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Bunte Bilder vom diesjährigen Herbstmanöver von unserem Pa-Berichterstatter mit Skizzen vorn „Kriegsschauplatz" von J. Beer
Fürstenberg, im Sept.
„Direkt hinter der Front..."
Von Frankfurt an der Oder wollen wir gar nicht reden. Daß dort, am Standort des großen Hauptquartiers, helle Aufregung herrscht, geradezu „Belagerungszustand" — denn ringsherum toben die Schlachten —, das scheint ja mehr als verständlich. Aber hier in Fürstenberg, in dem sonst so friedlichen Mittelpunkt des mecklenburgischen Seenparadieses, hier liegt man gleichsam „direkt hinter der Front" und dennoch weit : genug davon entfernt, um das Fieber der Mutmaßungen über den Verlauf der Gefechte zu steigern . . .
Man ist hier riesig „blau" — was in diesem Falle nicht falsch zu verstehen ist. „Blau" sind die Truppen, die die Odergrenze gegen den imaginären „roten" Feind aus dem Osten schützen. Es versteht sich von selbst, daß Fürstenberg also „blau" ist..
„Blau" wie ihre Haarschleifen sind die jungen Mädchen, die ausgeregt vor die Türen laufen, wenn wieder einmal der knappe, energische Tritt einer feldgrauen Abteilung über das Pflaster knallt. Ganz „blau" ist man am Stammtisch, wo zwischen Frühschoppen und Abendtrunk noch verschiedene Lagen eingelegt werden, wenn bereits lange vor Abschluß der Gefechte eine höchst strenge Manöverkritik geübt wird.
Und „blau" ist die Jugend unter fünfzehn Jahren — die mit Papphelmen und Holzdegen geradezu bravourös den Feind in die Flucht schlägt. Was weiter kein Wunder ist, denn hier im blauen Fürstenberg sind die „Roten" so sehr in der Minderzahl, daß man sie durch Abzählreime feststellen muß . .
Und die „Feindseligkeiten" werden erst eingestellt, wenn ein kühner Radier — einer vom privaten Fürstenberger Erkundungs- dienst — herangebraust kommt, erfüllt mit dem Neuesten vom Kriegsschauplatz . . .
Mit Motorrad und Büchse
Eindruck macht, ist wohl die „Neue Taktik
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der alten Kriegs- wrmMtt —“-
Was dem „Schlachtenbummler" vor allem
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Die Kavallerie greift an —
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„Küchenbullen" mit seiner „berittenen Feldküche" unterdrückt den aufkommenden Streit.
„Achtung, Nachtangriff
Unheimlich ist die Stille, unheimlich sind die Fangarme der blendenden Scheinwerfer, die Erde und Himmel absuchen. Einen Ver- kehrsslieger, der zufällig das Gelände pas-
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Deutschland nun mal keine neuen und sprechenden Kriegsmittel gewährt sind.
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„Die Kavallerie greift ein" — das ehemals das herrliche Bild einer geschlossenen Front von Reitern, eingehüllt in wirbelnde Staubwolken, darüber blitzende Fähnchen. — Ein Kavallerie-Angriff von heute sieht ganz anders aus. In weitesten Abständen, ausgeschwärmt wie eine Schützenlinie in kleinen Kolonnen zu vier öder Zweien, brausen die Reiter heran. Jede kleine Deckung wird ausgenutzt — jedes Gebüsch, jeder Chausseebaum, jede Bodenwelle. Und solch ein neuer Kavallerieangriff hat wirklich etwas Gespenstisches — denn mit Sekundenschnelle sind die Reiter im Gelände verschwunden — das Geknatter der raschen Hufe verklingt, und nur das Nachrücken der Infanterie zeugt noch von dem gelungenen Angriff —
Und dann die Schützenbataillone mit Motorrädern! Mit ohrenbetäubendem Ge- niatter schiebt sich ein solcher Trupp auf der vhauslee vorwärts, Spitze, Kopf und Flankn gedeckt durch Panzerwagen — sprich irivatautomobile, die mit Blech und Holz- "Nten „kriegstüchtig" gemacht wurden!
Diese Kraftrad-Schützen haben einen großen Vorzug — sie sind kolossal „beweglich". Eine kurze Meldung — schon schwankt Ganze auf eine Seitenchaussee und ist Gesichtskreis entschwunden, bevor man
überhaupt den neuen Befehl recht verstanden hat — unbezahlbar für den „Aufklärungs- dienst" —
Das große Hauptquartier
ist für Neugierige jeder Art gesperrt. Von ferne nur sieht man die Schar der hohen Offiziere, die herbeieilenden Meldereiter und Kuriere — manche mit ihren braven Hunden — und die Ordonnanzen mit den Generalstabskarten —
Mittelpunkt des Ganzen, allenthalben mit Jubel und Verehrung begrüßt, die ungebeugte Gestalt des Reichspräsidenten. Mit dem größten Interesse verfolgt er die einzelnen Phasen des Kampfes — selbst wol- kenbruchartige Regenschauer, mit denen der
Maschinengewehr in Stellung, gedeckt gegen
Fliegersicht —
nick
Wettergott nicht geizt, können ihn zurückhalten, sich durch den Augenschein voi
der Kampslage zu überzeugen.
