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Nr. 151

Gchlüchterner Zeitung

2. Blatt.

Amtliche Bekanntmachung

Kreisausschutz.

Bekanntmachung

I.-Nr. I 26245 $. In letzter Zeit werden beim Kreise Wohlfahrtsamt durch Unterstützungsempfänger in zuneh­mendem Umfange schriftlich und mündlich Anträge auf Ge­währung von Sonderleistungen — neben den regulären Unterstützungen — ein gebracht. So erfreulich es wäre, wenn im Interesse einer beschleunigten Erledigung dringlicher Ersuche diese auf kürzestem Wege der Fürsorgebehörde un­mittelbar vorgelegt werden könnten, sehe i^ mich doch ver­anlaßt, darauf hinzuweisen, daß zusätzliche Leistungen künf­tig grundsätzlich durch Vermittlung des zuständigen Bürger« Meisters zu beantragen sind. Die Grtsbehörde wird die Anträge nach Beibringung aller für eine zutreffende Urteils­bildung notwendigen Unterlagen mit ihrer gutachtlichen Aeusserung zur beschleunigten Entscheidung an das Kreis« Wohlfahrtsamt weiterreichen. Die Anhörung der Gemeinden in jedem Einzelfalle ist geboten, weil sie nach gesetzlicher Vorschrift mit 30 v. H. an dem jeweiligen Unterstützungs- aufwand beteiligt sind. Ich bemerke aber, daß auch bei Anträgen auf Unterstützung aus dem Winterhilssfonds das gleiche Verfahren einzuhalten ist. •

Es wird ferner darauf hingewiesen, daß sich der Bezirks- fürsorgeverband bei der außerordentlich scharfen Vermin­derung der Einnahmen des Kreises und der Gemeinden und dem dadurch! bedingten Rückgang seiner Leistungsfähigkeit genötigt sieht, Sonderleistungen an Unterstützungsempfänger in Zukunft auf ein Mindestmaß zu beschränken. Die widri­gen Verhältnisse, die sich in weitesten Kreisen der Bevöl­kerung immer mehr auswirken, zwingen mich, alle Betei­ligten zu ersuchen, erhöhte Forderungen soweit wie irgend möglich zurückzustellen, um die Durchführung der richt- satzmäßigen Unterstützungen, die wenigstens den dringend­sten Lebensbedarf der Unterstützten sichern sollen, nicht zu gefährden. 3di. gebe zugleich der Hoffnung Ausdruck, daß die derzeitige Krise mit ihren auf die Dauer unerträglichen Folgen insbesondere für die Arbeitslosen durch den sich langsam anbahnenden Umschwung der Konjunktur und durch die bereits in 'Angriff genommenen und noch geplan­ten Maßnahmen zur Wirtschaftsbelebung alsbald eine Wen­dung zum Besseren nehmen wird.

Die Herren Bürgermeister werden ersucht, vorstehendes zu beachten und durch Aushang bekanntzumachen.

Schlüchtern, den 10. Dezember 1932.

Kreiswohlfahrtsamt. Dr. Müller.

Arbeitsbeschaffung—Hochwasserbeseitigung

durch Freiwilligen Arbeitsdienst. —§

Wie in anderen Gemeinden und Städten, so auch in Schlüchtern, wurde durch den Freiwilligen Arbeitsdienst eine Waldweginstandsetzung ausgeführt, die leider durch Nichtgenehmigung der vollen eingereichten Tageswerke früh­zeitig abgebrochen werden muffte. Ob und in wieweit mit der Fertigstellung dieses halbfertigen Projekts und der noch! in Aussicht genommenen neuen Arbeiten gerechnet werden kann, hängt von den flüssigen Geldmitteln ab. Die hierzu nötigen Gelder werden durch, die sog. Erwerbslosen- Hilfe aufgebracht, die von den Lohn- und Gehaltsempfängern allein getragen werden.

