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1930
Das netteste
— Die gestern die Haager Verhandlungen beherrschenden Themen waren die Mobilisierungsfrage und die Moraloriumsfrage.
— In Haager Kreisen rechnet man nicht mehr mit einer endgültigen Lösung der Ost-Reparationen auf dieser Konferenz.
— Die Einberufung des Reichstages ist für Donnerstag, den 23. Ianuar, geplant. Vorher tritt am Samstag, den 18. Zanuar, vormittags 10% Uhr, der Aeltesienrat des Reichstages zusammen, um über den Termin der ersten Plenarsitzung Beschluß zu fassen.
— Dec Preußische Minister des Innern Hal durch einen Runderlaß an alle Polizeibehörden Umzüge und Versammlungen unter freiem Himmel für ganz Preußen verboten.
— Der Hauptausschuß des Preußischen Landtags begann gestern die Beratung des Haushalts des preußischen Ministeriums des Innern. Der preußische Innenminister leitete die Beratungen ein mit einer Rede über die Verwaltungsreform.
— Gestern erfolgte die feierliche Ueberreichung der Urkunde, in der die Stadt München den Reichspräsidenten von Hindenburg zu ihrem Ehrenbürger ercennt.
— Die 58. Tagung des Völkerbundsrats wurde gestern geschlossen.
— Briand ist gestern abend von Genf kommend wieder in Paris eingelroffen.
— Gestern haben von Hamburg aus 180 deutsche Rutzlandbauern die Auswanderung nach dem Siedlungsgebiet Hammonia bei Blumenau in Südbrasilien ongetreten.
1.
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Vertin, 16. Zan. Der preußische Minister des Innern G r z e s i n s k i hat, wie der Amtliche Preußische Pressedienst melbét, durch einen Runderlatz an alle Polizeibehörden Umzüge und Versammlungen unter freiem Himmel für ganz Preußen verboten. In dem Runderlaß heißt es u. a.: Die verfassungsmäßig gewährleistete Versammlungsfreiheit ist in den letzten Tagen und Wochen von radikalen Organisationen zu schweren Störungen der öffentlichen Sicherheit mißbraucht worden. Die Vorgänge haben den Beweis geliefert, daß Versammlungen und Umzüge unter freiem Himmel unter den bestehenden Verhältnissen eine unmittelbare Gefahr für die öffentliche Sicherheit bedeuten. Aufgrund des Art. 123 Abs. 2 der Reichsverfassung werden daher alle Versammlungen unter freiem Himmel, einschließlich aller Umzüge, für das Gebiet des Freistaates Preußen bis auf weiteres verboten. Ausnahmen von dem Verbot behalte ich mir im Einzelfalle vor, soweit es sich um Veranstaltungen handelt, die nicht nur unbedenklich, sondern auch im öffentlichen Interesse erwünscht sind.
GchttOMrms des ÄdWevduudsvais
der
Genf, 16. Jan. Die heutige Schlußsitzung
58. Ratstagung galt im wesentlichen nur der Feier der zehnten Wiederkehr der Eröffnung der e r st e n Ratstagung. Zaleski würdigte die politischen, wirtschaftlichen und psychologischen Verdienste der Tätigkeit des Völkerbundes. Seit seinen Anfängen habe der Völkerbund die Zahl seiner Mitglieder wachsen sehen und sei ein weitspanncndes Unternehmen tätiger und universeller Zusammenarbeit geworden. Abgesehen von der direkten Regelung von Streitfragen, habe sich sein Einfluß in allen internationalen Beziehungen
fühlbar gemacht.
Das einzige Ratsmitglied, das an der ersten Ratstagung wie auch an der heutigen Gedenkfeier teilnahm, Ouinones de Leon (Spanien), unterstrich die Bedeutung der vor drei Jahren mit dem Eintritt Deutschlands erfolgten Erweiterung des Völkerbundsrats als ein besonderes Zeichen der erzielten Fortschritte auf dem Wege zur Verwirklichung der internationalen Verständigung und des Friedens. , _ r ... .
Vor Abschluß der Tagung verlas Zaleski noch ein Telegramm von Reichskanzler Muller, in dem dieser für die warmherzige Kundgebung des Volkerbundsrats zur Ehrung des Gedächtnisses des ersten deutschen Ratsmitglieds Dr. Stresemann dankte.
