Einzelbild herunterladen
 
  

Welle WMWHW

Dr. Gereke über sein S^ork-Prollramm

Der Reichskommissar für die Arbeitsbeschaffung Dr. gereke sprach im Rundfunk über das Arbeitsbeschaffungs- Lrogramm. Der Redner führte u. a. aus: Die Ausgaben ür die gesamte Arbeitslosenfürsorge sind auf mehr als z Milliarden RM im Jahr gestiegen. Sie haben die Haus­halte der öffentlichen Körperschaften auf das stärkste er­schüttert. Um den Zusammenbruch der öffentlichen Haus- Me zu verhindern, sind infolgedessen überall einschneidende Abstriche auf der Ausgabenseite vorgenommen. Von 1929 bis 1932 hat sich der Gesamtbetrag der öffentlichen Haus­halte von 20,8 Milliarden RM auf 14,8 Milliarden RM ver­ändert! Von dem Unterschied entfällt aber ein sehr erheb­licher Teil, und zwar mehr als die Hälfte, auf die Sach- ausgaben der öffentlichen Hand, und das bedeutet wiederum, daß auch die private Wirtschaft entsprechend weniger Auf­träge von der öffentlichen Hand bekam.

Reichspräsident von Hindenburg hat bereits bei der Be­rufung der Regierung von Papen dieser zur Pflicht gemacht, Maßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit durchzu- führen. Aus der Rundfunkrede des Reichskanzlers von Schleicher wissen Sie, daß er als Hauptpunkt seines Pro­gramms bezeichnet hat:Arbeit schaffen!" Das bedeutet, daß das im Sommer begonnene Werk der Wiederbelebung der Wirtschaft und Bekämpfung der Arbeitslosigkeit aus­gebaut und ergänzt werden muß. Ich bin mir der unge­heuren Verantwortung wohl bewußt, die ich auf mich ge­nommen habe. Der Reichskanzler hat in feiner Rundfunk­rede meinen Auftrag dahin erläutert, daß er das volkstüm­liche Bild vomSchäferhund" brauchte, der wachsam alle Arbeitsmöglichkeiten aufspüren und alle Beteiligten zur be­schleunigten Arbeit anhalten soll. Ich bin der Meinung, daß ich im Interesse der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit mich recht tummeln muß, um alle Schwierigkeiten zu über- minden.

Dringlichste Arbeiten

Es wird eine der vordringlichsten Aufgaben sein, daß die bisher geplanten und eingeleiteten Arbeiten beschleunigt durchgeführt werden. Das sind zunächst die Arbeiten mit einem Aufwand von 342 Millionen RM, die in der haupt- ache für Land- und Wasserstraßen, landwirtschaftliche Me- iorationen und für einige andere Zwecke, dienen. Neben- ier laufen die öffentlichen Notstandsarbeiten sowie die Son- erprogramme der Reichsbahn in Höhe von 280 Millionen lM und der Reichspost in Höhe von 60 Millionen RM. tußerdem wird der Freiwillige Arbeitsdienst, der Anfang lezember 285 000 Arbeitsdienftwillige beschäftigte, auch in len Wintermonaten im Rahmen des Möglichen weiterge- ührt werden.

Auf Grund eines Beschlusses der Reichsregierung sind erner zur Förderung des Eigenheimbaues in den Haushaltsjahren 1933/34 20 Millionen bereitgestellt morden, aus denen schon jetzt kleine Hypotheken zum Bau von Eigenheimen zugesagt werden können. Bei einem durch- chnittucyen Darlehen von 1500 RM werden etwa 13 000 Eigenheime gefördert. Durch den Zwang für den Bauherrn, die übrigen Kosten selbst zu tragen, wird ein Arbeitseffekt von rund 100 Millionen RM erzieln U.n für Handwerk und Baugewerbe auch in den Wintermonaten weitere Ar- mtsmöglichkeiten zu schaffen, werden die Maßnahmen zur Instandsetzung von Wohngebäuden, Teilung von Wohnun- jen, Umbau gewerblicher Räume zu Wohnungen weiterge- ordert. Da über die bisherigen Reichszuschüsse in Höhe von 50 Millionen RM in kurzer Zeit verfügt ist, habe ich sicher­gestellt, daß zunächst mindestens weitere 50 Millionen be­reitgestellt werden. Da der Hausbesitzer das Mehrfache des Sieichszuschusses aus eigenem beitragen muß, wird hier der tatsächliche Arbeitseffekt vervielfältigt. Nun aber der Kern des von mir seit längerem vorgeschlagenen öffentlichen Ar- beitsbeschaffungsprogramms.

