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Ke. 83
Dienstag de«
Oana« Stadt und Land
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8. Ave»
1030
Das Neueste
— Das Reichskabinetk hat gestern dem Agrarprogramm Schieles zugesiimml.
— Der Skeuerausfchuß des Reichstages setzte gestern feine Verhandlungen mit der Einzelberatung der Deckungsvorlagen fort. Das Finanzprogramm ist bereits auf die Tagesordnung der heutigen Reichskagssihung gefetzt worden.
— 3m Reichsinnenministerium wird augenblicklich eine Denkschrift über den Streit zwischen dem
Reich und Thüringen ausgearbeitet.
— Die Saarverhandlungen sind wegen Frankreichs Ansprüchen auf den Kohlenbesitz dieses Gebietes ins Stocken geraten.
— 3m Rogens-Prozeß hat der Oberstaatsanwalt gegen August Rogens die Todesstrafe beantragt.
— In München ist gestern der Välkerrechks- lehrer Karl von Stengel gestorben, der Deutschland auf der ersten Haager Friedenskonferenz 1899 vertreten hat.
DSV Keßchsias
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Vertin, 8. April. Das Rsichskabmeit hat gestern die Agrarvorlage verabschiedet und es wird die betreffenden Gesetzentwürfe sofort an den Reichs- rät und den Reichstag weitergeben, damit noch vor der Osterpaust die erste Lesung der Agrargesetze im Reichstag vorgenommen werden kann. Die Agrar- vorlagen werden voraussichtlich im Parlament aus keine unüberwindlichen • Schwierigkeiten stoßen. Dagegen hat sich die Position der Regierung in der Frage des. F i n a n.z p r ag r a mm s seit der Atzten Kabinettssitzung am Freitag erheblich ver- fcbledjetert: Der Steuerausschuß des Reichstages Mrigeicyt. Es hat aber den Anschein, als ab die Verhandlungen im Steuerausschuß sich länger hin- l ziehen werden, als die Regierung vorgesehen hatte. 'Trotzdem will die Regierung heust bereits die allgemeine finanzpolitische Debatte im Plenum des Reichstages beginnen. Der Reichstag wird also jetzt die Frage beantworten müssen, ob er der Regierung die geforderten rund 300 Millionen Mark zur Deckung des Fehlbetrages im diesjährigen Etat bewilligen will. Man 'spricht allerdings im Parlament bereits von der Notwendigkeit, auch noch die ersten Tage der kommenden Woche mit in Anspruch zu nehmen. Daß die bevorstehende Entscheidung sehr ernster Natur sein wird, ist sowohl von dem Reichskanzler Brüning, als auch von dem Reichsfinanzmmister Moldenhauer erneut und mit aller Entsch-edsnheit betont worden. Der Reichskanzler hat auf der Tagung des Reichsaus- sihussts der Zentrumsparte' seine Darlegungen mit der Drohung geschlossen, das deutsche Volk werde selbst die Entscheidung in einem neuen Wahlkampf treffen müssen, wenn das Parlament nicht imstande sei, die ihm gestellte Aufgabe zu erfüllen. Ungefähr gleichzeitig hat der Reichsfinanzmimster in.Magdeburg versichert der Reichstag werde noch in dieser Woche vor eine ganz klare Frage gestellt werden und man werde es den Parteien nicht gestatten, aus den Vorlagen der Reg srung sich die eine oder andere Rosine hcrauszuluchen. Damit m ird ganz deutlich hervorgehoben, daß das Kabinett sich m der Steuerfrage nicht das unsichere Spiel der wechselnden Mehrheit gefallen lassen will, sondern von den Frakrionen, die im Kabinett vertreten sind, sine einheitliche Stellungnahme verlangt.
Die Regierungsparteien haben jetzt noch eine knappe Woche vor sich, in der sie den Versuch machen müssen zu einer Einigung in der Steuersrage zu gelangen. Gelingt ihnen die Eimgung nicht und fomrn* es darüber hinaus nicht zur rung einer Mehrheft, so wird der Ar titel 4 8 Platz greifen. Daß damit auch die Auflösung des Reichstages in greifbare Nähe gerückt ist, kann nach den Ausführungen des Reichskanzlers nicht ♦inen Augenblick bezweifelt werden.
