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Montag den
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1930
Das Neueste
— 3m Haag wurde am Samstag und Sonntag über ein Kompromiß in den finanziellen Fragen verhandelt. Die Deutschen haben Vorschläge gemacht nach denen Deutschland bereit ist, seine monatlichen Zahlungen teils am 15., teils am 30. zu entrichten gegen Verzicht auf das positive Pfandrecht der Gläubiger, hinsichtlich des Zahlungsaufschubs scheinen die Bedingungen ungünstiger zu fein.
— 3n der Sanktionsfrage scheint man keine Einigung zu erzielen. Frankreich und Deutschland verharren auf ihrem Standpunkte.
— Reichsbankpräsidenk Dr. Schacht ist gestern abend nach dem Haag gereist, um dort Montag vormittag den Verhandlungen des Sachverstöndi- gentomifees für die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich beizuwohnen.
— Der Zentralausschuß der Reichsbank ist für heute einberufen worden. Man geht wohl nicht fehl in der Vermutung, daß eine Diskontermähi- gung um % Prozent, also auf 6% Prozent, Gegenstand der Beratung sein wird.
— 3n Berlin fand gestern eine Trauerkundgebung der Ostverbände für den vor zehn Jahren verlorenen Offen statt.
— Der Oberpräfidenl der Provinz Hessen- Rassau, Dr. Schwander, hat zum 1. April aus Gesundheitsrücksichten und mit Rücksicht auf sein Alter feinen Abschied erbeten.
— Wie aus Moskau gemeldet wird, hat die Sowjetregierung eine besondere Akademie, die die Bekämpfung der Religion auch vom wissenschaftlichen Standpunkt zum Zweck haben soll, geschaffen. Die Akademie soll ihren Sitz in Moskau haben.
zur Verfügung gestellt.
TVartsrErmdAebttnsdeänd marmschaMirhen Oftvev- bimde
Berlin, 12. Jan. Jin Wintergarten veranstalteten am Sonntag die l a n d in a n n s ch a s t - l i d) e n O st verbände aus Anlaß der lOjühr. Wiederkehr, des Tages, an dem die Ostgrenzziehung in Kraft trat, eine eindrucksvolle Trauerkundgebung- Sämtliche Spitzenverbände der ostdeutschen Land- inanschaften waren an der Kundgebung beteiligt so der Bund heimattreuer Ostpreußen, der Memellandbund, der Westpreußenbund und der Reichsverband der Danziger, der Reichsverband der Posener, die vereinigten Verbände heimattreuer Oberschlesier u. a. m. Nach einleitenden Musikvorträgen und einer kurzen Ansprache des ehemaligen Abstimmungskommissars für Westpreußen Regierungspräsident Graf v. B a u d i s s i n, nahm der preußische Landtagsabgeordnete und letzte Vorsitzende des ehrmaligen Ostausschusses des Preußischen Landtages Riedel das Wort zu einer Ansprache, in der er in tiefempfundenen Worten der Losreißung wertvollen Gebietes im Osten durch die neue Grenzziehung und der damit verbundenen tragischen Rückwirkungen auf das Schicksal so vieler tausender von Deutschen gedachte. Er schloß mit der Forderung, daß alles geschehen müsse, um den durch die Grenzziehung wirtschaftlich verstümmelten Bezirken des Ostens Hilfe zu bringen, insbesonders müsse für die Landwirtschaft der Ostbezirkc noch über die allgemeinen agrarpolitischen Maßnahmen hinaus eine Aktion eingeleitet werden, die nicht auf einzelnen Subventionen, sondern auf der Grundlage eines sorgfältig ausgearbeiteten Planes beruhen müßten. Wenn die staatlichen Mittel zur Zeit auch überaus knapp seien, dann sei es eben notwendig, daß die innerdeutschen Landesteile ihrerseits im Rahmen des Reichs- und Staatshaushalts Opfer für die östlichen Grenzgebiete bringen.
Aebetrsall ans SiaMhermlente
Friedland (Mecklenburg), 12. Jan. Am Samstagabend wurden 10 Stahlhelmleute der Ortsgruppe Friedland, die mit ihren Fahrrädern nach einem benachbarten Bauerndorf zu einer Stahlhelmveranstaltung unterwegs waren, auf der Pasewalker Landstraße kurz hin er Friedland von beiden Straßengräben her mit Steinen beworfen. Wenige Augenblicke später drangen etwa 20 Personen mit Schlagringen, Gummiknüppeln und Stöcken bewaffnet auf die Stahlhekner ein, rissen sie von den Rädern und fd)lugcn sie nieder. Die lleberfaUcnen wurden zum -eil erheblich verletzt. Besonders schwere Verletzungen erlitt der Stahlhelmangehörige Friedrich Sternberg, der neben anderen Verletzungen etwa b Kopfwunden davontrug. Auf ein Trillerpfeisensig- nal ließen dann die Täter von ihren Opfern ab «nd verschwanden in der Dunkelheit.
