Nr. 11
Dienstag den 14. Januar 1930
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enb Jean Henning ganz vorzüglich. Im Laufe des Abends brachte der Verein noch zwei Chöre,, Seht, wie die Sonne dort sinket...." und „Das Glöcklein im Tal" recht gut zu Gehör. Durch die Aufführung des fidelen Lustspiels „Pfiffiz u. Co." wurden die Lachmuskeln in Bewegung gebracht. Die Darsteller Frl. L. Bode, M. Schrodt und Grete Kauffeld, sowie die Herren R. Roth, Aug. Henning, P. Lattich, W. Kraft, I. Rödiger und Gg. Wolf waren aber auch erstklassig. Zwei junge Dämchen in Buben- kleidung sangen einige niedliche Duette und interpretierten das Volkslied „Jetzt geng i ans Brün- nele". Am Sonntag hielt die hiesige Ortsgruppe des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten in der Gastwirtschaft Emmel eine gutbesuchte Versammlung ab, in deren Mittelpunkt ein Referat des Kreisvorsitzenden Moog-Hesseldorf über „Rückblick und Ausschau im Kriegsversorgungswesen" stand.
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Die Zufuhr milder Luftmassen vom Ozean her auf das Festland hält zunächst noch an. Infolgedessen bleibt auch die unbeständige und wechselnde Witterung bestehen, wenn auch Niederschläge nicht allzu häufig und auch nur vorübergehend auftreten werden. — Vorhersage bis Dienstag abend: Vorübergehend wieder Bewölkungszunahme und verstärkte Niederschlagsneigung, dann wieder vielfach aufheiternd, bei südwestlichen Winden mild. — Witterungsaussichten für Mittwoch: Fortdauer der milden, zeitweise zu Niederschlägen neigenden Witterung.
Aus MM a. M
Cin V-Zug-Kofserdieb gefaßt — Ein ganzes Warenlager beschlagnahmt
: Dank der umsichtigen Arbeit der Reichsbahnpolizei des Direktionsbezirks Frankfurt gelang es dieser Tage, einem recht gefährlichen O-Zugdieb, der einschlägig bereits schwer vorbestraft ist, das Handwerk zu legen. Allein in den Tagen vom 30. Dezember bis zum 7. Januar wurden nicht weniger als fünf Fälle der Untersuchungsstelle gemeldet, in denen Reisenden auf dem Bahnhof oder während der Fahrt die Koffer aus dem V-Zug gestohlen morden waren, am 7. Januar mittags zwei weitere Fälle. An Hand der von den bestohlenen Reisenden gemachten Angaben gelang es noch am selben Tage durch konzentrisches Vorgehen der Bahnpolizei den Dieb zu fassen. In seiner in einer auswärtigen Stadt befindlichen Wohnung wurde ein ganzes Warenlager von gestohlenen Wertgegenständen, Uhren, Silbersachen und andere Wertobjekte beschlagnahmt, weitere noch reichere Diebesbeute wurde anderweitig sichergestellt. Die gesamte Beute konnte mit Ausnahme zweier Köfferchen, die der Dieb auf der Straßenbahn im Stich ließ, wieder beigeschafft werden. Insgesamt stellte die Beute einen Wert von über 10 000 Mark dar.
Von den Puffern zu Tode gedrückt
: Sonntag abend gegen 546 Uhr geriet der 40jäfjrige Bahnarbeiter Heinrich Baumann aus Allendorf im Bahnhof Gießen bei Rangisrarbeiten zwischen zwei Puffer und wurde erdrückt. Bau
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Eine teure An
3m vergangenen Jahre verhandelte Frankfurt über die Aufnahme einer Amerika-Anleihe in Höhe von 60 Mill. RM. Die Bedingungen für die Anleihe waren außerordentlich günstig. Da aber die Beratungsstelle die Genehmigung nicht erteilte, kam Frankfurt um feine Anleihe. Zur Befriedigung seines Finanzbedarfs mußte die Stadt in erheblichem Umfange kurzfristiges Geld zu hohem Zinssatz aufnehmen. Später würden 30 Mill. RM Schatzanweisungen ausgegeben, von denen erst jetzt die letzten 5 Mill. RM aufgelegt sind. Die Bedingungen für das auf diese Weise beschafte Geld waren ungleich ungünstiger als die der mißlungenen Amerikaanleihe. Für Franksurt erwächst daraus ein Mehraufwand an Zinsen von rund 1 Mill. RM pro Jahr.
