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Donnerstag den 2. Januar WM

Nr. 1

wo er vom Ministerium dort empfangen und nach derCentralhalle" gebracht werden wird. Der Vor­verkauf hat bereits begonnen.

* Sichergestellt wurde ein Knabenfahrrad Marke Kayser Nr. 172 533, schwarzer Rahmen und Felgen, engl. Lenkstange, 26er Räder und ein Herrenfahrrad Marke Starkenburg Nr. 65 988 schwarzer Rahmen und Felgen, engl. Lenkstange. Die Felgen sind mit grünen Streifen versehen. Die Eigentümer können sich bei dem hiesigen Kriminalkommissariat melden.

* Preuß. Klassenlotterie. Nochmals sei darauf hingewiesen, daß morgen Freitag der letzte Erneuerungstag für die 4. Klasse ist

VsttevbövZibi

Die kältere Luft, die gestern nach Mitteleuropa vordrang, hat kräftigen Druckanstieg hervorgerusen und Lie wärmer« Lust, teilweise noch unter leichten Niederschlägen, verdrängt. Ueber England und dem Ozean kündigt neuerdings kräftiger Barometerfall die Entwicklung der nächsten Zyklonenreihe an, deren erster Ausläufer sich namentlich an der Küste bereis« morgen bemerkbar machen wird. Im gan­zen wird aber in den nächsten Tagen der von Süd­west oorstohende Hochdruck die Witterung beoin- fluffen, wobei wir zwar noch vielfach trübes und nebliges, aber trockenes und weniger mildes Wetter zu erwarten haben als bisher. Vorhersage bis Donnerstag abend: Usberwiegend trübe und Nei­gung zu Nebelbildung, aber nur noch ganz geringe Niederschläge, bei mäßigen Westlichen Winden ziem­lich frisch, aber Temperaturen über Null. Wit­terungsaussichten für Freitag: Keine wesentliche Aenderung.

AetiS VÜddtSâ

t Rommelhausen, 30. Dez. Am vergangenen Sonntag den 29. Dezember, hatte die Freie Sängervereinigung die hiesige Einwohnerschaft zu ihrer diesjährigen Winterveranstaltung eingeladen. Der gesangliche Teil des Programms, zu welchem man schwere Kompositionen, wie dasMorgen­lied" von Rietz,Der Sonntag auf den Meere" undAn den Frühling" von Schubert, gewählt hatte, stellte an den Verein große Anforderungen. Die dargebrachten Leistungen machten dem Verein und seinem Dirigenten Herrn Klehm Hanau a. M. alle Ehre. Der reiche Beifall am Ende eines jeden Chores bewies den errungenen Erfolg. Auch das dargebrachte Couplet und die aufgeführten Theaterstücke gelang ensehr gut.

AttiS GÄtGaâ«.

)( Somborn (Freigericht), 1. Ian. Im Nachbar­orte Neuses fuhr ein elfjähriger Schüler aus Alb­stadt (Unterstanken) eine Mchüffige Straße mit großer Geschwindigkeit mit dem Fahrrads hinunter und stieß dabei mit einer Frau zusammen. Beide kamen zu Fall. Während die Frau jedoch mit dem Schrecken davonkam, blieb der Junge in seinem Rade stecken und stark blutend liegen. Der rasch Herbeigerufene Arzt Dr. Hohmeister von hier stellte eine schwer« Gehirnerschütterung bei dem Knaben fest. Es wird als fraglich bezeichnet, ob er mit dem Leben davonkommt.

)( Neuses, 31. Dez. Laut Beschluß der Bun­desversammlung des Gaues V (ehemaliger Kahltal- sängerbund) im Hess. Sängerbund am 18. 12. 29 zu Michelbach, wurde dem hiesigen Gesangverein Sängerbund", gegr. 1875, das 10jährige Vundes- fest verbunden mit ö-Sjährigem Stiftungsfest für 1930 übertragen. Das Fest findet am 8. und 9. Juni 1930 (1. und 2. Pfingstfeiertag) auf dem in­mitten des Ortes gelegenen Festplatz statt. Neuses, als fest- und sangesfreudig bekannt, wird alles auf­bieten, um allen Gast- und Bundesvereinen einige schöne Stunden im frohen Sänoerkreise zu be­reiten. Nähere Einladung und Programm geht den Vereinen noch zu.

