Wie erhält man seine Lebensversicherung?
Die wenigsten werden heute noch die Prämie für ihre Lebensversicherung in Form eines Jahresbeitrags entrichten können; längst sind die meisten zu einer halbjährlichen, vierteljährlichen "ober gar monatlichen Zahlung übergegan- gen. Diese Erleichterung hat sich jeder selbst geschaffen. Welche Erleichterungen gibt es aber sonst noch? Beim Abschluß der Lebensversicherungen wird meist vereinbart, daß die Gewinnanteile zum Kapital geschlagen werden, so daß deren Auszahlung erst nach Ablauf der Versicherung erfolgt. Wenn man nun dazu übergeht, die Gewinnanteile auf die fällige Versicherungsprämie anrechnen zu lassen, dann tritt automatisch eine Herabminderung des Beitrages, ja, vielleicht sogar der Ausfall einer ganzen Dierteljahres- rate ein.
Eine Stundung der Prämienentrichtung wird sich meist ermöglichen lassen, besonders dann, wenn der Versicherte mit einiger Bestimmtheit abschätzen kann, von welchem Zeitpunkt an er die normale Zahlungsweise wieder aufzunehmen vermag. Die Stundungszinsen sind verhältnismäßig gering. Besteht eine Versicherung schon seit einer gewissen Mindestzeit, so kann man von der Gesellschaft ein Darlehen aus die Police erhalten. Mit diesem Geld kann man die Prämien für das laufende Jahr oder für mehrere Jahre bezahlen und so diesen Posten aus der Ausgabenrechnung für längere oder kürzere Zeit streichen. Natürlich sind angemessene Zinsen zu entrichten, jedoch kann der Versicherte das Dar- lehen jederzeit zurückzahlen.
Schließlich gibt es noch zwei Wege, die zu einer Erleichterung führen, jedoch nur im äußersten Notfall begangen werden sollten, weil sie bereits an den Grundlagen der Versicherung rütteln. So läßt sich zum Beispiel an eine Herabsetzung der Versicherungssumme denken, wodurch natürlich auch die Beiträge geringer werden. Der zweite Weg führt zur Erhöhung der Versicherungsdauer. Bekanntlich sind die Prämien für eine Lebensversicherung um so höher, je kürzer der Vertrag läuft, um so niedriger, je länger die Versicherung dauert. Hat man zum Beispiel bisher Beiträge für eine Versicherung mit zwanzigjähriger Laufzeit ent- richiet, ja wird man bei Verlängerung der Lauszeit auf dreißig Jahre eine fühlbare Verringerung der Beitragshöhe verspüren. Da sich in diesem Falle das Risiko für die Gesellschaft erhöht, wird in den meisten Fällen eine Reu- prüfung des Gesundheitszustandes des Versicherten durch Vornahme einer ärztlichen Untersuchung erforderlich sein. Im Rahmen dieser eben erwähnten Möglichkeiten wird jede Versicherungsgesellschaft ihren Versicherten zu Hilfe kommen können, denn das Interesse der Gesellschaft deckl sich hier mit dem allgemeinen volkswirtschaftlichen Interesse, das die Erhaltung des deutschen Lebensversicherungsbestandes als eine wichtige Forderung unserer Kriienzeit erstrebt.
Der Segenspender der Dezembernacht
Die Weihnachtszeit hat sich eine Gestalt erhalten, die aus grauen Vorzeittagen stammt, den St. Nikolaus, den gütigen Kinderheiligen. Bei den alten Germanen war es Brauch, dem Gotte Odin zu Ehren vor dem Iulfest Opfer darzubringen. Die Opfergaben, die man abends aufstellte, wandelten dann die Zeil und die veränderten Sitten in die Geschenke um, mit Denen—man—bür Kinder bedachte. Aus den Bärenumzügen, die an diesem festlichen Opfertag üblich waren, wurden schließlich die Nikolausumzüge, in denen in früheren Jahrhunderten ebenfalls noch Bären mit«
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„Richt wahr, das sehen Sie ein, Fräulein Herlingen", sagte sie heiter, „ich kann Ihretwegen niemand totschlagen oder zum Hause hinauswerfen, um eine Vakanz zu schaffen. Also heute ist es nichts. Aber es kann immer mal etwas vorfallen. Richt wahr, so für den Anfang ist es Ihnen recht, einzusprin- gen, wo gerade mal Aushilfe nötig tut — wenn's auch bloß Schreiben und Rechnen bei denKlsinen fein sollte? Hab ich mir gedacht. Und dann zu Ostern wird es hoffentlich ein festes Verhältnis zwischen uns. Ich glaube, ich verliere eine meiner Hauptlehrkräste. Darüber muh ich aber noch schweigen. Und es wäre mir eine Freude, diese durch Sie ersetzen zu dürfen. Ich habe so ein Vorgefühl, als würden wir zwei freudig und frisch zusammen arbeiten. Uebrigens meine ich, Sie sollten bis dahin nicht die Hände in den Schoß legen. Sie müssen sich bekannt machen, was versuchen. Sehen Sie zum Beispiel, wie wäre es mit einem literarischen Kursus für junge Mädchen? Ich ärgere mich so oft, daß all die Saat, die man so durch Jahre in die jungen Geister gestreut hat, meist nachher verkümmert. Versuchen Sie, da ergänzend ein« zutreten! Setzen Sie es ins Amtsblatt und in den Lokalanzeiger, und geben Sie ein paar Referenzen dabei, das liest sich immer nett! Und auf mich können Sie in jeher Weise zählen. Sie sind ein tapferes kleines Mädchen, das gefällt mir."
