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Seite 3

Stadt Kanau

Am die SeBken-vdnuus

Die verkehksorganisakion für die bisherige s Regelung

Der Burch Deutscher Verkehrsvereine hat sich im Zusammenhang mit dem Plan des deutschen Unter­richtsministeriums, die jetzige Schuljahrs- und f FerienordnunF einer Abänderung zu unterziehen, i sowohl m verschiedenen Sitzungen als auch im ■ schriftlichen Verkehr mit feinen Mitgliedern ein- ! gehend mit dem Problem der zweckmäßigsten Ein- ; teilung des Schuljahres befaßt. Das Ergebnis die- [ fes Meinungsaustausches läßt sich kurz in dem - Wunsch zusammenfassen, es im allgemeinen bei der bisherigen Regelung zu befassen. Dabei ging man . ! pon dem Gedanken aus, daß die Ferien so auf das ’ Jahr zu verteilen sind, daß Beginn und Ende der : Saison möglichst weit herausgerückt werden, eine ! Zchammenballung der Ferien auf einige Monate I des Jahres aber unter allen Umständen vermieden werden muß. Als erstrebenswert bezeichnen die r Verkchrsorganisation einheitlich die Festlegung des i Schuljahres auf die Zeit vom 1. April bis 21. März, s sowie eine kalendermäßige Bindung des Oster- und > Pfingstfestes. Solange das nicht erreicht ist, sind ’ die Voraussetzungen für eine großzügige Reform s nicht erfüllt, so daß unter den gegebenen Verhält- i Nissen die augenblickliche Feireneinteilung aus tech- E nischen, wirtschaftlichen, sozialen und auch päda- s gogischen Gründen, wenn auch nicht als ideale, so doch als die derzeitig zweckmäßigste Lösung anzu- ? sehen ist.

Wev et&äii ein Avmutsreusttrs

Welch große Rolle das Armenrecht im Prozeß­verfahren spielt, geht aus der Tatsache hervor, daß im Jahre 1928 bei den preußischen Landgerichten und Oberlanüesgerichten fast ein Fünftel aller Par­teien im Armenrecht prozessiert hat. Das Armen- recht wird von dem Prozeßgericht aufgrund eines von der obrigkeitlichen Behörde (im Rheinland und Westfalen der Bürgermeister) ausgestellten Armuts­zeugnis bewilligt, aus dem sich ergibt, daß die Partei ohne Beeinträchtigung des für sie und ihr« Familie notwendigen Unterhalts nicht in der Lage ist, die Kosten des Prozesses zu bestreiten. Weiter­hin muß die beabsichtigte Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung nicht mutwillig oder aussichts­los erscheinen. Das Armutszeugnis ist von dem Bürgermeister nur dann auszustellen, wenn ein völliges oder teilweises Unvermögen des Antrag­stellers zur Zahlung der Prozetzkosten vorliegt. Sind' biefe Voraussetzungen nicht gegeben, so darf ein Armutszeugnis überhaupt nicht ausgestellt wer­den. Bei der Verweigerung des Armutszeugnisses hat der Antragsteller ein Beschwerderecht an die vorgesetzte Behörde. Wenn diese bei sorgfältiger Nachprüfung der Vermögensverhältnisse des An­tragstellers jedoch der.Ansicht ist, daß ein volles oder teilweises Unvermögen des Beschwerdeführers zur Bestreitung der Prozeßkoften vorliegt, io hat sie Ke unterasordnëte Behörde zur Ausstellung des MlEiutszeugnisies anzuweisen. Die..Ausstellung des ^CT^J^ Prüfung iLâ ob. diL. eabsichngte Rechtsverfolgung mutwillig ober aus­sichtslos erscheint. Diese' Fragen unterliegen viel- ’ mehr der Nachprüfung des Gerichtes, das unter Zugrundelegung des Armutszeugnisses und etwaiger sonstiger Beweismittel endgültig über den Antrag auf Bewilligung des Armenrechts zu ent­scheiden hat.

