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DchlWemer Zeitung

Kris-Kmtsblatt * MyemeLner amULcherKnKeLyevfÄr 6m KveLs Schlüchte«

Nr. 126

V. Blatt)

Donnerstag, den 20. Oktober 1932

84. Iahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

K reisaussKu ß.

Dolksspenbe Niobe".

Aus Art las? der Niobe-Na tastrophe ist auf Wunsch weitester Volkskreise aus allen Berufsständen und Landes­teilen mit amtlicher Genehmigung unter der Bezeichnung Volksspende Niobe" eine allgemeine Volkssammlung ein» geleitet worden, deren Erträgnisse dazu bestimmt sind, den Grundstock für den Bau eines neuen Schulschiffes zu bilden.

Der Arbeitsausschuß derVolksspende Niobe" hat hierzu folgenden Aufruf erlassen:

Am 26. Juli hat ein unerwartetes und unentrinnbares Naturereignis, wie es in unseren Breiten sonst völlig un­bekannt ist, die stolzeNiobe" Unserer Reichsmarine in Wie Tiefe gerissen. Mit ihr 69 deutsche Seeleute, die das Meer und ihr Vaterland über alles liebten. Am 23. August stand das deutsche Volk in tiefer Trauer mit den Hinter- blichenen und mit seiner Marine vereint an Särgen, die kostbarstes Gut bargen.

Es darf aber bei dieser Trauer nicht alles enden. Das Wollen der 69 heischt Vollendung. Wie sie drängt weiter deutsche Jugend zum Meer und zur Wehr.

Die Reichsmarine muß die Arbeit an ihr so fortführen können, wie der jähe Schicksalsschlag sie unterbrach. Ein Sterns Schiff soll erstehen. Das deutsche Volk selbst will es für sich und seine Marine erschaffen in einelm Opfer, wie die Männer und Jungen derNiobe" es ver­dienen, die ihr Leben im Dienst für Deutschland gaben; in eimm Opfer, das der Welt zeigen soll, wie das deutsche Volk seine Toten zu ehren weiß und wie es auch! in seiner heutigen Zerrissenheit fest zusammensteht, wo sein herz

gerührt wird) ein Opfer, das beweisen soll, wie hoch! Und wertvoll das deutsche Volk die Arfett seiner Marine ein- -schntzt, die geholfen hat, den deutschen Namen in allen hLfen- Ler Lrd^ wiM H Mep M brinacu . eiw OMu schlWich, in dem der Wille des deutschen Volkes erkenn­bar sein mag, im Verlangen nach Wehrfreiheit seinem großen Führer ju folgen.

Aus allen Teilen des deutschen Volkes kömmt täglich neue Anregung zu solcher Volksspende mit besonderer Strafe von den deutschen Frauen, die schon einmal der Marine aus freiwilligen Sammlungen ein Schiff schenk­ten, den SchonerFrauenlok". Das Schiff selbst ist 1860 im Taifun vor Japan gesunken die moralische Wir­kung dieser vaterländischen Tat aber hat alle Zeiten bis heute überdauert.

Der Flottenbund deutscher Frauen Und der Deutsche Flot- ter-verein empfinden es als ihre Pflicht, all' diese aus heißem Herzen kommenden Gedanken und Wünsche zu einer kraftvollen Handlung zusammenzusassen unb das deutsche Volk zu einerVolksspende Ni 0 be" aufzurufen. Tire große Anzahl deutscher Frauen und Männer aus allen tandesteilen und aus allen Berufen unterstützen diesen Aufruf.

Auch d ie kleinste Gabe beweist die Zustim­mung zutdiiesem Gedanken und ist herzlich willkommen."

.Spenden werden über PostscheckkontoVolkssvende Ni- che" Berlin Nr. 126 000, vom Neichsbankgirokonto, von lämtlifen Banken. Neichsbanknebenstsllsn Sparkassen Voitanstalten und anderen durch Ausbang gekennzeichne­te Stellen entgegengenommen.

Der Hauptarkeitsausschuß derVolksspende A'ofe".