Aus ftMM a. M

Merkwürdige Gepflogenheiten im Frankfurter Submissionswesen

t In einer Zuschrift der Aktiengesellschaft für kleine Wohnungen an die Presse werden Gepflo­genheiten mancher Handwerker aufgedeckt, die ein merkwürdiges Licht auf die Verhältnisse im Hand­werk werfen. So hatte die Gesellschaft im Novem­ber die Bewässerungs- und Gasleitungsarbeiten für die Baugruppe Wittelsbacher Allee ausgeschrieben. Bei der Oeffnung der Angebote, bei der das rech­nerische Ergebnis noch nicht nnchgeprüft war, schien es zunächst, als ob keine wesentlichen Preisunter­schiede in den Angeboten vorlügen. Da aber ge­mäß der Verdingungsordnung die Bezahlung der Arbeit auf Grund der tatsächlichen Leistungen und der Einheitssätze des Angebotes zu erfolgen hat, war es notwendig, die Angebote einer Nachprüfung auf die rechnerische Richtigkeit hin zu unterziehen. Dabei zeigte sich, daß manche Firmen keineswegs die Sorgfalt anwenden, die für ein zuverlässiges Angebot erforderlich ist Viele Angebote wiesen sehr erhebliche Rechenfehler auf. Eine andere Gruppe von Firmen rechnete aber offenbar sichtlich falsch. Die Spenglerinnung hat es als ihre Aufgabe an­gesehen, eine Preisverabredung unter den anbieten­den Firmen zustande zu bringen. Da aber einige Firmen infolge ihrer größeren Leistungsfähigkeit sehr wohl in der Lage waren, die Arbeiten billiger anzubieten, kehrten sie sich an die Preisverein­barung nicht. Sie offerierten die Arbeiten zu niedrigeren Einheitssätzen,verrechneten" sich aber in der Gesamtsumme umnur" 30000 Mk., um der Innung gegenüber auf den ersten oberfläch­lichen Blick die Preisvereinbarung als eingehalten erscheinen zu lassen. Es liegt also eine offensicht­liche Vortäuschung durch markierte Resultate vor.

Den Brandwunden erlegen

1 Das IlLjährige Kind, das bei einem Woh­nungsbrand am Dienstag in der Roten Kreuzgasse schwere Brandwunden davongetragen hatte, ist kurz nach der Einlieferung in das Krankenhaus gestorben.

Die Frankfurter Bilan; der Neujahrsnachk

: In der Neujahrsnacht ist es in Frankfurt recht unruhig zugegangen. Namentlich sind viele Fälle von Schlägereien und Verletzungen durch explodierende Feuerwerkskörper zu verzeichnen. Die Rettungswache hatte außerordentlsich viel zu tun und mußte nicht weniger als 50 bis 60mal in Aktion treten. Im Stadtteil Sachsenhausen wurde der 18jährige Kaufmann Oskar Stich durch einen sogenannten Kanonenschläger nicht unerheb­lich verletzt. Sehr viele Personen trugen durch explodierende Feuerwerkskörper, Brandwunden an Kopf, Armen und Händen davon. Ferner kam es zu einer ganzen Reihe von Schlägereien, haupt­sächlich in der Altstadt. Hier war es besonders die Schnurgasse, wo es zu heftigen Auseinandersetzun­gen kam, so daß die Polizei energisch eingreifen mußte. Auch ein tödlicher Unglücksfall ist zu ver­zeichnen. In der Kronhofstraße stürzte ein Mann namens Philipp Schön die Treppe hinunter und zog sich dabei schwere innere Verletzungen zu, daß der Tod alsbald eintrat. Schließlich mußte der Kaufmann Sally Emmerich aus der Mainzer Land­straße Mk einer' fchwèren'SchußverleOing am Kopf in das Krankenhaus eingeliefert werden. Ob ein Unfall oder Selbstmordversuch vorliegt, konnte noch nicht festgestellt werden.

