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Aeeis-Kmtsblatt * MyemeLner amULcherKureLyevftr ten. Kreis -chlüchtem
Rt. 130
(1. Blatt)
Gamstag, den 29. Oktober 1932
84. Iahra. ^p—»———w
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt«
Hr. 4394. Für die bevorstehende Unterrichtsperiode der ländlichen SortbiIbungs[djuilen bestimme ich den 7. November d. 3s. als Anfangstermin.
Die Zahl der gesamten Unterrichtsstunden (jede Stunde 45 Minuten) wird für jede Klaffe auf 64 (16 Unterrichts- wochen) festgesetzt. Diese Stundenzahl ist bestimmt einzu- halten.
Die Herren Bürgermeister mache ich erneut darauf auf-
Wi MrHam, daß die Gemeindebehörden nicht befugt sind, ohne
Genehmigung der Aufsichtsbehörde den Unterricht in der Fortbildungsschule auszUsetzen oder ihn zeitweise ausfal- len zu lassen.
Der Herr Schulrat bittet um sofortige Einsendung
ihn
Stundenpläne und um Angabe der Schülerzahl.
i Schlüchtern, den 25. Oktober 1932.
Der Landrat: Dr. Müller.
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Allg. Ortskrankenkasse Schlüchtern.
{ Die alsbaldige Einzahlung der noch rückständigen Bei-
>chi träge aus den Zahltagen für die Monate Juli, August und September 1932 wird hiermit in Erinnerung gebracht.
Hebetermine finden statt:
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1. In Steinau, am Mittwoch, den 26. Oktober 1932, von vormittags 10 bis 4 Uhr nachmittags, in der Mart'schen Gastwirtschaft daselbst.
2. In Sterbfritz, am Mittwoch, den 2. November
nd 1932, von nachmittags 3 bis 7 Uhr, ^Gastwirtschaft daselbst.
in der Böhm'schen
3. In Salmünster, am Mittwoch, den 9. November »M 1932, von nachmittags 2‘/2 bis 6 Uhr, im Gasthause „Zum bl Engel" daselbst.
4. In Bad Soden, am Freitag, den 11. November Ü932, von nachmittags 2’/2 bis 6 Uhr, im Gasthause „Zur Öffnung" daselbst,
tnb zwar wie seither auch für alle den genannten Orten aheliegenden Gemeinden.
, । An dem Hebetermintag, am 26. Oktober 1932, bleibt die Kasse in Schlüchtern für Ein- und Auszahlungen (01 geschlossen, worauf besonders aufmerksam gemacht wird.
ei Rückstände, die nach diesen Tagen noch verbleiben, 5 k müssen alsdann unverzüglich zur zwangsweisen und kosten-
all! irtii
iflichtigen Einzahlung gelangen.
Die Herrn Bürgermeister bitten wir, dieses im Interesse -ihrer Gemeindeangehörigen, wie seither, möglichst am Tage “’ oor dem oder an dem Hebetermintage selber Nochmals ortsüblich bekannt machen zu lasten.
Schlüchtern, den 20. Oktober 1932.
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Der Vorstand der Allg. Ortskrankenkasse Schlüchtern.
Stadt Schlüchtern.
Bekanntmachung.
Papens Politik
Ein Interview des Reichskanzlers.
London, 28. Oktober.
Dem britischen Oberstleutnant Stirling hat Reichskanzler von Papen eine Unterredung gewährt, die in der englischen Zeitung „Morning Post" veröffentlicht wurde und in der Herr von Papen die Ziele seiner Politik eingehend behandelte. Er erklärte u. a.: Das Ergebnis der letzten Reichstagswahlen entsprach ungefähr meinen Erwartungen.
Ich bin überzeugt, daß eine einheitliche Kontrolle die einzige Methode ist, Deutschland aus seinen Schwierigkeiten herauszuhelfen.
