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Schluchtemer Leitung

Lrrts-Kmtsblatt * Myememer amtlicher KuzeLtzer für 6m Kreis Schtüchtem

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Nr. 119 <1. Blatt)Dienstag, den 4. Oktober 1832 84. Jahrs.

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Rufruf.

interhilfe des Kreises Gchlüchtern.

Mitbürgerinnen und Mitbürger!

Die schwere Kot der Zeit Zwingt uns, wie in den beiden setzten Jahren, so auch heute wieder die Bevölkerung des Kreises Schlächtern zu einem Hilfswerk aufzurufen, dessen Ertrag den Erwerbslosen, Kranken und Arbeitsunfähigen dazu verhelfen soll, die Höfe des kommenden Winters zu überstehen. Die ständig wachsende Verelendung weiter Be= oölkerungsschichten hat sich im Dause des letzten Jahres in besonders verhängnisvoller Weise auf die Kassenlage der Gemeinden und des Kreises ausgewirkt,

sodaß schon heute die für den dringendsten Lebensbedarf der Hilfsbedürftigen unbedingt notwendigen Unterstützungen vielfach nicht mehr oder doch nur mit großer Verzögerung geleistet werden können.

wmn die Entwicklung sich in dieser Richtung fortfett, besteht die große Gefahr, daß die öffentliche Fürsorge teilweise oder sogar gänzlich zusammenbricht. Die private Wohlfahrtspflege stellt also in dieser Lage nicht mehr nur, wie in früheren Jahren, eine wertvolle Ergänzung der öffentlichen Fürsorge­leistungen dar, sondern sie wird unter Umständen deren Auf- gaben in weitem Umfange übernehmen müssen. Unter die­sen Verhältnissen ist es nicht nur für die hilfsbedürftigen selbst, sondern

für jedes einzelne Glied des Volkes lebens­wichtig, daß für die Winterhilfe die erforder- Wn großen Mittel bereitgestellt werden, [ damit sie diese Aufgabe erfüllen kann; denn , jeder muß wissen, daß die größten Gefahren für die Allgemeinheit und damit auch für ! jeden einzelnen heraufbeschworen werden, wenn infolge Versagens der öffentlichen und privaten Fürsorgeeinrichtungen weite Kreise der Bevölkerung dem Dünger und der Kälte preisgegeben werden. Dahin darf es bei uns nicht kommen!

Laßt Euch auch nicht durch die an sich berechtigte tjoff« häng auf die sich anscheinend vorbereitende Rückbildung der Weltwirtschaftskrise und auf die Auswirkung der Regie- - rurgsmaßnahmen zur Ueberwindung der Arbeitslosigkeit dazu verleiten, einem leichtsinnigen Optimismus Raum zu geben! So sehr wir Selbstvertrauen und entschlossenen hoff­nungsvollen Willen zur Erkämpfung einer besseren Zukunft brauchen, so wenig dürfen wir uns darüber täuschen, daß eine Besserung nur in langwieriger und mühsamer Aufbauarbeit zu erreichen ist und daß daher der bevörstehende Winter uns un- > bedingt vor die schwersten Aufgaben stellen wird. Diese werden sich nur bei höchster Opferwilligkeit und verantwortungsbewußtem Füreinandereinstehen aller bewältigen lassen. Hier müssen alle Unterschiede des Standes, der Weltanschauung und der parteipolitischen Stellung zurücktreten hinter der sittlichen Pflicht zur Nächstenhilfe ohne Ansehung der Person!

peroijj ist heute manche Einschränkung nötig, auch in den I Men derer, die in früheren Jahren aus einem gewissen I Überfluß noch ohne wesentliches persönliches Opfer spenden | ?°Een. Wenn jetzt in höchster Not ein wirkliches Opfer ge= I Eden muß, so nehmt nicht zur Ausrede, daß (Eure Prüfte schlecht und Eure Einkünfte verringert sind!

Denkt vielmehr an die Tausende, die um das tägliche Brot für sich und ihre Kinder bangen, die einen warmen Rock und Brennholz für die rauhen Winterwochen brauchen und diese I nötigsten Dinge ^entbehren müssen, wenn Ihr | nicht Eure Menschenpflicht tut! Bekennt Euch

als Christen nicht nur mit leeren Worten, sondern beweist die allein christliche Gesinnung der Nächstenliebe durch die helfende Tat! Bekennt Euch zum Vaterland nicht nur mit schönen nationalen Reden, sondern durch selbstlosen opferbereiten Dienst an Euren not­leidenden Volksgenossen, mit denen Ihr durch die deutsche Volksgemeinschaft unlöslich ver­bunden seid!

