DchlWemer Rettung
Krrts-Kmtsbtatt * Myemeiner amtlich er KllKeLyev firr den Kreis Schlüchtero
Nr. 151 V. Blatt)
Samstag, den 17. Dezember 1932
84. Iabra.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landralsamk.
Der Herr Kreismedizinalrat wird am Dienstag, dem 20. Dez. von löUhrab im hiesigen Kreisläufe (Kreis- tagrsaal) Sprechstunde halten.
Schlächtern, den 16. Dezember 1932.
Der Landrat. 3. D_: Duwe.
Krelsavsschuß.
Uerbillkgunst des Kebensdedarfs für Arbeitslose «nd andere Hilfsbedürftige.
3.=Hr. I 26537 F. Die im vorigen Jahre eingeleitete Maßnahme zur Verbilligung des Lebensbedarfs für Kr. beitslose und andere hilfsbedürftige haben sich im allgemeinen gut bewährt. Fast überall sind durch Verhandlungen mit ben örtlichen Organisationen der Wirtschaft für die hauptsächlichsten Bedarfsgegenstände fühlbare Preisnachlässe erzielt worden, die auf den verschiedensten Wegen für die Versorgung der hilfsbedürftigen nutzbar gemacht worden sind. Es ist dringend notwendig, in diesem Winter nicht hinter den Hilfsmaßnahmen des vergangenen Jahres zu- rüchzubleiben. Es muß alles versucht werden, um auch wieder zu einer Vereinigung des Lebensbedarfs für Notleidende mindestens in dem Umfange des Vorjahres zu kommen.
Zu diesem Siele hat die Reichsregierung wieder mit den Spitzenverbänden für Industrie und Handel, mit den Spitzenverbänden der Konsumoerbänds und mit der Deutschen Liga der freien Wohlfahrtspflege über die Wiederaufnahme der vorjährigen Winterhilfsmaßnahmen verhandelt. Dabei ist erfreulicherweise festgestellt worden, daß auch die Wirtschaft im allgemeinen mit der Durchführung der Maßnahmen gute Erfahrungen gemacht hat und daß Klagen nur in geringem Umfange laut geworden sind. 3n= fvlgedtzsjen chaben der Reichsverband der Deutschen In" sirie, die Vereinigung der Deutschen Urbeitgeberverbände der Deutsche Industrie- und Handelstag, der Reichsverband des Deutschen Groß- und Ueberseehandels und die Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels wieder ihre Bereitwilligkeit erklärt und zugesagt, ihren Mitgliedern und Untergruppen nachdrücklichst zu empfehlen, sich wie im Vorjahre der Winterhilfe zur Verfügung zu stellen.
Um die Nöte des kommenden Winters zu überstehen, bitte ich die für Lieferung von Lebens- und Bedarfsmitteln an Arbeitslose und andere hilfsbedürftige in Betracht kommenden Stellen, allen hilfsbedürftigen Personen, die sich durch Vorlage eines behördlichen Ausweises (Stempelkarte ober Unterstützungsbescheid) als Arbeitslose ober Unterstützungsempfänger ausweisen, einen fühlbaren Preisnachlaß, der sich im vergängenen Jahre zwischen 7—15 Prozent bewegte, zuteil werden zu lassen.
Die Herren Bürgermeister werden ersucht, durch Verhandlung mit Geschäftsleuten am Orte den Weg für eine verbilligung des Lebensbedarfs für die Notleidenden anzu- bahnen und über das Ergebnis ihrer Bemühungen alsbald Mitteilung zu machen. Eine beschleunigte Durchfüh- rung der Verbilligungsmaß,nahmen ist geboten, um die mit der Krisis verbundenen schweren Gefahren für den Einzelnen und die Volksgesamtheit abzuwenden. Ich gebe der bestimmten Erwartung Ausbruck,, daß bei dem Ernst der Lage alles und jedes geschieht, um die Not des Winters zu Überdrücken.
Schlächtern, den 12. Dezember 1932.
Kreiswohlfahrtsamt. Dr. Müller.
Stadt Schlüchtern.
Bekanntmachung.