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kurhessische Grünlandlagung

Salmünster-Soden, 2. Jan. Der Kurhessische Grünlandverein hält in diesen Tagen erstmalig eine größere Tagung im Süden des Kurhessischen Bezirkes ab, die am 15. Januar im Restaurant Goldener Engel" zu Salmünster unter der Leitung von Rittergutsbesitzer Dr. Erig-Harmuthsachsen stattfindet und folgende Referate bringen wird: 1.Betriebswirtschaftliche Bedeutung des Grün­

landes", Redner Dr. Erig-Harmuthsachsen; 2.An- läge, Pflege, Bewirtschaftung des Grünlandes", Referent Landwirtschaftsrat Dr. Greve-Kafsel. Für jeden Vortrag ist eine ausgiebige Aussprache vor­gesehen.

Gefährdung einer Bahnlinie infolge Sturmschadens

Schlüchtern, 2. Jan. Wie berichtet wird, wurde bei dem schweren Sturm am Sonntag mit­tag ein nahe der Bahnstrecke SterbfritzVoll­merz Gmünden belegenes Nothaus vom Sturm gepackt und auf den Bahnkörper geschleudert. Ein schweres Unglück wäre nicht zu vermeiden gewesen, wenn nicht durch ein junges Mädchen der Schaden bemerkt worden wäre. So gelang es, kurz vor dem nächsten, die Strecke passierenden Zuge das Hinder­nis zu beseitigen.

Immer noch Kriegsopfer

Guntersblum, 1. Jan. Der Handarbeiter Georg Schäfer war im Kriege durch einen Granat­splitter verwundet worden, der nicht restlos ent­fernt werden konnte. Nun stellten sich am Kinn Eiterunge ein, die eine Operation nötig machten. Der Splitter muß von der Schädeldecke bis Kinn heruntergewandert [ein.

Brand im Idsteiner Schloß

Idstein i. T., 1. Jan. Am Dienstag entstand im Idstainer Schloß, in dem sich das Landheim der Frankfurter Mittelschulen befindet, ein Kamin-, brand, der auf das Dachgeschoß Übergriff, das als«, bald in Hellen Flammen stand. Nach einstündiger angestrengter Tätigkeit gelang es der Feuerwehr, den Brand zu löschen, bevor er weiter um sich grei­fen konnte. Vor zehn Jahren war bereits das Dach­geschoß des Ostflügels durch Unvorsichtigkett der Besatzungstruppen abgebrannt.

Ein Gießener Rechtsanwalt verhaftet

Gießen, 31. Dez. Unter der Anschuldigung der Veruntreuung von Klientengeldern wurde aus Anordnung des Untersuchungsrichters beim Ober­hessischen Landgericht der Rechtsanwalt Robert Schlink in Gießen verhaftet und in das Unter­suchungsgefängnis des Landgerichts in Gießen ein­geliefert. Rechtsanwalt Schlink, der als Treuhänder des Bundes der Kriegsblinden fungierte, hat von einem großen Betrag des Bundes zum Ankauf eines Hausgrundstückes in Bad Salzhausen für die Kriegsblinden die Summe von rund 9000 RM für sich verbraucht. Er gibt an, daß er zu der Verun­treuungen gekommen sei, weil die ihm zustehenden Anwaltsgebühren sehr spärlich eingingen und er dadurch in eine wirtschaftliche Notlage geraten sei.

