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Seife I

Mittwoch den 2d Februar 1930

Nr. 48

èauer nicht mehr gewachsen war In einer Sitzung der Gemeindevertretungen von Kleinostheim, Mainaschafj und Stockstadt wurde nun mitgeteilt, daß die feit vier Jahren geführten Verhandlungen zum Anbau eines Steges an die Elfenbahnbrücke jetzt dazu geführt haben, daß die Finanzfrage in» soweit gelöst ist, als sich die Direktion der Zellstoff- fabrif Aschaffenburg sowie der Bezirksausschuß Aschaffenburg bereit erklärt haben, den Hauptteil der etwa 30 000 Mark betragenden Kosten zu tra­gen. Für die restlichen Baukosten kommen die ge- nannten drei Gemeinden zu gleichen Teilen auf.

Raubüberfall im Spessart

Lohr a. TIL, 25. Febr. Auf dem Fußwege von Lohrhaupten nach Flörsbach, der über die Höhe durch den Wald führt, wurde der Schweine- Händler Johannes Albus aus Bieber von zwei kräftigen Männern angehalten und gefragt, ob er etwas zu essen bei sich habe. Als Albus in die Tasche griff, um den Rest feines Frühstücks her­auszuholen, wurde er von beiden Burschen ange­griffen. Der eine packte ihn an der Kehle, der andere an der Brust. Schnell entschloßen versetzte Albus dem einen Angreifer einen wuchtigen Fuß­tritt gegen den Bauch, worauf dieser zu Boden fiel. Währenddesten hatte der andere das Mester gezückt und stach auf Albus ein, der jedoch mit Aufbietung aller Kräfte die Stiche so abzuwehren vermochte, daß er nur eine leichte Verletzung an der Schläfe davontrug. Albus flüchtete in Das nahe Flörsbach, von wo die Verfolgung der beiden Uebeltäter ausgenommen wurde, bisher allerdings ohne Erfolg.

Beim Spielen tödsich verunglückt

Wetzlar, 25 Febr. Im benachbarten Naun­heim wollte ein sechsjähriges Kind sich die Pfeife seines Vaters anzünden. Dabei setzte es sich aus das Bett, und als es das Streichholz in Brand hatte, ließ es die Flamme fallen, so daß das Bett in Brand geriet. Ehe die bestürzten Estern den Kleinen retten konnten, war er so schwer verbrannt, daß er im Krankenhaus zu Wetzlar gestorben ist.

Das Tivoli in Bad Pyrmont niedergebrannl.

Bad Pyrmont, 26. Febr. Seit 3 Uhr nachts brennt in Bad Pyrmont das Etablissement Tivoli. Das vorder« Gebäude bvannt« innerhalb einer Stunde nieder, während der große Saal und di« angrenzenden Gebäude durch die Feuerwehr unter Wasser gehalten werden. Menschenleben sind nicht zu beklagen.

Eine Geisteskranke bringt einem Arzt schwere Verletzungen bei

Alzey, 25. Febr. In der hiesigen Landeshefl- unb Pflegeanstalt trug sich ein aufregender Borsall zu. Eine sonst harmlose Geisteskranke war mit Küchenarbeiien beschäftigt. Als der die Auftichi füh­rende Arzt Medizinalrat Dr. Amrhein die Küche betrat, stürzte sie sich auf den Arzt und brachte ihm eine Kopsverletzung bei. Als sich her Arzt zurück­ziehen wollte, rutschte er aus und stürzte zur Erde. Die Tobsüchtige sprang sofort herbei und versetzte dem Arzt nochmals mehrere Stiche. Erst nach An-

wsndung von kalten Wasserst rasten konnte die Kranke von dem Pflegepersonal überwältigt und in eine Jelle gebracht werden. Die Verletzungen, die

Zr^AwidM Mlüten »01, rmb recht schwer. I

Louderzüge zum Roseumonlagszug mich Mainz

Mainz, 25. Febr. Um den starken Verkehr am Rosenmontag nach und von Mainz bewältigen zu können, hat die Reichsbahn eine Reche von Sonder-Personenzügen nach Mainz und von Mainz einaelegt. Es verkeheren: Von Frankfurt

HB. nach Mainz HB. je ein Sonderzug um 9.30, " " " * ' Uhr

10.40 und 11.48 nach Mainz HB. und 10.55 ein Zug nach Mainz-Kastel. Von Darmstadt sind nach Mainz HB. zwei Züge eingelegt, zwar 10.09 und 11.50. ab Darmstadt. Auf Strecke Bad Kreuznach über Gaualgesheim