Eine Kindesleiche im Meskhafen
5 Aus dem Westhafen wurde die Leiche eines neugeborenen Mädchens geländet. Die Leiche war unbekleidet und ohne jede Umhüllung. Sie kann zwei bis drei Wochen im Wasser gelegen haben.
Vorübergehende Stillegung der Baupiaffenfabrif
t Die im Oktober 1928 in Betrieb genommene Bauplattenfabrik, die auf Veranlassung des Stadtrats May mit Unterstützung der Reichsforschunge- gesellschaft für neues Bauen errichtet wurde, hat ihre Arbeiten vorllbergehed eingestellt. Wie das Hochbauamt mitteilt, ist die vorübergehende Stilllegung durch die Verschiebung des Baubeginns der Gartenstadt Goldstein ersörderlich geworden. Von einer endgültigen Einstellung kann feine Rede fein, da die Wiederaufnahme des Betriebes sogleich erfolgt, wenn eine Entscheidung über die weiteren Wohnungsbauten der Stadt und der städtischen Gesellschaften getroffen worden ist. Die Behauptung, daß die Reichsforschungsgesellschaft in ihrem Gutachten g«sagt> hätte, die Plattenbauweise fei nicht billiger als die Ziegelbauweise, ist nicht richtig. Das Gutachten sagt lediglich, daß der Plattenbau für Frankfurt wirtsckmstlich möglich erscheint und den an den Wohnhausbau zu stellenden Anforderungen bisher entspricht Auf Grund der günstigen Ergebnisse wird das Hochbauamt nach wie vor an der Plattenbauweise festhalten und die letzte Wirtschaftlichkeit aus diesem Verfahren herauszuholen versuchen.
A«s ÄsK und Seen.
Zwei Schwerverletzte bei einem Aulounfall
— Aschaffenburg, 13. Jan. In der vergangenen Nacht, kurz nach 12 Uhr, rannte ein von Aschaffenburg nach Kleinostheim kommendes Auto in der Nähe der Lumpenmühle, jedenfalls infolge Der-- sagens der Steuerung, gegen einen Baum. Dabei wurden die beiden Insassen, die Herren Dahlem und Groh aus Kleinostheim, schwer verletzt Sie trugen beide schwere Schädelverletzungen, Dahlem außerdem innere Verletzung davon, während Groh noch Feinverletzungen davontrug. Die Schwerverletzten wlirden in bewußtlosem Zustand in das hiesige Krankenhaus gebracht.
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Zur Indienststellung am 15. Iomnar
Nachdem im vergangenen Jahre die beiden neuen Kreuzer „Königsberg" und „Karlsruhe" in Dienst gestellt worden sind, folgt am 15. Januar der Kreuzer „Köln", der an die Stelle der nunmehr ausscheidenden „Amazone" tritt.
