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Sie. 24
Mittwoch den
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29. Sanna«
1930
Das Stenefte
— Primo de Rivera hat gestern sein Rückkritts- gefuch eingereicht, das vom König angenommen wurde.
— General Berenguer, der mit der Neubildung des fpanifchen Kabinetts beauftragt wurde, wird wahrscheinlich eine llebergangsregierung zur Vorbereitung konstitutioneller Zustände bilden.
— In der namentlichen Schlutzabstimnmng wurde im Reichstag das Zündwarenmonopolgesetz in der Fassung der zweiten Lesung mit 240 gegen 145 Stimmen bei 7 Stimmenenkhaltungen ange- «ommeu.
— Die Aussichten auf eine Erweiterung der Regierungsbasis in Preußen haben sich im Laufe des gestrigen Tages wieder günstiger gestaltet. Die Sozialdemokraten scheinen auf die Kandidatur Königs für das Kultusministerium verzichte« zu wollen.
— Der Jungdeutsche Orden erläßt einen Austus zur Bildung einer neuen Partei, der volksnaliona- len Reichsvereinigung.
—. Die „Volkskonservative Vereinigung", der sich in der Hauptsache die aus der Partei ausgetretenen ehemaligen Deulschnalionalen angeschlossen haben, gibt in einem Ausruf über ihre politischen Ziele Aufschluß.
— Der 25-Millionen-Kredik Berlins ist perfekt geworben.
MS KMOsÄM« «Sch ttW beMedZsi
fehlt an Mitteln für den Betrieb und Erneuerung
die
Ker Deut hielt gestern — ^— .,,—— ...... , ab, über deren Ergebnisse folgendes mitgeteilt wird:
Die Verkehrsentwicklung ist leider wenig befriedigend. In den beiden letzten Monaten des Jahres
wurden die veranst nicht erreicht, und tun
llagten Betriebseinnahmen ) für den Januar 1930 ist
kein günstiges Ergebnis zu erwarten. Nur ein kleiner Teil des ungedeckten Bedarfs der Betriebsrechnung, jährlich etwa 17 Mill. RM, wird durch die am 1. Februar eindretende Erhöhung der Berliner Stadt- und Vororttarife voraussichtlich gedeckt werden. Die Vereinbarungen im H a a g über den der Reichsbahn und der Reichspost zu überweisenden Anteil Deutschlands an der Mobilisierunganleihe geben Aussicht auf eine Erleichterung der Lage der Reichsbahn, soweit Anleihen für werbende Zwecke in Betracht kommen. Der Verwaltungsrat ermächtigte die Hauptverwalung zu entsprechenden Verhandlungen. Da zur Deckung der laufenden Bedürfnisse für Betrieb und Erneuerung Anleihen nicht in Frage kommen, bleiben die Schwierigkeiten in dieser Hinsicht be- st e h e n. Der Verwaltungsrat hat alle in Betracht kommenden Möglichkeiten zum Ausgleich der Betriebsrechnung nochmals eingehend erörtert und den Generaldirektor mit weiteren Schritten .bei der Reichsregierung beauftragt.
BeE«s MMdttseMMs
Die 25 Millionen-Anleihe der im Reichsbesitz befindlichen Elcklrowerke A.-G. an die Stadt Berlin ist, nachdem die Berliner Eleklrowerke, wenn auch nicht ganz ohne Widerstreben, ihre Zustimmung gegeben haben, perfekt geworden. Der Kredit wird noch vor Ultimo Januar ausgezahlt werden.
Damit sind die Kassenschwierigkeiten der Stadt erheblich erleichtert, für den Januar wohl auch be- hoben. Für Ultimo Februar und März ist mit dem neuen Kredit allein noch nicht hinreichend gesorgt.
Wie der „Börsenkurier" Hörl, steht die Stadt Berlin wegen neuer Geldbeschaffung mit einer führenden D-Bank in Vorverhandlungen. Es soll sich um einen Betrag von etwa 50 Millionen Mark mit einer Laufzeit von etwa 1% Jahre handeln. — Man spricht davon, daß die Gewährung dieser Anleihe von der Erschließung neuer Einnahmequellen und einer ordnungsgemäßen Balancierung des Berliner Etats abhängig gemacht werden soll. — Durch die Aufnahme dieser dritten Anleihe werden die Kassenschwierigkeiten der Stadt Berlin vorläufig aus längere Zeit behoben sein. Hätte man die 25 Millionen von den Esektrowerken A.-G. nicht bekommen, so wäre man, wie verlaute«, gezwungen gewesen, Ende Januar, dem genannten Blatt zufolge, den städtischen Beamten und Angestellten nur die Hälfte der Gehälter auszuzahlen.
