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Mittwoch den
9. April
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Mmrau Stadt und Land
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Moldenhauers Programm gefährdet
Nev «ieueransschutz lehnt die Tabak- und «Uneealftenev ad - infolge dies«! Abiehnuns 67 Millionen
GieueeaussaU im Decknugsvrogramm dev Aesleeuns
^adwettS und dev rkesi«vm»sS-Navieie«
«ebev die Asvavdsvla»« »»Oe Einigung des
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— 3m Steuerausschuß wurde gestern die Tabak- und Mineralsteuer abgelehnl. heute wird über die Erhöhung der Biersteuer entschieden wer- den, die nach wie vor die haupkgesahr für das Finanzprogramm bildet.
— Der Reichstag hat gestern mit der Skeuer- Lebatte begonnen, nachdem er zuvor das Gafk- ftättengeseh mit unwesentlichen Veränderungen ver- abschiedet hatte.
— Alle Parteiführer, die der Regierung nahe- stehen, haben gestern einen Sompromißaulrag für die Arbeitslosenversicherung unterzeichnet.
— Die thüringische Regierung hat den Regierungswechsel im Reich und vor allem im Innenministerium zum Anlaß genommen, von sich aus den erste« Schritt zur Beilegung des Konfliktes Mit dem Reich zu tun.
— 3m Sklarekaüsschuß des preußischen Landtages wurden gestern weitere Zeugen über die Hvrundstückskâufe der Stadt Berlin vernommen.
Dev GSsuevaus-chuS gegen Aegievnngsv-vtase« MoMetttzanev warnt mit dem Hinweis auf die âattenlase
Berlin, 8. April. Im Steuerausfchuß des Reichstages wurde die Beratung über das Tabak- und Zuckersteuergesetz fortgesetzt. Abg. Dr. Rademacher (Dn.) sprach sich gegen den Iprozenti- gen Verwaltungskostenbeitrag aus. Abg. Dr. Herz (Soz.) lehnte die Aenderungsanträge der Regierungsparteien ab. Abg. v Sybel (Chr.-Ni Bauernpartei) erklärte es für zweckmäßiger, den Tabakzoll zu erhöhen. Nach weiterer Debatte wurde
tat.
gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten ein Antrag der Deutschnationalen angenommen, wonach die Verwaltungsabgabe für die Tabatsteuerläger statt 1 Prozent nur % Prozent betragen soll. In der Gesamtabstimmung wurde jedoch
das erste Vierteljahr also ein Fehlbetrag von 110 Millionen; für Juil Ueberschuß von 198 Millionen, für August Ueberschuß von 5 Millionen, für September Fehlbetrag von 38 Millionen, für das zweite Vierteljahr' also einen Ueberschuß von 165 Millionen; für das dritte Vierteljahr Fehlbetrag von 123 Millionen. hiernach würde Ende Dezember ein Fehlbetrag von rund 70 Millionen vorhanden sein. Der Schwerpunkt der Bilanz liegt im Monat Mai, in dem ein Fehlbetrag von 228 Mill, eintritt, zu dessen Deckung nur 125 Millionen Bestände aus April vorhanden sein werden, jo daß im Mai noch etwa 100 Millionen fehlen werden. Außerdem wird nach den Vereinbarungen, die mit dem ' Bankenkonsortium .getroffen find. der Restbetrag by, DtLMhMttdit.es
einlrelen würden, und wenn die Bayerische Volks- partei nebst dem Bayerischen Bauernbund sich der Stimme enthielten, die Wirtschaftspaktes aber bei ihrer gleiches ablehnenden Haltung verbliebe, wäre die Biersteuer schon gefallen.
Der »Vorwärts" ergänzt die Andeutungen des B. T. dahin, daß der am Dienstag in Berlin einge- troffene Vorsitzende der Bayerischen Volkspartei, der bayerische Landtagsabgeordnete Schässer, am Mitk. woch vom Reichspräsidenten empfangen werden soll.
Die Vkeesteuevevhdhuns abselehnt
(Letztes Telegramm.)
