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Nr. 69

Samstag, den 22. März 1930

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Das Welker der nächsten Woche: kühl und unbeständig

I Der hier angekündigte naßkalte Nachwinter hat sich zu Beginn der Woche prompt eingestellt und i in Norddeutschland, wo es am kältesten war, viel­fach ergiebige Schneefälle, im südlichen Midtel- i europa vorwiegend Regen gebracht. Wie so oft nach I mißen Wintern, waren diese Schneefälle ergiebiger, ; als sie in manchen Gebietsteilen den ganzen Win­ter hindurch gewesen waren. Es hätte sich auch eine

Der Tag des Buches

»Jugend und 2MT am 22. März

Der Tag des Buches, der dieses Jahr unter der DeviseJugend und Buch" stattfindet, hat auch dieses Jahr wie in den vorhergegangenen, jenseits aller rein geschäftlichen Interessen, den Charakter einer kulturellen Werbeaktion. Es wirb für das Buch an sich geworben, für jenes Buch, das noch immer der wichtigst« B ildungsvevmlltler ist und zu Unrecht durch andere Faktoren etwas in den Hinter­grund gedrängt wurde. Und wenn diese begrüßens-

ihm allein eigentümlichen Wirkungen Gar ist. Allzu­sehr wird heute noch experimentiert, allzulange werden mißlungene (Experimente fortgesetzt. Trotz­dem aber hat sich zweifellos erwiesen, daß der Rundfunk nicht nur dem Buch notwendigerweise Abbruch tun muß, sondern daß er im Gegenteil un­geheuer viel zu seiner Verbreitung und Propagie­rung tun kann. Das beweisen z. B. die Autoren­abende, wie sie von zahlreichen Rundsunkgesell-

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weithin reichende zusammenhängende Schneedecke gebildet, wenn nicht ein zwar nur vorübergehen­der, aber doch ziemlich intensiver Warmluftein- s bmch den Schmelzprozeß sehr beschleunigt hätte, i In den Gebirgen dagegen hat sich die meist schon > verschwunden gewesene Schneedecke von Neuem : hergestellt. Die Niederschläge waren übrigens viel- E such recht ergiebig, so daß in manchen Landestei­len wenigstens der dringendste Bedarf an Boden- swchtigkeit einstweilen gedeckt ist.

cht I Obwohl die recht veränderliche Witterung der sei I letzten Woche den Uebergang zum Frühling be« zu [ reits unzweideutig erkennen ließ, kann doch zu- tk ...... ..... ' "

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nächst auf wirkliches Frühlingswetter noch nicht ge­rechnet werden. Das mag etwas sonderbar klingen, nachdem besonders Süddeutschland, die Schweiz und Oesterreich im Laufe der Woche schon völlig frühlingshafte Temperaturen zu verzeichnen hat­ten. So sind in Oberbayern, am Bodensee und am Lberrhein schon 14 bi 15, in Zürich 16, in Wien 19 Grad Wärme erreicht worden. 17 bis 19 Grad Celsius hat es auch in der Tschechoslowakei, Un- gam und Südpolen schon gegeben, und in Jugo­slawien ist sogar schon der Sommer eingekehrt, da Belgrad am 18. März mit einer Höchsttemperatur von 25 Grad Celsius bereits einen ungemein zeiti-

gen Sommertag erlebt hat. Aber wie eine Schwalbe noch keinen Sommer macht, so bedeuten vereinzelte warme Tag noch nicht den Frühling, und so paradox es klingt: sie verzögert ihn ge­radezu, indem dem Warmlusteinbruch fast stets ein umso intensiverer Vorstoß der Polarfront auf dem Fuße folgt. Bei der erwähnten intensiven Erwär­mung des europäischen Südostens handelt es sich um einen durchgreifenden Scrirocco-Einbruch aus dem östlichen Tripolis über das Mittelmeer nach der Wria, deren Ostküft« Donnerstag früh schon sommerliche Morgentemperaturen bis zu 18 Grad Wärme meldete. Die erhitzte Luft vom Westrand eines über dem östlichen Mittelmeer, nördlich von Aegypten, verlagerten Hoch wurde von flacheren Zyklonen über Italien und den benachbarten Ge­bieten angesaugt, und in Wechselwirkung mit beb mitteleuropäischen Kaltluft bildete sich rasch ein tie« ferer Wirbel, der von der Adria nordwärts nach ~ _ Polen wanderte, und dessen dampfgesättigte warme Vorderseitenluft im östlichen Mitteleuropa zu neuen eii|i Niederschlägen Anlaß gab, nachdem auch in Mittel- tefien 18 Grad Wärme -reicht worden waren.

