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Seife 8

Samstag den 18. Januar 1930

Nr. 15

gen ausmachten, gearbeitet Der Mehrerlös hieraus wurde jedesmal unter die übrigen Angeklagten ver­teilt. Im ganzen soll die Firma Dunkel für eine halbe Million RM Lieferung erhalten haben. Die erschwindelten Beträge belaufen sich auf ca. 60 000 RM. Als erster Angeklagter gab Betriebsingenieur Schneider Auskunft über das Verfahren der fingier­ten Rechnungen. Nie Höhe der erschwindelten Be­träge wird von ihm auf 3000 RM angegeben. Er leugnet irgendwelche Verabredungen der Angestell­ten unter sich. Reichsbahninspektor Dierks erklärt, ivie die fingierten Rechnungen bei der Kasse be­handelt wurden. Er gibt seinerseits zu, von Dunkel Gelder und Waren für seine Person empfangen zu haben. Auch der Angeklagte Fröhlich gibt zu, Gel­der bis zu 800 RM für die Instandsetzung in Form guitierter Rechnungen bekommen zu haben. Von Kuhnen habe er etwa 250 RM erhalten. Inter­essant _ift seine Aeußerung, daß er, Fröhlich, noch Ansprüche an Dunkel habe, die er bei der Verteilung zu wenig erhalten habe. Reichsbahnoberrat Frey, der Leiter des Koblenzer Maschinenaints, gesteht ein, Geld von Dunkel erhalten zu haben; Arbeits- guroeifung habe die Firma durch ihn nicht erhalten. Als der Angeklagte Glasmacher erklärt, daß Frey von den fingierten Rechnungen gewußt habe, erhebt Frey dagegen Einspruch. Um Einzelheiten habe er sich nicht fütnmern können. Der Angeklagte Rein­king gibt zu, kleine Geldbeträge und Geschenke von Dunkel erhalten zu haben. Betriebsleiter Linden hat bei Dunkel gekauft und später bezahlt. Ange­klagter Krebs von der technischen Abteilung der Direktion Köln bestreitet, daß er dem Betriebsleiter Schneider Anweisung gegeben habe, höhere Rech- rmngsbeträge zu seinen Gunsten einzusetzen. Wein, den Krebs von Dunkel erhalten hat, will er be­zahlt haben. Zum Schluß wurde ein Haftentlas- sungsantraq für Krebs angenommen und darauf die Verhandlung auf Freitag vormittag vertagt.

Die Bisamratte im Unlermaingebiet.

,— Würzburg, 17. Jan. Immer mehr dringt die gefährliche Bisamratte auch in das Gebiet des Un­termaintales vor. Vor zwei Jahren wurden in Untenfranken acht dieser gefährlichen Nagetiere ge­fangen, im Jahre 1929 waren es schon zwölf.

AochsOttlangevinden

Scchziglauscnd fülomefer ans anderer Leute Kosten. — Das gefährdete Ansehen der weißen Rasse. Vom Salonwagen ins chinesische Reisfeld

Don John C. Waters-Chicago

Svort-KachviEtsn.

Spvg. Langenselbold — §pvg. Klein-Sieinheim

Auf obiges, für die Meisterschaft der Mittel­mainkreisliga höchst bedeutsames Treffen, sei noch­mals hingewiesen. Mit einem äußerst hartnäckigen und spannenden Kampfe darf bestimmt gerechnet werden. Der Spielausgang muß als völlig offen bezeichnet werden. Spielbeginn 243 Uhr auf dem Sportplatz „Sieb" in Langenselbold.

Viktoria Reuenhaßlau—Spvgg. Rüla

Viktoria Neuenhaßlau empfängt morgen zum Zweitenmal in dieser Verbandsspielsaison die Spiel­vereinigung Rüla. Das Vorspiel (Platzsperre Rüla) brachte den Gästen einen knappen Sieg und auch morgen dürfte das Endresultat äußerst knapp wer­den, zumal Viktoria alles dran setzen wird, nicht der letzten Aussichten auf Verbleib in Kreisliga verlustig zu gehen.

um der

Handball

Spv. Schupo—1. HSV. 1912 Hanau

Obige Mannschaften treffen sich heute nachmit­tag 3 Uhr auf dem Sportplatz der Schutzpolizei (ehem. Kaserne des Eisenbahnregiments) zu einem Freundschaftsspiel. Da die bisherigen Spiele beider Mannschaften immer nur knappe Resultate zeitig­ten, dürfte auch heute, zumal beide Mannschaften verstärkt antreten, ein interessantes Spiel zu erwar­ten sein.