Ebba traten Tränen in die Augen. Für Fräulein Drero« begeistert, ging sie.fort.
Sie würde die Hauptlehrerin bei Fräulein Drews werde» sich so bewähren, so unentbehrlich machen, daß dank ihrer Mitarbeit die Schule wuchs und wuchs und das Institut Lachmann in Grund und Boden bohrte! Und endlich rourte
Compagnon bei Fräulein Drews, und der gute, liebe IUm umnte sich an seinem Lebensabend pflegen und hege» leM» wie ein großer Herrl
Sie trat fast triumphierend in das Krankenzimmer.
Der Papa lag, friedlich anzusehen mit seinen grauen Locken aus seinem Kissen.
„Arbeit heo ik nich, aber Utsichten," rief Ebba fröhlich, das bekannte Wort eines ewig Arbeit suchenden, faulen Kerls aus einem plattdeutschen Volksstück brauchend.
Ungefähr acht Tage später wurde bei Fräulein Drews eine Lehrerin krank. Das war ja traurig für die Lehrerein, aber sehr gut für Ebba, denn anstatt sich zu behelfen und den vorhandenen Lehrerstamm etwas stärker zu belasten, zog Fräulein Drews gleich Ebba heran, wahrscheinlich um sich bei dieser Gelegenheit ein bestimmtes Urteil über sie zu bilden. Diese Aushilfe konnte vier bis sechs Wochen dauern, denn die betresfende Dame hatte eine Lungenentzündung, die in Lünstedt eben förmlich grassierte. Und es waren jeden Tag zwei oder drei Stunden.
geführt wurden. Auf den Zusammenhang des Tages mit einem dem obersten germanischen Gotte geweihten Fest deutet die an manchen Orten noch jetzt übliche Sitte, dem Heiligen als Gegengabe für feine Geschenke Hafer für sein Pferd vor die Tür zu stellen. Die Aepfel und Nüsse, die am Nikolaustag eine Rolle spielen, symbolisierten bei den Germanen die Fruchtbarkeit. Sie glaubten, daß Wodan mit seiner Gemahlin Hulda in diesen frühen Wintertagen segenspendend durch die menschlichen Siedlungen und über die Felder zog. Eine andere Gestalt des altgermanischen Mythus, der auch mit dem Nikolaustag in Verbindung steht, ist neben den Winterriesen, die in den Julnächten ihr Unwesen trieben, der Schimmelreiter, der durch die Winternacht jagt.
Alle diese Gestalten haben mit St. Nikolaus nichts zu ; tun, aber die alten Vorstellungen erhielten sich im Volke ; lebendig. Es blieb dabei, daß die Kinder beschenkt wurden, ; weil ein gütiger Geist spendend durch die Winternacht ging, ' und so kam gerade in den germanischen Ländern der fromme Bischof von Myra, der Schützer und Freund der . Kinder und Jungfrauen, in höchste Gunst, der im vierten christlichen Jahrhundert lebte. Die Ueberlieferung erzählt, daß er Wunder wirkte, Kranke heilte und selbst Tote erweckte. Als einst in der Stadt eine Hungersnot ausgebrochen war, sorgte er für Lebensmittel und nahm sich besonders der Kinder an, die am schwersten gelitten hatten. Bilder aus dem Mittelalter zeigen ihn im Kreise seiner Schützlinge, der Kinder und Jungfrauen, als Greis mit i langem weißen Bart.