Dev «ekbsvvâKde«« Ebvevviivssv von Müvibev
München, 16. Jan. Heute werden Oberbürger- «eister Dr, h. c. Scharnagel und zweiter Bürger-
Dov dem Äld-chtuS im chaag
Aoch Leine Einignng üdev die LNodtWevuns - Schätzer und DovomLMev nach dem ^aas gebeten
Haag, 16. Ian. Die Verhandlungen übber die Mobilisierungsfrage sind auch im Laufe der heutigen Vormittagssitzung der sechs Mächte, die gegen 13 Uhr holländischer Zeit zu Ende ging, nicht zu einem Abschluß gekommen. Eine gewisse Annäherung liegt insofern vor, als von deutscher Seite das Zugeständnis angeboten worden ist, während der Zeit vom 31. Januar 1930 bis 1. April 1931 keine Reichsanleihe im Ausland aufzulegen unter der Voraussetzung, daß für den Bedarf der Reichsbahn und der Rcichspost an Anleihemitteln in der Zwischenzeit ausreichende Vorkehrungen getroffen werden. Um die dahin gehenden Fragen zu klären, sind Generaldirektor der Deutschen Reichsbahngesell- schafk, Dr. Dorpmüller und Reichspostminister Schätzel nach dem Haag gebeten worden, die morgen vormittag hier eintreffen dürften. Mit Rücksicht auf seine Zuziehung ist die nächste Sitzung der sechs Mächte zur Weiterbehandlung der Mobilisierungssrage auf Freitag nachmittag 5 Uhr festgesetzt worden.
Entsprechend einem Vorschläge des Reichsfinanzministers Dr. Moldenhauer, wurde in der Zwischenzeit heute nachmittag mit den Bankexperten, indesandere mit dem amerikanischen Vorsitzenden des Organisationskomitees für die B. I. Z., Reynolds, Fühlung genommen, um über die praktischen Fragen der Anleihebegebung zu verhandeln. Dabei handelt es sich um die erste Tranche in Höhe von voraussichtlich 800 Millionen Reichsmark und um die von der Gegenseite, insbesondere von dem französischen Sachverständigen L e o e r v e, anerkannten A n - lei Herbedürfnisse der Reichsbahn und der Reichspost in Höhe von etwa 5 0 0 Millionen Reichsmark. In diesem Zw sammenhang ist festzustellen, daß die Frage der Kreuzer-Anleihe nicht mehr zur Diskussion steht, da die deutschen Argumente, wonach diese in keiner
griffen haben.
Das Verhandlungskapital „Liquidation der Vergangenheit" steht zunächst noch
GozialdemoSraMOe
EenKve gegen Schacht
Berlin, 16. Ian. Der Vorstand der sozialdemokratischen Reichslagsfraktion gab über seine Sitzung am Donnerstag nachmittag, an der auch der Reichskanzler teilnahm, folgenden Bericht aus:
„Der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion beschäftigte sich am Donnerstag nachmittag mit der Lage, die durch das Auftreten des Reichsbaokpräsidenten Dr. Schacht im Haag entstanden ist. Es herrschte völlige Einmütigkeit darüber, daß eine Rebenregierung der Reichsbank, wie sie von Dr. Schacht durch mißbräuchliche Ausnutzung der Unabhängigkeit dieses Instituts etabliert worden ist, nicht ertragen werden kann. Der Fraktions- vorstand erwartet vom Reichskabinett, daß es sich nach Rückkehr der deutschen Delegation aus dem Haag mit der Frage beschäftigen wird, wie durch Aenderung des Reichsbankgesetzes die Freiheit der deutschen Gesetzgebung in bezug auf die Personal- fragen der Reichsbank ausreichend erweitert werden kann.
Mit der systematischen Drosselung der Kredite für die Gemeinden und der dadurch ständig wachsenden Beschäftigungslosigkeit wird sich in den nächsten Tagen eine kombinierte Sitzung der Vorstände der Partei der sozialdemokratischen Reichstagssrak- Hon und des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes besassen.“
Die Stellungnahme des Vorstandes der 'onal- demokvatifchon Reichstagsfraktion zu bem Auftreten des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht im Haag versieht der „Vorwärts" mit einem langen Kommentar, in dem es u. a. heißt: D r. Schacht muß weg. Das ist mehr als ein Partsnnt-rohe der Sozialdemokratie, das ist ein Leben^mereM der Deutschen Republik. Wichtiger noch als die Person Schachts ist die Garantie, daß sich ein „Fall Schacht" in der Geschichte des Deutschen Reiches nicht wiederholt. Das Reich wird seinen Haushalt in Ordnung bringen. Wir werden auch die absolute Autonomie der Reichsbankpalitik nicht nur nicht bekämpfen, sondern nach allen Kräften fördern.
meister Dr. Küfner tm Auftrag des Stadtrates München dem Herrn Reichspräsidenten in seinem Palais in Berlin die Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt Münâzen überreichen. Die Urkunde hat fotzenden Wortlaut: .
