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In der Berliner Ausstellungshalle am Kaiserdamm fand zu Ehren des 70jährigen Gerhart Hauptmann eine Feier statt, bei der Dichter Carl Zuckmayer die Festrede hielt. Auf den Ehrenplätzen sah man neben dem Jubilar und seiner Gattin (beide ganz rechts), den Berliner Oberbürgermeister Dr. Sahm und Gattin, Max Reinhardt (zweiter links) und Carl I Wallauer.

Kreuzer „Karlsruhe" tu Amerika.

Die Einfahrt des deutschen Kreuzers in den Hafen von Phi­ladelphia, wo das Schiff von den Bewohnern der Stadt Wrmifch begrüßt wurde. Seit 1909 hatte kein deutscher Kreuzer mehr offiziell einen amerikanischen Hafen ange­laufen.

Gatyrspiel um „Haupimann"- Ehrung

Stimme überreicht hauptmann Urkunde zur Staalsmedaille.

Berlin, 16. November.

Gestern vormittag um 11 Uhr begab sich der preußische Kultusminister Grimme in Begleitung des Ministerialdirek­tors Dr. Brecht zu Gerhart Hauptmann und überreichte ihm hie Verleihungsurkunde für die Große Preußische Staats­medaille. Die Urkunde hat folgenden Wortlaut:

„Verleihungsurkunde. Die preußische Staatsregierung hat auf Vorschlag des preußischen Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung einstimmig beschlossen, Deutschlands und Preu­ßens großem Sohne Gerhart Hauptmann als Dank für sein Lebenswerk, in dem sich das Recht Bahn bricht gegen die Gewalt, der Geist gegen Hochmut und die Seele gegen alles, was die Seele tötet, zu seinem 70. Geburtstag die Große preußische Slaatsmedaille für Verdienste um den Staat zu verleihen. i Berlin, den 15. November 1932. Das preußische Staatsmini- | iferium. Braun. Grimme."

• Gerhart Hauptmann dankte der preußischen Staatsre- ; gierung mit bewegten Worten für diese Ehrung.

Die Staatsregierung ist der Meinung, daß sie allein zu einem solchen Hoheitsakt berechtigt sei, und daß allenfalls in ihrem Auftrag die kommissarische Regierung die Medaille überreichen könnte. Bei der Feier im Staatlichen Schau- jspielhaus war die Staatsregierung nicht vertreten

Erklärung der Kommissarischen Regierung . . .

Hierzu wird aus Kreisen der kommissarischen Staatsre­gierung erklärt, daß dadurch an der Sachlage und insbeson­dere an dem Verlauf der offiziösen Feier im Staatlichen Schauspielhaus nichts geändert werde. Die kommissarische Regierung habe in keiner Weise die Absicht, sich in dieser frage in das Fahrwasser der Demonstration zu begeben. Sie könne nur erneut mit Genugtuung feststellen, daß in der Frage der Ehrung Gerhart Hauptmanns Einmütigkeit vor­handen sei, die in der Ueberreichung der Staatsmedaille bei der Feier im Schauspielhaus zum Ausdruck komme.

Die Ueberreichung werde durch den Reichskommissar >r. Bracht als Vertreter der Reichsregierung erfolgen. Auch an der Ueberreichung einer eigenen Verleihungsurkunde durch den Reichskommissar habe sich nichts geändert, zumal die von der Regierung Braun überreichte Urkunde nicht das Aaatssiegel trage.

. . . und der Regierung Braun

I Vom preußischen Staatsministerium wurde mitgeteilt: preußischen Staatsminister nehmen heute an der Fest- laufsührung für Gerhart Hauptmann im Staatstheater nicht M>l, weil sie es nicht für richtig halten, in das preußische |maat.5t^eater "ls Gäste der Reichsregierung einer ohne ihre Milwirkung eingeleiteten Aufführung beizuwohnen und Mreußen festlich zu repräsentieren, bevor sie in ihre verfas- ilungsmäßigen Aemter und Arbeiten wieder eingesetzt sind. I Die Staatsregierung stellt im übrigen fest, daß die uer- Wngsmäßige Staatsregierung Preußens in das preußi- M Staatstheater erst am Sonntag nachträglich eingeladen

wurde, nachdem die übrigen Gäste, darunter die ausrand«- fchen Missionen und die Vertreter aller anderen deutschen Länder längst ihre Einladung erhalten hatten.

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Ueberreichung der Skaaismedaiüe

Grundsteinlegung zu einer Gerhart-hauptmann-Sliflung durch die kommissarische Staatsregierung.

Berlin, 16. November.

Reichs- und Staatsregierung feierten den 70. Geburts­tag Gerhart Hauptmanns durch eine Festvorstellung seines Dramas „Gabriel Schillings Flucht" in dem bis auf den letzten Platz besetzten Staatlichen Schauspielhaus. Die Hauptrollen spielten Werner Krauß, Maria Koppenhöfer, Hans Leibelt. Maria Bard und Elisabeth Bergner.

Gerhart hauptmann wurde, als er kurz vor Beginn der Vorstellung erschien, durch den Generalintendanten Tietjen und Schauspieldirektor Patry herzlich empfangen. Das Pu­blikum erhob sich spontan von seinen Plätzen und begrüßte den Dichter mit minutenlangem Händeklatschen.

