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Kreis-Kmtsblatt * MyemeLner amtlicherKnzeLyee für tat Kreis Schtüchtem

Nr. 128

(). Blatt)

Dienstag, den 25. Oktober 1932

84. Jahr«.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

-Sprechstunde» beim Ka«dratsamt: Dienstags: i und Freitags, narmittags von 9 bis 12 Uhr:

Uerordnnng

über den Handel mit Kernseifen.

Dom 28. September 1932.

Auf Grund der §§ 1 Und 4 der Verordnung über die Be= fugniffe des Reicfysbömmiffars für Preisüberwachung vom 8. Dezember 1931 (R®B{. I S. 747) wird folgendes ver­ordnet: ^

§ 1.

Bis Kernseifen dürfen im Handel nur solche reinen Lei­sen bezeichnet werden, die auf Unterlänge oder Leimnieder- schlag gesotten und aus ihren Lösungen ausgeschieden sind.

Kernseifen müssen im frischen Zustand mindestens 60% Fettsäuren in Hydraten enthalten.

Ein Harzsäuregehalt wird dem Fettsäuregehalt gleich­gestellt.

§ 2.

Diese Verordnung tritt am 1. Januar 1933 in Kraft.

Berlin, den 28. September 1932.

Der Reichskommissar für Preisüberwachung, gez. Dr. Goerdeler.

Wird veröffentlicht!

Die Grtspolizeibehörden und die Herren Landjägereibe­amten ersuche ich, die Durchführung der Verordnung zu überwachen.

hchlüchtern, den 20. Oktober 1932.

Der Landrat. 3. v.: Vuwe.

^etr. Abgabe vs» Kackmave».

Nr. 4315. Nach einer in dem nächsten Regierungsämts- blatt erscheinenden Anordnung des Herrn Regierungsprä- jideuten ist die Belieferung von offenen Verkaufsstellen (;. B. Zweiggeschäften, Mederverkaufsstellen, Verkaufs­stellen von Konsumvereinen und ähnlichen vereinen) mit Lackwaren jeder Art von 6V4 Uhr morgens an zulässig. Die Abgabe von Backwaren jeder Art aus dem Bäckerei- betrieb unmittelbar an Verbraucher ist von 6V2 Uhr mor­gens an zulässig. Belieferung und Abgabe sind zeitlich! vom Verlassen des Bäckereigrundstücks an zu rechnen.

Die Grtspolizeib>ehörden werden deshalb^ angewiesen, die Wabe von Backwaren jeder Art aus offenen Verkaufs­stellen auf Grund von § 9 Absatz 3 der Verordnung über die Regelung der Arbeitszeit der Angestellten während der Zeit der wirtschaftlichen DeMobilmachung vom 18. März 1919 sRGBl. S. 315) von 6V2 Uhx morgens an zuzulafsen. (Einer Anhörung der Gewerbea!ufsich!tsbeamten Maß § 9 Abi. 4 a. a. D. bedarf es nicht mehr.

Ich ersuche dafür zu sorgen, daß die Genehmigungen gleichzeitig ant 25. d. Mts. in Kraft treten.

5chlüchtern, den 19. Oktober 1932.

Der Landrat. Dr. titulier.

Krelsausschuff.

De? a » nkmaMunff.

I-M I 21912 F. Meine fortlaufenden Hinweise im streisblatt zur Beachtung der für den persönlichen 0er= lichr mit dem Landratsamt unb Ureisaussch!utz eingelegten bprechta!ge Dienstag und Freitag vormit- tags von 912 Uhr werden der Ureisbevölke- kurg hiermit besonders in Erinnerung gebracht. Bei der zu- ^hirenden Inanspruchnahme der Dienststellen, insbeson- dere bem starken Anwachsen des Geschäftsbetriebs beim ^Horgeamt. wird es sich künftig nicht mehr ermöglichen Mfen, Publikum außerhalb der Lprechstunden zu empfan= M Ich muß. wenn die ordnungsmäßige und möglichst ichrelle Abwicklung der umfangreichen Geschäfte nicht in ^fage gestellt werden soll, die Erwartung zum Ausdruck gingen, daß auf die Arbeitsüberlastung der Dienststellen erforderliche Rücksicht genommen wird. Ausnahmen kirnen nur in dringlichen Fällen und nach vorheriger kmmündlicher Anmeldung zugelasten werden. HilfsVedürf-

Personen können sich wegen kostenloser Benutzung des sernspreGers mit dem Herrn Bürgermeister ihres IDobiv Ees in Verbindung seien. In allen nicht dringlichen Fäl­lst muß der Gesuchsteller außerhalb der Sprecbteiten da- m>l rechnen, daß sein Anliegen unberücksichtigt bleibt.