HB. und der oer» über

kehrt ein Zug 9.58 ab Kreuznach. Von Alzey

Arnsheim nach Mainz geht um 11.36 ein nach Mainz HB. ab. Von Alzey über Bodenheim

nach Mainz verkehrt ein Zug um 10.40. Von Worms nach Mainz HB. verkehrt um 9-57 und 11.08 je ein Sonderzug, von Eltville ein weiterer um 11.07 nach Mainz, von Bingerbrück ab 11.10 und ab Gaualgesheim ab 10.35 Uhr, ferner von Wiesbaden um 11.40 und 12.30 Uhr. Für die Rückfahrt sind ebenfalls weitgehende Vorkehrungen getroffen. Es empfiehlt sich bei der Ankunft in Mainz sich gleich Gewißheit über die Rückfahrt zu verschaffen und zur Vermeidung von Stockungen im Mainzer Bahnhof schon bei der Hinfahrt Rück­fahrkarten zu lösen. Bei Gesellschaftsreisen werden

25% Nachlaß gewährt.

Zuschutz für das Koblenzer Sladkkhealer

Koblenz, 25. Febr. Nach Feststellung

des irn

Oberbürgermeisters im Rheinministerium und Kultusministerium darf auch für Koblenz im Rech-

nungsjahr 1930 mit allerdings bescheidenen Zuschüs­sen für das Theater von Reich und Staat gerechnet werden. Diese werden den Setrag dieses Jahr (75 000 RM) zwar nicht voll erreichen; immerhin gibt diese Klarstellung die Hoffnung, daß das Schauspiel in Koblenz erhalten bleibt. Aus Oper, Operette und Orchester wird allerdings verzichtet werden müssen.

200 Personen geschädigt

Betfitt, 24 Febr. Die Berliner Kriminalpostzei fahndet den Blättern zufolge augenblicklich nach zwei Männern, die sich Karl Richard Koch und Franz Schulz nennen und unter dem Decknamen einer FirmaKarl Richard Koch, Gutsverwaltung der C. von Simonschen Erben, Frankfurt a. O." in Berlin-O anfangs Dezember ein Zimmer ge­mietet hatten und dann etwa 200 Gutsbesitzer, Gärtner und Landwirte im ganzen Reiche auf ganz raffinierte Art um mehr als 250 000 Mark geschä­digt haben. Bisher liegen bei der Kriminalpolizei ungefähr 100 Anzeigen gegen die beiden Schwind­ler, die feit etwa 14 Tagen spurlos aus Berlin ver­schwunden sind, vor.

Ein Großherzog als Zeitungsverleger

Berlin, 25. Febr. Vor dem Amtsgericht Schwe­rin erfolgte heute vormittag bis Zwangsversteige­rung der Verlagsjirma Dietsch u. Co., Kommandit­gesellschaft (Mecklenburger Nachrichten"). Das Meistgsbot wurde nach einer Meldung, desAcht- Uhr-Abendblatt" von dem früheren Mecklenburg- Schwerinschen Großherzog Friedrich Franz IV mit 60 000 RM abgegeben. Der Zuzchkagstennin ist #uf ben 4. März festgesetzt.

Neues Gericht der NevSeVrSKraSen

Di« Lcmdesvevwaktung (Vandeshaupt- mann in Hessen) in Kassel teilt uns mit:

Seit 1926 bat Landesoberbaurot Decker in wie­derholten Auslastungen, Vorträgen usw. immer wieder darauf hiwgewiefen, daß an vielen Stellen die Straßenbepflanzung in ihrer beseitigen Form gefährde: sei, weil sie mit den Interessen des zu­nehmenden Kraftmagenverkehrs nicht in Einklang zu bringen fei und hat gemahnt, beizeiten Vor- ijorge zu treffen, daß nicht unter Umständen die Bepflanzung unserer wichtigsten Derkehrsstraßen

Entwurf für die Bepflanzung

der neu erbauten Landstraße Flechtdorf-Adovf auf- gesdellt und hat in einer Reihe von Bindern die landschaftlichen Möglichkeiten, die sich mit der neuen Bepflanzungsweis« erzielen lassen, bärge» stellt. Dieser Entwurf hat, wie bereits mitgeteilt, die Zustimmung des Landesausschusses gefunden und der Landesausschuß hat seine Einwilligung dazu gegeben, daß die oben erwähnte Landstraße Flechtdorf-Adorf im Kreise Lordach zum erstenmal versuchsweise nach diesen Plänen bepflanzt wird.

