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Das Ks«Me
— Die Reichstagsdebatte über die Dounggesetze wird voraussichtlich erst am Montag, 10. Februar beginnen, da der Reichsrat den ursprünglich vorgesehenen Arbeitsplan nicht einhalten kann.
— Die vom Reichskabinetl angeregte parkei- sührerbejprechung in der die von der Zenlrums- fraklion zur Behandlung des Doung-Planes ge- slelltea Forderungen erörtert werden sollen, findet am kommenden Montag statt.
— Die thüringische Regierung hat in ihrer letzten Kabinettssthung gegen eine Stimme beschlossen, den Bevollmächtglen Thüringens zum Reichsrat zu beauftragen, gegen die Annahme des Poung-Planes za stimmen.
— Der neue preußische Kultusminister Grimme wurde gestern in fein Amt eingeführt.
— Der preußische Landtag beendete nach einer Kullusminister-Debalte die Aussprache über den Abschnitt „Allgemeine Volkswohlfahrt" des Wohl- sahrihaushaltes.
— Rach Berliner Meldungen deuten alle Anzeichen darauf hin, daß die Linksradikalen den Versuch machen werden, heule große Demo«, ftrafionen zu veranstalten. Angesichts dieser Lage ist die Berliner Polizei in höchste Alarmbereitschaft gesetzt worden.
— 3n Hamburg kam es gestern W neuen Zusammenstößen mit der Polizei.
âMtusmrELev-Dehaiie im Landias
vQ-mu.ân Landtaa kam zu einer interessanten Auseinandcrfetzuna wegen des Wechsels in der Leitung des KiiltusmiNi- fteriums. Abg. Schwenk (Komm.) protestierte dagegen, daß ein Ministerium neu besetzt sei, ohne daß der Landtag Gelegenheit erhalten solle, sofort hierzu Stellung zu nehmen, und beantragte Horbei- rufung des Ministerpräsidenten sowie Debatte über diesen Antrag. Dr. v. W i n t e r f e l d t (Dntl.) war der Meinung, daß der neue Kultusminister dem Landtag präsentiert werden müsse, damit man feststellen könne, ob er das Vertrauen des Hauses habe.
Als nun Abg. Heilmann (Soz.) an das Rednerpult trat riefen alle Kommunisten: Der Oberschieber hat das Wort! Heilmann glaubte, daß nach der Verfassung der Ministerpräsident nicht gezwungen werden könne, außerhalb der Tagesordnung eine Erklärung im Landtag abzugeben.
Die Besprechung.des kommunistischen Antrages wurde mit den Stimmen der Deutschnationalen und Kommunisten beschlossen. Es kam zu einer kurzen, aber lebhaften Debatte, in der Abg. Borck (Dntl.) forderte, daß der Ministerpräsident Auskunft über die Gründe für den Wechsel im Kultus- ministerium geben solle, während Abg. Dr. Rhode (Wirtschaftspartei) wissen wollte, wie Zentrum und Demokraten dazu stehen, daß der neue Kultusminister aus einer Partei komme, die die Idee der christlchen Schulung bekämpfe.
Abg. Schwarzh aupt (D. Vp.) trat gleichfalls für eine gründliche Aussprache ein, wollte aber den Ministerpräsidenten nicht verpflichtet wissen, nun sofort vor dem Landtag zu erscheinen.
Schließlich wurde bei schwacher Besetzung des Hauses der kommunistische Antrag auf Herbeizitierung Brauns mit 138 Stimmen der Regierungsparteien gegen 127 aller übrigen Gruppen abge- lehnt.
Das Haus beendete noch die Ausspracize über den Abschnitt „Allgemeine Volkswohlfahrt" zur Zweiten Lesung des Wohlfahtsetats. Am Samstag wird die Debatte über den Abschnitt „Wvh- nungs- und Siedlungswejen" durchgeführt.
GManse-GG-tMse« aus dem Stahlhelm ausse- schloffe«
Der Landesverband Pommern des Stahlhelms hat nach Blüttermeldungen den Reichstagsabgeordneten Schlange-Schöningen aus dem Stahlhelm ausgeschlossen. Als Begründung wird angeführt, daß der Abgeordnete Schlange-Schöningen tm Reichstag gegen das Freiheiisgejetz gestimmt hat, und daß er bei seinem Austritt aus der Fraktion der Deutschnationalen Volkspartei sich nicht an die ursprünglich gegebene Zusage gehalten habe, bei einem Ausscheiden aus der Franktion und aus der Partei fein Mandat niederzulegen.
Ein Amokläufer in Marseille.
