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Nr. 132 (1. Blatt)

Donnerstag, den 3. November 1932

84. Jahrs.

Amtliche Bekanntmachungen.

K r e i s a u s s K « ß.

Jngendpfl-ge.

I.-Nr. IV 21657 5. Die Bescheinigungen über die be­hördliche Anerkennung von Iugendpflegevereinen für die Jahre 1931/32 (auf weißen Karten) verlieren mit Ab­lauf des laufenden Kalenderjahres ihre Gültigkeit und sind für die folgenden Kalenderjahre 1933 und 1934 durch neu auszustellende Bescheinigungen (auf hellblauer Karte) zu ersetzen.

Insoweit Iugendvereine und -gruppen der staatlichen Iu- gendpslegeorganisationen noch nicht angehören, aber beab­sichtigen, dieser beizutreten, ist ein entsprechender Antrag beim Kreiswohlfahrlsamt (Abtlg. Jugendpflege) bis spä­testens 1 5. Nove m be r ds. 3s. einzureichen.

Gleichzeitig mache ich darauf «aufmerksam, daß die durch die Anerkennungsbehörde (Regierung) vor dem 1. April 1930 ausgestellten Führerausweise vom 1. 1. 1933 ab nicht mehr anerkannt werden. Seit 1. April 1930 wer­den die Führerausweise nicht mehr von der Regierung, son­dern von dem Vereinsleiter unter Beglaubigung durch die Gemeinde-(Grtspolizei)-Behörde bezw. Kreisjugenbamt aus­gestellt.

Lchlüchtern, den 28. Oktober 1932.

Kreiswohlfahrtsamt. Dr. Müller.

I.-Nr. 4698 R. A. Die Herren Bürgermeister der Stabb und Landgemeinden des Kreises mache ich darauf aufmerk­sam, daß Unfall-Anzeige-Formulare für den Gemeinde-

unfallversi cheru n g sve rba nd des Negierungsbe- Zirks Kassel im Kreisausschuß-Büro hierselbst vorrätig ge­halten werden. Sie werden auf Wunsch den genannten zur Verfügung gestellt. Vordrucke für die Anmeldung I anb =

um 11 Q) a f U i che r Unräte jmv in der-KitisfcteiÄetNäe» -pE^sth» ^mnzministKrkim komme, mit dein h Lurch wt (Buchdruckerei H. Aeinfeld Söhne) erhältlich (vergT. langjährige Zusammenarbeit in der preußischen und in der meine Rreisblatt-BeKcmntmachunq vom 27. Sept. d 3s. Reichsverwaltung verbunden fei. Er verwies auf die großen - I.-Nr. 4119 K A. Kreisblatt Nr. 117). Aufgaben der Gegenwart die darin gipfeln, den Finanzen

Schlächtern, den 1. November 1932.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.

Stabs Schlüchtern.

Bekanntmachung.

Gemäß § 47 der Reichsstimmordnung vom 14. März 1924 wird hiermit bekannt gegeben, daß zur Vornahme der Reichstagswahl am 6. Nov. 1932 für bie Stadt Schlüchtern zwei Stimmbezirke gebildet worden sind.

Übstimmungsbezirk (Wahlbezirk) lumfaßt: 5uldaerstraße, Altestraße, Ludovika von Stumm-Straße, Amtsberg«, Dreibrüder-, Garten-, Graben- und Breiten« bacherstraße, Dreispitzenhohle, Schloß- u. Linsengasse, Bahn­hofstraße, Lotichius- und Klosterstraße, Schmieds- und Neu- gasfe, Weinberg- und Sandgartenstraße. Stimmtekal: Dolksschulturn Halle.

Übstimmungsbezirk (Wahlbezirk) llumfaßt: Hanauerstraße, Schlagweg, Hohenzellerstraße, Wassergasse llirchstraße, Sackgasse, Braugasse, Brückenauer-, Raiser-, stronprinzenstraße, Kurfürstenstraße, Timer- und Ahlers- bacherlandstraße, Hospitalstraße, Elmweg, Bahnhof Bahn­strecke, Röthe, Altebahnhofstraße, Höbäckerweg Acisbrun- nen. Stimmlokal: Kleinkinderschule.

. Die Wahl findet am Sonntag, den 6. Nov. 1932 'u der Zeit von vormittags 9 Uhr bis nach- mittags 6 Uhr statt.