Für vorstädtische Kleinsiedlungen und die Schaffung von Kleingärten sind in diesem Jahre 73 Millionen bereit- gestellk und damit über 26 000 Siedlerstellen und über 74 000 Kleingärten geschaffen worden. Weitere 10 Millionen ge­langen zur Verteilung. Ziel ist, übersetzte Industriezentren mszulockern und die bevölkerungspolitisch notwendige Um- ichichtung und Hinführung zum Lande zu fördern. Dabei denke ich an eine nebenberufliche Landsiedlung, die den Siebter befähigt, seinen Lebensunterhalt zum Teil aus einer Lohnarbeit, zum anderen Teil aus seiner eigenen Scholle zu gewinnen. Diesem Ziele, möglichst viel Dauer- ^lislenzen zu schaffen, muß auch die verstärkte bäuerliche Siedlung dienen.

Seffentliche Arbeitsbeschaffung

Es ist für mich ein» Selbstverständlichkeit, daß gerade >uch im Interesse der Siedler alles getan werden muß, M die Rentabilität un ?r schwer leidenden Landwirtschaft viederherzustellen. Ich werde deshalb nach Kräften alle Abnahmen unterstützen die zur Erleichterung der Lage »er Landwirtschaft führen, und ich glaube, dieser Aufgabe besten damit zu dienen, daß ich bemüht bin, möglichst ^le Erwerbslose wieder in dauernde Arbeit zu bringen, Mit die Kaufkraft der Massen zu heben; jene unerläßliche Mraussetzung für die Verbesserung des Absatzes der Er- iEugnisse von Landwirtschaft und Industrie.

Sie wissen, daß ich seit langem dafür eingetreten bin, M möglichst umfassende Arbeitsbeschaffung durch die öfsent- Hand zu erreichen.

... Gelingt es nicht, die öffentlichen Arbeiten wenigstens üilweise wieder durchzuführen, dann werden wesentliche -veige der Privatwirtschaft ohne Aufträge bleiben. Es be- Falso keinerlei Gegensatz zwischen einem öffentlichen Ar- PSbeschaffungsprogramm und den Interessen der Privat- >Mast. Gerade in Krisenzeiten wie den heutigen, ist es der öffentlichen Hand, der Privatwirtschaft auch durch ^beitsaustrage neben der notwendigen steuerlichen Entla­us lebe nur mögliche Unterstützung angedeihen zu lassen. lind) diesem Sofortprogramm erhalten Träger öffeni- Arbeiten zunächst bis 500 Millionen RM Darlehen. Die Nähest der Währung ist auch für mich selbstverständliche "raussehung für jede Arbeitsbeschaffung. Als Darlehens- sind die Gesellschaft für öffentliche Arbeiten und dre ^nlenbankkreditanstal» vorgesehen. Träger der Arbeit tön- zunächst nur Reich, Länder, Gemeinden, Gemeindever­

bände, sonstige Körperschaften des öffentlichen Rechts sowie ""mischtwirtschastliche Versorgungsbetriebe sein.

Günstige Tilgungsfristen

So sehr ich Wert darauf lege, daß die Arbeitsbeschaffung zentral überwacht wird, so sehr verfolge ich andererseits den Grundsatz gesunder Dezentralisation bei der Auswahl der Arbeitsprojekte. Alle öffentlichen Körperschaften sollen von sich aus die Initiative ergreifen und beschließen, welche Ar­beiten für sie vordringlich und unentbehrlich sind. Die Dar­lehen sind von den Darlehensnehmern in gleichen Raten zu tilgen. Bei einer Tilgungszeit von beispielsweise 20 Jahren beträgt die Rente jährlich 6 Prozent des Darlehens. Bei längerer oder kürzerer Tilgungszeit tritt eine entsprechende Verminderung oder Erhöhung der Rente ein. Die übrigen Kosten des Kapitaldienstes trägt das Reich. Außerdem wer­den zwei Freijahre vorgesehen. In Ausnahmefällen kann eine Verlängerung um ein Jahr zugestanden werden.

