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! Frankreichs Plan

? Großes Vertrauensvotum für herriot.

Paris, 30. Oktober.

>ü In der französischen Kammer wurde in langer Nacht- ^ i^ng Herriots konstruktiver Plan nach endlosen und Hesi k> tn Debatten angenommen. Insbesondere der Sozialist « Wn und Franklin-Bouillon suchten in langen Reden das MS zu begeistern, wobei letzterer es nicht an scharfen Aus- et Men gegen Deutschland in seiner bereits sattsam besonnten, bi .xhüssigen Art — häufig vom Ministerpräsidenten unter- ei Men — fehlen ließ. Herriot ergriff dann das Wort zu t» ,jner groß angelegten Rede, in der er eingehend die An- n »ürfe Franklin-Bouillons zurückwies und feinen Plan ver- ii( ejjigte. Das offizielle Resümee dieses Planes lautet fob in ^dermaßen:

Jrankreich würde für einen noch zu bestimmenden Zeit ynff eine allgemeine Herabsetzung der kurzfristigen Dienst eif für die im 2Nukterlande stehenden Landstreikkräfte unter 11 senden Bedingungen annehmen:

i 1. Daß alle Formationen, die dieser Heeresorgani- jsation zuwiderlaufen, wie die Reichswehr, aufgelöst und »die Polizeistreitkräfte reglementiert würden; 2. daß ein Wigatorisches Jnvestigationsrecht geschaffen würde; 13. daß, um den Locarnovertrag zu ergänzen, ein regio- aler Pakt für gegenseitige Hilfeleistung derart abge- chlossen würde, daß jede europäische Nation daran teil- » ehmen könne, und daß die auf diese Weise vorgesehene follektivmacht ausreiche, um einen Angriff zu unter- rüden, wobei diese Streitmacht eine erste Staffel von Nationalen spezialisierten Kontingenten umfassen müsse, die sofort verfügbar wären und über ein mächtiges Ma- erial verfügten; 4. daß die Vereinigten Staaten Sicher- Heitsgarantien, wie sie sie selbst ins Auge gefaßt haben, i ewilligen würden; 5. daß die Mitgliedsstaaten des ii Merbundes sich verpflichten würden, alle Verpflich- i lagen aus Artikel 16 des Völkerbundspaktes zu er- Men, und 6. daß das Schiedsgerichtsverfahren für alle Teilnehmer am Pakt obligatorisch würde.

Seitens der radikalsozialistischen Kammerfraktion wurde Me Tagesordnung eingebracht, der auch die Regierung zu- jiimmte, und die lautete: Die Kammer ist sich des Ernstes M wirtschaftlichen, politischen und moralischen Krise be= fet, die die Welt durchmacht. Sie ist überzeugt davon, 'daß diese Krise nur durch eine ungeheure angestrengte in* Hrnationale Zusammenarbeit überwunden werden kann. Sie । ält es zur Verteidigung der bedrohten Zivilisation für 1,1 ’ingenb notwendig, auf allen Gebieten die Konkurrenz irch die Zusammenarbeit zu ersetzen.

Namentlich müssen alle gegenwärtig etwa zwischen „ Frankreich und anderen Staaten bestehenden Differen- zen im Geiste des Lntgegenkonrmens und mit dem s Wunsche, gerechte Lösungen zu finden, in Angriff ge­nommen werden.

;Die Kammer billigt die Erklärungen der Regierung und ertraut darauf, daß sie eine auf folgende Grundsätze auf* -baute Politik JaetojbjtynM

1. Achtung der durch den Völkerbundspakt aufgestellten rundsähe, namentlich was die Verurteilung jeglichen An- kiffs betrifft; 2. allgemeine Herabsetzung der wirksam kon- ollierten Rüstungen und Erweiterung der Befugnisse des ölkerbundes zur Sicherung der Gleichheit der Völker Hin- nlich der internationalen Sicherheit; 3. Beseitigung der ivaten Herstellung von Waffen in allen Ländern, Kon- olle jeglicher Herstellung und jeglichen Handels mit Waf- |n und Kriegsmaschinen.

Die Kammer lohnt jeden weiteren Zusatz ab und geht zur Tagesordnung über.