Die Stimmzettel sind amtlich hergestellt und werden am Übstimmungstag im Abstimmungsraum den Stimmberech- ngten ausgehändigt.

Die Stimmabgabe hat in der Weise zu erfolgen, daß der Wähler durch ein Kreuz ober Unterstreichen, oder in sonst erkennbarer Weise den Rreiswahlvorschlaq bezeichnet, dem er seine Stimme geben will. Stimmzettel, die dieser Be= Kimmung nicht «entsprechen, sind ungültig.

Schlüchtern, den 31. Oktober 1932.

Der Magistrat. Gaenßlen.

Bekanntmaiyunff.

MN Mittwoch, den 2. Nov., abends 8Vs Uhr, Met in dem Zeichensaal der Dolbsfdiule (Latichiusstr.) a"Silber vor trag überDer freiwillige statt t$^ «in Ziel und eine Hoffnung"

0er Vortrag ist in erster Linie für die Arbeitsdienstwil- 'Nn gedacht. Am freiwilligen Arbeitsdienst interessierte Pfriemen, sind jedoch« ebenfalls herzlichst eingeladen.

Eintrittsgeld wird nicht erhoben. Schlüchtern, den 1. November 1932.

Der Magistrat. Gaenßlen.

Kabinett Staun im Reichsrat

voraussichtlich keine neue Preußenklage.

Berlin, 2. November.

Die für gestern angesetzte Sitzung des Kabinetts Braun ist auf heute verschoben worden, weil einige der Minister, die am Wahlkampf teilnehmen, nicht früher in Berlin sein konnten. In der Kabinettssitzung will sich die Regierung Braun darüber schlüssig werden ob und welche Folgerungen sofort aus den neuen Maßnahmen des Reichskommissars bzw. der Reichsregierung zu ziehen seien.

In unterrichteten Kreisen glaubt man, daß sich das Kabinett von einer abermaligen Anrufung des Staals- gerichlshofes im Augenblick nichts Wesentliches verspricht, wobei eine neue Situation höchstens gegeben wäre, wenn etwa Bayern oder ein anderes Land diesmal die Initiative ergriffe.

Zu der Sitzung der Reichsratsausschüsse am Donnerstag dürfte das Kabinett, gestützt auf die Staatsgerichtshof­entscheidung, seine Vertreter, nämlich die Ministerialdirekto­ren Dr. Brecht und Dr. Badt, entsenden. Außerdem wird als weiterer preußischer hauptamtlicher Reichsratsver­treter der Ministerialdirektor im Handesministerium C o ß - mann entsandt, der sich, wie verlautet, gleichfalls allein an die Instruktionen der Staatsregierung für gebunden hält. Preußischer Stimmführer im Reichsrat bzw. in den Aus­schüssen wird Ministerialdirektor Dr. Brecht sein. Die Staatsminister persönlich dürften an den Reichsratsausschuß­verhandlungen nicht teilnehmen.

Amisübernahme durch Popitz

Reichsminister Prof. Dr. Popitz hat in feiner Eigenschaft als Stellvertreter des Reichskommissars für das Land Preu­ßen im Geschäftsbereich des preußischen Finanzministeriums seine Amtsgeschäfte übernommen.

In seiner Einführungsrede vor den Beamten, Angestell­ten und Arbeitern des Finanzministeriums hob Reichsmini­ster Dr. Popitz hervor, daß er nicht als Fremder in das

des Landes Preußen und der von ihm umschlossenen Gemein­den und Gemeindeverbände wieder eine feste Grundlage zu geben, so daß sie nach einem Worte Marc Aurels nicht aufrechterhalten werden, sondern aufrecht stehen.

Staatssekretär Schleusener brächte den Dank für die Begrüßungsworte zum Ausdruck und versicherte, daß die Beamtenschaft des Finanzministeriums wie bisher unter Einsatz der besten Kräfte an den großen Aufgaben, die ihr gestellt seien, mitarbeiten werde.

Am Freitag Oberpräsidentenkonferenz

_ Reichskommissar Dr. Bracht hat die preußischen Ober­präsidenten, Regierungspräsidenten und den Berliner Poli­zeipräsidenten für Freitag, den 4. November. zu einer Sitzung im preußischen Innenministerium eingeladen.