überhaupt in Frage gestellt werde. Die Befürch­tungen Beckers haben sich insofern bestätigt, als tatsächlich in neuerer Zeit maßgebend« Kreise des modernen Kraftwagenverkehrs die

restlose Beseitigung der S traßenbepflauzrmg fordern.

Die aus diesen Kreisen ror gebrachten Begründun­gen gegen die Bepflanzung können nicht ohne wei­teres beiseite gejchoben werden. Man muß aber 'die Frage stellen, ob dies« Forderungen nicht all» zusehr beeinflußt sind durch die beseitige Form der Bepflanzung, so daß doch vielleicht die Hoff­nung besteht, durch Aenderung der Form der Be- pflanMng eure mittlere Linie zu finden, die ein» mal den Interessen des Krafttvagenverkehrs und aus der anderen Seit« den Interessen der Mge- meinheft, di« in Deutschland energisch eine Deibe- tung der Strahenb«Pflanzung fördert entspricht. Nachteile der bisherigen Bepflanzung sind vor allen Dingen

die weitausladenden Kronen der taubbäume, infolgedessen Beschattung, Wattfall, Obftfall, fer­ner die Gefährdung des Verkehrs durch die auf der Sttoßeitkron« cmffteh enden starten Stämme dieser Bäume Becker hat zum erstenmal im Der» stoffenen Jahre vor gärtnerischen Fachleuten posi­tive Ideen über eine neuzeitliche Straßenbepflan­zung auseinandergesetzt und mit seinen Plauen nicht nur in der gärtnerischen Fachpresse, sondern auch in Der itrafteâ chiWchem und <nitomobi®W- chen Fochpresfe Beachtung gefunden. Der Kafleler Gartenarchitekt Schimmelpfennig hat nun» mehr nach den Vorschlägen Beckers einen bis ins einzelne durchgearbesteten

Wie aus den hier m'tgeterlten Bildern zu ersehen ist, sollen für di« Bepflanzung

ausschließlich Radelhölzer

verwandt werden, bamfit der Laubfall vermieden wird. Hochstämme mit starker SchaftbiLung stehen nicht mehr auf der Stvaßsukoone, sondern ent­weder in der Böschung oder jenseits des Grabens. Im Schnitt gehaltene säulenförmige Koniseren- gruppsn werden durch ihre Anordnung in ihrer Schaftbèlidung so schwach gehalten, ^daß eine Ge­fährdung des Kraftwagenverkshrs durch st« nicht mehr erfolgen kann. Im übrigen wird aber zur Sicherung des Kraftverkehrs ein neues Bepflan- zungse-lement, das bisher an unseren Landstraßen nur ausnahmsweise Verwendung fand, als Regel eingsführt nämlich die Heck«, und zwar sollen überwiegend Konfterenhecken zur Verwendung ge­langen, die einmal den Zweck haben, dem Kraft­wagen den Weg zu weisen, dann aber auch die Aufgabe, an besonderen Gefahrstelien, z B. in Außenkurven, etwa abirrend« Wagen gefahrlos aufzufongen Grundsätzliche Forderung 'bei der Ausbildung des ganzen Entwurfs waren Freihal­tung des lieb erbt iif s, namentlich an Gefahrstsllen, Kreuzungspunkten und dergleichen und Markierung etwaiger Gefahrftelcen durch die Eigenart der Be­pflanzung auf w->ite Entfernung hin, so daß die Bepflanzung zur Sicherung des Verkehrs geich- ^eii|j^ai^ ...... * .........er.

zurzeit erhebliche Wirkungen versprechen, dies allerdings mefentlidj anderer Art sind, als die Wirkungen, die mit, unseren bisherigen hochstäm­migen Laubgehölzen erzielt worden sind."

Zuv GhrMettvevâtms Lu KuAaud

Der Evangelische Bund zur Wahrung der deutsch-protestanttschen Interessen und der Inter­nationale Verband zur Verteidigung und För­derung des Protestantismus, haben an die leiden­den Brüder und Schwestern in Rußland einen Aufruf erlassen, in dem es u. a. heißt:

Millionen evangelischer Christen, im Evange­lischen Bund und im Internationalen Verband zur Verteidigung und Förderung des Protestantismus vereint, hören mit tiefster Empörung von den un= agbaren Leiden und Verfolgungen, die über euch zereingebrochen sind, von dem dämonischen An­turm der Mächte der Gottlosigkeit, der gegen alles religiöse Leben und alle Religionsgemeinschaften, insbesondere gegen christlichen Glauben und christ­liches Bekenntnis, blindwütend bei euch tobt.