31 Fortsetzung.

„aW Aeö»"

Roman von 3. Schneider-Foerstl Ürheber-Recbtsachuta durch Verlag Oskar Meister, Werdau (Sa.).

* Berakungsstunde für Lungenkranke. Die nächste unentgeltliche Beratungsstunde für Lungen­kranke aus dem Landkreis Hanau findet am künf­tigen Mittwoch, den 12. März, nachmittags 3% Uhr im Landeskrankenhause in Hanau unter Leitung des Herrn Landesobermedizinalrats Dr. Zuschlag statt. Zu beachten ist aber, daß jeder diese Beratungsstunde aufsuchende Kranke sich im Besitze des blauen Ueberweisungsscheines seines behandelnden Arztes sich befindet.

(Nachdruck verboten.)

Dann rannte ich nach Hause, um mein« Frau zu verständigen, daß sie nach einem Arzt telephoniere, während ich selbst Verbandszeug zusammenrasfte und wieder zurückhetzte.

So viel ich auch eilte, es mochte doch zehn Miim- ten gedauert haben.--

Als ich hinunterkam, war der Platz leer. Das Gras ringsumzertreten und mein blutgetränktes Hemd zusammengewickelt unter einem Baumstumpf geschoben. Ob sich der Herr Baron selbst sort- geschleppt hatte, oder andere Hände mit dabei im Spiele waren, bas vermag ich nicht zu sagen. Ich setzte sofort meine beiden Teckel auf die Fährte. Sie sind sonst verlässiger als Polizeihunde und ha­ben eine Nase, um die jedes Raubzeug sie beneiden könnte. — — Aber in diesem Falle versagten sie vollständig. Sie sprangen nur immer klaffend ge- gegen eine Fichte und vollbrachten ein Geheul, als ob ein Handwerksbursche dort Platz genommen hätte. . _ r

Es gelang mir trotz allen Befehlen euch!, sie zur Ruhe zu bringen. Dann wurden sie aus ein­mal ganz still, begannen nur kläglich zu winseln und auf allen Bieren heranzukriechen, als wallten sie bei mir Schutz vor etwas ganz Ungeheuerlichem finben. ' __

Ich kümmerte mich nicht weiter um sie, tief und stolperte über einen Browning, der im Grase lag — I— Er trug das Wappen des Grafen Oertzen eingraviert. — Das Rätsel war für inich gelöst. Es inußte sich um ein Duell gehandelt haben, das ohne jeden Zeugen verlausen war.

Ich rannte den Wald kreuz und quer, habe die Holzarbeiter alamiert und ihnen gesagt, der Herr Baron hätte einen Fehlschuß gemacht und wäre möglicherweise dabei verunglückt.

Als ich drei Stunden später nach Hause kam, brach ich nor Aufregung zusammen. Dem Arzt, der inzwischen eingetroffen war, hatte meine Frau gesagt, daß ich mich geirrt habe. Es müsse sich

W$i Goetzsch

Mee «AmsMa und Guvopa

Evfiev Sovivag dev staatsvoUirichen S-vivassveihe

Amerika glich jahrelang einer Sphinx. Rätsel­haft war uns Deutschen sein Verhalten. Ein Ozean bitteren Gefühls trennte uns von ihm. Nach dem Kriege baute das deutsche Volk aus Wilsons Ver­sprechungen, rüstete ab — und wurde in Sklaverei geführt. Das einst so feierlich verkündete Selbst- bestimmungsrecht der Völker — für die besiegten Staaten hatte es keine Geltung. Das Einstehen für ,/fair ploy", das man immer als eine Kardinal­tugend des ganzen amerikanischen Volkes pries, war ausgelöscht. Das Bewußtsein des Rechts auch für den unterlegenen Gegner war geschwunden. Die furchtbare Kriegsnot aller europäischen Länder, die drohende Hungerkatastrophe in Mitteleuropa suchte man zwar durch mildtätige Spenden zu bannen. Viel Gutes wurde getan, aber dem Urübel, dem Friedensvertrag von Versailles wandte man den Rücken. Zwar unterschrieb man ihn nicht, doch man verurteilte ihn nicht Uèberall Widersprüche im amerikanischen Wesen, die bei uns Deutschen eine tiefe Verbitterung hervorriefen. Erst der Tätigkeit des vor einigen Monaten zurückgetretenen ameri­kanischen Botschafters in Berlin, Dr. Shurman, der sich für eine Verständigung einfetzte, gelang es, die falsche Blickeinstellung hüben wie drüben zu revidieren und die gewisse Unkenntnis der deut­schen und amerikanischen Psyche zu beheben. Sert- dem haben sich die Beziehungen zwischen Hüben und drüben bedeutend gebessert und es steht fest, daß heute in Amerika allgemein das Bestreben vor­herrscht, gute Beziehungen mit Deutschland herzustellen, soweit Ersteres überhaupt Interesse an Europa hat.