„Monte Sarmiento" übernimmt Passagiere «nd^ Besatzung der unlergegangenen „Monte Cervantes
Newyork, 28. Jan. Nach einer Meldung der „Associated Preß" aus Buenos Aires ist das Motorschiff „Monte Sarmiento" heute in der Morgen- srüye im Hafen von Ushuaia eingetrossen und hat sofort damit begonnen, Passagiere und Besatzung ihres untergegangenen Schwestsrschiffes „Monte Cervantes' an Bord zu nehmen.
Die âosMonsvevhand<«nsen in OveuSen
Statt Muts ein evanse«. AmvergtStsvvokeskov füe das MuMniMum
Berlin, 3m Verlaufe der gestrigen Besprechungen, die hauptsächlich zwischen der Volkspartei und den Sozialdemokraten gepflogen wurden, scheint eine gewisse Wendung zum Besseren eingetreten zu sein. Von sozialdemokratischer Seite wurde erklärt, daß man an der Person des Abgeordneten König für den Posten des Kultusministers nicht feskhalke. Man denkt jetzt an einenevangelischen Aniverfikätsprofesfor der der Sozialdemokratischen Partei angehört.
Berlin, 28. Jan. Die volksparteiliche Landtagsfraktion hat heute im Laufe des Tages zur Beratung der Koalitionsfrage zwei Sitzungen abgehalten. Am späten Nachmittag wurde die wichtige Besprechung auf morgen vormittag vertagt, ohne daß bisher irgendwelche Beschlüsse gefaßt wurden. Wie verlautet, bettachtet man die Kandidatur des sozialdemokratischen Abgeordneten König als Nachfolger des Kultusminister Dr. Becker auf Grund der Haltung des Zenttums und der Demokraten als erledigt. Die Sozialdemokraten zeigten anfangs starke Neigung, um jeden Preis an dieser Kandidatur festzuhalten. Von einzelnen ihrer Abgeordneten wurde ernsthaft der Gedanke erörtert, ob es möglich sei, eine Koalttion von der Deutschen Volkspartei bis zu den Sozialdemokraten unter Ausschluß der Demokratischen Partei zu bilden. Obwohl ein solcher Versuch rein zahlenmäßig denkbar wäre, dürfte er sich als politisch undurchführbar erweisen. Im Laufe des verstärkten sich daher auch im Streife der kratischen Fraktion selbst die Bestrebungen, die darauf hinausgingen, anstelle des Ab- ; geordneten König, ein anderes evangelisches Mit-
zicht auf triefe _ öqlichkett zur
Lösung gibt, bleibt eine noch offene Frage.
Mimo de Rivera zuvSEsetveien Genesal Nevsttguev mit des âabktteètsbi^dmts beauftvasi
Paris, 28. Ian. Havas meldet aus Madrid: General Primo de Rivera und die Mitglieder der Regierung sind zurückgetreten.
Die Nachricht vom Rücktritt Primo de Riveras wurde von ihm selbst den wartenden Journalisten mitgeteilt, als er um 9 Uhr abends das königliche Palais verließ. Er gab gleichzeitig bekannt, daß das Rücktrittsgesuch des Kabinetts vom König bereits angenommen und daß General Berenguer mit der Bildung der neuen Regierung betraut sei.
MavmMmmuns am Morgen in Madrid Madrid, 28. Jan. Der Studentenstreik Hot sich auf fast ganz Spanien ausgedehnt. Mehrere Universitäten, darunter Madrid und Barcelona haben geschlossen. Primos überraschende Note von der Befragung der obersten Heerführer führte die Beruhigung der Lage nicht herbei, sondern bewirkte das Gegenteil. Die Note darf infolge Zensuroerbots von der Presse überhaupt nicht kommentiert werden. Die Alarm stimmung in Madrid erreicht ihren Höhepunkt. Vergangene Nacht jagte ein Gerücht das andere, zumal durch den Flieger Franco, einen erbitterten Gegner des Diktators, der Befehl zum Losschlagen nach Cadix überbracht worden sein soll. Franco entfloh im Flugzeug. Cadix dessen kommandierender General Goded ist, steht im Verdacht, der Herd der Militärverschwärung zu sein. Bisher ist keine Nachricht von dort erlangbar. Die Lage ist jedenfalls heillos verwirrt und unhaltbar.
