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Schlüchlerner Zeitung

3. Blatt.

Die Blutnacht in Gens

Kommunistisch-sozialistische Demonstrationen.

Genf, 11. November.

Bei den gemeldeten Unruhen in Gens gab es 12 Tote und 65 Verletzte.

Die blutigen Zwischenfälle, die sich in Genf ereigneten, toben ihren tieferen Grund in der ungeheuren Spannung, die seit längerer Zeit latent zwischen den bürgerlichen Grup­pen und der sozialistisch-kommunistischen Bewegung in Gens besteht.

Diese Spannung ist zweifellos genährt worden durch Sie verschiedenen Skandale, die sich in letzter Zeit hier er­eignet haben. Die Niederlage, die die sozialistisch-kommuni- sasche Bewegung und der Führer Nicol in einem von ihnen beantragten Volksreferendum über Steuerbefreiung aller Einkommen unter 7000 Franken erlitten haben, und die Angriffe, die Nicol in letzter Zeit in immer stärkerem Maße in dem ArbeiterblattTravail" gegen die Verwaltung und das Bürgertum richtete, hatten eine Gegenströmung hervor­gerufen, die schließlich zur Einberufung einer großen öffent­lichen Versammlung unter Führung der konservativ-bürger­lichen Bewegung, der Union Nationale, führte. Die Ver­öffentlichungen desTravail" in den letzten Tagen ließen keinen Zweifel mehr darüber, daß die unter Führung Nicols stehende Bewegung entschlossen war, entweder das Zustande­kommen der Versammlung der Union Nationale zu verhin­dern oder Gegendemonstrationen zu veranstalten. Die Mor­genblätter veröffentlichten dementsprechend genaue Anwei­sungen Nicols an seine Anhänger.

6s wurden in aller Eile noch Trillerpfeifen verteilt, und die Manifestanten wurden aufgefordert, sich mit Pfeffer- tüten auszurüsten, um die Polizei an der Aufrechterhal­tung der Ordnung gegebenenfalls zu hindern.

Die Behörden hatten rechtzeitig Vorsorge getroffen, um allen Eventualitäten begegnen zu können. Während die von der Union Nationale einberufene Versammlung ohne größere Zwischenfälle verlief, entwickelten sich auf der Straße schon vor Beginn der Versammlung größere Tumulte. Eine un­geheure Erregung entstand unter den Teilnehmern der Ge- gcnkundgebung, als JRicol, der offizielle Führer der Genfer , Lvzialisten, in den «traben erschien. Er wurde mit einem ungeheuren Beifall empfangen. Nicol hielt eine Ansprache, worin er erklärte, daß die Stunde für die Revolution ge- plagen habe. Er forderte die Masten aus. nich: von der siraße zu weichen. Jnzwi'chen hatte die ge'chlonene Ver- mmmlung der Union Nationale begonnen, die unter dem Vorsitz des rechtsstehenden Politikers Dr. Sreinmeg eröffnet wurde. Er wandte llch lehr scharf gegen die Agitation der Sozialistenführer Nicol und Dicker und schloß "mit einem Appell an das Bürgertum, sich zum Schutz von Religion und Vaterland zusammenzuschließen. Während der Versammlung kam es draußen auf den Straßen zu den blutigen Zusam­menstößen zwischen dem Militär und der Menge. Nach der Sehe Nicols wurde der zur Absperrung ausgestellte Polizei- !:rdon in einem immer stärkeren Maße bedrängt.

Verschiedene Polizeibeamte wurden verletzt. Die Btani- feftanlen warfen ihnen Pfeffer in die Augen, um sie an der Ausübung ihres Dienstes zu verhindern.

Als die Lage für die Polizei immer bedrohlicher wurde, forderte der Polizeikommandant Verstärkungen an. Eine daraufhin eingesetzte Rekrutenkompanie, die mit Maschinen­gewehren anrückte, wurde von der Menge mit feindseligen Rufen empfangen. Verschiedene Soldaten wurden tätlich an­gegriffen.

Die Menge versuchte, den Soldaten die Gewehre zu ent­reißen. Ein Offizier und mehrere Soldaten wurden dabei verwundet. Daraufhin machte die Truppe die Maschinen­gewehre schußfertig, und als die Menge der Aufforderung, sich zu zerstreuen, nicht Folge leistete, wurde scharf geschossen. Eine große Anzahl von Teilnehmern an der Kundgebung und Unbeteiligte wurden dabei verletzt und mußten abtrans­portiert werden.

Nach diesen Vorfällen, die eine ungeheure Erregung hervorriefen, zerstreute sich die Menge. Es kam dann noch an verschiedenen Stellen der Stadt zu Kundgebungen, die aber ohne besondere Zwischenfälle verliefen. Unter den Toten befinden sich auch zwei Krankenträger, die sich mit dem Ab­transport der Verwundeten beschäftigten. Die Genfer Gar­nison befindet sich im Alarmzustand. Das Gerücht, daß der Generalstreik verkündet werden solle, hat sich bisher noch nicht bestätigt.