Kreuzer „Köln"! Ernste Erinnerungen ruft dieser Name wach: Die erste „Köln", als Schiff der Kaiserlichen Marine im Jahre 1911 vom Stapel gelaufen, mit etwa 4000 Tonnen Wasserverdrängung, bewaffnet mit zwölf 10,5 Zentimeter-Kanonen, ging im ersten Kriegsmonat infolge einer ungünstigen Verkettung von Umständen verloren. Am 28. August 1914 war es, als stark überlegene eng- lische Seestreitkräfte, begünstigt durch dichten Ne- bei, unsere in der Helgoländer Bucht vorgeschobenen Bewachungsschiffe überfielen. Es waren dies einige kleine Kreuzer von denen die „Köln" das neueste und modernste Schiff war. und mehrere Torpedoboolsflottillen. Die Engländer stießen mit ihrem neuesten Schlachtkreuzer-Geschwader, bestehend aus 5 Kreuzern der Lion-Klasse, d. h. Schifen von 25 000 Tonnen, die mit acht 34 Zentimeter- Kanonen bewaffnet waren, geschlossen auf die einzeln auf- und abpatrouillierenden deutschen Schiffe, die kein stärkeres Geschütz als die 10,5 Zentimeter-Kanone hatten, und konnten sie trotz heldenhaftester Gegenwehr mühelos zusammenschießen. Die kleinen Kreuzer „Köln", „Mainz" und „Ariadne" sowie Torpedoboot „V 187" sanken mit wehender Flagge in die Tiefe. Während von den Besatzungen der anderen Schiffe Teil« von deutschen oder englischen Fahrzeugen aufgenyrn- men wurden, ging die „Köln" mit der gesamten Besatzung unter — mit Ausnahme eines einzigen Mannes, der nach zweimal 24 Stunden, auf Trümmern schwimmend, von einem deutschen Kriegsschiff aufgefunden wurde. Mit der Köln-Besatzung fand auch der Chef der deutschen Aufklärungs- streitkräfte, Konteradmiral Maaß, den Heldentod.
Für die untergegangene „Köln" wurde sofort «Ersatzbau in Auftrag gegeben, der gegen Kriegs- ienbe auch noch in Dienst gestellt wurde, aber nicht
ErrfteZ OddittoWiSh vom Brand des Savttols Zn Washington
Das amerikanische Parlamentsgebäude, das Capi tol m Washington, wurde vor einiger Zeit von einem Brand heimgesucht, der hauptsächlich in der Kuppel des Gebäudes wütete. Wertvolle Dokumente wurden vom Feuer vernichtet.
Hessen beseitigt sich an der Preag
— Darmstadt. 13. Jan. Von amtlicher Seite wird mitgeteilt: Zwischen der hessischen Regierung und der Preußischen Elektrizitäts A.-G. haben Verhandlungen stattgefunüen, die zu einer Vereinbarung geführt haben, auf Grund deren der Volksstaat Hessen seine Aktienbeteiligung an der Hefrag (Hessen-Frankfurter A.-G.) und seine oberhesfischen Gruben an die Preag abtritt. Als Gegenleistung wird Hessen an der Preag beteiligt werden. Die Zustimmung des hessischen Landtags zu der getroffenen Vereinbarung wird bei der nächsten Tagung eingeholt werden. Wir wir von der Preag erfahren, wird Reffen mit 4,2 Mill. Mk. an der Preag beteiligt werden.
Meder ein nächtlicher Uebersall durch Mainzer Besatzungssoldaten.
— Mainz, 13. Jan. Schon wieder wird ein nächtlicher Uebersall durch Besatzungssoldaten auf einen Deutschen bekannt. In der Nacht zum 4.
mehr zum Kampf kam. Diese zweite „Köln" fand dann ihr Grab in Scapa-Flow.