,Manöverkritik“ beim Biwakieren —
im
Ein kleiner Scherz machte die Runde Kreise der Offiziere und Neugierigen: „Wenn nur angesichts des Siegers von Tannenberg der Führer des „Feindes", der Roten (Generalleutnant von Bock), keinen Bock schießt--"
Die unbeliebten Schiedsrichter
Sie zeichnen sich durch eine weiße Armbinde aus und durch plötzliches Auftauchen an den unglaublichsten Stellen der Schlacht-
selber. „Schwere Artillerie" wird ja nur dargestellt durch Holzkulissen. Es kommt bei der Entscheidung über „Sieg" oder „Niederlage" also vor allem auf taktisches Urteil und gutes Auge an.
Ein vorüberrasendes Maschinengewehr, das gerade in flottem Sturzacker biegen will,
, wird durch Armschwenken eines Schiedsrichters aufgehalten. Das Maschinengewehr ist längst „gefechts-
unfähig" — da drüben, das gut postierte Geschütz des Feindes, gegen Sicht mit buntem Laubwerk vorzüglich gedeckt, hat es „erledigt". Die Herren Artilleristen werden gebeten, Platz zu nehmen . . .
Allenthalben sieht man sie liegen, die „Schwerverletzten" und „Toten", die aus dem Gefecht gezogen wurden und nun, den Stahlhelm neben sich im Gras, interessiert dem Fortlauf des Kampfes zuschauen. Sie fühlen sich soweit ganz wohl — bloß über das Urteil des Schiedsrichters gehen die Meinungen heftig auseinander . . .
Die Herren Schlachtenbummler haben sich „in der Etappe" niedergelassen. Das Kurhaus in Bad Saarow vor den Toren Berlins ist ihr Standquartier. Von hier aus führen rasche Automobile bis in die vordersten Reihen.
Es sind an vierzig ausländische Gäste, Generalstabsoffiziere und Militärattaches, ie unter sachverständiger Führung den Kriegsschauplatz besichtigen.
Da sie alle „vom Bau" sind, hat für sie der Aufmarschplan und die rasche taktische Entwicklung das größte Jnteresie. Sie tragen die Generalstabskarten meist offen in der Hand und machen ihre Eintragungen. Es muß sich da doch wohl allerhand lernen lassen . . .
Die „Presie" hat ihre eigenen Wagen — große Autobusse — und sie lernt hier einmal ein bißchen Respekt vor dem Militär. Denn wenngleich man — wie es der Beruf nun einmal erfordert — ständig unterwegs ist — man bekommt die Truppenzüge doch nur höchst selten zu Gesicht. „Geschwindigkeit" und „rasche Manövrierfähigkeit" gehören heute zu den stärksten Waffen. Und ehe sich der schwerfällige JournaUsten-Omnibus in Bewegung gesetzt hat, sind die Fronten längst verschoben--
Biwak vor und in Frankfurt
Am eifrigsten aber wird die Lage beim Biwakieren diskutiert. Im Schutz eines Hügelwäldchens liegt sie, die kampfesmüde Kompagnie, dennoch nicht zu müde, um mit Sachkenntnis Kritik zu üben. „Hätte man die Oderbrücke nicht gesprengt, sondern den Feind lieber in den Hinterhalt gelockt--“
Galopp auf einen
Vormarsch im Schutze der Tanks —
„Mensch, deine Sorgen — wozu haben wir unsere Generäle!"
„Na, man wird doch noch--"
Und erst das ersehnte Eintreffen des
Dann legt man sich, müde und satt, aufs Ohr, feldmarschmäßig gekleidet. Denn morgen ist auch noch ein anstrengender Tag!
Und draußen auf einem Seitengleis vor Fürstenberg steht der Salonwagen, in dem der oberste Kriegsherr, Hindenburg, die Nacht verbringt.
Orientierung auf dem „FeldherrnhügeF
iiert, nehmen sie als „Feind" aufs Korn. Alle anderen „Fliegerkorps" sind ja nur eingebildet . . .
Fast lautlos gehen die Truppenverschie- bungen vor sich, nur wenige Zurufe am Fluß verraten, daß da in Windeseile ein llebergang geschaffen wird. , Erst Gummiboote, dann Pontons, schließlich ein paar Bretter — schon marschiert „der Feind".
Wie eine Erlösung wirkt es, als endlich der „Angriff" erfolgt und die unheimliche Stille von Gewehr- und Maschinengewehr- geknatter zerrissen wird.
Man bekommt sie doch zu spüren,, die Erregung des Kampfes, selbst bei diesem „Scheinkrieg". Vermutlich, weil er so meisterhaft „gemacht" wird