20S. Lahssavs
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litt. 38 Svettas den
lä. Februar_____________ 1^30
Sinanzpolttifche Verhandlungen
MsWsttH^nevs Kènanzvvogvamm vov dem RekchsZahknett - Neue SanreVungsp?äne -üv die Avbettslofen- vevffchevtttts - Einführung eiues Noiesfevs? - Ein Gsavvvogvamm des KeZchsvais
Die Bssaittttsstt des Keichskabineiis
Berlin, 13. Febr. Die Verhandlungen über den Reich setat und die Deckungsvorschläge sind am Donnerstag sachlich kaum viel weiter gediehen, obwohl den ganzen Tag über in allen möglichen Gremien darüber beraten worden ist. Das Reichskabinett' hat sogar zwei Sitzungen abge-halten. Heute vormittag fand eine Ministerbesprechung statt, hie am Nachmittag in der offiziellen Kabinettssitzung ihre Fortsetzung fand. Amtlich wird dazu mitgeteilt:
Das Reichskabinett beschäftigte sich in seinen Heurigen unter dem Vorsitz des Reichskanzlers abgehaltenen Sitzungen mit laufenden Angelegenheiten und beschloß u. a. einer Vorlage des Reichsjustizministeriums zur Einleitung besonderer Maßnahmen zum Zwecke einer finanziellen Entlastung der.Justizverwaltung zuzustimmen. Dann ivurde im Reichskabinett die Aussprache über den Reichs- Haushaltsplan 1930 und die Deckungsoorschläge fortgesetzt.
Das Reichskabinett ermächligke den Reichs- finllnzminisèer auf der Grundlage, wie sie zuletzt den Parteien bekannt gegeben sei, weiter zu verhandeln.
je, DsraruMSn , des Reichst^ über den ^MStzKUsyalrsptan wepiW jwm
Me-Grundlage, auf der weiter verhandelt wertn soll, ist der bereits gestern bekanntgewordene ton des Reichsfinanzmin isters zur Deckung der -elfter für die Arbeitslosenversicherung. Hiernach ird auf die bisher geplante sogenannte Gefahre,n- emeinschaft zwischen Arbeitslosenversicherung und Invaliden- und Angestctttenversicherung verzichtet und eine
Beleihung von Reichsbahn-Vorzugsaktien in Aussicht genommen. Die Angestellten- und Invalidenversicherung soll nach diesem Plan gegen Verpfändung von 250 Millionen dieser Aktien dem Reich den gleichen Betrag für die Arbeitslosenversicherung zur Verfügung stellen. Ueber den Rückzahlungsmodus ist noch nichts bestimmt, doch plant man eine Verteilung auf mehrere Jahre. Die Regierungsparteien haben zum Ausdruck gebracht, daß sie gegen diesen Plan keine Bedenken haben. Im übrigen geht bei den Regierungsparteien die Tendenz dahin, einen Teil des Haushaltsdefizits auf den Schuldcntilgungsfonds abzuwälzen. Die ursprünglich für heute angesetzte interfraktionelle Besprechung ist mit Rücksicht auf die zu gleicher Zeit tagende Kabinettssitzung auf morgen 6 Uhr vertagt worden. Lediglich der Unterausschuß, der die Prüfung von Ersparnismöglichkeiten im Haushalt durchzuführen hat, das sog. „Streich- Duistett", hält am Donnerstag nachmittag eine Sitzung ab. Auch
die Finanzminisier der Länder treten am Freitag 10 Uhr beim Reichsfinanzminister Zur Besprechung' laufender Finanzfragen zusammen. Diese Besprechung hat zwar nur beratenden Charakter, aber die Frage, ob sie zu einer Entwirrung der Lage beitragen wird, wird in parlamentarischen Kreisen skeptisch beurteilt. Im Gegenteil befürchtet man wohl eher, daß die Forderungen der Länder die Schwierigkeiten noch vermehren werden.
Keus tvovschSÄss rnv Sanierung der Avböits- kMenverfMernns
Berlin, 13. Febr. Ueber die Verhandlungen des Unterausschusses des interfraktionellen Ausschusses der Regierungsparteien wird von einer parlamentarischen Korrespondenz die Mitteilung verbreitet, nach der von sozialdemokratischer Seite erwogen sein soll, zur Tilgung des Fehlbetrages aus der Arbeitslosenversicherung bei den höheren Einkommen einen Zuschlag zur Einkommensteuer in Höhe von 10 bis 15 Proezut für ein Jahr, eventuell auch für zwei Jahre zu erheben. Man erwartet hiervon einen Betrag van etwa 150 bis 180 Millionen Mark im Jahre. Neben diesen Plänen werde auch der Gedanke erwogen, einen Abzug van einem Prozent von den Gehältern aller Festbesodeten, soweit sie nicht angestelltenvcrsichcrungspflichtig sind, zu erheben. Auch in diesem Falle soll die Abgabe, die als Rotopser gedacht sei, für ein Jahr, höchstens für zwei Jahre erhoben werden. Der eingehende Betrag wird auch hier auf etwa 150 bis 180 Millionen Mark geschätzt.