Sämtliche Arbeiten müssen volkswirtschaftlich wertvoll und notwendig sein. Sie müssen möglichst im Laufe des Jah­res 1933 beendet werden und vorwiegend der Instandsetzung und Verbesserung vorhandener Anlagen dienen. Es ist einer der Grundgedanken meines Programms, durch Ueberwa- chung der öffentlichen Arbeitsbeschaffung Fehlinvestitionen auszuschließen.

Voller Tariflohn 40-Stun-en-Woche

Die Vergebung der Arbeiten soll grundsätzlich an Un­ternehmer erfolgen, wobei die Vergebung der Arbeiten an Generalunternehmer möglichst auszuschalten ist. Die mittle­ren und kleineren Betriebe in Handwerk und Gewerbe sind ausreichend zu berücksichtigen. Schwarzarbeit muß unterbun­den werden. Im Rahmen des technisch Vertretbaren soll menschliche Arbeitskraft den Vorrang vor der Maschine ha­ben. Außerdeutsche Baustoffe dürfen nur verwendet werden, wenn geeignete inländische Baustoffe nicht beschafft werden können. Bei Neueinstellungen dürfen nur inländische Er­werbslose berücksichtigt werden, die durch die Arbeitsämter vermittelt werden. Vornehmlich sollen langfristig erwerbslose Familienernährer, vor allem kinderreiche, berücksichtigt wer­den. Die bei den Arbeiten beschäftigten Arbeitnehmer sind zu den geltenden Tarifsätzen zu entlohnen. Um möglichst vielen Deutschen Arbeit schaffen zu können, soll die Arbeits­zeit 40 Stunden wöchentlich nicht überschreiten.

Die Bedingungen für die einzelnen Kredite müssen so gestaltet werden, daß sie auch den in schwerster Bedrängnis befindlichen Kommunen die Möglichkeit geben, im Inter­esse der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit Kredite aufzuneh- men. Wenn von anderer Seite erklärt wird, erst müsse eine Sanierung der Haushalte erfolgen, müsse ein gerechter Finanz- und Lastenausgleich da sein, müsse die Umschuldung durchgeführt sein, dann glaube ich, daß wir in der heutigen Not der Arbeitslosen gar nicht warten können, bis all das durchgeführt ist. Ich weiß, daß auch noch andere Maß­nahmen ergriffen werden müssen, die aber in die heutige Betrachtung nicht hineingehören.

Ich habe die dringende Bitte an alle Deutschen, daß jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten mithilft, unser deutsches Schicksalsproblem zu lösen. Arbeit schaffen, .bedeutet auch, Vertrauen schaffen. Wir brauchen beides, Arbeit und Ver­trauen. ^ch werde, mögen die Hindernisse auch noch so groß sein, alles daran sehen, daß eine große Offensive gegen die Arbeitslosigkeit beginnen kann, damit uns alle nicht nur die Hoffnung, sondern der feste Glaube an die deutsche Zukunft ' erfüllt!

Brandstiftung durch Kurzschluß

Görlitz, 27. Dezember.

Der Brand des Reichshofes in Lefchwitz, bei dem be­kanntlich zwei Feuerwehrleute ihr Leben einbüßten, hat nunmehr seine Aufklärung gefunden. Der am 20. Dezember unter dem Verdacht der Brandstiftung verhaftete Bieraus- schenkcr Schneider, der bereits seit über 20 Jahren bei dem Inhaber des Etablissements, S ch ö n f e l d , in Dien­sten stand, hat im Amtsgerichtsgefängnis in Görlitz ein um­fassendes Geständnis abgelegt. Er gibt an, den Brand im August dieses Jahres im Auftrage seines Arbeitgebers Schönfeld angelegt zu haben. Der Plan zu der Brandstif­tung sei gemeinsam zwischen Schönfeld und Schneider be­reits dreiviertel Jahr vorher besprochen worden.

Schneider, der mit elektrischen Anlagen Bescheid weiß, hat im Einverständnis mit Schönfeld, der inzwischen eben­falls verhaftet worden ist, vor dem Brande einen Kurzschluß in der Bauernstube des Restaurants herbeigeführt. Schnei­der hat weiter angegeben, der Grund zu der Brandstiftung habe in den mißlichen wirtschaftlichen Verhältnissen Schön- felds gelegen.

