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18. Sau«av
1930
Das neueste
" 3m Laufe des gestrigen Tages ist im Haag eine Einigung in der Mobilifierungsfrage erzielt worden. Da die Formulierung des umfangreichen Schlußprokokolls sich verzögert, ist erst am Montag mit einem Abschluß der Konferenz zu rechnen.
— Staatssekretär von Schubert hat mit den Mitgliedern der deutschen Ratsdelegierten gestern abend Genf verlassen und ist nach Berlin zurück- gekehrt.
— Der Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtages begann gestern mit der Nachprüfung der Kreditgewährung der Preußenkasse an die Genossenschaften des Reichslandbundes.
— Die Ermittlungen wegen des Ueberfalles auf den Berliner Studenten Wessel lassen erkennen, daß es sich doch um einen politischen Anschlag handelt.
— Italien wird auf der Floltenkonserenz er- klären, daß es bereit sei, seine gesamte Flotte abzuschaffen, wenn andere Rationen diesem Beispiel folgen würden.
— Der nationale liberale Verband von Indien hat einen Aufruf erlassen, in dem alle Inder aufgefordert werden, in Einigkeit darauf hinzuarbeite», daß Indien sobald wie irgend möglich die Stellung eines britischen Gliedstaates erhalte.
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Der 18. Januar wird in der deutschen Ge- „ schifte immer ein Gedenktag von erstem ge-
■ Reichsgrundunch das Werk Bismarcks, allen Ä Stürmen des Weltkrieges, der furchtbaren
■ inneren Zermürbung durch die Revolution und
■ der Inflation nicht standgehalten hätte? Was M wären alle Gedenktage, die eine neue Zeit dem F deutschen Volke aufzudrängen versucht, was wäre der Gedenktag der Weimarer Verfassung, wenn nicht der 18. Januar mit seinen unvergänglichen geschichtlichen Ereignissen im Bewußtsein und im nationalen Willen des deutschen Volkes tief genug Wurzel geschlagen hätte, um aller äußeren Gewalt und inneren Erschütterung siegreich zu trotzen? Hätte uns. nicht der 18? Januar des Jahres 1871 ein so standhaftes und wurzelfestes deutsches Reichs- gebäude geschaffen, so wäre der Stoß, den Poincarè mit dem Ruhreinbruch gegen das Herz Deutschlands führte, sicher ans Ziel gelangt und der sehnliche Wunsch der Franzosen, anstelle des Reiches ein ohnmächtiges Nebeneinander von Einzelstaaten vor sich zu sehen, wäre erfüllt gewesen. Jeder Deutsche, der die Geschichte seines Volkes kennt und die geschichtliche Ereignisse zu würdigen versteht, wird in dem 18. Januar den deutschen Gedenktag von unvergänglicher, höchster Bedeutung erblicken und wird diesen Tag als einen nationalen Feiertag begehen, auch wenn ihm die amtliche Sanktion fehlt.
Es gehört zu den vielen deutschen Unbegreiflichkeiten, daß man sich über die Wahl eines deutschen Nationalfeiertages streitet, wenn das Geschick uns einen Tag von so überragender nationaler Bedeutung geschenkt hat. Aber wir sehen die Weihe des 18. Januar nicht darin, daß er offiziell als Feiertag begangen wird. Wir wissen, daß wir ihn dann viel würdiger und viel inniger feiern, wenn wir uns von diesem Gedenktag immer wieder zum Kampf für die Erhaltung und für die Befestigung des Reiches anspornen lassen. Wir haben das Reich, das von dem Glanz des 18. Januar übergossen war, im Schatten tiefster Schmach und schwarzen Unheils gesehen. Wir haben mit allen Kräften daran gearbeitet, es wieder aufzurichten, in unermüdlicher praktischer Arbeit. Wir sind uns wohl bewußt, daß es noch die Ketten der Unfreiheit zu tragen hat. Aber wir hoffen fest, daß es wieder einmal frei und unabhängig sein wird, wie in alter Zeit, und wir wollen heute geloben, für dieses Ziel alle unsere Kräfte bis zum äußersten einzusetzen.
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Berlin, 17. Jan. Unter den: Titel: „Fort mit Lügen" hatte Reichsarbcitsminister Wissell einem Berliner Blatt die gegenwärtige straftrecht- liche Behandlung der Abtreibung als unhaltbar be
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Haag, 17. 3cm. Heute abend ist die Einigung über die Mobilisierungsfrage endgültig vollzogen und damit die letzte wirklich noch offene Frage auf wirtschaftlichem Gebiete erledigt worden. Die Schlußsitzung wird erst am Montag morgen stattfinden.