Paris, 31. Ian. Rach einer Meldung des Petit Journal aus Marseille hat heute nachmittag ein Armenier in einem Anfall von Tobsucht im Armenierviertel 5 Personen getötet und 2 P^sonen schiver verletzt, und zwar durch Revolverschusse. Der Mörder hat alsdann Selbstmord begangen. Die ganze Sjene hat nicht länger als 10 Almuten gedauert.
Die Geledisuus dev Noung- Geietze
Sevkchßshrms -sv Relchsiass-shaite - GchwievigSeiistr nm das AslsrmWsmmsrr
Berlin, 31. Jan. Die Verabschiedung der Houng-Gefehe wird sich um einige Tage verzögern, da der Reichsrak den ursprünglich vorgesehenen Arbeitsplan nicht einhalten kann. Die vereinigten Ausschüsse des Reichsrakes brauchen einen etwas größeren Spielraum für die Beratung des Zoung-Planes.
Die vereinigten Ausschüsse beschäftigen sich heute und morgen mit dem Haager Abkommen, dem Eisenbahngesetz, dem Bankgesetz unb' dem deutschamerikanischen Abkommen. Die für morgen einberufene Vollsitzung des R e i ch s r a t e s ist deshalb wieder abgesagt worden. Am Montag und Dienstag der kommenden Woche werden die Ausschüsse sich mit dem Rahmengesetz über das Liquidationsabkommen befassen, so daß die Arbeiten der Ausschüsse erst am Dienstag, wahrscheinlich sogar erst am Mittwoch beendet sein werden. Da in diesem Falle die Haager Gesetze dem Reichstag erst am Donnerstag zugehen, könnte der Reichstag bei Einhaltung der Fristen nicht vor Samstag die erste Lesung dieser Vorlagen beginnen. Unter diesen Umständen rechnet man damit, daß die für Mittwoch einberufene Sitzung des Reichstages auf Montag den 10. Februar verschoben wird.
An der Annahme der Aounggesetze im Reichsrat ist nicht zu zweifeln. Immerhin machen sich doch gewisse Widerstände bemerkbar. Die Vertreter Mecklenburgs, Thüringens und einiger preußischer Provinzen werden sicherlich gegen die Pounggesetze kommen. Hier hat sich insofern ein merkwürdiger Konflikt ergeben, als das Zentrum im preußischen Landtag bei der Beratung des Domänenbaushalts einem deutschnationalen Antrag zugcsiimmt hat, der die Vertreter der preußischen Regierung im Reichsrat anweist, gegen das deutsch-polnische Liquidationsabkommen zu stimmen. Das Zentrum verhalf mit seinen Stimmen diesem Antrag erst zur Annahme. Man versucht nun offenbar im Reichsrat Zeit ju gewinnen, um mit dem Zentrum ver-
Awmnmttifi. Demonstrationen
^nndsebttnsen tvsh Sevbot - SvhSSte Aavmvevettthast
Berlin, 31. San. Angesichts der Versuche der Linksradikalen, nicht nur ihre Anhänger, sondern vor allem das große Heer der Erwerbslosen am Samstag auf die Straße zu bringen, und der umfangreichen Verteilung von Flugzetteln, in denen eine ganze Reihe von Plätzen, namentlich im Osten, im Zentrum und in Reukölln als Sammelplätze für Samstag abend 5.30 Uhr angegeben worden sind, und im Hinblick ans die letzten blutigen Krawalle in Hamburg sind vom Berliner Polizeipräsidium und vom Kommando der Schupo umfassende Vorkehrungen getrosten worden, um Demonstrationen Und Zusammenrottungen nach Möglichkeit im Keime zu ersticken und die Ordnung aufrecht zu erhalten. Für die Schutzpolizei ist von den frühen Rachmitlagsstunden an die „Große Alarmstufe" angeordnet' worden. Vatrouillenwagen und Streifen zu Pf erbe und zu Rad werden die für Ansammlungen in Aussicht genommenen Stadt- gegenden beobachten, damit gegebenenfalls sofort die unter Alarm stehenden Bereitschaften an den bedrohten Punkten eingesetzt werden können.
In den kommunistischen Aufrufen besindet sich die bezeichnende Aufforderung „Keinen Zoll zuruckzuweichen".
LLushebttttS eitles kommtmlsMOe« LoZals
Berlin 31. Jan. Beamte der politischen Abteilung des Polizeipräsidiums drangen heute abend 9 Uhr überraschend in ein kommunistisches Verkehrslokal in der Lange-Straße am Schlesischen Bahnhof ein. Es waren fast 80 Personen anwesend, darunter auch einige bekannte kommunistische Führer. Sämtliche Anwesenden wurden einer körperlichen Durchsuchung unterzogen, wobei man mehrere Dolche und Schlagringe fand. Alle Personen wurden dem Polizeipräsidium zugeführt.