GartnSBigee^antpsim Saas
Schwere Munden sät? die deutsche Delegation - Engins nicht nach Genf geseift - SchlieMW ein âom- pvonM in den AnamisUsn Leasen - Ln des SanAions- svase noch keine Giniguns
Haag, 13. Ian. Die Spannung in der Konferenzlage hatte sich am Samstag weiter verstärkt. Die Schwierigkeiten hatten sich in einer Weise zugespitzt, daß man bereits von einer Krise der Konferenz sprach. Infolge dieser Zuspitzung hatte sich Rechsaußenminifter Dr. Curtius in letzter Stunde entschlossen, seine Reise nach Genf zur Ratstagung des Völkerbundes aufzugeben. Dr. Curtius blieb im Haag und es haben während des heutigen Sonntags ununterbrochen Verhandlungen zwischen der deutschen und französischen Delegation siattgesunden, wobei man bemüht war ein Kompromiß unter deutschem Rachgeben bei den Zahlungsterminen und Gegenzugeständnissen der Gläubiger herbeizuführen. Dieses Bemühen scheint von Erfolg gewesen zu sein. Jedenfalls werden heute morgen die Aussichten nicht ungünstig beurteilt.
Gtüvmssrhe Gamsiags-GWuns
Haag, 12. Jan. Die Vormittagssitzung der sechs einladenden Mächte ist außerordentlich lebhaft verlaufen und hat zu verschiedenen Zusammenstößen zwischen der deutschen Delegation und Herrn «nowden geführt, der mehr und mehr die umgekehrte Rolle übernimmt, die er selbst im August gespielt hat und nunmehr den Deutschen Verschleppung vorwirft, während er selbst zu Prefsmanö- oern übergeht. Aber auch Herr C h ë r o n sekundiert ihm. Von beiden Finanzministern wurde am Vormittag der deutschen Delegation vorgeworfen, man habe für heute definitive Vorschläge von der deutschen Seite erwartet, nachdem man 8 Tage
man wiederum mit Bedauern feststellen, daß diese deutschen Vorschläge ausgeblieben seien.
Diesem Ueberrennungsversuch trat Dr. d u r = t i u s_ scharf entgegen und wies darauf hin, daß die Schuld für die Verzögerung in den Verhandlungen in der Hauptsache die Alliierten treffe, die bisher in den Hauptfragen von Deutschland Leistungen verlangt hätten, die über den Rahmen des Poungplanes hinnusgingen. Um jedoch den Gang der Verhandlungen zu beschleunigen, sei die deutsche Delegation bereit, Anregungen in der Frage der Zahlungstermine und der Modalitäten beim Ablauf eines Moratoriums zu machen und stelle deshalb für heute mittag schriftliche Vorschläge in Aussicht.
Deutsche AttsslerchsvoL-chlage
Die Vorschläge der deutschen Delegation in den reparntianspolitischen Fragen, die am Samstag mittag den Alliierten schriftlich fixiert überreicht wurden, machen für die Gesamtheit der noch offenen Punkte einen Ausgleichsvorschlag, der von der deutschen Delegation als eine geschlossene Einheit betrachtet wird. Die Aufrechterhaltung der Kontrolle über die verpfändeten Einnahmen wird in dem Vorschlag vollkommen abgelehnt, in der Moratoriumsfrage der Standpunkt betont, daß Deutschland ohne vorherige Untersuchung des wirtschaftlichen Zustandes Deutschlands durch die Poung- Planorgane das Recht hat, für sich allein ein Moratorium anzumelden, und daß die Zahlungsbedingungen gegenüber dem im Poung-Plan für den Transfer der abgelaufenen Summen vorgesehenen Verfahren nicht verschlechtert sind. In der Frage der Zahlungstermine wird als Vermittlungs- Vorschlag angeregt, die Zahlungen der Reichsbahn am 30. bei der Internationalen Zahlungsbank einzuzahlen, während der größere Rest der Annuität bereits am 15. bezahlt werden soll.
Von französischer Seite wird nunmehr der Versuch gemacht, aus diesem geschlossenen Ganzen den einzigen Punkt, in dem die deutsche Delegation zu Zugeständnissen bereit ist, herauszunehmen und zugunsten der Alliierten vorläufig einmal als erledigt zu betrachten, während man über die anderen Fragen neu zu diskutieren versucht.