Eine 20-Millionen-Erbschaft

Eich (Rheinh.), 1. Jan. Vor etwa 150 Jahren wanderte ein Einwohner von hier namens Becker nach Amerika aus, brachte es dort zu einem großen Wohlstand und starb dann kinderlos. In seinem Testament bestimmte er, daß das aus dem Verkauf feiner Besitzungen erlöste Geld hundert Jahre nach seinem Tode mit Zinsen an feine deutschen Erben ausgezahlt werden .solle. Die Stadt Philadelphia, die die Besitzungen übernahm, hat dieses Testa­ment noch in einem Prozeß anerkannt, der um die Jahrhundertwende angestrengt wurde, als Becker- sche Erben die Auszahlung des Geldes erreichen wöklE' Siè' MMn aber allstem!?«»: Nun sind die hundert Jahre um, und man hofft, daß das Geld nunmehr frei werden muß. Es handelt sich um rund vier Millionen Dollar, eingerechnet die Zin­sen. Die Verwandschaft Beckers ist hier sehr zahl­reich, so daß die ganze Last der Millionen wenig­stens nicht einen einzelnen Menschen treffen wird.

DerMniskerstürzer" Großmann verübt Selbstmord

Darmstadt, 1. Jan. Vor einiger Zeit erschien bekanntlich im Jnnenminsterium ein Mann in Offiziersuniform, um den Minister zu stürzen. Die (Ermittlungen ergaben, daß man es mit dem Alt- Händler Georg Größmann zu tun hatte, der nicht mehr im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte war. Allerdings schrieb er später an die Zeitungsre­daktionen, daß er in voller Absicht den Regierungs­

sturz vorgehabt hätte. Gestern vormittag wurde sein Vater durch das anhaltende Heulen des Hun­des aufmerksam, und er fand bei einer Durch- suchung in einem Magazin seinen Sohn erhängt vor. Der Selbstmord, der auf zerrüttete Familien­verhältnisse und Lebensüberdruß zurückzuführen ist, muß allerdings bereits am Samstag der ver­gangenen Woche erfolgt fein.

Gvost-MsGsWtSA.

Neueste Sportereigniffe

Die Berliner Fußballelf unterlag in Mailand der dortigen Städtelf nach höchst unglücklichem Kampfe unverdient mit 4:2 Toren, nachdem der Schiedsrichter zwei reguläre Tore für Berlin nickst gegeben hatte.

In Barcelona schlug Spanien im Fußballänder- kamps die Tschechoslowakei knapp mit 1:0 nach ausgeglichenem Spiele

Den in Davos zum Austrag gelangens Speng­ler-Pokal der Eishockeymannschaften gewannen Law Tennis-Klub Prag im Endspiel mit 3:2 gegen Eishockeyklub Davos. Der Berliner Schlittschuh- kub wurde Dritter, nachdem er die Universität Cambridge nach Verlängerung mit 2:1 besiegt hatte.

Der deutsche Exmeister im Halbschwergewicht Hein Müller hat für Februar einen Kampf mit Otto von Porath abgeschloffen.

Neujahrs-Fußball.

Um bett dritten Platz in der Gruppe Main. FSpv. FrankfurtUnion Niederrad 4:3 (2:1).

Frankfurter Pokalspiele.

Olympia 07Bonam«s 3:1; VfB. Riederwald gegen Ballspielklub 19 1:6 (!); Viktoria Eckenheim gegen FSpV. Praunheim 2:1; SpV. 07 Heddern­heimFV. Hausen 2:3 nach Verlängerung; Reichs­bahnsportvereinGermania 94 0:3; VfL. Sachsen­hausenDallspielfreunde Jupiter 4:1; Rot-Weiß gegen Postsportverein 1:2 (!); FechenheimOstend

Weitere Fußballereigniffe.

Städtespiel MailandBerlin 4:2; AfR. Mann­heim1. FC. Pforzheim 4:1; Schwarz-Weiß Essen gegen Red Star Olymque Paris 2:0; Rheidter SpV. gegen FC. Roermond (Holland) 3:2; Städteelf ElberfeldFC. Grenchen (Schweiz) 0:3; Beuchen 09Club Frauxais Paris 1:2.