Wir bekennen uns zu euch in dem heißen Ge­bet, daß Gott der Herr euren Leiden ein Ende machen möge, und daß er mit feiner Kraft, sei­nem Trost und seinem Frieden euch nahe sei.

Wir bekennen uns zu euch in tiefster Dankbar­keit für eure Standhaftigkeit und Treue, di« nicht unbelohnt bleiben und hilfsbereiten Opferwillen in der gesamten Christenheit wecken wird.

Wir bekennen uns zu euch in der felsenfesten Gewißheit, daß Gottes Reich bleiben wird trotz aller Verfolgung und Bedrängnis.

Wir bekennen uns zu euch in der zuversicht­lichen Hoffnung, daß auch heute noch das Blut der Märtyrer der Same* bet Kirch« sein wird.

DerDeutsche Arbeitsausschuß des Weltbundes für internationale Freundschaftsarbeit der Kirchen" hat die Führer dieser Bewegung aus allen Teilen des Reiches zu einer Vertrauen smänneroersamm- lung in Berlin zusammengerufen, die sich in ihrer ersten Sitzung eingehend mit den Religionsver­folgungen in Rußland beschäftigt«. In einer ein- stimmig gefaßten Entschließung bringt der Arbeits­ausschuß seine tiefe Bewegung über die furchtbare Rot der christlichen Glaubensbrüder in Sowjetruß­land zum Ausdruck. Er grüßt die bedrängten Christen m glaubensbrüderlicher Verbundenheit und versichert sie seiner aufrichtigen Teilnahme in ihren Drangsalen. Er bittet den Vollzugsaus­schuß des Weltbundes für internationale Freund- schaftsarbeit der Kirchen, alle Schritte zu unter- nehmen, die geeignet erscheinen, um das Los der bedrängten Christen in Sowjetrußland zu erleich­tern und diese Kundgebung allen nationalen Ver­einigungen des Weltbundes bskanntzugeb«n.

Der Vollzugsausschuß des Weltbundes, der sich mit den religiösen Verfolgungen beschäftigen wird, tritt in Kürze in Brüssel zusammen.

AttaemeLuss â^etiâebei « die vuLftichen (Stiftet!

Berlin, 25. Febr. Der Evangelische Ober- kirchenrat, die oberste Behörde der evangelischen

ist, weil die Vereinigten Staaten kein Land in ben uns vertrauten Größenabmessungen, sondern «in Kontinent sind, eine kompakte, ungeheure Land, mässe ohne Europas reiche Gliederung, ein Erdteil der zu beiden Seiten vo,n Ozean umspült ist, und der, nimmt man Kanada hinzu. an seinem Nord, ranb bis in die Arktis, im Süden dagegen bis m die Tropen reicht.

Um sich die klimatischen Vorbedingungen dieser ungeheuren Landmasse zu versinnbildlichen, ist es am besten, die Abmessungen der Union auf die alte Welt zu projizieren. So liegt Newyork unter 74 Grad westlicher Länge, San Francisco dagegen unter etwa 122 Grad westlicher Länge. Das ist eine Ausdehnung von 48 Längengraden und entspricht, auf europäische Verhältnisse übertragen, der Cnb fernung zwischen Berlin und Jekaterinburg. Aehn. ad) ist es mit der nordsüdlichen Ausdehnung des Landes. Im Norden erstreckt sich die Union bis zn 49 Grad nördlicher Breite, was der Lage von Karlsruhe entspricht. Die Südspitze von Texas aber und die Südküste Floridas liegen unter 25 Erad nördlicher Brette, also nur anderthalb Grad nörb. licher als der Wendekreis des Krebses. In der allen Welt liegt in dieser Breite Mursuk im Süden von Tripolis, wo im Sommer die allerhöchsten Tem­peraturen vorkommen, die man in Afrika kennt, Im äußeren Süden Kanadas, unweit der Nord­grenze der Vereinigten Staaten, liegt genau unter 50 Grad nördlicher Breite, also auf demselben Brei­tengrad wie Frankfurt a. M. oder Prag, die grosse Stadt Winnepeg, wo noch vor acht Tagen 35 Qraü Celsius unter Null geherrscht haben. Weiter nörd. lich in Kanada kann man auch 50 bis 60 Grad Kälte erleben; das Klima hat dort also vor dem Ostsibirischeu nichts voraus. Dagegen ist der âu; ßerste Süden Floridas vollkommen tropisch; in Miami und Palm Beach sind die Januartage, an denen mittags 25 Grad Wärme nicht überschütten werden, zu zählen Noch um acht Uhr abends kön­nen die Dollarmillionäre, die dort den Winter ver­bringen, in Sommerkleidern ohne schützende Man. tel unter Palmen lustwandeln; denn auch dom zeigt das Quecksilber noch immer 21 bis 23 Grad Cesius an. *

