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Berühmte Weihnachtsfeste

Alljährlich zur Weihnachtszeit strömen Scharen von Christen nach Bethlehem und veranstalten feierliche Pro­zessionen durch die Straßen der Stadt. Bethlehem bietet „ein schlichtes, aber /liebliches Städtebild" und liegt, ähnlich wie Jerusalem, auf mehrere Hügel verstreut, durch­schnittlich 777 Meter über dem Meeresspiegel. Die etwa 8 Kilometer lange Fahrstraße von Jerusalem her führt zu­nächst an Klöstern vorüber, durch fruchtbares, hügeliges Gelände. An einer Stelle genießt man ostwärts einen schönen Blick auf daS Tote Meer, südostwärts auf den 759 Meter hohen weithin ragenden Frankenberg, den letzten Sitz der Kreuzfahrer in der Umgegend Jerusa­lems. Kurz vor Bethlehem liegt rechts am Wege nach Jerusalem das „Rahel-Grab", ein Heiligtum („Weli"), das nicht nur von den Juden sondern auch von Moham­medanern besucht wird. Interessant der Name des Ortes, denn Bethlehem bedeutet ,,Brot-Haus". Durch Jahr­tausende ist sich dieser Name treugeblieben, hindeutend auf die Fruchtbarkeit des Landstriches, auf die „sorg­fältige Bodenkultur, den üppigen Pflanzen- und Baum­wuchs im Gegensatz zur näheren Umgebung Jcrusa- tems. Außer Ackerbau und Viehzucht treiben die Beth- lehemiten, ein intelligenter, kerniger Menschenschlag, Fabrikation von Kreuzchen, Sternen, Rosenkränzen und ähnlichen Artikeln, zumeist aus Perlmutt. Die berühm­ten Weihnachtsprozessionen am Ort bringen der Bevölke­rung also auch die Freude eines regen Absatzes ihrer Nebenproduktion. — Die Protestanten bevorzugen zur Weihnachtsfeier seit ihrer Einweihung am 6. November 189b die „Weihnachtskirche", ein im romanischen Stil aus marmorähnlichem weißen Gestein reizend aufgeführtes architektonisches Meisterstück mit einer schönen Orgel und Fensterbildern aus der Weihnachtsgeschichte.

Nächst Christi Geburtsstätte interessiert wohl ein Weihnachtsabend zu Wittenberg, der Lutherstadt. Der Reformator saß „vertieft in die Meditation seiner Christ- predigt". Da sagte Frau Käthe zur Türe herein (und zwar in einem etwas ungeduldigen Tone): „Der Herr Doktor sitzt und hört nicht, daß der Hans in der Wiege weint und schreit, daß ein Stein sich erbarmen möchte; da könnte der Herr Doktor wohl einmal an die Wiege gehen und das arme Kind in die Ruhe singen. . . .“ Beim Takt der hin und her pendelnden Wiege fand Luther die Melodie und auch die Worte zu seinem Weih- nachtsliede: „Vom Himmel hoch, da komm ich her." Und an diesem Weihnachtsabend hat er es Frau Käthe zum ersten Mal vorgesungen. Berühmt geworden ist auch der Christbaum des Altkanzlers Bismarck, den er nach der offiziellen Weihnachtsfeier 1870 in der Versailler Präfektur, der auch König Wilhelm und die Fürsten beigewohnt hatten, in seinem eigenen heim für die reinen anzündete. Es hatte dieses Bäumlein kaum die Höhe einer gewöhnlichen Zimmertanne.

In Schillers Familie lebte lange das Gedenken an den letzten Weihnachtsbaum, den der Dichter erlebte (1804). Stark erkältet mußte Schiller das Haus hüten. Die Arbeit am „Demetrius" unterbrechend und sich ein erstes Mal mit seinem kleinen Töchterchen Emilie ab» gebend, vergnügte er sich sehr damit, dem Kinde, das er vielfach auf den Arm nahm, den mit vielen Kerzen be­steckten Christbaum zu zeigen und ergötzte sich an dem Jauchzen der Keinen. Die Chronik berichtet, daß Schiller nach der Weihnachtsfeier recht wehmütig gewesen wäre,

auch schon beim Anblick des strahlenden Bäumleins „ge­rade so, alS ob er geahnt hatte, daß dies sein letztes WeihnachtSfest sein sollte". Legion sind die Christfeste, die eine besondere Familienbedeutung erlangten, sei es für Verlobungen, Hochzeiten, Jubiläen.

