Börse und Handel
Berlin, den 14. November 1932.
3m Verlaufe erholt
Zu Beginn der Woche machte sich an der Börse eine allgemeine Verstimmung bemerkbar. Das Geschäft hielt sich in engen Grenzen, was wohl mit der innenpolitischen Lage in Zusammenhang gebracht werden muß. Die Kurse blieben am Anfang mit Ausnahme von Klöckner-Aktien und Altbcsitz- anleihe unter dem Sonnabend-Niveau; im Verlaufe erholten sie sich jedoch, da die Abgaben aufhörten. Am Montanmarkt wurden notiert: Klöckner 36 (33), Vereinigte Stahl 23%— 23% (23%), Phönix 26%—26% (26%). Kaliaktien waren kaum verändert. Von Elektrowerten büßten Siemens zunächst 1% % ein, im Verlaufe konnte dieser Verlust jedoch wieder ausgeglichen werden. Von Renten waren Länderanleihe» bis 1% % schwächer. 1927er Thüringer verloren 1%, 1929er Mecklenburger 1%. Von Obligationen waren Krupp % und Mittelstahl 1 % höher. Dagegen waren Vereinigte Stahl angeboten. Provinzanleihen" lagen eher fester. Schatzanweisungen und Stadtanleihen 1 bis 1% % schwächer. — Am Geldmarkt wurde Tagesgeld zu unverändertem Satz von 4% genannt. Der Privatdiskont war wieder 3% notiert. Am Devisenmarkt war das Pfund abermals fester.
Dollar: 4,209 (Geld), 4,217 (Brief), eugl. Pfund: 14,04 14,08, holl. Gulden: 169,13 169,47. Belga (Belgien): 58,39 58,51, ital. Lira: 21,55 21,59, dän. Krone: 72,98 73,12, norw. Krone: 71,18 71,32, fron;. Franken: 16,49 16,53, tschech. Krone: 12,465 12,485. schweiz. Franken: 80.97 81,13, span. Peseta: 34,39 34,45, schweb. Krone: 74.18 74.32, operr. Schilling: 51,95 52,05, nichtamtlich Polen: 47,15 47,35.
probuftenmarft. Mangelnde Unternehmungslust auf der Käuferseite gestaltete die Haltung an der Getreidebörse wieder schwächer. Das Angebot halte sich nicht vergrößert. Weizen gab 1 RM her. Die Notierungen für Raaaen und Hafer lauteten unverändert.
Warenmarkt.
MittagSbörsc. (Amtlich.) Getreide und Selsaaten per 1000 Kilo, sonst per 100 Kilo in Reichsmark ab Station: Weizen Mark. 199-201 (am 12.11.: 200-202). Roggen Mark. 157-159 (157-159). Braugerste 170—180 (170—180). Futter- und In- diisiriegerste 161—168 (162-169). Hafer Märk. 133-137 (133 bis 137). Weizenmehl 24,50—27,50 (24,50—27,50). Roqgenmchl 20,40-22,50 (20.40-22,50). Weizenkleie 9,30-9,65 (9,30—9,65). Roggenkleie 8,50—8,80 (8,50—8,80). Viktoriaerbsen 21—26 121 bis 26). Kleine Spcis-erbscn 20-23 (20—23). Futtererbsen 14-16 (14-16). Leinkuchen 10,10-10,20 (10,10—10.20). Erd- Nußkuchen 10,80 (10,80). ErdnußkuchenmchI 11,10 (11,10). Trocken schnitzet 8,90 (9). Sojabohncnichrol 10,30—11 (10,30 bis 11).
Wußten Sie das?
Die ostpreußische Stadt Treuburg, früher Marggrabova (Kreis Olegfo) rühmt sich, den größten Marktplatz Deutschlands zu haben. Er ist nämlich nicht weniger als 28 preußische Morgen groß (rund 70 000 Quadratmeter).
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Das Solbad Dürrenberg an der Saale besitzt fünf Gradierwerke mit einer Gesamtlänge von 1821 Metern und übertriffi damit die Längen aller sonstigen bekannten Gra- sieranlagen. Das Gradierwerk in Schönebeck—Bad Sockz- elmen ist rund 1800 Meter lang.