GesamidsmMo«
Paris, 28. Jan. Havas meldet aus Madrid: Beim Verlassen des königlichen Palais übermittelte Primo de Rivera der Presse eine Note, in der er über den Kabinettsrat berichtet und sich von der Oefsentliästeit verabschiedet. Außerdem erklärte Pruno, der König hat General Berenguer mit der Kabinettsbildung beauftragt. Diese Wahl hat auf mich einen guten Eindruck gemacht; denn es handelt sich um einen ruhigen, zurückhaltenden Mann. In der von Primo de Rivera der Presse übermittelten Note heißt es: Die Mitglieder der Regierung haben, nachdem sie davon Kenntnis erhallen hatten, daß persönliche und Gesundheitsgründe (?1) mich veranlaßten, dem Könige un-
glied der Fraktion als Kandidaten für das Unter= richtsminifterium vorzuschlagen. In erster Linie würden hierfür Prof. Nölting- Franksut a. M., der Vizepräsident des Provinzialschulkollegiums für die Provinz Brandenburg und Berlin, Grimme und Schulsenator Krause -Hamburg genannt.
Der Ministerpräsident wird morgen die drei Regierungsparteien zu einer neuen gemeinsamen Besprechung zufammenbitien. Er hat die Absicht, eine Verzögerung der Verhandlungen zu vermeiden. Er wird vielleicht noch seinerseits in irgend einer Form die Initiative neu ergreifen. Aus all dem ergibt sich also, daß von einer Entscheidung nach der einen oder anderen Seite keineswegs gesprochen werden kann.
Wichtig erscheint noch die Erörterung einer Frage, die neuerdings als Kompromißidee in den Vordergrund getreten ist. Man will einen Minister ohne Portfeuills und ohne Gehalt ernennen. Das wird schwer möglich sein, denn Artikel 48 der Preußischen Verfassung steht dem ent-
widerruflich mein Demissionsgesuch zu unterbreiten, mir erklärt, daß diese Demission auch die ihrige im Gefolge hat, und haben mich gebeten, dem Könige die Demission der gesamten Regierung zu unterbreiten. Der König hat meine Demission sowie die aller Minster angenommen. Er hat eines jeden mit herzlichen Worten gedacht und jeden gelobt. Er hat mich gebeten, alle Beamten, Körperschaften usw. wissen zu lassen, daß er wünscht, daß sie ihre Posten weiter ausfüllen, bis eine neue Regierung gebildet ist. General Primo de Rivera hofft, daß dieser Wunsch erfüllt wird. — Ferner gab Primo de Rivera folgende Erklärung ab: Heute abend oder morgen werde ich meine letzte offiziöse Note veröffentlichen, in der ich die Gründe der Krisis auseinandersetze und mich vom Lande und vom Heere verabschiede. Ich werde, um mit gutem Beispiel voranzugehen, aus meinem Posten bleiben, bis der neue Ministerpräsident sein Amt übernommen hat.
Die Ä«ttvovt des MMtâv- fühvev wenig befviedigend
Paris, 29. Jan. Dem „Journal" wird aus Madrid gemeldet, daß die Antwort auf die Anfrage des Ministerpräsidenten an die Militärführer für diesen wenig befriedigend gewesen sei. Primo de Rivera habe sich überzeugt, daß er nicht beharrlich eine so ernsthafte Verantwortung auf sich nehmen könne, wie es sein Verbleiben in der Regierung bedeutet
haben würde.
Bei der Ueberreichung seines Rücktritts habe Primo de Rivera erklärt: .Ich bin mir klar, daß ich einen Fehler begangen habe, die Mil i- tärführer aufgefordert zu haben mit
Ja oder Rein auf die Frage zu antworten, ob[ j^jg HSttÜHO JitttltittCt tttltfOÖi iO Setten
ich meine Diktatur fortsetzen soll. (Fortsetzung auf Seite 2).