^'Nr. 4380 K. A. Vomt'bender Aufruf betr.Volks- Elde Niobe" wird hiermit veröffentlicht. Die Herren Bürgermeister des Nrei es ersuche ich, die Sammlung nach Kräften zu fördern. Sammellisten und Plakate sind in w hauptaesMftsstelle derVolkssvende Niobe" in Ber= lin W 9, Voßstraße 18 erhältlich.

Schlächtern, den 11. Oktober 1932.

Der Vorsitzende des Nreisausschusses: Dr. Müller.

3.=Ar. 4345 K. A. Die Wahl des Johannes Zeber in mw.naronau zum Bürgermeister der Gemeinde Neuen- orenau habe ick auf Grund des § 55 der Landaemeindeord- euna für die Provinz Hessen-Nassau vom 4. August 1897

SchlüGhrn. den 12. Oktober 1932.

Der Sandrat: Dr. Müller.

Landwirtschaft!. Unfallanzeigen

sind ab Lager erhäMich bei H Steinfeld Söhne, Duchbruckerei.

! Gegen die Notverordnung

Wirkschaftsplan der Regierung und Gewerkschaften.

Berlin, 19. Oktober.

Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund und der Allgemeine Freie Angestelltenbund veranstalteten im Plenar­saal des ehemaligen Reichswirtschaftsrats eine öffentliche Kundgebung, in der das ThemaDer Wirtschaftsplan der Reichsregierung und die Gewerkschaften" zur Debatte stand. Als Vertreter der Regierung sah man Ministerialdirektor Dr. Sitzler vom Reichsarbeitsministerium und Dr. Pohl vom Reichswirtschaftsministerium. Zunächst sprach der Abgeord­nete L e i p a r t, der in seiner Eröffnungsrede betonte, die Wirtschaft befinde sich zurzeit auf einem Stand, der die Hoffnung auf Besserung zulasse, aber auch nur die Hoff­nung, die sehr leicht durch die bedenklichen Absperrungs- maßnahmen der Reichsregierung illusorisch gemacht werden könne. Die vordringlichste Aufgabe sei zurzeit eine wirkungs­volle Verminderung der Arbeitslosigkeit, und von der Art und Weise, wie die Reichsregierung diese Arbeit durchführe, werde die Stellungnahme der Gewerkschaften zur Regierung abhängen.

Das Hauptreferat hielt das Mitglied des Bundesvor­standes, Reichstagsabgeordneter T a r n 0 w , der u. a. aus- führte, leider sei die Regierung den Vorschlägen der direkten Arbeitsbeschaffung nicht gefolgt. Sie wolle die Wirtschafts­belebung grundsätzlich über den Weg der privaten Unter­nehmerinitiative. Die Gewerkschaften würden sich keiner Maßnahme in den Weg stellen, von der sie hoffen könnten, daß sie den Arbeitslosen helfe. Aber leidenschaftlich müßten sie gegen den Teil des Planes protestieren, der mit uner­träglicher Härte in den Lebensstandard der Arbeiterschaft und ihre sozialen Rechte eingreife. Die Idee von Lohn­zuschüssen an die Unternehmer sei nicht neu, aber sie wären früher immer nur im Zusammenhang mit der Exportförde­rung genannt worden. Die Notverordnung übe einen star­ken Anreiz zur Verkürzung der Arbeitszeit aus. Die Gewerk­schaften hätten seit Jahren die gesetzliche 40-Stunden-Wocke «ert und den Arbeitern auch zugemutet, im Interesse rbeitslosen nötigenfalls auch ohne Lohnausgleich dieses .««B^f^flälife^ Wenn nun aber die Verordnung zu den 16 Prozent Lohnausfall aus der Ar­beitszeitverkürzung noch weitere 12 Prozent Lohnsenkung hinzufüge, dann allerdings gehe das weit über das erträg­liche Maß hinaus. Die Regierung habe es noch in der Hand, ihre Wirtschaftspläne von den offenkundigen antisozialen Fehlkonstruktionen zu bereinigen, und die Gewerkschaften forderten sie dringend auf, damit nicht länger zu zögern.