Wie weit in Amerika dieses Interesse vertreten ist, darüber berichtete gestern abend Universitäts­professor Dr. Hoetzfch in der Stadthalle im Rahmen der ' staatspolitischen Vortragsreihe, die die Reichszentrale für Heimatdienst in diesen Ta­gen in Hanau veranstaltet. Professor Dr. Hoetzsch ist wiederholt als Austauschprofessor in den Ver­einigten Staaten gewesen, das letzte Mal im Jahre 1928 und hat dabei Gelegenheit gehabt, das ame­rikanische Volk in seinem ganzen Wesen kennen zu lernen. Redner stellte zunächst fest, daß Amerika eine nicht übermäßig wachsende Bevölkerung hat, auf der andern Seite aber wirtschaftliche Entwick­lungsmöglichkeiten besitzt, die heute noch nicht aus­geschöpft sind. Daraus erklärt sich, daß die sozialen Gegensätze zwischen Arbeitnehmern und Kapita­listen bei weitem nicht so groß sind wie in Europa, besonders in Deutschland. Man hat im Gegenteil das Gefühl, als wenn Unternehmer und Arbeiter beiderseitig Sicherungen suchten, indem sie gemein­sam für den Schutzzoll eintreten, um den wirt­schaftlichen Aufbau atemlos weiterzuführen. Dem­zufolge ist es nicht verwunderlich, daß das Volk im politischen Sinrw eigentlich konservativ ist. Es gibt zwar auch dort Sozialisten und Anarchisten, aber die

mark ergab, das schon infolge des Gesetzes der Trägheit von Jahr zu Jahr eine weitere Erhöhung erfahren dürfte. Bemerkenswert ist, daß die deut­schen Anleihen gerade unter die kleinen Leute Amerikas gekommen sind, die nunmehr ein Inter­esse an der Rentabilität dieser Anleihen, haben. Daraus kann man entnehmen, daß die Amerikaner an Europa nicht ganz so uninteressiert sind, als es zunächst scheint. Auch politische Verpflichtungen sind vorhanden, — Redner erinnerte an den Kelloggpakt und an die internationale Zahlungsbank und an die Seeabrüstungskonferenz. Aus materiellen und ideellen Gründen ist eine gewaltige Bewegung für die Abrüstung vorhanden, besonders treten die amerikanischen Frauen mit Energie dafür ein. Und in Amerika ist der Einfluß der Frau in diesen Din­gen außerordentlich groß. Man sieht also wirt­schaftliche und politische Verflechtungen mit Eu­ropa, die immer stärker und stärker werden. Ge­wiß handelt es sich dabei noch nicht, um Lebens­fragen für Amerika, denn wenn alles resultatlos ausginge, blieben die Vereinigten Staaten doch noch was sie sind, aber die Entwicklung der letzten Jahre spricht doch dafür, daß man dabei ist den Isolierungsgedanken aufzugeben.