Gefangene Spaßvögel
Ein Bauernschwank, der nicht etwa dem „Narrenschiff" des seligen Sebastian Brant oder seines Zeitgenossen Johannes Kirchhoffs „Wend-Unmut" entnommen ist, sondern sich im November 1932 in Sandbeck bei Angeln zugetragen i hat: Zwei Bursck-en wollten einer Bäuerin einen Schabernack spielen, und legten ihr nächtens eine Glasscheibe auf den Kamin, dem dadurch die Zugkraft ausging. Als die Bauernfrau morgens heizen wollte, schlug ihr der Qualm entgegen, aber mit dem Feuer wurde nichts. Es hätte beinahe ein Unglück gegeben, denn als sie den Kamin untersuchte, wurde sie von den giftigen Gasen Betäubt; dann aber noch rechtzeitig aufgefunden und ins Leben zurückgerufen.
Der Sohn des Hauses schwur, die übermütigen Spaß- । vögel abfangen zu wollen. Er rechnete damit, daß sie die immerhin nicht wertlose Glasscheibe abholen würden und . legte sich auf die Lauer. Die folgende Nacht war ungewöhnlich stürmisch und regnerisch, daß dem Jungen wohl 1 bald das Warten vergangen wäre, hätte er nicht mit einem । Male zwei Gestalten gesehen, die durch die Nacht eine Leiter heranschleppten. Richtig, die beiden stiegen auf das Dach, der Sohn aber nahm schnell und still die Leiter weg und legte sich befriedigt in sein Bett. Er wußte ja, wie hoch das , Dach war, und daß ihm die beiden nicht mehr entgehen würden. Durchfroren und durchnäßt saßen die Gefangenen am Morgen noch auf dem Dache. Man befreite sie nicht eher, als bis man das halbe Dorf zusammengetrommelt hatte, da- ' mit es sich an dem Bilde ergötzen könnte. Dann endlich, nachdem sie noch versprochen hatten, Abbitte leisten zu wollen, ließ man sie aus der Falle heraus.
Münzen-Aberglaube
Von jeher haben die Münzen im Aberglauben der Völker eine große Rolle gespielt, und teilweise werden noch in ■ unserer Zeit gewisse Münzen von vielen Menschen als ' Schutzmittel gegen Krankheiten oder Gefahren am Halse, auf der Brust, in der Tasche, in der Börse oder an der : Uhrkette getragen.
Unter den früher im Gebrauch befindlichen Münzen- ! amuletten sind vor allem ihres hohen Alters wegen die „Re- i genbogenmünzen" zu erwähnen, die ihrer Form nach meist . Regenbogenschlüffelchen genannt wurden. Es find keltische ; Goldmünzen verschiedener Größe, die auf der geprägten Seite, die Sonne, Mond usw. zeigten, hohl und auf der glatten Rückseite gewölbt waren. Das Volk hielt diese nicht allzu häufigen, einer platt- und eingedrückten Erbse nicht unähnlichen Goldstücke für im Regenbogen erzeugte und von diesem herabgefallene Gebilde. Daher hatten sie auch ihren Namen. Sie wurden sehr geschützt als Schutzmittel gegen Blitzgefahr, Unwetter und Elementarereignisse überhaupt. Gegen „bösen Zauber" schützten die Benedictpfennige", die i noch jetzt, besonders in Bayern, viel verbreitet sind. Sie zeigen einen Anker, ein sogenanntes Widerkreuz und viele einzelne Buchstaben, deren Auslegung sogar einmal Gegenstand eines Hexenprozesses war. Die „Rabendukaten", die auf der einen Seite das Bild des Königs Matthias Cor- : winus von Ungarn (1458—1496) in ganzer Figur, auf der anderen Seite die Madonna, darunter einen Raben mit i einem Ringe im Schnabel (Familienwappen des Königs) tragen, und auch heute nicht selten sind, waren kräftige Amulette gegen schwere Geburten und gegen Krämpfe der Kinder.