Die heutigen Nikolausbräuche sind nur ein schwacher Abglanz vergangener Tage. Im Mittelalter war der Nikolaustag der Tag der eigentlichen Kinderbescherung. Im dreizehnten Jahrhundert feierten viele Städte zu biefem Zeitpunkt das Fest des sogenannten Kinderbischofs, der meist ein junger Geistlicher war. Er wurde am 6. Dezember von den Kindern gewählt und dann von ihnen in feierlichem Zuge durch die Stadt geleitet. Besonders prächtig wurde die Feier in Hamburg begangen, wo der junge Bischof bis zum Weihnachtstage und darüber hinaus feine Würde be« hielt. Die Zeit der Kinderherrschaft beschloß ein prächtiger Schmaus, zu dem die Jugend zum Teil in Maskenkostümen, zum Teil auch in priesterlicher Tracht erschien, ein echt mittelalterliches Kinderfest, dem Geiste der Zeit entsprechend, die Askese und frohesten Lebensgenuß vereinte.
— Eine „Riobe".Gedenkmünze ist zur Förderung des vaterländischen Hilfswerkes „Niobe-Spende" von der preußischen Staatsmünze nach einem Entwurf von Professor Oskar Glöckler geprägt worden und mit amtlicher Genehmigung aller deutschen Länder zum öffentlichen Verkauf ausgegeben worden. Die Vorderseite der Münze zeigt in filigranmäßiger Reliefprägung das untergegangene Schulschiff, während mit der rückseitigen Darstellung — ein Kreuz im Meer — den Opfern von Fehmarn ein symbolisches Denkmal gesetzt ist. Die Gedenkmünze kann bei den meisten Banken und Sparkassen sowie auch unmittelbar von der „Volksspende Rioke", Berlin W9, Doßstraße 181, bezogen werden.
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Bald danach erschien in den Lünstedter Lokalblättern auch : eine Anzeige, in welcher Ebba Herlingen sich den jungen Damen der Stadt zum Abhalten literarischer Kurse und zu na« ; turwissenschaftlichen Leseabenden empfahl. Referenzen: Herr Professor Doktor Lehr, Berlin, Fräulein Doktor Trude , Edleffsen, Berlin, Fräulein Hanna Drews, Schulvorsteherin, Lünstedt.
„Hast du gelesen?" fragte Frau Alteneck ihren Sohn, der an seinem Experimentiertisch stand und nachdenklich eine kleine verschlossene Glasbüchse in der Hand hielt.
Er fuhr auf, sah feine Mutter zerstreut an, und als sie die Frage wiederholte, nickte er.
Es war das erste Mal, daß sie wagte, davon zu sprechen. Sie war sich immer darüber unschlüssig gewesen, ob es ihm wohl ober wehe tun würde, von Ebba zu reden. Bei solchen Unschlüssigkeiten aber waren ihrer Meinung nach die Unterlassungssünden vorzuziehen. Wie er mit seiner Mutter stand oder vielmehr einst gestanden hatte, würde er anfangen, wenn er das Bedürfnis empfände, sich mitzuteilen, dachte sie.
Aber es schien, als empfände er dies nie. Er hakte damals nur kurz gesagt: „Ich habe Ebba den Ring zurückgegeben." Dann hatte er sie ihren Tränen überlassen, ihre Umarmung, ihre Trostworte abgelehnt und sich mit so viel Arbeit umgeben, daß sie wohl begreifen mußte, die sollte ihm zur Wehr dienen.
Er schwieg auch davon, daß er Ebba in Berlin gesehen hatte. Sie hörte es durch Frau Buschmann, welche die Beobachtung ihres Sohnes noch erheblich auffärbte. Danach hatte Ebba sich in schlechtester Gesellschaft fast skandalös betragen, und war in einem Lokal gesehen worden, das Fiddie Buschmann ja auch sonst nie besuchte, und in welches er nur mit Andreas Alteneck geraten war, er wußte selbst nicht recht wie, aber wie das denn eben manchmal so käme.
i Von der zweiten Begegnung vor Helenes Bild wußte sie noch heute nichts.
। Sie war eine kluge Frau und kannte Ebba. Sie wider- i sprach gleich der Buschmannschen Darstellung, glaubte an ein 1 Zusammentreffen unglücklicher Zufälle und formte doch eine i schmerzliche Empfindung nicht los werden. Ein kleines bißchen ! Wahrheit muhte ja in der Geschichte stecken. Und es tat bor' weh, daß Ebba so fröhlich im Strom des weltstäünjch Lebens dahinschwamm. !