Er besteht Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß nach § 15 a der Reichsgewerbeordnung in der Fassung der Bekanntmachung vom 26. Juli 1900 (RGBl. S. 871) Ge- ^betreibende, die einen offenen Laden haben ober Gast-
Schankwirtschaft betreiben, verpflichtet sind, ihren Familiennamen mit mindestens einem ausgeschriebenen Dor« Jörnen an die Außenseite oder am Eingang des Ladens oder Wirtschaft in deutlich lesbarer Schrift anzubringen. hier- genügt es, wenn der Name so angebracht ist, baß; er bei ^osfneter Verkaufsstelle gelesen werden kann.
Kaufleute, die eine Handelsfirma führen, haben zugleich Anna in der bezeichneten Weise an den Laden ober der Wirtschaft anzubringen,' ist aus der Firma der Familien» der Geschäftsinhabers mit dem ausgeschriebenen Dor« Manien zu ersehen, so genügt die Anbringung der Firma.
Eewerbetreibendc, die dieser Vorschrift zuwiderhandeln, «onnen nach § 148 Abf. 1 Siff. 14 der Rcichsgcwerbeord- ^ng mit Geldstrafe bis zu 150 RM. und im Unvermö- ^falle mit Haft bis zu 4 Wochen bestraft werden.
Schlüchtern, den 14. Dezember 1932.
Der Bürgermeister als Orts Polizeibehörde: Gaenßlen.
82 Millionen Ausfuhrüberschuß
Der deutsche Außenhandel im November 1932.
Berlin, 16. Dezember.
3m November hat die Einfuhr — 393 Millionen RM - gegenüber dem Vormonat um 5 Millionen RM abgenom- men. Die Rohstoffeinfuhr ist um 8 Millionen RM gestiegen, dagegen wird die Lebensmitteleinfuhr um 12 Millionen RM niedriger ausgewiesen. Auch die Ausfuhr — 475 Millionen RM — verzeichnet gegenüber dem Vormonat eine leichte Abnahme, und zwar um annähernd 7 Millionen RM. An dem Ausfuhrrückgang find jedoch die Fertigwaren nicht beteiligt, deren Absatz sich auf Vormonatshöhe gehalten hat, vielmehr beruht die Abnahme auf der Minderausfuhr von Rohstoffen und halbfertigen Waren um 5 Millionen RM und von Lebensmitteln um 1,5 Millionen RM.
Die Handelsbilanz schließt im November mit einem Ausfuhrüberschuß von 82 (Oktober 84) Millionen RM ab. Für die elf rückliegenden Monate dieses Jahres ergibt sich ein Ausfuhrüberschuß von 1012 Millionen RM gegenüber 2624 Millionen RM im Vorjahr.
Llmorgamsaiwn der FGOAP
- Neue Anordnungen Hitlers.
München, 16. Dezember.
Die nationalsozialistische Korrespondenz veröffentlicht Anordnungen Adolf Hitlers über den Neuaufbau der politischen Organisation der NSDAP. Die innerpolitische Abteilung, bisher in der Hauptabteilung 3 der politischen Organisation wird aus dieser gelöst und der Rechtsabteilung der Reichsleitung zugewiesen. Der agrarpolitische Apparat der NSDAP. sowie die ihm angeschlossenen Abteilungen der Reichsleitung der NSDAP. werden aus der Reichsorga- nisationsleitung herausgenommen und Adolf Hitler un= mittelbar unterstellt. Mit der Leitung beauftragt dieser den Parteigenossen R. Walter Darre. Ueber die Einzelheiten der Neuorganisation erfolgen noch besondere Anordnungen. Die Reicksmspektionen ! lbb JL werden in ihrer derzeitigen. Form aufgelöst Statt ihrer werden die Landesinfpekieure und Gauleiter mit den Posten von Kommissaren größerer Gebiete betraut. Kommissar Gauleiter Jakob Sprenger übernimmt an Stelle des wegen Krankheit zurückgetretenen Gauleiters Lenz den Gau Hessen in vorübergehende kommissarische Verwaltung. Walter Darre und Dr. R. Ley werden zu Amtsleitern der NSDAP. ernannt.