Das deutsche Volk hat es satt, von Parteien beherrscht zu werden, die, wie sich während der letzten beiden Jahre parlamentarischer Regierungen zeigte, häufig ihre eigenen Interessen den Interessen der ganzen Narion vorangestellt haben. Die erste Pflicht meiner Regierung ist es, die Autorität des Staates zu wahren. In dieser Hinsicht ist die Regierung entschlossen, die notwendigen M. gnahmen zu treffen und sie jedem gegenüber, der die öffentliche Ruhe stört, anzuwenden, ohne Rücksicht auf seine Person oder seine Parteizugehörigkeit. Meine Regierung steht über allen Parteien und wird keine Unterschiede machen Deutschland braucht Frieden und Ruhe und Rückkehr des geschäftlichen Vertrauens, und ich werde mich bemühen, dafür zu sorgen. Die Notwendigkeit einer zentralistischen Reorganisation ist der erste und einzige Kampf, vor dem meine Regierung steht. Meine allererste Aufgabe wird die Bemühung sein, Arbeit für die Arbeitslosen zu beschaffen und, wenn möglich, die Grundlagen der Verteilung der vorhandenen Arbeit zu erweitern. Ferner muß der Verwaltungsapparat im Interesse von Ersparnissen vereinfacht werden.
Ueber die Frage einer Rückkehr zur Monarchie befragt, wiederholte der Reichskanzler die Erklärung, daß diese Frage gegenwärtig nicht aktuell sei.
Ueber die Abrüstungsfrage sagte der Kanzler: Wir haben gegenwärtig das Gefühl, ganz ohne Sicherheit zu sein. Wir wünschen, nicht mehr für unsere Rüstungen ckWzugeben als gegenwärtig. Aber wir wollen von den Beschränkungen frei sein, die uns bezüglich der Art und .Weife-der Verwendung unserer Gelder auferlegt sind.
Die privaten Armeen, auf die die Franzosen immer wieder Hinweisen, sind, wie jeder Fachmann weiß. in militärischer Beziehung wertlos, weil sie weder bewaffnet noch in einer für den in hohem Maße technischen krieg erforderlichen Weise ausgebrldek sind.
Schließlich beantwortete der Reichskanzler noch eine Frage nach den deutschen Schulden. Er sagte: Was die privaten Schulden betrifft, so kann ich erklären, daß überall der ehrliche Wunsch besteht, diesen Verbindlichkeiten nachzukommen. Aber es muß im Auge behalten werden, in welchem Maße unsere Zahlungsfähigkeit von unserer Ausfuhr und von dem Verkauf unserer Güter auf fremden Märkten abhängt.
Hut durch gegenseitiges Vertrauen kann die wirtschaftliche Erholung der ganzen Welt zustande gebracht werden. Heute ist es keiner Ration möglich, nur an sich allein zu denken.
ver Waldweg von dem Distrikt „Dicke Hecke" nach dem Distrikt „Frauenholz" im Stadtwald Schlüchtern (am phi- lipp Rüfser'schen Grundstück entlang) wird wegen Aus- erla Sauarbeiten vom 29. Oktober 1932 ab bis auf Weiteres für jeglichen Verkehr gesperrt.
Schlüchtern, den 28. Oktober 1932.
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Der Magistrat: Gaenßlen.
Bekanntmachung
Der diesjährige Kalte Markt findet am Montag, den 14.
November statt.
Schlüchtern, den 28. Oktober 1932.
Der Magistrat. Gaenßlen.
Der indische Vizekönig ließ erklären, daß Gandhi nicht freigelassen werden könne, wenn er nicht vollkommen sich von der Bewegung des zivilen Ungehorsams lossage. — Das Präsidium des Reichsverbandes der deutschen Industrie hat in seiner Sitzung am Donnerstag erneut ge- gen die Kontingentierungspläne der Reichsregierung Steh A ^g genommen. Schon die Ankündigung möglicher Kon= ^ ^gente habe zu einer bedenklichen Stockung des deutschen As Sports gerade nach den bedeutsamsten Abnehmerländern geführt.