Der dritte Kreuzer „Köln" der setzt in Dienst gestellt wird, um die ruhmvollen Traditionen seines ersten Vorgängers fortzusetzen, ist 1928 vom Stapel gelaufen, hat — ebenso wie „Königsberg" und „Karlsruhe" — ein Wasserverdrängung von 6000 Tonnen, 40 000 Wellenpferdestärken und wird vermutlich eine Geschwindigkeit von 32 Seemeilen (rund 60 Kilometer) in der Stunde erreichen. Bewaffnet ist er mit neun 15 Zentimeter-Geschützen, die zu je dreien in einem Turm montiert sind. Die Panzerung ist nur schwach. Ueber diesen Kreuzertyp äußerte sich die amerikanische Zeitschrift „Engineer" im letzten September folgendermaßen: „In der 15 Zentimeter-Geschütz klasse ist der bemerkenswerte Neubau, die kürzlich in Dienst gestellte deutsche „Königsberg" . . . Hier haben mir einen schnellen und „fürchterlich" (sic!) bewaffneten Kreuzer, der trotz der Wasserverdrängung von nur 6000 Tonnen einen weiten Fahrbereich besitzt." Von Interesse ist ferner folgende Ansicht über Kreuzerbau von Sir Herbert Russel, die wir kürzlich in der englischen Zeitschrift „Naval und Military Re
Hoffmann, als er sich nachts um 1 Uhr auf dem Heimwege nach Gonsenheim befand, in der Nähe der Mombacher Waggonfabrik von vier französischen Soldaten Überfällen. Die Soldaten gingen mitten auf der Straße und ließen den Deutschen nicht vorbei. Einer schlug ihm mit der Faust ins Gesicht und beschimpfte ihn mit Boche. Das gleiche tat ein zweiter Soldat. Als der Deutsche bemerkte, er werde sich bei dem Offizier des Proviantamts beschweren, fielen alle vier Soldaten über ihn her, warf ihn zu Boden, schlugen weiter aus ihn ein und traten ihn mit den Füßen in den Leib und auf den Kopf. Dem Deutschen gelang es schließlich, sich vom Boden emporzuarbeiten und zu flüchten. Hoffmann erlitt blutende Wunden und Beulen und mußte sich in ärztliche Behandlung begeben. Die deutschen Behörden haben bei dem französischen Divisionskommandeur in Mainz die notwendigen Vorstellungen erhoben.
atsache zu erblicken, daß man die Forderung na Panzerschutz völlig fallen gelassen hat. Die eng lische Admiralität ist ebenso wie alle anderen Marineministerien, zu der Ueberzeugung gekommen daß ein Panzer von dem Ausmaß, wie er au einem Kreuzer praktischerweise angebracht werder kann, nicht lohnt. . . Heutigentags halten wir es für einen richtigen Grundsatz, dem Kreuzer eine höchstmögliche Stoßkraft zu verleihen, so daß er sich auf die Geschütze anstatt auf den Panzer verlassen kann. Denn letzterer könnte niemals stark genug sein, um bei jedem nahen Zusammentreffen mit einem Gegner wirksam zu sein."
Die „Köln" ist der vierte, der nach dem Wesi- kriege neugebauten Kreuzer. Der erste war die „Emden", die 1925 vom Stapel lief und die ebenfalls 6000 Tonnen Wasserverdrängung, aber nur 30 000 Wellenpferdestärken hat. Der fünfte Kreuzerneubau ist die „Leipzig", deren Stapellauf im letzten Oktober in Wilhelmshaven erfolgte.
Die „Köln", deren Heimathafen Wilhelmshafen ist, tritt in den Anfang Januar neugebildeten Verband des Befehlshabers der Aufklärungsstreitkräfte. Ihre Indienststellung erfolgt mit der Besatzung des alten Kreuzers „Amazone". Ihr Kommandant wird ein Mann, dessen Name einen besonderen Klang hat: Fregattenkapitän v. Schröder, der letzte Sohn des einstigen Kommandierenden Admirals des Marinekorps, des „Löwen von Flandern" — ein Bruder des kühnen Fliegers, Major o. D. Joachim v. Schröder, der vor kurzem, bei der
Rückkehr von seinem erfolgreichen den Canarischen Inseln, kurz bevor erreichen wollte, den Tod fand.
