Einzelbild herunterladen
 

Ltnierre-ung Herrioi-Oavis

Merikanische Bedenken gegen den französischen «Konsulta- ßo-pakt". — Der Kellogg-Pakt als ausreichende Garantie bezeichnet.

Paris, 31. Oktober.

Der französische Ministerpräsident H e r r i o t hatte am Sonnabend eine längere Unterredung mit dem Führer der amerikanischen Abordnung auf der Abrüstungskonferenz, Mman Davis. Nach einer havasmeldung hat Davis her- riot über seine Unterredungen mit der englischen Regierung anterrrichlet, in der Hauptsache habe die Besprechung dem französischen Abrüstungsplan gegolten. 3m Anschluß an biefe Besprechung hakte Davis eine Unterredung mit Kriegs- minister Paul-Boncour.

Soweit sich bis jetzt übersehen läßt, finden die weit­gehenden Garantie-Wünsche Frankreichs bei den Vereinigten Staaten keine Gegenliebe. Der „Chicago Tribune" zufolge, holt man in Pariser amerikanischen Kreisen den französischen Abrüstungsplan wohl für eine gesunde Verhandlungsgrund- lage.

Allerdings verhehle man nicht eine gewisse Abneigung gegen den von Herriot angeregeten Konsultativ-

Pakt,

ho ja bereits das Neunmächte-Abkommen, der Londoner Vertrag und das Pazifik-Abkommen derartige Konsultatio­nen im Falle einer Vertragsverletzung vorfähen. Die Re­präsentanten der Republikaner und Demokraten bestätigten, daß der K e l l o g g - P a k t ebenfalls eine derartige Konsul- tation einbegreife, so daß eine weitere formale ' Garantie Frankreich durchaus keine größere Sicherheit geben würde.

9m übrigen meldet der Chefredakteur des „Matin", Lauzanne, aus New York, daß man sich in Frankreich einer Illusion hingeben würde, wenn man glauben wollte, daß Amerika gewisse in der von der Kammer angenommenen Mrtrauenstagesordnung aufgeführte Grundsätze unterschrei­ben würde, wie Kontrolle über die Rüstungen an Ort und Stelle, Beseitigung der privaten Kriegsmaterial-Herstellung und Ueberwachung des Waffenhandels.

Vielleicht werde Amerika in 20 Jahren zu derartigen Maßnahmen bereit sein, aber heute sei alles, was man von Amerika in einem Konfliktssalle erwarten könne, die Bereit­schaft, mit den Signatarmächten des Kellogg-Paktes in Be­sprechung einzutreten.

---------------------- q ' < | r >

Deutsches Postflugzeug verunglückt

Seine Spur von den Piloten.

Berlin, 31. Oktober.

Das Nachtpostflugzeug auf der Strecke London Köln, das Sonnabend um 7 Uhr abends von London abgeflogen war, andte etwa 40 Minuten nach dem Start funkentele- graph sch Hilferufe. Es wurde sofort der gesamte Küsten- wachdienst alarmiert. Es gelang jedoch nicht, eine Spur von dem vermißten Flugzeug zu finden. 3m Kanal herrschte k schweres, stürmisches Wetter. An Bord waren der Flugzeug­führer Wilhelm Luno und der Funker und Maschinist s Werner Drebes. Passagiere befanden sich nicht an Bord des Flugzeugs.

P Wie aus Offende verlautet, sollen Teile der Maschine Iahe-der englischen Küste westlich treibend, gesichtet worden !in. Das deutsche Gegenslugzeug „D 2009“ hat sich auf die iuche nach den Resten und nach der Bemannung des ver- nglückken Flugzeugs begeben und wird über dem Kanal reuzen. Man nimmt an, daß ein Brand den Unfall ver- rsacht hut, weil Kanaldampfer Flammen in der Luft be­dachtet haben wollen.

Tenor-Prozeß in Königsberg Sie ostpreußischen Sprengstoffanschläge vor dem Sonder- gericht.

Königsberg, 31. Oktober.

Unter starkem Andrang des Publikums begann vor dem -ondergericht in Königsberg der Prozeß gegen 19 der an m Terrorakten am 1. August beteiligten Nationalsozia- sten, die durchweg noch sehr jung sind, Die Verteidigung der Angeklagten hat u. a. Rechtsanwalt Frank II aus Mün­chen übernommen. Zunächst wird gegen 11 Angeklagte ver- andelt, die der vollendeten und der versuchten Brandstif- ung beschuldigt werden. Der Angeklagte Burow wird der lnstiftung zur fortgesetzten Brandstiftung beschuldigt.