Hierfür spricht auch, wie Redner betonte, die ganze Persönlichkeit des jetzigen Präsidenten. Hoo­ver ist sehr viel in der Welt herumgekommen und sieht die Entwicklung von der weltwirtschaftlichen Seite an. Und da er außerhalb der Partei­maschinerie auf seinen Posten gekommen ist, so so wird sein Hauptaugenmerk darauf gerichtet sein, außenpolitische Erfolge zu erzielen, mit denen er sich seine Wiederwahl sichern kann. Für die An­nahme der Aufgabe des Jfolierungsgedankens spricht aber auch die Einstellung einer kleineren Schicht, aber einer Bildungsschicht, die größeren Einfluß besitzt als bei uns. Redner hat bei dieser ; Schicht eine gewisse Katz enfamm«rstimmung über den Ausgang des Krieges festgestellt. Wohl herrscht kein Zweifel darüber, daß der Amerikaner Recht getan hat, in den Krieg gegen Deutschland mit ein­zutreten, aber ein großer Zweifel besteht über die Frage: Hat der Kriegsausgang dem entsprochen, was Wilson als Forderung zum Eintritt in den Krieg uns vargezeichnet hat. Und die Antwort lau­tet: Er hat dem nicht entsprochen. Die Amerikaner sind betrogen worden mit der Fassung der Frie- densverträge, wie sie zustande gekominen sind. Des­halb sagen sie: Wir haben die Verpflichtung dafür einzutreten, daß ein Kriegsausbruch unmöglich wird. In dieser einflußreichen Schicht nimmt also ber Gedanke, daß Amerika sich mit den europäischen Verhältnissen befassen muß, immer festere Formen an. Europa und in erster Linie Deutschland kann nur wünschen, daß dieser Gedanke weiter um sich greifen möge. Die Möglichkeit, sich gegenseitig zu I verstehen, ist heute die stärkste zwischen Ämerika- . Lern, ugb AeutscheLll. weniger .schon zwischen Lme- rikanern und Engländern, so gut wie nicht zwi­schen Amerikanern und Franzosen.

Redner schloß: Der politische Mensch, der aus Deutschland Fahrten durch das reiche Land niacht, der fühlt sich nicht niedergedrückt durch die Erfah­rungen, die er dort sammelt, er erfährt den Nutzen einer Kooperation mit diesem Staat und kehrt zu­rück, indem er sich bemüht, alles das, was er dort gesehen und gehört hat, in den Dienst des Vater­landes zu stellen.

Die interessanten Ausführungen des Redners fanden lebhaften Beifall. Aehnliche Erfahrungen wie Prof. Dr. Hoetzfch hat auch Reichstagsabgeord- neter Dr. Kalle auf feiner im vorigen Jahre unter­nommenen Reife durch Amerika gemacht, über die er kürzlich in einer Mitgliederversammlung der hiesigen Deutschen Volkspartei berichtete. Auch aus jenen Ausführungen ging hervor, daß eine weitere Besserung der wirtschaftlichen und politischen Be-

âuMlâMg Up Mchcn PupWM Ot- Mrch- aus konservativ. Angesichts dieses wirtschaftlichen und politischen Lebens ist es kein Wun­der, daß die große Masse des Volkes nicht viel Interesse und Neigung hat, sich um die europäischen Dinge zu kümmern. Trotzdem sind in den letzten Jahren Verwicklungen in den europäischen Dingen nicht ausgeblieben, ja es find schon viele Fäden gesponnen worden, die die große Union mit Europa verbinden, sowohl wirtschaft­lich wie politisch. Von der Produktion dieses Lan­des werden etwa 15 Prozent ins Ausland ausge­führt und davon die Hälfte nach Europa. Gewiß nicht allzuviel, aber für diejenigen, die an dieser Ausfuhr interessiert sind, etwas sehr wichttges. Eine weitere Erscheinung ist, daß Amerika ein Gläubigerland geworden ist. Vor dem Kriege war Nordamerika an Europa mit 12 Milliarden ver­schuldet, während 1927 sich ein amerikanisches Gut­haben an Europa von über 60 Milliarden Reichs­

wohl nur um einen unvorsichtigen Schuß eines Sonntagsjägers gehandelt haben,' der sich, ohne weitere Hilfe wieder davon gemacht hätte. Wir wollten um jeden Preis vermeiden, daß der Name der Herrschaften von der Allgemeinheit hcrumge- zerrt wird.