Und dann war ihr Sohn auch damals so ernst, so sti" Wesen, bei feiner Rückkehr von Berlin. Er mußte etwas sehen haben, das ihn verletzte.
Einige Zeit nachher ging die Kommerzienrätin Herlin-' herum und klärte die Geschichte auf. Und nach Tam Luise I hätte Ebba sich schon ein halbes Dutzendmal mit reich u be j rühmten, vornehmen Männern verheiraten können. s
Auch dieser Darstellung glaubte Frau Alteneck nicht ganz. ! Sie erfuhr, daß sowohl Fibdie Buschmann als auch die Hellingen ihrem Sohn davon gesprochen hatten.
Er selbst schwieg auch darüber. Was er glaubte, dachte, fühlte, ahnte sie nicht.
In seinem äußeren Leben änderte er kaum etwas. Er war nie viel in Gesellschaft gegangen, folgte auch jetzt unum
Holland gewinnt in Düsseldorf 2:0
Neue Niederlage der deutschen Nationalmannschaft.
Vor 50 000 Zuschauern wurden die Deutschen im Düsseldorf« Rheinstadion trotz ihrer technischen Ueberlegenheit von den schwur voller, wenn auch primitiver spielenden Holländern mit 2:0 (2: geschlagen. Die Niederlage kam um so überraschender, als man oo« der deutschen Aufstellung auf deutschem Boden einen glatten Ei« erwartet hatte. Die Niederlage, die dem Versagen der Verteidige und dann dem allzu weichen Spiel des Sturmes zuzuschreiben F war sicherlich zu vermeiden. Im Angriff war Richard HossnW« eine große Enttäuschung aber auch Kuzorra blieb weit hinter d«, Leistungen, die er am Vorsonntag gegen Berlin gezeigt hatte. $v Linksaußen Kobierski litt sichtlich noch an seiner gegen Ungarn Offenen Verletzung. Von den Läufern gefiel nur Knöpfte reftb Leinberger war kaum mehr als Durchschnitt. Buchloh im Tor an beiden Erfolgen der Holländer schuldlos. Die Gäste hatten in jeder Reihe einen überragenden Mann, und vor allem im T« van der Meulen. Das Spiel war durchweg offen, Holland hu durch Adam in der 32 Minute zum Führungstor, dem der gleich, Spieler sechs Minuten später den zweiten Treffer folgen li^ Nach der Pause übernahm Hofmann die Sturmführung, aber erst in den letzten 10 Minuten wurden die Deutschen einseitig ub«, legen, ohne das Ergebnis des von dem Schweden Ohisen einwoch frei geleiteten Spieles ändern zu können.
Süddeulfchland—Paris, ein Länderkamps im kleinen. 6^ bedeutende Kraftprobe hatte der deutsche Fußball in Paris bestehen, wo eine starke süddeutsche Elf gegen die Pariser Sich, elf antrat, in der fast alle Spieler der Nationalelf vertreten marei Das Spiel fand vor etwa 18 000 Zuschauern im Buffalo-Stadiii statt. Die deutschen Spieler waren in Spieltechnik und Ballbeharz lang den Franzosen glatt überlegen und siegten 5 :2 (1:0). H 2 Tore schössen für Deutschland Langenbein und Fischer, währch der fPluHWirmor m vnPr ba» fünfte Tor erzielte
Deutsche Kunstspringer in London. Am Wochenende beselig ‘ ten sich Münchener Kunstspringer an Springwettbewerben fe I Highgate Dioing Club in London. Der süddeutsche Mehrkamps ' meister R a n d'e r a t h - München zeigte sich allen Konkurs« weitaus überlegen und siegte sowohl im Kunst- als auch im Tum- springen mit großen, Punktvorsprung. Sein Klubkamerad Flicht« belegte in beiden Konkurrenzen einen dritten bzw. vierten PlH i
Schweres Einsturzunglück. Auf dem Gelände der im Abbruch stehenden Rolandhütte in Weidenau (Westfalens stürzte ein Mauerrest der von einem schweren Tor not] stehengebliebenen Umfriedung ein. Fünf Kinder, die aus dein in seinen Angeln beweglichen Torflügel eint Schaukel gemacht hatten, wurden unter den Trümmern begraben und trugen zum Teil schwere Verletzungen bauen.