Nach Verlesung des Eröffnungsbeschlusses erklärte der lngeklagte Hans Günther, den man als Rädelsführer an- ehl, er verweigere die Aussage zur Sache. Die übrigen ehn Angeklagten schließen sich der Aussageverweigerung w. Als die Verlesung der polizeilichen und gerichtlichen tussagen der Angeklagten beendet war, gab der Verkei- iger Rechtsanwalt Frank II (München) die Erklärung ab, daß in den früheren Angaben der Angeklagten alles andere ther als ein Geständnis zu erblicken sei. Die Angeklagten wollen sich in keiner Weise gegen die Strafgesetze vergangen "ben. Die Zeugnisverweigerung der Angeklagten sei als ein leidenschaftlicher P r o t e st gegen dieses ganze Verfah­rn anzusehen, und hinter diesem Protest der Angeklagten ‘toben Millionen deutscher Männer und Frauen, die eben­falls Protest erheben, insbesondere dagegen, daß man 3u- lendllche nicht vor ein ordentliches Gericht gestellt habe.

Das Urteil

Nach einer Verhandlungsdauer von mehreren Stunden «kündete das Gericht das Urteil. Es lautete gegen den «uppführer Burow wegen Anstiftung zu den Brandstiftun- auf ein Jahr sechs Monate Zuchthaus. Die anderen An- «Jagfen wurden bis auf einen zu Gefängnisstrafen von Monaten und einem Jahr verurteilt. In einem Falle er- Mnte das Gericht auf Freifpruch.

^«Haftungen wegen Sprengstoffdiebstahls in Schlesien. m Aus der Ziegelei Kynau bei Waldenburg wurde in der "acht zum 30. Juli d. I. etwa ein Zentner Sprengstoff ^wendet. Nunmehr sind drei SA.-Leute verhaftet worden, ?,e im dringenden Verdacht stehen, gemeinschaftlich den -Abbruch verübt zu haben. Ferner ist gegen den im Zu- "wmenhaug mit dem Sprengstoffanschlag in Reichenbach toeits verhafteten Standartenführer Rauscher ein weiterer Ustbefehl ergangen, weil er der Anstiftung zu dem ^prengstoffdiebstahl dringend verdächtig ist.

Mahlreden Adelungs und Lobes in Nürnberg. I

CHB. Nürnberg, 31. 10. (Eigene Meldung). Eine von der Kampfleitung der Eisernen Front nach der Fest- Halle im Luitpoldhain einberusene Wahlkundgebung hatte i etwa 20 000 Personen angezogen. Zur Reichstag-wahl sprach : zunächst der hessische Staatspräsident Dr. tidelung. Die : Tatsache, daß die Hitlerleute sich auf einmal als wirkliche ! Sozialisten und als Versassungssreunde ausgeben, bezeich- : nete er als politische Falschmünzerei. Was sie wirklich wollten, das habe das Boxheimer Dokument gezeigt. Buch i ihr Kampf gegen Herrn v. Papen sei nicht echt, denn in i Wirklichkeit seien Hitler, Papen, Hugenberg und der Stahl- i Helm ein Herz und ein Sinn. Ihnen am 6. November eine Niederlage zu bereiten, sei die Rufgabe der Eisernen Front. Stürmisch begrüßt, hielt dann der frühere Reichstagspräsi- dent £öbe eine halbstündige von Humor durchsetzte Rede. Gegenüber der Herrenschicht, die hinter Papen stehe, gelte es, die sozialen Errungenschaften des letzten Jahrzehnts und die demokratischen Einrichtungen energisch zu verteidigen. Darüber hinaus müsse gekämpft werden für eine gänzlich neue Ordnung der Dinge. Mit dem Ruf „Freiheit!" schloß Lobe unter stürmischem Beifall.

Die Lutherstatue des Wittenberger Denkmals.

Raubüberfall auf eine Krankenkasse

Ein dreistes Bandikenstück. — Die Täter entkommen.

Hamburg, 31. Oktober.

Auf die Landeskrankenkasse im Lockstedker Lager wurde in den frühen Morgenstunden ein verwegener Raubüber­fall ausgeführt. Vor der Filiale fuhr ein Auto mit zwei mas­kierten Leuten vor, die mit gezogenem Revolver in den Kas- senraum drangen und die Angestellten zwangen, ihnen das Geld auszufolgen. Wieviel die Räuber erbeutet haben, steht noch nicht fest. Die Täter sind in einem Auto entkommen und gaben auf ihre Verfolger mehrere Schüsse ab.

Hamburg feiert Gerhart Hauptmann. Aus Anlaß des bevorstehenden 70. Geburtstages Gerhart Hauptmanns be­gann in Hamburg eine Reihe von festlichen Veranstaltun­gen. Den Auftakt bildete ein Empfang Hauptmanns im Rathause, in dessen Verlauf Bürgermeister Dr. Petersen von einem Senatsbeschluß Kenntnis gab, eine Hamburger Aufbauschule für begabte Volksschüler Gerhact-Hauptmann- Schule zu nennen.