Nur wenn die Gpferbereltschaft noch grösser fein wirb als die Not, kann die Not über­wunden werden!

Wenn jeder, der noch in fester Arbeit steht, einen Tagesarbeitsverdienst in jedem Mo­nat für die Aermsten der Armen opfert, kann die härteste Not abgewendet werden.

Darum gebe jeder nach seinem besten Können; auch die kleinste Gabe, auch der geringste Dienst ist heute unentbehrlich.

Es sind für den kommenden Winter drei Sammlungen in Aussicht genommen, die erste alsbald, die nächste vor Weih- £s^

in den Wohnungen vorsprechen und Spenden entFezenneh- men. Wir bitten herzlich, diese ehrenamtlichen Sammler nidit abjuweisen.

Die erste Sammlung in den Landgemeinden soll vor allem auch dazu dienen, den nötigen Wintervorrat an Kartoffeln für die Hilfsbe­dürftigen sicherzustellen.

Gottlob ist die Ernte dieses Jahres so reichlich ausgefallen, daß es .jedem Landwirt möglich sein wird, Kartoffeln und Brotfrucht für die Notleidenden zu spenden. Die Bürgermei­ster oder die örtlichen Wohlfahrtsausschüsse werden im Be­nehmen mit der Kreisleitung über die Abholung und Ver- wendung dieser Spenden bestimmen. Sie erteilen auch jede sonstige Auskunft, die über die Wintersammlung gewünscht wird.

Nun helft uns helfen!

Gebt für die Winterhilfe beS Kreises Gchlüchtern!

Dr. Müller, Lanbral des Kreises Schlächtern.

Alt, Stadtoberinspektor, Schlächtern, Vorsitzender des Be= amtenortskarteUs Schlichtern; Deuker und Fischer, Schläch­tern, für die Arbeiterwohlfahrt; Frau Amtsgerichtsrat Faust, Schlächtern, für den vaterländischen Frauenverein vom Ro­ten Kreuz; Friedrich Schuhmachermeister, Schlächtern, Vor­sitzender des Handwerkervereins; Gasnßlen, Bärgermeister, Schlächtern, für den Männerverein vom Roten Kreuz; Frau Gähringer, Schlächtern, für den Hausfrauenverein Schläch­tern; Hix, Lehrer, Schlächtern, für die Arbeitsgemeinschaft der Lehrer pp.; Kind, Pfarrer, Romsthal, für den Karitas- verband; Möller, Bürgermeister in Elm, als Vertreter der Landgemeinden des Kreises; Frau Landwirtschaftsrat Mül­ler, Schlächtern, für den Kreisverband der ländlichen Haus- ftanenvereine; Richter, Dechant, Herolz; Rollmann, Kreis» Pfarrer, Schlächtern; Roth, Gutsbesitzer, Ahlersbach, Vor­sitzender des landwirtschaftlichen Kreisvereins; Roth, Schläch­tern, und Sauer, Elm, Vertreter der Organisationen für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene; Simon, Schlos­sermeister, Schlächtern, Vorsitzender des Innungsausschusses; Frau Stern, Schlächtern, für die jüdische Wohlfahrtspflege; Weber, Bürgermeister, Marborn, Vorsitzender des Kurhessi- schen Bauernvereins; Wolf, Max, Fabrikant, Schlächtern; Wolpert, Pfarrer, Salmünfter, für die innere Mission.

Hindenburgs Ehrentag

Glückwünsche aus aller Wett. Empfang des Reichskanz­lers und des Reichswehrminiflers. Begeisterte Anteil­nahme der Berliner Bevölkerung.

Berlin, 3. Oktober.

Die Reichshauptstadt bot aus Anlaß des 85. Geburts­tages des Reichspräsidenten und Generalfeldmarschalls von hindenburg ein festliches Bild. Alle Amtsgebäude, Bot­schaften und Gesandtschaften sowie zahlreiche Geschäfts- und Privathäuser hatten reichen Flaggenschmuck angelegt. In der Innenstadt, besonders in der Wilhelmstraße, herrschte vom frühen Morgen an reges Leben. Den Auftakt zur Ge­burtstagsfeier gab das Wachregiment Berlin mit dem Gro­ßen Wecken.

