Die Hessische Missionskonferenz.
Marburg. Sonntag und Montag trat hier die hessische MsionsKonferenz, die Pfarrer pnd Lehrer aus allen Heilen MHessens umfaßt, zu ihrer diesjährigen Hauptversamm- Mg zusammen. Jm tRittelpunKt des Gemeinöeabends, mit ^m am Sonntag die Tagung im Saale des Philippshauses ten Anfang nahm, stand ein Referat von Kirchenrat D. Lisenberg-Uassel aber „Die Bedeutung der Mission für die Heimatgemeinde". Der Redner war der Ansicht, daß man trotz der furchtbaren Notzeit in Deutschland doch nicht die Heidenmission außer Ad]t lassen Könne, weil die christliche Lehre Verbreitung des Evangeliums fordere. Die Leitung ^r Hauptversammlung, die Montag vormittag im großen ■ hzhaal des Landgrafenhauses begann, hatte in Vertretung ^5 erkrankten Vorsitzenden Prof. Frick Geheimer Kon= Hstorialrat Dr. Lornhäuser-Marburg inne. Aus dem von jhm erstatteten Geschäftsbericht ist zu ersehen, daß es die gegenüber dem Vorjahr .gleichgebliebenen Einnahmen der iMsionskonserenz ermöglichten, der Herrenhuther Mission ' eine Jubiläumsgabe von 150 Mk. 3,u überweisen. Geplant ! ist die Gründung eines ärztlichen Mißionsvereins mit dem i 5i^ in Marburg. Ein interessanter Vortrag des einstigen Rissionsarztes in China und jetzigen Direktors des deut« schen missionsärztlichen Instituts in Tübingen, Prof. Glpp, : hetz die Gegenwartsfragen der ärztlichen Mission deutlich werden. Unter schwierigsten Umständen ist es den Missions- j taten in allen Weltteilen gelungen, Volksseuchen wie Cholera und Schlafkrankheit erheblich einzudämmen, wenn auch Diele Aerzte und Schwestern dabei ihr Leben lassen mußten. Dr. Freytag-Hamburg, Direktor der deutschen evangelischen Missionshilfe, sprach über „Sinn und Notwendigkeit deutscher Missionstätigkeit in der Gegenwart". Der Redner, einer der besten Kenner deutscher Missionsarbeit, führte in anschaulicher Weise vor Augen, in welche schwierige Lage die christliche Auslandsmission gegenwärtig durch das erwachende Nationalgefühl der Völker geraten ist. Besonders stark sei der Kampf gegen die bolschewistische Idee, welche im fernen Osten stetig an Umfang gewinne, Für Deutschland sei es geboten, diesen Bewegungen aus handelspolitischen Gründen erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Eine rege Aussprache schloß sich den Verträgen an. i
Verzweisiungsiat einer Mutter
Mit ihrem Kind vor einen Zug geworfen.
' Harburg-Wilhelmsburg, 2. November.
Bei Harburg-Wilhelmsburg warf sich eine Mutter mit ihrem acht Monate alten Kind vor einen Zug und ließ sich überfahren. Der Vorfall war zunächst nicht bemerkt roor- dcn. Später fand man die vollkommen verstümmelten Leichen aus dem Bahnkörper. Man nimmt an, daß Miß- helligkeiten in der Familie das Motiv der grauenvollen Tat waren.
Freitod eines Ehepaares.
In einem in Berlin-Schöneberg gelegenen Haufe machten Hausbewohner in der Wohnung des 52 Jahre alten Schweizer Staatsangehörigen Jakob M a e t t l e r eine grausige Entdeckung. Sie fanden dort Maettler und seine Ehefrau Charlotte tot in ihren Betten auf. Die Eheleute hatten vor der Tat den Gasschlauch von der Küche her nach ihrem Schlafzimmer geleitet und dann den Gashahn geöffnet. Wie aus einem hinterlassenen Briefe hervorgeht, befand sich das Ehepaar schon seit einiger Zeit in schwerer wirtschaftlicher Notlage. Da der Mann nur ganz geringe Unterstützung erhielt und auch keine Aussicht auf irgendeinen Verdienst sah, ist er mit seiner Frau übereingekommen, gemeinsam mit ihr in den Tod zu gehen.