Das Verirauensvotum

Die Kammer hat durch Annahme dieser Tagesordnung »il 430 gegen 20 Stimmen der Regierung das Vertrauen usgesprochen. Für die Vertrauenstagesordnung stimmten fe Sozialisten, die Radikalen und die meisten Mitglieder r Abgeordneten der Mitte. Die 20 Gegner gehören der Wen und der Republikanischen Föderation Louis Marin

1. Der Rest der Kammer enthielt sich der Abstimmung.

*

Die Hüllen sind gefallen, das Denkmal steht frei. Her- ots „Plan conftructif", der noch rasch vor Eröffnung der t so großer Spannung erwarteten Kammerdebatte auch m Obersten Verteidigungsrat angenommen worden war, ,zur Weltdebatte gestellt. Herriot selbst hat diesen seinen un schwer verteidigen müssen. Gegen links und gegen chts, gegen Leon Blum und gegen Franklin-Bouillon. r hat den Kampf zunächst nicht sehr lebendig geführt, müde b mit leiser Stimme trug er die Gedankengänge vor, 1 diesen Plan begründen sollen. Anders die beiden Ver- ster der Linken und der Rechten. Der Sozialist sowohl >e der Rationalist haben mit Temperament ihre eigene He verfochten, wobei der Nationalist mit Vorwürfen ge- n den englischen Kabinettschef MacDonald nicht sparsam Hmg. MacDonald, das war und fei zu allen Zeiten sutschlands Anwalt. Da wurde auch Herriot erregt, euer* ich wehrte er diesen Angriff auf den englischen Premier denn er weiß zu gut, daß er MacDonalds Unterstützung brauchen wiä>.

Peinlich all das, was Leon Blum gegen die französische Olitif zu sagen wußte. Peinlich, daß in der französischen “Wer sich ein Anwalt fand, der Deutschlands Forderung 1$ Gleichberechtigung als begründet und auf den Versail- 1 Vertrag selbst fußend anerkannte. Die Sünden der ^Mischen Politik der letzten Jahre und der letzten Mo- 116 sind mit dieser Feststellung des Sozialisten Leon Blum treffender aus anderem Munde gegeißelt worden. Met), daß herriots Müdigkeit, mit der er feine „Senso­ren" auftischte, aus dein Eindruck, dem starken Eindruck 11 Leon-Blum-Rede zu erklären ist.

herriots Plan zielt in seinem Kern auf die Zerschlagung Berufsheere ab. Das immerhin muß überraschen. Denn Wirf) fei daran erinnert, daß das hundertprozentige Be- Wer, über das Deutschland verfügt, eine Erfindung Versailler Vertrages ist. Nicht Deutschland hat das Be- Reer gefordert, sondern Frankreich ist es gewesen, das Forderung im Versailler Vertrag verankerte.

, Wenn jetzt dasselbe Fankreich durch den Mund seines Mrungschefs die Abschaffung aller Berufsheere verlangt,

dann verlangt es Damit zum erstenmal tn einem nicht un­wesentlichen Punkt die Revision, um nicht zu sagen die Ab­schaffung des Versailler Vertrages. Ist herriots Plan also vom deutschen Standpunkt aus zu begrüßen? So einfach ist dieser Plan nun allerdings nicht konstruiert. Denn mit der grundsätzlichen Einführung des Milizsystems werden Klau­seln verbunden, die auf nichts Geringeres hinausgehen, als auf eine Verewigung der politischen Fesseln von Versailles. „Neue Sicherheit", „neue Garantien", „neue Verträge" — das sind die Voraussetzungen, unter denen Deutschland eine Miliz zugestanden werden soll. Voraussetzungen, die das „Zugeständnis" illusorisch machen. Kein geringerer als Leon Blum hat die Ueberflüssigkeit dieser Bedingungen, noch ehe sie von herriot ausgesprochen waren, ins klare Licht ge­rückt. Und hierauf blieb herriot, der Vielgewandte, die Antwort schuldig. Der Verlauf der Kammerdebatte, der Widerspruch, den herriots Vorschlag im eigenen Parla­ment gefunden hat, wird den französischen Ministerpräsiden­ten davon überzeugt haben, daß sein Plan vielleicht der Ausgangspunkt für neue Diskussionen fein kann, aber daß diese Diskussionen nur dann fruchtbar werden können, wenn damit eine effektive Gleichstellung der Rüstungen, vielmehr der Abrüstungen, wenn damit die Gleichberechtigung der Völker gesichert wird.