Ich hoffe, daß wir in Ihrem Sinne, sowie auch in dem Ihrer Frau Mutter gehandelt haben, Herr Baron."

Bernd neigte kaum merklich das Haupt. „Sie haben meinen Vater also noch lebend getroffen, Herr Forstmeister?"

„Ja! — Allerdings ohne Bewußtsein. Aber sein Herz schlug und die Brust in kurzen Stößen atmete, das kann ich, ohne lügen zu müssen, jeder­zeit beeidigen."

„Glauben Sie, daß Oertzen ihn weggeschafft hat?"

„Vielleicht — — obwohl ich es eigentlich für ganz ausgeschlossen halte. Er ist, wie die beeren- suchende Frau ganz richtig meldete, talab ge­flüchtet. Wahrscheinlich hielt er Ihren Herrn Vater für tot. — Es müssen ganz andere Kräfte am Werk gewesen sein, daß der Herr Baron in dieser kurzen Zeit vom Platze verschwinden konnte. Ich glaube nicht an okkulte Dinge — es wird zu viel Schwindel damit getrieben, —'— aber meine Frau---"

„Dürfte ich Sic bitten, fertig zu sprechen, Herr Forstmeister?"

„Also ganz ohne Gewähr! — — Ihr Herr Vater hat einmal hier gesessen, genau in dem gleichen Stuhl. Es war damals, als ihn das Ge­witter überraschte. Und hat ein Glas Tee mit uns getrunken. Da sah meine Frau plötzlich hinter seinem Rücken ein bronzenes Gesicht auftauchen, das sich zu ihm hcrabneigte. Ich habe wohl gemerkt, wie ihre Hände beim Füllen der Tassen zitterten, aber erst hernach die Ursache davon erfahren.

An dem Vormittag nun, an toeld}em ich nach Ihrem Herrn Vater'suchte, behauptete sie, dein gleichen Gesicht im Walde begegnet zu sein. Es wäre ein Mann Mitte der Dreißiger in der Kleidung eines Inders gewesen, mit braunem Hautton und ein paar tiefdunklen, traurigen Augen.

Sie hat Furcht bekommen Und ihren Heimweg beschleunigt. Nach einigen Schritten hat sie sich um= umgewandt, aber nichts mehr von ihm gesehen, ob«

l wohl der Steig ohne Verzweigung geradlinig nach der Höhe lief."

„Denken Sie an Zigeuner, Herr Forstmeister?" Bernds Herz schlug mit schweren Fäusten gegen die Brust.

„Derlei kommt gar nicht in Betracht, Herr Baron! Lassen Sie diesen Gedanken ruhig fallen. — Aber wenn ich mir alles so vergegenwärtige: Das Gebahren der Hunde am Schauplatz der Tat! Ferner die Begegnung meiner Frau mit dein Un­bekannten, drängt sich mir doch die Möglichkeit auf, daß der Herr Baron bei seinem jahrelangen Aufenthalt in Indien irgendwie die Bekanntschaft eines Mannes gemacht hat, der noch jetzt eine Rolle in feinem Leben spielt."

„Vater ist ganz allein aus Indien zurückge- tommen," warf Bernd ein, „nur Stephan war bei ihm."

„Ich weiß es, Herr Baron!--Trotzdem müssen irgendwelche Zusammenhänge bestehen. — Welcher Art diese sind, wäre natürlich nur durch den Herrn Baron allein zu erfahren."

In Bernds Gesicht verstärkte sich der müde, vergrämte Ausdruck, der die ganze Hofsfnungs- losigkeit seines Innern verriet. Er erhob sich und verneigte sich gleichzeitig vor Bogner. „Ich danke Ihnen für Ihre Auskunft, Herr ^Forstmeister! — Es sind noch acht Tage bis zum 'schulbeginn. Bis dorthin hoffe ich, meinen Vater gefunden zu haben."

„Herr Baron, wenn Sie durchrus noch einmal mit dem Nachforschen beginnen wollen, schließe ich mich Ihnen an."