üch in den übrigen Landesteilen kam es wieder .....sagen, , teils als Regen, ttMs in Lorm Ulen, da im Bereich der Ostseeküste, am hb des polnischen Tiefs, die nordwärts ab« geflossene Warmluft im Sinne der zyklonalen Dre- hun; nach Westen floß und überall auf die in Mit­teleuropa verlagerten kälteren Luftschichten auf« ghtt Auch die zahlreichen im Norden und Westen des Erdteils noch befindlichen Störungen werden, wie bisher, die Witterung unbeständig erhallen und

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zu weiteren Niederschlägen Anlaß geben.

Augenscheinlich wird dieses aus zahlreichen Ein­zelwirbeln bestehende, den größten Teil Europas bedeckende Tiefdruckgebiet trotz mancherlei Aende­rungen im Einzelnen die Großwetterlage noch für geraume Zeit beherrschen, und auch der vom Rande des Eismeeres stammende, über den europäischen Westen südwärts fließende Kaltluftstrom wird vor­läufig nicht versiegen, obwohl er von neuen atlan­tischen Wirbeln vorübergehend auf den Ozean ab- gelenkt werden wird. Von kurzen Perioden der

werte Veranstaltung dieses Jahr unter der Devise Sagen und Buch" stattfindet, so ist bamit ein Programm angebeutet, das für den Absatz des deutschen Buches zahlreiche neue Impuls« auslösen kann.

Es war einmal so, daß alles, was honte Kino, Rundfunk, Zeitung und Sport absorbieren, allein oder wenigstens vowiegond dem Buche vorbehalten war. Man hat heute vielfach den Eindruck, daß das Buch nicht mehr jene zentrale Stellung bei der Bildung des einzelnen jungen Menschen einnimmt, wie früher. Damit ist nicht gesagt, daß deswegen weniger Bücher gekauft werden. Das stimmt nicht. Der Buchabsatz in Deutschland ist nicht unbefriebi« genb. Aber das Schöpfen aus der Quelle, die das Auch allein ermöglicht, $- ohne Zweifel einer Bil- dungsvermittlung aus zweiter und dritter Hand gewlchem. Es steht zweifellos fest, daß besonders Kino und Rundfunk viele Positionen erobert haben, bie früher dem Buch allein vorbehalten waren. Es ist daher unwichtig zu untersuchen, ob die erwähn­ten technischen Errungenschaften dem Buch not­wendigerweise Konkurrenz machen müssen, oder ob ein gedeihliches Zusammenarbeiten zur Förderung von Bildung und Kultur möglich ist.

Von einer direkten Konkurrenz, die dem Buch g«macht wird, kann man trotzdem eigentlich nur beim Rundfunk sprechen. Und blies auch wohl nur deshalb, weil der Rundfunk trotz aller technischen Vollkommenheit sich noch durchaus nicht über die

schäften in zunehmendem Maße verunstaltetet den. Es hat sich mehr als einmal gezeigt, daß das blos« Anhören eines Buchzitates im Rundfunk den

wer-

Hörer zum Ankauf dieses Werkes veranlaßt. Es ist deshalb auch begrüßenswert, daß sich fast alle Rundfunkgesellschaften in den Dienst der Buch­propaganda anläßlich des Tages des Buches ge­stellt haben.