Effektenschieber auf frischer Tat verhaftet. Der Zoll- fahndungsstelle Krefeld gelang es, den auch von der Staats­anwaltschaft Düsseldorf steckbrieflich gesuchten Teppichhändler Nathan, genannt Russen Zimmer, festzunehmen. Er wurde auf frischer Tat dabei ertappt, als er für 51 000 Mark hoch­wertige deutsche Effekten, die er aus dem Auslande einge­führt hatte, verkaufte, um den Erlös ohne Genehmigung der Stelle für Devisenbewirtschaftung ins Ausland zu schaffen

Dachstuhlbrand im Schloß Amorbach. In dem präch­tigen, von dem Fürsten von Leiningen bewohnten Schloß Amorbach in Unterfranken brach Feuer aus. Man befürch­tete zunächst ein Uebergreifen des Feuers auf die beiden Ost- und Westflügel. Den Bemühungen der gesamten Feuer­wehren der Umgebung gelang es jedoch, das Feuer auf feinen Herd zu beschränken, so daß lediglich der Dachstuhl des Verbindungshauses vollständig ausbrannte. Ueber die Brandursache konnte noch nichts ermittelt werden.

Polnischer Grenzbeamter als Spion. Der Erste Straf­senat des Oberlandesgerichts Breslau verurteilte der. 35jüh- rigen polnischen Staatsangehörigen Grenzbeamten Marjan Brozyna aus Krakau wegen versuchten Verbrechens gegen Paragraph 3 des Spionagegesetzes und wegen Paßverge­hens zu einer Zuchthausstrafe von drei Jahren und einem Monat unter Anrechnung der Untersuchungshaft.

M - — — — — — — — —— j

Weiße Zähne: Chlorodont •

________।

die Zahnpaste die von mehr als 6 Millionen Menschen — allein in Deutschland — täglich gebraucht wird. Vorzüglich in der Wirkung, sparsam im Verbrauch, von höchster Qualität. Tube 50 PL und 80 PL Weisen Sie jeden Ersatz dafür zurüde.

Fulda. Zum Schweinemarkt waren 273 Ferkel auf« getrieben. Die Preise betrugen für Ferkel bis zu 6 Wochen 6, bis zu 8 Wochen 10 und für solche bis zu 13 Wochen 14 Mark. Größere Tiere wurden über Notiz bezahlt. — Rm Buttermarkt bezahlte man für das Pfund Landbutter durchschnittlich 1,10 Mk., vereinzelt 1,20 MK. Die Tier kosteten 10—12 pfg. pro Stück. Gänse waren mit durch­schnittlich 60 pfg. für das Pfund angeboten.

Aus Gtabt, Kreis und Provinz.

Reformationsfest

Wiederum begeht die evangelische Kirche das Fest der Reformation zur Erinnerung an den Tag, an dem Luther mit dem Anschlag der 95 Thesen an die Schloßkirche zu Wittenberg sein Werk einer Erneuerung d/r Kirche „an Haupt und Gliedern" einleitete, die Geburtsstunde des evangelischen Bekenntnisses. Seit Jahrhunderten war in der Christenheit der Wunsch nach Kirchenreformen rege gewesen, und die Konzilien des 15. Jahrhunderts hatten seine Berech­tigung durchaus anerkannt; aber alle Versuche waren an den ungeheuren Widerständen gescheitert, die sich ihnen ent« gegenstellten, und ergebnislos im Sande verlaufen.

Da nahm ein einfacher Mönch erneut den Kampf auf, gestützt allein auf ein unerschütterliches Vertrauen auf seinen Gott und die Gerechtigkeit seiner Sache, und woran Päpste und Fürsten gescheitert waren, ihm gelang das Riesenwerk. In schwersten Seelenkämpfen hatte er sich aus den alten Banden innerlich frei gemacht und sich geprüft, ehe er an die Ausführung ging. Der Thesenanschlag war der Fan- farenruf zum Kampfe, nun gab es kein Zurück mehr. Dem tapferen Gottesstreiter Martin Luther, einem Kämpfer des Glaubens hinter dem Schilde Gottes, wie man ihn genannt hat, ist es dann geglückt, in schwerstem Ringen gegen alle Gewalten und Anfeindungen, die ihm selbst und seinem Glaubenswerke von geistlicher und weltlicher Macht drohten, unter ständiger Einsetzung seiner ganzen Persönlichkeit den Sieg zu gewinnen.