Ueber den Kampf um die Wiederherstellung des kollek­tiven Arbeitsrechts und des Tarifrechts sprach dann der Leiter der Arbeitsrechtsabteilung, N ö r p e l.

i Zum Schluß der Kundgebung wurde dann eine Entschließung angenommen, in der von der Reichsregierung die Aufhebung der Verordnungen vom 5. September und 3. Oktober gefor­dert wird. Darüber hinaus wird weiter gefordert die Ab­kehr von überlebten Wirtschaftsformen und die Einleitung einer neuen Organisation der Wirtschaft mit dem Ziel plan­mäßiger Wirtschaftsführung.

Giä-te-un- für Arbeiisbeschaffung Unterstützung des Arbeitsbeschaffungsprogramms durch die kleineren und mittleren Städte.

Berlin, 19. Oktober.

Der Geschäftsführende Vorstand des Reichsstädtebundes beschäftigte sich eingehend mit der unerträglichen Finanzlage der kleinen und mittleren Städte, die in erster Linie auf die noch immer steigende Belastung mit den Kosten der Wohlfahrtserwerbslosigkeit zurückzuführen sei. Die kleinen und mittleren Städte seien an der Wohlfahrtshilfe des Rei­ches nicht beteiligt. Dazu komme, daß die ländlichen Bezirks­fürsorgeverbände vielfach nicht mehr in der Lage sind, ihrer gesetzlichen Verpflichtung aus Erstattung von 70 Prozent i der Fürsorgekosten an die Städte nachzukommen. Eine wirk­same Entlastung der Städte sei nach Auffassung des Reichs- : städtebundes nur durch eine ausreichende Arbeitsbeschaffung möglich.

Würden die Klein- und Mittelstädte in die Lage ver­setzt, durch Zuweisung von Hüsteln im Rahmen des Arbeits­beschaffungsprogramms, wie sie den Großstädten und Land­kreisen zur Verfügung gestellt werden, Arbeiten durchzufüh- ren und dabei in starkem Maße langfristig Erwerbslose zu beschäftigen, so werde damit eine wesentliche Voraussetzung für die Unterstützung des Ankurbelungsprogramms durch die kleinesen und mittleren Städte gegeben sein.

Landratsamt.

Nach der Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft am 15. d. Alts, ist im hiesigen Kreistagsfaal eine Schmucknadel gefunden worden, die im Büro des Landratsamts (3im= mer Ar. 4) ab gefeit werden kann.

Ferner ist nach der letzten Bürgermeifterüerfammlung eine Brille im Kreistagsfaal gefunden worden, die eben­falls im Zimmer Nr. 4 des Landratsamts in (Empfang ge­nommen werden kann.

Schllichtern, den 19. Oktober 1932.

Der Landrat. Dr. Müller.

MacDonalds Mahnung

Die Bemühungen um die November-konferenz.

Berlin, 19. Oktober.

Gleichzeitig mit dem nochmaligen Besuch des englischen Geschäftsträgers in Berlin bei dem Reichsaußenminister hat der englische Premierminister MacDonald in einer auch sonst sehr bemerkenswerten Rede an Deutschland erneut die Ein­ladung und die Mahnung gerichtet, an der Vorkonferenz teilzunehmen, auf der England in kleinerem Kreise die Schwierigkeiten klären möchte, die einen gedeihlichen Fort­gang der großen Abrüstungskonferenz verhindern.

Auch die maßgebenden politischen Kreise Englands sind sich darüber klar, daß die ernsteste dieser Schwierigkeiten in dem Gegensatz zwischen der in ihrer Berechtigung von der englischen Politik durchaus anerkannten deutschen For­derung nach Gleichberechtigung auf der einen Seite und der französischen Haltung auf der anderen Seite erblickt werden muß, und auch in England verkennt man nicht, daß die tatsächlichen Hindernisse zur Ueberwindung dieser Differenz von Frankreich aufgerichtet werden.