Von solch einem, wenn auch nicht berühmten, so doch besondern Christfest berichtet auch Peter Rosegger in feinen „Erinnerungen eines Siebzigjährigen": „Zu Weih­nachten 1874 hatte der Knabe (gemeint ist Josef Rosegger) schon zwei weiße Zähnchen am Unterkiefer. Diesmal war am Christfeste also auch das wichtigste vorhanden — ein Kind. Ich kann unsere Freude nicht beschreiben. Jetzt noch in schlaflosen Nächten, wenn alles um mich still ist und dunkel, sehe ich die beiden stehen vor jenem Christ­baum. Die Mutter in dunkelblauem, weißgesterntem Ge­wände; am halse enggeschlossen der schmale, weiße Kra­gen mit Spitzenrand, am schwarzen Samtbande das gol­dene Kreuzlein. . . . Und neben ihr tief unten das Knäblein, schon auf den Füßen stehend und mit den runden Händen sich an die Rockfalte der Mutter hal­lend. . . . Mit seinen großen runden Augen im vollen ! Gesichtlein schaut er fast betroffen zur bunten, leuchterr» | den Erscheinung empor, dem Christbaum. . . Daß ich jenes Glück nicht etwa erst heute in der Nachstimmung । empfinde. . . . Ich hatte dem lieben Weibe meine Ge- ; dichte aus der Kinder- und Jugendzeit (in einen Band zusammengeschrieben) unter den Weihnachtsbaum ge- - ' legt." i

। Diesartig mag es noch unzählige berühmte, bedeu- 1 tende Weihnachten geben. Wie schön, wenn es Menschen gibt, die solch bedeutsame Tage der Nachwelt überliefern. . 1 , Gerhard Büttner. ’

Vom richtigen und falschen Bücken

Es ist keinesfalls notwendig, daß die Hausfrau schon in verhältnismäßig jungen Jahren mit einem krummen Rücken herumläuft, wie man dies leider so vielfach beob­achten kann. Es ist durchaus möglich, alle Haushaltungs- arbeiten so vorzunehmen, daß der Rücken verhältnismäßig wenig oder gar nicht beeinträchtigt wird. Wie schädlich häufige bückende oder kniende Körperstellung sein kann, ist ja nur den wenigsten Menschen bekannt. Es können nicht nur Rückratskrümmungen sondern auch Zirkulationsstörun­gen und Blutstauungen eintreten.

Unsere Hausfrauenwelt hat den Brauch, die meisten Arbeiten in gebückter Haltung vorzunehmen, aus früheren ( Jahrzehnten übernommen. Dabei ist es durchaus nicht ; schwer, viele Tätigkeiten auch in aufrechter Haltung zu er­ledigen. Man ist zwar in vielen Fällen insofern klüger ge­worden, als man bei der Arbeit nicht mehr soviel steht wie früher sondern sich mehr setzt. Aber man übt seine Han­tierungen (Kartoffelschälen, Gemüseschneiden usw.) vielfach in so ungenügender Höhe aus, daß man bei der Arbeit ge­zwungen ist, sich mehr als wünschenswert zu bücken. Dies läßt sich meist mit einem Handgriffe abändern. Die ver­schiedenen im Haushalte vorhandenen Besen, Schrubber, I Mops, Bohnermaschinen u. dgl. müssen genügend lange Stiele haben, was durchaus nicht immer der Fall ist.

Besonders suche man das Bücken in kniender Stellu,,- zu vermeiden, das starke Gesundheitsschädtgungen zur golo» zu haben pflegt. "

Koch-Rezepte

Heringssoße zu Kartoffeln in der Schale. (Für Personen.) Zutaten: 3 Heringe, 2 hartgekochte Eier, 1 2 saure Gurken, 1 Zwiebel, 2 Löffel Oel, 1 Löffel Mostr ^ 1 Tasse saure Sahne, etwas Essig, Prise Pfeffer, 15 Trop Maggis Würze. Zubereitung: Die Heringe werden an gereinigt und entgrätet und über Nacht in halb Milch Wasser gewässert. Am folgenden Tage werden sie, ebenso wie die hartgekochten Eier, der Apfel, die sauren Gurken und die Zwiebeln gröblich gehackt. An die miteinander ver- mischten Zutaten gibt man 2 Löffel Del, 1 Löffel Mostrich 1 Tasse saure Sahne, etwas milden Essig und eine Prid Pfeffer sowie 15 Tropfen Maggis Würze. Diese dicke gibt man, nachdem sie einige Zeit durchzog, zu Kartoffeln in der Schale.