Viel Konkurrenz müssen die Amulette den damaligen Aerzten gemacht haben. Die „Johannesgroschen", diese fei»
ten gewordenen Münzen des Breslauer Bischofs Johann bes Fünften vom Jahre 1506, trugen die Verlobten auf ber Brust, um sich vor Eifersucht zu schützen, an die Stirn gc> bunden verhinderten sie Nasenbluten und um den Hals gehängt schützten sie die Augen bei Pocken und Hautkrankheiten. Wider die Epilepsie halfen die „Fraischleinspfennige" und die „Jesuspfennige", von denen besonders die letzteren (mit dem Brustbilde des Heilands und hebräischen Schrislt Zeichen) gesucht waren, gegen das Fieber endlich trug man die (schlesischen) Freitagsgröschel. Am bekanntesten unter all diesen Münzen sind die Georgstaler, die selbst in unserer Zeit noch gern getragen werden. Sie schützen gegen Schutz, Hieb und Stich, sowie gegen Gefahren auf der See. & darf daher nicht wundernehmen, daß sie mit zwanzig bis dreißig Mark bezahlt und auch vielfach nachgeahmt werden,
Eme Quarz-Lthr
Obwohl auf dem Gebiete der Uhrenherstellung und auch auf dem der Herstellung von Präzisionsuhren eine große Anzahl von Patenten besteht, ist bisher noch keine Uhr bekanntgeworden, die eine so große Präzisionsmessung ermög. licht, wie die neue „Quarz-Uhr", Anläßlich der 8. Deutschen Physiker- und Mathematikertagung in Bad Nauheim hielt Professor Scheibe von der Physikalisch-Technischen Reichson- stalt einen interessanten Vortrag über eine Quarz-Uhr für Zeitbestimmungen hoher Genauigkeit.
Man darf sich hierunter keine „Uhr" im üblichen Sinne vorstellen, vielmehr besteht die Anordnung aus einer überaus komplizierten Einrichtung. Ein sogenannter piezoelektrischer Kristall steuert einen Röhrensender, ähnlich wie er auch für Rundfunkzwecke Verwendung findet. Dieser vermag mit großer Genauigkeit die Frequenz des Senders ein- für allemal konstant zu halten. Die von dem Sender abgegebenen hochfrequenten Schwingungen werden mittels mehrerer Verstärkerröhren verstärkt und durch geeignete Frequenzwandler auf niederfrequente Schwingungen hcr- untergefetzt. Diese Schwingungen, deren Zahl pro Sekunde vollkommen konstant bleibt, können zu Zeitmessungen aus= genutzt werden. Um ihre Genauigkeit zu erhöhen, wird der Kristall auf möglichst konstanter Temperatur gehalten, wie überhaupt dafür gesorgt ist, daß die Bedingungen des Röh- rensenders und der Verstärker in jeder Hinsicht möglichst unveränderlich bleiben.
Durch den Vergleich des Ganges dieser Uhr mit den Zeiten verschiedener Sternwarten konnte festgestellt werden, daß die „Quarzuhr" eine Genauigkeit von etwa 3/1000 Sekunde pro Tag besitzt. Auch längere Zeit hindurch blieb diese Genauigkeit im wesentlichen erhalten. Es zeigte sich, daß die Angaben dieser Uhr zuverlässiger waren, als bi« Zeitzeichen der verschiedenen Sternwarten. Es wurde beispielsweise festgestellt, daß die westlicher gelegenen Sternwarten auch täglich stärkeren Schwankungen unterworfen sind als die Quarz-Uhr.
o Merkwürdiges Heiratsgut. Der französische Satiriker Paul Scarron war mit dem Fräulein von Aubigne ver- heiratet. Als er bei feiner Eheschließung auf dem Standesamt nach dem Heiratsgut feiner Zukünftigen gefragt wurde sagte er: „Ich bin sehr zufrieden, daß mir Fräulein von Aubigne ein Paar schelmische Augen, den schlanksten Wuchs, ein Paar wunderschöne Hände und viel Geist mit in die Ehe bringt." Nach seinem Heiratsgut gefragt, erklärte Scan ron: „Ich setze als Heiratsgut dagegen meine Unsterblichkeit!"
Romeo von
■ . I । M« Boy- Ed rauenschicksale
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Fortsetzung 31)
Die Nacht war schrecklich.
w-^m ^Mch?"° fiE ^ f° '^ in der Fremde gefühlt
^™ “SX®^9™ 'fausta noch schlaftrunken in ihren
lun9e Mädchen schon auf ihrem Bettrand immer neu hervorbrechenden Tränen von Ungmck schimpf, Entsetzen, Unerträglichkeit des Lebens prach. ^austa verstand zunächst kein Wort und fing erst an £ TnbfLn^ 5u sammeln, nachdem Rest ihr
eine Taste Tee gebracht hatte.
«pn'»in Unö ^ Aufregung flößten ihr noch keine Sorgen ein, nicht einmal viel Mitleid.