Die Krise des Buches, von der soviel di« Rede ist, ist eng verknüpft mit der Begriffsumwertung, die die Musezeit, die Freizeit, der Sonntag nach dem Krieg« erfahren haben. Menschen vom Sonn­tag, wie sie Jahrzehnte lang die Lustigen Blätter füllen, gibt es nicht mehr. Die Jugend von heute begibt sich opm, Arbeitsplatz zum Sportplatz oder zu. politischen Versammlungen. Es wäre sehr ver­kehrt, daraufhin ein Werturteil über diese Jugend aussprechen zu wollen. Aber es ist eine Erklärung dafür, daß die Jugend von heute nicht mehr so be­dingungslos zum Buch greift wie früher. Wenn sie es aber tut, und diese entscheidende Tatsache wird viel zu oft außer acht gelassen, dann kauft sie nicht so viel Schund wie früher. Man sehe sich die Er­gebnisse von Bücherrundfragen unter Jugendlichen und in höheren Schulen an. Man wird freilich sehr viel Modernes und recht wenig Klassiker darunter finden. Aber welch« Jnteressenweite, welch sicherer Geschmack! Und wem das nicht genug ist, der er­kundige sich nach der Auflagenziffer einiger Reise­bücher aus den letzten Jahren.

* Daten für 23. uud 24. März 1930. 21 8. 1842: der fmng. Schriftsteller Henry Beyl« (©ten« dhal) in Paris gest 24. 3.: 1844: der dänische Bild­hauer Albert Thorwalidsen in Kopenhagen gest; 1882: der amerikanische Dichter Henry Wadsworth Longfellow in Cambridge gest.; 1905: der fvanz. Schriftsteller Jules Berne in Amisns gest.

* Musikalische Passionsfeierstunde. In der Ma­rienkirche veranstaltet morgen abend 8 Uhr der Posaunenchor des Christlichen Vereins junger Männer eine musikalische Passionsfeierftunde. Siehe heutiges Inserat.

* Ein unglücklicher Sturz. Am Donnerstag nachmittag gegen 5.30 stürzte auf der Landstraße Hanau Langenselbold in Höhe des Lamboywaldes ein junger Dèann aus Rückingen in vollem Janpo derart unglücklich von feinem Fahrrad, daß er einen Unterarmbruch davontrug. Der Verunglückte wurde von einem zufällig vorüberkomwenden Kraftwagen in ein hiesiges Krankenhaus verbracht.

* Der Verein für das Deutschtum im Auscard. Ortsgruppe Hanau, veranstaltet heute abend 8.15 Uhr, im Hotel Adler einen Bunten Abend.

* Neue Ausbildungs- und Prüfungsvorfchrkste» für das Pflegepersonal in der Säuglings- und Kleinkinderpslege. Der Reichsrat stirMuie in fei­ner Sitzung vom 20. dieses Monats mehreren vom Reichsminister des Innern vor gelegten Entwürfen zu, nach denen die Landesregierungen ersucht wer­den, die Ausbildug und staatliche Prüfung des Pflegepersonals auf dem Geb test bei Säuglings« und Kleinkinderpflege nach bestimmten Richtlinien einheitlich zu regeln. In Zukunft wird unterschie­de werden zwischen Säuglings- und Kleinkrndsr- pflogerinnen, die in einem einjährigen Lehrgang ausgebildet und für die Pflege gesunder Säuglinge und Kleinkinder in bet Familie bestimmt find und zwischen Säuglings- und Wernkinderfchwesteam, ixe mach zweijähriger Ausbildungszeit vorzugsweise für di« Versorgung kranker Kinder, in erster Amte tu Anstalten, in Betrackft kommen.

* Ausnahme auswärtiger Schüler in die Han­delsschule und Höhere Handelsschule. Bezüglich der Ausnahme auswärtiger Schüler und Schülerinnen in die zweijährige Handelsschule sowie m di« Höhere Handelsschule besteht, wie der Schulleitung mitgeteilt wird, in weiten Kreisen die irrtümliche Ansicht, als ob in Zukunft auswärtige Schüler (innen) überhaupt nicht mehr ausgenommen wür­den. Demgegenüber wird festgestellt, daß auch wei­terhin auswärtige Schüler (innen) in diese genann­ten Schulen ausgenommen werden; nur muß sich bie Schulleitung das Recht Vorbehalten^ bei einer zu großen Zahl von Anmeldungen eine Auswahl zu treffen, da auf Grund des Beschlusses der stöbt Körperschaften nur je eine AufnatMeklajs« gebildet werden kann.