Die Tagesordnung soll erst zu Beginn der Besprechung bekanntgegeben werden. Derartige Besprechungen haben auch bisher schon wiederholt stattgefunden. Neben einer Aus­sprache über die politische Lage dürfte der Zweck der Zusam- menkunft vor allem auch in einer Erörterung der sich aus der Neuregelung der politischen Verhältnisse in" Preußen und der Verwaltungsreform ergebenden Fragen bestehen.

In den Berliner Blättern wird angekündigt, daß die kommissarische preußische Regierung am Mittwoch eine Ver­ordnung herausgeben werde, durch die die Gemeindebehör­den in die Lage versetzt werden sollen, Etatsverbesserungen auch gegen die Stabs« bezw. Gemeindeparlamente vorzu- nehmen. Außerdem soll das Aufsichtsrecht weiter verschärft werden.

Die Rede des bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Held in Stuttgart findet in Berliner politischen Kreisen lebhaften Widerhall. (Eine offizielle Antwort wird aber nicht erfolgen. (Es erscheint aber nicht ausgeschlossen, daß die Rede Dr. Held? gewisse Konsequenzen in dem Verhältnis zwischen der Reichsregierung und der bayerischen Staats« regierung haben wird.

Nach den um Mitternacht vorliegenden 82 Ergebnissen der Gemeindewahlen in England und Wales haben die Ar« beiterparteifer einige Sitze auf Kosten der Konservativen, Liberalen und Unabhängigen gewonnen.

Auch am Dienstag kam es in London bei Demonstra­tionen der Arbeitslosen wieder zu Ruhestörungen und Aus­schreitungen. Größere Tumulte konnten jedoch« von der Po­lizei unterbrächt werden. Zwei Automobile wurden von den Demonstranten umgeworfen.

Bekannt»» aiffonfl

Die vom Magistrat beschlossene Erhebung der Bürger« steiler für das Kalenderjahr 1933 in Höhe des Fünffachen des Landessatzes ist durch den Herrn Regierungspräsidenten in Rassel genehmigt worden.

Schlüchtern, den 1. November 1932.

Der Magistrat. Gaenßlen.

MrwollenArbeiischaffen!

Von Reichsarbeitsminister Schäffer.

In den Mitteilungen der Reichszentrale für Hei- matbienft veröffentlicht Reichsarbeitsminister Schäffer folgende Ausführungen:

. v Man schätzt, daß zurzeit etwa 25 Millionen Menschen in der Welt arbeitslos sind. Davon entfallen auf die Ver­einigten Staaten über 11 Millionen, über 5 Millionen auf Deutschland und über 2 Millionen auf England. Gewiß hatten wir auch Arbeitslose vor dem Kriege. Aber verglichen mit den heutigen Riesenziffern schrumpfen die Arbeitslosen­zahlen der Vorkriegszeit auf ein Minimum zusammen. Die Folgen hiervon sind nicht schwer zu erraten: s ch ä r f st e r Rück gang der Produktion, des Handels und des Einkommens.

Unsere Industrieproduktion ist im Durchschnitt auf etwa 60 v. H. des Umfanges von 1928 gesunken; wichtigste Pro­duktionszweige können ihre Kapazität noch nicht einmal zur Hälfte ausnutzen. Aehnliche Verhältnisse finden wir in allen Industrieländern. So lastet eine Riesennot auf unserem Volksleben. Für Millionen von Menschen ist die Deckung der notwendigsten Bedürfnisse in Frage gestellt. Die leib­liche Existenz unzähliger Menschen ist bedroht. Hinter der leiblichen Not aber steht noch eine größere und drückendere, j Junge Menschen zu Hunderttausenden sind zur entnerven« , den Arbeitslosigkeit verurteilt und sehen keine Hoffnung mehr ; vor sich. Unendlich viele Familienväter haben keineChance" I mehr.

Die Arbeitslosenfrage ist die deutsche Frage der Ge­genwart; um ihre Lösung muß sich die gesamte deutsche Politik der nächsten Zeit drehen. Ich weiß wohl, daß diese Frage bei uns schwerer als in jedem anderen Lande zu lösen ist. Unsere Kreditbasis ist innen- und außenpolitisch beengt. Wir können dabei nicht kreditpolitische Experimente machen wie zum Beispiel England. Denn mir haben die größte Inflation aller Zeiten hinter uns. Die Reichsregierung weiß, daß es auch nicht ein e i n z i g e s Mittel zur Behebung der Arbeitslosigkeit gibt. Es müssen aber alle Wege gegangen würben, Die irgendwie dazu dienen rönnen, um Die druckende Not der Arbeitslosigkeit zu mildern.