Kreditgesellfchafl versiegelt. Aus Grund einer Anzeigi des bisherigen geschäftsführenden Vorstandes der Spar- uni Kreditgesellschaft „Germania" m. b. H., Köln, wurden wegen Verdachts umfangreicher Veruntreuungen durch den Inhaber und alleinigen Gesellschafter der Firma sowie dessen früheren Mitgesellschafter die Geschäftsräume versiegelt. Der Inhaber der Firma wurde verhaftet.
Auch der Startschuß will gelernt sein. Die Filmschaii- spielerin Käthe von Nagy erlitt einen eigenartigen Unfall Sie feuerte den Startschuß zum Kölner Sechstagerennen ab. i Dabei hielt sie den Zeigefinger über die PistolenmünduH so daß sie nicht unerheblich verletzt wurde. Im Krankenhaus wurde eine Hautübertragung vorgenommen.
Iwischenfall im Fingerhut-Prozeß. In dem in Wuppertal verhandelten Fingerhut-Prozeß gab es eine Sensation. Der unvereidigt als Zeuge vernommene Verteidign Rechtsanwalt Metzeroth teilte mit, daß er sein Amt nieber i lege. Er habe den Eindruck, daß das Gericht gegen ihi voreingenommen sei.
gänglichen Einladungen, sogar zu Kunowskys, und vermie! nur den Verkehr mit der Kommerzienrätin Herlingen. Ihn Mittwochabende zwar konnte er vermeiden, sie selbst aber natürlich nicht, denn sie war in Lünstedt der gesellschaftlich! Hans Dampf in allen Gassen.
Frau Alteneck hatte es über sich gewonnen, mehr als ein Jahr zu schweigen. Es wurde im Hause getan, als sei da Sohn und der Herr desselben niemals verlobt gewesen. Ebb« Bilder verschwanden von der Wand und von seinem Schreii- tisch. Aber Frau Alteneck glaubte bestimmt, daß ihr Sch in feiner Brieftasche doch noch eine Photographie der verlorenen Braut mit sich herumtrage.
Im Sommer hörte sie dann, daß Ebba ihr Lehrerinnei- examen mit Auszeichnung bestanden habe. So wohlvorbk- reitet und vorgeschritten Ebba auch gewesen sein mochte, tf blieb doch immer eine große Leistung und schloß es ganz am daß Ebba in Berlin sich viel Zeit genommen haben sönne, dem Vergnügen nachzugehen.
Frau Alteneck bildete sich ein, daß irgend jemand ihm Sohn davon Mitteilung gemacht haben müsse. Er fetjien weniger schweigsam und weniger grüblerisch.
Aber jeden Tag spürte sie es, er liebte Ebba immer noch Ihr Herz ward immer kummervoller.
Sie versuchte ihn abzulenken und nahm eigene Bedürfniß! als Vorwand. Sie sagte, sie fühle sich angegriffen und glaube daß ihr Bergluft gut tun werde. Sofort erklärte er sich bereit seine Mutter in die Schweiz zu führen. Es ward eine gan; freudlose Reise.
Nachher behauptete sie, sich einsam zu fühlen, sich nach fugendlicher Gesellschaft zu sehnen, und schlug vor, eine Nicht! ihres verstorbenen Mannes einzuladen, ein Mädchen, das für hübsch und reich galt und in heiratsfähigem Alter stand Diesmal aber sah er seine Mutter mit einem Lächeln an „Was du hoffst, Mutter, wird doch nicht geschehen," sagt' er, „wenn du Lena Alteneck aber trotzdem einladen willst, is es mir natürlich recht."
Da ließ Frau Alteneck den Plan fallen. Um die Weihnachts zeit brach über Lünstedt eine Grippeepidemie herein, di viele Fälle von Lungenentzündung nach sich zog. Zwei alt Leute starken daran, und da die Phantasie nun furchtbar er regt ward, hieß es alle Augenblicke, dieser oder jener läge in Sterben. Auch der Professor Herlingen wurde sogleich totge
Dies erschütterte Frau Alteneck aufs tiefste. Sie hatte bei kindlichen alten Mann mit dem reinen, weltfremden Herz« so lehr lieb gewonnen gehabt. Sie wußte auch, wie Ebk a» Dem Vater hing. Ging er davon, stand sie in Der Tat gan allein, denn an Helene Kunowsky würde sie ja nicht oie Halt finden.
Die ängstliche Spannung, ob ein so hartes Geschick (M spirklich vollziehe, ließ Frau Alteneck keine Ruhe.