Genf zum Konstruktionsplan

Das Büro der Abrüstungskonferenz, das auf den 3. No­vember einberufen worden ist, wird die Berichte über die Neuregelung der Luftstreitkräfte, die Abschaffung der che­mischen und bakteriologischen Kriegsmittel und die noch nicht fertiggestellten Vorschläge bezüglich der Tankwaffen und der schweren Artillerie beraten.

3m Wittelpunkt der Verhandlung sieht aber die Aus­sprache über den neuen französischen Abrüstungsplan.

Die Debatte wird voraussichtlich um einige Wochen allfge- schoben werden müssen, da den einzelnen Abordnungen die Prüfung der französischen Vorschläge ermöglicht werden muß. Der Schwerpunkt der Verhandlungen wird auf der am 21. November beginnenden Tagung des Hauptausschui- ses der Abrüstungskonferenz liegen.

Seuernennungen in Preußen

Berlin, 28. Oktober.

Die kommissarische preußische Staatsregierung hat fol­gende Persönalveränderungen beschlossen:

Zu Regierungspräsidenten werden, nachdem das Ein­vernehmen des Provinzialausschusses erteilt ist, endgültig ernannt: 3n Königsberg der Landrat Friedrich aus Wahrungen, in Werseburg der Winisterialrat im Winisterium für Handel und Gewerbe Dr. Sommer, in Wünster Staatssekretär a. D. Blinder.

Regierungspräsident Berghaus in Aurich wird in den einstweiligen Ruhestand verseht. Wit der kommissarischen Verwaltung des Regierungspräsidiums in Aurich wird der Winisterialrat im Winisterium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten Bansi beauftragt.

Zum Landrat wird ernannt: Der Landratsamtsver- walter im Kreise Iserlohn (Regierungsbezirk Arnsberg) Dr Störet Der Landratsamtsverwalter im Kreise W e st - .P r i e g n i tz Landrat i. e„R Dr.,vomGoßler wird als Land­rat wieder verwendet. Ihm wird das Landratsamt des Kreises Wcst-Priegnitz endgültig übertragen

Der Polizeipräsident Fiehn in Bielefeld wird in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Mit der kommissari­schen Verwaltung des Polizeipräsidiums in Bielefeld wird de' Regierungsrat von Werder vom Polizeipräsidium Berlin beauftragt. Zu kommissarischen Landräten werden ernannt: Der mit der Wahrnehmung der Landratsgeschäfte vertretungsweise beauftragte Landrat Dr. von Buchka im Kreise G o l 0 a p (Regierungsbezirk Gumbinnen), der mit der Wahrnehmung der Landratsgeschäfte vertretungs­weise beauftragte Landrat Dr von Mohl im Kreise Sege - berg (Regierungsbezirk Schleswig). Landrat D r. Send- ler in Schwerin a. d. W wird mit Wirkung vom 15. 11. 1932 auf seinen Antrag in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Seine Wiederverwendung ist in Aussicht genom­men. Mit der kommissarischen Verwaltung des Landrats­amtes im Kreise Schwerin a. d. W. wird der bisherige Landrat Nülle aus W oh lau beauftragt. Landrat R u n g e in Quedlinburg und Landrat D r. Ackerin Zeitz werden in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Mit der vertretungsweise Verwaltung des Landratsamt in Fal­le n b u r g (Oberfchlesien) wird der Regierungsrat D r Laux in Oppeln beauftragt.

Im Bereich der Justizverwaltung werden ernannt: Der Kammergerichtsrat Dr. Nadler zum Senatspräsidenten beim Kammergericht, der Amtsgerichtsdirektor Dr. Draeger in Danzig unter Berufung in das Beamtenverhältnis zum Prä­sidenten des Landgerichts in Guben. der Landgerichts­direktor Dr. Schröder in Stolp (Pommern) zum Prä­sidenten des Landgerichts in Elbing.

Historischer Speicher eingeascheri

Großfeuer im alten Lüneburg.

Lüneburg, 31. Oktober.

3n der Rachk brach in der Altstadt ein Großfeuer aus, das in einem Speicher aus dem 16. Jahrhundert entstanden war. Die Feuerwehr bekämpfte den Brand mit 6 Schlauch­leitungen, sie konnte das Gebäude vor der Vernichtung nicht mehr reffen. Der Schaden beträgt mehr als 100 000 RW.