Die Entwicklung, die zu dem jetzigen Ergebnis führte, hat sich etwa folgendermaßen vollzogen: Die Franzosen verlangten zunächst eine generelle Verpflichtung von deutscher Seite, nichts zu tun, was die Mobilisierung hindern könnte, und außerdem auf die Gesamtdauer der Reparationen also unter Umständen auf 58 Jahre, eine Verpflichtung zur gemeinschaft"-- lichen Aktion mit Frankreich in der Behandlung der Ausländsanleihen. Diese Klausel ohne Befristung ist endgültig gefallen. In der zweiten Etappe wurde die Verpflichtung gefordert, daß Reich, Eisenbahn und Po st keine Kreditoperation auf dem Auslandsmarkt vor- nehmen dürften, bevor nicht die erste Tranche der Mobilisierungsanleihe untergebracht sei. Weiter wurde gefordert, daß der deutsche Anleihedienst durch die Hände der Bank für internationalen Zahlungsausgleich gehen sollte.
«MMMWWWWM finanzminister Dr. Moldenhauer namentlich auch Lie Sachverständigen, Dr. Melchior in erster Linie, in den letzten Tagen auch Direktor Ritscher, schließlich auch Dr. Schacht mit manchem guten Rat beteiligt waren. Deutschland hat sich bereit erklärt einem Gentleman Agreement für eine gewisse Anzahl von Monaten oder ein Jahr beizutreten, ohne eine allgemeine Klausel, aber mit dem Ziele, sich gegenseitig nicht zu stören.
Das Reich selbst hat nach Erlangung der Kreu- geranledhe kein Bedürfnis für langfristige Anleihen für das Etatsjahr 1930/31. Die Post und bi« Eisenbahn hatten -bereits im vorigen Herbst Verhandlungen durch die Reichsbank eingeleitet, um ihre Kredit-bedürfnisse am Auslandsmarkt zu decken. Diese wurden auf etwa 500 Millionen geschätzt, 300 Millionen für die Bahn, 200 Millionen für die Post, die jedoch nicht ganz im laufenden Jahr benötigt worden waren. Da die Verhandlungen von Dahn und Post mit dem Hause Morgan geführt wurden, das als offizieller Agent für Frankreich und England auch wegen der Motbilisièrungsa-nlei-he von Frankreich angegangen worden war, hätte die Möglichkeit bestanden, daß erst die Kreditbedürfnisse Frankreichs befriedigt worden und die der Reichspost und der Reichsbahn ins Hintertreffen gekommen wären. Die französische Delegation regte nun eine Beteiligung an ihrer eigenen Mabili- sicru-ngsan-leihe an, um dadurch eins aktive Jnter- esfennahme Deutschlands an der Transaktion bekundet zu feiert. Es lag im deutschen Interesse, in diesem Zusammenhang auch die Bedeuten zu zerstreuen, die infolge der Aktion Dr. Schachts aufgetaucht waren.
Die Endlösung sieht vor, daß das Deutsche Reich nach außen als Schuldner des für Post und Bahn zu erlangenden Teilbetrages auftritt und die inner- 'deulsche Verteilung auf beide Unternehmungen selbst zu übernehmen hat.
Die Form, in der diese Lösung schließlich zu- skandegekommen ist, ist die einer Option für Deutschland, das heißt, des Rechtes zur Annahme einer Beteiligung an der Mobilisierungsanleihe ohne die Verpflichtung hierzu, wenn z. B. ihm die Bedingungen nicht Zusagen. Die Anleihe soll in einem Betrage von 1200 000 000 Mark als erste Tranche ausgegeben werden, wobei ein Drittel aus Deutschland entfällt. Das wären etwa 400 Millionen Mark, die der Reichsbahn und der Reichspost für das laufende Jahr genügen. Es gibt also keinen Vorrang für die französischen Anleihebedürfnisse mehr.
Im Hinblick auf die Bedenken, daß die Finanzierungsstelle die gewählt« Form aus irgendwelchen Gründen als nicht durchführbar bezeichnen könnte, ist auf Anregung Dr. Schachts von beiden Seiten die Verpflichtung eingegangen worden, daß in dei- sem Falle ein anderer verständiger Vorschlag akzeptiert wird, der diese Grundsätze und Rechte wahrt.