* 34. Mittelrhein, kreislurnfest in Hai»». Dem 34. Mtttelrhsiniichem Kreisturr' 7

4. August) geht im den Tagen vom 26. bis 28. Juli als Vorfeier das Gouturnfest des Gaues Main- Offenbach-Hanau voraus, das auf dem Gelände des Kreisturnfestes seine Abwicklung erfährt und somit einen würdigen Auftakt des größten Turn­festes im ganzen Mittelrhein bildet. Der morgen nachmittag 2 Uhr m der Turnhalle des Turnvereiims Kesselstadt stattfindende Gautag des Gaues Mam- Offsnbach -Hanau wird sich in der Hauptsache mit dem Gauturnfest zu befassen haben, bas ein leb­hafter Beratungspunkt zu werden verspricht. Im

gefaßt werden, die für Hanau als Austragungsort Interesse sind. Ueber den

von ganz besonderem Verlauf des Gautages ausführlichen Bericht bsilag«.

finden Interestenten _emen in unserer Monta g-Sporr-

Am Samstag, 5. April.

* Ulanen-Treffen. abends 8 Uhr, begeht Ulanen zu Frankfurt im großen Saale des Volks- bildiungsherms, die Feier seines 25jährigen Be­stehens. Sonntag, 6. April, peranftaliet der Verein

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Auflieiterung und vorübergehender Erwärmung I die Temperaturen im Durchschnitt die normalen abgesehen, wird also das zu Niederschlägen nei- Werte dieser Jahreszeit nicht nennenswert über« gende und veränderliche Wetter fortdauern, wobei J schreiten dürften.

das Gesicht nicht von dem Fenster, bis das mächtige Astwerk der Alleebäume ihm den Blick versperrt«.

Roman von 3. Schneider-Aoersü

6rheber-Hechtsschntz darob Verlag Uekar Meister. Werdao (Sa.).

44 Fortsetzung.

(Nachdruck verboten.)

Sie muh sich an die Portiere halten, um nicht schwach zu werden. Auf dem Boden kniete ihr Diann und hielt den Knaben mit beiden Armen an sich gedrückt, das schmale Klndevgesicht immer und immer wieder mit Küssen bedeckend:Wenn ich dich nicht mehr schen sollte, mein Junge vergiß deinen Vater nicht! Vergiß mich nicht!" Vaterle!" schluchzte der Weine.

»Werde ein guter Mensch, mein Bub und mach deiner Mutter Freude! Klein-Peter, solch einen unglücklichen Vater hast du. Solch einen unglück­lichen Vater!"

Bmnhrlde hörte ein würgendes Austchluchzen und ließ bie schweren Samtvorhänge zusammen- faUen. Lautlos drückte sie das Gesich hinein.

Fünf Minuten später gingen sie nach der Halle, nor deren Eingang der Kraftwagen stand. Man wollte in Wien Bernd noch besuchen, der schon seit einer Woche wieder an der Hochschule war. Brun­hilde unterrichtete Friedrich, daß sie morgen abend wieder zurück sein werbe. Der Herr Baron wolle nach Krösoly zur Jagd und gedenke einige Wochen 8u bleiben.

Ohne alles Gepäck," wunderte sich der Alte. Aber seine Miene zeigte keinerlei Erstaunen, als er jetzt den kleinen Handkoffer des Gebieters Neben dem Chauffeur verstaute und den Schlag in nie Riege! springen ließ.

Von einem der Fenster im ersten Stock kam Klein-Peters helles Stdinmchen:Auf Wiedersehn, Papa!"

Auf Wiedersehen, mein Bub!"

Komm bald wieder, Vaterlei" Nun schwangen in dem Stimm djen Tränen mit.

Anstettsn wandle sich im Sitze um hielt die Anni« «ach dein Knaben ausgestreckt. Eine dunkle Rost flog ihm auf die Schulter. Sie war voll er­blüht uno ließ einen Regen von brennendem Blatt­werk über seine Bruft ergehen.