Meerrettich mit Kartoffeln ist besonders herzhaft. Man kocht eine Anzahl, etwa acht bis zehn Stück, recht mehlia- Kartoffeln weich, schält sie, läßt sie auskühlen, reibt sie durch ein feines Sieb, mischt die gleiche Menge geriebenen Meer­rettich darunter, macht beides mit Essig und Del an und garniert das Rindfleisch beim Anrichten damit.

Bayerische Mehlklöße. Man schneidet drei Semmeln in dünne Scheiben, läßt sie eine Stunde in Milch weichen und verrührt sie mit zwei bis drei Eiern, etwas Salz, 60 Gramm zerlassener Butter, zuweilen auch etwas gehackter Petersilie und Schnittlauch und etwa fünf bis sechs Löffeln Mehl zu einem lockeren Teig. Mit einem in siedendes Wasser ge. tauchten Vlechlöffel legt man eigroße Klöße in siedendes Salzwasser, läßt sie eine halbe Stunde kochen und bestreut sie beim Anrichten mit geriebener, in Butter gerösteter Semmel. Oder man schneidet vier Semmel in Würfel, röstet die Hälfte dieser Würfel in Butter und weicht die andere Hälfte in siedender Milch. Man vermischt beide Arten Semmelwürfel mit einer gehackten, in Butter gedämpften Zwiebel, sechs Eiern und so viel Mehl, daß man einen nicht zu festen Teig erhält, legt ziemlich große Klöße davon in siedendes Salzwasfer ein, kocht sie eine knappe halbe Stunde und überstreut sie beim Anrichten gerösteter Semmel

— Stand der Wintersaaten. Unter dem Einfluß des mil­den und offenen Wetters haben die Feldarbeiten gute Fort­schritte gemacht. Die Einsaat des Wintergetreides ist fast überall zu Ende geführt. Die Wintersaaten zeigen, soweit sie rechtzeitig in die Erde gebracht wurden, eine kräftige Ent­wicklung und teilweise auch eine recht gute Be­st o ck u n g. Bei den Spätsaaten ist das Wachstum noch häufig im Rückstände; zum Teil sind sie noch nicht aufge­laufen. Unter Zugrundelegung der Zahlennoten zwei gleich gut, drei gleich Mittel, vier gleich gering ergibt sich im Reichsdurchschnitt folgende Begutachtung: Winterroggen 2,5 (im Vormonat 2,6), Winterweizen 2,5 (2,5), Winterspelz 2,3 (2,5), Wintergerste 2,5 (2,5).

Fußspur führt zur Verhaftung der Kelheimer Post­räuber. Unter dem Verdacht, am 2. 12. auf der Strecke Kelheim—Affecking einen Bahnpostwagen beraubt zu haben, wurden der 30jährige Maurer Rott und der 23jährige Ar­beiter Kittsteiner, der bei Rott als Untermieter wohnt, fest- genommen. Die Verhaftung erfolgte auf Grund der Ent­deckung von Fußspuren, die zum Hause Rotts führten.

rauenschicksale

gor sezung 41)

Oder wenn er wirklich stürbe? Würde sie weinen um ihn? Oder mehr um den Verlust all der schönen Dinge, die sie umgaben?

Eine verzehrende Begier ersaßte ihn, das zu wissen.

Aber es gibt Dinge, die man niemals missen wird.

Daliegen, tot sein und doch sehen, wie der Tod aus die wirkt, die wir geliebt--ein qualvoller, ein unerfüllbarer Wunsch!

Vielleicht bald umworben von Männern, die ihr Millionen zu Füßen legten? Das Bild, das wundersame Bild hatte ihre Schönheit in ganz Deutschland und England bekannt gemacht, amerikanische Nabobs hatten gestrebt, es zu kaufen. — — Wenn es bekannt wurde, daß die Frau, welche auf diesem Bilde dargestellt war, Witwe sei . . . Die Eifersucht machte ihn fast rasend.

Nein, er mußte leben und mit eiserner Hand das Weib sesthalten.