Ihm und nur ihm allein verdankt die evangelische Kirche ihr Bestehen, denn mit ihm stand und fiel das Werk der Reformation, und so wird Luthers Gestalt im Mittel­punkt jedes Gedenkens an diesem Festtage stehen. Allen Menschen kann, ganz abgesehen von seiner schöpferischen Tat, dieser gewaltige Kämpfer und Glaubensheld ein Vorbild tapferen Mutes und demütigen frohen Glaubens sein. Und wenn bei allen kirchlichen Feiern das Lutherlied „Ein' feste Burg ist unser Gott" erklingt, so sollte es in aller Herzen dringen, die kleinmütig und verzagt geworden sind in den Nöten unserer Zeit, und sie aufrichten und stärken im Le­benskämpfe, denn ein' gute Wehr und Waffen ist uns ge­blieben jetzt und allezeit.

Wetterbericht. Mit sehr großer Geschwindigkeit hat sich im Laufe des Samstag ein Liesdruckwirbel entwickelt und ist bis Mitteleuropa vorgestoßen, wobei verbreitete und anhaltende Niederschläge fielen. Die Weiterentwicklung des Wetters geht mit derselben stürmischen Geschwindigkeit vor sich. Mit dem Einbruch kälterer Luftmassen werden zu­nächst die Niederschläge in Schauer übergehen und dann eine leichte Beruhigung des Wetters eintreten, doch! wird diese keinen Bestand haben, sondern vermutlich einer neuen Trü­bung platz machen. Witterungsaussichten für Dienstag: Fortdauer der unbeständigen Witterung und neue Trübung wahrscheinliche

Der erste 5 ch nee fiel in unserem Kreise am Sonntag vormittag und bedeckte vorübergehend die Höhenzüge im östlichen Kreisgebiet

Hochwajserge s a h r. Durch den anhaltenden starken Regen der letzten Tage erhalten die Flüsse und Bäche große Wassermengen zugeführt, die überall ein Steigen der Flüsse zur Folge haben. Von verschiedenen Stellen des Untermains wird bereits ein Steigen des Wasserstandes um einen Meter gemeldet. In Frankfurt zeigte der Pegel am Sonntag ein Steigen von 35 Zentimeter. Wenn das Regenmesser in dem bisherigen Umfange weiter anhält, dürfte die Hochwasser­gefahr immer mehr zunehmen.

Weggeworfenes Geld. Es wird uns geschrieben: Geht da in diesen Tagen eine Frau mit ausgezeichnetem Mundwerk von Haus zu Haus, erschrickt die Frauen, in­dem sie ihnen oder den Kindern irgend eine Krankheit auf den Kopf zusagt und schwätzt ihnen dann ein Buch für 36 Mark auf, in dem die besorgte Mutter nachlesen kann, was ihr alles fehlt oder an Krankheiten möglicherweise noch zustötzt. Manche „vertrauen sich der Frau vollständig an", (die sie zum ersten Mal in ihrem Leben, und vielleicht auch das letzte Mal, sehen) unterschreiben die Bestellung und erst hinterher merken sie, daß sie im Besitze des Buches genau so klug sind wie zuvor. Reue und Rerger über das wegge­worfene Geld kommen dann allerdings zu spät. Schon vor 100 Jahren sagte der alte Dr. Heim in Berlin warnend zu einem Patienten, der auch immer über alle möglichen Krank­heiten in ärztlichen Büchern las und sich dann einbildete, diese Krankheiten zu haben: „Nehmen Sie sich in acht, mein Lieber! Lines Tages sterben Sie noch mal an einem Druck­fehler!"

Erheblicher Schü lerrückgang an den höhe­ren Schulen, von dem so bedauerlichen wirtschaftlichen Niedergänge in Deutschland zeugt leider auch der Rückgang der Schüler an den höheren Schulen, Mittelschulen und Fachschulen. Mein bei den höheren Schulen sind in diesem Jahre etwa 45 000 Schüler weniger als im Vorjahre 1931. Die Zahl der Sextaner hat sich beispielsweise um fast 25 Prozent verringert, während der allgemeine Rückgang et­wa 6 Prozent beträgt. Seit dem vergangenen Jahre gibt es etwa 1000 Klassen an den höheren Schulen Deutsch­lands weniger. Wahrscheinlich ist dieser Rückgang noch nicht zum Stillstand gekommen.

Frankfurter Schlachtviehmarkt vom 31.10. 1932. Der Auftrieb des heutigen Hauptmarktes bestand aus 1372 Rindern, darunter 310 Ochsen, 115 Bullen, 453 Kühen, 420 Färsen, ferner 433 Kälbern, 81 Schafen und 424o Schweinen. Bezahlt wurde:

Ochsen a 1 29—32, 25—28, 22—24,

Bullen a 27—29, 22—26,

Kühe a 25-27, 21—24, 17—19, 14—16.

Färsen a 31—33, 27—30, 23—26,

Kälber b 41—43, 37—40, 30-36,

Schafe

Schweine b 42—45, 42—46, 40—45, 36—45.

Verlauf des Marktes: Kälber und Schafe ruhig. Schwei- ne schleppend.