Fernflug nach er die Heimat
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Au« Weisung Viktor Perosinis aus England
London hat seine groß« Sensation. Viktor Pero- fini ist plötzlich ohne Grund von dem Innenminister Clymes ausgewiesen worden, obwohl er die besten Beziehungen zu den höchsten Kreisen hatte. Perosini war nämlich der „König der Nachtklubs", der Meister des Londoner Vergnügens, der diejenige Stätte gegründet hatte, wo die jeuneffe dorèe und auch ältere Herren und Damen die besten Tagesstunden nach 12 Uhr Mitternacht zu verbringen gewohnt waren. Man nannte seinen Nachtklub den „Nachtklub der Könige", denn hier kamen nicht nur die Lords und Herzöge zusammen, sondern auch die Prinzen des königlichen Laufes un= der Führung des Prinzen von Wales und auch die Könige, die vorübergeehnd in London anwesend waren, wie z. B. der König von Spanien. König Fuad von Aegypten. Es gab in London schon eiw mal eine „Königin des Nachtklubs". Sie hat es auch verstanden, die beste englische Gesellschaft in ihrem Unternehmen zu vereinigen, bis plötzlich im vori- gen Jahre ein kleiner Skandalprozeß der Herrlich, seit ein Ende machte und die „Königin de? Nachtklubs" ins Dunkel der Vergessenheit versenkte. Sie ivar die größte Konkurrentin des Signore Pero- fini, eines Jraliensrs, der in Mailand zuhause ist
und durch einen Zufall in der Nachkriegszeit nach London kam, wo er ein Weinlokal eröffnete, das ich aber keines besonderen Zuspruchs erfreute.
Eine hübsche Anekdote weiß zu berichten, daß einstmals in den Tagen der französischen Feudali- tät die Herzogin von Berry, die erste Modedame Frankreichs, ihren Wagen vor einer kleinen Tabakhandlung halten ließ, um dort nach der Sitte der damaligen Damen ihre goldene Schnupftabakdose füllen zu lassen. Die Menge, die sich bei einem derartigen Aufzuge in Paris schnell entstellte, hörte, wie die Herzogin erklärte, daß dies der beste Schnupftabak in ganz Paris fei. Von diesem Augenblick an war das Glück des Tobakhändlers gemacht, denn die vornehmen Tagediebe von ganz Paris stellten sich nunmehr täglich ein, um hier ihren Tabak zu kaufen. Der Tabak des Monsieur Lenoir war berühmt und Mode geworden. Die Herzogin von Berry hatte allerdings diesen Erfolg mit Absicht herbeigeführt, denn die Frau des Tabakhändlers war ihr« langjährige Zofe und sie wollte ihr zu ihrer Permâhlung mit dem Kaufmann ein Geschenk machen, dos sie nichts kostete.
Aehnlich erging es dem Signore Perosini in London. Eines Nachts kam zufällig der Prinz von Wales an feinem Lokal vorbei und da er durstig war, so begab er sich mit seinem Gefolge hinein, um hier ein Glas Wein zu trinken. Von diesem Augenblick war der Nachtklub Perosinis größte Mode und höchster Schick und jeder Engländer, der etwas auf sich hielt,. mußte hier verkehren. Im letzten Jahr haben aber die übermütigen Besucher dieses Nachtklubs hier allerlei Unfug veranstaltet, der allmählich bekannt wurde und den Minister des Innern veranlaßte, mit aller Energie einzuschreiten. Am Waffenstillstandstage, an dem der Prinz von Wales bestimmt nicht in dem Lokal fein konnte, wurde hier eine Razzia veranstaltet unb die Ergebnisse dieser Haussuchung waren derart, daß der König des Londoner Nachtklubs Perosini seine Ausweisung erhielt. Die armen Lords und Ladys, die hier Bäder in Wein und Sekt veranstaltet haben sollen, sind nun obdachlos. Minister Clyme ließ sich aber durch dieses Unglück der beschäftigungslosen Herrschaften durchaus nicht rüh- ren, so daß von einem neuen Aufblühen des Nachtlebens in diesem berühmt geworden Klub vorderh nb feine Rede ist.