Deutschland übernimmt die Verpflichtung, weder für das Reich noch für die Reichsbahn oder Reichspost langfristige Anleihen auf dem ausländischen Markt vor dem 1. Oktober 1930 auszulegen. Wenn
zeichnet. Die Zentrumsfraktion des Reichstags hat in dieser öffentlichen Erklärung Wissclls, die unter Angabe seiner Stellung ak Reichsarbeitsminister ersolgt ist, ein ungewöhnliches Vorgehen und eine
am 1. Oktober die D. 3. Z. erklärt, daß der Markt bis dahin für die Mobilisierungsanleihe nicht aufnahmefähig geworden ist, so verlängert sich die Frist bis zum 1. April 1931. Wenn die erste Tranche, wie vorgesehen, aufgelegt ist, so wird Deutschland in seinen Anleihedisposiiionen auch aus dem ausländischen Markt frei. Wenn die Bank die Auflegung durchführen will, Frankreich ober darauf verzichtet, so wird Deutschland gleichfalls frei; außerdem enthält die Abmachung andere Klauseln, die uns gegen Schikanen sichern.
In Bezug auf die Kreuger-Anleihe, an deren Erörterung Ivar Kreuger heute im Haag selbst teil- nÄhm, wurde deutscherseits die Erklärung abgegeben, daß Deutschland im Zimsendienst für die Kreuger-Anleih« keine Diskriminierung gegenüber der Mvbllifierungsanleihe vornehmen, also z. B. im Derzugsfalle eine gleichmäßige Teilzmszahlung für beide durchführen werde. Die Kreuger-Anleihe bleibt also, wie vorgesehen, bestehen.
den worbet:, daß eine Beeinträchtigung bet' beut schn Handlungsfreiheit über die notwendigste Frist für die voraussichtlich einzige in diesem Jahre mögliche große Anleihetransaktion hinaus erstrebt wird. Zugleich ist erreicht worden, daß die Gefahr einer Beeinträchtigung der deutschen Anleihebedürfnisse durch die Auslegung der Mobilisierungsanleche nicht eintreten kann.
Diese Frage ist im wesentlichen als eine deutschfranzösische erledigt worden; die anderen einladenden Mächte haben sich, wie sich insbesondere aus Erklärungen Snowdens ergab, daran desinteressiert, so daß angenommen werden darf, daß sie ihre formell erforderliche Zustimmung ohne weiteres geben werden.
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Der Haager Vertreter des Wolff-Büros meldet hierzu: Aehnlich wie bei der Sanktionsfrage sind auch die in der heute erfolgten Vereinbarung bezüglich der Mobilisierung festgelegten Besttmmun- gen der Art, daß sie beiden Seiten Vorteile bieten. Die Franzosen haben dadurch erreicht, daß die vermeintliche Gefahr einer Konkurrenzierung der Unterbringungsmöglichkeiten für ihre geplante Auflegung der ersten Tranche der Reparationsanleihe ausgeschaltet wird. Für Deutschland ist aber die Sicherheit erreicht, — die andernfalls auf keine Weise hätte beschafft werden können — daß die für Frankreich notwendigen großen Ansprüche an den internationalen Anleihemarkt den Geldbedarf der Reichsbahn und der Reichspost, der seit langem vorliegt, nicht zu behindern vermögen. Burd) die Zwischenschaltung des Reiches als Anleihenehmer wird zugleich erreicht, daß den französischen Bestrebungen auf Schaffung irgendeiner unmittelbaren Haftung der Reichsbahn, also auf irgendwelche Pfandrechte, der Boden entzogen ist.
Die Bindungen, die deutscherseits eingegangen sind, sind also "sehr genau und sehr eng begrenzt, und alle generellen Verpflichtungen sind vermieden worden. Lmrzfristige Anleihen, für die zur Zeit freilich kein ersichtlicher Bedarf vorliegt, werden von dem Abkommen überhaupt nicht berührt. Das Abkommen bedeutet also eine vollkommen befriedigende Lösung und kann als ein erster Versuch zur Verkopplung beiderseitiger Finanzangelegenheiten Deutschlands und Frankreichs in Parallele mit den bereits bestehenden Jntcresienverbindungen der privaten Großindrrstrie weitreichende günstige Folgen nach sich ziehen.
Mottkevsmettde evft wonias
Haag, 17. Jan. An: Sonntag, der in Holland lim allgemeincn sehr heilig gehalten wird, aber für die Haaqer Konferenz erhebliche Arbeiten notwendig macht, werden di« internen Vorbereitungen für das Schlußprotokoll getroffen werden. Die Schlußsitzung wird erst am Montag stattfinden.
Kritik an anderseingestellten Koalitionsparteien erblickt Der Vorsitzende der Reichstagsfraktion des Zentrums Dr. Brüning ist deshalb beim Reichs- kanzler in bicfr Angelegenheit vorstellig geworden.