Geringe Gnisvannuns
Der Samstag abend hat der Konferenz im Haag noch keine volle Entspannung gebracht. Die Verhandlungen zwischen den sechs eingcladencn Mächten wurden kurz nach 7 Uhr beendet. Sie werden jedoch am Montag weiter fortgesetzt, und zwar kommen erst am Montag die drei Hauptschwierigkeiten: Zahlungstermin, Aktivierung der Pfänder und ZahlungsModalitäten beim A b la u f eines Morato riums zur Sprache. In den übrigen Fragen hat man heute, wie Dr. Wirth beim Verlassen der Sitzung kur; mitteilte, kleine Fortschritte gemacht, ohne daß jedoch ein Gcsamtnbjchluß erreicht werden konnte.
Die Sanktionsbesprechungen werden am Sonntag, nachdem die deutsche Delegation im Interesse des
Fortganges der Verhandlungen verzichtet hat, zwischen Curtius tergeführt.
auf ihr Weekend und Tardieu wei-
Me
Gonntagsvewvechungett
Haag, 12. Jan. Die Sonntagsverhondlungen im Haag haben sich am Vor- und Nachmittag ziemlich im Kreise gedreht, wie es meist der Fall zu sein pflegt, wenn eine Entscheidung nahe bevorsteht. Bei der deutschen Delegation wurde erklärt, daß die Vanktionsverhandlungen heute vormittag zwischen Dr. Curtius, Dr. Wirth und Tardieu kein Ergebnis
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Pfände rfrage Angeschnitten worben find, die ja in einem inneren Zusammenhang stehen.
Rach den französischen Angaben steht man vor einer Einigung über die M obiIi - jierungsbe ff imm ungen für den ersten Abschnitt der deutschen Reparationsobligaiionen, und zwar soll vereinbart worden sein, daß die Placierung eines Betrages von 200 Millionen Dollar, der auf allen internationalen Kapitalmärkten einschließlich Amerikas aufgelegt wird, nicht durch deutsche Anleiheplacierungen auf dem internationalen Kapitalmarkt gestört werden soll, sondern daß man sich über das Vorgehen gegenseitig verständigt, vor allem hinsichtlich der Zeitpunkte, zu denen die verschiedenen Anleihen aufgelegt werden sollen. Die technischen Verhandlungen über die Emission des ersten Abschnittes der deutschen Reparationsbonds solle sofort im April ausgenommen werben, unmittelbar nach der Konstituierung der Internationalen Zahlungsbank.
Die Franzosen behaupten weiter, daß für gewisse Entgegenkommen auf dem Gebiet der Mobilisierung die französische Delegation den Deutschen Zugeständnisse in den Sanktionen gemacht habe. Ebenso hätten sich auch die Standpunkte in dem Auslauschgefchäst zwischen Zahlungsterminen und negativen Pfändern angenähert, wo die Franzosen bereit seien, ihren Anspruch auf Aufrechterhaltung der Kontrolle fallen zu lassen, falls Deutschland zustimme, daß die Reparationszahlungen für den ungeschützten Annuitätenleil am 30., für den ge- schützten Teil dagegen am 15. eines jeden Monats erfolgten.
Dvshnnsen aus Baris
Ultimatum und Rückkehr zum Dawesplan
Paris, 12. Jan. In ter heutigen Presse hat nach ter Uebergabe ter schriftlichen Antwort der deutschen Delegation im Haag ein wahres K esset- treiben gegen Deutschland eingesetzt. „Unannehm bar, völlig ungenügend, trügerisch, j ä m m e r l i ch", mit diesen Ausdrücken wird die dèuh'che Antwortnote charakterisiert. Auf maßlose Anschuldigungen gegenüber den Deutschen häufen sich dann verhüllte Drohungen.
Nach den hier aus dem Haag vorliegenden tendenziösen Berichten beabsichtigt ein auf 24 Stunden befristetes Ultimata m der Gläubigerstaaten, das morgen der deutschen Delegation übergeben werden soll Deutschland zu enem beschleunigen Abschluß der Verhandlungen zu zwingen Die st-erliche Warnung Snowdens sei nur das Vorspiel einer noch viel energischeren und wirksameren Intervention, so kündigt die „ßiberté“ an. Man werbe den Deutschen einfach eine Analyse des Schlußprotokolls mit den bisher beschlossenen Abänderungen vorlegen und sie in einer Begleitnote auffordern, das Protokoll zu unterzeichnen. Wenn nach 24ftünbiger Bedenkzeit die Deutschen dies verweigern wurden, so würden die Alliierten einfach auf weitere Verhandlungen ver. z i ch t e n und zum D a w e s p l a n zuruckkehren.