Berlin, 9. Aug. 3m Sleuerausschuß des Reichstages wurde heute die Biersteuer« erhöhung abgelehnt. Für die Erhöhung hatte nur das Zentrum, die Deutsche Volkspartei und die Demokraten gestimmt. Alle anderen Parteien stimmten dagegen.
Das
Avheitswienromvvomitz
Abkommen ratifiziert.
— vor dem Hamburger Schwurgericht beginnt heute der Prozeß gegen die Reeder des Rebellen- dampfers »Falke".
— Die für heute geplante Fahrt des »Graf Zeppelin" findet nicht statt, da die Erprobung der Neuerungen mit der vorgestrigen Fahrt als abgeschlossen erklärt wurde. Die nächste Fahrt findet am kommenden Samstag statt und wird als erste Passagiersahrt der Hapag in die Schweiz gehen.
Thü^ittse« Senkt ein
Weimar setzt sich mit Berlin in Verbindung
Berlin, S. April. Die thüringische Regierung hat in dem Wunsche, daß der Streit zwischen dem Reich und Thüringen beigelegt werde, sich mit dem Reichskanzler und dem Reichsminister des Innern in Verbindung gesetzt. Der Vorsitzende des thüringischen Skaatsminifkeriums, Staatsminister Baum, wird in den nächsten Tagen persönlich die Aussprache mit dem Reichsminister des Innern be- flinne-a.
^ ttev WM den ReWS- auSWutz nicht wvensen
Ein Artikel Adolf Hitlers im „Völkischen Beobachter" bestätigt, daß eine Sprengung des Reichs- ousschusses durch Hitler bisher nicht erfolgt ist. Atan gewinnt den Eindruck, daß Hitler die Brücke zu Hugenberg nicht abbrechen will bevor die letzten Möglichkeiten ausgeschöpft md. Hidler erklärt, daß Hugenbergs grundehr- "che deutsche Gesinnung für ihn über jeden Zweifel erhaben sei und daß er persönlich es ohne weiteres verstehen könne, daß Hugenberg aus taktischen Gründen heraus glaubte, die Partei durch die im Reichstag getroffene Entscheidung am ehesten Zusammenhalten und damit für die Zukunft retten zu können. Daß aber diese Stellungnahme die tak- Mche Lage, die die Nationalsozialisten veranlaßt habe, mit den Deutschnationalen zusammen gegeben Noungplan zu kämpfen, auf das wesentlichst verschoben habe, könne nicht bestritten werden. Vie Deutschnationale Volkspanei habe im Kampfe Mr das Volksbegehren und den Volksentscheid die Wachste überhaupt noch zuträgliche Belastung erfahren. Der Umfang und die Höhe dieses damaligen Einsatzes sei, so erklärt Hitler, ausschließ- auf das Konto des Geheimrats Hugenberg zu £ ■ ^r wisse nicht, inwieweit sich im Laufe der rommenben Kämpfe die Notwendigkeit und Mög- «chkeit gemeinsamer Aktionen wieder ergeben
• Die Liquidierung des Noungplanes Icheme ihm keine Voraussetzung hierzu mehr offen halten. Er halte es aber immer für zweck- her, mit Verbündeten als gegen «erbu '
weil nur die Regierungsparteien dafür stimmen. Ein Geschästsordnungsantrag, über die ursprüngliche Regierungsvorlage abzustimmen, wurde gleichfalls abgelehnt.
Die Z u ck e r st e u e r wurde in der Fassung der ursprünglichen Regierungsvorlage angenommen, der Gesetzentwurf soll am 1. Mai in Kraft treten.
Es folgt die Vorlage für die Wiedereinführung der Mineralwassersteuer, deren Ertrag den Gemeinden zuflièßen soll. Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer erklärt, schon jetzt sei durch die Ausfchußbeschlüsse zur Tabaksteuer und auf Freilassung des Petroleums ein Ausfall von 27 Millionen von dem ursprünglich errechneten Gesamtertrag entstanden.. Da könne auf die Mineralwassersteuer nicht verzichtet werden. Nach längerer Aussprache wurde
die Mineralwassersteuer abgelehnk.