Nur selten hat das Schauspielhaus eine solche Fülle von prominenten Besuchern, eine so große Zahl von Persönlich­keiten des öffentlichen Lebens,Mehen, wie an diefem Abend Nach Schluß der Vorstellung wurden dem Dichter abermals lebhafte Huldigungen dargebracht.

Dann begab man sich in das im ersten Rang liegende mit Blumen geschmückte Teezimmer, wo innerhalb eines ganz engen Kreises Reichsminister Dr. Bracht Gerhart hauptmann die Preußische Goldene Staatsmedaille über­reichte.

Dr. Bracht fuhr dann fort: „Die Feier Ihres 70. Ge­burtstages fällt in eine Zeit eigenartiger politischer Konstel­lation. Es könnte die Frage austauchen, wer hier am ehesten befugt sei, den Staat zu repräsentieren. Der Beschluß, den die preußische Staatsregierung gestern gefaßt hat, deckt sich mit der Entschließung, die die Kommissare des Reiches schon vor längerer Zeit getroffen haben; er ist eine Bestätigung unseres Wunsches. Ihnen zu Ihrem Ehrentage zu zeigen, daß der Staat sich dessen bewußt ist, was er seinem großen Bürger an Dank schuldet."

Reichsminister Dr. Bracht teilt dann mit, daß die Staatsregierung den Grundstock zu einer Stiftung gelegt hat, aus deren Erträgnissen jährlich ein oder einige deutsche Schriftsteller, insbesondere der jüngeren Generation ein Sti­pendium erhalten sollen, das sie auf ein Jahr des Kampfes ihrer wirtschaftlichen Existenz enthebt. Diese Stiftung solle den Namen „Gerhart-hauplmann-Stiflung" tragen. Die Stipendien sollen mit der persönlichen Zustimmung des Dich­ters verteilt werden. Eine in privaten streifen begonnene

Sammlung habe in wenigen Tagen schon solche Erfolge et- ziell, daß die Stiftung bereits über ein Kapital von annä­hernd 50 000 Reichsmark verfüge.

Gerhart Hauptmann antwortete mit tiefempfundenen Worten des Dankes und mit dem Wunsch nach einer Ruhe­pause im politischen Kampfleben. Er schloß seine Ansprache dann mit den Worten: Möge das große versöhnliche Prin­zip immer mehr an Macht gewinnen und jene Einigkeit und innere Ruhe fördern, die wir alle so heiß ersehnen.

Eröffnung der Gerhart-Hauptmann-Ausstellung

In den Räumen der Iuryfreien am Platz der Republik wurde in Anwesenheit von Vertretern der Reichs-, Staats­und Kommunalbehörden sowie zahlreicher geladener Per­sönlichkeiten die Gerhart-Hauptmann-Ausstellung eröffnet. Der Jubilar nahm an diesem Festakt nicht teil, da die ihm an seinem Geburtstage erwiesenen Ehrungen ihn so stark er­griffen hatten, daß er sich eine Ruhe- und Entspannungszeit gönnen mußte.

Gchulden-Aussprache noch unbestimmt

Wegen der Erkrankung Roosevelts. — Washington über das

Vorgehen der Schuldnermächte verstimmt.

Die Aussprache des im März aus dem Amt scheidenden -Pkästdenlerr Hoover mit dem neuem Präsidenten Roosevelt über die Frage der Kriegsschulden hat dadurch eine Verzö­gerung erfahren, daß Roosevelt erkrankt ist und das Bett hüten muß. Er kann infolgedessen den genauen Termin für die angeregte Aussprache noch nicht bestimmen. Uebrigens erhält Roosevelt täglich eine Flut von Telegrammen, in denen sein Entschluß, mit hoover zusammenzuarbeiken, ge­billigt wird.

Entsprechend einer Brüsseler Ankündigung hat nun­mehr auch die belgische Regierung einen Schritt in der Frage der Kriegsschulden unternommen. Belgien beruft sich weiter auf seine Zustimmung zum Hoover-Plan und aus das Lausanner Abkommen.

Von einem prominenten Mitglied des amerikanischen Schatzamtes verlautet, daß bei beiden politischen Parteien starke Verstimmung über den Schritt Englands. Frankreichs und Belgiens herrsche, und zwar nicht io sehr über den all­gemein erwarteten Antrag selbst, als vielmehr über den Zeitpunkt und die Form. Man sei ziemlich fassungslos über die Hast. mit der die Alliierten ihre Forderung vorgebracht haben, „als noch nicht einmal alle Stimmen der Präsiden­tenwahl gezählt waren und das größte innerpolitifdK Ereig­nis der letzten vier Jahre noch jeden Amerikaner stark be­schäftigte".

Im Schatzamt nimmt man an, daß allenfalls ein Wora-i torium gewährt werden dürfte, das aber nur England Aus­sicht auf Ermäßigung des Zinsfußes habe. Die Stimmung gegenüber Frankreich, das Goldvorräte aufspeichert und für Rüstungen große Summen ausgebe, fei dagegen allgemein ablehnend.