T. H. X C. Hanau 1.—TV. Griesheim 1.

Nach längerer Ruhepause eröffnet der Klub morgen nachmittag gegen Turnverein Griesheim seine diesjährige Spielzeit. Griesheim, das sich durch faire Spielweise in dem Bezirk Frankfurt große Sympathien erworben hat, dürste auch am Sonntag sein Können unter Beweis stellen. Spiel­beginn 243 Uhr auf dem T. u. F. C.-Sportplatz am „Waldesel".

Tisch-Tennis

1. H. T. u. h. C.

Mit dem jüngst ausgetragenen Klubwettspiel gegen Darmstadt war dem 1. Hanauer Tennis- und Hockeyklub zum mindesten ein Achtungserfolg be-

Mancher deutsche Konsul hat Grund, über Landsleute zu klagen, die aller Mittel entblößt bei ihm um Unterstützung nachsucheu, weil die aben­teuerliche Fahrt, die sie auf vage Verheißungen hin oder gar aufs Geratewohl und ohne Mittel unter­nahmen, den Erwartungen längst nicht entsprach.

Aber diese deutschen „Weltrciscnden" mit ihren Postkarten sind die reinen Waisenknaben gegen den neuesten Vertreter amerikanischen Vagabunden­tums, gegen den Hochschultramp. Abenteuerlust treibt Hunderte von jungen Amerikanern, die das College absolviert haben, hinaus nach dem Fernen Osten", wo sie bald hilfesuchend in irgend einem Konsulat landen, wenn ihnen das Glück nicht be­sonders hold ist. Der Wunsch dieser Jungen, die Welt zu sehen, bevor sie ins Berufsleben treten, ist ganz natürlich, aber der Leichtsinn, mit dem diese Orientreisenden ihr Unternehmen beginnen, kennt keine Grenzen. In der ein Tasche ihr Hochschul- biplom, das ihnen ihrer Ansicht nach die Welt er­obern wird, in der anderen ihre Zahnbürste, drücken die hoffnungsvollen Globetrotter ihren Eltern die Hand: „Herr Vater, Frau Mutter, daß Gott Euch behüt'!" und ziehen west zuversichtlicher als ihr Vorgänger im Lied nach der Westküste hinüber. Wenn sie dann in Seattle oder San Franzisko ihre Dampferkarie nach Schanghai, dem beliebtesten Ausflugsort dieser Jünglinge, gelöst haben, so bleibt meistens kein Zehndollarschein mehr in ihrer Brief­tasche.

Manchmal haben sie wirklich Glück. Empfeh­lungen oder gar alte Bekannte aus den Staaten helfen in Ostasien den aus den Wolken Geschneiten weiter, beherbergen sie einige Zeit und schieben sie dann mit vielen Segenswünschen und drei Kreuzen an einen anderen Gutmütigen ab. An Arbeit denken die Jünglinge nicht, und daß sie im Grunde genommen nur von Almosen leben, verträgt sich nerkwürdigerweise sehr gut mit ihrem National- tolz. So rühmte sich kürzlich in Schanghai ein Student der Chicagoer Universität, daß er

mit weniger als zweihundert Dollars eine Reise von sechzigtausend Kilometern

über den Pazifik und kreuz und quer durch Ost­asien gemacht habe, ohne nur einen Finger krumm zu machen: „Ich weiß, daß ich anderen auf der Tasche liege, aber das Leben gefällt mir/