Ium Rülkiviit des spanische,Miktators
In bett letzten Monaten hat eine spanische Krisenmeldung die andere abgelöst. Da es unter dem Obwalten der spanischen Zensur sehr schwer ist, die Richttgkeit der Meldungen zu beurteilen, so war schwer zu entscheiden, ob. bei den Nachrichten Sensationsmache ihre Hand im Spiele hatte oder ob sich wirklich Un» ruhen in Spanien vorbereiteten. Es kam hinzu, daß bisher der spanische Diktator Primo de Rivera noch immer imstande war, seine politischen Gegner und ihre Krisenmeldungen Lügen zu strafen. Aus den Nachrichten der letzten Tage ging aber doch hervor, daß Primo de Rivera sich selbst nicht mehr vollkommen sicher fühlte. Primo hatte die Offiziere der Armee aufgefordert, die Frage, ob er weiter seine diktatorischen Vollmachten, gestützt auf das Vertrauen des Heeres, behalten solle, ein» fach mit Ja oder Nein zu beantworten.
Dieser Aufruf, der offenbar als ein mudp tiger Schlag gegen die Feinde der Diktattn: gedacht war, und den Versuch darstellte, die verfassungswidrige Herrschaft Primos von neuem zu fundieren durch die Unterstützung der bewaffneten Macht, war schon in seiner Formulierung höchst merkwürdig, und besonders befremben mußte der Umstand, daß der Diktator die Person des Königs, der ja doch schließlich der oberste Kriegsherr ist, überhaupt nicht erwähnte. Diese Unterlassung ist zweifellos mit Absicht erfolgt, denn Primo wollte offenbar das Heer gegen seinen Herrscher ausspielen, der nach der Auffassung des Diktators den Einflüssen des bürgerlichen Liberalismus und überhaupt des geistigen Spanien allzu zugangucH geworben war. ersten Antworten, die aus einigen großen spanischen Garnisonen bei Primo eingelaufen sind, haben den Diktator darüber belehrt, daß er zur Wiederbefestigung seiner Macht einen falschen Weg gewählt hatte. Aus den eingc- laufenen Antworten ging klar hervor, daß sie aufs äußerste befremdet sind. Sie erklärten Primo de Rivera klipp und klar, daß er sich, wenn er eine Boffchast oder eine Anfrage an die Wehrmacht habe, damit an den König als den obersten Kriegsherrn wenden möge, und sie machten ihn weiter darauf aufmerksam, daß er in Verfassungs- und Regierungsfragen vor allen Dingen auch die Zivilbevölkerung befra-, gen müsse; das Heer empfinde es als seins Pflicht, in politischen Dingen mit der Zivilbevölkerung zusammenzuarbeiten und ihre? Meinung anzuerkennen.
Diese Antwort von einer Anzahl sehr be» kannter und beliebter Generale hat Primo de Rivera genügt, mußte ihm genügen, seine Demission und damit auch die des Gesamtkabinetts einzureichen. Der König hat diese Demission angenommen und den General Berenguer, den militärischen Generaladjutanten des Königs mit der Neubildung des Kabinetts beauftragt. Welche Wege Berenguer einschlagen wird, steht noch nicht fest. Für das Kommende bemerkenswert ist aber, daß Berenguer der intimste Gegner Primo de Riveras ist. Berenguer war als kommandierender General in Marokko wegen einer Schlappe von Primo de Rivera vor ein Kriegsgericht gestellt worden. Aber König Alfons XIII. machte ihn bald darauf oftentatio zum Chef seines Militär- kabinetts. Er gilt als der Berater des Königs.
Primo de Rivera richtete im September 1923 durch eine Art von Staatsstreich die Diktatur auf. Seine Absicht war damals, die wirtschaftliche und finanzielle Lage seines Landes, die durch den Krieg stark in Mitleidenschaft gezogen worden war, wieder zu befestigen, den Krieg in Marokko zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen und die spanische Politik von unsauberen Elementen zu reinigen, die durch Bestechung und Korruption Parlament und Verfassung in den Augen des spanischen Volkes vollständig in Meßkredit gebracht hatte. Diese Aufgabe wollte Primo de Rivera, wie er damals versicherte, etwa in einem Vierteljahre durchführen. Dann wollte er wieder in das Privatleben zurücktreten, aus dem er so unvermutet und mit einer unbestreitbaren dramatischen Wirkung hervorgetre- en war.
Seitdem sind mehr als sechs Jahre verlassen. Das marokkanische Problem ist zur