Das Feuer ist anscheinend auf dem Heuboden zum Aris- bruch gekommen. Da der Speicher noch ein großes Farben- Lager beherbergte, fanden die Flammen reichliche Nahrung. Die Feuerwehr mußte sich darauf beschränken, die angren­zenden Gebäude zu schützen. Als Brandursache wird Brand­stiftung angenomen.

Der zerstörte Speicher gehörte 311 den schönsten Fach- werkgebüuden Alt-Lüneburgs. Er war bekannt als Zugang zu dem historischen Viskulen-Hof, und lag gegenüber dem alten Kaufhaus am Wasser.

Ungetreuer Kirchenkassierer. Bei einer Revision der Kirchenkasse in Pulsnitz (Sachsen) wurde festgestellt, daß der Kirchenkassierer feister Unterschlagungen in Höhe von 62 000 Mark begangen hatte. Peisker wurde in Haft ge- nommen. Er hat ein Geständnis abgelegt.

— Allerseelen

Von Dr. B 0 etticher, Berlin-Südende.

Die Blätter fallen. Ein Blatt nach dem anderen löst sich von Baum und Strauch und kreiselt zur Erde hernieder. Gleich dem Blatte verwelkt und erstirbt nun aber auch mehr und mehr alles andere Leben rings um uns her. Fahl­grau und öde sind bald die Wiesen, düster und leer erscheint der Acker, kahler und trübseliger dünkt uns der Wald. Das sind so recht die kennzeichnenden Tage des Ueberganges vom Herbst in den Winter.

In diese Zeit des Melkens und Sterbens in der Natur hat die Kirche das Gedenken an die Verstorbenen gelegt, seitdem im Jahre 998 Abt Odilo von Clugny in allen Bene­diktinerklöstern ein allgemeines Seelenfest am 2. November aufgebracht und Papst Johann XIX. es 1006 für die ganze katholische Kirche eingeführt hat. Dem Fest Allerseelen wurde später das Fest Allerheiligen für den 1. November zu Ehren aller Heiligen und Märtyrer hinzugefügt. Diese bei­den Tage sind kirchlichen Ursprungs, die Bräuche aber, die sich in Deutschland an diese Tage geheftet haben und der Pflege und Beruhigung der Seelen Verstorbener gelten, sind unverkennbare Ueberbleibsel heidnischen Glaubens, ver­brämt mit christlichen Zutaten.

Im Freien und in den Häusern ist an diesen Tagen alles voll von Geistern und Seelen, und man muß sich sehr in acht nehmen, sie nicht zu verletzen. Wenn es abends dun­kel wird, tut man gut, sich nicht ins Freie zu wagen; des­halb wird auch vor der Abenddämmerung das Vieh heim­geführt. In den Wohnungen aber macht man alles zum Empfang der unheimlichen und doch willkommenen Gäste fertig. Als Gäste nämlich dürfen die Seelen am Allerseelen­fest für kurze Zeit ihre alte irdische Heimat wieder aufsuchen und werden selbst aus dem Fegefeuer entlassen. Glocken- läuten verkündet am Allerheiligentag den Augenblick zu diesem Gastbesuch der Seelen.

Eine allgemeine Sitte in den katholischen Gauen Deutschlands ist das Schmücken der Gräber auf den Fried­höfen für die beiden Gedenktage. Auf den Armenseelenabend kommen alle in das Dorf, wo sie geboren sind und wo ihre Eltern und Geschwister ihre Ruhestätte haben, wenn sie nur irgendwie in der Nachbarschaft dienen oder verheiratet sind. Alles geht auf den Kirchhof, wo die Gräber mit Weihwasser besprengt werden. Abends werden Lichter auf den Gräbern angezündet. Auch im Hause brennt man Kerzen, die am Herdfeuer angezündet werden, und verwendet dabei ins­besondere die Lichter, die auf dem Kirchhof übriggeblieben sind. In Tirol stellt die Hausfrau am Abend des Aller­heiligenfestes für die armen Seelen im Fegefeuer ein „See- lenlichtlein" auf den Tisch. Für die Seelen, welche die „kalte Pein" leiden, wird im Stubenofen ein tüchtiges Feuer an= gezündet.