D'e ketzie K-nkeMtem
„ Berlin, 8 April. Bezüglich der angedrohten Anwendung des Artikels 48 der Reichsver asiung sprechen die Sozialdemokraten von Verfassungs- Widrigkeit. Die „Germania" rechnet ihnen deshalb ?"r, daß bisher 145mal von diesem ominösen Ar- tikel Gebrauch gemacht worden ist, davon ganze 138nta[ von dem ersten Reichspräsidenten Ebert, der a doch Sozialdemokrat gewesen ist, und mir 7m> Um Reichspräsidenten v. Hindenburg, obwohl o.e Verordnungen des gegenwärtigen Reichspiastdenten $ lediglich auf die Aufhebung bestehender Ver- ugungen beschrankten. Wie wir bereits kürzlich Wien, ist wie so viele andere versprochene Gesetze Verfassung auch das Ausfiihrungsgesstz zu Ar- P^ "icht geschaffen. Es kann aber ein Zweifel darüber bestehen, daß unter die „Gei ihr Ung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung auch »e Nichtermöglichung einer soliden Finanz- und Menwirtschnft des Reiches fällt, falls etwa die.par- wmentarische Maschine versagen sollte. Dazu negcn sußer^w Präzedenzfälle aus der Zeit des Reichs- •'«böenten Ebert vor. Was damals bei dem Sa»
Schieks
Veogeamm im Kabinett
GvuttdiaWche GmSstmg des srerchsLaNttetts übev die «erre KsvavEs«
Berlin, 7. April. Das Reichskabinskk befaßte sich in seiner heutigen, unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning stattgehabten Sitzung auf Grund einer Vorlage des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft über ein „Gesetz zum Schutze der Landwirtschaft" mit den Agrarfragen. Die mehrstündige Aussprache führte zu einer grundsätzlichen Einigung. Eine abschließende Sabinelkssitzung wird morgen nachmittag slattfinden.
Nach dem Demokratischen Zeitungsdienst hat Ernährungsminister Dr. Schiele in der heutigen Kabinett ssitzung im wesentlichen folgende Vorschläge gemacht.
Der Durchschnittspreis für Weizen von 260 und für Roggen von 230 Mark soll beibehalten werden. Der Reichsernährungsminister beantragt für sich die Vollmacht, die Zölle für Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Erbsen nach Maßgabe der Marktlage herauf- und herabzusetzen. Die dreimonatige Frist, nach deren Ablauf der Zollsatz auf seine Aenderungs- bedürftigkeit hin geprüft werden soll, ist nicht nur für Weizen, sondern auch für Roggen vorgesehen. Eine etwaige Neubemessung des Zolles für Gerste, Hafer und Erbsen soll in das Ermessen des Reichsernährungsministers gestellt werden. Für die Einfuhrscheine soll keine Wertfestsetzung auf gesetzlicher
Grundlage erfolgen. Wie wir hierzu von unter
richteter Seite hören, würde die vom Reichsernäh-k rungsrninistcr vorzunehmende Bewertung der Ein-|
Teilte âamdsSâ
Berlin, 7. April. Der Präsident des Reichstages hak die Tagesordnung für die Dienskagsitzung nachträglich dadurch ergänzt, daß er die erste Lesung der dem Reichstag zugegangenen Vorlagen über die Rebergangsregelung des Finanzausgleiches und zur Vorbe- reitung der Finanzreform auf die Tagesordnung gesetzt hat.
Entsprechend den Ankündigungen des Finanzministers ist der Gesetzentwurf zur Vorbereitung der Finanzreform an der ursprünglichen Fassung gehalten. Er sieht also bei der Arbeitslosenversicherung noch die Beitragserhöhung bis zu 4% vor. Das Kompromiß Brüning- Meyer (3J4 Prozent Beitrag, 150 Millionen Eisenbahnobligationen und bei Mehrbedarf der Reichsanstalt spätere Regelung im Herbst durch ein neues Gesetz), wonach eine Beitragserhöhung vorläufig nicht stattfinden soll, wird durch einen Initiativantrag der Regierungsparteien dem Reichstag vorgeschlagen werden. Morgen werden die Meinungsverschiedenheiten über die Arbeitslosenversicherung
binett Luther unter der Präsidentschaft Friedrich Eberts angängig war, kann jetzt beim Kabinett Brüning nicht falsch sein. Umso weniger, als inzwischen der Staatsgerichtshof in einer Klage gegen Preußen ausdrücklich davon gesprochen hat, daß die geordneten Finanzlage schon einen
Sicherung einer geordneten Finanzlage schon einen ungewöhnlichen Notstand bedeutet, was damals von den Sozialdemokraten als durchaus berechtigt anerkannt und ausgenutzt wurde. Wie die Anwendung im gegebenen Fall allerdings erfolgen soll, darüber hat sich das Kabinett noch nicht entschieden. Das wird zum größten Teil von dem augenblicklichen Stand der politischen Verhältnisse abhängen. Immerhin besteht ja noch die Hoffnung, daß der Reichstag sich fügt, wenn er sieht, daß die Regierung energisch bleibt und im Rahmen der Verfassung zum Aeußersten entschlossen ist.