Mit der Ablehnung der Mineralwassersteuer, der Tabaksteuer und der Freilassung des Petroleums beträgt der bisherige Ausfall im Deckungspro- gramm der Regierung 67 Millionen Mark.
Hierauf gab Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer einen Bericht über die Kassen- lage des Reiches, wonach der Fehlbetrag Ende März 222 Millionen RM betrug. Diesem Fehlbetrag standen Dckungsmittel in Höhe von 267 Millionen gegenüber, so daß Ende März noch ein verfügbarer Bestand bei dem Betriebskredit von 45 Millionen vorhanden war. Durch inzwischen erfolgte Kredit- und Anleiheregulierungen und ferner durch das neue Finanzprogramm haben sich die früher ausgestellten Finanzierunospläne in wesentlichen Punkten geändert. Sie führen nunmehr zu folgendem Ergebnis: Für April Ueberschuß von 125 Millionen, für Mai Fehlbetrag von 228 Millionen, für 3ani Fehlbetrag von 7 Millionen, für
die Deckung des Fehlbetrages für Ende Mai sind im Gange. Für das Ergebnis dieser Verhandlungen wird die Bewilligung der Mittel zur Ordnung des Etats von Bedeutung fein. Die Bilanz zeigt einen erfreulichen Fortschritt in der Sanierung der K a s s e n l a g e, die aber auch jetzt noch -derart angespannt ist, daß sie
durch eine mit einem Sleueraossall verbundene Verzögerung in der Verabschiedung der Deckungsvorlagen erneut gefährdet
werden würde. Der Ausschuß vertagte sich dann auf Mittwoch. An diesem Tage soll die Beratung der Deckungsvorlage beendet werden.
Man darf die Abftimnmngen im Ausschuß nicht bereits als irgend etwas Endgültiges ansehen. Nach außen hin hat es natürlich einen ungünstigen Eindruck gemacht, daß sowohl die Mineralsteuer als auch die Novelle zum Tabaksteuergesetz abgelehnt wurden. Die hinter der Regierung stehenden Par- tsien blieben allein, die Deutschnationalen enthielten sich bei den meisten Paragraphen der Stimme und die Sozialdemokraten waren mit den Kommunisten in scharfer Opposition. Wie sich die Dinge weiter entwickeln werden, läßt sich mit Sicherheit nicht voraussagen. Dazu tritt die Wahrscheinlichkeit, daß die Biersteuer in der vom Kabinett gewünschten Form im Ausschuß ebenfalls zu Fall kommen wird. Stiebe es also bei diesen Entscheidungen auch in der Vollversammlung, dann wäre allerdings der Augenblick gekoinmen, wo die Gefahr der Auslösung von neuem über den Reichstag verhängt wäre. Aber die Erfahrung lehrt, daß die Vollversammlung Entscheidungen, die ein Ausschuß gefällt hat, sich nicht immer ju eigen macht, und zwar umso weniger, als der Reichstag in den bevorstehenden Bollversammlungsverhandlungen gerade durch die Gefahr der Auflösung unter schwersten Druck gestellt wird.
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Arbeitsloseno erung, auf den sich der Regierung vertretenen Parteien geeinigt haben, hat folgenden Wortlaut:
a) In Artikel 1 des Entwurfs eines Gesetzes zur Vorbereitung der Frnanzreform treten an die Stelle der Paragraphen 1 solgeird« Paragraphen 1 bis 4:
Paragraph 1. Abweichend von Paragraph 153 Absatz 3 und Paragraph 245 des Gesetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung in der Fassung der Bekanntmachung vom 12. Oktober 1929 (Reichsgesetzblatt Teil 1, Seite 162) beträgt der Beitrag zur Reichsanstalt bis auf weiteres für das Reichsgebiet einheitlich 3% v. 6. des maßgebenden Arbeitsentgelts; Paragraph 161 Nr. 1, 3 uni) 4 und Paragraph 163 des Gesetzes finden
Anwendung.
