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chlüchtemer Zeitung

Erris-Hmtsblatt * Myemeiuer amtlicher Hurtiger für tat Kreis Ächlücht

Nr. 145

(1. Blatt)

Samstag, den 3. Derember 1932

84. Iahrg

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamk.

Der Herr Ureismedizinalrat wird am Dienstag, den 6. Dez. d. 3s. von 9 Uhr ab im hiesigen Kreisläufe (Kreistags« saal) Sprechstunde halten.

Schlüchtern, den 29. Nov. 1932.

Der Landrat. 3. v.: Vuwe.

KreisaussHuß.

Ker«fsl»eratnng.

I.-Nr. II 22686 5- Der Berufsberater des Arbeitsamts Hanau hält im Winterhalbjahr 1932/33 (1. Nov. 1932 bis 50. April 1933) in Schlächtern in der Volksschule (Lehrer­zimmer) jeden 2. Dienstag im Monat von 14^2 bis 16i/2 Uhr Sprechstunden ab. Die Beratung ist unent­geltlich.

Die Eltern und Vormünder, die hinsichtlich der Berufsaus­bildung ihrer Kinder bezw. Mündel einer Beratung bedürfen weise ich> darauf besonders hin.

Schlüchtern, den 29. Uov. 1932.

Rreiswohlfahrtsamt. Dr. Müller.

Stadt Schlüchtern.

Holzhaueret im Stadtrvald Schlüchtern betr.

' Meldungen für die Teilnahme an der Holzhauerei im Stadtwald werden in der Zeit bis zum Montag, den 5. ds. Mts. mittags 1 2 Uhr im Rathaus Zim­mer 4- entgegen genommen.

Es kommen nur für die Holzhauerei geeignete Arbeiter in Frage, die in der Stabs Schlüchtern wohnen. Schlüchtern, den 2. Dezember 1932.

Der Magistrat. Gaenßlen.

"""" 1 1111 ............ - - Gswerkfch Morderungen

Brief an den Reichswehrminister.

Berlin, 2. Dezember.

DerVorwärts" veröffentlicht ein Schreiben des ADGV an den Reichswehrminister, das nach der Besprechung des - Vorstandes des Allgemeinen Gewerkschaftsbundes mit Gene­ral von Schleicher auf dessen Wunsch hin verfaßt wurde, um die in der Unterredung aufgestellten Forderungen der freien Gewerkschaften zu begründen:

Die Verordnung des Reichsarbeitsministers vom 5. Sep­tember 1932 ist außer Kraft zu sehen. Die in der Verord­nung vom 4. September 1932 für Reueinstellungsprämien zur Verfügung gestellten 700 Millionen Reichsmark find un- verzüglich zur Finanzierung öffentlicher Arbeiten zu ner- wenden."

Das Schreiben fordert weiter:

Die Verkürzung der Arbeitswoche auf vierzig Stunden muß unverzüglich als gesetzliche Maßnahme durchgeführt werden".

was damit begründet wird, daß der durch die erwähnte Der orbnuna geschaffene Anreiz zur Verkürzung der Arbeite Woche auf 40 Stunden versagt habe, angesichts der Massen­arbeitslosigkeit aber verlängerte Arbeitszeit und Ueberstun- den über 40 Wochenarbeitsstunden hinaus nicht länger ge­duldet werden könnten. Sodann wird verlangt, daß das System der Steuergutscheine dahin umzugestalten sei, daß entsprechende Steuerscheine als Grundlage für die Finanzie­rung öffentlicher Arbeiten verwendet werden könnten.

Diese angeregten Maßnahmen machten etwa 1% Milliarden ohne geringste Jnflationsgefahr für Arbeitsbe­schaffung frei und ermöglichten die Wiederbeschäftigung von einer Million Arbeitsloser. Abschließend zählt der Brief noch die folgenden Forderungen auf:

Die durch die früheren Verordnungen herbeigeführten Verschlechterungen der Sozialleistungen müssen im Rahmen der Möglichkeit rückgängig gemacht werden: die Versorgung der Arbeitslosen muß namentlich in dem bevorstehenden Winter ausreichend verbessert werden; jeder weitere Angriff aus die Löhne und die Rechte der Arbeiter muß unterblei­ben; die Unabdingbarkeit der Tarifverträge, die durch die Verordnung vom 5. September aufgehoben war, muß für d>e Zukunft unangetastet bleiben."