Berkehrsunglück durch Beirunksne
Zwei Tole. — Zwei Schwerverletzte.
Beulhen, 2. November.
Ein schweres Autounglück ereignete sich auf der Lhaus- fee von Schomberg nach der Hohenzollern-Grube. Einem mit Zwei Personen besetzten Hanomag stellten sich zwei Betrunkene in den Weg. Sie wurden von dem Auto erfaßt und überfahren. hierbei wurde einer von ihnen getötet, der an- dere schwer verletzt. Der Wagen raste dann mit voller Geschwindigkeit gegen einen Baum, wobei beide Insassen sich schwere Verletzungen zuzogen. Im Krankenhaus ist einer von ihnen gestorben.
Vier Fischer aus N e st bei Köslin waren abends in See gefahren, um ihre ausgelegten Netze einzuholen. Von diesen Fahrt kamen die Fischer nicht zurück. Früh wurde nun ihr Boot am Strande bei Nest leer angetrieben. Man befürchtet, daß die vier Fischer ertrunken sind. s
fius Stadt, Kreis und Provinz
Mitteilungen lokalen Interesses aus dem KreUgebtst sind für diese Nubrik willkommen.
Hubertustag
Der Bischof Hubertus von Lüttich, der nach frommem Wirken im Dienst der Kirche im Jahre 727 dort sein Leben beschloß, hatte in seiner Jugend ein wildes Leben am Hofe des Frankenkönigs Theoderich III. und Pippins von Heriftal geführt. Er war von einer tollen Jagdleidenschaft gepackt und gönnte selbst an Sonntagen und hohen kirchlichen Feiertagen dem Wild keine Ruhe. Da trat, wie die Sage berichtet, ein Ereignis ein, das ihn aufs tiefste erschütterte und einen völligen Umschwung in seinem Dasein hervorrief. Wieder war er an einem Karfreitag aus der Jagd und verfolgte voll hitzigen Eifers einen weißen Hirsch, der sich allen seinen Nachstellungen zu entziehen verstand. Plötzlich hemmte das Tier seine Flucht, trat kühn dem Verfolger entgegen und zwischen den Stangen seines Geweihs leuchtete in strahlendem Glänze ein goldenes Kreuz. Ergriffen sank der Jäger vor diesem Zeichen des Himmels, der sich der gehetzten Kreatur erbarmt hatte, in die Knie und war für immer von seiner Jagdgier geheilt. Auf Anraten des Bischofs Lambert von Mastricht, dem er das Wunder berichtet hatte, wallfahrtete er zum Papst Sergios l. nach Rom, von dem er zum Bischof geweiht und zum Nachfolger Lamberts bestimmt wurde. Im Jahre 827 wurde er heilig gesprochen und seine Gebeine nach dem Kloster Audain in den Ardennen übergeführt, das daraufhin den Namen St. Hubert erhielt. Der Heilige wurde von der Jägerei in späteren Jahrhunderten zu ihrem Schutzpatron erkoren, und bis auf den heutigen Tag werden am 3. November, der ihm geweiht ist, große Jagden, die sogenannten Hubertusjagden, abgehalten, die namentlich an den fürstlichen Höfen in früherer Zeit unter großer Prunkentfaltung vor sich gingen. Jeder weidgerechte Jäger steht unter seinem Schutz, mag er den grünen Rock tragen oder bei den Parforcejagden in rotem Rock in tollem Ritt durch Wald und Feld der Meute folgen. Zahlreiche Iagdvereini- gungen und Jagdzeitschriften tragen den Namen des Heiligen und mehrfach ist er auch zur Bezeichnung von Jagd- schlössern verwandt worden. Auch hat das Wunder seiner Bekehrung den Künstlern oft als Vorwurf gedient.