Mein Herzblut, dachte der Baron unb wandte

Bernd stellte feine ganze Studentenbude auf den Kopf, als die Eitern so unerwartet bei ihm ein« traten. Brunhilde strich ihrem Aeltesten das dunkle Haar aus den Schläfen und forschte in feinem Ge­sicht, seufzt« und hielt für einen Augenblick seine Hand gegen ihre Wange:Homm, sobald du ir­gendwie kannst, Bernd. Allenfalls kann ich dir auch jeden Sonnabend den Wagen schicken, daß du den Sonntag über bei mir bist."

Und Papa"

Er verreist für einige Wochen."

Bernd sah nach beim Vater und verbarg sein Erschrecken. Es war ihm in der ersten Begrüßungs- freube gar nicht aufgefallen, wie abgemagert und verhärmt dieser aussah. Als er vor Wochen nach Wien gegangen war, hatte dessen Scheitel noch ganz dunkel geglänzt und nun zogen sich Silber- fäden dazwisâhen hin und an den Schläfen begann es sich zu lichten.

Bist du krank, Vater?" In der jungen Stimme schwang grenzenlose Angst mit.

Ein bißchen, mein Junge! Ein Keiner Fie- beranfalL Aber das geht vorüber. Ich hoffe, daß ich inich in Ungarn rasch erhole."

Bernd wollte Wein entkorken, aber BrunhiDe stellte die Flasche zur Seite und schlug vor, man wolle zusamunen eine Wagentour unternehmen vielleicht nach dem Kobenzl. Er und der Vater sollten vorausfahren. Sie würde noch rasch einiges besorgen und dann mit einem Mietauto nach­kommen.

Die lieiden Herren waren einverftanden. Als man zusa«nmen die Treppe herobstieg, hielt der junge Mann die Dtutter am Arm zurück und sah

Bernd hake dem Vater bie Decke über die Kniee gebreitet und sorgte sich nun, ob ihm auch die Zug­luft, welche das rasche Tempo des Wagens verur­sachte, nicht schädlich sei.

Anstetten verneinte apathisch, saß dann schwei­gend in die Ecke gelehnt und ließ den Blick über bie Weinberge schweifen, die sich an den sonnenbeschie- nenen Hängen hinaufzogen. Als man durch Grin­zing kam, war das Leben uib Tosen der City längst verstummt

Es war ganz ländlich still heraußen, nur ab und zu gellte ein Hupensigmal! Das Rattern eines Mo- lorrados schlug für Sekunden Lärm! Dann wieder Ruhe!

Grüne Wipfel schlugen über dem schwarzen Asphalt der Straß« zusammen^ Villen neigten sich

grüßend durch Gesträuch und Ast werk! Hinter schü­tzenden Gittern zogen sich die gepflegten Reihen der Weinstöcke hin, die im violetten Blau der Reben

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Der Wagen nahm die vielen Kurven, die nach dem bekannten Ausflugsort führten, mit Eleganz und Leichtigkeit und hielt dann ohne jeden Ruck vor der Riesenstraße, von der aus sich der Blick an dem grandiosen Bilde Wiens sattrinken konnte.

Anstotlon bestellte für Bernd und sich eisge­kühlte Limonade und sah sich, während er den Ober damit beauftragte, flüchtig um. Es war noch früh an der Zeit und von den Tischen waren nur einige wenige schon besetzt. Ein halb Dutzend Kell­ner saßen in weißen Jacken und ebensolchen Bein­kleidern an die Brüstung gelehnt und warteten auf die Flut von Gästen, die zwischen vier und fünf Uhr einzusetzen pflegte.

Ganz unvermutet legten sich Hans Peters Hände auf die des Sohnes und blieben darauf ruhen:Es bleibt mir nicht mehr viel Zeit Bernd! Die Mama wird bald kounnen. Aber ich möchte

mit seinen Gästen ein gemütliches Zusammensein mit den Hanauer Kameraden in Hanau. Die be­stehenden Vereine haben ihr Erscheinen zugesagt.