In allen diesen Gebräuchen mischen sich heidnische und kirchliche Ueberlieferungen; es sind Dank- und Sühneopfer und zugleich Bittopfer. Alles das soll die Seelen erfreuen, ihnen Erquickung, Wärme und selbst Erlösung bringen.

Als Ueberbleibsel eines heidnischen Sühne- und Dank­opfers kann man besonders die Anschauung deuten, d«ß wie alle Gäste auch die Seelen der Verstorbenen Bewirtung und Speisung verlangen. Solche Opfergaben sind auch bei der Allerseelenfeier häufig in Spenden an Lebende, namentlich an Arme und Kinder, übergegangen und haben oft die Form besonderer Slllerfeelengebäde" angenommen, die vielfach be­schert oder erbettelt werden. Diese Seelenbrote bilden man­cherorts die vorgeschriebene Festspeise. Im Flämischen heißt es, daß jedes Seelenbrot, das man esse, eine Seele aus dem Fegefeuer befreie.

Lan Vermeer van Oetfi

Zum 300. Geburtstag des berühmten Holländers.

Einer der größten Schüler und Nachfolger Rembrandts ist der Delfter Maler Jan Vermeer. Er ist der Meister in der Behandlung des natürlichen Lichtes in der klaren Fülle eines sonnigen Tages. Ja, in der peinlichen Sorgfalt feiner Arbeiten ist er unübertrefflich. Da er jedes seiner Gemälde mit größter Hingabe und Ruhe auf die Leinewand zauberte, ist die Gesamtzahl seiner Werke relativ gering. Wilhelm von Bode sagt über Jan Vermeer in feinem Werke „Die Meister der holländischen und flämischen Malerschulen" fol­gendes: „Die Meisterschaft in der Beobachtung des Lichts, die Richtigkeit, der Geschmack und die überraschende Art, mit welcher er fein Wissen anzubringen versteht, ohne damit zu prahlen, haben den Künstler in unserer Zeit, in der die Künstler mit der Hellichtmalere! ein gleiches Streben ver­folgen, zu einem der beliebtesten und gefeiertsten Künstler gemacht."

Schon in den Tagen feines Wirkens wurde der hollän­dische Kleinmeister sehr hoch geschützt, und seine Bilder wur­den für damalige Zeiten recht gut bezahlt. Trotzdem war Jan Vermeer nicht auf Rosen gebettet. Am 31. Oktober 1632, vor 300 Jahren, wurde er in Delft getauft, und man nimmt an, daß dieser Tag auch sein Geburtstag ist. Er genoß gro­ßes Ansehen und war mehrfach im Vorstand der berühmten Delfter Lukasgilde tätig. Freilich herrschte oft Not in feinem Hause, die ihm ein reicher Kindersegen bereitete. Bei seinem Tode waren elf Kinder am Leben. Von seinen Werken seien feit bedeutendsten genannt: die „Briefleserin", das „Milch­mädchen", die „Straße von Delft", „Ansicht von Delft" (eines der berühmtesten Landschaftsgemälde überhaupt); ferner in deutschem Besitz: „Dame mit dem Perlenhalsband" und „Herr und Dame beim Wein" (beide im Kaiser-Friedrich- Museum, Berlin), die „Kupplerin" und die „Briefleserin" (beide in der Dresdener Gemäldegalerie) sowie die „Kokette" (Braunschweiger Galerie). Was will aber eine solche Auf­zählung berühmter Werke besagen, die nicht durch Worte vermittelt werden können, sondern die das Auge gesehen haben muß, um einen Begriff von der Bedeutung dieser holländischen Meisters zu geben.

Jan Vermeer van Delft gehört zu den unsterblichen Meistern der Malkunst, denn die eigenartige Kraft und Schönheit seiner Farbgebung bleibt erhaben für alle Zeiten. Noch heute gehören die Bilder Vermeers zu den beliebtesten Studienobjekten der Jünger der Malkunst, die für die mo­derne Technik der Farbenbehandlung und des Lichtes in diesem Holländer einen vortrefflichen Lehrherrn vorfinden.

Gefängnis für Kreuger-Reviforen. Die beiden Revi- foren der Breiiger & Toll AG., Hauptmann Bergenstrom und Winisterialrat Lindencrona, wurden in Stockholm wegen Verstoßes gegen das Akliengesellschaftsgesetz zu je drei Mo- naten Gekänanis verurteilt.