Bei den anderen Parteien scheint es aber für viele Pläne keinerlei Gegenliebe zu geben.
Das Gnavprogvamm des KeiOsvais
Dev Kachivassetat 1929 im Rerchsvat an genommen, âviiik an dev bisherigen SinanZgebavung
Berlin, 13. Febr. Der Reichsrat verabschiedete heute den Rachkragsetat für 1929. Die Verhandlungen gestalteten sich dadurch sehr interessant, daß im gleichen Augenblick, in dem die Beratungen zwischen den Parteien über die Sanierung absolut flocken, der Reichsral von sich aus ein Sparprogramm einbrachte.
Der Berichterstatter der Ausschüsse, Ministerialdirektor Dr. Brecht, wies darauf hin, daß
etwa ein Viertel der Ausgabenkürzungen, die der Reichstag an dem Voranschlag für 1929 vorgenommen hatte, setzt im Rachtragshaushalt nachgefordert werden müsse.
Wesentlich gefährlicher als diese Ueberspannung einer an sich berechtigten Maßnahme sei die Strei- chung, der von der Regierung ^gesorderten neuen .Steuern und die Ueherschatzung der alten Apgavea gewesen. Nach dem jetzt vorliegenden Nachtrag bleiben die Einnahmen um 360 Millionen hinter dem Voranschlag zurück, die Ausgaben erhöhen sich um 511 Millionen. Dieser Gesamtverschlechterung um 871 Millionen steht eine Entlastung durch das Haager Abkommen von 593 Millionen gegenüber, jo daß nach der Regierungsvorlage
ein ungedeckter Betrag von 278 Millionen verblieb. *
Er stand zunächst im außerordentlichen Haushalt. Auf einstimmige Anregung der Reichsratsausschüsse hat jedoch die Reichsregierung bestimmt, daß die 222,5 Millionen für Arbeitslosnoersicherung auf den ordentlichen Haushalt übertragen werden: im außerordentlichen Haushalt bleibt nur Beteiligung des Reiches an der Zentralgenossenschaftskassc mit 50 Millionen stehen.
Da die Einnahmen sogar noch um einige Millionen hinter den jetzigen verminderten Schätzungen zurückzubleiben drohen, sollten die neuen Steuern nach Meinung der Reichsratsausschüsse mit größter Beschleunigung beschlossen werden. Eine größere Einsparung war in diesem Jahre nur noch bei den insgesamt 538,4 Mill. für die Invalidenversicherung denkbar. Hiervon wurden im Nachtrag angefordert 50 Millionen Beitrag aus der Lohnsteuer (Lex Brüning) und 22,5 Mill. Reichsbeitrag zu den «tei- gerungssätzen. Der Sonderzuschuß zur Invalidenversicherung aus den Zöllen von 40 Millionen ist erst zum Teil und der Beitrag aus der Lohnsteuer noch gar nicht ausgegeben. Mit Rücksicht auf die großen Fehlbeträge der Arbeitslosenversicherung stellen die Ausschüsse zur Eluvägung, ob man den Beitrag aus den Zöllen nicht ganz oder teilweise auch als Beihilfe zur Arbeitslosenversicherung geben könne. Für das laufende Jahr haben sie beschlossen, die Erhöhung der Zuschüsse zu den Steigerungsbeträgen den Lohnsteuerbeiträgen zu entnehmen. Endgültige Regelung müsse bis zur Sanierung der Arbeitslosenversicherung aufgeschoben werden. Der Berichterstatter erinnert daran, daß
unrichtige Schätzungen oft eine verhängnisvolle Rolle gespielt
hätten, namentlich bei der Besserstellung der Reichs-, i wehrsoldaten von 1927 und bei Wiedergewährung sichtigt wird, von Rente an die abgefundcnen Kriegsbeschädigten. I
Der weitere Bedarf soll gedeckt werden aus der Erhöhung der B i e rst e u er, sowie aus der Erhöhung der 11 msatzsteuè r oder, falls sich diese nicht durchsetzen läßt, aus der Erhöhung des Kaffee - und Teezolles. Endlich sollen beim Haushaltsplan Ersparnisse gemacht werden in der Höhe von rund 180 Millionen Mark. Große Ab- ftrichc sind nach Auffassung der Sachverständigen im Haushaltsplan zurzeit nicht möglich.