Bernd wehrte. „Betrachten Sie es bitte nicht als Kränkung. Aber ich will es zuerst einmal allein versuchen."

„Bleiben Sie wenigstens noch heute Nacht bei uns, Herr Baron! Das Wetter hält nicht!" Sie waren zusammen auf die Veranda getreten und Bogner sah besorgt nach dem Wolkenrand, der sich' langsam über die Wipfel hochschraubte. „Es kann schon in der nächsten halben Stunde los­brechen," warnte er. „Darf ich Ihnen nicht wenigstens eine Pelerine geben?"

Er war schon ins Haus getreten und fatn mit einem Ladcnkrngen zurück, den er Bernd aus- händigtc,

Ziehungen zwischen Amerika und Deutschland K« erwarten ist *

Der zweite Vortrag im Rahmen der staats- kiolitischen Vortragsreihe findet morgen abend tatt und zwar spricht Reichstagspräsident Löbe, Berlin, über „Die Frage der Wiedervereinigung von Deutschland und Oesterreich".

* Daten für 9. und 10. Hätt 1930. 9. März: 1918: der Dramatiker Frank Wedekind in München gest.; 10. März: 1788: der Dichter I. von Eichen­dorfs in Lubowitz geb.; 1852: Der General der Artillerei Adolf v. Demes in Hanau geb. f 1914 ..... ‘ Romanschriftsteller I.

in Wilmersdorf»; 1873: der Wassermann in Fürth geb.

♦ Ihren 87. Geburksag

Johanna Gioth, Kölnische

* Ihren 84. Geburtstag Rüstigkeit Frau Henriette

feiert heute Fräulein Straße 1. feiert heute in voller Weck esser, Hirsch­

straße 28.

* Seine» 76. Geburtstag feiert heute Herr Mathias D a ß b a ch, Dettinger Straße 2.

* Eingebrochen wurde in der verflossenen Nacht in die Filiale von Latscha in der Wilhelmstraße und das Licht- und Luftbad an der Hochstädter Landstraße. Was den Dieben alles in die Hände fiel, tonnte in beiden Fällen noch nicht einwand­frei festgestellt werden. Weitere (Ermittlungen find im Gange.

* Der Storch ist da. Meister Langbein ist aus seiner Winterfrische im Süden wieber glücklich heimgekehrt und hat seinen luftigen Sommersitz auf dem Schornstein der Fabrik Kehl & Gustin« wie alle Jahre im Monat März. Er wird sein Heim für seine Familie neu Herrichten. Kinder und auch Erwachsene freuen sich über die Wiederkehr Freund Adebars.

• Hanauer Geschichtsverein. Am Mittwoch, 12. März, 8.15 Uhr abends, findet eine Monatsver­sammlung statt im Restaurant Krieg, Sandeldamm, Den Hanauer Geschichtsinteressierten wird es beson­ders willkommen sein, etwas aus dem selten be­sprochenen Gebiete zu hören: das frühere Gernhts« wesen. Der Vortragende ist Herr Präsident Grimm. Er wird sprechen über „Gerichtsbilder aus Hanaus Vergangenheit". Die Monatsvcrsammlung ist öffeni» lich und unentgeltlich zugänglich.

* Reichslagspräsidenk Loebe, Berlin, spricht im Rahmen einer Staatspolirifchen Vortragsreihe ber Reichszentrale für Heimatdienst morgen_ abend 8 Uhr im großen Saale der Stadthn ll« _ über „Die Frage der Wiedervereinigung von Deutschland und Oesterreich". Näheres siehe Anzeige.

* Zufchneidc-Kurfus. Am Montag, 10. März, nachmittags 4 Uhr, beginnt im Gasthaus „Drei Lchtvanen", Hanau, Kirchstraße, ein Zuschneide- KursllS für die Herrenschneider und Damenfchnei» derinnen. Der Kursus steht unter der Leitung des Herrn Fachlehrer Welker der altangesehenen Zu­schneider-Lehranstalt des Ersten Frankfurter Zu­schneider-Vereins E. V., Frankfurt a. M„ Zeil 63.