Die Herren Bürgermeister werden ersucht, vorstehendes ^01 Ausbang in der Gemeinde bekannt zu machen Und ^^bedürftigen Personen in dringlichen Fällen die Kasten- V Benutzung des Fernsprechers 3M ermöglichen.

Schlächtern, den 21. Oktober 1932.

Der Landrat: Dr. Müller.

Städtetag zur Arbeitsbeschaffung

Steuergutscheine für die kommunalen Betriebe und die kommunale Arbeitslosenfürsorge angefordert.

Berlin, 24. Oktober.

Der engere Vorstand des Deutschen Städtetages hat sich soeben nach eingehender praktischer Vorbereitung abschlie­ßend mit der Frage eines kommunalen Arbeitsbejchasfungs- programms beschäftigt.

Ergänzend wird vom Städtetag mitgeteilt: Die Städte sind, soweit es im Rahmen der überaus schwierigen Finanz­lage möglich war, schon bisher bestrebt gewesen, den Wohl- fahrtserwerbslosen an Stelle von baren Unterstützungen Arbeit zu geben. In der kommunalen Arbeitsfürsorge sind zur Zeit in Deutschland mehr als 50 000 Wohlfahrtserwerbs- lose beschäftigt. Die kommunale Arbeitsbeschaffung ist in die­sem Zusammenhang von besonderer Bedeutung, weil die Städte von jeher die größten öffentlichen Auftraggeber ge­wesen sind.

In Betracht kommen beispielsweise in erster Linie der s Kleinstwohnungsbau, wobei das Eigenkapital der Baulusti- gen mit zur Finanzierung herangezogen werden kann, der Bau von Straßen, vor allem von Ausfallstraßen, von Zu­gangsstraßen zu neuen Siedlungen, von Durchgangsstraßen, auch die Erneuerung von Straßenpflaster und andere Arbei­ten, die sonst von der Stadt mit den vorhandenen Kräften und Mitteln nicht ausgeführt werden könnten. Daneben wer­den im Zuge eiyes kommunalen Arbeitsbeschaffungspro- gramms Kleingartenfiedlung und Stadtrandsiedlung, ferner Meliorationen und ähnliche Arbeiten zu fördern sein.

Der Städtetag hat deshalb der Reichsregierung gegen­über seine bereits früher erhobene Forderung wiederholt, daß für die kommmunalen Betriebe und für die kommunale Arbeitsfürsorge im Rahmen des Regierungsprogramms Steuergutscheine zur Verfügung gestellt werden.

Die Verordnung gegen Auio-iebe

GWMM^Wv-H» z« drei Zahrry.

Berlin, 23. Oktober.

Das Reichsgesetzblatt veröffentlicht eine Verordnung des Reichspräsidenten gegen unbefugten Gebrauch von Kraft­fahrzeugen und Fahrrädern vom 20. Oktober 1932.

§ 1. Wer ein Kraftfahrzeug oder ein Fahrrad gegen den Willen de§ Berechtigten in Gebrauch nimmt, wird, so­fern die Tat nicht nach anderen Vorschriften mit schwererer Strafe bedroht ist, mit Gefängnis bis zu drei Jahren be­straft. Der Versuch ist strafbar.

Die Verfolgung tritt nur auf Antrag ein. Die Zurück­nahme des Antrages ist zulässig. Wer die Tat gegen seinen Ehegatten oder gegen einen Verwandten absteigender Linie begeht, ist straffrei. Kraftfahrzeuge im Sinne dieser Verord­nung sind die Fahrzeuge, die durch Maschinenkraft bewegt werden, Landkraftfahrzeuge nur insoweit, als sie nicht an Bahngleise gebunden sind.

§ 2. Die Verordnung tritt am 1. November in Kraft.