Me voiksvaetei lehn« ab
Berlin, 13. Febr. Zu der Meldung über Verhandlungen des Unterausschusses des interfraktionellen Ausschusses der Regierungsparteien wird von volksparteilicher Seite erklärt, daß der Unterausschuß in seiner Sitzung vom Donnerstag lediglich den Haushaltsplan für das Jahr 1930’31 mit dem von 1929130 verglichen und dabei keine Be-
Die Ausschüsse halten daher die Einführung von Ausschlußfristen für leichtere Fälle von Kriegsbeschädigten für notwendig. In einem Ausblick auf 1930 berechnete Dr. Brecht bei gleichbleibender Gestaltung der Arbeitslosenversicherung den Fehlbetrag auf etwa 700 Millionen. Darin sind 450 Millionen Schuldentilgung enthalten. Die Fehlbeträge von 1928 und 1929 dürfe man' jedoch auf diesen Fonds erst dann anrcchnen, wenn die Kassenlage werde der Fehlbetrag von 1929 noch den Haushab' für 1931 weiter belasten.
Das Gvavvvogeamm dev KsichsvaLsaus-chösse
1. Schnelle Auflösung der Verwaltung für die besetzten Gebiete und des Reichsenüchädigungsamts.
2. Vereinfachung der Abgabengesetzgebung und -Verwaltung, um die Abgabenverwaltung einschränken zu können.
3. Einschränkungen weiterer Rentenerhöhungen für Kriegsbeschädigte in den leichten Fällen: Vereinfachung des Verfahrens der Verwaltung.
4. Uebertragung der Vauverwaltung ■ und des Reichswajserschützes einschließlich ihres Beamten- apparats an die Länder zur Derornigung mit ihrer Bau- und Polizeiverwaltung.
5. Vereinfachung der Justiz um die hohen Justizhaushalte der Länder allmählich zu entlasten.
6. Festlegung eines Sparprogramms für Heer und Marine.
7. Sanierung der Arbeitslosenversicherung in Verbindung mit den eben erwähnten Maßnahmen ohne grundsätziche Einschränkung der Leistungen.
8. Stärkere Verbindung des zurzeit vierfach getrennten äußern Berwaltungsapparats für sämtliche sozialen Aufgaben; hierfür liegt ein einstimmiger Vorschlag sämtlicher vom Reich und von den Ländern ernannten Miigieder des Unterausschusses der Länderkonferenz vor.
9. Ermächügung der Regierung, Beamte aufzulösender oder zu verschmelzender Behörden vorübergehend zu beurlauben, um die Schließung der Behörden und das Aufsaugen der Beamten zu erleichtern und zu bechleunsgen.
Im einzelnen ist noch folgendes zu benzerksn: Bis zum 30. Juni soll die Räumung des besetzten Gebiets beendet fern. Der Ueber rang erfordert für 1929 und 1930 noch erhebliche Aufwendungen für das Reich (1929 für das ganze Haushaltjahr rund 70 und 1930 rund 60 Millionen). Dann fallen diese
Kosten fort. Der Reichsrat stimmte einem West- fonds von 10 Millionen Mark für 1929 zu, Preußen allerdings unter der Voraussetzung, daß diese erst im Jahre 1930 tatsächlich zur Ausschüttung kommende Summ« bei der Verteilung der für 1930 verfügbaren Mittel auf Osten unb Westen berück- \ Genehmigt wurde u. a. ferner die
(Fortietzung auf Seite 2)
schlüffe gefaßt habe. Der Unterausschuß sei auch noch nicht in Erwägung darüber eingetreten, wie das Etatdefizit für das Jahr 1930 zu decken fei. Zu dem angeblich geplanten Zuschlag zur Einkommensteuer wn 10 Prozent wird festgestellt, daß die Deutsche Volkspartei derartige Gedankengänge stritte ablehnt. Das gleiche gelte für den Gedanken eines Notopfers vom Gehalt aller Festbesoldeten von 1 Prozent. Die Deutsche Volkspartci sei nach wie vor der Ueberzeugung, daß nach Möglichkeit auf eine Senkung der direkten Steuern bingemirtt werden müsse. Der Unterausschuß habe sich im übrigen mit beiden Projekte» nicht beschäftigt, vielmehr sei nnzunehmen, daß beide auf Vorschläge der Gewerkschaften Zurückgingen, und daß höchstens unverbindliche Besprechungen zwischen einigen Mitgliedern des Unterausschusses darüber stattgefunden hätten, an denen aber volksparteiliche Abgeordnete nicht beteiligt seien.