Schneider hat übrigens auch gestanden, auch die Kolo­naden des Garlenetablissements, die vor einigen Jahren völlig niederbrannten, in Brand gesteckt zu haben.

Grubenunglück in Amerika

54 Bergleute eingeschlossen.

Neuyock, 27. Dezember.

Wie erst jetzt gemeldet wird, hak sich in einer Zeche des kleinen Aergwerkstädtchens Moweagua im Staate Illi­nois am heiligen Abend ein schweres Grubenunglück ereig- net. Die Anzahl der Opfer steht noch nicht fest. Durch eine Explosion wurden in einem 200 Meter unter Tage liegenden Stollen 54 Bergleute verschüttet. Man hofft, daß es ge­lingen wird, zu ihnen vorzudringen. Einige Tote konnten bereits geborgen werden.

Einen dreisten Raubüberfall auf einen Kölner Gastwirt verübte ein junger Bursche, der sich nicht scheute, den Gast­wirt vor der Tür seiner Wohnung mit vorgehaltener Pistole zur Herausgabe seines Geldes zu zwingen. Auf die Dro­hung, er werde schießen, falls er kein Gell erhalte, reichte ihm der Gastwirt einen 50-Mark-Schein aus der Brieftasche, die er dann wieder wegstecken wollte, als ihn der Angreifer aufforderte, auch die Brieftasche ihm zu geben Dieser von Drohungen begleiteten Aufforderung kam der Gastwirt nach, hatte jedoch zuvor heimlich das Geld in einer Rocktasche ver­steckt. Als der Räuber entdeckte, daß die Brieftasche kein Geld mehr enthielt, bedrohte er den llebei fallenen erneut mit der Pistole und raubte ihm die Geldscheine aus der Tasche. Mit etwa 1000 Mark konnte er im nahen Stadt- wald spurlos verschwinden.

' Weihnachlsboischast des Papstes

Friede, Brüderlichkeit und Nächstenliebe.

Papst Pius XL übermittelte von seinem Arbeitszimmer im Vatikan aus an die Christenheit eine Weihnachtsbot- schaft, die von fast allen europäischen Sendern übernommen und verbreitet wurde.

Einleitend gab der Papst seinem Schmerz und seinem tiefen Mitgefühl und Kummer über die schrecklichen Verfol­gungen Ausdruck, denen die katholische Kirche in Spa­nien, in Mexiko und Rußland ausgesetzt sei. Wei­ter kam er auf die großen Konflikte zu sprechen, die die ' Welt zerfleischen, aus den Krieg und Bürgerkrieg, die so viel Unheil noch immer stiften, und unterstrich besonders die | schlimmen Auswirkungen der Weltkrise, die leider als tue größte Krise der Weltgeschichte weiterbestehe, und die ins« ! besondere die Armen und die Arbeiter so schwer bedrücke. ; Papst Pius erbat vom Himmel die Erleuchtung für die Regierungen, auf daß

soziale Gerechtigkeit und christliche Nächstenliebe

die Lenker der Welt und die Völker führen mögen. Im weiteren Verlaufe seiner Rede gab er der Freude Aus­druck, die feinem Vaterherzen die Kunde von dem zwischen den beiden in Südamerika sich bekämpfenden Völkern abgeschlossenen Waffenstillstand bereitet habe. Allen Bi­schöfen, allen Brüdern, allen Religiösen, den Mönchen und Nonnen, den Gläubigen und der gesamten Christenheit ent­bot der Papst feine Glückwünsche und erflehte für jeden Gnade und Trost vom Himmel. Allen Völkern entbot er seine Glückwünsche und erflehte für sie Frieden, Ruhe, gegenseitiges Vertrauen und genügend und entsprechend entlohnte Arbeit.

Heiliges Jahr 1933.