Kür Ausbau des Arbeitsdienstes

Berlin, 24. Oktober.

Die Reichspressestelle des Stahlhelm teilt mit: Die zu einer Reichstagung in Berlin versammelten Arbeitsdienst­leiter der 23 Landesverbände des Stahlhelm wandten sich in einem dringenden Appell an die Reichsregierung und den Reichskommissar für Arbeitsdienst, nunmehr nach Abschluß der ersten, vorbereitenden Epoche planmäßig sofort ent­scheidende Schritte zum großzügigen Ausbau des Arbeits­dienstes zu tun, da dieser sonst in ernstesten Unzulänglichkel- ten zu versacken drohe.

Erklärung Schleichers

Badenweiler, 24. Oktober.

Reichswehrminister von Schleicher, der sich gegenwärtig in Badenweiler aufhält. veröffentlicht folgende Erklärung:

In Berlin wird die Nachricht verbreitet, daß ich meinen Aufenthalt in Badenweiler zu politischen Besprechungen be­nutze, die den Bestand des jetzigen Kabinetts gefährden könn­ten. Eine geradezu absurde Idee! Abgesehen davon, daß ich mit dem mir befreundeten Reichskanzler von Popen sachlich und politisch völlig übereinstimme, habe ich während meines Aufenthaltes in Badenweiler noch keine politische Persönlichkeit größeren oder kleineren Formats gesehen oder gesprochen und gedenke das auch in Zukunft nicht zu tun.

Herriot hielt am Sonntag in Lens eine Rebe, in der er auch zur Abrüstung Stellung nahm, den Friedenswillen Frankreichs betonte und auf den demnächst erscheinenden französischen Ronstruktivplan verwies.

Der österreichische Bundeskanzler Dollfuß hielt in Salbung eine Rede, in der u. a. sagte, Oesterreich wolle nicht aus Mitleid von seinem grossen Brudervolk ausge­nommen werden. Oesterreich wolle vorerst sein Haus selbst bestellen, um dereinst frei und unabhängig über sein wei­teres Schicksal zu entscheiden.

Das deutsch-französische Problem

5n diesen Tagen verläßt der deutsche Botschafter von Hoesch Paris, um den wichtigen Posten als Botschafter in London zu übernehmen. Er hat in seinen Abschiedsreden in Uebereinstimmung mit Herriot das deutsch-französische Problem als das überhaupt größte politische Pro­blem bezeichnet. Er hat aber dabei von einem Problem gesprochen, das nicht unlösbar sei. Bei der Lösung dieses Problems liegt eine der Hauptschwierigkeiten in der öffent­lichen Meinung der beiden Völker. Aus diesem Grunde er­scheint es notwendig, gerade jetzt aus Anlaß des Botschafter- wechsels die öffentliche Meinung in Frankreich zu erörtern.

Die gewaltige französische Rüstungsindustrie will Kano­nen verkaufen; das ist ihr Erwerb. Sie ist natürlich gegen die Abrüstung. Damit Frankreich nicht abzurüsten braucht, muß seine Lage als bedroht hingestellt werden. Also muß man Alarmnachrichten in die Welt setzen, muß Unfrieden stiften, muß das französische Volk aufhetzen. Alle die Rufe, daß Frankreich bedroht sei, über die man sich in Deutsch­land so wundert und erregt, haben hier ihren Ursprung und ihre Begründung. Frankreichs Lage im eigenen Land als bedroht erscheinen zu lassen, das liegt im materiellen Inter­esse dieser Kreise, und da sie das Geld mit vollen Händen ausgeben können, finden sie Zeitungen genug, die ihren Standpunkt vertreten. Daran sollte man in Deutschland immer denken.

Aus dem Gesagten geht hervor, daß man die wahre Meinung des französischen Volkes aus den Zeitungen nicht erfahren kann. Die Zeitungen wollen öffentliche Meinung machen, aber sie geben sie nicht wieder. Wie aber bildet sie sich? Wie muß man sich das vorstellen? Wie kann sich überhaupt eine öffentliche Meinung bilden ohne das Mittel der Zeitungen?