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FSpV. FrankfurtUnion Niederrad 4:3 (2:1)

Was gegen Rot-Weiß nicht geglückt war, gelang gestern Bornheim im entscheidenden Treffen geger' Niederrad. Nach einem Kampfe im wahrsten Sinne. des Wortes, der zuweilen auszuarten drohte, bZ hielt der Altmeister die Oberhand. Eine übera^ große Energieleistung der Blau-Schwarzen, die alte Zeiten gemahnte, war dazu nötig, denn Gegner kämpfte verzweifelt bis zur letzten Minu-». Auch als kurz nach der Pause die Partie bereits 4:^ für FSpV. lautete, gab er sich nicht geschlagen und holte noch zwei Tore auf, um dann die restliche Spielzeit vergebens gegen die verstärkte Sportver­einabwehr anzurennen. Dabei schlugen einige Ionier stark über die Stränge. Zu berücksichtigen bleibt dabei allerdings, daß neben dem Peche auch scheinbar der Unparteiische Lorenz-Karlsruhe gegen sie war, indem er neben einem fälligen Handelf­meter auch ein regelrecht erzieltes Tor für Nieder-

verrMA Ne NovD^eEe?

Neue Untersuchungen des Wilhelmhavener Walten-Instiiuls

o In der letzten Zeit machen sich an der deut­schen Nordseeküste erneute Bodensenkungen bemerk­bar. Es handelt sich hier natürlich um eine Er­scheinung, die nicht im Verlaufe eines Jahres schon bemerkbar wird, sondern um säkulare Schollensen­kungen. Das Wilhelmshavener Watteninstitut hat in Verbindung mit anderen Universitäten Fachge­lehrte mit der Untersuchung dieser Erscheinung be­auftragt, und die seit dem Frühjahr Lurchgeführten Arbeiten ergeben jetzt die Ursache der Landjenkung, für deren vollkommene Klärung allerdings noch große Forschungsarbeiten bevorstehen. Es wurde festgestellt, daß au der oldenburgischen Küste das Land in 100 Jahren um 37 Zentimeter unter das Meer sinkt, während an der Mederelbe eine Küsten­senkung von nur 5 Zentimeter in 100 Jahren zu beobachten ist.

Die Arbeiten erstrecken sich im wesentlichen auf eine geologische Untersuchung der Formationen un­serer Nordseeküste. Die Küstenfenkung hat nichts mit den Veränderungen des Meeresgrundes zu tun, von denen in der letzten Zeit mehr und mehr Mel­dungen bekannt wurden. So wurden nach großen Erdbeben an manchen Stellen des Meeresgrundes eine plötzliche Erhebung von vielen hundert Metern beobachtet, und in Laienkreisen wurde angenom­men, daß diese Veränderungen auch starken Einsluß auf unsere Küstenbildung gewinnen müßten. Es ist daher anzunehmen, daß solche Veränderungen des Meeresgrundes schon immer in beträchtlichem Maße bestanden haben, nur daß sie uns erst jetzt durch die sorgfältig durchgesührten Forschungen über die Ozeantiefen bekannt werden. Das Grund- wasser des Ozeans ist so kalt, daß di« Erde hier eine wesentlich schnellere Abkühlung erfahren muß, als die höher gelgenen Schichten, und so tritt hier ein schnelleres Zusammenichrumpfen und dadurch bedingtes Einstürzen der Erdschollen ein, während auf der anderen Seite die tiefgelegenen Vulkan- kräfte auf die Gestaltung des Meeresgrundes in­tensive Einwirkung haben. Im ganzen ist unser Wissen über die Formation des Meeresgrundes nicht weitreichend. Es gibt Gebiet«, die We viel­fache Größe Deutschlands ausweisen, ohne daß bis­her eine Tiesenlotung für diese Strecken vorliegt.