Landwirischaftsrat dringt auf Kontingente

Berlin, 2. Dezember.

. 2« Ständige Ausschuß des Deutschen Landwirtschafts- <07® beschäftigte sich erneut mit dem handelspolitischen landwirtschaftlicher Produkte und kündigt an, daß b npbroirffdtafi in ihrer Gesamtheit zu jedem Reichska- scharfe Opposition treten werde, das nicht unver- M M den Schuh der bäuerlichen Wirtschaft durch wirksame idum un$ unnötiger Einfuhr durchführe. Die Landwirt- M^ Zu jedem Reichvernährungsminister in scharfem bet nicht seine» Eintritt in das Kabinett von l vorherigen Slcherstellung schleuniger Durchführung die- Maßnahmen abhängig mache.

ESkriselt" weiter keine Verhandlungen mit Hitler.

Berlin, 2 Dezember.

Die jetzt 14 Tage währende Regierungskrise hat immer noch keine Lösung gefunden. Der Führer der NSDAP, Adolf Hitler, hat auf verschiedene Anregungen, zwecks Aussprache über die politische Lage noch einmal nach Ber­lin zu kommen, von Weimar aus einen Brief an den Reichs­präsidenten geschrieben, dessen Inhalt aber bisher weder von der NSDAP noch von dem Büro des Reichspräsidenten be­kanntgegeben wird. Der Brief dürfte einen Hinweis auf Hitlers bekannte Stellungnahme zu einem Kabinett Schlei­cher oder Papen enthalten und wiederum das Verlangen nach einem Präsidialkabinett unter Hitlers Führung ent­halten.

Damit sind die Aussichten auf ein Waffenstillstands-Ka- binett während der Wintermonale noch weiter gesunken, und die Versuche, einen Konflikt im Interesse der Wirtschaft und der politischen Beruhigung zu vermeiden, haben kaum noch Aussichten.

Nachdem die Krise sich durch die immer erneuten Be­mühungen um eine nationalsozialistische Mitarbeit am Staat so lange hingezogen habe, sind die maßgebenden Stellen der Meinung, daß gerade, wenn nur noch ein Kampfkabinett übrig bleibt, Ueberstürzungen vermieden werden und die sorgfältigsten Vorbereitungen getroffen mer- den müssen, ehe die Entscheidung fällt.

Für ein Kabinett Schleicher, auch als Kampfkabinett, spricht viel, wenn auch auf die Schwierigkeiten hingewiesen wird, daß bei Uebertragung des Reichskanzleramtes an Ge­neral v. Schleicher dieser weiter die Leitung des Reichs- wehrministeriums beibehalten soll. Es taucht dann die Frage auf, wer Schleichers Nachfolger an der Spitze des Reichs­wehrministeriums werden würde, da man glaubt, daß es dem Wunsche Hindenburgs nicht entspräche, wenn das po­litische Amt des Kanzlers mit dem Reichswehrministerium p. fumH verHiUiüen wecke A wercrfeir» if. nun d^ Mei­nung, daß Herr von Sch.eicher auf fein bisheriges Mi- icheidet letzten Endes der Reichspräsident selbst. Zwischen dem geschäftsführenden Reichskanzler von Papen und dem Reichswehrminister fand gestern mittag eine Aussprache statt, an die sich eine Reihe von Verhandlungen mit Vertre­tern politischer Parteien und wirtschaftlicher Gruppen an- schlossen.