Die Bewilligung der Arbeiten durch das Landesarbeits- amt hängen davon ab, daß in erster Linie es zusätzliche Arbeiten sein sollen, also Arbeiten, die nicht als Pflicht- ausführungsarbeit der Kommunen zu betrachten sind. Nach den Gesetzesbestimmungen sollen zusätzliche Projekte mit vielen Arbeitsstundenlöhnen und geringen Materialkosten usw. in erster Linie genehmigt werden. Ein solches Pwj ckt ' wäre die Regulierung des Kinjiglaufes unterhalb des Weh- res bei der städtischen Dreschhalle, um so die noch immer bestehende Hochwassergefahr für den unteren Stobt« I teil Schlüchterns restlos zu beseitigen. Hier handelt es sich nicht um einzelne Häuser, sondern ganze Straßen bis in die , 5chloßgasfe hinein kommen zu Schaden. Durch bis Rück- : stauen des Kanals werden die Keller gefüllt. Und diese üückstauungen sind Folgeerscheinungen des zu schwachen i Wasserablaufes der Kinzig. Bei Hochwassergefahr tritt mei« ßenr der Mühlgraben über, überschwemmt das Ztraßenvier- j tel und trotz neu eingebauter Kanalschächte ist aber auch I nicht die geringste Abhilfe geschaffen, wie man sie erhoffte. I Ueber den schlechten Zustand des Kanals sei für diesmal | weiter nichts gesagt. Außerordentlich leiden die Bewohner I alten Bahnhofstraße, die des öfteren schon bei jedem I starken Gewitterregen gefüllte Kellerräume mit Wasser über I 1 Meter hoch haben. Daß diese Nmspülungen der Funda- I wente und Kellermauern auf die Dauer großen Schaden I Anrichten, dürfte wohl jedem Fachmann, selbst dem Laien, I nichts Neues sein. Und hier eine durchgreifende Abhilfe I „Diele", nicht für Einzelne, zu schaffen, sei am Platze.

I vor Jahren wurde im Kreistage des Kreises SchNch- I wrn von einem Vertreter ein derartiger Vorschlag einge« I tracht, der leider anscheinend durch die schlechten Geldver- I hästnisse nicht weiter verfolgt wurde. Heute nun, wo man I < diese Projekte durch den Freiwilligen Arbeitsdienst I leichter finanzieren kann, sollte es wirklich vornehmste I Aufgabe der zuständigen' Behörden, Stadt- und Kreisver- I Haftung, Wasserblaubehörde (Kullurbauamt) und Kloster« I ^fwaltung sein, mit dazu beitragen, daß diese Hochwasser- I ?Wr für immer behoben würde. Schon des öfteren ist an I Stelle berichtet worden, daß unbedingt Abhilfe am I sei. (Es bleibt nun zu hoffen, daß durch! tatkräftiges I 'Msammenarbeiten der hierfür in Frage kommenden Stellen I klingen muß, ein solches Projekt im kommenden Früh- Izu verwirklichen. Hierfür spricht vor allem. dgß nur I mit einem Grundstückseigentümer (Klosterverwaltung) zu

Rufruf

Winterhilfe des Kreises Gchlüchtern

Mitbürgerinnen und Mitbürger!

Die schwere Not der Zeit zwingt uns, wie in den beiden letzten Jahren, so auch heute wieder die Bevölkerung des Kreises Schlüchtern zu einem Hilfswerk aufzurufen, dessen Ertrag den Erwerbslosen, Kranken und Arbeitsunfähigen dazu verhelfen soll, die Nöte des kommenden Winters zu überstehen. Die ständig wachsende Verelendung weiter Be= völkerungsschichten hat sich im Laufe des letzten Jahres in besonders verhängnisvoller Weise auf die Kassenlage der Gemeinden und des Kreises ausgewirkt,

sodaß schon heute die für den dringendsten Lebensbedarf der Hilfsbedürftigen unbedingt notwendigen Unterstützungen vielfach nicht mehr oder doch nur mit großer Verzögerung geleistet werden können.