Sozialistenführer Nicol verhaftet

Der Sozialistenführer Nicol ist wegen seiner Beteili­gung an den Unruhen und wegen Aufforderung zum Wider- sland geaen die Staatsgewalt verhaftet worden. Nicol hat

seiner Verhüllung keinen Widerstand entgegengesetzt. Auch gegen die kommunistischen Führer Lebet und Pronchet wurde Haftbefehl erlassen, der noch nicht ausgeführt werden konnte, weil die beiden nicht aufgefunden wurden.

Hindernisse in Europa

Baldwin über Lausanne. Vertrag und Abrüstung.

London, 11. November.

Anläßlich des üblichen Banketts wegen der Amtsüber­nahme des neuen Lordmayors von London hielt Baldwin eine Rede, in der er erklärte, Lausanne habe ein großes Hin­dernis für die Besserung der politiichen und wirttchaftlichen Beziehungen der Staaten in Europa beseitigt. Das Ueber- einkommen ziele auf die schließliche Beendigung aller Re­parationszahlungen hin, und die Unterzeichnung dieser Re­gelung iei der erste, der selbstverständlichste und konstruk­tivste Schritt gewesen, der den in Betracht kommenden Re­gierungen ossengestanden habe zur Lösung der Krisis, die noch jetzt den Handel der Welt lähme.

Baldwin fügte hinzu, er wünsche wirklich, daß der Er­folg, der Lausanne beschieden gewesen sei, auch der Ab- rüsiungskonferen; zuteil geworden wäre.

Er bemerkte, er brauche nicht zu betonen, in welchem Maße die britische Regierung nicht nur über Abrüstung gesprochen, sondern sie in die Tat umgesetzt habe.

Die Zeit sei jetzt zu Ende, wo Großbritannien mit ein­seitiger Abrüstung fortschreiten könne.

Eine große Schwierigkeit hätte 'ellos die Vereinigung der verschiedenen vorgeschlagen le in einem einheit­lichen und erfolgreichen Plane Der Hoover-Plan sei ein Beispiel; er sei warm ichtig von der bri­tischen Regierung als ein sehr . r Betrag zu dem Problem willkommen geheißen. A "bern haben wir jetzt Gelegenheit, die verschiedenen Anregungen Frankreichs zu prüfen, und vielleicht werden wir einige "eigene Anregungen vorzubringen haben

Wir wünschen ebenso dringend wie irgendein anderes Land der Welt, schnell zu einer allgemeinen beträchtlichen Abrüstung zu gelangen. Dies ist nach unserer Auffassung wesentlich für die Sache des Friedens, und auf dieses Ziel hin werben unsere Anstrengungen in Genf gerichtet sein.

Hoover und Nooseveli

keine Aenderung der Außenpolitik.

Washington, 11. November.

Rooievelk wird wahrscheinlich von Hoover eingeladen werden, mit ihm im Weißen Hause über die Staatsange­legenheiten zu konferieren. Dieie Konferenz dürste mög- licherrveiie schon innerhalb der nächsten vierzehn Tage ftaft- nnden. Stimmn hasst, daß Roosevelk binnen kurzem einen Staatssekretär benennen wird, der von Stimmn bann über die laufenden Geschäfte unterrichtet werden könnte.

Da Hoover Rooseoell loyale Unrerstügung zugesagr Hai, *'o besteht die große Wahrscheinlichkeit, daß die Außenpolitik bei Seieinigten Staaten zununoesi in chren funoamentalen Grundlagen unverändert bleiben wird, wenn auch in der Methode vielleicht andere Wege gegangen werden. Zum Beispiel rechnet man, da am 4. März Staatssekretär Stim­mn mit Hoover, Curlis, Mills und Mellon voraussichtlich zurücktreten werde, mit einem freundlicheren Ton gegenüber Japan. Man glaubt auch, mit mehr Verständnis für eine Revision der internationalen Finanzprobleme.

Die Wintersession des alten Parlaments wird angefüllt fein mit Sorgen über die Arbeitslosenfürsorge, mit der Frage der Zulassung von Bier und leichten Weinen, der Frage neuer Steuern und der Sorge um den Ausgleich des Staatshaushalts, so daß auch Hoover selbst, falls er wieder­gewählt worden wäre, auswärtige Fragen nicht vor dem Frühjahr hätte in Angriff nehmen können.

Notverordnung über Fürsorgeerziehung

Berlin, 10. November.

Der Reichspräsident hat eine neue Notverordnung er­lassen, durch die die Ueberweisung an die Fürsorgeerziehung anderweitig geregelt wird. Es sollen unter anderem in Zu­kunft die sogenannten Unerziehbaren überhaupt nicht mehr in die Fürsorge kommen. Grundsätzlich soll die Fürsorge künftig mit Vollendung des 19. Lebensjahres enden. Nur in Ausnahmefällen soll sie noch bis zum 21. Lebensjahr fort­geführt werden. Zweck der Verordnung ist offenbar, die Erzielung von Ersparnissen bei den Ausgaben für die Für­sorgeerziehung, an denen das Reich zu einem Drittel, die Länder mit Zweidritteln beteiligt sind.