Wie der Polizeipräsident zu der Aushebung eines kommunistischen Verkehrslokals in der Lange- Straße mitteilt, fand dort gerade eine geheime Versammlung von kommunistischen Funktionären statt, die zum Teil dem aufgelösten Rotfrontkämpferbund angehören. Die 76 Festgenommenen bleiben, iw [« nach den polizeilichen Ermittlungen bei
haâln zu können. Am Montag findet die Partei- führerbesprcchung statt, in der u. a. Bericht über die Saarverhandlungen erstattet werden soll. Hier wird man auch über die parlamentarische Beratung des deutsch-polnischen Liquidationsablommens verhandeln. Es :;i notwendig, daß die Reichsregierung nunmehr die Stimmung und Haltung der einzelnen Fraktionen kennen lernt. Es ist aber auch notwendig, daß die Regierung nunmehr endlich auch dem Reichstag Gelegenheit gibt, den ganzen Komplex der zwischen Deutschland und Polen verhandelten Fri'.n kennen zu lernen.
SeäattSttsvsLzrm
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Weimar, 31. Ian. Der Thüringer Landtag nahm heute eine Entschließung der bürgerlichen Parteien mit 28 gegen 20 Stimmen der Linken und des Demokraten an, nach der der Landtag die Regierungserklärung billigt und der Regierung das Vertrauen ausip i^t.
bi? Regierung beauftragt werden sollte, im Reichs- rat für die Vorlage der Reichsregierung über das Haager Abkommen zu stimmen, wurde mit 28 gegen 20 Stimmen abgelehnt. Für die sozialdemo- tische Entschließung stimmten außer den Antragstellern der demokratische Abgeordnete und die Deutsche Volkspartei, während außer den anderen bürgerlichen Parteien auch die Kommunisten gegen den Antrag stimmten.
der für Samstag geplanten Durchbrechung des Demonstrattonsverbots als Führer dienen sollten, bis auf weiteres in Schutzhaft.
ÄttsMvett^ttZett in Mchtenbevs
Berlin, 31. Jan. Zu den Ausschreitungen in einem Konsumgeschäft in Lichtenberg berichtet eine Berliner Korrespondenz: Infolge der Sparmaßnahmen des Magistrats sollen von jetzt ab nur noch Jugendliche bis zu 18 Jahren in den städtischen Jugendheimen Belästigung erhalten, während bisher die Altersgrenze bis zu 21 Jahren ging. Wegen dieser Einschränkung kam es schon am Donnerstag zu Lärmszenen in einem Jugendheim Daraufhin blieb das Heim am heutigen Freilag geschlossen und die Jugendlichen die sich dort Esten holen wollten, standen vor verschlossenen Türen Ein Trupp von 30 bis 50 Burschen zog darauf nach der in nächster Nähe gelegenen Verkaufsstelle der Konsumgenossenschaft und drang, als der Verkaufsstellenleiter gerade zu Tisch gegangen war, in den Laden ein. Die Verkäuferin wurde von einem der Rowdies mit einem Messer bedroht, während die anderen in aller Eile einen zum Verkauf be- reirgestellten Vorrat von Broten raubten. Trotzdem das von Srraßenpassonten gleich zu Beginn der Lärmszenen alarmierte Ueberfallkommando bald zur Stelle war, konnten nur noch drei Jugendliche ergriffen und der Abteilung IA zugcsührt werden, während die anderen mit ihrer Beute die Flucht ergriffen hatten.