Paragraph anstatt für 2ti
2. Kann der Bedarf der Reichs- rbeitsvermitllung und Arbeitslosen-
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Der Mampß um die Nierfieuev Das Sch Mal dev AsravvovZaseu von dev Sicherung der Deckung voviasen avhangig
- n b c t e zu fechten. Auch im inner- Maische^ Kampfe werde er jede Hand ergreifen, sich ihm zur Durchführung eines notwendigen «ampfez entgegenstrecke. Das habe für die Ver langenheit gegolten und gelte auch für die Zukunft.
Berlin, 9. April. 3n parlamentarischen Kreisen sieht man der heutigen Sitzung des Steuer- ausschusses mit lebhaftem Interesse entgegen, da einzelne Regierungsparteien ihre Unterschrift unter das Initiativgeseh zum Schuhe der Landwirtschaft davon abhängig gemacht haben, daß im Steueraus- schuß eine Mehrheit für die Deckungsvorlagen gesichert wird.
Das „B. I." bemerkt Heuke morgen zu der bevorstehenden Entscheidung im Sleuerausschuh, von der das Schicksal ber Agrarvorlagen abhängl: Ad-
gesehen von der Frage der Arbeitslosenversicherung kommt alles darauf an, ob man außer den Deutsch- nationalen auch die Bayerische Volkspartei und den Bayerischen Bauernbund auf irgend eine weise zur Aenderung ihrer bisher ablehnenden Haltung gegenüber der Biersteuer bewegen kann. 3n parlamen- ' - - " ^' ^' ^ —h eine
torischen Kreisen verlautete gestern, daß «och Einwirkung von sehr hoher Stelle aus eine führende Persönlichkeit der Bayerischen Volkspartei am heutigen Tage unternommen werden soll. Selbst wenn die Deutschnationalen und die Lhristlich- Nationalen (die im Ausschuß sich auch gegen die Biersteuer ausgesprochen hatten) geschlossen sie diese
Versicherung aus den Beiträgen und aus dem Notstock nicht völlig gedeckt werden, obwohl der Beitrag rechtzeitig einheitlich für da Reichsgebiet festgesetzt ist, so gewährt das Reich Zuschüsse, deren Höhe alljährlich im Reichshaushalt festgesetzt wird.
Für das Rechnungsjahr 1930 betrögt der Reichszuschuß 150 Millionen RM.
Paragraph 3. Um den Ausgleich zwischen Einnahmen und Ausgaben der ReichsanstaU zu erleichtern, soll der Vorstand der Reichsanstalt die erforderlichen Maßnahmen auf dem Wege der Verwaltung treffen. Zum gleichen Zweck soll er der Reichsregierung Vorschläge zur Reform des Gesetzes unterbreiten.
Paragraph 4. ' Uebersteigt der tatsächliche Bedarf der Reichsanstast sowohl die eigenen Mittel der Reichsanstalt als auch die Reichszuschüffe, so hat das Reich der Rei;anjtalt entsprechend Paragraph 163 des Gesetzes über Ardeitsoermitrlung und Arbeitslosenversierung Darlehen zu gewähren, jedoch mit der Maßgabe, daß die Reichsregierung nach Prüfung weiterer Ersparnismöglichkeiten auf dem Weg der Gesetzaebuna alsbald eine Gesetzesvorlage einzubringen hat, di« entweder durch Erhöhung des Beitrags die Rückzahlung der Darlehen ermöglicht oder durch eine Reform des Gesetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung den Ausgleich zwischen Einnahmen und Aue gaben herstellt oder zur Deckung der für die Darlehen ai-fzuwendenden Beträge dem Reich die notwendigen Mittel zuführt.
b) Die Paragraphen 2 und 3 des Artikels 1 erhalten die Nummer 5 unb 6.
c) hinter Artikel 3 wird folgender Artikel 4 angefügt: Artikel 1 Paragraph 1 tritt am 1. Juli 1930 in Kraft. 3m übrigen tritt das Gesetz mit dem Tage in Kraft, der aus die Verkündung folgt.
Dieser Antrag ist von alten ‘Parteiführern, die der Regierung nahestehen, unter Zeichnet worden mit Ausnahme von Leicht, dem Führer der Bayerischen Volkspartei. Welckie Gründe Leicht dazu bewogen haben, ist nicht bekannt.
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