Wenn die Entwicklung sich in dieser Richtung fortsetzt, besteht die große Gefahr, daß die öffentliche Fürsorge teilweise oder sogar gänzlich zusammenbricht. Die private Wohlfahrtsvflege stellt also in dieser Lage nicht mehr nur, wie in früheren Jahren, eine wertvolle Ergänzung der öffentlichen Fürsorge­leistungen dar, sondern sie wird unter Umständen deren Auf­gaben in weitem Umfange übernehmen müssen. Unter die­sen Verhältnissen ist es nicht nur für die Hilfsbedürftigen selbst, sondern

für jedes einzelne Glied des Volkes lebens­wichtig, daß für die Winterhilfe die erforder­lichen großen Mittel bereitgestellt werden, damit sie diese Aufgabe erfüllen kann; denn jeder muß wissen, daß die größten Gefahren für die Allgemeinheit und damit auch für jeden einzelnen heraufbeschworen werden, wenn infolge Versagens der öffentlichen und privaten Fürsorgeeinrichtungen weite Kreise der Bevölkerung dem Hunger und der Kälte preisgegeben werden. Dahin darf es bei uns nicht kommen! .

— , ,. , .. ' ‘ r______ fter ober die örtlichen Wohlsahrtsausschuße werden im ge­

nehmen mit der Kreisleitung über die Abholung und Ver­wendung dieser Spenden bestimmen. Sie erteilen auch jede

Weltwirtschaftskrise und auf die Auswirkung der Regie« rungsmaßnahmen zur Ueberwindung der Arbeitslosigkeit

dazu verleiten, einem leichtsinnigen Optimismus Raum zu geben! So sehr wir Selbstvertrauen und entschlossenen hoff­nungsvollen willen zur Trkämpfung einer besseren Zukunft brauchen, so wenig dürfen wir uns darüber täuschen,

daß eine Besserung nur in langwieriger und mühsamer Aufbauarbeit zu erreichen ist und daß daher der bevorstehende Winter uns un­bedingt vor die schwersten Aufgaben stellen wird. Diese werden sich nur bei höchster Opferwilligkeit und verantwortungsbewußtem Füreinandereinstehen aller bewältigen lassen. Hier müssen alle Unterschiede des Standes, der Weltanschauung und der parteipolitischen Stellung zurücktreten hinter der sittlichen Pflicht zur Nächstenhilfe ohne Ansehung der Person!

Gewiß ist heute manche Einschränkung nötig, auch in den Kreisen derer, die in früheren Jahren aus einem gewissen Ueberfluß noch ohne wesentliches persönliches Dpfer spenden konnten. Wenn jetzt in höchster Not ein wirkliches Dpfer ge­fordert werden muß, so nehmt nicht zur Ausrebe, daß Eure Geschäfte schlecht und Eure Einkünfte verringert sind!

Denkt vielmehr an die Tausende, die um das tägliche Brot für sich und ihre Kinder bangen, die einen warmen Rock und Brennholz für die rauhen Winterwochen brauchen und diese nötigsten Dinge entbehren müssen, wenn Ihr nicht Eure Menschenpflicht tut! Bekennt Euch als Christen nicht nur mit leeren Worten,

verhandeln ist, und daß die Stobt Schlüchtern genug Wal­dungen besitzt, um auf billige Art und Weise vielleicht das Faschineni'elsig zur Verfügung stellt. Mit diesen Zellen hofft der Verfasser einige Winke gegeben zu haben, die dem Nichtgelingen des Projektes die Spitze abbiegen. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Die Vereinigten Staaten und China haben einen proviso­rischen Vertrag unterzeichnet, demzufolge China eine Anleihe von 15 Millionen amerikanischer Dollar erhalten soll. China gewährt ate „Sicherheit" den Bau bedeutender Flugstationen durch Ainc- rite an der Ostküste der S)ainan»3nfel, in Heitschau und an der Heiho-Mündung. Amerika soll innerhalb von zwei Jahren über 500 Flugzeuge nach China bringen.

sondern beweist die allein christliche Gesinnung der Nächstenliebe durch die helfende Tat! Bekennt Euch zum Vaterland nicht nur mit schönen nationalen Reden, sondern durch selbstlosen opferbereiten Dienst an Euren not­leidenden Volksgenossen, mit denen Ihr durch die deutsche Volksgemeinschaft unlöslich ver­bunden seid!

Nur wenn die Gpferbereltschaft noch großer sein wird als die Not, kann Die Not über­wunden werben!

Wenn jeder, der noch in fester Arbeit steht, einen Tagesarbeltsverbienst in jedem Mo­nat für Die Aermsten Der Armen opfert, kann Die härteste Not abgewendet werden.