„Der Stadtrat München hat am 19. November 1929 beschlossen Seine Exzellenz dem Herrn Reichspräsidenten, Generalseldmarschall Paul von Be- neckendorf und von Hindenburg, dem verdienst- vollen Schützer der deutschen Heimat, dem bewähr-
offen, da die Mobilisierungsfrage, die von vornherein eine für Frankreich entscheidende war, zunächst im Vordergrund steht.
Die Frage des Konferenzbeschlu ff es fängt nachgerade an, bedrohlich zu werden, denn die Londoner Abrüstungskonferenz steht vor der Tür. Auf allen Seiten drängt man zur Eile. Die Hoffnung besteht, daß am Samstag die zweite Haager Konferenz zum Abschluß gelangen werde.
Eine endgültige vollständige Regelung der O st r e p a r a t i o n e n ist, soweit der Haag in Betracht kommt, nicht mehr zu erwarten. In Paris sollen diese Verhandlungen fortgeführt werden. Wenn die Kleine Entente von den Hauptgläubigern gewisse Zusicherungen erhält, so wird sie an der Ratifizierung des Poung-Planss im Haag teilnehmen. Andernfalls wird das neue Zah- lungsftatut ohne die in zweiter Linie interessierren totooten raufijtert.
Die Regelung der Optanten frage soll nun endlich durch den Haager schiedshof erfolgen.
Aber wir werden dafür kämpfen, daß in den Personen, die die Reichsbankpolitik zu führen haben, keine Nebenregierung mehr erwächst.
Die „G e r m a n i a" bezeichnet es als etwas anderes, Schacht aus politischen Gründen zur Ordnung zu rufen und die sachliche Stellung des Reichsbankpräsidenten als Grundsatzfrage zu diskutieren. Wir würden es, so schreibt das Zentrumsblatt, nicht nur für einen Fehler, sondern auch aus währungspolitischen Gründen geradezu für gefährlich halten, das Amt des Reichsbankpräsidenten zu politisieren.
Die „D. A. Z." erklärt: Die Untergrabung der Kreditwürdigkeit, die Berliner Tariferhöhungen und die Feierschichten bei den Verkehrsunterneh- mungen und anderswo sind Sklarekfolgen und darüber hinaus Auswirkungen lange unbestraft be- triebene- öffentlicher Mißwirtschaft, die die SPD. durch Steimviirfe gegen die Reichsbank, die an alle dem unbeteiligt ist, zu verschleiern und gleichzeitig — indem sie den Kopf Schacht fordert — zu verewigen sucht. — In dem Haager Bericht des Blattes heißt es, eine Antastung der Unabhängigkeit der Reichsb an k wäre für den R e i ch s f > n a n z m i n i st e r die Kabinettfrage gewesen, und man kann nur hoffen, daß damit das letzte Wort gesprochen ist.
Die „Börsenzeitung" nennt es einfach unvorstellbar, daß die Deutsche Volkspartei in den bevorstehenden, nicht nur für Dr. schacht, sondern für das gesamte Bürgertum entscheidungsschwcren Kämpfen den Reichsbankpräsidenten im Stich lassen könnte. Die Konsequenzen, die gezogen^ werden mühen, ergeben sich wohl von selbst: sofortige Einberufung der Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei und sofortige Beantwortung des sozialdemokratischen Beschlusses durch einen entsprechenden Gegenbeschluß, durch ein klares und eindeutiges: Hände weg von Schacht!
ten Herrftihrer der deutschen Truppen, dem Vorbild treuer Pflichterfüllung in der Zeit der Not der Vaterlandes als Seiden der Dankbarkeit und der aufrichtigen herzlichen Freude, die der allfähr- liche Erholungsaufenthalt des Herrn Reichsprasi- dente in der Schönheit der bayrischen Heimat in unserem Linde auslöst, das Ehrenbür^rrecht von München, der Landeshauptstadt von Bayern, zu verleihen."