Wetterbericht. Die sich über England und Frankreich entwickelnde Störung wird ostwärts wandern und unser Gebiet in der Nacht zum Mittwoch überqueren, ohne dabei voraussichtlich zu stärkeren Niederschlägen zu führen. Dahinter folgt mit Luftdruckanstieg wärmere Lust, wodurch die Witterung sich vorläufig milder und ruhiger gestalten wird. Die starken Regenfälle der letzten Tage dürften sich zunächst nicht wiederholen, wenn auch noch nicht ganz trok- kenes Wetter zu erwarten ist. Witterungsaussichten für Donnerstag und Freitag: Bei westlicher Luftzufuhr wolkiges und mildes Wetter, doch nur einzelne Niederschläge.
Einen gesangstech nischen Lehrkursus konnte der Kreissängerbund Schlüchtern am vergangenen Sonntag für die in ihm zusammengeschlossenen Gesangvereine und deren Dirigenten veranstalten. An dem Kursus, der von vormittags 9 bis 12^2 Uhr im Saale der Gastwirtschaft Henke am Bahnhof Elm durchgeführt wurde, beteiligten sich die Gesangvereine Schlüchtern, Steinau, Bellings, Hohenzell, Iossa, Altengronau, Mottgers, Gberzell, Sterbfritz, Gund- Helm, Hütten, Clm und Breitenbach mit 170 Sängern und Dirigenten. Der Kursusleiter, Herr Musikdirektor Bethge- Gelnhausen, bildete aus den anwesenden Sängern stimmlich gruppiert einen großen Gesangverein und machte während des Dortrages verschiedener Volkslieder auf mannigfache gesangliche Fehler aufmerksam, die dem Klanghörper, insbesondere aber den einzelnen vereinen allgemein in dynamischer und rhythmischer Beziehung als auch in der Aussprache anhasten. Mit seinem reichen gesangserzieherischen wissen zeigte er in darstellerischer Weise die Atemtechnik, die richtig angewandt, eine vollendete Tonbildung zur Folge habe, so wie eine solche für den Wohlklang eines Chores von nicht zu unterschätzender Notwendigkeit sei. Alle die Gesangstechnik der heimischen Gesangvereine besonders berührenden Darlegungen des Kurfusleiters, die gleichwohl für Dirigenten wie auch jeden einzelnen Sänger von großer Wichtigkeit waren und zu ersprießlicher Arbeit in den Thorstunden Anregung gaben, mögen dazu beigetragen haben, die gesangliche Arbeit und Chorerziehung zu erleichtern und dazu helfen, die einzelnen vereine zum weiteren Aufstieg und zu schönen Erfolgen zu führen.
Freiwilliger Arbeitsdienst. Auf die in dieser Nummer erschienene Bekanntmachung des Magistrats der Stadt Bchlüchiern, wonach am Mittwoch, den 2. November abends 8.30 Uhr in dem Zeichenjaal der Dolksschuce (Do= tichmsjtraße) ein Lichtbildervorlrag über „Der srenvuuge Arveilsoienst, ein diel und eine Hoffnung" |tatt[inöet, wiro nochmals hingewie^en. Der Besuch vieler Veranstaltung wiro allen Einwohnern, die sich für den freiwilligen Arveics- dien|t interessieren, wärmslens empfohlen. Ein Hmrritisgeio wird nicht erhoben.
Konzert, samsrag, den 12. Nov., abends 8 Uyr uno Sonntag, den 13. Uod., nachmittags 4 Uhr, veranstattec der Aroeüer-TeMgverein Schruchiern |em Tesfäyr^e- Konzert. Sein letztes Konzert wird wohl noch alten Biyucyern in bester Erinnerung sein. Auch für dieses Jaqr ja,eure oec verein keine Muhe, um allen Besuchern einige genugreia,® Stunden zu bieten. Der erste Teil des Konzertes umfaßt Männer- und gemischte Chöre mit Kompositionen von Beethoven, tlrendelssohn-Barlhotoy, dollner pno Uiqmann. Im zweiten ueit gelangt wieder, wie Denn letzten Konzert, ein größeres Chorwerk mit Orcyesteroegleitung, namury oie „Cageszeiien' von Tetemann, zur Aufführung. an vielem Chorwerk werden die vier Tageszeiten Morgen, Mittag, Abenö und Nacht durch Chöre und Einzetsoris mit T>r- chesrerbegleitung bedungen. Bei allen bisherigen Aufführungen hat die [es Chorwerk einen fta i ken Betsarl ge s unoen. Schon deshalb ist es der Einwohnerschaft von Scyluchiern uno Umgegend zu empfehlen, dieses Konzert zu besuchen. Der Eintrittspreis ist sehr niedrig gehalten.