Ein anderer Typ sind die jungen Hochschul­tramps, die mit leeren Taschen in China oder Japan ankommen und es verstehen, innerhalb kur­zer Zeit die Bekanntschaft einer der vielen allein- reisenden wohlhabenden Landsmänninnen älteren Semesters zu machen, die vielleicht froh sind, doch einen Beschützer zu haben. So ist mancher Jüng­ling, den sein Konsul an der chinesischen Küste aus dem Dienstzimmer komplimentierte, weil es kein Obdachlosenasyl sei, im Schlafwagen erster Klasse in Cherbourg eingetroffen, um auf einem Luxus­dampfer seine Heimat wieder zu erreichen, da ihm seine Reisebekanntschaft mütterliche Gefühle ent- ner den Vereinigten Staaten nicht im geringsten zur Ehre. Deshalb sind die jungen Leute gerade den Konsuln im Fernen Osten, wo das Ansehen der Weißen schon stark gelitten hat, ein Dorn im Auge, und das Herz der amtlichen Vertreter ihres Vater­landes schlägt ihnen mit der gleichen Liebe ent­gegen wie den zerlumpten und betrunkenen ameri­kanischen Seeleuten, die einen großen Teil der Konsulats„kunden" bilden. Aber letztere haben den Vorzug, daß die Konsuln sie sich von amtswegen mit dem ersten abfahrenden amerikanischen Schiff vom Hals laden können, während das bei den Hochschultramps leider nicht der Fall ist.

Ganz abgesehen von ihrer Hoffnungsfreudigkeit find die Jünglinge oft von der gütgen Natur mit einer Frechheit beschenkt worden, die alles sonst Gewohnte übersteigt. So kamen vor kurzem zwei junge Herren zum Konsul in einem der großen chi­nesischen Häfen: „Wir sind Sachverständige auf dem Gebiete der Anthropologie und wünschen die Expedition Chapman Andrews in der Gobi aufzu-

suchen." — „Bitte", meinte der Konsul, der die Sorte der Vögel kannte, „tun Sie das. Ich hindere Sie nicht daran." Die Jünglinge horchten auf: „Nicht hindern? Im Gegenteil, wir hoffen, daß Sie uns behilflich find, in die Mongolei zu kommen. Bitte, veranstalten Sie in der amerikanischen Kolo­nie eine Sammlung für uns". Der Konsul be­herrschte sich: „Nein." „Leihen Sie uns ein paar 100 Dollars, damit wir die Expedition erreichen kön­nen." Jetzt stand der Konsul in aller Ruhe auf: „Herrschaften, tun Sie mir den Gefallen und ver­lassen Sie mein Dienstzzimmer." Die Jünglinge wa­ren schwer gekränkt: „Wir hatten niemals geglaubt, daß ein amerikanischer Konsul so wenig Interesse am Fortschritt der Anthropologie haben könnte." Und einer setzte hinzu:

„Mein Onkel ist Senator und wird dafür sorgen, daß Sic fliegen!“

Einige Zeit später brachte die chinesische Polizei dem Konsul zwei etwas heruntergekommene Ge­stalten. Der Beamte erkannte mit einer gewissen Genugtuung seine beiden „Anthropologen". Dieses Mal waren die Jünglinge aber sehr kleinlaut. Die Polizei hatte sie zwichen Tientsin und Peking auf- gelesen, als

die beiden Forschungsreisenden mit einem Dollar in der Tasche

versuchten, den blinden Passagier zu spielen. Nun mußte der Konsul doch eine Sammlung veranstal­ten, um die jungen Herren auf den nächsten heim- wärtsfahrenden Dampfer zu verladen. Beim Ein­laufen in den ersten japanischen Hafen ging es den „Anthropologen" aber schon wieder so gut, daß sie auskniffen und nicht mehr gesehen wurden.

Zu einer anderen Sorte Hochschukoagabunden gehören die „Schriftsteller". Sie behaupten, auf der Weltreise zu fein, um Eindrücke für ein Buch zufammeln, schmuggeln und dessen sich durch China, Japan oder gar durch die Sundainselwtzlt und zie­hen das Ansehen der Weißen in den Schmutz. Mit­unter geben sie auch zu diplomatischen Verwick­lungen Anlaß, wie es beinahe jener junge Tramp tat, der angoblich während einer Reise auf dem Jangtse von Chinesen verwundet worden war. Schließlich stellte es sich aber heraus, daß der hoff­nungsvolle Jüngling sich selbst eine oberflächliche Wunde beigebracht hatte, weil er seinen Nanren in den Zeitungen seiner Heimat gedruckt sehen wollte, bevor er mit seinem Buch voll ^setbsterlebter" Abenteuer herauskam.