Das französische Volk hat einen sehr ausgebildeten, ge­sunden Menschenverstand. Es kennt nicht die übertriebene Hochachtung vor Fachleuten, vor Prüfungen und Diplomen! Und aus dem gefunden Menschenverstand, der sich nicht leicht verblüffen läßt, und natürlichem Gefühl bildet sich so eine lehr einheMche öffentliche Mem'mg, ________________

Eine große Bewegung gitn-^s heute in Frankreich, von der die Pariser wenig, die Ausländer so gut wie nichts wissen, eine Bewegung, die sich der öffentlichen Meinung, man kann fast sagen, bemächtigt hat und die in immer steigendem Maße die wirkliche öffentliche Meinung darstellt: die Bewegung der Frontkämpfer. Ursprünglich hatten sich die Kriegsteilnehmer zusammengeschlossen zur Wahrung ihrer Rechte und noch heute ist das der Hauptzweck, aber im Laufe der Zeit hat sich in ihren Organisationen ein ganz charakteristischer Geist ausgebildet, der Frontkämpfergeist, dem Andre Gervais schon 1927 ein kleines Buch gewidmet hat. Dieser Geist, am stärksten und reinsten im Zentrum und Süden ausgebildet, erfaßt nach und nach die ganze Provinz.

Wie kann man nun die öffentliche Meinung in Frank­reich kennen lernen? In Paris ist es überhaupt sehr schwer, das französische Volk kennen zu lernen, denn Paris ist entgegen der landläufigen Meinung nicht Frankreich, heute weniger als je. Die wahre öffentliche Meinung kann man nur in der Provinz kennenlernen, wenn man dort in Tafts und möglichst auch in Versammlungen geht und Ge­spräche mit Leuten aller Klassen anknüpft, besonders mit einfachen Menschen, weil diese eher aus sich herausgehen. Da findet man, daß keine Frage die französische Oeffentlich- keit so sehr interessiert wie die deutsch-französische Frage. So etwa sagen die Leute:Daß Deuffche und Franzosen tm Weltkrieg die einzigen wirklichen Soldaten waren, hat man gut gesehen. Wie oft haben wir gesagt: Wenn die Deut­schen unsere Bundesgenossen wären, dann wäre bald Schluß! Deuffche und Franzosen sollten sich zusammentun, dann würde Ruhe in Europa herrschen. Aber den Deutschen kann man eben nicht trauen... Jetzt sollen wir ihnen wie­der auf die Füße helfen, und nachher fallen sie vielleicht über uns oder über Polen her! Das geht auf keinen Fall. Un­sere Rüstung? Morgen wird vielleicht eine Erfindung ge­macht, die den ganzen Krempel wertlos macht. Wir ver­stehen ganz gut, daß es in Deutschland Leute gibt, die von Revanche reden. Das war bei uns nach 1870 genau so. Aber wozu kann ein neuer Krieg führen? Nur zum Ruin aller. Das sollten die Leute bedenken und deshalb nicht mit solchen Gedanken spielen." Im französischen Volke wird man überall eine große Achtung vor dem finden, was das deutsche Volk im und nach dem Kriege geleistet hat, aber nichts von Haß oder Vernichtungswillen. Das bestätigen übereinstimmend alle deuffchen Reisenden, die in die fran­zösische Provinz kommen. Aber auch der Wunsch nach He­gemonie ist ihm sremd.Wir fallen Sieger sein? sagen die Franzosen.Eineinhalb Millionen Tote, dreimal so viel Steuern wie vor dem Kriege, vier Fünftel aller Er­sparnisse durch die Inflation verloren, auf 62 Jahre hinaus mit Schuldenzahlungen an Amerika belastet, so steht unser Sieg aus. Wir wollen nur eins: endlich Ruhe haben, end­lich von der Angst vor neuer Mobilmachung befreit fein, in Ruhe arbeiten, unsere Kinder erziehen und etwas fürs Alter zurücklegen. Das geht nur, wenn wir unseren Streit mit Deutschland ein für allemal bereinigen. 2ln der Spitze der Regierungen sollten hüben wie drüben Männer stehen, die den Mut'dazu haben; die Völker würden mitmachen"

Dazu kommt nun noch der Frontgeist, die besondere Auffassung derer, die den Krieg mitgemacht haben. Sie sa­gen:Wir sind es, die den Krieg erlebt, erlitten, als Hgn-