Zottbeschlüsse der Regierung
Berlin, 16. Dezember.
Das Reichskabinetk hat in seiner letzten Sitzung noch beschlossen, die mit dem 31. 12. ablaufenden Zölle für Zucker, lebende Schweine und Fleisch aus unbestimmte Zeit zu verlängern. Außerdem stimmte das Kabinett einer Erhöhung der Zollsätze für Korbweiden, und zwar für ungeschälte von 1,25 auf 1,60 und für geschälte von 6 aus 8 RM je Doppelzentner zu.
Revolution in Honduras
Neuyork, 16. Dezember.
flach Meldungen aus Honduras bemächtigten sich Aufständische des Hafens von Amapala, wo General Reina sich zum Präsidenten erklärt hak. Die Revolutionäre versuchten zur Geldbeschaffung zwangsweise Zollerhebungen. Die Regierung von Honduras ist der Revolution gegenüber machtlos; sie hat den Hafen von Amapala geschlossen. Die fremden Gesandtschaften haben Maßnahmen zum Schutze ihrer Staatsangehörigen ergriffen.
Geringe Aussichten für die Querverbindung Grenzmark- Pommern.
Der Verkehrsausschuß des Preußischen Landtages beschäftigte sich mit einer Eingabe des Handwerker- und Gewerbevereins wegen der Schaffung einer Bahnlinie Schlappe—Tütz—Mark. Friedland — Falkenburg — Bad Polzin—Belgard In der Aussprache Tam zum Ausdruck, daß der Preußische Landtag in dieser Angelegenheit wenig Einwirkungsmöglichkeit besitze, da die Reichsbahn- Gesellschaft ihre Entscheidung unabhängig von preußischen Behörden treffen könne. Andererseits wurde die Notwendigkeit des Ausbaues des Verkehrsnetzes in den östlichen Grenzgebieten, insbesondere auch die Notwendigkeit der Schaffung der in der Eingabe verlangten Querverbindung Grenzmark—Pommern durchweg anerkannt.
Bekanntmachung.
Der Derkauf der Weihnachtsbäume findet am Dienstag, den 20. ds. Mts., nachmittags 2 Uhr im Hofe des Unwesens Fuldaerstraße Nr. 47 statt.
Schlichtern, den 16. Dezember 1932.
Der Magistrat: Gaenßlen.
Die Feueralarmanlage auf dem Rathaus wird Samstag, den 17. ds. Hits, mittags 12 Uhr zu probezwecken in Betrieb gesetzt.
Schlichtern, den 16. Dezember 1952.
Der Magistrat: Gaenßlen.
Das Echo der Kan;lerrebe.
TNB. Berlin, 16. 12. In den Kommentaren der Mor- genblätter zu der Rundfunkrede des Reichskanzlers wird fast übereinstimmend heroorgehoben, daß der Eindruck dieser Rede (im heutigen 3. Blatt enthalten) in erster Linie nicht den General, sondern den Politiker erkennen ließ. Eine ganze Unzahl Blätter, die der früheren Reichsregie- rang Papen in scharfer Opposition gegenüberftanben, spricht von einem Gegensatz in der Tonart gegenüber Papen.
So schreibt die Germania unter der Ueberschrift: „Ein anderer Ton": Dort die Vorliebe für die schneidige, forsch« Tonart, hier ein Mann von beinahe leidenschaftsloser Kühle, fast gänzlicher verzicht auf rhetorischen Glanz, eine Dik- tion, die mehr an einen Kaufmann als einen General erinnert. Ein überlegender Stratege, der anscheinend sehr bewußt alle psychologischen und politischen Faktoren in sein Programm einschaltet. Diese Rede scheint in all ihren teilen zu bestätigen, daß dieser Kanzler die Klugheit als seines Amtes besseren und wichtigeren Teil von vornherein erkannt hat. Wir glauben durchaus, so sagt das Blatt, daß die gestrige Kanzlerrede die Entspannung und Beruhigung unserer Politik, die schon der Kanzlerwechsel einleitete, weiter fördern wird.