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Von den einzelnen Punkten der Haager Vereinbarung wird die Lösung der Sanktions- frage in Deutschland in der nächsten Zeit sicher den meisten Stoff für die politische Erörterung liefern, weil die parteipolitische Auseinandersetzung am leichtesten an diese Frage anknüpfen kann. Die Sanktionsfrage beherrscht in Frankreich wie in Deutschland das öffentliche Interesse. In dem Lande Briands hat der Garantie- und Sicherheitsgedanke trotz aller Sicherheitspakte und Locarno-Verträge kaum etwas von seiner ursprünglichen Stärke verloren und in Deutschland fragt man sich im Schatten einer noch nicht sehr lange zurückliegenden Vergangenheit mit gerechter Besorgnis, ob wir in Zukunft gegen die Schrecken eines neuen französischen Einbruchs gesichert sind. Man kann deshalb verstehen, wenn gerade in diesem Punkte das Echo der Haager Vereinbarung in Deutschland wie in Frankreich sehr laut und stark ist.
In der Sanktionsfrage standen sich ursprünglich zwei Auffassungen sehr scharf gegenüber. Nach der deutschen Ansicht sollte mit der Annahme des Doungplanes wirklich ein Strich unter die Vergangenheit gezogen, die Kriegsstimmung, wie es auch die Pariser Sachverständigenkonferenz verlangt hat, tatsächlich verbannt werden. Dieser unbedingt gerechtfertigten Forderung hätte man entsprochen, wenn im -Haag und im Zusammenhang mit dem Poungplan von Gewaltmaßnahmen oder Sanktionen überhaupt nicht mehr die Rede gewesen wäre, wenn sich alle Beteiligten gesagt und danach gehandelt hätten, die freiwillige Verständigung Deutschlands mit seinen Gläubigern bedeute den Anbruch einer neuen Periode, in der man Drohungen und Gewaltgesten ein für allemal abschaffe und durch gegenseitiges Vertrauen ersetze. In diesem Sinne ist das 'deutsch-amerikanische Sonderabkommen geschlossen worden. Auf der anderen Seite stand die ziemlich geschlossene französische öffentliche Meinung, die den neuen Zahlungsplan nicht aus den Beziehungen der Reparationen zum Versailler Diktat lösen wollte und die darauf bestand, auch der Houngplan müsse unter den Schutz des uneingeschränkten französischen Sanktionsrechtes gestellt werden.
Im Haag hat sich keine von diesen beiden Ansichten durchzusetzen vermocht. Der Doung- Plan ist nicht unter den Schutz des Versailler Diktates gestellt worden. Vielmehr verschwindet mit dem Inkrafttreten des Zoung-Planes die Reparationskommisiion, deren Machtstellung auf dem Versailler Diktat beruhte und es wird weiter ausdrücklich betont, daß dis feierliche Verpflichtung der deutschen Regierung auf den neuen Plan von den Gläubigermächten als Garantie für die Ausführung der Leistungsverbindlichkeiten angenommen wird. Ferner wird festgestellt, daß die in dem Plan selbst vorgesehenen Verfahrens arten für die Ueberwindung etwa entstehender Meinungsverschiedenheiten und Schwierigkeiten vollkommen ausreichen. Der 'Zoung-Plan beruht also eingestandenermaßen auf seinem eigenen Recht und nicht mehr auf dem Sanktionsrecht der ehemaligen Kriegsgegner. Die deutsche Auffassung ist aber doch nicht in ihrem vollen Umfange durchgedrungen. Die französische Delegation hat die Frage zur Diskussion gestellt, was in dem äußersten Falle, d. h. in dem Falle einer Zerreißung des Poung-Planes durch eine künftige deutsche Regierung zu geschehen habe. Es wird in dem deutsch-französischen Meinungsaustausch ausdrücklich vermerkt, daß dieser Fall außerhalb des Rahmens der Haager Vereinbarungen stehe. Aber die Frage ist doch, wenn auch nur als ein Anhang, mit der Haager Vereinbarung in Verbindung gebracht und dahin entschieden worden, daß im Falle einer Zerreißung des Doung-Planes durch eine künftige deutsche Regierung die Gläubigerstaaten — oder auch ein einzelner Gläubigerstaat — ihre volle Handlungsfreiheu wiedergewinnen, nachdem der ständige^ Internationale Gerichtshof im Haag eine böswillige Handlung Deutschlands ausdrücklich fsstgeftell: hat.
Die Rückkehr zur vollen zhandlungsfrcibeit ist an eine wichtige Voraussetzung, an die Ent» fdteibung des Haager Gerichtes ^gebunden, aber sie wird von den Gläubigermächten und
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