Selbst ein Instrument, wenn es bald hoch, bald tief gestimmt wird, leidet. Und eine Seele sollte nicht leiden wenn sie^oon Stimmung zu Stimmung gerissen wird 2
alle hochgespannten Erregungen des Mädchens natürlich. wie gestern abend die übertriebene Fröhlichkeit so heute morgen den lauten Jammer. " 7 '
uU" aB5 h.^' stieg ihr, der scheinbar nie w nf ^e ^Me ms Gesicht. Und doch sprach sie- bS erit?^ had'fh mirs gedacht, daß der Beuthner das erste Alleinsein mit dir benutzen würde, unverschämt zu ^b-r ö®m muBteft du mal ausgesetzt werden Immer hast du große Reden geführt vom Recht der Mädchen das Leben kennen zu lernen. Und nun fühlst du dich beschimpft ^ei^tön bir Don Liebe sprach, ohne gleich dabei von Heiraten zu reden - - Na, ich hab mir's gedacht, daß dein ^^men auf dem Gebiet so aussallen würde. Gottlob — ich -^Das?"'^ 9eint ^ jammervoll klein und zag geworden
H^^öp^ weinte Ebba am Halse der andern weiter.
„Aber Er! Daß er mich gerade gestern sah
Faustachwieg lange. Gewiß, sie war feit vielen Jahren aus der «turmeszone jener Leidenschaft in die souveränen Höhen des Humors emvorgeltiegen. Ihr schlug kein Puls mehr rascher, wenn sie des Mannes dachte. Und doch . . . ward sie nun selbst von einer gewissen Bewegung überrascht durch die Vorstellung, daß er stundenlang dicht neben ihr gesessen und sie gesehen hatte. ’
«Sie oerftanb sie Ebbas Aufregung! Und dabei schien Ebbal gar nicht mehr Hu wissen, wie auffallend lustig sie gewesen war, auch gar nicht daran zu denken, daß Andree nicht nur sie, sondern auch Fausta gesehen halle.
Was mußte seine Seele gestern abend gelitten haben! Auch das stolzeste Mannerherz verhärtet sich nicht gegen solche
Das Weib seines Iugendungestüms — das Weib seiner Mannesliebe — beide ihm so nah; ihm beide verloren--
Von solchen Gedanken bewegt, schwieg Fausta und ließ das junge Mädchen weinen.
Und von diesem Erlebnis an sckien es, als gäbe es nur noch Ungemach in der Welt für Etwa.
Noch keine acht Tage waren verflosien, da traf ein Brief von Tante Luise aus Lünstedt ein.
„Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll," schrieb sie, „wie ich die Worte finde! Wirklich, Du hast es mir schwer, fast unmöglich gemacht, Dich hier noch zu verteidigen. Die gute Frau Buschmann, deren treue Freundschaft für mich Dir bekannt ist, hat förmlich Seelenkämpfe ausgestanden, wie sie sagte, ob sie eine Mitteilung machen solle oder nicht. Also so sieht es mit deiner ernsten Arbeit in Wirklichkeit aus! Natürlich verwünsche ich den Zufall, der Fiddie Buschmann am selben Tage mit Andreas Alteneck nach Berlin geführt hat.
Er hat gemeint,ihn rühre der Schlag, als Du mit einer ganzen Gesellschaft ankommst und dicht vor ihm und Alteneck Platz nimmst. Er meint, beim Ankommen habest Du sie nicht gesehen und auch Alteneck habe dich erst nach einer Weile bemerkt. Und betragen hast Du Dich, sagt Fiddie Buschmann so was von Fidelität hätte er noch nie gesehen. In was für einer Gesellschaft warst Du denn? Fiddie sagt, die eine Dame habe ein bißchen was Auffallendes an sich gehabt, aber doch distinguiert ausgesehen. Die andere aber sei gewiß keine Dame gewesen. Und an jeder Seite hast Du einen Courmacher gehabt! Na, da kann es Dir ja nicht an Amüsement fehlen! Fiddie sagt, er habe gar nicht gewagt, mit Alteneck noch einen Ton zu reden. Der habe ein Gesicht gemacht wie von Stein. Wenn es ihn schließlich auch nichts mehr angeht, was Du tust und läßt, so ist es für einen Mann von seinem peinlichen Ehrgefühl doch ganz furchtbar, zu bemerken, daß ein Mädchen, welches beinah mal seine Frau geworden wäre, auf Abwege gekommen ist. Deinem armen alten Vater will ich die Geschichte nach Möglichkeit verheimlichen. Als Fiddie Buschmann und Doktor Alteneck am anderen Mittag zusammen nach Lünstedt zurückfuhren, hat der Doktor geschlagene drei Stunden keine Silbe gesprochen. Ich kann nicht mehr tun, als dich warnen, mein Kind; all meine mütterliche Fürsorge die ich für Dich stets gehabt habe, kann doch nicht ganz vergebens gewesen sein! Bei Helene finde ich auch wenig Dank. Sie laden mich fast nie ein und sagen auch oft bei mir ab. Aber auf die kann ich doch wenigstens stolz sein. Kunowsky mit vor kurzem eine ungeheure Spekulation in „Goldminen" gemacht und auf ein Brett an die Zweimalhunderttausend gewonnen haben, wodurch feine Million übervoll ist. Sein Bankgeschäft nimmt einen riesigen Aufschwung; man spricht davon, daß es nach einem Jahr nach Berlin verlegt werden soll. Und dabei kriegt Richard so was Hektisches. Sie sieht immer egal aus.