Obwohl Newyork in der geographischen Breite von Neapel liegt, ist es im Durchschnitt des gan­zen Jahres nicht wärmer als das südliche Mittel­europa. Der Januar ist in der amerikanischen Metropole um mehr als 9 Grad kälter als in Neapel, und je weiter man in der gleichen Breite ins Innere des Landes kommt, umso kälter wird der Winter. Dem steht im Sommer eine Hitze gegen­über, die besonders an der Ostküste durch den hohen Wasserdampfgehalt der Luft fast unerträglich ist. Aber Hitze und Kälte brechen, wie schon gesagt, oft mit außerordentlicher Schnelligkeit herein. Es ist in Newyork nichts seltenes, daß man morgens in Pelzen an die Arbeitsstätte fährt, mittags aber bei offenen Fenstern in Hemdärmeln arbeiten kann. Ein Windwechsel von Norden nach Süden und man kann buchstäblich dem Quecksilber ts Thermometer zusehen, wie es Grad für Grad etrt porsteigt. Die Ursache dieser krassen Uebergängi liegt in der Gestaltung des Landes. Alle Bergzüg in Nordamerika verlaufen von Norden nach Suden und besonders die großen Ebenen in der östliche, Hälfte der Union setzen der raschen Ausbreitung der ^Luftströmungen keinerlei Widerstand entgegen " ^"- '" es vor allem der.mächtia-

Kirchen der Altprsußfichen Union, hat angeordnet, daß am ersten Passionstag, dem 9. März, in sämt­lichen Kirchen der Not der bedrängten Christen in Rußland im Gottesdienst in besonderer Fürbitte gedacht werden soll.

EkttS GvAâtmg dsv âWNN Ä.-G.

Berlin, 24. Febr. Zu den sensationellen Meldun­gen über ein von der Oberreichsanwaltschaft in Leipzig gegen die Firmen Krupp in Essen und xpbllen in Mühlheim wegen Landesverrat einge­leitetes Ermittlungsverfahren erfährt der Bochums^ Korrespondent des Berliner Tageblatts auf An­

frage bei der Verwaltung der Krupp A.-G. in Essen, daß bis zum heutigen Tage darüber bei der Ver­waltung keinerlei Material i 1 '

bere keine offizielle Benachrichtigung über Ein'ei-

vorliege, bass insbeson-

tung eines solchen Verfahrens durch den Oberreichs- anwast erfolgt sei. Beide Firmen erhielten erst durch die Zeitungsmeldungen Kenntnis von der ganzen Angelegenheit. Irgendwelche Erhebungen oder Vernehmungen seien bisher nicht erfolgt. Die Verwaltungen können sich zu den gegen sie erho­benen Beschuldigungen nicht äußern, ehe man ihnen eine konkrete Form gegeben habe. Die Att- nahme, daß die deutsche Rüstungsindustrie während des Krieges die ihr vorgeworfenen landesverräte­rischen Transaktionen oorgenommon habe, lasse sich schon deswegen nicht aufrechterhalten, weil gerade diese Industrie während der gesamten Dauer des Krieges und auch in Vorkriegsjahren unter schär- ster Kontrolle der zuständigen militärischen und Re­gierungsstellen gestanden habe.