3m Reichskanzlerpalais, in dem der Reichspräsident während des Umbaues seines Palais Wohnung genommen hat, gingen im Laufe des Tages telegraphische und schrift- iiche Glückwünsche von fremden Staatsoberhäuptern, von Länderregierungen, von den Präsidenten des Reichstags und des Preußischen Landtags, von Provinzen, Städten, Be­hörden, Verbänden und Persönlichkeiten aus dem 3n- und Auslande in sehr großer Zahl ein. Die beim Reich beglau­bigten Botschafter und Gesandten, ebenso die Mitglie­der des R e i ch s r a l s und zahlreiche andere führende Per­sönlichkeiten trugen sich im Laufe des Sonnkagvormittags in das im Hause des Reichspräsidenten ausliegende Besuchs­buch ein. Von offiziellen Empfängen würd auf ausdrück­lichen Wunsch des Herrn Reichspräsidenten abgesehen. Der Reichspräsident empfing lediglich zur Entgegennahme der Glückwünsche der Reichsregierung den Reichskanzler und anschließend den Reichswehrminister und die Chefs der Heeres- und Marineleikung, die die Glückwünsche der Wehrmacht aussprachen; vorher hatte Staatssekretär Dr. Meißner dem Reichspräsidenten die Glückwünsche der Beamten und Angestellten des Büros und des Hauses darge- brachk.

Die Feier in der Kirche

Am Vormittag nahm der Herr Reichspräsident am Gottesdienst in der Alten Garnisonkirche teil, bei dem der Feldprobst D. Schlegel die Predigt hielt. Der Predigt war zugrundegelegt der Spruch 2 Tim. 1, Vers 3, dem der Reichs­präsident der von ihm aus Anlaß des Tages der Alten Gar­nisonkirche gestifteten Altarbibel als Widmung gegeben hat: Ich danke Gott, dem ich diene von meinen Voreltern her in reinem Gewissen."

Auf der Rückfahrt von der Garnisonkirche legte der Herr Reichspräsident am Ehrenmal Unter den Linden in Ge­genwart des Reichswehrministers und des Chefs der Heeres­und der Marineleitung einen Kranz nieder.

Fahnenkompagnie bei Hindenburg

Um 11.40 Uhr traf vor der Alten Reichskanzlei, in der der Reichspräsident zur Zeit Wohnung genommen hat, eine Fahnenkompagnie der Wachttruppe Berlin ein, die die Fahnen der ehemaligen Regimenter des Herrn Generalfeld­marschalls überbrachte, nämlich des Inf.-Regts. General- Feldmarschall von hindenburg (2. Masurisches) Nr. 147, des 3. Garde-Regiments zu Fuß, des Oldenburgischen Inf.-Regts Nr. 91. Der Reichspräsident trat, gefolgt von seiner mili­tärischen Begleitung, auf die Wilhelmstraße und schritt die Front der Ehrenkompagnie ab. Sodann wurden die neun Feldzeichen in das haus getragen, wo sie im Arbeitszimmer des Reichspräsidenten bis zum 3. Oktober verbleiben werden. Anschließend erfolgte der Vorbeimarsch der Ehrenkompagnie

1 vor dem Reichspräsidenten.

Der Reichspräsident, der Generalfeldmarschallsuniform trug, wurde sowohl bei feiner Fahrt zur und von der Garni- fonkirche, ganz besonders in der Wilhelmstraße von einer zahl­reichen Menschenmenge durch immer sich wiederholende be­geisterte Zurufe und Absingen des Deutschlandliedes begrüßt. Der Reichspräsident zeigte sich auf die ihm geltenden Hoch­rufe öfters dankend am Fenster.

Den Nachmittag und Abend verbrachte der Herr Reichs­präsident im Kreise s e i n e r F a m i l i e, die sich mit Kindern, Enkeln und Urenkeln um ihn versammelt hatte.

Parade der Berliner Wachttruppe

Sonntagmittag fand auf cem Moabiter Exerzierplatz eine Parade der Wachtruppe statt, die der Oberbefehlshaber des Gruppenkommandos I, General der Infanterie von Rundstedt abnahm. Nachdem der General die Front i abgeschritten hatte, brächte er nach einer kurzen Ansprache. ! in der er die Persönlichkeit des Reichspräsidenten würdigte, ein dreifaches Hurra auf den Generalfeldmarschall von Hin­denburg aus. Dann zogen die Kompagnien im Parade­schritt an ihrem Befehlshaber vorüber.

Zur selben Zeit fanden auf verschiedenen großen Plätzen Berlins Konzerte der Reichswehr statt. Im D o m hatten s sich die Angehörigen des Stahlhelm und des Reichskrieger- bundes Kyffhäufer zu einem Festgottesdienst zu Ehren des ! Reichspräsidenten versammelt. Zu beiden Seiten des Altars 1 waren die Fahnen der beteiligten Verbände aufgestellt. Nach­dem der ChoralLobe den Herrn" verklungen war, sprach D. Döring über die Persönlichkeit des Reichspräsidenten. Ein schlichtes Gebet mit dem gemeinsam gesprochenen Vater­unser schloß sich an. _ ,