Noch viel schwieriger ist es also, uns ein klares Bild über die Veränderungen des Meeresgrundes zu machen. Die 8 bis 10 000 Meter, die wir als tiefste Punkte des Meeres gemessen haben, können zufällige Ergebnisse sein. Würde man z. V. von einer höheren Luftschicht aus die Schweiz abloten und dabei Genf, Locarno, Bern und Zürich be­rühren, so müßte man die Schweiz für eine nied­rige, langsam ansteigende Eben« halten, ohne von dem ungeheuren Gebirgszug Kenntnis zu bekom­men. Die Gestaltung und die Veränderung des Meeresgrundes find zu unbekannt, um daraus Schlüsse auf das Versinken weiter Landstrecken in das Meer oder das Aufsteigen von Neuland her­zuleiten. Tatsächlich hängen auch die Landsenkun- gen unserer Nordseegebiete mit der großen Bewe­gung zusammen, in der sich der ganze europäische Landblock befindet. Dem Versinken der Nordsee- länder steht ein Aufsteigen der skandinavischen Küste gegenüber. Daß dieses Versinken eine lang? fame aber konstante Bewegung ist, beweisen Funde, die man jetzt bei Grabungen in größerer Tiefe ge­macht hat. Man hat Brünnen gefunden, bei deren Anlage das Land noch weit über der Meeresober­fläche gelegen haben muß. Diese Grabungen wer­den jetzt von den verschiedenen Instituten systema­tisch fortgesetzt, nicht nur, um durch solche Funde ein ungefähres Bild über das Maß der Land­senkung zu gewinnen, sondern auch um durch plan­mäßige Erforschung des geologischen Untergrundes unserer Nordseekllste die Gründe des Einsinkens eindeutig zu verstehen. Die Arbeiten sind dadurch mit ungeheuren Schwierigkeiten verknüpft, als die Baggerungen im Gebiet der schlichtbedeckten Watten vorgenommen werden müssen.

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Von Professor Dr. M. H. Daege-Oberursel

o Jahrtausende lang war der Traum Gegen­stand einer rein spekulativen Behandlung und gab häufig den Boden ab für allerlei Phantastik des Denkens und abergläubische Vorstellungen. Erst in neuerer Zeit ist man dazu übergegangen, auch die Traumvorgänge mit den Mitteln exakter For­schung zu untersuchen, und dabei spielt auch das Experiment eine große Rolle. So hat man z. B. gegen das Fenster des Schlaf rauens kleine Stein­

chen geworfen. Der Gehörreiz, der dadurch ent­stand, löste bei den Schlafenden den Traum von einem Gefecht aus, in dem fortwährend Schüsse fielen. Ein anderer wurde im Schlaf leicht mit einigen Tropfen Wasser bespritzt, und er träumte von einem gewaltigen Regenschauer. Wieder einem anderen hielt man eine stark duftende Rose unter die Nase, und im Traum bewegte er sich in einem wunderbaren, blütenreichen Garten.

Was hier nun in mehr gelegentlichen Experi­menten als Beweis dafür erbracht werden konnte, daß während des Schlafes dem Gehirn zugeführte Sinnesreize Träume erzeugen, ist von dem ver­storbenen norwegischen Psychologen Mourley Bold in fein erdachten und mit peinlichster Sorgfalt durchgeführten Versuchen einer ganz systematischen experimentellen Erforschung unterworfen worden. Schon die Traumforscher früherer Zeiten waren auf den Zusammenhang aufmerksam geworden, der zwischen Schlaflage und Trauminhalt besteht. Man mußte schon, daß jede Lageänderung im Schlafe zugleich ein neues Traumbild schafft. Dieser Um­stand beruht darauf, daß wir auch während des Schlafes und zwar umso eindringlicher, je leichter der Schlaf ist Eindrücke von unserer Körperlage erhalten; jeder neue Eindruck bringt neue Vorstellungen und Gruppierungen van sol­chen hervor und ändert damit das Traumbild. Por allem sind es die von unseren Muskeln und Gelen­ken ausgehenden sogenannten kinästhetischen Emp­findungen, die uns im Wachzustande über die Logebeziehuttgen des Körpers und seiner Glied­maßen zueinander sowie zu seiner Umwett orien­tieren, und die Berührung«- und Druckempfindun­gen, welche uns über die Beschaffenheit unserer Umwelt unterrichten und auch während des Schla­fes auf unser Gehirn einwirken und damit wesent­lich den Inhalt unserer Träume beeinflussen.