KoO Zmmev Llmuhen in Oamvuvs
Hamburg, 31. Jan. Nachdem die Polizei in den ersten Morgenstunden di« Ruhe wiederher- gestellt hatte, mürbe die Altstadt im Lause des Vormittags durch starke Polizeistreifen bewacht. Besonders die engen Gassen des Gängemertels standen unter dauernder Bewachung. Trotzdem kam es heute nachmittag zu neuen Zusammenstößen. Nach einer Versammlung von Eriverbslosen ver-
(Fartsetzung auf Seite 2)
Die Woche
Mit großer Spannung hat der Reichstag zu Beginn der Woche die Erklärung des neuen Reichsfinanzministers entgegengenommen, in der Dr. Moldenhauer die Diskussion über das Zündholzmonopol benutzte, um ein rückhatt- loses und schonungsloses Bild der gegenwärtigen Kassenlage zu entwerfen. Schonungslos und ohne Rücksicht hat er in die Finanzlage des deutschen Reiches hineingeleuchtet. Er hat offen zugegeben, daß man sich getäuscht hat, als man im Dezember annahm, daß der Nachtragsetat für 1929 eine volle Deckung des bisherigen Defizits und gleichzeitig die Deckung des Defizits aus dem Jahre 1928 erbringen würde. Die Mehrbelastungen, die durch die Wirtschaftslage eingetreten sind, und sich in einem Zurückbleiben der Einnahmen und in einem Steigen der Ausgaben ausgewirkt hat, läßt nur die Feststellung zu, daß die aus dem Noungplan erreichten Erleicherungen gerade das Defizit von 1929 decken können und daß das Defizit von 1928 in den Haushalt von 1930 mit übernommen werden muß. Ein Defizit von 154 Millionen Mark. Das Bild, das sich demnach für den Reichshaushalt und für den Kassenbedarf ergibt, ist ein sehr trübes. Ende Dezember 1929, nach der Annahme des Sofortprogramms, hatte man wenigstens gehofft, daß die Ersparnisse aus dem Noungplan für das halbe Etatsjahr 1929/30 dazu ausreichen würden, nicht nur dieses Jahr zu entlasten, sondern auch die Fehlbeträge aus 1928/29 abzudecken. Damit wäre wenigstens für 1930 freie Bahn geschaffen worden. Diese Hoffnung hat sich jedoch als trügerisch erwiesen, und die ^^<W^^^^ auf eine steuerliche Entlastung zuruckzustellen« Ist somit die Frage der Steuersenkungen vorerst aus dem Bereich der unbedingt notwendigen Maßnahinen zur Sanierung der Wirtschaft herausgenommen und abgetan, so muß umso eindringlicher die Forderung nach der Finanzreform, nach einem Umbau der Steuern erhoben werden. Der Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer hat sich finanzpolitisch dazu bekannt, daß sowohl der Schuldentilgungsfonds, mit anderen Worten die Konsolidierung der schwebenden Reichsschuld, wie eine Entlastung der Wirtschaft durchgeführt werden müsse, daß aber die Schuldentilgung dringlicher als die Entlastung der Wirtschaft sei. Die Schwierigkeiten liegen eben darin, daß auf der einen Seite die Notwendigkeit des Abbaues der öffentlichen Verschuldung besteht, auf der anderen Seite die berechtigte Forderung nach Steuererleichterungen; das Primäre ist aber die Konsolidierung der schwebenden öffentlichen Schulden, um von den Kreditmärkten den Druck zu nehmen, der zu einem wesent* lichen Teil zu dem Heraufdrücken der Zinssätze und damit zur Verteuerung des der Wirtschaft zur Verfügung stehenden Kredites geführt hat. Die Sanierung des Reichsbudgets ist die Vorbedingung einer gesunden Volkswirtschaft, und darum kann man die Verzögerung der geplanten Senkung der Personalsteuern hinnehmen, wenn es jetzt wirklich gelingt, das Budget zu ordnen und das Kassenüefizit, das nun schon seit dem Jahre 1926 besteht, zu beseitigen. Was man aber bisher vermißt hat, ist die so wichtige Betonung der Bereitschaft zur Ausgaben- einschränkung, der Wille, eine Finanzreform durchzuführen, die die Einschränkung des öffentlichen Aufgabenkreises und dadurch die Senkung der öffentlichen Eesanrtausgaben nicht außer Acht läßt. Es kommt nicht nur da- rauf an, den Staatsaufwand durch die Auf-, stellung grundsätzlicher Richtlinien zu verrin» dern, sondern vor allem darauf, daß durch intensive Arbeit im einzelnen Eiiparnisse erzielt werden, und leider ist es, wie gerade die Vorgänge der letzten Zeit darttin, um diese intensive Arbeit im einzelnen nicht so bestellt, wie es dem Willen und der Bereitschaft zur Ausgabeneinschränkung entsprechen muß. Die Ausgaben müssen den Einnahmen angepaßt und muß dabei die Höhe der bisherigen Ein» gänge zum Ausgangspunkt genommen we^ den. Darüber hinaus aber sollten, was noch viel wichtiger ist, die wirklich wirtschaftlich tragbaren Einnahmemöglichkeiten als Grundlage für die Aufstellung des öffentlichen Haushaltes gewählt werden. Eine Finanzreform, die diese Gesichtspunkte nicht in erster Linie
Vie heutig- Kummev «mssaSt 25 Seiten