Gegen 6 Uhr fand eine Besprechung beim Reichsprä­sidenten statt, in der Herr von Schleicher über die bisherige innenpolitische Entwicklung Bericht erstattete.

parteioffiziöse Erklärung der NGDAp

Die Reichspressestelle der NSDAP teilt mit: Gegenüber den von politisch interessierter Seite systematisch in die Des« fentlichkeit gebrachten Meldungen, wonach Adolf Hitler zu­gesagt, mitgeteilt oder auch nur beabsichtigt habe, zu Ver­handlungen über die Regierungsbildung mit irgendwelchen amtlichen Stellen nach Berlin zu kommen, wird hiermit par­teiamtlich festgestellt, daß alle diesbezüglichen Meldungen frei erfunden sind, um die öffentliche Meinung zu verwir­ren. Zu derartigen Verhandlungen mit den zurzeit in Ber­lin mit der Kabinettsbildung befaßten Persönlichkeiten lag und liegt für die NsDAP keinerlei Anlaß vor, da ja Adolf Hitler bereits am 23. November dem Herrn Reichspräsiden­ten seinen der Oeffentlichkeit bekannten festumrissenen klaren und eindeutigen Vorschlag zur Lösung der Regierunskrise in allerkürzester Frist unterbreitet hat. Die Entscheidung über Annahme oder Ablehnung dieses Vorschlages, der im Inter esse von Volk und Vaterland unter Umgehung verwirrender Begriffe gemacht ist und keinerlei Raum zu Unklarheiten läßt, lag und liegt nicht bei der NSDAP., deren gradlinige Hal­tung seitdem tagtäglich durch die nationalsozialistische Presse in aller nur wünschenswerten Deutlichkeit zum Ausdruck ge­bracht worden ist. Demgemäß hat sich auch Adolf Hitler am Dienstagabend programmäßig nach Weimar begeben, um in den thüringischen Gemeindewahlkampf einzugreifen. Alle andersgearteten Meldungen, insbesondere auch über Unstim­migkeiten innerhalb der nationalsozialistischen Führerschaft, sind unwahr.

von Reurath bleibt zunächst in Berlin

Zu den Presseerörterungen über die Frage einer Zu­sammenkunft der führenden Staatsmänner in Genf zur Be­sprechung der Gleichberechtigungsfrage erfahren wir von zu­ständiger Stelle,

daß der deutsche Reichsaußenminister Freiherr von Ueu- rath erst nach Bildung des neuen Reichskabinetts nach Genf fahren wird.

Die führenden Staatsmänner der anderen Mächte, die bereits in einigen Tagen wieder in Genf eintreffen, sind darüber unterrichtet und haben ihr Verständnis für das Verbleiben des Reichsaußenministers in Berlin zum Ausdruck gebracht. Deutschland ist bei den zu erwartenden Verhandlungen über die Mandschureifrage durch den Gesandten von Weizsäcker vertreten.

Auf den Warschauer Schnellzug wurde bei Leinberg ein Anschlag verübt, der jedoch keinen Schaden anrichtete.

Zur mnerpolttischen Lage.

HUB. Berlin, 2. 12. 3n den Erörterungen der Morgen- blätter über die gestrige Entwicklung der innerpolitischen Situation spielt die Auffassung die Hauptrolle, daß durch die ablehnende Haltung der Nationalsozialisten nunmehr wie- der eine Kanzlerschaft Papens an Wahrscheinlichkeit ge­wonnen hat. In einer ganzen Reihe Zeitungen wird hervor­gehoben, daß gegen eine Kandidatur Schleicher, die wieder etwas in den Hintergrund getreten sei, vor allem einge- wendet werde, daß Reichskanzleramt und Reichswehrmini, sterium nicht in einer Hand vereinigt sein sollten.

. DieVoss. Ztg." nennt als weitere Gründe, daß die Fühlungnahme mit den Gewerkschaften nicht das erwar- tete Ergebnis gehabt habe, denn deren Forderungen seien so weitgehend, daß auch Schleicher sie nicht erfüllen könne, und schließlich halte man nach der Ablehnung der National­sozialisten den Rückhalt eines Kabinetts Schleicher bei den bürgerlichen Parteien nicht für stärker als den eines Ka­binetts Papen, denn wenn auch das Zentrum lieber ein Kabinett Schleicher kommen sehe, so würde dieser Ge­winn, so sage man, ausgewogen durch die kaum verhehlte Gegnerschaft der Deutschnationalen.