Für das Jahr 1933, das Jahr, mit dem seit dem Tode Christi neunzehn Jahrhunderte verflossen sind, hat der Papst ein Heiliges Jahr angeordnet, das mit dem 2. April 1933 beginnt und bis zum 2. April 1934 dauert, also vom Palmsonntag des Jahres 1933 bis zum 2. Öfter* feiertag des Jahres 1934, damit, wie der Papst ausführte, die gesamte katholische Welt die Wohltaten eines Heiligen Jahres, eines Jahres des Gebets und der Sühne genießen könne mit allen Vorteilen, die für das Seelenheil damit ver­bunden sind, und die der Heilige Vater noch in weiteren Erlassen und Bullen im Laufe der nächsten Wochen der Christenheit kundmachen werde.

i Zum Schluß feiner Weihnachtsbotschast erflehte der Heilige Vater den Segen des Himmels und den Segen Gottes für die Geistlichkeit und für die ganze Christenheit nicht nur, sondern auch für die gesamte Weit mit dem Wunsche nach Frieden, nach Brüderlichkeit, nach wahrer Nächstenliebe unter allen Völkern, damit man wenig­stens für ein Jahr nicht mehr von Schäden und Repa­rationen, von Schulden und Insolvenzen, von Vertrauen und Mißtrauen, von Konflikten und Gegensätzen sprechen hörte, sondern von Brüderlichkeit, von der Erhebung der Geister, die im neuen Heiligen Jahre, das am 2. April 1933 anhebe, die Menschheit in eine andere Atmosphäre, in die . Atmosphäre der Geister, in die Atmosphäre der Seele hin- ' auffracen möge.

Mehr Gemeinschaftsgeist

Rundsunkappell des Bischofs Dr. Schreiber und des Gene- ralsuperintendenken Karow.

Berlin, 25. Dezember.

Am Heiligen Abend sprachen Generalsuperintendent D. Karow und Bischof Dr. Schreiber vor dem Mikrophon der Deutschen Welle.

Der Generalsuperintendent von Berlin erinnerte an die Zeit der Heilsbotschaft, in der aus der Armut der Krippe heraus das Evangelium der helfenden Liebe in einer zer­rissenen Welt Wirklichkeit wurde. Diese Wirklichkeit müsse auch in der jetzigen Not des deutschen Menschen wieder ge­schaffen werden. Gott wolle von uns, daß wir die Brüder lieben, nicht nur mit Gefühlen sondern mit dem Willen und der Tat. Dazu bietet die Winterhilfe angesichts der tausendfachen Not reiche Gelegenheit.

Der Bischof von Berlin sagte, wer gewohnt sei, den geschichtlichen Ereignissen, namentlich auch Schicksalsschlägen, von denen ein Volk betroffen werde einen Sinn abzuge- winnen, der werde unschwer erkennen, daß der Sinn unserer Notzeit der sei, den G e m e i n s ch a f t s g e i st zur Gel­tung zu bringen, aus der Volksverbundenheit her­aus für einander einzustehen. Es fei der Grundsatz des Christentums die Liebe selbst unter Opfern und Verzicht- leistungen zu bestätigen. Viel mehr als bisher müsse die Notzeit, die wir durchlebten, eine große Zeit der Menschen­liebe werden, eine Zeit, in der Menschlichkeit und Gemein­schaftsgeist Brücken schlügen über alle Unterschiede der Par­teien, der Weltanschauungen, der Rassen und der Bekennt- viste hinweg.

Holland wünscht Verhandlungen

Ablauf des deutsch-holländischen handelsoerlrages am 31. Dezember.

Haag, 27. Dezember.

Wie halbamtlich verlautet, hat die niederländische Re­gierung der deutschen Regierung den Vorschlag unterbreitet, möglichst umgehend in Verhandlungen über den Abschluß eines neuen Vertrages einzutreten, der an die Stelle der am 31. Dezember dieses Jahres ablaufenden Zollbestimmungen des deutsch-niederländischen Zoll- und Kreditvertrages von 1925 treten soll.

Die deutsche Regierung hat hieraus eine z u st i m - m e n d e Antwort erteilt und mitgeteilt, daß solche Ver­handlungen bereits am 1. Januar beginnen könnten. Eine gleichzeitig von der niederländischen Regierung ausgegan- gene Anregung, während der Dauer der Verhandlungen die bisher bestehenden Zollvereinbarungen provisorisch fort* dauern zu lassen, ist jedoch von der deutschen Regierung mit der Begründung abgelehnt worden, daß hiergegen aus deutscher Seite starke Bedenken beständen. Infolgedessen werden am 1. Januar für eine größere Anzahl holländischer Produkte in Deutschland höhere Einfuhrzölle in Kraft treten.

t