Er sah den geladenen Revolver, den er oft aus seinem Schreibtisch herausnahm, mit einem fast höhnischen Lächeln an. So, als wolle er der kleinen Waffe sagen: Bilde dir nicht ein, daß du mir ernsthaft etwas bedeutest!

Andere Stunden kamen, wo er sich hart und ganz bestii.

e: Ich muß sterben! Sie wird mich hasien, weil ich sie ut stürze. Ich ertrag' ihren Haß nicht.

Und dabei ruhte tief verborgen in ihm die gierige Hoffnun daß sie seinen Tod nicht zulassen, daß sie in heißer, endlich erwachter Liebe ihm helfen werde, sein Haus neu aufzubauen.

Er schrieb eine Art Dokument nieder, in welchem er genau bestimmte, wie sein Nachlaß zu ordnen sei. Es sollte durch seinen Tod keine Panik entstehen. Er wollte einen Zettel auf seinen Schreibtisch legen, des Inhalts, daß kein einziges der ihm anvertrauten Depots angerührt sei. Er hatte nicht mit fremdem Gelde spekuliert. Niemand war geschädigt. Er blieb ein Ehrenmann. Wenn nach seinem Tode die ganze kostbare Einrichtung, alle Bilder, voran das von Helene, alle Kunst­werke, das Haus verkauft würden, blieb auch der Name der Firma rein. Der Nachlaß ging nicht bankerott. Aber es blieb kein Pfennig für Helene.

Er schrieb und schrieb, der kalte Schweiß stand ihm auf der Stirn, und dabei dachte er: Das ist ja alles Unsinn! Er konnte ein Moratorium nachsuchen, es würden sich alte Geschäfts­freunde finden, die sein Haus nicht untergehen ließen!

Alle Welt würde über Helene herziehen! Ihr Schönheits- bedürsnis würden sie profan als Verschwendungssucht aus­legen. Ihre Einsamkeit als strafbaren Hochmut ansehen. — Und triumphieren würden sie liier das Gericht, welches her­eingebrochen feil

Wenn man tot ist, kann man sein Weib nicht schützey^. .

Der gefolterte Mann, hin und her gezerrt von seinen Qual- gedanken, wußte oft nicht mehr, was er dachte.

Und die Tage rückten vor und die Depeschen, welche mittags von der Berliner und Hamburger Börse einliefen, brachten keine Ueberraschungen, sondern meldeten nur den immer glei­chen, langsamen, unaufhaltsamen Niedergang der Papiere. —

Der erste April stieg herauf. Ein starker Frühlingssturm fuhr über die Heide. Wasserschwere graue Wolken, die mit ihrem Gewicht bereit waren, als Regen auf die Erde nieder- zudrechen, wurden gewaltsam fortgerissen.

Das Flüßchen, das von der Heide kam und am Bürger­park vorbei zu den Fabriken hinfloß, schuppte sich ordentlich und tat, als ob es ein großes, mächtiges Wasser sei.

Ein Rabenvolk darüber hin, heidewärts, mit dem Sturm, und Ebba hatte ihren Spaß daran, zu sehen, wie der das schwarze Gefieder zauste.

Sie kämpfte gegen den Wind. Es machte ihr nichts aus. Als Kind der Gegend war sie gewohnt, sich gegen ihn zu stemmen. Wann blies er einmal nicht? Nur an traurigen 5 Regentagen ging er ganz schlafen.

Sie wollte Helene besuchen und ihr gute Botschaft bringen, i obschon Helene wohl kaum mehr Antwort darauf haben würde, als ein müdes „So ...“ Aber in Ebbas Herzen war ein unzerstörbarer Glaube an die Treue ihrer Pflegeschwester und auch ein unzerstörbares Bedürfnis, chr alle Erlebnisse ' mitzuteilen.

E» waren gerade Osterferien. Da hatte Ebba sozusagen einen Abschluß gemacht und einen Ueberblick gewonnen über ihre Finanzverhältnisse.

„Ist die gnädige Frau schon aufgestanden?" fragte sie oben in der Kunowskyschen Wohnung den ihr öffnenden Diener. Es war schon zwölf Uhr, aber Helene lag oft noch länger im Bette.

, „3)ie gnädige Frau sind vorn im Salon."

„Schön."

Ebba wurde nicht gemeldet das hatte sie sich verbeten, wenn Helene allein war.