Fische, die sich tot fressen
Raubfische sind von sprichwörtlicher Gefräßig, feit. Sie übernehmen sich dabei oft so, daß ihnen ein zu großer Bissen im Hals stecken bleibt, an dem sie zugrunde gehen, zumal sie oft die Größe ihrer Beute stark unterschätzen. Der amerikanische Forscher Gudger hat einige solcher Fälle selbst beobachtet, über die er in einer Fachzeitschrift berichtet. Er fand solche toten Fische an der Küste von Florida und im Keukasee bei Rewyork. In einem Fall hatte eine Seeforelle von 21 Zentimeter Länge versucht, einen anderen Fisch von 12,5 Zentimeter Länge zu verschlingen, was ihr umsoweniger gelang, als der Bauch dieses Fisches noch unten in der Form eines V zulief und unten mit einer
Reihe scharfer Sägezähne besetzt war. Als man beiden Fische tot ausfand, ragte aus dem Maul größeren der kleinere zur Hälfte heraus. Ein der Forscher berichtet von einem Fund einer besonders in Afrika vorkommenden Cichliden,
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in der Jugend eine riesige Gefräßigkeit und verschlingen als Kannibalen selbst im Aquarium die eigenen Geschwister. Ein solcher Fisch begnügte sich nicht damit, in drei Monaten 160 Elritzen zu verzehren, er verschlang daneben noch den eigenen Bruder, dessen Schwanzflosse ihm noch drei Stunden nach der Mahlzeit aus dem Maul heraushing. Den Elritzen sprach er so zu, daß sie im Magen keinen Platz mehr fanden und auch zum Maul zum Vorschein kamen. Einmal wurde ein Seebarsch von 12,5 Zentimeter gefunden, der an einem etwas Heineren Arlgenossen erstickt war, ein andermal ein 44 Pfund schwerer Süßwasserbarsch, dem ein nur zwei Pfund schwerer Karpfen zum Verhängnis geworden war. Viele solche Fälle sind von Barschen bekannt, so auch der eines Fisches, der leicht mit der Hand gefangen werden konnte, als er sich vergeblich bemühte, einen viel zu langen Aal hinabzuschlingen. Im Newyorker Aquarium wurde ein Haifisch beobachtet, dem ein verzehrter Fisch zweieinhalb Tage zum Maul heraushing, bis durch die Verdauung im Magen Platz wurde. In einem anderen Aquarium schnappten zwei Fische nach demselben Bissen- wobei der Kops des einen in das Maul des anderen geriet, so daß sie nur mit Mühe voneinander loskamen.
Riesenhonorare im amerikanischen Sport
„Bobe" Ruth, der groß« Star der amerikanischen Berufsbaseballspieler und das vergötterte Idol von Millionen, macht seine weitere Mitwir- , fung im Spielerverband der „Newyorker Pankee» Btannschaft" von der Bewilligung eines festen dreijährigen Kontrakts abhängig, der ihm für feine Tätigkeit im norbamerifanifd)en Nationalballspiel ein Honorar von 85 000 Dollars im Jahr sichert. „Babe" hat soeben eine dreijährige Spielsaison beendet, die ihm ein festes Gehalt von 70 000 Dollars jährlich eingetragen und feine überlegenen Qualitäten unwiderleglich bewiesen hat. Deshalb ist er auch der Ansicht, daß ein Jahresgehalt von 85 000 Dollars für die nächsten drei Jahre eine durchaus angemessene Forderung fei. Vergebens wies Colonel Jacob Ruppert, der Präsident d«s vornehmen Spielklubs, Darauf hin, daß der Präsident der Vereinigten Staaten nur ein Jahresgehalt von 75 000 Dollars, der Oberbürgermeister von Newyork nur ein solches von 55 000 und der Präsident des höchsten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten, Taft, sogar nur 25 000 Dollars im 3ahre beziehen. Ruth blieb allen diesen Einwänden gegenüber taub und berief sich seinerseits bar« tiuf, daß viele Leiter großer Jndustriegesellfchaften, die 300 000 Dollars im Jahre verdienten, geringere Erträge für ihre Gesellschaften herauswirtschafteten als er für seinen Klub Eolonel Ruppen ist, um ich den Champion für ein weiteres Jahr M sichern bereit, ihm 100 000 Dollars für dieses Jahr m bewilligen, scheut sich aber, das Risiko des Ab- schlusses eines dreijährigen Kontrakts einzugeben.
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