Allgemein sind die jungen Heryschaften der An- sichtz ein Amerikaner könne in China den blinden Passagier noch besser spielen als in seiner Heimat. Viele glauben, eine überlegene Miene, ein gelegent­liches "Blecken aller Goldgähne und ein möglichst deutliches Zurschautragen ihrer Verachtung für die gelbe Rasse genüge, um die Erlaubnis zu erhalten, kostenlos ihre Stiefel auf die guten. Plüschpolster der chinesischen Salonwagen zu legen. Sie sind höchst empört, wenn die Schaffner kein Verständnis' für diese Ehre bezeugen, sondern sie am Kragen packen und mit einem Fußtritt ins nächste Reis­feld schicken, was den Jünglingen in Anbetracht des „Blitztempos" der chinesischen Züge selten etwas schadet. Dann.können die Hochschultramps wirklich ein Abenteuer erleben, mit Fußwanderungen durch ein Land, dessen Sprache chnen rätselhaft ist; doch selten finden sie dann Geschmack daran.

Die Konsuln wissen meistens nicht, was sie mit diesen Landsleuten anfangen sollen.

Ihnen vollen Schutz zu gewähren wie anständigen Geschäftsleuten und Touristen ist nicht möglich, weil die Beamten sich in den Augen der Asiaten kom­promittieren würden. Die Jünglinge von vorn­herein wieder in die Heimat abzuschieben, wagt man selten, denn die Hochschultramps haben, wenn nicht verwandtschaftliche so doch sicher durch das College vermittelte einflußreiche Verbindungen in der Hei­mat. Das einzige, was die Beamten tun können, ist. daß sie die Bundesbehörden bitten, vei Aus­stellung der Auslandspässe ein wenig mehr Vorsicht walten zu lassen.

wicklung seiner Heimat. Während in Deutschland trotz verlorenen Krieges und Inflation alle Städte einen gewissen Aufstieg und Ausbau zu verzeich­nen haben, sind die einst so blühenden Weichsel­städte im sogenannten Korridor in ihrer Entwick­lung nicht nur stehen geblieben, sondern geradezu um" viele Jahrzehnte zurückgegangen. Dazu leidet die Landwirtschaft bitterste Not, die viel größer ist als die augenblickliche Not der deutschen Land­wirtschaft. Eine Besserung der Verhältnisse ist kaum zu erhoffen. Die Stadt Thorn zählte bei Kriegsaus­bruch rund 50 000 Einwohner, von denen weit über die Hälfte deutsch waren. Von diesen sind heute kaum noch 2000 in Thorn verblieben; über 30 000 deutsche Thorner haben im Laufe der zehn Jahre ihre Heimat verlassen und sich in deutschen Städten niedergelassen. Diese Abgewanderten haben sich zu einem „Thorner Heimatbund" zusammengeschlossen, der am 18. Januar in Berlin im großen Sitzungs­saal des ehemaligen Herrenhauses eine Trauer­kundgebung veranstaltet. Die Gedenkrede hält der letzte deutsche Oberbürgermeister Dr. Hasse, jetzt Oberbürgermeister in Glogau.

WettevbeEt

Das seit gestern rasch über dem Festland ent­standene Hoch verlagert sich langsam ostwärts, so­daß Mittel- und Westeuropa an seltner Rückseite in den Bereich kräftig absinkender Lustmassen kommt und vorwiegend heiteres Wetter erwarten kann. Ein Ausläufer der bei Island liegenden wie­der recht lebhaften Zyklone baut allerdings den kälteren über Skandinavien liegenden Teil des Hochs rasch ab, doch wird dies den Bestand der hei­teren Witterung zunächst nicht stören. Die bisher nordöstliche Luftzufuhr geht wieder in eine mehr südliche über, wobei voraussichtlich in höheren La­gen (auf dem Mittelgebirge) starke Erwärmung ein­setzt. In den Niederungen führt die starke Aus­strahlung vielfach zu leichten bis mäßigen Frost, doch bleibt die Witterung auch jetzt im Hochdruckge­biet noch verhältnismäßig mild. — Vorhersage bis Samstag abend: Stellenweise neblig, sonst heiter und trocken, müssige Winde aus südöstlichen Rich­tungen. — Witterungsaussichten für Sonntag: Zeitweise wieder Bewölkung, aber noch Fortdauer der trockenen Witterung.

Aus Cronberg i. Taunus wird heute Sams­tag morgen gemeldet: 1 Grad Kälte; Eisbahn gut.