Na, schlage nur meine Ermahnungen nicht in den Wind und versuche Ehre zu machen Deiner treuen, mütterlichen
Tante Luise"
Auch Fausta las den Brief.
„Ei, ei," sagte sie. „Frau Friedubert Lesier hat auf das unverdorbene Gemüt dieses Fiddie Buschmann wie eine „Person" gewirkt! Was er sich dabei denkt, ahnt mir wohl Und mich fand er immerhin distinguiert. Gottlob, mir falls ein Mühlstein vom Herzen!"
Aber Ebba konnte nicht lachen, das traf sie zu bitter.
So also, so hatte dies Wiedersehen auf den Geliebten gewirkt!
„Ich habe ihn verloren," sagte sie, „ich kann jeden Tag erwarten, daß er sich mit einer anderen verbindet, schon um seiner Mutter willen, die ihn verheiratet sehen will. Aber daß er schlecht von mir denkt — nein, das ertrage ich nicht."
„Und doch muß es ertragen fein. Man ist immer und ewig Mißverständnissen, falschen Urteilen ausgefetzt als arbeitende Frau. Man kann sich nicht auf den Markt hinstellen und schreien: Ihr irrt euch. Aber man kann mit lachendem Stolz die falschen Urteile verspotten."
Aber teils aus Gutmütigkeit, teils im vergnüglichen ®(' fühl, die Kommerzienrätin Luise Herlingen ein wenig m« ihrer Feder kitzeln zu formen. setzte Fausta sich hin und schrieb einen Brief.
„Meine allergnädigste Frau!
Unsere liebe Ebba hat mir Ihre von treuer Fürsorge durchwehten Heilen zu lesen gegeben. Wie lebhaft beklage ich, daß anstatt dieses Herrn Buschmann — Fiddie war ja wohl da I Vorname? — nicht Sie, Hochverehrteste, am Nebentisch I saßen! Ihrem Blick, dem klaren, weitumfaffenben, urteilsfähigen der Dame von Welt, wäre nicht verborgen geblieben, in welcher Gesellschaft sich Ebba befand. Ich sage nichts davon, daß es erstens in der meinen war. Aber zweitens war sie in derjenigen des Herrn Friedubert Lesier, und biefem Namen habe ich wohl nichts hinzuzusetzen, als daß die Dawe, I deren Erscheinung Herr Buschmann so mißverstand, Frieda-1 bert Lessers schöne Gattin gewesen ist. Ferner befand sich I einer unserer hervorragendsten Bildhauer, Vilm, in unserem Kreis. Allerdings hat Herr Buschmann — Fiddie? nicht wahr" — sich nicht darin geirrt, daß er an Ebbas Seite einen Herr» bemerkte, der ihr die Cour machte. Es war einer unserer zukunftsreichsten Publizisten, ein Mann, der sich heftig u^ Ebba bewarb und dessen Namen ich hierher setzen würde, wenn es nicht in diesem Zusammenhänge indiskret wäre, denn ich muß anschließen, daß er gerade an jenem Abem von unserm Kind einen Korb bekam. Unser Kind hat eben andere Pläne, es will eine Leuchte der Wissenschaft werden, und wir werden noch eines Tages stolz fein, uns ihre Tanten nennen zu dürfen.
(Fortsetzung folgt.)