Darum gebe jeder nach seinem besten Können; auch die kleinste Gabe, auch der geringste Dienst ist heute unentbehrlich.

Es sollen in diesem Winterhalbjahr drei Sammlungen durchgeführt werden. Die erste Sammlung ist bereits er­folgt, die nächste soll in der Woche vor Weihnachten und die letzte anfangs Februar durchgeführt werden. Beauftragte des Magistrats und des Gemeindevorstandes werden mit Listen in den Wohnungen vorsprechen und _ Spenden ent­gegennehmen. Die Kreisbewohner, die nach ihren Verhält­nissen irgend noch in der Lage sind zu helfen, werden drin­gend gebeten, gerade jetzt in der Weihnachtszeit ihrer not­leidenden Mitbürger in Liebe und Gebefteudigkeit zu ge­denken und die in den Häusern vorsprechenden Sammler nicht abzuweisen.

Die erste Sammlung in den Landgemeinden soll vor allem auch dazu dienen, den nötigen Wintervorrat an Kartoffeln für die Hilfsbe­dürftigen sicherzustellen.

Gottlob ist die Ernte dieses Jafyts so reichlich ausgefallen,

sonstige Auskunft, die über die Wintersammlung gewünscht wird. 1 ■ ( i | Ljl

Nun helft uns helfen!

Gebt für die Winterhilfe des Kreises Gchlüchtern I

Dr. Müller, Lanbrat des Kreises Gchlücktern.

Alt, Stadtoberinspektor, Schlüchtern, Vorsitzender des Le- amtenortskartells Schlüchtern: Deuker und Fischer, Schlüch­tern. für die Arbeiterwohlfahrt: Frau Amtsgerichtsrat Faust, Schlüchtern, für den vaterländischen Frauenverein vom Ro­ten Kreuz: Friedrich. Schuhmachermeister, Schlüchtern, Vor- sitzender des Handwerkervereins: Gaenßlen, Bürgermeister, Schlüchtern, für den Männerverein vom Roten Kreuz: Frau Gähiinger, Schlüchtern, für den Hausfrauenverein Schlüch­tern: Hix, Lehrer, Schlüchtern, für die Arbeitsgemeinschaft der Lehrer pp.; Kind, Pfarrer, Romsthal, für den Karitas« verband: Möller, Bürgermeister in Elm, als Vertreter der Landgemeinden des Kreises; Frau Landwirtschaftsrat Mül­ler, Schlüchtern, für den Kreisverband der ländlichen Haus- frauenoereine; Otto, Marjoß, Unteroerbandsdir. d. ländl. Genossenschaften: Richter, Dechant, Herolz: Rollmann, Kreis« Pfarrer, Schlüchtern: Roth, Gutsbesitzer, Ahlersbach, Vor­sitzender des landwirtschaftlichen Kreisvereins; Roth, Schlüch­tern, und Sauer, Glm, Vertreter der Organisationen für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene: Simon, Schloß fermeifter, Schlüchtern, Vorsitzender des Innungsausschusses; Frau Stern, Schlüchtern, für die jüdische Wohlfahrtspffege; Weber, Bürgermeister, Marborn, Vorsitzender der Kurhessi- schen Bauernvereins: Wolf, Max, Fabrikant, Schlüchtern: Wolpert, Pfarrer, Salmünfter, für die innere Mission.

— Polizeistunde am heiligen Abend. Don Arbeitneh­merseite ist die Festsetzung der Polizeistunde für den heili­gen Abend auf 19 Uhr angeregt worden. Wie einem Rund­erlaß des preußischen Innenministeriums an die Polizei­behörden zu entnehmen ist, kann eine derartige Regelung aus grundsätzlichen Erwägungen nicht in Frage kommen. Die Polizeibehörden werden jedoch angewiesen, im Interesse der verheirateten Arbeitnehmer durch Verhandlungen mit den örtlichen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen dahin zu wirken, daß die verheirateten Arbeitnehmer im Gastwirtsgewerbe am Heiligen Abend nach Möglichkeit von 19 Uhr ab von ihrer Arbeit freigestellt werden. Sollte da­neben eine Polizeistundenvorverlegung in geringem Umfang für erforderlich gehalten werden, so bestehen dagegen keine »dienten. _.