Nevekne, Mmnmliiwn»

HRC. Hassia, Rugby-Abi. Heute nachen. 4 Uhr Zusammenkunft im Bootshaus zwecks Mannschafts­

aufstellung.

218

schieden. Wenn auch das Turnier für Hanau 10:12 verloren ging, so ist — ganz abgesehen der Spielstärke und der Turniererfahrung

mit von der

Darmstädter Mannschaft — zu berücksichtigen, daß dies der erste Tisch-Tennis-Klubwettkampf war, der von feiten Hanaus ausgetragen wurde. Wenn man weiter in Betracht zieht, daß der Ausgleich an einem Spiel hing, das Darmstadt mit viel Glück im fünften Satz mit 27:25 gewann und daß gerade die Hanauer Spitzenspieler im Dameneinzel, Herren­einzel und im Herrendoppel ihre Spiele gewinnen konnten, dann darf man dem nächsten Tisch-Tennis- Klubwettkampf, der am kommenden Sonntag, 19. Januar, im „Hotel Adler" gegen Michelstadt aus­getragen wird, mit einer gewissen Zu­versicht entgegensehen. Allerdings darf nicht vergessen werden, daß Michelstadt im Tisch- Tennis noch um eine Klasse besser ist als im Tennis. Die Spiele beginnen vormittags um 10 und nachmittags um 243 Uhr.

Hansastadt, die Königin der Weichsel, die östliche Hochburg deutscher Kunst und Wissenschaft, deutscher Arbeit und Kultur, sollte am historischen 18. Ja­nuar polnisch werden. Hermann Balk, der mann­hafte Landmeister des deutschen Ritterordens, hatte im Jahre 1230 den Grund zu der später so mächti­gen Weichselfeste gelegt. Deutsche Einwanderer aus Westfalen und Niedersachsen hatten sie aufgebaut. Die deutsche Hansa hatte ihren Ruf verbreitet und ihre Macht gestärkt. Deutsches Bürgertum hatte durch Jahrhunderte in ihr gewirkt und geblüht.

Am frühen Sonntagmorgen des 18. Januar hat­ten die letzten Teile des deutschen 21. Infanterie-

Regiments die Stadt verlassen. Ueber Nacht hatten Polen die Hauptstraßen und Häuser festlich ge­schmückt. Am Nachmittag erfolgte der Einzug der polnischen Truppen (Infanterie, Kavallerie, Ma- schinengewehrabteilung und technische Truppen) in Die Stadt bis zum Rathausplatz unter dem Jubel " ™ Im Magistratssitzungs-

Iehn Sahve unter Nolen

Zum 18. Januar

Von 0. Chill-Hanau (früher Thorn).

Am 10. Januar 1920 trat der Friedensvertrag von Versailles in Kraft. Eine Woche später sollten sich vereinbarungsgemäß die südlich Hohensalza— Bromberg stehenden polnischen Truppen zur Be­sitzergreifung des abzutretenden westpreußischen Ge­biets in Bewegung setzen. Thorn, die alte deutsche

der polnischen Bevölkerung. Im Magistratssitzungs­saal des altehrwürdigen Rathauses hatte sich Ober­bürgermeister Dr. Hasse mit den Stadträten und Stadtverordneten versammelt und übergab nach einer kurzen Ansprache dem Kommandeur der pommerellifchen Division des polnischen Heeres, Oberst Skrzynski, die Stadt Thorn. Dann folgten wochenlang Feste über Feste, Empfänge, Einzug neuer Truppen usw. Am 21. Januar fand als Schlußstein des Aktes der Besitzergreifung der feier­liche Einzug des bekannten polnischen Oberbefehl- habèrd General Hallet statt. Sofort nach der llebet- gäbe der Stadt sollten die staatlichen Behörden von