Bold begann seine Experimente mit Unter» suchungen über den Einfluß von Reizungen der unteren Gliedmaßen auf die Gestaltung der Träume. Zu diese«» Zwecke veranlaßt« er 23 feiner Studenten unmittelbar vor dem Schlafengehen das linke Fußgelenk unter dem Knöchel mlit einem Band zu umbinben. An sich selbst machte er na­türlich immer die gleichen Experimente. Durch das Band empfanden ' die entsprechenden Haut- und Muskel-Partien eine dauernde nächtliche Reizung, hauptsächlich durch bie leichte Abwärtsbeugung des

Fußes. Mit der Fußreizung waren natürlich auch K leichte Beinbeugungen, besonders im Knie, verbun- t den.

Ein« schwierige Aufgabe der Versuchspersonen | bestand nun darin, nach dem Erwachen die Schlaf- I läge des Körpers genau beizubehatten, also sich g nicht zu rühren, um vor dem Aufstehen exakt fest- È stellen zu können, welche Gelenk-, Muskel- usw. g Reize während des Schlafs von den Beinen aus- | gingen. Um sich außerdem genau darüber vev- A sichern zu können, ob die Träume bzw. Teil« von | diesen auch wirklich von den in der Versuchsnacht H durch das Band ausgeübten Reizungen hervorge- rufen worden waren, hatte man Kontrollverfuch« | in der unmittelbar vorhergehenden Nacht ohne « Bandreizungen gemacht. Ein Vergleich zwischen ¥ den Träumen aus der Kontrollnacht (also ohne ' Bandreizung) und der Versuchsnacht ergab, daß | letztere rund 2% mal mehr auf Bewegungsemp­findung«» in den Füßen und Unterschenkeln be­ruhende Traumvorstellungen enthielten als sonst die Normalttäume. In der Versuchsnacht zeigte sich bei fast allen Versuchspersonen das Vorherrschen von Vorstellungen über aktive Fuhbewegungen der eigenen oder einer anderen Person, d. h. der Traum enthielt viel Bilder, in denen ein Sitzen, Stehen, Gehen, Laufen oder Kriechen vorkam, | sowie auch von passiven Bewegungen, so z. B. vom I Fahren und Reiten und von sonstigen mich Fuß- | bcwegungen verknüpften Tätigkeiten. Wir sind des- I halb wohl berechtigt, die durch die Umbindung der | Fußknöchel in der Versuchsnacht hervorgerufene j Reizung der unteren Gliedmaßen als die Ursache g dieser Zunahme an Bewegungsvorstellungen im Traum anzusehen.

Dieser Schluß wird durch die Beobachtung be- g [tätigt, daß bei jenen Versuchspersonen, deren ü Band sich während des Schlafs verschoben hatte, | um die Hälfte weniger Traumvoxstellungen, die sich auf Fußbewegungen bezogen, vorkamen. Daß P übrigens auch in den zum Vergleich hcrangezoge- ) nen Normalträumen der Kontrollnncht Traumbil. der auftraten, die auf Muskel- und Hautempfin- i düngen in den unteren Gliedmaßen zurückzuführen sind, wird uns sofort verständlich, wenn wir uns 8 erinnern, daß ja unsere Füße durch Lagerung bzw. f Umlagerung im Schlaf« immer bestimmte Beruh- J rungs- und Druckreize empfangen und in be- j stimmte Haut- und Muskelspannungen gelangen, j