Der offiziöse „T e m p s" bestätigt diese Ankündigung. Das Blatt schreibt: „Der Augenblick naht (Fortsetzung auf Seite 2)
Gedenktage und praktische Arbeit
Seit dem November 1928 reiht sich ein zehnjähriger Gedenktag unerfreulicher Art an den anderen. Damals waren zehn Jahre seit Kriegsende verflossen. Eine Fülle von Erinnerungen betrüblichster Art schlossen sich an. Dann kam die zehnjährige Wiederkehr jenes Tages, an dem die Nationalversammlung in Weimar zu den Bestimmungen des Versailler Vertrages ihre Zustimmung erteilte und zwei Regierungsvertreter zur Unterzeichnung des Diktates nach Versailles sandte. In diesem Jahre folgte vor wenigen Tagen die zehnte Wiederkehr des Tages, an dem der Versailler Vertrag in Kraft getreten ist. Derselbe 10. Jan. war der Geburtstag des Völkerbundes, der auf eine zehnjährige Tätigkeit zurücksehen kann. Und wir sind noch lange nicht am Ende der schwarzen zehnjährigen Gedenktage angelangt. Denn damals vor zehn Jahren schritt das Unheil weiter seinen Weg und riß uns schließlich bis in die Tiefe der Ruhrbesetzung.
Man kann dieser Tage und der mit ihnen verknüpften Ereignisse nur im Zusammenhang gedenken und man muß sie vor allen Dingen im Lichte einer Gegenwart betrachten, die mit praktischer Arbeit gefüllt ist. Ueber diesen Punkt hat sich der Reichsaußenminister Dr. Curtius in bemerkenswerter Weise auf dem Journalistenbänkett im Haag geäußert. Das Bankett war am 10. Januar, d. h. am zehnten Gedenktage des Gewalrfriedens von Versailles. Curtius schlug in der Rede, die er auf dem Bankett der Journalisten hielt, nicht aus diesem Anlaß allein, aber doch unter deutlicher
Habe es sich überlegen muffen', Ä ermi'dimein Tage überhaupt Gast auf einem Bankett sein könne. Dr. Curtius hat die Bedenken überwunden, weil die Pflichten des Amtes und der Tagesarbeit ein Sichverlieren in die Vergangenheit nicht gestatten. So geht es uns allen in den Tagen, in denen die Vergangenheit mit ihren unheilvollen Ereignissen vor uns aufsteigt und unsere Gedanken erfüllt.
Die praktische Arbeit fordert ihr Recht- In den Tagen, an denen zehn Jahre seit dem Inkrafttreten des Versailler Diktates verflossen waren, stand die deutsche Delegation im Haag mit den Vertretern eben jener Mächte in Verhandlung, die uns damals das Diktat aufgezwungen haben. Wir protestieren gegen die furchtbare Verstümmelung, die sich die deutsche Ostgrenze vor zehn Jahren durch den Raub der deutschen Ostmark und die Schaffung des polnischen Korridors hat gefallen lassen müssen und wir stehen doch mit Polen, dem jene deutschen Gebiete als Raub anheim gefallen sind, in Verhandlungen über den Abschluß eines Liquidationsvertrages und eines Handelsvertrages. Wir haben allen Alllaß, dem Völkerbünde gram zu sein, der der Zerreißung Oberschlesiens seinen Segen gegeben und der eigentlich in allen Fragen versagt hat. in denen deutsche Interessen 'gegen die der anderen Nationen gewahrt werden müssen. Und wir entsenden doch eine Delegation nach Genf, um an der dortigen Ratssitzung teilzunehmen. Ueberall sehen wir, daß praktische "Arbeit auf jenem Boden Wurzel geschlagen hat. den bas nationale Unheil im November 1918 und den darauf folgenden Jahren schuf. Wir haben in den verflossenen zehn Jahren nicht die Hände in den Schoß gelegt, um unserer Trauer nack- zuhüngen, sondern wir haben sie kräftig gerührt und neues Leben und neue Werte geschaffen.
Auf diesem Wege müssen wir weiter vorwärts schreiten. Blicken wir zehn Jahre zurück, so sehen wir, daß wir in dieser Zeit trotz aller Hindernisse und trotz aller inneren Schwäche Fortschritte gemacht haben. Wir sehen allerdings gleichzeitig, daß wir von bem Ziele unseres Wiederaufstieges noch sehr weit entfernt sind. Aber wenn wir das Ziel erreichen wollen, so werden wir weiter wie bisher der Gegenwart gerecht werden müssen, ohne darüber die Vergangenheit oder die Zukunft zu vergessen. Mr werden immer wieder gegen das Unrecht protestieren, das uns vor zehn Jahren zugefügt worden ist. aber wir werden uns auch darüber klar lein, daß wir mit leeren Protesten allein und mit Volksab-
Die beuMs Summer umkaSt 10 Setten