Se^tma^ommev in NewtzE

Nach einer Meldung aus Newyork ist im Osten der Vereinigten Staaten, wo noch vor acht Tagen grimmige Kälte herrschte und zahlreiche Personen im Schneesturm erfroren, plötzlich das Thermometer bis zu sommerlicher Höhe gestiegen. Am Samstag wurden in der Stadt Newyork 20 Grad Celsius er­reicht, eine Wärme, die noch 8 Grad über der höch­sten Temperatur liegt, die dort zu dieser Jahres­zeit während der letzten 17 Jahre beobachtet wor­den ist. Die Vereinigten Staaten sind eben, um ein schon etwas abgegriffenes Wort zu gebrauchen, auch in klimatischer Hinsicht das Land der unbe­grenzten Möglichkeiten: jähe Uebergänge im Witte­rungscharakter bilden eine alltägliche Erscheinung, von der man nur dann noch Notiz nimmt, wenn die Gegensätze sich gar zu abnorm zum Ausdruck bringen In Europa, wo solche Sprünge, wenig- stens in unseren Breiten, so gut wie unbekannt sind, macht man sich im allgemeinen überhaupt keine rechte Vorstellung von dem Klima der Union, das schon deshalb garnicht mit dem Klima Deutsch, lands oder auch nur Mitteleuropas zu vergleichen

aus dem Süden wie den Einbruch kalter PolaxM ins Mittelmeergebiet verhindert oder doch der zögert und abschwächt. Seine Warmluftzufuhr er hält, wie man weiß, Mitteleuropa von Westen uns wenn die warmen atlantischen Luftmassen nij wären, oder wenn der Westen unseres Erbteils® Westküste Nordamerikas g'iche, die in ihrer, zen Ausdehnung von mächtigen Gebirgen SiuH zogen ist, so würde unser mitteleuropäischer Wm ter alljährlich so falt sein, wie er im Februar ver­gangenen Jahres war. Im Bezug auf dar Klima können mir also nicht sagen: Amerika, Du hast es besser in dieser Hinsicht hat Europa es ungleich besser als die neue Welt.

Lhautemps und seine Kaffeehausfreunde.

Das Haus am Boule narb Raspall in Paris, ft dem der neuernannte Ministerpräsident Camille Ehautsmps wohnt, stand dieser Tage im Mittel­punkt des öffentlichen Interesses. Dort bildete der neue Chef sein Ministerium unter den Augen des Momparnos", der Stammgäste der KaffeelM.er des Stadttsèls, in denen auch Ehwutemps zu aer« kehren pflegte. DieMontparnos", die in der Hauptsache aus Mänuern und Frauen fremder Nationalität bestehen, waren selbstverständlich nicht wenig stolz darauf, einen der Ihrigen zur Fah­rung der französischen Staatsgsschäste berufen 3« sehen, und Dhautemps selbst wußte die Ehrung derMontparnos" nach ihrem wahren Wert zu schätzen, in der Gtzwißlieit, daß er unter ihnen seine zuverlässigsten Freunde bssah. Diel bemerti wurde eine Aeußerung, die er bei dieser Gelegen­heit tat:Tardieu hat sich gerühmt, ein Realist zu fein, nun, ich will mich alsUeberrealist" betä­tigen.

Dergeheizte" Last river.

Im Jahre 1776 war der durch Newyork fli«' ßende East river einmal so fest zugefroren, den die amerikanische Arnree ihn mit ihren Kanonen und Pferden sicher überschreiten konnte. Heuft wäre «es nicht mehr möglich, well dein Fluß durch die zahlreichen an feinen Ufern befindlichen und mit seiner Wasserkraft arbeitenden riesigen Fabru- anlogen und Betrieb« in jeder Stunde nicht w<^ Niger als 400 000 Tonen heißes Wasser triebet zugeführt werden. Man hat beobachtet, daß die Temepevawr des East river durch das ZurückflX' ßen des erhitzten Wassers mindestens um zöhn Grad erhöht wird, trotz der Flutströimmg und der von Long Island her zujammeuströmenden kalten Wassermasfeu.

wen» ein Zigeuner stirbt . . .

Vor einigen Tagen starb in Budapest Bëft Radics, der Hochb etagte Senior der ungarischen Zigsunermusikanten. Ein Lebensalter lang h*11^ er bei unzähligen Gelegenheiten mit seiner Holen kapelle seine Kunst geübt. Die Zeitungen widmen ihm spaltentange Nachrufe. Radics wird als b« sicherste Wegweiser der Zigeuirermusik für ihre kunft im Kampf gegen das steberhandnehmen der Jazzmusiken bezeichnet. Ein aus 300 Zigeuner' Musikern bestehendes Orchester soll ihn Mr letzten Ruhe begleiten; der Primas Ladislaus Racz nMy am Grabe die Lieblingslieder des Verstorbenen spie­len. Die Gemeindev«rtretung wird bei der Feier anwesend fein; die Stadt Budapest hat dem Toten ein Ehrengrab gewidmet.