DieGermania", die ebenfalls mit einer Wiederbetrau- ung v. Papens rechnet, sagt, man müsse der weiteren poli­tischen Entwicklung mit der größten Skepsis entgegensehen.

Sehr eindringlich warnt dieD. A. Z." vor einer Beru- I fung Papens, die das Blatt als eine Erfüllung des heißesten Wunsches von Dr. Göbbels bezeichnet, der in der NSDAP. den agitatorischen Einschlag am stärksten vertrete. Nach dem Scheitern des Planes, die nationalsozialistische Bewegung an der Verantwortung zu beteiligen, müsse eine Lösung ge­sucht werden, die wenigstens für später nicht alle Möglich­keiten der Wiederanknüpfung töte. Gegen Schleicher werde die Opposition der NSDAP. wesentlich anders aussehen als bisher. Das Blatt behauptet in diesem Zusammenhang

. . nerts, u. a. Dr. Bracbt, ihre Aemter unter diesen Um- ständen zur Verfügung stellen würden.

o« Schleicher doch mit der Kabineltbilbung beauftragt.

Schleicher nimmt den Auftrag an.

WTB. Berlin, 2. 12. Reichspräsident von Hindenburg erteilte heute dem Reichswehrminister General der Infan­terie a. D. von Schleicher den Auftrag zur Neubildung der Reichsregierung, v. Schleicher nimmt diesen Auftrag an.

Aus Berlin schreibt man weiter zu der Kabinettsbildung: Erfolgt die Berufung des Generals von Schleicher, bann würde sich das neue Kabinett in der nächsten Woche im Reichstag den Parteien in offener Feldschlacht stellen. Im Falle eines Mißtrauensvotums würde dieses Kabinett wei­ter regieren. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, daß der Reichstag Notverordnungen des Reichspräsidenten auf« hebt. Dagegen dürfte die Reichsregierung allerdings Ge­genmaßnahmen vorbereiten.

Hitlers Rede- in Altenburg.

TNB. Altenburg, 2. 12. Adolf Hitler führte gestern abend in einer Rede u. a. aus, die thüringischen Kommunal- wählen seien ohne Bedeutung, wenn ihnen nicht eine Reichs­politik von Fruchtbarkeit zur Seite stehe. Die Streiks in Westdeutschland und in Berlin seien von den Nationalsozia­listen nicht des Streiks wegen inszeniert worden, sondern um die Arbeiterschaft zu schützen. Wenn man in der Zu­kunft versuchn sollte, ihn durch Zuckerbrot und peitsche zu gewinnen, dann irre man sich. Für 'ihn und seine Be= wegung stehe das Wortergeben" in keinem Wörterbuch. Für die nächste Zeit, so erklärte Adolf Hitler, dürfe nichts »eiter erwartet werden, als Fortsetzung des Kampfes, und er sei sicher, daß er sein Ziel erreichen werde. Auch heute noch sei er jederzeit bereit, die Verantwortung zu tragen, oder wenn man ihn davon fernhalten wolle, so sei er auch bereit zum Kampf, undwenn die Welt voll Teufel wär'".

Der Vorstand des deutschen Städtetages will der Aeichsregierung Pläne für ein konkretes Arbeitsbeschaf» fungsprogramm vorlegen, dessen Durchführung und Finan­zierung alsbald möglich sei.

3 m Schloß Woltershausen bei Saal a. d. Saale (Un= terfranken) wurde am Donnerstag der Schlotzbesitzer Haupt­mann a. D. Werther mit einer Schußwunde im Kopf tot aufgefunden. Neben ihm lag seine Gattin, ebenfalls mit Schußuerletzungen in Brust, Arm und Kopf. Angeblich soll es sich um die Tat eines entlassenen Chauffeurs handeln.

In der Nähe von Kid^r im Kreise Naugard verun­glückte ein Reichswehrauto. Ein Unterfeldwebel wurde ge­tötet, ein Oberleutnant und ein Leutnant erlitten schwere Verletzungen.