Ein Weg zur Zurückdrängung der Arbeitslosigkeit liegt in der Arbeitsbeschaffung durch die öffent­liche Hand. Als das jetzige Kabinett die Regierung über« nahm, hat es sofort ein Arbeitsbeschaffungsprogramm in Höhe von 135 Millionen RM für ländliche Siedlung und vorstüdtische Kleinsiedlung, Wasserbauten, Straßenbauten, Meliorationen, Teilung und Reparaturen von Wohnungen usw. aufgestellt. Dadurch fanden etwa 65 000 Arbeiter wieder Arbeit und Brot. Dabei ist die Regierung nicht stehengeblie- ben. Sie hat ihr Arbeitsbeschaffungsprogramm bald danach um mehr als 200 Millionen RM erweitert. In das neue Programm wurden auch Arbeiten einbezogen, die der schwer darniederliegenden deutschen Werftindustrie wieder Beschäf­tigung bringen sollten. Auch wurde ein neuer Betrag wieder eingesetzt, um den Baumarkt zu beleben. Angesichts der Bedeutung der Bauwirtschast für die gesamte Wirtschaft ist gerade diese Zurverfügungstellung von größeren Mitteln wichtig. Nach Schätzung namhafter Nationalökonomen lebt in Zeiten normaler Baukonjunktur in Deutschland etwa ein Siebentel bis ein Achtel der gesamten Bevölkerung mittelbar und unmittelbar von der Bautätigkeit.

Wichtiger ist die Frage, wie die Wirtschaft natürlich belebt werden kann. Die Reichsregierung steht auf dem Standpunkt, daß die Zeit des Sichfügens in das Unvermeid­liche vorbei sein, daß sie von der Verteidigung gegen die Wirtschaftskrise nunmehr zum Angriff übergehen muß. An­dernfalls war zu befürchten, daß das deutsche Volk nicht mehr in der Lage sei, den bevorstehenden schweren Winter zu überstehen. Bei Betrachtung der Weltwirtschaftslage darf man auch den gegenwärtigen Zeitpunkt für solche Maß­nahmen für richtig halten, weil doch Anzeichen dafür vor« Handen sind, daß die Weltwirtschaftskrise tatsächlich den Tief­punkt überwunden hat. Die Ueberwindung der Krise ver­langt rasches und schnelles Handeln. Deshalb hielt es die Regierung für notwendig, geeignete Maßnahmen zur Krisen- bekämpfung in die Wege zu leiten. Sie tat dies durch die Verordnung zur Belebung der Wirtschaft vom 4. Septem­ber 1932. Die Wirtschaft unb das Unternehmertum haben die Vorschläge im Wirtschaftsprogramm der Reichsregierung freubig ausgenommen und zum Ausdruck gebracht, daß sie ihrerseits alles tun wollen, um das Gelingen zu sichern. Auch im Gewerkschaftslager hat man sich bereit erklärt,dem wirtschaftlichen Teil des Regierungsplanes die Chance zu- zubilligen, feine Brauchbarkeit unter Beweis zu stellen".

Der objektive Beobachter unserer Verhältnisse wird zu­nächst feststellen müssen, daß die Krifenpsychofe erkennbar abgeflaut ist. Gerade diese drohte, je länger je mehr, zu einer Myeilvollen Gefahr für die gesamte Wirtschaft zu werden. Sie war auch eine der Hauptursachen für die große Host- »ungslosigkeit, der sich so viele Arbeitslose Hingaben. Die Betonung der privatwirtschaftlichen Initiative hat in den Wirtschaftskreisen zweifellos starke psychologische Wirkungen erzielt. Sehr deutlich beweisen dies die Berichte über die Entwicklung des Arbeitsmarktes. Diese sind der Oefsentlich- keit bekannt. Ich will deshalb nur nochmals feststellen, daß im August und September d. I. die Zahl der eingeschriebe­nen Arbeitslosen um 300 000 zurückgegangen ist, in der zweiten Hälfte des Monats September allein um 163 000. Demgegenüber braucht die letzte Meldung über die Arbeits-