Polen übernommen werden. Zu diesem Zweck wa­ren von jeder deutschen Behörde Uebergabekom- missionen zurückgeblieben. Die Spitzen der neuen polnischen Behörden waren aber bei den vielen Festlichkeiten derart in Anspruch genommen, daß sie sich den deutschen Uebergabekommissionen täglich nur höchstens eine Stunde lang widmen konnten. Infolgedessen bauerte z. B. die Uebergabe der Thor­ner Fustizgebüude allein über eine Woche. Sie ge-1 schah allerdings mit echt preußischer Gründlichkeit. Nicht nur die Gebäude, sondern auch das gesamte Inventar, jedes einzelne Testament, jede Schreib­maschine, ja sogar sämtliche Schreibmaterialien wurden übergeben und die erfolgte Uebergabe in einem Protokoll sestgelegt. Es war ja vorgesehen, daß für all dieses Polen später an DeUtfdjlartb* eilte1 Entschädigung zahlen sollte, und nun nach zehn Jahren beabsichtigt Deutschland, auch auf diese Zahlungen zu verzichten. Bis Ende Januar waren die Uebergabearbeiten erledigt. Mancher Beamte entdeckte über 'Nacht sein polnisches Herz und stellte sich den neuen polnischen Behörden zur Verfügung; die meisten von ihnen haben diesen Schritt später bitter bereut. Der neue Polenstaat gab ihnen wohl hochklingende Titel, bafür aber ausgesprochene Hungergehälter.

Inzwischen sind zehn Jahre verflossen. Was ist in dieser Zeit aus dem einst so blühenden westpreu- Hischen Weichselland geworden?

Wer heute seine Vaterstadt Thorn und die frucht­bare Weichselniederung besucht, ist schmerzlich be-1 rührt von dem,kulturellen Rückschritt in der Ent- *

Verein für Homöopathie, Biochemie und Ratur­heilkunde Hanau, gegr. 1877 (Frauengruppe). Diens­tag, 21. Januar Vortragsabend der Frauengruppe über Leber-, Gallenstein- u. Nierenleiden. Näh. Inf.

Mainische Spielgemeinde Hanau. Unsere Grup­penabende finden wieder jeden Dienstag von 7.30 bis 9.30 Uhr im stöbt. Jugendheim statt. Mädel und Jungen die zu uns kommen wollen, laden wir herzlichst ein. 1198

Turn- und Sportvereinigung 1860. Schülerin­nen- und Turnerinnenabteilung. Montag, 20. Jan. beginnen wieder unsere Turnstunden. 178

Turn- und Sportvereinigung 1860 e. B» .Jatiaii

Wir 'weisen hiè'rmik Nochmals auf bu

Samstag, 18 ds. Mts., abends 9 Uhr, stattfiu- benbe Jahreshaupwersammlung hin und erwarten zahlreichen Besuch. , 222

Han- Ruderaek. 1879. Sonntag vormittag 10 Uhr Spiel gegen HSB. 1912 auf dem Sportplatz in Wil- , Helmsbnd (Schutzhütte). Pünktliches Erscheinen er--' wünscht. 219’

Werkmeister Bezirksverein Hanau. Morgen- Sonntag vormittags 9.15 Uhr, Besichtigung des Gaswerks in der Leipziger Straße. Treffpunkt dort­selbst. 228

Ralurheilverein Prießnitz e. V. Auf unsere, morgen Sonntag, 19. Jan., nachm. ab 4 Uhr, im Gartenfaal des Elefanten, Frankfurter Straße statt­findende Familienfeier und reichhaltige Unterhal­tung sei nochmals hingewiesen. Unsere Mitglieder, Freunde und Anhänger unserer Sache sind hier­mit nochmals recht herzlichst hierzu eingeladen. 223

Artillerie-Verein Hanau. Sonntag, 19. d. Mts., abends 7 Uhr, Reichsgründungsfeier in der „Cen­tralhalle". Vollzähliges Erscheinen Ehrensache. Ein­tritt 0,60 RM. 220

Marine- und Kolnialkruppen-Verein. Die Ka­meraden werden hierdurch nochmals an die in der „Centralhalle" am Sonntag, 19. Januar, stattfin­dende Reichsgründungsfeier erinnert und um zahl­reiche Beteiligung gebeten. 2040

Kavallerie-Verein Hanau. An der morgen Sonn­tag, abends 7.30 Uhr, in der „Ceniralhalle" statt, findenden Reichsgründungsfeier wollen sich mög. liehst alle Mitglieder beteiligen. 215

Hanauer Kriegerverein. Zu der am Sonntag gbenb in der „Centralhalle" stattfindenden Reichs­gründungsfeier wollen sich die Kameraden mit ihren Familien zahlreich einfinden. Veteranen er­halten an der Kasse ihre-Eintrittskarten- frei. 216

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