Um so weniger aber ist man in England damit einver­standen, daß die Bemühungen der englischen Politik, hier chlichtend einzugreifen, die angesichts der französischen Hal­tung mühselig genug sind, nun auch durch eine deutsche Ein­stellung noch erschwert werden, für die man in England und wie Pressestimmen zeigen, auch in Italien kein Ver­ständnis aufbringen kann oder will. MacDonald hat in ein­dringlicher, fast beschwörender Weise hervorgehoben, was die Teilnahme Deutschlands an diesen Besprechungen zu vieren bedeuten müsse, und er hat aus seinem Unwillen über die deutsche Weigerung, nach Genf zu gehen, kein Hehl ge­macht. Er wird inzwischen durch den Vertreter der eng­lischen Regierung in Berlin Bericht über dessen erneute Aussprache mit dem Reichsaußenminister erhalten haben,

und vielleicht macht ihm dieser Bericht die deutsche Hal­tung verständlicher unter dem Gesichtspunkt, daß die Reichsregierung befürchtet, in Genf in zu gefährliche

: Nähe zu der Abrüstungskonferenz zu geraten. mit der

; sie nichts zu tun haben will, so lange die für Deutschland

- entscheidende Vorfrage der Gleichberechtigung nicht po­sitiv beantwortet ist.

Vielleicht zeigt aber auch der Bericht des englischen Ge­schäftsträgers, daß die Reichsregierung über einen anderen Konferenzort mit sich reden lassen wird, und daß sie es ver­trauensvoll in die Hand des englischen Premierministers legt, den deutschen Gesichtspunkt Frankreich gegenüber zu vertreten und zur Wirkung zu bringen. Daß man den Termin der Vorkonferenz um mehrere Wochen hinausge­schoben hat, ist in dieser Beziehung eine Lösung, die zu einem gewissen Optimismus berechtigen dürfte,

und da die Reichsregierung immer wieder betont, daß sie grundsätzlich mit der englischen Absicht durchaus sym­pathisiert, wird man in London schließlich doch nicht bei dem Vorwurf beharren wollen, daß Deutschland die englischen Absichten böswillig oder kurzsichtig durch­kreuze.

Die englische Regierung legt anerkennenswerkerweise so großes Gewicht auf einen Erfolg ihrer Bemühungen, daß man von ihr auch vielleicht noch die besondere Anstrengung erwarten darf, den sehr durchsichtigen französischen Plänen gegenüber für den deutschen Standpunkt einzutreten, auch wenn er von Berlin aus in etwas abrupter Form geltend gemacht wird.

Eine Ehrenpflicht

Aufruf des Preußischen Staatsministeriums.

Berlin, 19. Oktober.

Der Amtliche Preußische Pressedienst veröffentlicht fol­genden Aufruf des Preußischen Staatsministeriums zur Sammlung für die Hindenburgspende:

Als zum 80. Geburtstag des Herrn Reichspräsidenten die Hindenburgspende ins Leben gerufen wurde, um gemäß dem Wunsche des Jubilars den ihm aus schwerer Kriegszeit besonder, verbundenen Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen zu helfen, fand diese Anregung freudigen und erfolgreichen Wider­hall. Aus Anlaß des 85. Geburtstages des Herrn Reichspräsi- deuten hat sich die Hindenburgspende erneut an das deutsche Volk mit der Bitte gewandt, durch Spenden dem Herrn Reichs­präsidenten die Möglichkeit zu verschaffen, auch fernerhin den notleidenden Kriegsopfern persönlich zu helfen.

Die preußische Staatsregierung unterstützt die Bitte des Kuratoriums der Hindenburgspende nachdrücklichst. Möge seder es als seine Ehrenpflicht und den besten Ausdruck seiner Dank­barkeit gegenüber dem Reichsoberhaupt betrachten, zu dem hilfs- werk nach besten Kräften beizusteuern, damit das Los der unter der Not unseres Vaterlandes besonders leidenden Kriegsbeschä­digten und Kriegerhinterbliebenen gemildert werden kann."

Beamkenratswahlen in Frankfurt a. M.

Die Beamtenratswahlen bei der Cifenbahndirektion Frank­furt a. M. hatten folgendes Ergebnis: Liste des Einheitsverbandes 830 Stimmen (1 Sitz, bisher ebenfalls 1), Gewerkschaftsbund Deutscher Eisenbahner 1537 Stimmen (1 Sitz, bisher 2 Sitze), Ge- meinschaftsliste, umfassend Zentralgewerkschost der Lokomotivführer und die Gewerkschaft der technischen Eisenbahnbeamten. 4820 Stim­men (6 Sitze, bisher 8), Nationalsozialistische Arbeitsgemeinschaft 2781 Stimmen (3 Sitze, bisher nicht vertreten).