W*o und ReW^batt^e
Berlin, 8. April. Von maßgebender Zentrumseite wird dem Sozialdemokratischen Pressedienst mitgeteilt, daß sowohl im Parteivorstand wie im Parteiausschuß des Zentrums, die am Sanistag und Sonntag in Berlin tagten, nicht mit einem Wort von einer Loslösung des Zentrums vom Reichsbanner die Rede gewesen ist und entsprechende Erwägungen in den maßgebenden Instanzen des Zentrums auch n'cht schweben. — Die Auslassungen einer dem Zentrum na^tehenden Korrespondenz, die, wie gemeldet, das Reichsbanner heftig angegriffen hatte, seien, so heißt cs rvet- ter, als private Aeußerungen des Herausgebers dieser Korrespondenz zu betrachten.
Der Reichsdienst der deutschen Presse äußert sich zu dem Verhältnis zwischen Zentrum und Reichsbanner: Tatsächlich ■ sei in leitenden Kreisen des Zentrums der Gedanke einer Loslösung vom Reichsbanner ‘'rnftbaft erwogen worden, und zwar mit der Begründung, daß das Reichsbanner sich
fuhrfcheine erst nach Anhörung eines Fachausschusses erfolgen können. Sodann soll — nach der Information des Demokratischen Zestungsdienstes — Reichsernährungsminister Dr. Schiele beabsichtigen, den Beimahlungszwang von Roggen zu Weizen einzuführen, dessen Wirksamkeit unter dem Kabinett Müller von sachverständiger Seite übrigens ungünstig beurteilt worden ist. Sodann sollen, immer nach derselben Quelle, von Dr. Schiele Zollerhöhungen für Speck, Schmalz, Palmin, Talg, Eier, Mllch, Graupen, Grieß, Stärke und Sago vorgeschlagen worden seien. Die von uns bereits erwähnte Aufhebung des zollfreien Gefrierfleifch- kontingents soll vom 1. Juli an wirksam werden. Hierzu wird uns mitgeteilt, daß zum Ausgleich, d. h. für die Versorgung minderbemittelter großstädtischer Bevölkerungskreise, an Schweden und Norwegen gewisse Frischfleischkontingente zugestanden werden sollen.
bei der Frage der Beitragserhöhung naturgemäß aufs Neue hervortreten.
Ferner erhält die Vorlage die Bestimmungen über die Steuersenkung und Ausgabenersparnis. Ueber die Steuersenkung wird bestimmt, daß von den Ausgaben des ordentlichen Haushalts für 1930 mindestens 600 Millionen Mark im Haushalt 1931 einzusparen sind. Es wird darauf hingewiesen, daß im Jahre 1931 außer dem wegfallenden Schuldentilgungsfonds, der 450 Millionen ausmacht, noch mindestens weitere 150 Millionen, darunter 60 Millionen Br^tzEgskosten frei werden.
vielfach parteipolitisch betätigt habe. So habe die Berliner örtliche Organisation des Reichsbanners kürzlich gegen das neue Reichskabinett Stellung genommen? Die Mehrheit der Zentrumsparte: scheine indessen der Auffassung zu sein, daß eine Loslösung vom Reichsbanner nicht in Frage kommen dürfe, sondern daß vielmehr im Gegenteil der Einfluß des Zentrums in der Führung dieser Organisation stärker als bisher zur Geltung gebracht werden müsse, um einzeln« Entgleisungen zu verhindern.
ReMssusMuß dev Jenirumsvatek
Berlin, 7. April. Der Reichsausschuß der Deutschen Zentrumspartei setzte gewissermaßen inoffiziell seine Verhandlungen über Fragen des Ausbaues der Parteiorganisation und verstärkte Werbearbeit fort. Außerdem tagte der landwirtschaftliche Reichsbeirat, der sich mit der Notlage der Landwirtschaft beschäftigte. Mit besonderer Genugtuung wurde begrüßt, daß Reichskanzler Dr. Brüning die Agrarfrage als ein Kernstück der nationalen Wirtschaft und ihre Lösung in sein Programm ausgenommen und die entsprechenden notwendigen Vorlagen an- gekündigt hatte. In einer längeren Entschließung heißt es u. a.: Angesichts der ständig wechselnden Konjunktur erscheint es notwendig, der Reichsregierung entsprechende Ermächtigungen an die Hand zu geben, die eine schnelle Anpassung der Schutzmaßnahmen an die jeweilige Weltmarktlage gewährleiste. Die Resolution schließt mit der Aufforderung, schon jetzt alle Möglichkeiten zu Erleichterung auszunutzen, um unbeschadet des Endzieles auch für den' Wein-, Obst- und Gemüsebau und die Geflügelhaltung die erforderliche handelspolitische Bewegungsfreiheit zürückzugewinnen.