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— Bei einer Schlägerei zwischen Nationalsozialisten und ie# Fmmunislen in Hamburg in der Nacht gum Freitag wurden Jtti Nationalsozialisten durch Schüsse und Messerstiche ver- (^t. Beim Erscheinen der Polizei flüchteten die Strei-
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~~ 3n Sydney kam es bei Arbeitslosendemonstrationen W ernsten Unruhen.
— 3n Warschau demonstrierten die Studenten gegen die hohe der Einschreibegebühr und die geplante Deschränk- Ag der Hochschulautonomie. Die Polizei ging mit Wasser- '"nks und Gasgranaten gegen die Demonstranten vor.
Arbeitsbeschaffung der Gemeinden
Der Reichsstädtebund verlangt Ergänzung der Regierungs- maßnahmen.
Berlin, 28. Oktober.
Die bisherigen Pläne für Arbeitsbeschaffung brachten den Gemeinden keine fühlbare Entlastung, weil sie überwiegend für eine Beschäftigung von Arbeitslosen Sorge trugen,' die von der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung unterstützt werden oder Krisenun- terstützung empfingen. Der Reichsstädtebund verlangt deshalb eine Ergänzung der bisherigen Maßnahmen der Reichsregierung durch eine Arbeitsbeschaffung, die eine ausschließliche Beschäftigung von Wohlfahrtserwerbs- losen zum Ziele hat und gleichzeitig den Gemeinden ermöglicht, volkswirtschaftlich wertvolle Arbeit zu leisten.
Das Programm mühte die Beschäftigung von etwa 400 000 bis 500 000 Wohlfahrlserwerbslosen ermöglichen. Als Arbeiten kommen in Betracht: Straßenbauten, Meliorationen, Kanalifierungsarbeiten und Einrichtung von Was- serversorgungsanlagen.
Gleichzeitig hat der Reichsstädtebund die Reichsbahn und Reichspost gebeten, dafür Sorge zu tragen, daß bei den Arbeitsvergebungen in möglichst weitem Umfange der Notlage der Arbeitgeber und Arbeitnehmer in den kleinen und mittleren Städten Rechnung getragen wird.
Allgemeine Mehrpflicht für Derrtschland?
H- Nach einer unbestätigten Meldung des Pariser Blattes „Soir" soll der angekündigte französische Konstruktivplan für die Abrüstung für Deutschland das Recht vorsehen, eine neunmonatige allgemeine Wehrpflicht einzufüh- ren. Ferner werde Deutschland die qualitative, nicht aber die quantitative Rüstungsgleichheit bewilligt werden.
— Außer in London wurden am Donnerstag auch in Birmingham, Manchester, Glasgow und anderen Provinzstädten Arbeitslosenkundgebungen gegen den Bedürftigkeits- nachweis veranstaltet, die jedoch ohne ernste Zwischenfälle verliefen.
Vor Entscheidung der preußischen Frage.
Angliederung preußischer Ministerien an die verwandten Reichsreisforts.
Reichskanzler von Papen und Ministerpräsident Braun werden vom Reichspräsident empfangen
TR8. Berlin, 28. 10. (Eigene Meldung). Der heutige Freitag wird politische Entscheidung von größter Tragweite bringen. Das Problem Preußen-Reich wird einen sehr starken Schritt nach vorwärts gebracht werden. 3n den letzten Tagen, namentlich am gestrigen Donnerstag, haben hierüber bereits wichtige Besprechungen stattgefun- den, die die heutige Beschlußfassung des Reichskabinetts vorbereiteten. 3n unterrichteten Kreisen wurden diese Dinge aber mit der größten Zurückhaltung behandelt. 