* Befreiungsfeier der Rheinlands. Wie verlau­tet, beabsichtigen einige Vereine nach Räumung der 3. Zone eine Befreiungsieier zu veranstalten. Der Ostbund ertaubt sich den Wunsch zu äußern, ob es MLèhracht wäre, wenn alle Vereine der Stadt Hanau gemeinsam eine solche Feier veran­stalten würden. Wäre «s nicht angebracht, dieselbe im Freien, etwa in Wilhelmsbad, anschließend an das Turnfest, zu begehen? Die Vorstände Zoller Hanauer Verein« müßten alsbald zu dieser Frage Stellung nehmen und eine Zusammenkunft zwecks Aussprache vorbereiten.

* Die Bekriebsergebnisse der deutschen Krema­torien im letzten Quartal 1929. Nach der „Deut­schen Flanime" wurden in den deutschen Krema­torien Einäscherungen vorgenommen im Monat Oktober 4065, im Monat November 4275 und im Monat Dezember 4359. Die Gesamtzahl im Jahre 1929 betrug 56794.

* Preuß. Klassenlokkerie. Am 24. Ziehungstage wurden unter anderen folgende Nummern gezogen (ohne Gewähr): 7227, 7274, 36183, 70 917, 70 998, 90 371, 92 419, 118 149, 135 730, 143 033, 169 521, 238 578 268 618, 307 246, 346 301, 360 752, 387 434.

Besorgt verfolgte er die schlanke Gestalt, bis das Dunkel der Bäume sie verschlang. Eine Viertel­stunde später kam vom Schlosse herauf der tele­phonische Anruf, ob der junge Herr nicht in der Nähe des Forsthauses gesichtet worden f«. Er konnte es bejahen und betrachtete es als eine große Erleichterung, daß Bernd wahrscheinlich aus Vergeßlichkeit ihm nicht das Wort abgenommen hatte, über feinen Besuch zu schweigen.

Das Gewölk hatte sich etwas über den Hochwald heraufgeschoben, verharrte aber noch immer ohne wesentliche Bewegung. Vielleicht verzog es sich, ohne überhaupt zum Ausbruch zu kommen. Das verwitterte Grau des WeWannengeäsdes starrte regungslos in das fahle Gelb des verdämmernden Tages. In tonlos erzener Ruhe strebten die Wipfel in das verschleierte Blau.

Es gab im ganzen Umkreise keinen Weg und keine Ziehbahn, die Bernd unbekannt gewesen wäre. Er hätte, wenn nötig, den Wald auch blind durchqueren können. Der Ausspruch des Forst­meisters, daß der Vater noch gelebt und besten Herz noch geschlagen habe, ließ ihn annehmen, daß er sich vielleicht zu schleppen vermocht hatte.

Alles andere war müßiges Spiel der Phantasie. Das gesunde Denken seiner siebzehn Jahre sträubte sich, irgendwelche übernatürliche Dinge mit barein» zuflechten.

Die Wipfel standen noch immer in matthellem Schein getaucht, während sich jwifdjen den Stämmen bereits das Dunkel der hereinbrechenden Statut bemerkbar machte. Schlangenbleich schoben ich die knorrigen Wurzeln über den moosbe- vachsenen Boden. Die Farne reckten sich wie Riesenhânde und die panzerfönnigcn Blätter des Hlifkattichs drängten sich platzheisâ»end um das chmale Rinnsal, das sich der Quell gegraben hatte.

Von oben herab zitterte für 'Sekundendauer ein blaugelber Sdjein. Erst später folgte ein dumpfes Rollen, das im Geäst verebbte. Nacht ruhte auch über den Häuptern der Waldriefen und ließ kaum mehr einen Ton der Färbung erkennen.

Bernd empfand, daß er totmüde war. Die Hetz- ahrt von Ostende nach Wien und die gehabte Auf- 'egung verseifte feinen Körper in eine Art Lähmung, daß er schon noch einer Stunde die Füße kaum mehr vorwärts zu setzen vermochte.

(Fortsetzung folgt.)

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