierung keine Zeit hatte, sich einzu- Uühlen, sich bis zu den
, sondern bereits wenige Tage nach ihrer Geburt vor die schwierigsten Fragen des letzten Jahres, die Lösung der Kassenlage des Reiches und vor die Agrarnot des deutschen Ostens gestellt wurde. Schwierigkeiten waren also vorauszusehen und diese sind denn auch in ausreichendem Maße eingetreten. Die ganze Woche stand im Zeichen von Beschwerden, die ganze Woche hindurch wurde ein Kamps um das parlainentarische Schicksal des Finanzprogramms und der Agrarvorlagen geführt, wobei das Schicksal des Kabinetts stündlich aus des Mesters Schneide stand. Erfreulicherweise ist es gestern wenigstens gelungen, der Schwierigkeiten innerhalb der Regierungsparteien "Herr zu werden. Trotzdem läßt sich zur Stunde, da diese Zeilen geschrieben werden, noch nicht sagen, ob die Deckungsvorlagen Annahme finden werden, oder ob es doch noch zur Reichstagsauflösung kommen wird. Die Entscheidung hängt von den Deutschnationalen ab, deren Stimmen notwendig sind, um eine Mehrheit für die Vorlagen zu erlangen. Die Deutschnationalen hüllen ihre letzten Absichten noch in Stillschweigen. Gestern haben sie beschlossen, gegen die Deckungsvorlagen zu stimmen, möglich, daß sie heute — heute soll auf Wunsch der Regierung die Entscheidung über Annahme oder Auflösung fallen — eines anderen, d. h. eines besseren Sinnes sind. Verharren sie auf dem Standpunkt der Ablehnung, dann kommt auch das Agrarprogramm zu Fall, ebenso ist dann die Auflösung sicher.
Obwohl in der vorigen Woche alle der Regierung nahestehenden Fraktionen indirekt ihr Vertrauen für das Rsgierungsprogramm ausgesprochen hatten, mußte die Regierung im Steuerausschuß des Reichstages schwere Niederlagen hinnehmen. Die Mineralwasser- und Tabaksteuervorlagen verfielen der Ablehnung, wodurch im Decküngsprogramm der Regierung ein erheblicher Steuerausfall cintrat. Doch noch nicht genug damit, auch die geforderte Biersteuererhöhung von 75 Prozent wurde ab abgelehnt und damit das Kernstück aus dem Finanzprogramm der Regierung herauszze- brochen. Angesichts dieser Niederlage mußte ich die Regierung zu einem neuen Kompromiß herbeilasfen,'— ein viertes Kompromiß innerhalb weniger Monate —, das die Bier- steuererhöhung ' statt der ursprünglichen 75 Prozent auf 50 Prozent begrenzte, ferner eine Erhöhung der Umsatzsteuer von 0,75 auf 0,85 Prozent vorsieht und schließlich einen Zuschlag von 0,50 Prozent auf Umsätze über eine Mil lion. Ferner enthält das Kwnproniiß die Wiederherstellung der Mineralwassersteuer
Vie veutise ««mmev umfaßt 22 Getto«