3m Laufe des Donnerstag Abend sind aber dann doch Informationen verbreitet worden, die zwar keineswegs Anspruch aus absolute Richtigkeit machen konnten, aber dazu führten, daß sich die Berliner Morgenblätter bereits in breitester Form mit den Entschlüssen befassen, die heute getroffen werden sollen. Die „Doss. 3tg." glaubt zwar, daß die Beschlüsse des Reichskabinetts nur noch formale Bedeutung haben würden, weil in einer Staatsministerialsitzung, dir am Donnerstag unter dem Vorsitz des Reichskanzlers von Papen als preußischem Staatskommissar stattfand, alle Vorbereitungen bereits getroffen seien. Trotzdem bleiben zweifellos noch gewisse Möglichkeiten offen. Als ziemlich sicher kann ange- i nommen werden, daß die beiden Maßnahmen heute kommen werden: Die Ernennung einer früheren Staatssekretärs des Reichsfinanzministeriums — in den Blättern wird jetzt offen der Rame des Professors Dr. Popitz genannt — zum kommissarischen Leiter der preußischen Finanzministeriums und seine -Ernennung und die Dr. Vrachts zu 'Reichsministern ohne Portefeuille. Was darüber hinausgeht, steht noch nicht fest. Man spricht von der Angliederung eines Teiles her ApriMN Wnisterien an die verwandten Reichsressorts, z. B. des preußischen Landwirtschaftsministeriums an das Reichsernährungsministerium, ferner des Wohlfahrtsministe- rrums and as Reichsarbeitkministerium und das Iustizmini- steriums and as Reichsjustizministerium. Beim Kultusministerium wird von der (Ernennung eines neuen Leiters gesprochen. Soweit wir unterrichtet sind, kommt sie jedoch heute aus bestimmten Gründen noch nicht in Frage. Ebenso ist es wahrscheinliche, daß die eben erwähnte Angliedle- rung von Ministerien an die Reichsministerien nicht schon heute, sondern erst im zweiten Stadium erfolgt. Aber schon das, was für Heute zu erwarten ist, zeigt, welche Bedeu- . tung den Beschlüssen des Reichskabinetts zukommt. Eine , besondere politische Rote bekommen die Dinge noch durch i die Ankündigung des allgemeinen (Empfanges des Reichs- | Kommissars und des Ministerpräsidenten Braun beim , Reichspräsidenten. Verfassungsmäßig stellen sich den Absichten des Reichskommissars und der Reichsregierung keine Schwierigkeiten entgegen. Denn der Staatsaerichtshof hat nicht nur ausdrücklich feitaestellt, daß der Reichspräsident durchaus berechtigt sei. nicht nur die polizeilichen Machtmittel des Reiches und Preußens in einheitliche Bahnen zu lenken, sondern daß es auch zweckmäßig erscheinen könne, auch Ministerien zu erfassen, deren Aufgabenkreis nicht im 'Gebiet der allgemeinen Politik liege. Damit ist die verfassungsmäßige Voraussetzung für die beabsichtigten Maßnahmen gegeben. Es ist allgemein bekannt, daß der Ministerpräsident ebenfalls auf dem Standpunkt einer Zusammenlegung von vreußiscken und Reichsressorts steht. Er hat aus dieser sachlichen Einstellung noch in der Pressekonferenz am Mittwoch keinen Hehl gemacht. Der Empfang am Samstag beim Reichspräsidenten soll offenbar den Zweck haben, diese Linie weiterzust'ihren und formale Schwierigkeiten, die im Reichsrat aus parteipolitischen Gründen auftreten könnten, um des großen Zieles willen von vornherein auszuschalten.
Arbettsbel'ckaMnalSprvsramm für 500 000 Mohlfahrtserwerbslose.
’ TNB. Berlin. 28. 10. (Eigene Meldung). 3m Berliner Börsen-Tourier ist die Rede von einem umfassenden ArbeitsbeschaffunasProgramm für 500 000 Wahlfahrtser- rverbslose, über das in der heutigen Kabinettssttzung Be« Muß gefaßt werden soll. Die Finanzierung soll in der Sorm erfolgen, daß außer den 250 Millionen, die, die Kommunen an Unterstützungen sparen würden,, weitere Mittel durch die Gewährring von Steuergutscheinen beschafft würden, wie es schon vor einigen Tagen in der Presse angedeutet war. von unterrichteter Seite hören wir dazu, daß zwar derartige Pläne von Hen beteiligten Ressorts erwogen wurden, daß es aber zweifelhaft fei, ob bereits in der Heutigen Kabinettssitzung endgültige Beschlüsse gefaßt werben könnten.