Ministerpräsidentenwahl in Preußen?

Landtag voraussichtlich erst Ende November.

Berlin, 10. November.

Mit einer Einberufung des Preußischen Landtages ist für die nächsten Wochen noch nicht zu rechnen. Der Land­tag hatte den Präsidenten ermächtigt, den Termin der näch­sten Sitzung selbst anzuberaumen.

Der Präsident wird, wenn nicht außergewöhnliche Um­stände eintrelen, von dieser Ermächtigung erst Gebrauch machen, wenn die Frage der künftigen preußischen Regie- rungsverhältnisse geklärt ist, b. h., wenn er die Wahl eines neuen Ministerpräsidenten auf die Tagesordnung sehen kann.

Die Entscheidung des Präsidenten wird frühestens in etwa acht Tagen erfolgen, sofern bis dahin ein Ergebnis der neuerlichen Fühlungnahmen zwischen Nationalsozia­listen und Zentrum vorliegt. Sicher ist, daß der Landtag nicht vor dem 22. November, wahrscheinlich sogar erst in den letzten Novembertagen zusammentreten wird.

Skportriillgang für 79 Mill. Reichsmark

Der deutsche Außenhandel im dritten Vierteljahr 1932.

Berlin, 10. November.

Die rückläufige Bewegung der Einsuhr hat auch im dritten Vierteljahr angehalten. Der Einfuhrrückgang entfällt überwiegend auf die Warenbezüge aus Uebersee, die um 62 Millionen Mark abgenommen haben. Der Rückgang der Einfuhr aus Europa beträgt nur 22 Millionen Mark und zeigt sich in erster Linie bei den Warenbezügen aus Spa­nien ( 12 Millionen Mark), der UdSSR ( 11 Millionen Mark), den Niederlanden ( 7 Millionen Mark, und Groß­britannien ( 6 Millionen Mark). Aus einer Reihe anderer europäischer Bezugsgebiete hat die Einfuhr zugenommen, so insbesondere aus Jralien, dessen Warenlieferungen nach Deutschland um 14 Millionen Mark gestiegen sind.

Die Ausfuhr

ist vom zweiten zum dritten Vierteljahr der Menge nach um 54 vom Hundert gestiegen. Die mengenmäßig leichte Zunahme der Gemnuaussuhr ist durch die Lebensmittelau-- /uhr bedingt, die dem Volumen nach erheblich gestiegen ist.

Von dem Geiamtrückgang der Ausfuhr um 79 Mil- ioneu Mark entfallen 74 Millionen Mark auf die Warenlieferungen noch den europäischen Ländern.

Insbesondere hat die Ausfuhr nach der UdSSR. l 4k", M - Honen Markt, nach Frankreich ( 2-5 Millionen Markrb nach der D'checho lowakei ( 8 Millionen Mark) abgenom- men. Noch einigen Ländern hat die Ausfuhr eine leicht- Zunahme erraten; in bedeutenderem Umfang hat der Wa­renabsatz nach Großbritannien (plus 21 Millionen Mark zugenommen. Die geringe Abnahme der Ausfuhr nach Ueberiee ( 5 Millionen Mark) beruht auf verminderten 52arin2e;e:anäen nach t-n Vereinigten Staaten und Japan, denen vermehrte Warenlieferungen nach Südafrika und dem australischen Bund gegenüberstehen.

Senchtliches Nachspiel zum Verkehrsstreik

Berlin, 10 November.

Vor dem Berliner Sondergericht hatten sich mehrere Arbeiker, die während des Verkehrsstreiks vorüberfahrende Straßenbahnwagen mit Steinen beworfen hatten, wegen Sachbeschädigung und Transportgefährdung zu verantwor­ten. Der Packer Wilhelm Hoffmann wurde zu zwei Jahren, die Arbeiter Bratengeier, Zander und Lösche zu je 2% Jahren Zuchthaus verurteilt. Dos Gericht war der Mei­nung, daß mit allen Mitteln gegen solche Handlungen vor­gegangen werden müsse, und war bei der Strafbemeffung über die Anträge des Staatsanwalts weit hinausgegangen.

Konferenz über Reichsreform in Würzburg

Würzburg, 10. November.

Auf Veranlafftmg der bayerischen Regierung fand hier eine Zusammenkunft der Regierungschefs der süddeutschen Länder statt, um zu der Frage der Reichsresorm Stellung zu nehmen. Außer Bayern waren noch Baden, Württem­berg, Hessen und Sachsen durch ihre Ministerpräsidenten vertreten. Das Preußische Staatsministerium hakte keine Einladung erhalten, ebenso wenig die kommissarische Regie­rung in Preußen. Ueber das Ergebnis der Konserenz soll alsbald eine amtliche Mitteilung ausgegeben werden.

Wie wirds Wetter!

Bleibt der Nebel in den Bergen hangen, wird bald schlechtes ÜMer anfangen.

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