* Neue Hanauer Larneval-Gesellschast 1910. Wir verweisen nochmals auf die heute abend in der Narhalla" Centralhalle stattfindende große Schluß­sitzung mit Ordenskagitel. Der Vorstand hat weder Kosten noch Mühe gescheut, den Besuchern einige gemütliche Stunden zu bereiten.

mit einem verzweifelten Blick auf die voraus- eende Gestalt des Vaters:Er ist todkrank, ma." Sein Flüstern war von Tränen gewürgt. Sie legte rasch den Finger auf die Lippen, denn der Baron hatte sich eben zuriickgewandt, um zu sehen, ob ihm die beiden folgten.' Brunhilde blieb noch eine ganze Weile stehen, obwohl der Wagen der Gatten und Sohn davontvug, bereits außer Sicht war. Dann bog sie die Schultern gerade und wandte sich nach been Stadtbezirk, in welchem die Mariahilserstraße «imnündet«.

nicht wegreisen, ohne dich gebeten zu habemdaß du ihr «nrmer der treubesorgte Sohn bleibst, der du bisher gewesen bist". In das maßlos verzweifelte Gesicht des jungen Mannes schauend, setzte er rasch hinzu:Ich bin krank, Bernd! Todkrank! Wie du ganz richtig bemerkt hast. Um nun die Mama nicht durch den ganzen Verlauf meines Siechtums zu ängstigen, habe ich diese Reise angetreten, von der ich voraussichlich nicht mehr zurückkonnnen werde."

Bat«r, wie kannst du mich so in Angst ver.

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»Nicht so laut", wehrte Anstetten. »Es ergibt sich keine andere Gelegenheit, mit dir darüber M reden. Du mußt mich hören. Das Fieber hat mich vollständig in der Gewalt. Es hat mich lange ge­nug geschont! Fünf Jahre! Ich hatte kaum mit drei gerechnet und habe allen Grund dem Ge­schicke dankbar zu sein, daß es mir diese ungetrübte Frist des Glückes gönnte. Denn es ist ein Glück gewesen, Bernd, in des Wortes vollster Bedeutung bis an den Rand mit Liebe und Seeligkeit gefüllt. Deine Mutter hat mir gegeben, was eine Frau einem Manne nur zu geben vermag. Und du du hast mich geliebt, mein Junge." Er neigte sich herab und küßte, ehe Bernd es hindern konnte, die unruhig zitternde Hand^ die auf der gemusterten Decke lag.

Vater," stammelte er hilflos.

Laß mich, mein Bub! Es ist das einzige und letztemal. Du und Mutter, keines von auch bei. den benötigt mich mehr. Es bleibt nur 5" ' ,

um dessen Zukunft ich mich sorge. Und als Bernd schwieg, weil ein Sprechen für ihn unmöglich war, fuhr er eindringlich weiter:Du bist schon ein Mann, Bernd! Er noch ein Kind. Du kannst mir das Gehen so sehr erleichtern, wenn ich dein Wort hätte, daß du Vaterstelle an ihm vertrittst, wenn ich nicht «nähr bin."

Das junge Gest clst glitt tief auf die Brust herab, um das Austchluchzen zu unterdrücken, das ihm nist und Kehle zusammenschnürte.

Willst du, Bernd?"

Ein stummes, hilfloses Zucken des jungen Mun­des. Bernds Hände schoben sich in die des Vaters, während das fahle Gesicht sich tief darüber herab­neigte.

Ich nehme dein Schweigen als Versprechen an," ging Anstettens Stimme über ihn hin.Was ich irgendwie fehlte, das habe ich redlich zu büßen und allezeit gut zu «nochen gesucht. Bewahre mir ein liebes Gedenken, Bernd! Sei deiner Mutter ein guter Sohn und dein kleinen Bruder ein treuer Vater, wie ich dir zu sein bemüht war. Und Bernd dort kommt die Mama," unterbrach er sichwir wollen ihr entgegengehen, mein Junge!"

Er taumelte, als er sich erhob und griff dank­bar nach dem Arm des Sohnes, der sich ibm bot.

(Fortsetzung folgt.)