«lâkams vor Gesicht
Vor dem Jirsterburger Schwurgericht beginnt heute der Prozeß gegen Pletsch- taitis und seine Anhänger, die den Zug mit dem damaligen^ litauischen Ministerpräsidenten am 3. September in die Luft sprengen wollten.
Die sensationellen Vorgänge, die sich im September vorigen Jahres um den in Ostpreußen verhafteten litauischen Emigrantenführer Pletschkaitis abspielten, gelangen nunmehr vor dem Schwurgericht in Insterburg erneut zur Sprache. In einem Augenblick höchster politischer Spannung zwischen Litauen und Polen — der damalige litauische Ministerpräsident Woldemaras hatte gerade in Genf heftige Anklagen gegen die polnische Regierung wegen der Umtriebe der litauischen Emigranten im Wilnagebiet erhoben — wurde Pletschkaitis mit seiner fünf Genossen in der Nähe der deutsch-litauischen Grenze schwerbewaffnet verhaftet. Bei den Festgenommenen wurden nicht nur Gewehre, Pistolen und reichlich Munition, sondern auch Handgranaten und schwere Bombst vorW-.m Den, mit denen man oeauem einen HauferM^ hätte in die Luft sprengen können. Die Emigranten waren offenbar mit der Absicht nach Ostpreußen gekommen, uni auf den von Genf kommenden litauischen Ministerpräsidenten bei seiner Durchreise nach Litauen ein Attentat zu verüben. Nach einer anderen Lesart soll Pletschkaitis die Absicht gehabt haben, seinen verhaßten politischen Gegner Woldemaras in Litauen selbst zu beseitigen.
Inzwischen ist Woldemaras von der politischen Bühne Litauens abgetreten. Nichtsdestoweniger aber wird dem Ausgang des Prozesses nicht nur in Deutschland, sondern besonders auch in den Randstaaten mit großer Spannung entgegengesehen. Bielsach glaubt man sogar, daß die Verhandlung neue Sensationen, insbesondere was die Auftraggeber des Pletschkaitis und die politischen Hintergründe der Attentatspläne anbetrifft, bringen wird. Von litauischer Seite wird behauptet, daß Pletschkaitis im 'Auftrage der polnischen Regierung gehandelt habe. Diese Angabe stützt sich auf die einwandfrei erwiesene Tatsache, daß Polen die politischen Flüchtlinge Litauens nach dem Putsch von Tauroggen im Wilna gebiet organisiert und mit Waffen versehen hat mit dem ausgesprochenen Ziel, die litauische Regierung zu stürzen und auf diesem Wege eine Vereinigung zwischen Litauen und Polen herbeizuführen. Dagegen wird von polnischer Seite nicht nur den litauischen Angaben widersprochen, sondern sogar die reichlich kühne Behauptung aufgestellt, daß Pletfchkaitis auf Veranlassung von Woldemaras selbst gehandelt habe. Der litauische Diktator habe mit der Inszenierung dieses Attentats neues Beweismaterial gegen Polen in die Hand bekommen wollen.
Was an all diesen sich widersprechenden Behauptungen Wahres ist, wird sich hoffentlich bei der Gerichtsverhandlung herausstellen, da die Frage der Emigrantenümtriebe und auch die Rolle Polens hierbei ausführlich erörtert werden foll. Die Anklage selbst lautet auf Paßvergehen, unbefugte Führung von Waffen und Verbrechen gegen das Sprengstoffgesetz. In den ersten beiden Punkten der Anklage sind die Emigranten geständig. Sie bestreiten febod) gegen das Sprengstoffgesetz verstoßen zu haben da sie die Hairdgranaten und Bomben angeblich in Litauen und nicht in Deutschland per wenden wollten. Ob es sich hier um eine taktische Slusrede handelt, soll dahingestellt werden. Jedenfalls haben sie damit die Absicht der Verübung eines Attentats bereits eingestanden. Eine Auslieferung der Emigranten an Litauen kommt vorläufig nicht in Frage, da das Gericht politische Motive annimint und
Die keutkae Nummer umfaSi 12 Geilen