Stenographische Herbstprüfung. Das Stenographische prüjungsamt der Industrie- und ijandelskammer Frankfurt a. M.-Hanau verunstaltet am Sonntag, den 15. Nov. vormittags 9 Uhr in der Städtischen Handelslehcan- stalt Frankfurt, Iunghofstr. 18 seine diesjährige Iherbppru- fung. Anmeldungen können bis Donnerstag, den 10. Nov. bei der Industrie- und Handelskammer Börse 1. Obergeschoß Zimmer 303 erfolgen. Bei der Anmeldung ist Vor- und Su- name, Adresse, Geburtsort und -Datum, Beruf, bei welcher Firma beschäftigt sowie in welchem System und welcher Geschwindigkeit geprüft werden soll, anzugeben und ferner eine Gebühr von 3 Mk. beizufügen.
Bau [purer! Weil alle Fachleute versagt haben, darum greift das Volk zur Selbsthilfe. Selbsthilfe und zielbewußte Tat machten es den Gelnhäuser Lauwirten möglich, bis zum 30. Sept. 1932: 1 Million 137 450 Reichsmark als zinslose Darlehen an ihre Mitglieder für Bauzwecke und Ablösung von Zinshypotheken, insgesamt 126 Darlehen, zu vergeben. Wer an der gegenseitigen Hilfe der Lpuwirte teilnehmen, wer unverzinslichen Kredit sich und seinen Had)kommen sichern, wer sich und dem ganzen Volke wirklich dienen will, der schließe sich den Gelnhäuser Lauwirten an. Durch gegenseitige Hilfe ist es den Gelnhäuser Bauwirten gerade im Augenblick der großen Kapitalnot möglich, auch unverzinsliche Kleinkredite für alle Zwecke zu gewähren. Alles Nähere durch eine im heutigen Inseratenteil angezeigte Versammlung.
Wahl-GroßkundgebungderNSDAP. Wie zuvor angekündigt war, gestaltete sich die am Dienstag Abend in der Turnhalle in Schlüchtern abgehaltene Wahlversammlung der ItSDAp. durch den starken Menschenzustrom zu einer Groß-Kundgebung im wahrsten Sinne des Wortes. Im Stadtbild von Schlüchtern sah man zuvor überall uniformierte SA-Leute, die aus verschiedenen Ortschaften kamen und sich in mehreren geschlossenen Zügen vor das Versammlungslokal begaben, woselbst von den Sturmführern die Rapporte erstattet wurden. Bereits als der Turn- Hallensaal schon mit ca. 700 Personen überfüllt war, strömten immer noch zahlreiche Versammlungsbesucher mit eigenen Stühlen herbei und mußten teilweise mit einem Platz im Freien vorlieb nehmen. Der Redner des Abends, Dber- postinspektor und Landesinspekteur Sprenger aus Frankfurt a. M. verbreitete sich in seiner Rede kritisch über die Maßnahmen und Auswirkungen der Regierung von Papen und zuversichtlich über die Ziele Adolf Hitlers durch die itationalsozialistische Bewegung. Die Versammlung nahm einen geordneten und ruhigen Verlauf.
— In einer Gemeinschaftszelle des Freiburger Landes- gefängnisses erschlug ein Gefangener in einem Anfall von Tobsucht zwei seiner Mitgefangenen und verletzte einen dritten schwer.