Die Woche
Zur Stunde, da diese Zeilen geschrieben werden, sind die Haager Verhandlungen soweit gediehen, daß man mit einem nahe bevorstehenden Abschluß rechnen kann. Heute und morgen soll die Durchredigierung des Schluß- textes erfolgen und am Montag wird die Schlußsitzung stattfinden. Mit dem Abschluß der Verhandlungen hätte man es bestimmt nicht so eilig gehabt, man würde ganz sicher noch einige Tage zugegeben haben, wenn . nicht — ja, wenn nicht eine weitere Konferenz auf Abschluß der Verhandlungen gedrängt hätte. In der englischen Hauptstadt beginnt am Dienstag die Seeabrüstungskonferenz auf der alle im Haag vertretenen Hauptmächte mit Ausnahme von Deutschland vertreten sein werden. Deshalb galt es in der abgelaufenen Woche aufzuarbeiten die noch offenstehenden Fragen, wie die Frage des Zahlungstermins, die Sanktionsfrage und die Mobilisierungsfrage zu erledigen.
Das Bild, das sich am letzten Wochenende bot, war nicht dazu angetan, anzunehmen, daß dieses Aufarbeiten in der gesetzten Frist gelingen würde. Die Lage war mit einem Mal so kritisch geworden, daß der deutsche Reichsaußenminister Dr. Curtius, der zur Tagung des Völkerbundesrates nach Genf reifen wollte, im Haag bleiben mußte, um in persönlichen Besprechungen die vorhandenen Schwierigkeiten zu überwinden. Der deutschen Delegation ist dies schließlich, gelungen, wenn auch unter gewissen Zugeständ» WWMiMMttMLNMen ki nur i>k Frage ier WahlungstermiNe. Wie bekannt nerrrar di« Mutsche Delegation den Standpunkt, daß die Bezahlung der Monatsleistungen an die Gläubigermächte jeweils am Ultimo erfolgen solle. Demgegenüber forderten die Franzosen Pränumerandozahlungen, also Zahlungen am 1. eines jeden Monats. Nach zähem Kampf einigte man sich schließlich auf ein Kompromiß, nämlich auf Zahlungen am 15. jeden Monats, wodurch den Gläubigermächten ein jährlicher Zinsgewinn von 4—5 Millionen RM in die Tasche fällt. Mit anderen Worten gesagt, Deutschland muß jährlich 4—5 Millionen RM inehr bezahlen, als die Sachverständigen vorgesehen hatten. Ein Kompromiß! Allerdings nur von deutscher Seite aus betrachtet. Wie nachträglich bekannt geworden ist, waren Franzosen und Engländer schon im August des vorigen Jahres darüber einig, Mediozahlungen zu verlangen. Die 4—5 Millionen sollten einen Teil des auf der ersten Haager Konferenz heiß umstrittenen Mehrs für England bilden. Um aber als konzeffionsbereit zu gelten, forderten sie auf der zweiten Haager Konferenz zunächst Zahlungen am 1. des Monats und gingen dann in ihren Forderungen herunter auf Zahlungen am 15., die ihren eigentlich Absichten entsprachen. Und dann stellt man sich hin und erklärt: Wir sind konzessions- bereit! Nette Konzessionswirtschaft!
Kaum daß die Schwierigkeiten in der Frage des Zahlungstermines und der Moratoriumsfrage — auch hierin mußten sich die deutschen Vertreter zu einem Zugeständnis bc- reiterklären, nach dem nach einer zweijährigen Atempause innerhalb des dritten Jahres die rückständigen Raten zu bezahlen find — behoben waren, so tauchte eine neue Schwierigkeit auf, diesmal hervorgerufen durch eine Weigerung des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht, die Beteiligung der Deutschen Reichsbank an der Bank für den internationalen Zahlungsausgleich zuzusagen. Diese Weigerung entsprach nicht den Wünschen der deutschen Delegation und so handelte es sich bei dieser Schmierigkeit mehr um eine Meinungsverschiedenheit zwischen der deutschen Delegation und einem hervorragendem Vertreter des eigenen Landes. Ein höchst unerfreulicher Zwischenfall, den man hätte vermeiden müssen in einem Augenblick, in dem es galt, durch eine geschlossene Front unvernünftige Forderungen der Gläubiger abzuwehren und den man auch hätte vermeiden können, wenn man rechtzeitig eine Verständigung herbeigeführt hätte auf der Basis, auf der inzwischen der Konflikt aus der Welt geschafft worden ist. Man wird den Eindruck nicht los, daß die Schuld für diesen Zwischenfall auf beiden Seiten liegt. Es war
Die dSAtise Summer umfaßt 24 Seiten