Das Berliner Tageblatt führt aus, sein offenes Bekenntnis, daß die autoritäre Staatsführung der Zusammenarbeit mit dem Parlament bedürfe, daß er es ablehne, sich in einen Konflikt hineintreiben zu lassen, lasse vermuten, daß er Wert darauf legt, einen anderen Kurs zu steuern als Herr o. Papen.
Die DUZ. meint, daß als Summe der einzelnen Ankün- bigungen über die beabsichtigten Maßregeln weite Kreise der Bevölkerung einen neuen Hoffnungsschimmer auf Beruhigung unter einer gerechten Staatsführung entnommen haben dürften.
Der Börfenkurier betont.dai^ die erst geweckte, dann ' * lbycheKampfe wieder geschreckte Unternehmungs- Mt in Deutschland wieder gefestigt werde durch die Der« fieberung, daß keinerlei Wirtschaftsexperimente zu befürchten seien und daß der Kern des Papenschen wirtschaftspro- gramms aufrechterhalten bleibe.
Der Lokalanzeiger beschäftigt sich vor allem mit den An= Kündigungen des Kanzlers über das Arbeitsbefcßaffungs« Programm, dessen „Dämme" gebaut werden sollten, auch wenn sie „nicht hunbertpro^entig den strengen Gesetzen der wirtschaftlichen Vernunft entsprächen". Das Blatt fragt, ob nicht dabei die ungeheure Gefahr eines Dammbruches bestehe, nach dem dann alles viel schlimmer sei, als wenn man die Wasser nicht erst künstlich aufgestaut hätte? Rechtzeitig handeln sei gut, und nach alter Solbatenregel sei ein Fehlgreifen in der Wahl der Mittel dem Nichlhandeln vor- zuziehen. Aber ob diese Solbatenregel auch dann gelte, wenn man eine ungeheure Wirtschaftskrise beheben wolle?
Der „Tag" vermißt eine Antwort auf die entscheidende innerpolitische Frage der Machtauseinandersetzung zwischen dem Parlament und dem Kanzler einer Regierung, die das Recht und die Pflicht habe, Staat und Nation autoritär zu führen. Gerade diese Frage sei schicksalhaft. Kein Kanzler einer autoritären Staatsführung könne ihrer letzten Entscheidung ausweichen.
Der vorwärts weist darauf hin, daß der Ansager im Rundfunk nach den Ausführungen des Kanzlers sagte: „Es sprach Herr General v. Schleicher". Das Entscheidende sei damit schon ausgesprochen. Goebbels habe dem Kanzler Opposition nach Weihnachten angekündigt. Die Sozialdemo- kratie brauche ihre Opposition nicht erst anzukündigen. Sie mache sie schon und sie bleibe dabei. Außer der Sozialdemo- kratie kündigen nur noch die Kommunisten dein Kanzler sofortige unbedingte Opposition an.
Die Rote Fahne bezeichnet die Ausführungen des Kanzlers über die kommunistische Bewegung als eine Kriegserklärung. Der „soziale General" knallt den Säbel auf den Tisch. Das ganze Volk hört es und wird zu handeln wissen.
Die Kreuzzeitung nennt die Rede ein „Programm der Tat" und meint, gegenüber Befürchtungen, die nach dem Antritt der neuen Regierung geäußert worden seien und die zweifellos ernsteste Aufmerksamkeit auch in Zukunft er- fordert, könnten die deutlichen Worte an die Parteien und das parteistaatliche System in gewissem Umfange Beruhigung bringen.
Die Rheinisch-Westfälische Zeitung schreibt, der Reichskanzler gehe aus von der Forderung: „Gebt uns Arbeit!" Jeder werde ihm darin zustimmen, und wahr sei in der Tat, daß in unserem Volke ein Schaffensdrang lebt, der nicht umzubringen ist. Gerade besbalb aber sei es nötig, diesen Schaffensdrang nicht an hoffnungslosen Aufgaben zerschellen zu lassen. Das Blatt erklärt sich bereit, dem weitreichenden Siedlungsprogramm freudig Beifall zu fpen» den, wenn das schwierige Problem gelöst werde, wie man rentable Siedlungen machen könne in einer Zeit, da im Osten die Bauern ihre Höfe nicht mehr halten könnten.