^förderliche Handels- irückzugewinnen.
Macht Tavdie« Schwrevjgketten ?
Auch der französische Senat hat den Doung- Plan mit einer überwältigenden Mehrheit angenommen. Vor der Abstimmung hielt Ministerpräsident Tardieu eine Rede, die zweifellos von der Absicht eingegeben war, die Annahme der Haager Vereinbarung auch den widerstrebenden Elementen der Rechten mund" gerecht zu machen. Von diesem Gesichtspunkt aus sind einige für den inneren französischen Gebrauch bestimmte Aeußerungen Tardieus zu erklären. Aber es bleiben auch dann noch ein paar Wendungen bestehen, über die wir in Deutschland nicht einfach zur Tagesordnung übergehen können.
Die Erklärungen, die Tardieu über die Sanktionsfrage abgegeben hat, decken sich mit der deutschen Auffassung. Der französische Ministerpräsident hat bestätigt, daß es keine militärische Sanktionen mehr gibt und daß alle Maßnahmen, die Frankreich etwa auf Grund einer Entscheidung des Haager Schiedsgerichts ergreifen sollte, sich in den Grenzen des Völkerrechtes und der bestehenden Verträge halten müssen. Ueber diese einst so umstrittene Frage können also Meinungsverschiedenheiten nicht mehr entstehen. Dagegen hat Tardieu den Anschein zu erwecken versucht, als ob in der Räumungsfrage doch noch Schwierigkeiten entstehen könnten. Die Voraussetzungen für die Räumung sind von ihm in voller Uebereinstimmung mit den Haager Abmachungen Namhaft gemacht worden: Annahme des Poung- plans, Inkrafttreten der Internationalen Zah- lunasbant und
spanne von acht Monaten zwischen der Erfüllung der Voraussetzungen und dem abschließenden Räumungstermin gesprochen hat. Diese Aeußerungen könnten die öffentliche Meinung in Frankreich leicht irreführen. Sie könnten zu der Auffassung Veranlassung geben, als ob Frankreich zur Ausführung der Räumungsverpflichtung auf eine Frist von acht Monaten Anspruch hätte. Davon kann selbstverständlich keine Rede sein. Das Entscheidende war und bleibt der Endtermin des 30. Juni 1930. Briand und Stresemann sind sich im Haag darüber einig geworden, daß am 30. Juni d. I. der letzte französische Soldat deutschen Boden verlassen muß. Da die beiden Staatsmänner damals glaubten, der Doungplan könne noch im Laufe des Monats Oktober ratifiziert werden, so ergab sich — aber nur unter dieser Voraussetzung! — für die Franzosen eine Räumungsfrist von acht Monaten. Die Haager Abmachung, ist aber ganz ohne Zweifel dahin zu verstehen, daß an dem 30. Juni als dem Endtermin auch dann festgehalten werden muß, wenn die Ratifizierung des Poungplans erst im Laufe des Monats April erfolgt. Jede auch noch so geringe Verschiebung des Endtermins wäre eine Zuwiderhandlung gegen den Sinn und den Wortlaut der feierlichen Haager Vereinbarung. Dies scheint trotz aller Unklarheit in feiner Ausdrucksweise auch die Anschauung Tardieus zu sein.. Denn der fron« zösische Ministerpräsident hat ausdrücklich erklärt, daß nach der Erfüllung der Voraussetzungen die Räumung so schnell wie möglich durchgeführt werden solle und daß niemarrd ein Interesse daran habe sie zu verzögern.
Zweifel an dem guten Willen Tardieus könnten allerdings dann doch wieder entstehen, wenn man in seiner Rede die Wendung liest, Deutschland müsse vor dem Beginn der Räumung die vollständige Schleifung sämtlicher Verteidigungswerke, und zwar nicht nur scheinbar, durchführen. Diese Forderung solle auch in einer Note an die deutsche Regierung zum Ausdruck kommen. In dem offiziellen Text der Rede, der offenbar abgeändert worden ist, ist diese Stelle etwas anders gefaßt. Es ist hier nicht von dem Beginn, sondern von der Beendigung der Räumung die Rede. Außerdem wird nicht von einer Note gesprochen, sondern von einem freundschaftlichen Rat, den Tardieu der Reichsregierung erteilen will. Wir glauben zu wissen, daß man an den maßgeben den Stellen in Berlin auch aus die Erteilung eines solchen Rates nicht den geringsten Werr legt. Die Dinge, auf die Tardieu anfpielt, sind
Die benttse Nummer umkaSt 12 Seiten