Sie fand Die Iugendgvjuhrtin vorn in einem straßenwärts । gelegenen Raum, der als das Prunkgemach der ganzen Woh­nung angesehen werden konnte. Und doch schien alle Pracht 1 nur wie die Umgebung für das Bild, das erst vor wenig i Wochen von seiner Ausstellungswanderschaft bei dem Be- J sitzer angelangt war. Es nahm die Mitte der Wand rechts ' von den Fenstern ein.

Auf einem Zierschrank an der Wand, dem Bilde gegenüber, stand eine Sammlung moderner Prunkgläser von Tisfany, 1 Gallee und Köpping.

Es war eine lautlose Ruhe in dem Zimmer. Helene saß in einem bequemen Stuhl am Fenster in einem weißen, wallen- ben Gewand und hielt ein Buch aus ihrem Schoß, in welchem sie aber nicht las.

Es war ihr noch so neu. Acht Wochen hatten noch nicht genügt, sie mit dem Anblick zu sättigen.

Oft saß sie hier und sah und sah, und hätte wohl selber kaum sagen können, was sie dachte. Aber es wirkte auf sie

harmonisch wie etwas vollkommen Schönes. Und doch sah sie genau, daß der Maler mehr gemalt hatte, als sie war. In Dem Bilde gab es Geheimnisse, ein rätselvolles Leben, eine schlum­mernde oder gar sich mit Absicht versteckende Seele.

Als ob es nicht genug wäre, bloß schön zu sein, dachte sie. Ebba trat ein, und es war, als ob sie in ihren Kleidern noch von der Frische des Frühlingssturmes etwas mitbrächte.

Sie küßte Helene auf die Stirn, zog sich einen Stuhl heran und sagte, ihr gegenübersitzend: „Hast du mal fünf Minuten Zeit für was anderes übrig als für dich selbst?"

„Auf die Frage sollt' ich Nein jagen. Aber weil du es bist: Ja."

Dabei legte Helene sich zurück und faltete ihre langen, dün­nen Finger auf dem Buch in ihrem Schoß.

„Also denke dir: Doktor Eberhardt wird Direktor in Fran­kenhausen," begann Ebba.

„Wer ist das? Was geht das dich und mich an?"

„Herrgott!" sagte Ebba, mit einem ungeduldigen Blick ge­gen die Stubendecke, „ich habe dir doch erzählt, daß Doktor Eberhardt die Hauptlehrkraft bei Fräulein Drews war und daß Fräulein Drews mir schon damals Andeutungen von möglichen Veränderungen machte, denn Eberhardt hatte ihr feine Aussichten auf die Gymnasialdirektorftelle in seiner Va­terstadt natürlich anvertraut. Nun ist es Tatsache, und ich bin fest bei Fräulein Drews angestellt. Ein Teil der Eberhardt- schen Stunden geht auf mich über."

„Armes Kind!" bemerkte Helene. „Prügelst du denn die Gören nicht vor Ungeduld, wenn sie dumm sind? Ein so im­pulsiver Mensch wie du!"

„Na ja — das ist ja die Seite, die mir viel Qual macht. Oft kostet es mich rasende Mühe, nicht loszubrechen. Aber Fräulein Drews jagt, es fei ihr einst auch schwer geworden. Sonst aber geht es famos. Fräulein Drews sagt, ich habe den jungen frischen Ton, den sie will, und könne sehr an­schaulich unterrichten."

Ebba kramte ihr Portemonnaie heraus und entnahm dem einen Zettel.

„Stell dir vor, Helene, ich habe seit Anfang Februar bis zum Beginn der Osterferien vierhundert und siebzehn Mark verdient.",

„Ja," las Ebba stolz von ihrem Zettel, „ich habe hundert und drei Aushilfestunden bei Fräulein Drews gegeben — denke dir, das arme Fräulein Kühn ist noch nicht von ihrer Lungenentzündung ganz genesen. — Und in meinem Litera­turkursus habe ich sechs junge Mädchen. Auf die naturwissen- schaftlichen Leseabende hat niemand anqebifjen."

Sie steckte ihr Portemonnaie mit dem Zettel wieder ein.

„Bei Fräulein Drews befomme ich fünfzehnhundert Mark fürs Jahr, nach zwei Jahren steigt das Gehalt auf achtzehn- hunbert. Und daneben verdienen kann ich mit Nachhilfestun- Den und dem Literaturkursus auch ganz schön! Was sagst du?

sZortsetzung folßL)